I. $Das zu untersuchende Wasser ist klar.$

1. $Bestimmung des Chlors.$ Man verwendet 500-1000 Grm. oder C.C.[92].

-- Das Wasser wird mit Salpetersäure angesäuert und mit salpetersaurem

Silberoxyd gefällt. Man filtrirt erst, nachdem sich der Niederschlag

völlig abgesetzt hat (§. 112. I. a.). Sollte die Menge des Chlors so

gering sein, dass durch Silberlösung nur eine schwache Trübung entsteht,

so verdampft man eine grössere Portion des Wassers auf 1/2, 1/4, 1/6

etc., filtrirt, wäscht den Niederschlag aus und verfährt mit dem Filtrat

wie angegeben.

[92] Da das specifische Gewicht der süssen Gewässer von dem des reinen

Wassers nur sehr wenig differirt, so können alle Portionen des

Wassers getrost gemessen werden. Es erleichtert die Rechnung,

wenn man eine runde Anzahl von C.C. nimmt.

2. $Bestimmung der Schwefelsäure.$ Man verwendet etwa 1000 Grm. -- Das

Wasser wird mit Salzsäure sauer gemacht und mit Chlorbaryum versetzt.

Man filtrirt nach völligem Absitzen (§. 105. I. 1.). Bei sehr geringem

Gehalt an Schwefelsäure verdampft man das angesäuerte Wasser auf 1/2,

1/4, 1/6 etc., bevor man Chlorbaryum zusetzt.

3. $Bestimmung der Gesammtmenge der Salze, sowie des Natrons, Kalks, der

Magnesia und der Kieselsäure.$

a. Man verdampft vorsichtig 1000 Grm. Wasser in einer gewogenen Platin-

oder auch Porzellan-Schale zur Trockne. Es geschieht dies anfangs

direct über der Lampe, zuletzt im Wasserbad. Den Rückstand erhitzt man

im Luftbad bei etwa 200°, bis keine Gewichtsabnahme mehr erfolgt. Man

erfährt so die $Gesammtmenge der Salze$.

b. Man fügt jetzt zu dem Rückstande etwas Wasser, dann vorsichtig reine

verdünnte Schwefelsäure in mässigem Ueberschuss. (Die Schale ist hierbei

zu bedecken, damit durch Spritzen kein Verlust entsteht.) Man stellt

jetzt die Schale aufs Wasserbad. Nach 10 Minuten spritzt man die zum

Bedecken verwendete Glasschale ab, verdampft den Inhalt zur Trockne,

verjagt die freie Schwefelsäure, glüht den Rückstand heftig (§. 77. 1.)

und wägt ihn. Er besteht aus schwefelsaurem Natron, schwefelsaurem Kalk,

schwefelsaurer Magnesia und aus etwas abgeschiedener Kieselsäure.

c. Man erhitzt den Inhalt der Schale mit Wasser fast zum Kochen[93],

lässt absitzen und giesst die Lösung durch ein Filter. Dies wiederholt

man mit kleinen Wassermengen noch 4-5 Mal; dann kann man sicher sein,

dass alles schwefelsaure Natron und alle schwefelsaure Magnesia sich in

Lösung befinden.

Man stellt die kleine Schale, in welcher sich der ungelöst gebliebene,

kieselsäurehaltige Gyps befindet, unter einer Glocke bei Seite, trocknet

das Filter, durch welches man die Flüssigkeit abgegossen hat, und

verbrennt es an einem Platindraht über der Schale, so dass alle Asche in

diese fällt.

[93] Ist die Menge des Kalks im Wasser gering, so kann man auch den

Inhalt der Schale mit Salzsäure erhitzen, bis sich Alles -- mit

Ausnahme der Kieselsäure -- gelöst hat. Man filtrirt alsdann

diese ab, wäscht sie aufs Beste aus, trocknet und wägt sie. Mit

dem Filtrate verfährt man nach d.

d. Die Flüssigkeit versetzt man zunächst mit Salmiak und fügt etwas

oxalsaures Ammon zu. -- Nach dem Absitzen filtrirt man die kleine

Menge oxalsauren Kalks ab (welche dem in Lösung übergegangenen Gyps

entspricht). Das ausgewaschene und getrocknete Filter verbrennt man

in oder über der Schale, in welcher sich die Hauptmenge des Kalks als

schwefelsaurer Kalk befindet, behandelt den Inhalt der Schale vorsichtig

mit etwas verdünnter Schwefelsäure, verdampft, glüht und wägt. Nach dem

Wägen erhitzt man den Inhalt der Schale mit concentrirter Salzsäure, um

den Gyps zu lösen. Die unlöslich bleibende $Kieselsäure$ behandelt man

noch mehrmals mit Salzsäure und wäscht sie endlich auf einem Filterchen

vollkommen aus. Zieht man ihre Menge von der des zuletzt gewogenen

Schaleninhaltes ab, so erfährt man die Menge des $Kalkes$ aus dem

Gewichte des so ermittelten schwefelsauren Kalkes.

e. In der von dem oxalsauren Kalke abfiltrirten Lösung bestimmt man

die $Magnesia$ mit phosphorsaurem Natron (§. 82. 2.). Zieht man ihre

Menge, berechnet auf schwefelsaure Magnesia, sammt der des Gypses

und der Kieselsäure ab von dem in b. ermittelten Gesammtgewicht der

schwefelsauren Salze, so bleibt als Rest: $schwefelsaures Natron$.

4. Aus den in 1.-3. ermittelten Zahlen ergiebt sich, nachdem man sie auf

1000 Thle. Wasser berechnet hat, die Menge der gebundenen $Kohlensäure$

auf folgende Art.

Man addirt die Mengen Schwefelsäure, welche den gefundenen Basen

entsprechen, und zieht von der Summe erstens die direct gefundene,

zweitens eine dem gefundenen Chlor äquivalente Menge (für 1 Aeq. Cl 1

Aeq. SO_3) ab; der Rest ist äquivalent der mit den Basen zu $einfach$

kohlensauren Salzen verbundenen Kohlensäure. Somit entsprechen 500 der

so übrig bleibenden Schwefelsäure 275 Kohlensäure.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 499 / 749 题