III. Analyse von Doppelcyanüren (Ferrocyan- etc. Verbindungen).

a. $Bolley$[27] hat zur Zerlegung dieser durch Säuren, wie durch Glühen,

meist sehr schwer und durch Kochen mit Quecksilberoxyd nur unvollkommen

zerlegbaren Verbindungen in der neuesten Zeit folgendes einfache

Verfahren angegeben:

Man mischt die abgewogene Menge der getrockneten Cyanverbindung mit der

drei- bis vierfachen Quantität eines aus 3 Thln. schwefelsaurem und 1

Thl. salpetersaurem Ammon bestehenden Gemenges in einem Porzellanmörser,

bringt das Pulver in eine kleine tubulirte Retorte, spült den Mörser

etc. mit dem Ammonsalzpulver nach, fügt an den Hals der Retorte eine

Vorlage ohne Dichtung an und erhitzt unter Umschwenken über einer

Weingeistlampe. Schon bei mässiger Hitze erfolgt unter Verglimmen

eine vollständige Zersetzung, indem sich alles Cyan in Form von

Cyanammonium und von dessen Zersetzungsproducten verflüchtigt, während

die Metalle als schwefelsaure Salze zurückbleiben. Da in die Vorlage

Spuren letzterer übergerissen sein können, so dampft man die darin

enthaltene Flüssigkeit in einem Porzellanschälchen ab, verflüchtigt

(wenn es passend erscheint) die Ammonsalze und nimmt den Rückstand

mit etwas Salpetersäure auf. -- Den Inhalt der Retorte löst man in

Wasser, nöthigenfalls unter Zusatz von etwas Salpetersäure, und trennt

alsdann in der klaren Lösung die Metalle nach den Methoden des fünften

Abschnittes. -- $Bolley$ giebt an, dass er auf diese leichte Art

bei Zerlegung verschiedener Ferro- und Ferridcyanverbindungen genau

übereinstimmende Resultate erhalten habe.

[27] Ann. der Chem. und Pharm. 87. 254.

b. Man mengt dieselben mit 2 Thln. kohlensaurem und 2 Thln.

salpetersaurem Natron und trägt das Gemenge portionenweise in einen

gelinde glühenden Platintiegel oder, wenn solchem Gefahr drohte,

Porzellantiegel (der aber immer stark angegriffen wird) ein. Zuletzt

erhitzt man stark, kocht den Rückstand mit Wasser und trennt die

ausgeschiedenen Oxyde nach den Methoden des fünften Abschnittes.

Würde man diese Methode bei einer viel Alkali enthaltenden Verbindung

anwenden, so hätte man eine mehr oder weniger heftige Verpuffung

zu erwarten. -- Auch bei Verbindungen, welche ein flüchtiges Metall

enthalten, ist sie nicht anzuwenden.

c. Die Bestimmung des Stickstoffs und Kohlenstoffs (des Cyans)

in solchen Verbindungen ist nach den Methoden der organischen

Elementaranalyse auszuführen (siehe Abschnitt VI).

d. Ein Vorschlag zur maassanalytischen Bestimmung des Ferridcyankaliums

neben Ferrocyankalium ist von $Lieshing$ gemacht worden. Er beruht auf

der Zersetzung desselben durch Arsensulfid-Schwefelnatrium; siehe Quart.

Journ. of the Chem. Soc. VI. 31-36. -- Pharm. Centralbl. 1853. S. 388.

§. 116.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 359 / 749 题