I. Bestimmung.

a. Hat man Jodwasserstoffsäure in Lösung, so fällt man

mit salpetersaurem Silberoxyd und verfährt genau wie bei

Chlorwasserstoffsäure (§. 112). Eigenschaften des Jodsilbers §. 73. 3.

Resultate völlig genau.

b. Eine andere, zuerst von $Lassaigne$ angegebene Methode, die jedoch

lediglich bei Scheidungen der Jodwasserstoffsäure von Chlor- und

Bromwasserstoffsäure in Anwendung zu kommen pflegt und für diesen Zweck

hohen Werth hat, ist folgende: Man versetzt die mit Salzsäure schwach

angesäuerte Lösung mit Palladiumchlorürlösung, so lange noch ein

Niederschlag entsteht, lässt 24-48 Stunden an einem warmen Orte stehen,

filtrirt den braunschwarzen Niederschlag auf einem gewogenen Filter ab,

wäscht ihn mit warmem Wasser aus und trocknet bei einer Temperatur von

etwa 70-80°, bis der Niederschlag constantes Gewicht zeigt. Man kann das

Trocknen sehr beschleunigen, wenn nach dem Auswaschen das Wasser mit

etwas Alkohol und diesen mit ein wenig Aether verdrängt. -- Am besten

jedoch ist es, den Niederschlag im leeren Raume neben Schwefelsäure zu

trocknen. Eigenschaften des Niederschlages §. 73. 3. Die Methode giebt

bei behutsamem Trocknen sehr befriedigende Resultate; trocknet man

hingegen nahe bei 100°, so riecht der Niederschlag nach Jod und man

erleidet einen geringen Verlust.

Statt das Palladiumjodür zu trocknen und als solches zu wägen, kann man

dasselbe auch in einem Porzellan- oder Platintiegel (letzterer wird

durch die Operation nicht angegriffen) glühen und aus dem rückbleibenden

metallischen Palladium das Jod berechnen (H. $Rose$).

* * * * *

Zu diesen Methoden sind in der neuesten Zeit noch die folgenden

hinzugekommen.

c. $Kersting$[22] hat auf die Fällbarkeit des in $Jodiden$ enthaltenen

Jodes durch Palladiumchlorür eine maassanalytische Bestimmung des Jodes

gegründet. Dieselbe erfordert:

[Greek: a]. $Reine Jodkaliumlösung$ von genau 1/1000 Jodgehalt. Um sie zu

bereiten, löst man 1,308 Grm. geglühtes Jodkalium mit Wasser zu 1 Liter

auf.

[Greek: b]. $Saure Palladiumchlorürlösung$ von 1/2370 Palladiumgehalt. Man

löst 1 Theil Palladium in Königswasser unter Erwärmen auf, verdampft

bei 100° zur Trockne, fügt 50 Thle. concentrirte Salzsäure und 2000

Thle. Wasser zu und lässt klar absitzen. Die genauere Gehaltsbestimmung

geschieht mittelst der Jodkaliumlösung auf die sogleich zu beschreibende

Weise.

[Greek: c]. $Die zu prüfende Jodidlösung.$ -- Man löst die Jodverbindung,

wenn möglich, in Wasser, bestimmt auf die sogleich zu schildernde Weise

den Jodgehalt annähernd, verdünnt danach die übrige Lösung bis zu einem

ungefähren Jodgehalt von 1/1000 und bestimmt sodann den Gehalt genau

(siehe unten). --

[22] Annal. der Chem. und Pharm. 87. 25.

Ist die Jodverbindung in Wasser unlöslich oder in Folge fremder

Beimengungen zur directen Auflösung nicht geeignet, so destillirt

man sie mit concentrirter Schwefelsäure in einer Retorte mit

aufwärts gerichtetem Hals und setzt das Erhitzen fort, bis sich

Schwefelsäurehydratdämpfe zu entwickeln beginnen. Man trägt Sorge,

dass man anfangs zu 20 bis 100 C.C. Flüssigkeit etwa 20 C.C. (jodfreie)

englische Schwefelsäure setzt. Enthält das Destillat freies Jod neben

Jodwasserstoff, so setzt man 1-2 Tropfen dünnen Stärkekleister[23]

zu, dann soviel wässerige schweflige Säure, bis die Blaufärbung eben

verschwindet. Enthält es schweflige Säure (wie dies z. B. bei der

Destillation jodhaltigen Urins mit Schwefelsäure der Fall ist),

so fügt man ebenfalls 1-2 Tropfen Stärkekleister, dann vorsichtig

Chlorkalklösung zu, bis die Flüssigkeit eben blau erscheint, und

vertreibt die blaue Färbung wieder durch 1 oder 2 Tropfen schwaches

schwefligsaures Wasser. -- Enthält die Lösung eine sehr grosse Menge

freier Säuren, so sättigt man diese zum Theil mit Natronlauge.

[23] $Kersting$ bereitet denselben durch Aufkochen von 1 Thl. Stärke,

1/10 Thl. engl. Schwefelsäure und 24 Thln. Wasser.

