Handelt es sich darum, Quecksilber in Verbindungen seiner Oxyde mit den
Säuren des Stickstoffs zu bestimmen, so kann dies -- nach $Marignac$
(Jahresb. von $Liebig$ und $Kopp$ 1849. S. 594) -- sehr gut in Form
von Oxyd geschehen. -- Man erhitzt zu dem Behuf das Salz in einer
Kugelröhre, deren eines in eine Spitze ausgezogenes Ende in Wasser
taucht, während das andere mit einem Gasometer in Verbindung steht,
mittelst dessen man, so lange erhitzt wird, trockene Luft durchleitet,
wodurch man leicht die völlige Zersetzung des Salzes vollbringt, ohne
doch die zu erreichen, bei welcher das Oxyd selbst zerlegt werden würde.
5. _Bestimmung durch Maassanalyse_ (nach $Liebig$, Annal. der Chem. und
Pharm. 85, 307).
Dieselbe beruht darauf, dass phosphorsaures Natron zwar
aus salpetersaurer Quecksilberoxydlösung, nicht aber aus
Quecksilberchloridlösung phosphorsaures Quecksilberoxyd in Gestalt
eines anfangs flockigen, bald aber krystallinisch werdenden, weissen
Niederschlages fällt, und dass daher Chlornatrium den in ersterer Lösung
entstandenen Niederschlag -- so lange er noch nicht krystallinisch
geworden -- mit Leichtigkeit wieder löst, indem sich phosphorsaures
Natron und Quecksilberchlorid bilden. Kennt man daher die zur Lösung
des Niederschlages erforderliche Menge Kochsalz, so ergiebt sich daraus
auch die des Quecksilbers; denn je 1 Aeq. Chlornatrium löst 1 Aeq.
Quecksilberoxyd (in Form von phosphorsaurem Oxyd), somit sind 0,54103
Grm. Chlornatrium erforderlich, um 1 Grm. des Oxyds zu lösen.
a. _Bereitung der titrirten Chlornatriumlösung._ Man löst 10,8206 Grm.
reines Chlornatrium in Wasser zu 1 Liter Flüssigkeit ($Liebig$ mischt 20
C.C. bei gewöhnlicher Temperatur gesättigte Kochsalzlösung mit 566,8 C.C.
Wasser). Jeder C.C. der auf eine oder die andere Art bereiteten Lösung
entspricht 0,020 Grm. Quecksilberoxyd.
b. _Herstellung der Quecksilberoxydlösung._ Dass dieselbe frei von
Chlorverbindungen sein und alles Quecksilber als Oxyd enthalten
müsse, ergiebt sich aus dem Gesagten von selbst; aber auch eine
gewisse Verdünnung ist nöthig, wenn der Versuch gut gelingen soll.
Nach $Liebig$'s Angabe ist es gut, wenn die zur Probe dienende
Quecksilberlösung in 10 C.C. nicht mehr als etwa 0,2 Grm. Oxyd enthält.
-- Findet man daher bei einem ersten vorläufigen Versuch, dass die
Concentration zu stark ist, so verdünnt man sie entsprechend, ehe man
zur eigentlichen Bestimmung schreitet. -- Die Quecksilberlösung darf
ferner nicht zu viel freie Säure enthalten; sie enthält die richtige
Menge, wenn nach dem Zusatz der sogleich anzugebenden Menge von
phosphorsaurer Natronlösung die Mischung nicht mehr sauer reagirt. Eine
zu stark saure Lösung versetzt man mit kohlensaurem Natron, bis sich
basisches Salz niederschlägt und löst dieses mit einem oder zwei Tropfen
Salpetersäure wieder auf.
c. _Ausführung._ Dieselbe lässt sich in zweierlei Art bewerkstelligen;
am besten wendet man beide an, da die erste ein etwas zu hohes, die
zweite ein etwas zu niedriges Resultat liefert, und sich somit bei
Combinirung beider die Fehler ausgleichen.
Methode I. Man misst 10 C.C. von der Quecksilberlösung in ein Becherglas
ab, setzt 3-4 C.C. einer gesättigten Lösung von phosphorsaurem Natron
zu und lässt sogleich, ehe der Niederschlag krystallinisch geworden,
Kochsalzlösung -- zuletzt sehr behutsam -- zufliessen, bis der
Niederschlag eben verschwunden ist.
Angenommen, man habe hierzu 12,5 C.C. Kochsalzlösung verbraucht, so misst
man (Methode II.) jetzt 12,5 derselben Kochsalzlösung ab, setzt 3 bis
4 C.C. phosphorsaure Natronlösung zu und lässt zu dieser Mischung aus
einer Bürette von der nämlichen Quecksilberlösung fliessen, bis ein
bleibender Niederschlag sich eben einstellt. Gesetzt, man habe dazu
10,25 C.C. Quecksilberlösung verbraucht, so ergiebt sich der wahre Gehalt
derselben aus der Betrachtung, dass 12,5 + 12,5 = 25 C.C. Kochsalzlösung
10 + 10,25 = 20,25 Quecksilberoxydlösung entsprochen haben. Da nun 1 C.C.
Kochsalzlösung 0,020 Grm. Quecksilberoxyd entspricht, so entsprechen
25 C.C. 0,5 Grm. -- Diese waren in den 20,25 C.C. der Quecksilberlösung
enthalten.
Das Verfahren, in dieser Weise ausgeführt, liefert, wie $Liebig$ durch
zahlreiche Belege erwiesen hat, sehr annähernde Resultate, z. B. 0,1878
Grm. statt 0,1870, -- 0,174 Grm. statt 0,1748 Grm, -- 0,1668 Grm. statt
0,1664 Grm. etc.
§. 95.