4. $Schwefelwasserstoff$ kann von den Säuren der ersten Gruppe ebenso
gut als durch Silbersalz, durch salpetersaures Kupferoxyd oder
durch eine Auflösung von arseniger Säure in Wasser, der man etwas
Salpetersäure zugesetzt hat, geschieden werden.
5. $Chlor in Silicaten.$ -- Bei der Bestimmung des Chlors in Silicaten
ist Manches zu berücksichtigen. a) Lösen sich dieselben in verdünnter
Salpetersäure auf, so fällt man die Lösung direct mit salpetersaurem
Silber (ohne Erwärmen), entfernt aus dem Filtrat den Silberüberschuss
durch verdünnte Salzsäure (ohne Erwärmen) und scheidet dann die
Kieselsäure wie gewöhnlich ab. b) Gelatiniren die Silicate bei
Zersetzung mit Salpetersäure, so verdünnt man, lässt absitzen, filtrirt,
wäscht die abgeschiedene Kieselsäure aus und verfährt mit dem Filtrat
nach a. c) Werden die Silicate durch Salpetersäure nicht zersetzt, so
mengt man sie mit kohlensaurem Natronkali, befeuchtet die Masse mit
Wasser, trocknet sie im Tiegel ein, schmelzt, kocht mit Wasser aus,
entfernt etwa gelöste Kieselsäure mit kohlensaurem Ammon (§. 134. 7.
[Greek: a].) und fällt alsdann, nach Zusatz von Salpetersäure, mit
salpetersaurem Silberoxyd (H. $Rose$).
6. $Chlorverbindungen neben Fluorverbindungen.$ -- Sind dieselben in
Wasser löslich, so kann man zwar nach a. verfahren, bequemer ist es
aber, das Fluor mit salpetersaurem Kalk und im Filtrat das Chlor mit
Silberlösung zu fällen. -- Unlösliche Verbindungen schmelzt man mit
kohlensaurem Natron und Kieselsäure (siehe §. 134. 7. [Greek: a].).
7. $Chlor neben Fluor in Silicaten.$ -- Man verfährt nach §. 134.
7. [Greek: a]. Das alkalische Filtrat sättigt man fast mit
Salpetersäure, fällt dann mit salpetersaurem Kalk, trennt Fluorcalcium
und kohlensauren Kalk nach §. 134. 10. und fällt im Filtrat das Chlor
durch Silberlösung.
8. $Schwefelmetalle von schwefelsauren Salzen.$ -- Alkalische
Schwefelmetalle lassen sich in festen Verbindungen von schwefelsauren
Alkalien durch Alkohol trennen, in welchen jene löslich, diese
unlöslich sind (H. $Rose$); auch kann man in einer Portion die Menge
des Schwefelmetalles maassanalytisch oder mittelst Kupferlösung
bestimmen (§. 116), in einer zweiten die der Schwefelsäure, indem man
mit Chlorbaryum fällt, die Flüssigkeit abgiesst, den Niederschlag mit
verdünnter Salzsäure behandelt und dann erst abfiltrirt. Etwa mit
niederfallender Schwefel verbrennt beim Glühen des schwefelsauren Baryts
und ist somit ohne Nachtheil.
9. $Schwefelmetalle in Silicaten.$ -- Lässt sich die Verbindung durch
Säuren zersetzen, so behandelt man sie im höchst fein gepulverten
Zustande mit rauchender Salpetersäure (§. 116. II. 2. a.). Wenn aller
Schwefel oxydirt ist, verdünnt man, filtrirt zuerst die Kieselsäure ab,
entfernt einen etwa gelösten Antheil mit kohlensaurem Ammon und bestimmt
im Filtrat die erzeugte Schwefelsäure.
$Anhang$: $Analyse von Verbindungen, welche alkalische Schwefelmetalle,
kohlensaure, schwefelsaure und unterschwefligsaure Salze
enthalten.$
§. 136.
Die nachstehende Methode ist zuerst von G. $Werther$[65] angewendet
worden und zwar bei der Untersuchung von Schiesspulverrückständen.
[65] Journ. f. prakt. Chem. 55. 22.
Man übergiesst die zu untersuchende Verbindung mit Wasser, in welchem
eine hinreichende Menge kohlensaures Cadmiumoxyd[66] suspendirt ist,
und schüttelt in einem verkorkten Gefässe häufig. Das alkalische
Schwefelmetall zersetzt sich mit dem kohlensauren Cadmiumoxyd
vollständig. Der gelbliche Niederschlag wird abfiltrirt und mit
verdünnter Essigsäure (nicht Salzsäure) behandelt. Es löst sich das
kohlensaure Cadmiumoxyd, während das Schwefelcadmium zurückbleibt.
Man oxydirt es mit chlorsaurem Kali und Salpetersäure (§. 116. II. 2.
a. [Greek: a]. [Greek: b].) und fällt die aus dem Schwefelmetall erzeugte
Schwefelsäure mit Chlorbaryum.
[66] Um das kohlensaure Cadmiumoxyd frei von Alkali zu erhalten, muss
es durch kohlensaures Ammon gefällt werden.
Die von dem Schwefelcadmium abfiltrirte Lösung wird erwärmt und mit
einer Lösung von salpetersaurem Silberoxyd versetzt. Der Niederschlag,
aus kohlensaurem Silberoxyd und Schwefelsilber bestehend (KO, S_{2}O_{2}
+ AgO, NO_{5} = KO, SO_{3} + AgS + NO_{5}), wird durch Ammon von
ersterem Salze befreit, und aus der ammoniakalischen Lösung das Silber
-- nach Ansäuren mit Salpetersäure -- durch Chlornatrium gefällt. Je 1
Aeq. so erhaltenen Chlorsilbers entspricht 1 Aeq. kohlensaurem Salz[67].
Das Schwefelsilber löst man in verdünnter kochender Salpetersäure,
bestimmt in der Lösung das Silber als Chlorsilber und berechnet hieraus
die Menge des unterschwefligsauren Salzes, wobei zu beachten, dass
1 Aeq. AgCl 2 Aeq. Schwefel in unterschwefliger Säure, also 1 Aeq.
unterschwefligsaurem Salze (KO, S_{2}O_{2}) entspricht.
[67] Von dem so erhaltenen ist eine dem gefundenen Schwefelmetalle
äquivalente Menge abzuziehen (KS + CdO, CO_{2} = CdS + KO, CO_{2}).
Aus der von Schwefelsilber und kohlensaurem Silberoxyde abfiltrirten
Lösung wird zuerst das überschüssige Silber durch Salzsäure, dann
die Schwefelsäure durch ein Barytsalz gefällt. Von der erhaltenen
Quantität der letzteren ist natürlicher Weise so viel abzuziehen, als
der aus der Zersetzung der unterschwefligen Säure entstandenen Menge
entspricht, also für ein Gewichtstheil aus dem Schwefelsilber erhaltenen
Chlorsilbers 0,28 Gewichtstheile Schwefelsäure. Der Rest ist dann die in
der untersuchten Substanz wirklich enthaltene Schwefelsäure.
Bestimmt man in der vom schwefelsauren Baryt abfiltrirten Flüssigkeit
das Alkali nach §. 76 oder 77 als schwefelsaures Salz, so erhält man
eine Controle für die Analyse.