_Ausführung._

Man bringt 10 C.C. der Palladiumlösung in ein weisses Medicinglas von

100-200 C.C. Inhalt, verdünnt etwas mit Wasser, verkorkt leicht und

stellt das Glas in einen Topf mit Wasser von 60-100°C. -- Nun giesst man

aus der Bürette von der Jodkaliumlösung zu, schüttelt und erwärmt einige

Secunden. Von der bald klar abgesetzten Flüssigkeit giesst man etwas in

zwei Proberöhrchen ab, so dass beide etwa 2 Zoll hoch gefüllt sind. Wenn

man nun in das eine noch etwas Jodkaliumlösung tröpfelt, so kann man

durch Vergleichung mit dem anderen gut sehen, ob dieselbe noch Bräunung

hervorbringt. Man fügt nun in das Medicinglas wiederum Jodkaliumlösung,

schüttet die Proben wieder hinzu, verfährt nach dem Schütteln und Klären

wie zuvor, und setzt dies fort, bis eine neue Menge Jodkalium keine

Färbung mehr erzeugt. Zuletzt prüft man eine filtrirte Probe, und wenn

diese weder von Palladium noch von Jodkalium merklich gebräunt wird, so

ist der Versuch beendigt. -- Man ersieht leicht, dass man, sofern einmal

zuviel Jodkaliumlösung sollte zugegossen worden sein, wieder 1 C.C.

Palladiumlösung zusetzen muss.

Zur anfänglichen genauen Gehaltsbestimmung der Palladiumlösung

verfährt man ganz auf dieselbe Weise. -- Je 100 C.C. der verbrauchten

Jodkaliumlösung (enthaltend 0,100 Jod) entsprechen 0,042 Grm. Palladium.

Nach $Kersting$'s Versuchen sind auf diese Methode folgende Körper

ohne nachtheiligen Einfluss: Verdünnte Salzsäure, Schwefelsäure,

Phosphorsäure, Salpetersäure, Essigsäure, ferner die neutralen Kali-,

Natron-, Ammonsalze dieser Säuren, ebenso Chlorcalcium, Chlorzink,

Bleizucker, Zucker, Harnsäure, das Destillat von Urin mit Schwefelsäure,

Alkohol, Aether, Stärkekleister, Citronenöl. Auch Bromnatrium bei

Gegenwart freier Essigsäure. -- Störend wirken Bromnatrium bei Gegenwart

freier Mineralsäuren, besonders beim Erhitzen, freie Alkalien, freies

Chlor, Brom, Jod, Cyan, viel Salpetersäure in der Hitze, schweflige

Säure. Diese Substanzen lösen Jodpalladium auf, verhindern also die

Fällung.

Die angeführte Methode ist in meinem Laboratorium geprüft worden und hat

sehr gute Resultate geliefert.

d. $Kersting$ hat in der oben angeführten Abhandlung noch eine zweite

maassanalytische Bestimmungsweise des Jods in Jodiden mitgetheilt,

welche noch bequemer als die in c. angegebene zu sein scheint, aber

von weniger allgemeiner Anwendbarkeit ist, da sie bei Gegenwart von

Chlor- und Brommetallen ungenau wird, ebenso durch freie Mineralsäuren;

auch Essigsäure und ihre Salze wirken störend. Die Methode beruht auf

der Thatsache, dass wenn Quecksilberchlorid zu einer Lösung eines

Jodmetalles gesetzt wird, das man durch Zusatz von etwas Stärkekleister

und Bromwasser blau gefärbt hat, die Jodstärke sich erst dann entfärbt,

wenn die Zersetzung des Jodids beendigt ist. Wird die Lösung des Jodids

so verdünnt, dass sie nur 1/10000 Jod enthält, so bleibt das gebildete

Quecksilberjodid gelöst und die Entfärbung der Jodstärke erfolgt in

klarer Flüssigkeit mit grosser Schärfe. In Betreff der Einzelnheiten

verweise ich auf die Orginalabhandlung. (Annal. Chem. 87. 29). Auf

dasselbe Princip lässt sich auch eine maassanalytische Bestimmungsweise

des Quecksilbers gründen.

e. $Penny$[24] hat vorgeschlagen, das Jod in Jodiden mittelst

chromsauren Kalis maassanalytisch zu bestimmen. -- 3KJ + KO, 2CrO_{3}

+ 7ClH = J_{3} + 4KCl + Cr_{2}Cl_{3} + 7HO. -- 1 Aeq. KO, 2CrO_{3}

entspricht somit 3 Aeq. Jod, oder 0,3906 Grm. chromsaures Kali

entsprechen 1,00 Grm. Jod. -- Nach $Penny$ geht dann keine andere als

die genannte Zersetzung vor sich, wenn Erhitzen vermieden wird. Bei der

Ausführung bringt man 0,3906 Grm. chromsaures Kali in 15 C.C. Wasser

gelöst (oder eine abgemessene Portion chromsaure Kalilösung, welche

0,3906 Grm. enthält) mit 6 C.C. Salzsäure kalt zusammen. Andererseits

löst man eine genügende abgewogene Menge des Jodids in 50 C.C. = 100°

Wasser und setzt von dieser Lösung zu der des chromsauren Kalis,

bis eine Probe in einer frisch bereiteten Lösung von Eisenchlorür,

welche man mit Schwefelcyankalium versetzt hat, keine Röthung mehr

hervorbringt. -- Dass diese Methode dann nicht, oder nicht geradezu

anwendbar ist, wenn die Jodidlösung anderweitige auf die Chromsäure

reducirend wirkende Körper enthält, bedarf kaum der Erwähnung.

[24] Chem. Gaz. 1852. 392. Journ. f. prakt Chem. 58. 143.

Die von $Moride$ angegebene Methode, Jod abzuscheiden, siehe §. 137. 2.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 352 / 749 题