lehrt uns, dass wir 84,2° gebraucht hätten, wenn genau 1 Grm. Eisen wäre
abgewogen worden (was viel schwerer thun, als sagen ist).
100° - 84,2° = 15,8°.
Wir müssen somit zu je 84,2° unserer Lösung noch 15,8° Wasser setzen, um
ihr die richtige Verdünnung zu geben. -- Einen Theil der concentrirten
Lösung bewahrt man auf, um damit nachhelfen zu können, wenn die Lösung
eine geringe Zersetzung erlitten hat.
Man wird ungestraft in keinem Punkte von den gemachten Angaben weit
abweichen können. Verdünnt man z. B. die Eisenlösung nicht, oder wendet
man sie warm an, so entwickelt sich Chlor, -- macht man dieselbe nicht
hinlänglich sauer oder setzt man die Chamäleonlösung zu rasch zu, so
scheidet sich ein brauner Niederschlag (Manganhyperoxyd + Eisenoxyd) ab,
der sich jedoch beim Umschwenken meist wieder löst. -- Der Umstand,
1dass die durch den letzten Tropfen geröthete Lösung sich nach einiger
Zeit wieder entfärbt, darf nicht befremden; es geschieht dies stets,
denn eine verdünnte Lösung von freier Uebermangansäure erhält sich nicht
lange unzersetzt.
Hat man sehr verdünnte Eisenlösungen zu prüfen, z. B. eisenhaltige
Mineralwasser, so bereitet man sich der Natur der Sache nach zehn oder
hundertmal verdünntere Chamäleonlösungen, von denen somit 100° 0,1 oder
0,01 Grm. Eisen entsprechen.
Da sich die Chamäleonlösung auch beim sorgfältigsten Aufbewahren
allmälig zersetzt, so muss jeder Versuchsreihe eine neue Titrirung
vorhergehen. -- Man setzt alsdann vor der Prüfung etwas von der
aufbewahrten concentrirten Lösung zu. -- Man sehe darauf, dass man beim
Titriren die Eisenlösung mit Wasser bis zu demselben Volumen verdünnt,
welches man von der zu prüfenden Eisenlösung anwenden will. Es ist dies
namentlich nöthig, wenn man sehr verdünnte Lösungen, z. B. eisenhaltige
Mineralwasser prüfen will, weil man dann die Chamäleonlösung sehr
verdünnt anwenden muss, und weil von einer so verdünnten Lösung schon
einige Grade verbraucht werden, um ganz reinem Wasser eine deutliche
Färbung zu geben. Sind nun die Wassermengen beim Titriren und wirklichen
Prüfen nicht gleich, so entsteht hieraus eine Ungenauigkeit.
Am genauesten fallen die Resultate aus, wenn man die Grade der
verdünnten Chamäleonlösung durch einen Versuch feststellt, welche
erforderlich sind, um einem der zu titrirenden oder zu prüfenden
Eisenoxydullösung gleichen Volumen reinen Wassers die gewünschte
blassrothe Färbung zu geben. Die hierzu nöthigen Grade werden alsdann
von den beim Titriren und Prüfen verbrauchten Graden der Chamäleonlösung
abgezogen. Verfährt man nicht nach dieser Angabe, so stehen die zum
Färben erforderlichen Grade zu denen, die die Oxydation vollbringen,
nicht in gleichem Verhältniss, wenn man z. B. beim Titriren 90°,
beim Prüfen eines Mineralwassers aber nur 40° verbraucht, woraus
nothwendigerweise eine Ungenauigkeit entspringt.
cc. _Ausführung des Versuchs._
Dieselbe ergiebt sich aus bb. von selbst. -- Man verdünnt die
hinlänglich angesäuerte Eisenoxydullösung und setzt von der
Chamäleonlösung zu bis zur beginnenden Röthung der Flüssigkeit.
Hat man von der Substanz genau 1 Grm. abgewogen und zu Oxydul gelöst, so
geben die verbrauchten Grade direct die Procente an metallischem Eisen
an, im anderen Falle findet man diese durch eine kleine Rechnung. -- Wie
man zu verfahren habe, wenn die Lösung neben Eisenoxydul Oxyd enthält,
wird, sofern man den Eisengehalt im Ganzen kennen lernen will, in
§. 90, sofern man die Menge des Oxyds und des Oxyduls ermitteln will, im
fünften Abschnitt gezeigt werden.
b. $Verfahren von Penny$ (später empfohlen von $Schabus$).
