I. Bestimmung.

a. Hat man freie Blausäure in Lösung, so versetzt man dieselbe

in ziemlich verdünntem Zustand mit salpetersaurer Silberlösung

im Ueberschuss, fügt ein wenig Salpetersäure zu und bestimmt das

niedergeschlagene Cyansilber nach §. 91. 3. -- Soll auf diese Weise

die Blausäure in Bittermandel- oder Kirschlorbeerwasser bestimmt

werden, so fügt man nach Zusatz überschüssiger Silberlösung Ammon zu

und übersättigt dann schwach mit Salpetersäure. Nur so wird aus diesen

Flüssigkeiten alle Blausäure in Cyansilber übergeführt.

b. _Maassanalytische Bestimmung_, nach $Liebig$[25]. -- Fügt man

zu Blausäure Kali im Ueberschuss, dann eine verdünnte Lösung von

salpetersaurem Silberoxyd, so entsteht erst dann eine bleibende

Trübung von Cyansilber, oder -- wenn man der Lösung einige Tropfen

Kochsalzsolution zugefügt hat, was anzurathen ist -- von Chlorsilber,

wenn alles Cyan in Cyansilber-Cyankalium übergeführt ist. Der erste

Tropfen Silberlösung, welcher weiter hinzukommt, erzeugt den bleibenden

Niederschlag. 1 Aeq. des verbrauchten Silbers in der Silberlösung

entspricht somit genau 2 Aeq. Cyanwasserstoffsäure (2KCy + AgO,

NO_{5} = AgCy, KCy + KO, NO_{5}). -- Zur Prüfung einer verdünnten

Blausäure bedient man sich einer Silberlösung, welche in 500 C.C. =

1000° 2 Grm. metallisches Silber enthält, alsdann entspricht jeder

1/2 C.C. Silberlösung 0,001 Grm. wasserfreier Blausäure. -- $Liebig$

hat mit dieser Methode bei Prüfung von Blausäure von verschiedener

Verdünnung Resultate erzielt, welche mit den nach a. erhaltenen ganz

übereinstimmten. -- Ein Gehalt der Blausäure an Chlorwasserstoffsäure

oder Ameisensäure beeinträchtigt diese Bestimmungsweise nicht.

-- Medicinische Blausäure welche so geprüft werden soll, ebenso

Bittermandelwasser, verdünnt man mit etwa 3-8 Vol. Wasser.

[25] Ann. der Chem. und Pharm. 77. 102.

c. _Maassanalytische Bestimmung_ nach $Fordos$ und $Gelis$[26]. Dieselbe

beruht auf der von $Serullas$ und $Wöhler$ angegebenen Reaction freien

Jods auf Cyankalium: KCy + 2J = KJ + JCy. Es entsprechen somit 2 Aeq.

Jod = 3172, 1 Aeq. Cyan = 325 oder 1 Aeq. Cyanwasserstoffsäure = 337,5

oder 1 Aeq. Cyankalium = 814. Man versetzt zunächst die Blausäure

enthaltende Flüssigkeit vorsichtig mit etwas Natronlauge und fügt

dann $Selterser$ (kohlensäurehaltiges) Wasser zu, um einen etwaigen

Ueberschuss von Alkali in Bicarbonat zu verwandeln; letzterer Zusatz

ist auch nöthig, wenn man gewöhnliches Cyankalium auf diese Art prüfen

will; dann tröpfelt man eine alkoholische Lösung von Jod zu, welche

im Liter 40 Grm. Jod enthält, bis sich die Flüssigkeit bleibend gelb

färbt. -- Jeder 1/2 C.C. (enthaltend 0,020 Jod) entspricht alsdann 0,0051

Cyankalium.

[26] Journ. de Chim. et de Pharm. 23. 48. -- Journ. f. prakt. Chem.

59. 255.

Diese ursprüngliche Angabe von $Fordos$ und $Gelis$ bezieht sich auf

die Analyse des käuflichen Cyankaliums; für wissenschaftliche und

pharmaceutische Untersuchungen dürfte sich dieselbe übrigens auch

recht gut eignen. Man könnte dann die $Bunsen$'sche Jodlösung

(§. 114) verwenden. -- 50 C.C. = 100° der $Bunsen$'schen Jodlösung

(sofern dieselbe genau 0,25 Jod enthalten sollte) entsprechen

0,0256 Cyan.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 357 / 749 题