1. _Prüfung auf Stickstoff._

Körper, welche einigermaassen viel Stickstoff enthalten, verbreiten beim

Verbrennen oder starken Erhitzen den bekannten Geruch gesengter Haare

oder Federn. Ist derselbe deutlich und unverkennbar, so ist jede weitere

Prüfung überflüssig, im anderen Falle nimmt man zu einem der folgenden

Versuche seine Zuflucht.

a. Man mischt die Substanz mit gepulvertem Kalihydrat oder mit

Natronkalk (§. 45. 4.) und erhitzt die Mischung in einem Proberöhrchen.

Im Falle die Substanz Stickstoff enthält, entweicht Ammoniak, durch

Geruch, Reaction und Nebelbildung mit flüchtigen Säuren leicht zu

erkennen. Sollte man durch diese Reactionen nicht völlige Gewissheit

erlangen können, so wird jeder Zweifel beseitigt, wenn man eine etwas

grössere Menge der Substanz in einem kurzen Rohre mit einem Ueberschuss

von Natronkalk erhitzt, die Verbrennungsproducte in verdünnte Salzsäure

leitet, diese im Wasserbade abdampft, den Rückstand mit ein wenig

Wasser aufnimmt und die Lösung mit Platinchlorid und Alkohol versetzt.

Entsteht auch nach längerem Stehen kein Niederschlag, so war die

Substanz stickstofffrei.

b. $Lassaigne$ hat ein anderes Mittel vorgeschlagen, welches sich darauf

gründet, dass, wenn man Kalium mit einer stickstoffhaltigen organischen

Substanz glüht, Cyankalium entsteht. Das Verfahren führt man am besten

folgendermaassen aus.

Man erhitzt die fragliche Substanz mit einem Stückchen Kalium in

einem kleinen Proberöhrchen, behandelt den Rückstand nach völligem

Verbrennen allen Kaliums mit wenig Wasser (Vorsicht hierbei), versetzt

die filtrirte Lösung mit 2 Tropfen einer etwas Oxyd enthaltenden

Eisenvitriollösung, lässt ein wenig digeriren und fügt dann Salzsäure im

Ueberschuss hinzu. Eine entstehende blaue oder blaugrüne Färbung oder

ein solcher Niederschlag giebt den Stickstoffgehalt zu erkennen.

Beide Methoden sind empfindlich. Die letztere gestattet weniger leicht

eine Täuschung als die erstere.

c. In denjenigen organischen Substanzen, welche Oxyde des Stickstoffs

enthalten, lässt sich der Stickstoffgehalt nach den in a und b

angegebenen Methoden nicht nachweisen, wohl aber dadurch leicht

erkennen, dass diese Substanzen, in einer Röhre erhitzt, rothe saure

Dämpfe ausgeben.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 421 / 749 题