I. Apparat und Vorbereitungen zur Analyse.

§. 142.

Im Folgenden finden sich, um Anfängern die Sache zu erleichtern, alle

Gegenstände aufgezählt, die man haben muss, ehe man die Ausführung der

Analyse beginnen kann.

1. $Die Substanz.$ Sie muss möglichst fein zerrieben, vollkommen rein

und vollkommen trocken sein. Das Trocknen derselben geschieht nach §. 15.

2. $Ein Röhrchen zum Abwägen der Substanz.$ Ein kleines, 4-5 Centimeter

langes, etwa 1 Cm. weites, vollkommen trockenes Glasröhrchen, dessen

Gewicht man etwa auf 1 Centigramm genau kennen muss. Es wird bis zur

Ausführung der Analyse am besten zu der Substanz in den Trockenapparat

gelegt. Auf der Wage stellt man es zweckmässig in einen kleinen Fuss von

Weissblech (Fig. 57).

[Illustration: Fig. 57.]

3. $Das Verbrennungsrohr.$ Man wählt eine etwa 90 Cm. lange Röhre

von schwerschmelzbarem Glas (Kaliglas), welche ungefähr 12-14 Mm.

Durchmesser im Lichten hat und etwa 2 Mm. dick im Glase ist, erweicht

sie in der Mitte vor der Glasbläserlampe, zieht sie in folgender Weise

aus und zuletzt bei _b_ (Fig. 58) von einander. Man lässt alsdann die

feinen Spitzen in der Flamme sich etwas verdicken, schmelzt zuletzt die

scharfen Ränder bei _a_ und _c_ ein wenig rund und hat nunmehr zwei

fertige Verbrennungsröhren. Man sehe darauf, dass der hintere Theil der

Röhre so gestaltet sei, wie es Fig. 59, nicht aber so, wie es Fig. 60

zeigt, sowie dass die Oeffnung beim Umschmelzen der Ränder ganz rund

bleibe. Das zur Analyse bestimmte Verbrennungsrohr reinigt man mit einem

an einem Draht befestigten Leinwand- oder Papierwischer und trocknet es

alsdann vollständig. Das Trocknen geschieht entweder, indem man das vorn

mit Papier zugedrehte Rohr längere Zeit auf die Platte eines Stubenofens

oder ein Sandbad legt, oder (wenn es schnell beendigt sein soll) indem

man eine Glasröhre in das Verbrennungsrohr steckt, dieses durch Hin- und

Herfahren über einer Weingeistlampe seiner ganzen Länge nach erhitzt und

fortwährend die heisse Luft aussaugt (Fig. 61). Die ganz trockene Röhre

verschliesst man luftdicht mit einem Kork und legt sie bis zum Gebrauch

an einen warmen Ort.

[Illustration: Fig. 58.]

[Illustration: Fig. 59.]

[Illustration: Fig. 60.]

Hat man keine hinlänglich schwer schmelzbaren Röhren, so ist man

genöthigt, dieselben mit einem dünnen Kupferbleche zu umgeben und dieses

mit einem Eisendraht zu umwinden.

[Illustration: Fig. 61.]

4. $Der Kaliapparat$, ein jetzt überall im Handel zu beziehender,

von $Liebig$ erdachter Glasapparat von folgender Form (Fig. 62).

Derselbe wird mit einer klaren, von kohlensaurem Kali möglichst freien

Kalilauge von 1,27 specif. Gew. (§. 45. 7.) so weit gefüllt, als es die

Schattirung der Figur anzeigt. Das Füllen geschieht in der Art, dass

man das Röhrenende _a_ des Apparates (ja nicht das andere) in ein mit

der Kalilauge gefülltes Gefäss steckt und mit dem Mund mittelst eines

durchbohrten Korkes (am sichersten mit Hülfe einer Pipette) an dem

Röhrenende _b_ saugt (Fig. 63). Die beiden Röhrenenden trocknet man

alsdann mit gedrehten Papierstreifchen vollständig aus und wischt den

Apparat aussen mit einem reinen Tuche trocken ab.

[Illustration: Fig. 62.]

[Illustration: Fig. 63.]

5. $Die Chlorcalciumröhre$, ein ebenfalls leicht im Handel zu habender

Apparat, von folgender Form (Fig. 64). -- Man füllt dieselbe also:

zuerst verschliesst man das in die Kugel mündende Ende _a_ der Röhre

_b a_ locker mit ein wenig Baumwolle und zwar in der Art, dass die

Baumwolle etwa 1 Cm. in die enge Röhre hineinragt. Man vollbringt

dies, indem man einen $ganz$ lockeren Baumwollpfropfen in die Mündung

_c_ steckt und alsdann bei _b_ plötzlich und heftig saugt. -- Man

füllt alsdann die Kugel der Chlorcalciumröhre mit grösseren Stückchen

Chlorcalcium (§. 45. 8. b.), die Röhre _c d_ mit kleineren, mit grobem

Pulver untermischten bis _e_, setzt einen lockeren Baumwollenpfropf

auf und verschliesst die Röhre mit einem Kork, in den ein Stückchen

Glasröhre gepasst ist, schneidet den nicht eingedrehten Theil des Korkes

weg, übersiegelt denselben und schmelzt die Kante des Röhrchens _f g_

(Fig. 65) bei _g_ ein wenig rund. --

[Illustration: Fig. 64.]

