II. Trennung der Kohlensäure von den Basen.

Allen folgenden Methoden liegt als gemeinschaftliches Princip die

Austreibung der Kohlensäure durch eine stärkere Säure zu Grunde. Die

Bestimmung der Kohlensäure selbst geschieht immer entweder aus dem

Verlust, -- oder aus der Gewichtszunahme einer Flüssigkeit, durch welche

man die entwichene Kohlensäure hat absorbiren lassen.

a. _Von Basen, welche beim Glühen ihre Kohlensäure leicht und

vollständig verlieren_.

Z. B. kohlensaures Zink-, Cadmium-, Blei-, Kupfer-Oxyd, kohlensaure

Magnesia etc.

[Greek: a]. Von wasserfreien.

Man erhitzt die abgewogene Substanz in einem Platintiegel (bei

Cadmium- und Bleioxyd in einem Porzellantiegel) zum Glühen und setzt

dasselbe fort, bis der Rückstand constantes Gewicht zeigt. Man erhält

begreiflicher Weise sehr genaue Resultate. -- Bei Substanzen, welche an

der Luft erhitzt Sauerstoff aufnehmen, nimmt man das Erhitzen in einer

Kugelröhre vor, durch welche trockene Kohlensäure geleitet wird. -- Die

Kohlensäure ergiebt sich aus dem Verlust.

[Greek: b]. Von wasserhaltigen.

Man erhitzt in dem Falle in einer Glasröhre, welche mit einem

Chlorcalciumrohre und einem Kaliapparate in Verbindung steht, und

in deren hintersten Theil man etwas geschmolzenes chlorsaures Kali

gelegt hat. Das Verfahren ist genau dasselbe, wie bei der organischen

Elementaranalyse (§. 143), daher wir seine genauere Beschreibung

hier übergehen. Das chlorsaure Kali dient dazu, um zuletzt das noch

in der Röhre enthaltene kohlensaure Gas herauszutreiben. Man wägt

Chlorcalciumrohr und Kaliapparat erst nach einer Viertelstunde, während

welcher Zeit das darin enthaltene Sauerstoffgas durch Diffusion

vollständig durch Luft ersetzt wird. Bei sehr genauen Versuchen sättigt

man vor dem Versuche die Kalilauge mit Sauerstoffgas (vergl. §. 143.

b.). Dass die zu glühende Verbindung keine organische Substanz

enthalten dürfe, liegt auf der Hand.

Oder man glüht die Substanz in einer Kugelröhre, durch welche man wohl

getrocknete Luft oder -- sofern oxydable Substanzen vorhanden sind

-- Kohlensäure leitet und die man mittelst eines gut schliessenden

getrockneten Korkes mit einer Chlorcalciumröhre in Verbindung setzt.

-- Während des Glühens erhält man das hintere Ende der Kugelröhre

mittelst einer kleinen Lampe so heiss, dass sich daselbst Wasser

nicht verdichten kann, hütet sich aber wohl, den Kork zu verbrennen.

-- Der Gewichtsverlust der Röhre giebt Wasser + Kohlensäure, die

Gewichtszunahme des Chlorcalciumrohres das Wasser an; somit ist die

Differenz gleich der Kohlensäure.

b. _Von allen Basen ohne Ausnahme_.

[Greek: a]. $Wenn die Salze wasserfrei sind.$ Man wägt die kohlensaure

Verbindung in einem Platintiegel ab, setzt etwa die vierfache Menge

geschmolzenen Boraxglases (§. 44. 8) zu, welches man direct vor dem

Abwägen nochmals erhitzt hat, wägt, erhitzt bei allmälig gesteigerter

Hitze zum starken Glühen und erhält darin, bis der Inhalt des Tiegels

ruhig fliesst. Nach dem Erkalten wägt man. Der Gewichtsverlust ist

Kohlensäure. Resultate genau. ($Schaffgottsch$).

[Greek: b]. $Wenn die Salze durch Säuren leicht und vollständig zersetzt

werden.$

aa. _Wenn ihre Basen mit Schwefelsäure lösliche Salze bilden_.

