Die Schwefelsäure wird stets am besten als _schwefelsaurer Baryt_
bestimmt. In Betreff einer neu vorgeschlagenen maassanalytischen
Bestimmung von $Schwarz$ verweise ich auf die Originalabhandlung in
Ann. der Chem. u. Pharm. 84, 99. Das Verfahren ist zu complicirt, um
praktisch zu sein; es erfordert drei titrirte Lösungen und macht zwei
Filtrationen mit Auswaschen nöthig.
1. Man setzt zu der Lösung, wenn nöthig, etwas Salzsäure bis zur
sauren Reaction, erhitzt fast zum Sieden, fügt Chlorbaryum in geringem
Ueberschuss hinzu und verfährt alsdann nach §. 79. 1. a. Das Auswaschen
geschieht am besten zuerst durch Decantation. -- Enthielt die Lösung
Salpetersäure, so schlägt sich mit dem schwefelsauren Baryt leicht etwas
salpetersaurer Baryt nieder, welcher nur durch fortgesetztes Auswaschen
mit heissem Wasser entfernt werden kann, worauf wohl Rücksicht zu
nehmen. -- Unter allen Umständen setze man das Auswaschen so lange
fort, bis das letztablaufende Waschwasser durch Schwefelsäure nicht
im mindesten mehr getrübt wird. Für genaue Analysen empfehle ich
noch folgendes Verfahren. Nachdem der Niederschlag nach §. 36 geglüht
und gewogen ist, tröpfle man einige Tropfen Salzsäure darauf und füge
sodann heisses Wasser zu, rühre mit einem ganz dünnen Glasstäbchen
(oder Platindraht) wohl um, spüle dieses ab und erwärme eine Zeit lang
gelinde. Man giesst jetzt die fast klare Flüssigkeit durch ein kleines
Filter ab und prüft das Filtrat mit Schwefelsäure. Entsteht hierdurch
Trübung oder Niederschlag, ein Zeichen, dass dem schwefelsauren
Baryt ein anderweitiges Barytsalz anhaftete, so wiederholt man das
Auswaschen des Rückstandes mit heissem Wasser, bis das Waschwasser durch
Schwefelsäure nicht weiter getrübt wird. Man trocknet nunmehr den im
Tiegel befindlichen Niederschlag, sowie das kleine Filter, verbrennt
dies auf dem Deckel, glüht zuletzt den ganzen Tiegel und wägt.
2. Für technische Zwecke ist es oft sehr erwünscht, die Schwefelsäure
durch Maassanalyse rasch bestimmen zu können. -- Das Princip
einer solchen ist leicht gefunden. Man fügt von einer titrirten
Chlorbaryumlösung so lange zu, als noch ein Niederschlag entsteht;
die Menge der verbrauchten Barytlösung giebt alsdann die Quantität
der Schwefelsäure an. Nicht so leicht aber ist die Ausführung, da es
schwierig ist, den Punkt rasch und genau zu treffen, bei dem alle
Schwefelsäure gerade ausgefällt ist. -- Am besten gelingt dies noch
folgendermaassen. Man bereitet sich a) eine Chlorbaryumlösung, von
der 50 C.C. = 100° genau 1 Grm. Schwefelsäure ausfällen (also 1° 0,01
Grm.), indem man 26,012 Grm. reines, geglühtes Chlorbaryum mit Wasser
zu 500 C.C. löst; b) eine zehnmal verdünntere, indem man 1 Vol. der
Lösung a) mit 9 Vol. Wasser mischt (1° der letzteren fällt 0,001 Grm.
Schwefelsäure).
Man bringt nun von der Lösung der schwefelsauren Verbindung, welche
so verdünnt sein soll, dass 50 C.C. annähernd 1 Grm. Schwefelsäure
enthalten, 45 C.C. in einen Glaskolben, versetzt mit etwas
Salzsäure, erhitzt zum Kochen und tröpfelt von der concentrirteren
Chlorbaryumlösung zu. Der Niederschlag wird, so erzeugt, rasch
dicht und schwer und setzt sich gut ab. Von Zeit zu Zeit lässt man
absitzen. -- Sobald man findet, dass durch Chlorbaryum kein weiterer
Niederschlag mehr erfolgt, fügt man noch 5 C.C. der Schwefelsäurelösung
zu, lässt einige Zeit kochen und fügt nunmehr mit aller Vorsicht von
der verdünnten Chlorbaryumlösung zu, bis eben keine weitere Trübung
mehr entsteht. Hätte man 43 C.C. = 86° der concentrirteren und 11 C.C.
= 22° der verdünnteren Chlorbaryumlösung verbraucht, so enthielte
die Schwefelsäurelösung 0,86 + 0,022 = 0,882 Grm. Schwefelsäure. --
Weit leichter als mit Chlorbaryumlösung lässt sich dies Verfahren mit
Bleizuckerlösung ausführen, weil sich das schwefelsaure Bleioxyd besser
absetzt, als der schwefelsaure Baryt. -- Die Anwendung der Bleilösung
beschränkt sich aber auf die Fälle, in denen man mit chlorfreien
Flüssigkeiten zu thun hat.