[Illustration: Fig. 65.]

Zweckmässiger noch -- wenigstens in den meisten Fällen (nicht bei

Schwefel enthaltenden Substanzen) -- wendet man die in Fig. 66

abgebildete Chlorcalciumröhre an, indem man bei dieser das zum grösseren

Theil in der leeren Kugel _a_ verdichtete Wasser nach dem Versuche

ausgiessen und auf seine Reaction etc. prüfen kann. Sie bietet zugleich

den Vortheil, dass man sie weit öfter ohne neue Füllung gebrauchen kann,

als eine Röhre ohne leere Kugel.

[Illustration: Fig. 66.]

6. $Ein Kautschukröhrchen.$ Man bereitet dasselbe, indem man ein

parallelepipedisches, durch schwaches Auseinanderziehen etwas erwärmtes

Stückchen einer Kautschukplatte über einen befeuchteten Glasstab spannt,

die überragenden Ränder mit einer $reinen$ Scheere auf einen Schnitt

abschneidet, und die Schnittflächen an den etwa noch nicht vereinigten

Stellen, ohne dieselben zu berühren, zusammendrückt. -- Man legt alsdann

über das erste Röhrchen ein zweites Stück Kautschuk und verfährt wie das

erste Mal, indem man Sorge trägt, dass die Schnittflächen des inneren

und äusseren Röhrchens auf entgegengesetzte Seiten kommen. Ein solches

doppeltes Rohr hält 50 und mehr Analysen aus. Man zieht es von dem

Glasstab ab und trocknet es bei sehr gelinder Wärme. (Die Hitze des

Wasserbades ist viel zu hoch.) Der Durchmesser des Röhrchens muss so

weit sein, dass das Röhrenende _a_ des Kaliapparates und das Röhrchen

_f g_ des Chlorcalciumrohres (Fig. 65) ohne Mühe hineingeschoben werden

können.

7. $Seidenfäden.$ Man wähle eine starke gedrehte Seidenschnur, schneide

davon 2 etwa 10 Zoll lange Stücke ab und versehe jedes an beiden Enden

mit einem Knoten.

NB. zu 7. und 8. Seit Einführung der vortrefflichen Röhren von

vulcanisirtem Kautschuk ist man, sofern man solche von passender Weite

hat, der Mühe überhoben, die Kautschukröhrchen selbst darzustellen; auch

schliessen jene ohne Umbindung vollkommen gut.

8. $Korkstopfen.$ Man nehme einen weichen, glatten, von sichtbaren

Poren möglichst freien Korkstopfen, der sich in die Oeffnung des

Verbrennungsrohres mit einiger Mühe höchstens zu einem Drittheil

eindrehen lässt und dieselbe vollkommen schliesst, bohre mit Geduld

und Sorgfalt mittelst einer feinen runden Feile ein ganz glattes und

rundes Loch durch seine Achse, in welches das Röhrenende _b a_ des

Chlorcalciumrohres ganz genau passt, und trockne alsdann den Kork

andauernd im Wasserbade. Es ist sehr zweckmässig, ausser dem zur Analyse

zu verwendenden Kork einen zweiten in Reserve zu haben.

9. $Mischungsmörser.$ Eine Reibschale von Porzellan, mehr breit als

hoch, mit Ausguss. Sie sei innen nicht glasirt, ohne Vertiefungen und

Sprünge. Man reinigt sie vor dem Gebrauche durch Ausspülen mit Wasser,

stellt sie zum Trocknen an einen warmen Ort und lässt sie daselbst bis

zum Gebrauche stehen.

10. $Ein Saugrohr.$ Am besten von folgender Form (Fig. 67) In die

Oeffnung _a_ wird ein durchbohrter Kork gedreht, in dessen Oeffnung die

Röhre _b_ des Kaliapparates passt.

[Illustration: Fig. 67.]

11. Eine an beiden Enden offene, etwa 60 Cm. lange $Glasröhre$, welche

so weit ist, dass sie sich über den Schnabel des Verbrennungsrohres

schieben lässt; dieselbe wird beim Gebrauch an ein Filtrirgestell (siehe

Fig. 26) angelehnt.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 427 / 749 题