[Illustration: Fig. 47]

Man bedient sich des in Fig. 47 abgebildeten Apparates, dessen

Einrichtung aus der Zeichnung ohne Weiteres verständlich ist. Die Grösse

der Kölbchen richtet man nach der Tragkraft der zu Gebote stehenden

Wage ein. Die Röhre _a_ ist an ihrem Ende _b_ durch ein Wachskügelchen

verschlossen. Ihr anderes Ende, sowie die Enden der Röhren _c_ und

_d_ sind offen. Das Kölbchen _B_ ist mit concentrirter Schwefelsäure

fast zur Hälfte angefüllt. Die Glasröhren müssen in den Korkstopfen

und diese in den Kölbchen völlig luftdicht schliessen. Man bringt

in das Kölbchen _A_ die abgewogene Substanz, füllt das Kölbchen zu

1/3 mit Wasser an, drückt den Kork ein und bringt den Apparat auf

der Wage ins Gleichgewicht. Man saugt nunmehr mittelst eines kleinen

Saugröhrchens oder eines durchbohrten Korkes aus _d_ ein Paar Blasen

Luft aus. Hierdurch wird auch in _A_ die Luft verdünnt, und die

Schwefelsäure in _B_ steigt in der Röhre _c_ auf. Man beobachtet, ob

ihr Höhestand sich längere Zeit gleich bleibt, und verschafft sich

dadurch die Ueberzeugung, dass der Apparat luftdicht schliesst. Man

saugt jetzt etwas mehr Luft aus _d_, und veranlasst hierdurch, dass

ein Theil der Schwefelsäure nach _A_ herüberfliesst. Das daselbst

befindliche kohlensaure Salz wird durch dieselbe zersetzt, und die

entbundene Kohlensäure entweicht, beim Durchstreichen durch die

concentrirte Schwefelsäure in _B_ vollkommen getrocknet, aus _d_. Wenn

die Entwickelung nachlässt, veranlasst man durch Aussaugen von Luft aus

_d_ ein erneuertes Hinüberfliessen der Säure und fährt so fort, bis

alles kohlensaure Salz zerlegt ist. Man lässt jetzt durch stärkeres

Aussaugen eine grössere Menge Schwefelsäure nach _A_ herüber fliessen,

so dass dessen Inhalt sich sehr stark erhitzt, öffnet, wenn keine

Gasblase mehr kommt, das Wachsstöpfchen auf _a_ ein wenig, und saugt an

_d_ so lange, bis die letztkommende Luft nicht mehr nach Kohlensäure

schmeckt. Nach dem Erkalten bringt man den Apparat wieder auf die Wage

und stellt durch zu demselben gelegte Gewichte das Gleichgewicht her.

Ihre Summe ist gleich der Menge der in der Substanz enthalten gewesenen

Kohlensäure. -- Die Resultate sind genau.

Nimmt man die Kölbchen _A_ und _B_ hinlänglich klein, so lässt sich der

Apparat so herstellen, dass er sammt der Fällung nicht mehr als etwa

80 Gramm wiegt und somit auch auf feinen analytischen Wagen abgewogen

werden kann. -- Ich habe mich bis jetzt nicht überzeugen können, dass

eine der vielen in Vorschlag gekommenen Abänderungen des Apparates

wesentliche Vortheile darböte.

Wie man zu verfahren habe, wenn dem kohlensauren Salze ein

Schwefelmetall oder ein Chlormetall beigemengt ist, wird im fünften

Abschnitte besprochen werden.

bb. _Wenn ihre Basen mit Schwefelsäure unlösliche Salze bilden._

Man kann in dem Falle die Methode aa. nicht gut anwenden, weil das

gebildete unlösliche schwefelsaure Salz, z. B. Gyps, die noch nicht

zerlegte Portion der kohlensauren Verbindung theilweise vor der

Zerlegung schützt; man ändert daher den Apparat so ab, wie ihn Fig. 48

darstellt.

[Illustration: Fig. 48.]

Die Veränderung betrifft einzig und allein die Röhre _a_, welche oben,

wie die Figur zeigt, eine eingelöthete Glaskugel enthält und unten in

eine feine Spitze ausgezogen ist.

Das Verfahren ist folgendes: In _A_ bringt man die abgewogene Substanz

nebst Wasser. Die Kugelröhre _a_ enthält verdünnte Salpetersäure, und

zwar mehr als das kohlensaure Salz zur Zersetzung bedarf; sie wird

durch das aufgedrückte Wachskügelchen _b_ am Herausfliessen aus der

engen Oeffnung gehindert. Die Spitze der Röhre _a_ taucht nicht in das

Wasser in _A_. -- Nachdem der Apparat auf der Wage ins Gleichgewicht

gesetzt ist, dreht man die Röhre _a_ vorsichtig herab, so dass die

Spitze fast auf den Boden von _A_ kommt, lässt alsdann durch momentanes

Oeffnen des Wachsstöpfchens ein wenig Salpetersäure ausfliessen und

fährt so fort, bis alles kohlensaure Salz zersetzt ist. Man stellt

nunmehr _A_ in heisses Wasser, öffnet das Wachsstöpfchen ein wenig,

saugt die Kohlensäure aus dem Apparat und bestimmt nach dem Erkalten die

Gewichtsabnahme.

Man sieht auf den ersten Blick, dass man dem Apparate auch eine andere

Einrichtung geben kann, dass man z. B. statt mit dem Kölbchen _B_

die Röhre _c_ mit einem Chlorcalciumrohr oder einer Röhre, die mit

schwefelsäuregetränktem Bimsstein oder Asbest gefüllt ist, versehen

kann, -- dass man ferner die zur Zersetzung bestimmte Substanz in einem

anfangs aufrecht stehenden, nach dem Tariren umzuwerfenden Röhrchen in

die im Kölbchen befindliche verdünnte Säure bringen kann etc. -- Diese

Modificationen ändern, sofern sie mit Ueberlegung vorgenommen werden,

die Resultate wenig oder nicht.

Der bequemste und empfehlenswertheste von den vorgeschlagenen

abgeänderten Apparaten ist unstreitig der $Geissler$'sche[11], den ich

aus diesem Grunde hier noch beifügen will.

[11] Journ. f. prakt. Chem. 60, 35.

[Illustration: Fig. 49.]

Der Apparat besteht aus zwei Theilen, _AB_ und _C_. -- _C_ ist bei _a_

in _A_ eingeschmirgelt, so dass er luftdicht schliesst und doch, zum

Behufe der Füllung und Entleerung von _A_, leicht abgenommen werden

kann. In _C_ befindet sich ein oben und unten offenes Glasrohr _b c_,

welches bei _c_ in _C_ wasserdicht eingeschliffen ist und durch den

verschiebbaren Kork _i_ in der richtigen Lage erhalten wird. Die übrige

Einrichtung des Apparates ersieht man aus der Zeichnung. Der Kork _e_

muss luftdicht schliessen, ebenso die Röhre _d_ in dem Korke. Die

zur Zersetzung bestimmte abgewogene Substanz bringt man in _A_, fügt

Wasser zu bis zu dem angedeuteten Stand, und bewegt die Substanz durch

Schütteln zur Seite. Man füllt jetzt _C_ mit verdünnter Salzsäure oder

Salpetersäure mittelst einer Pipette fast voll, nachdem man zuvor _i_

hinaufgedreht hat, ohne _b_ zu heben, dreht den Kork wieder herab,

setzt _C_ in _A_ ein, füllt _B_ mit concentrirter Schwefelsäure stark

zur Hälfte und verschliesst _b_ oben mit einem kleinen Wachskügelchen

oder Kork. Nach dem Wägen vollbringt man die Zersetzung, indem man _b_

etwas lüftet und so Säure aus _C_ in _A_ fliessen lässt. Die Kohlensäure

entweicht durch _h_ in die Schwefelsäure und verlässt, durch diese

getrocknet, bei _d_ den Apparat. Wenn die Zersetzung beendigt ist,

erhitzt man _A_ gelinde, lüftet das Wachskügelchen auf _b_ und saugt bei

_d_ mittelst eines durchbohrten Korkes die Kohlensäure aus. Nach dem

Erkalten wägt man.

§. 111.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 339 / 749 题