1. _Bestimmung des Silbers als Chlorsilber._

a. Auf nassem Wege.

Um das Silber als Chlorsilber zu bestimmen, kann man dieses von der

Flüssigkeit, aus welcher es gefällt wurde, entweder durch Filtration

oder aber durch Decantation trennen. Das letztere Verfahren ist bei

grösseren Mengen des Niederschlages, das erstere bei geringeren

vorzuziehen.

[Greek: a]. Bestimmung durch Decantation.

Man bringt die mässig verdünnte Silberlösung in einen hohen Kolben mit

langem Halse und enger Mündung, fügt etwas Salpetersäure zu, erwärmt auf

etwa 60°, setzt Salzsäure zu, so lange noch ein Niederschlag entsteht,

verschliesst die Mündung des Kolbens mit einem ganz glatten Korke

(besser mit einem gut eingeriebenen Glasstopfen) und schüttelt so lange

mit Heftigkeit, bis sich das gefällte Chlorsilber in zusammenhängende

Klumpen vereinigt hat, und die überstehende Flüssigkeit klar geworden

ist. Man reinigt alsdann den Hals des Kolbens von anhängendem

Chlorsilber durch Aufschwenken der klaren Flüssigkeit, spült die letzten

Theilchen mit der Spritzflasche hinunter und stellt alsdann den Kolben

mit lose aufgesetztem Stopfen aufs Sandbad an einen mässig heissen

Ort, bis die über dem Niederschlage stehende Flüssigkeit absolut klar

geworden ist, was meistens erst nach Verlauf mehrerer Stunden der Fall

ist. Die Flüssigkeit wird nunmehr langsam und vorsichtig, so dass kein

Theilchen des Niederschlages mit herausgerissen wird, so weit wie

möglich in ein Becherglas abgegossen, das Chlorsilber aber behutsam in

einen Porzellantiegel mit glatten und steilen Wänden herausgespült.

Die allerletzten Theilchen bringt man auf die Weise heraus, dass man

in den Kolben wenig Wasser bringt und mittelst desselben, während

man die mit dem Finger zu verschliessende Oeffnung nach unten kehrt,

die Wandungen vollständig abspült. Die Chlorsilbertheilchen sammeln

sich alsdann im Hals und können leicht in den Tiegel gebracht werden,

wenn man die Mündung des Kolbens dicht über den Tiegel hält und die

Flüssigkeit ausfliessen lässt. -- Wenn sich das Chlorsilber in dem

Tiegel vollständig abgesetzt hat, was durch Erhitzung im Wasserbade

sehr beschleunigt wird, giesst man die überstehende klare Flüssigkeit

mit Hülfe eines Glasstabes in das nämliche Becherglas ab, in welchem

sich die erst abgegossene befindet, übergiesst das Chlorsilber mit

ein paar Tropfen Salpetersäure, dann mit heissem destillirtem Wasser,

lässt wieder klar absitzen, giesst neuerdings ab und wäscht auf diese

Art so lange aus, bis eine Probe der zuletzt abgegossenen Flüssigkeit

mit Silberlösung keine Trübung mehr giebt. Man entfernt alsdann die

Flüssigkeit so vollständig als möglich mittelst einer Pipette oder auch

durch behutsames Abgiessen, trocknet das Chlorsilber im Wasserbade

völlig aus, erhitzt es behutsam bei anfangs ganz gelinder, zuletzt

verstärkter Hitze über der Lampe, bis es am Rande zu schmelzen anfängt,

lässt erkalten und wägt.

Um nun die angeschmolzene Masse, ohne den Tiegel zu verletzen,

herauszubringen, legt man ein Stückchen Eisen oder Zink auf das

Chlorsilber und übergiesst mit ganz verdünnter Salz- oder Schwefelsäure.

Nach beendigter Reduction reinigt, trocknet und wägt man den Tiegel.