Setzt man zu einer sauren Eisenoxydullösung zweifach chromsaures Kali,
so wird das Eisenoxydul in Oxyd übergeführt, während die Chromsäure in
Chromoxyd übergeht. (6FeO + 2CrO_{3} = 3Fe_{2}O_{3} + C_{2}O_{3}.)
1 Grm. Eisen wird nun durch 0,8849 Grm. saures chromsaures Kali aus dem
Zustande des Oxyduls in den des Oxyds übergeführt. Löst man daher 8,849
Grm. saures chromsaures Kali mit Wasser zu 500 C.C. oder 17,698 Grm. zu
1000 C.C. Flüssigkeit, so entsprechen 50 C.C. derselben = 100° genau 1
Grm. metallischem Eisen.
Man achte wohl darauf, dass das saure chromsaure Kali vollkommen rein
sei, und trockne es vor dem Abwägen bei 100° vollkommen. -- Ausser der
genannten Lösung bereitet man sich auch eine zehnfach und -- namentlich
für Mineralwasserprüfungen -- eine hundertfach verdünnte Lösung.
Sehr zu empfehlen ist es, die fertige Lösung auf ihre Richtigkeit zu
prüfen, indem man mit Hülfe derselben eine bekannte Menge zu Oxydul
gelösten reinen Eisens oxydirt.
Bei der Ausführung verdünnt man die Oxydullösung hinlänglich, versetzt
mit Salzsäure oder verdünnter Schwefelsäure und tröpfelt alsdann unter
Umrühren die Lösung des chromsauren Kalis aus der Bürette zu. Die
anfangs fast farblose Lösung wird bald anfangs hell, allmälig dunkler
chromgrün. Man nimmt nun von Zeit zu Zeit mittelst des zum Umrühren
dienenden feinen Glasstabes einen Tropfen heraus und vereinigt ihn mit
einem Tropfen einer Lösung von Ferridcyankalium, deren man viele auf
einen Porzellanteller gesprengt hat. Ist die entstehende Blaufärbung
noch dunkel, so braucht man mit dem weiteren Zufügen der chromsauren
Kalilösung noch nicht ängstlich zu sein; fängt sie aber an schwach zu
werden, so setzt man behutsamer zu, und zuletzt prüft man nach Zusatz
von je zwei oder je einem Tropfen. Sobald keine Blaufärbung mehr
eintritt, ist die Oxydation beendigt. -- Da die Reaction so empfindlich
ist, so lässt sich der Punkt auf einen Tropfen genau mit Leichtigkeit
treffen. Während man am Anfange ganz kleine Tröpfchen der Lösung zur
Prüfung verwendet (um den hierdurch entstehenden Substanzverlust
möglichst gering zu machen), nimmt man zuletzt grössere Tropfen, damit
man die Reaction recht deutlich sehen kann. -- Die Genauigkeit der
Resultate wird gesteigert, wenn man von der concentrirteren Lösung von
chromsaurem Kali nur so lange zusetzt, bis die Oxydation fast beendigt
ist, dann aber bis zum Schlüsse die zehnfach verdünnte anwendet.
Bringt man von der eisenhaltigen Substanz genau 1 Grm. in Lösung, so
geben die verbrauchten Grade der concentrirteren Lösung die Procente,
die der verdünnteren die Zehntelprocente von im Zustande des Oxyduls
vorhandenem reinem Eisen an. -- Wie bei Anwesenheit von Oxyd zu
verfahren ist, wird in §. 90 gesagt werden.
Von den beiden Maassmethoden hat die erste den Vorzug, dass man ohne
besondere Prüfung die Beendigung der Oxydation an der eintretenden
Röthung der Flüssigkeit wahrnimmt, während der zweiten der sehr
wesentliche zukommt, dass sich die Lösung des chromsauren Kalis billig
und bequem beschaffen und unverändert aufbewahren lässt.
§. 90.