§. 185.
Das Princip dieses Verfahrens ist dasselbe, welches der in §. 182
angegebenen Methode der Acidimetrie zu Grunde liegt, nur umgekehrt,
d. h. kennt man die Menge einer Säure von bekanntem Gehalte, welche
erforderlich ist, um eine unbekannte Menge kaustisches oder kohlensaures
Kali oder Natron zu sättigen, so lässt sich daraus mit Leichtigkeit die
Menge der Alkalien berechnen.
Zur Ausführung bedarf man nur $einer$ titrirten Flüssigkeit, der
Probeschwefelsäure.
Man bereitet dieselbe gegenwärtig fast allgemein von der Stärke, dass 50
C.C. = 100° 5 Grm. reines wasserfreies kohlensaures Natron sättigen.
Die Bereitung geschieht am einfachsten also:
a. Man vermischt 60 Grm. (annähernd gewogen) concentrirte englische
Schwefelsäure mit 500 C.C., oder 120 Grm. mit 1000 C.C. Wasser und lässt
erkalten.
b. Man wägt 5 Grm. wasserfreies reines kohlensaures Natron genau ab,
bringt es in einen Kolben, löst es in 200 C. C. Wasser und färbt die
Lösung mit violetter (siehe S. 453, Anmerkung) Lackmustinctur blau.
NB. Diese Vorschrift gilt nur für diejenigen, welche nicht auf
feinen chemischen Wagen wägen. Beim Gebrauche solcher, also im
Allgemeinen in den chemischen Laboratorien, ist es weit besser,
eine zwischen 4,5 und 5 Grm. betragende Menge kohlensauren Natrons
im Platintiegel gelinde auszuglühen, unter dem Exsiccator erkalten
zu lassen und dann den Tiegel genau zu wägen. Man schüttet jetzt
den Inhalt des Tiegels in den Kolben, wägt den Tiegel zurück und
erfährt so aufs Genaueste die Menge des in den Kolben gekommenen
kohlensauren Natrons. Diese Methode wird von dem an die feine Wage
gewöhnten Chemiker leichter und schneller ausgeführt, als die
andere und giebt weit zuverlässigere Resultate, da das Abwägen im
verschlossenen Tiegel geschieht. In derselben Art, wie das reine
kohlensaure Natron wird später auch die zu prüfende Pottasche oder
Soda abgewogen.
c. Man füllt die Quetschhahnpipette oder Bürette bis an den 0-Punkt mit
der erkalteten verdünnten Säure und lässt zu der Natronlösung tröpfeln,
bis zur Sättigung (siehe unten). -- Diesen Versuch macht man zweckmässig
doppelt. -- Hat man nicht genau 5 Grm. kohlensaures Natron abgewogen, so
berechnet man aus dem gefundenen Resultate, wieviel Säure man zu 5 Grm.
gebraucht haben würde.
d. Man verdünnt den Säurevorrath in der Art, dass genau 100° 5 Grm.
kohlensaures Natron sättigen. Hätte man bei den Versuchen zu 5 Grm. 80°
Säure gebraucht, so kommen somit zu je 80 Volumen noch 20 Volumina
Wasser. Das Verdünnen geschieht am besten in der in §. 182. aa.
angegebenen Weise. Ich empfehle dringend, die fertig verdünnte Säure
nochmals in der zuvor beschriebenen Weise zu prüfen.
Die so erhaltene Probesäure wird in gut verschlossenen Gefässen
aufbewahrt und vor jeder neuen Versuchsreihe umgeschüttelt (Seite 453).
Sie dient zur Prüfung aller alkalischen Flüssigkeiten und giebt deren
Gehalt an ätzendem oder kohlensaurem Alkali unmittelbar in Procenten an,
wenn man von denselben eine 5 Grm. kohlensaurem Natron äquivalente Menge
abwägt.
Diese Quantitäten ersieht man aus folgender Zusammenstellung:
100° Probesäure sättigen 5,000 Grm. kohlensaures Natron,
100 " " 2,925 " Natron,
100 " " 6,519 " kohlensaures Kali,
100 " " 4,443 " Kali.
Nimmt man demnach von einer Pottasche 6,519 Grm., so geben die
verbrauchten Grade unmittelbar den Gehalt an die Säure sättigendem
Alkali an, ausgedrückt in kohlensaurem Kali, nimmt man 4,443 Grm.,
ausgedrückt in wasserfreiem Aetzkali etc.
Hat man an kohlensauren oder ätzenden Alkalien arme Substanzen zu
prüfen, so nimmt man ein Multiplum obiger Zahl, z. B. das 2fache,
3fache, 10fache, und dividirt die Zahl der verbrauchten Raumtheile
alsdann durch die entsprechenden Zahlen.
In Betreff der Ausführung bleiben noch folgende Punkte zu besprechen: