I. Bestimmung.

Die dreibasische Phosphorsäure lässt sich in sehr mannigfaltiger

Weise bestimmen. Am empfehlenswerthesten sind die Bestimmungen

als _phosphorsaures Bleioxyd_, _pyrophosphorsaure Magnesia_,

_basisch phosphorsaures Eisenoxyd_, _phosphorsaures Zinnoxyd_,

_phosphorsaures_ oder _pyrophosphorsaures Silberoxyd._ Der Bestimmung

als pyrophosphorsaure Magnesia geht häufig eine anderweitige Fällung

-- als phosphorsaures Eisenoxyd, phosphorsaures Quecksilberoxydul

oder phosphorsaures Molybdänsäure-Ammon -- voraus, wie dies sogleich

erwähnt werden soll. -- Auch maassanalytische Verfahrungsweisen sind zur

Bestimmung der Phosphorsäure in Vorschlag gekommen.

Von der Meta- und Pyrophosphorsäure soll hier nur erwähnt werden,

dass sich dieselben nach den sogleich anzuführenden Methoden nicht

bestimmen lassen. Man führt sie, zum Behuf ihrer Bestimmung, am

besten in dreibasische Phosphorsäure über. Es geschieht dies [Greek:

a]) _auf trockenem Wege_, indem man die Substanz mit 4 bis 6 Theilen

kohlensaurem Natronkali andauernd schmelzt. Diese Methode ist jedoch nur

anwendbar bei den Alkalien und denjenigen meta- oder pyrophosphorsauren

Metalloxyden, welche durch Schmelzen mit kohlensauren Alkalien

vollständig zerlegt werden; demnach gelingt sie z. B. nicht bei den

Verbindungen mit alkalischen Erden, ausgenommen bei dem Magnesiasalz.

[Greek: b]) _auf nassem Wege_. Man behandelt das Salz längere Zeit mit

einer starken Säure, am besten mit concentrirter Schwefelsäure, in

der Wärme ($Weber$, Pogg. Ann. 73, 137). Ich bemerke hierzu, dass man

sich auf dem letzteren Wege dem Ziele bei allen denjenigen Salzen nur

nähern kann, deren Basen mit der zugesetzten Säure lösliche Verbindungen

bilden, weil hierbei niemals alle Meta- oder Pyrophosphorsaure in

Freiheit gesetzt wird; während man es ohne Mühe zu erreichen im Stande

ist bei Zusatz von Säuren, welche mit den vorhandenen Basen unlösliche

Verbindungen bilden. In Betreff des Umstandes, in wie weit man sich

im ersteren Falle dem Ziele nähern kann, habe ich gefunden, dass die

Ueberführung um so vollständiger ist, je grösser das Quantum der

zugesetzten freien Säure (doch verbieten andere Rücksichten, hierin zu

weit zu gehen), dass zweitens nothwendig längere Zeit gekocht werden

muss (vergl. Belege Nr. 35).

Ehe ich zu den einzelnen Bestimmungsweisen übergehe, bemerke ich

weiter, dass die Angabe von $Bunce$ (Sillim. Journ. May 1851. p. 405),

Phosphorsäure verflüchtige sich, wenn man ein phosphorsaures Salz mit

Salzsäure oder Salpetersäure zur Trockne verdampfe und den Rückstand

ein wenig erhitze, völlig irrig ist (vergl. meine Abhandl. über diesen

Gegenstand in Ann. der Chem. und Pharm. 86. 216). Dagegen ist wohl zu

beachten, dass unter diesen Umständen die dreibasische Phosphorsäure

zwar nicht bei 100°, wohl aber schon unter 150°, in Pyrophosphorsäure

übergeht; so erhält man z. B. beim Verdampfen von gewöhnlichem

phosphorsaurem Natron mit überschüssiger Salzsäure und Trocknen des

Rückstandes bei 150° NaCl + PO_{5}, NaO, HO.

a. _Bestimmung als phosphorsaures Bleioxyd._

Man verfährt genau wie bei Arsensäure, §. 102, das heisst, man dampft

mit einer gewogenen Menge von Bleioxyd ab und glüht. Diese Methode setzt

voraus, dass die Phosphorsäure allein in wässeriger oder salpetersaurer

Lösung ist; sie bietet den Vortheil, dass sie richtige Resultate

liefert, gleichgültig ob die vorhandene Phosphorsäure ein-, zwei-, oder

dreibasisch ist.

b. _Bestimmung als pyrophosphorsaure Magnesia._

[Greek: a]) _directe_: Man versetzt die Lösung mit einer klaren, am

besten vorräthig gehaltenen, Mischung von schwefelsaurer Magnesia,

Salmiak und Ammon, so lange noch ein Niederschlag entsteht, fügt, falls

die Lösung noch nicht stark ammoniakalisch riechen sollte, noch Ammon

hinzu, lässt 12 Stunden ohne Erwärmen stehen, filtrirt, wäscht den

Niederschlag mit einer Mischung von 3 Wasser und 1 Ammonflüssigkeit

aus, bis das Waschwasser nach Zusatz von Salzsäure, durch Chlorbaryum

nicht im Mindesten mehr getrübt wird, und verfährt alsdann genau nach

§. 82. 2. -- Bei Bereitung der oben angeführten Mischung setze man nicht

mehr Salmiak hinzu, als eben nöthig ist, um die Fällung der Bittererde

durch Ammon zu verhüten. -- Die Resultate fallen sehr genau aus. (Vers.

Nr. 70.) Der Verlust, den man in Folge der geringen Löslichkeit der

basisch phosphorsauren Ammon-Talkerde (Vers. Nr. 31) erleidet, ist

höchst unbedeutend. -- Eigenschaften des Niederschlages und Rückstandes

§. 53. -- Diese Methode kann nur dann angewendet werden, wenn man sicher

ist, alle Phosphorsäure in dreibasischem Zustande zu haben. -- Enthält

die Lösung Pyrophosphorsaure, so fällt der Niederschlag flockig aus und

löst sich in ammonhaltigem Wasser ($Weber$).

[Greek: b]) _indirecte_, nach vorausgegangener Fällung als

phosphorsaures Molybdänsäure-Ammon (nach $Sonnenschein$, J. f. prakt.

Chem. 53, 343). Man löst in grösserem Vorrath 1 Theil Molybdänsäure

in 8 Ammonflüssigkeit, fügt 20 Theile Salpetersäure zu und setzt von

dieser Flüssigkeit zu der salpetersauren Lösung des phosphorsauren

Salzes so viel, dass die Menge der Molybdänsäure ungefähr das 30fache

von der im Salze enthaltenen Phosphorsäure beträgt. Die Flüssigkeit mit

dem entstandenen gelben Niederschlage wird einige Stunden in gelinder

Wärme digerirt, und der Niederschlag dann mit derselben Lösung, durch

welche die Fällung bewirkt ist, ausgewaschen. (Das Filtrat lässt

man längere Zeit an einem warmen Orte stehen, um zu sehen, ob sich

noch ein weiterer Niederschlag bildet. -- Gewissheit, dass bei der

Fällung Molybdänsäurelösung im Ueberschuss ist, erhält man leicht in

der Art, dass man vor dem Abfiltriren einen Tropfen der Lösung mit

Schwefelwasserstoffwasser versetzt, wodurch braunes Schwefelmolybdän

niedergeschlagen werden muss.) Den Niederschlag löst man hierauf auf

dem Filter in Ammon und fällt aus dieser Lösung die Phosphorsäure durch

Magnesialösung (vergl. [Greek: a].). -- Resultate genau (vergl. ausser

den von $Sonnenschein$ gelieferten Belegen auch die von $Craw$ (Pharm.

Centralbl. 23, 669).

[Greek: c]) indirecte, nach vorausgegangener Fällung als phosphorsaures

Quecksilberoxydul (nach H. $Rose$, Pogg. Ann. 76, 218). Man löst

die phosphorsaure Verbindung in einer weder zu geringen noch zu

grossen Menge von Salpetersäure. Zu der in einer nicht zu kleinen

Porzellanschale befindlichen Lösung setzt man reines metallisches

Quecksilber, und zwar so viel, dass stets ein Theil desselben, wenn

auch nur ein geringer, von der freien Säure ungelöst bleibt. Man

verdampft nun im Wasserbade zur Trockne. Riecht die Masse in der Wärme

noch nach Salpetersäure, so befeuchtet man sie mit Wasser und erhitzt

wieder im Wasserbade, bis sie zuletzt nicht mehr danach riecht. -- Man

setzt jetzt heisses Wasser zu, filtrirt durch ein kleines Filter und

wäscht aus, bis das Waschwasser auf Platin keinen fixen Rückstand mehr

hinterlässt. Das Filter, welches ausser phosphorsaurem auch basisch

salpetersaures Quecksilberoxydul und freies Quecksilber enthält,

trocknet man, mengt seinen Inhalt im Platintiegel mit überschüssigem

kohlensaurem Natron-Kali, ballt das Filter zu einer Kugel, bringt es in

eine Vertiefung des Gemenges und überdeckt das Ganze mit einer Schicht

von kohlensaurem Natron-Kali. -- Der Tiegel wird jetzt unter einem gut

ziehenden Rauchfange etwa eine halbe Stunde lang mässig erhitzt, so

dass er nicht zum Glühen kommt. Bei dieser Hitze verflüchtigt sich das

salpetersaure Quecksilberoxydul und das metallische Quecksilber. Man

erhitzt nunmehr über der Lampe zum stärksten Glühen und behandelt den

Rückstand mit heissem Wasser. Er löst sich -- sofern kein Eisenoxyd

zugegen war -- klar auf. Man übersättigt die klare (nöthigenfalls

filtrirte) Lösung mit Salzsäure, fügt Ammon und Magnesialösung zu und

verfährt überhaupt nach [Greek: a].).

c. _Bestimmung als basisch phosphorsaures Eisenoxyd._

[Greek: a]. Man verfährt genau wie bei der Bestimmung der Arsensäure

(§. 102. 3. a.). ($Berthier$) Ein grosser Ueberschuss von Ammon ist zu

vermeiden, weil dieses dem Niederschlage leicht etwas Phosphorsäure

entzieht. Resultate eher etwas zu niedrig, als zu hoch (H. $Rose$).

[Greek: b]. Man verfährt genau wie bei der Bestimmung der Arsensäure

(§. 102. 3. b.), d. h. man wendet die v. $Kobell$'sche Modification des

$Berthier$'schen Verfahrens an. Resultate genau.

[Greek: c]. Man versetzt die Phosphorsäure enthaltende saure Flüssigkeit

mit überschüssiger Eisenchloridlösung von bekanntem Gehalt, fügt

erforderlichenfalls so viel Alkali zu, dass die grösste Menge der freien

Säure neutralisirt wird, versetzt mit essigsaurem Natron im Ueberschuss

und kocht. War die Menge der Eisenchloridlösung genügend, so muss der

Niederschlag braunroth sein. Derselbe besteht aus basisch phosphorsaurem

und basisch essigsaurem Eisenoxyd und enthält alle Phosphorsäure und

alles Eisenoxyd. Man filtrirt kochend ab, wäscht mit siedendem Wasser

aus, trocknet sorgfältig und glüht bei Luftzutritt im Platintiegel. Das

Filter verbrennt man auf dem Deckel. Nach dem Glühen befeuchtet man den

Rückstand mit starker Salpetersäure, verdampft dieselbe bei gelinder

Hitze und glüht zuletzt wieder. Sollte das Gewicht des Rückstandes

hierdurch zugenommen haben, was in der Regel nicht der Fall ist, so

müsste letztere Operation wiederholt werden, bis das Gewicht sich nicht

weiter verändert. -- Zieht man von diesem das Eisenoxyd ab, welches

in der zugesetzten Lösung enthalten war, so bleibt das Gewicht der

Phosphorsäure. (Die Modification dieser schon in den früheren Auflagen

enthaltenen, zuerst von $Schulze$ angegebenen Methode, wonach eine

Eisenchloridlösung von bekanntem Gehalt angewendet wird, wodurch man

somit die Bestimmung des Eisenoxyds im Rückstande (welche nach §. 106.

II. h. auszuführen wäre) erspart, ist von A. $Müller$ zuerst angegeben

worden (Journ. f. prakt. Chem. 47, 341); auch $Way$ und $Ogston$ haben

dieselbe bei ihren Aschenanalysen befolgt (Journ. of the Royal Agricult.

Soc. of England VIII. part 1).

d. _Bestimmung als phosphorsaures Zinnoxyd._

[Greek: a]. Nach $Reinoso$ (Journ. f. prakt. Chem. 54, 261). Man erhitzt

eine bestimmte (natürlicherweise überschüssige) Menge von reinem Zinn

(oder auch von käuflichem, wenn man die Menge des daraus entstehenden

Zinnoxyds kennt) mit der phosphorsauren Verbindung und überschüssiger

Salpetersäure zum Sieden, filtrirt, wenn alles Zinn in Oxyd verwandelt

ist, wäscht aus, trocknet, glüht mit der Vorsicht, dass kein Zinnoxyd

reducirt wird, und wägt rasch, denn der Rückstand ist hygroskopisch. Was

er mehr wiegt, als die dem zugesetzten Zinn entsprechende Menge Oxyd,

ist Phosphorsäure (vorausgesetzt, dass die phosphorsaure Verbindung

sich klar in Salpetersäure löst). (Diese Methode ist bereits mehrfach

mit gutem Erfolg angewendet worden, so von $Girard$ bei Analyse des

phosphorsauren Uranoxyds, von $Joy$ bei Untersuchung des Narwallzahns

etc.).

[Greek: b]. Die von $Bennett$ (Chem. Gaz. 1853. p. 17) vorgeschlagene

Modification des $Reinoso$'schen Verfahrens, wonach zur Lösung der

phosphorsauren Verbindung überschüssige Zinnchloridlösung von bekanntem

Gehalt, dann Glaubersalzlösung gesetzt wird, lieferte bei in meinem

Laboratorium vorgenommenen Versuchen unbefriedigende Resultate.

e. _Bestimmung als phosphorsaures Silberoxyd_, siehe

II. a. [Greek: c].

f. _Bestimmung durch Maassanalyse_ nach $Räwsky$ (Journ. f. prakt.

Chem. 41, 365).

Man fügt zu der sauren Lösung (welche keine Basen enthalten darf, die

mit der Phosphorsäure in Essigsäure unlösliche Verbindungen bilden,

ausgenommen Eisenoxyd) Ammon, bis die freie Säure fast abgestumpft ist,

dann essigsaures Eisenoxyd [eine mit gleichviel essigsaurer Natronlösung

(1 : 10) vermischte Eisenalaunlösung (1 : 10), der man zweckmässig etwas

freie Essigsäure zusetzt, leistet dasselbe] im möglichst geringen

Ueberschuss. Das phosphorsaure Eisenoxyd setzt sich in Form eines

schwach gelblich weissen Niederschlages ab. Man filtrirt, wäscht

sorgfältig mit kaltem Wasser aus (was bei grösseren Mengen zeitraubend

ist), löst den Niederschlag in Salzsäure und bestimmt darin das Eisen

nach §. 90. 3. $Räwsky$ geht von der Voraussetzung aus, dass der

Niederschlag die Zusammensetzung PO_{5}, Fe_{2}O_{3} habe, und bringt

für je 700 Eisen 900 (genau 892, Aeq. des Phosphors = 392) Phosphorsäure

in Rechnung.

Gegen dieses Verfahren sind von verschiedenen Seiten Bedenken erhoben

worden, indem erstens das phosphorsaure Eisenoxyd in essigsaurer

Eisenoxydlösung etwas löslich ist (weshalb dasselbe eben in einem

möglichst geringen Ueberschuss anzuwenden ist), und indem zweitens die

constante Zusammensetzung des Niederschlages bezweifelt wird (Jahresb.

v. $Liebig$ und $Kopp$ 1847 u. 1848. S. 946; -- $Way$ und $Ogston$

ebendaselbst 1849. 571). -- Die in meinem Laboratorium von Herrn D.

$Schirmer$ angestellten Versuche thun ebenfalls mit Bestimmtheit dar,

dass die Zusammensetzung des Niederschlages variabel ist, je nachdem man

die essigsaure Eisenoxydlösung in geringerem oder grösserem Ueberschuss

anwendet.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 326 / 749 题