-- Im Falle die von dem Chlorsilber abgegossenen Flüssigkeiten nicht

absolut klar sein sollten, lässt man sie an einem warmen Orte stehen,

bis sich die Chlorsilbertheilchen vollständig abgesetzt haben (was unter

solchen Umständen oft erst nach vielen Stunden der Fall ist), giesst die

klare Flüssigkeit ab, vereinigt den Niederschlag mit der Hauptmasse des

Chlorsilbers, wäscht aus, und verfährt wie oben, -- oder -- und diese

Methode führt rascher zum Ziele -- man sammelt die kleine Menge des

Niederschlages auf einem Filterchen, verfährt damit nach [Greek: b].

und addirt die nachträglich erhaltene kleine Quantität Chlorsilber zur

Hauptmenge.

[Greek: b]. Bestimmung durch Filtration.

Man verfährt in Bezug auf die Art des Fällens und Absitzenlassens wie in

[Greek: a]., giesst alsdann zuerst die über dem Niederschlage stehende

Flüssigkeit durch ein kleines Filter, spült mit Hülfe von heissem

Wasser, dem man etwas Salpetersäure zusetzt, das Chlorsilber vollständig

darauf, wäscht es zuerst mit salpetersäurehaltigem, zuletzt mit reinem

Wasser aus, trocknet scharf, glüht nach §. 36 und wägt. Wenn man nach

Vorschrift verfährt, lässt sich das Chlorsilber ohne Schwierigkeit klar

abfiltriren. -- Man trage Sorge, das Filter vor dem Verbrennen soviel

wie möglich von anhängendem Chorsilber zu befreien.

Die Eigenschaften des Niederschlages siehe §. 61. Beide Methoden geben

sehr genaue Resultate. -- Bei gleich sorgfältiger Ausführung fallen

jedoch die nach [Greek: a]. erhaltenen noch etwas genauer aus, als die

nach [Greek: b]. gewonnenen, indem man bei letzterer Methode dadurch

einen kleinen Verlust erleidet, dass ein wenig des am Filter hängenden

Chlorsilbers beim Glühen (durch die reducirende Wirkung des Kohlenoxyds)

reducirt wird. (Manche Chemiker bringen das bei der Filterasche

befindliche Silber geradezu als metallisches Silber in Rechnung.) Will

man diese Fehlerquelle vermeiden, so bringt man die silberhaltige

Filterasche in den Tiegel zu dem Chlorsilber, setzt ein wenig verdünnte

Salpetersäure zu, erwärmt eine Zeit lang, fügt ein Paar Tropfen

Salzsäure zu, dampft ab, trocknet und glüht wie in [Greek: a].

b. Auf trockenem Wege.

Diese Methode, obgleich auch bei anderen Verbindungen anwendbar, dient

in der Regel nur zur Analyse des Brom- oder Jodsilbers. Man bringt

zu diesem Behufe die zu analysirende Verbindung in die Kugel einer

Kugelröhre, schmilzt sie darin, wägt und leitet reines und trockenes

Chlorgas in ganz langsamem Strome darüber. Dem Apparat giebt man

folgende Einrichtung: _a_ ist ein Chlorentwickelungsapparat, _b_ enthält

concentrirte Schwefelsäure, _c_ Chlorcalcium, _d_ ist die das Jod- oder

Bromsilber enthaltende Kugelröhre, _e_ führt das entweichende Chlor zum

Fenster hinaus. Wenn die Chlorentwickelung eine Zeit lang im Gange ist,

erhitzt man den Inhalt der Kugel zum Schmelzen und erhält ihn darin ein

Viertelstunde, während man die geschmolzene Masse dann und wann in der

Kugel ein wenig bewegt. Nach Hinwegnahme der Röhre und nach dem Erkalten

hält man sie schief, damit das Chlorgas durch Luft verdrängt werde,

und wägt. Man leitet alsdann nochmals, wie oben, über die geschmolzene

Masse einige Minuten lang Chlor und wägt wiederum. Blieb das Gewicht

unverändert, so ist der Versuch beendigt. -- Die Resultate fallen bei

gehöriger Vorsicht ausserordentlich genau aus.

[Illustration: Fig. 43.]

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 255 / 749 题