a. $Verfahren von Marguerite.$
Das Princip derselben ist folgendes. Setzt man zu Eisenoxydullösung,
welche überschüssige Säure enthält, übermangansaures Kali, so wird jene
oxydirt, dieses reducirt. [10FeO, SO_{3} + 8SO_{3} + KO, Mn_{2}O_{7}
= 5(Fe_{2}O_{3}, 3SO_{3}) + KO, SO_{3} + 2(MnO, SO_{3}).] Hat man
nun eine Auflösung von übermangansaurem Kali, von der man weiss, wie
viele Raumtheile erforderlich sind, um 1 Grm. Eisen aus dem Zustande des
Oxyduls in den des Oxyds überzuführen, so kann man damit eine unbekannte
Menge Eisen leicht bestimmen; man bringt es nämlich zuerst als Oxydul in
saure Lösung, oxydirt diese genau und bestimmt, wie viel Raumtheile der
Auflösung von übermangansaurem Kali man hierzu verbraucht hat.
aa. _Darstellung der Lösung des übermangansauren Kalis._
Man fügt zu einem feinen Gemenge von 8 Theilen bestem Braunstein
und 7 Theilen chlorsaurem Kali die ganz concentrirte Lösung von 10
Theilen Kalihydrat, verdampft unter Umrühren zur Trockne, bringt den
Rückstand, ehe er feucht geworden, in einen hessischen, besser in einen
Platintiegel und erhitzt gelinde (höchstens bis zum dunklen Rothglühen),
bis das chlorsaure Kali völlig zersetzt ist. Die zusammengesinterte
grüne Masse zerreibt man und kocht sie mit Wasser, bis die grüne Farbe
des mangansauren Kalis unter Abscheidung von Manganhyperoxydhydrat
in die violette des übermangansauren Kalis übergegangen ist. Sollte
die Zersetzung nicht rasch genug eintreten, so lässt sie sich durch
vorsichtigen Zusatz von ein wenig Salpetersäure sogleich hervorrufen.
-- Man trennt den Niederschlag (welcher zur nächsten Bereitung ein sehr
gutes Material abgiebt) von der Lösung durch Decantiren oder Filtration
durch Asbest und hebt diese in wohl verschlossener Flasche auf.
bb. _Titrirung der Lösung._
Man wägt etwa 1 Grm. feinen, rostfreien Klaviersaitendraht genau ab,
wickelt ihn fest zusammen, bringt ihn in einen etwa 1000 C.C. fassenden
Kolben, fügt ungefähr 25 C.C. reine Salzsäure und etwas Wasser zu,
verstopft den Kolben mittelst eines Korkes, in dem eine an beiden Seiten
offene Glasröhre steckt, erwärmt bis zur Lösung und verdünnt diese
alsdann mit etwa 500 C.C. kalten Wassers.
Man füllt nun die Bürette mit der Lösung des übermangansauren Kalis und
tröpfelt sie, unter stetem Umschwenken, in kleinen Portionen zu der
farblosen Eisenchlorürlösung, bis dieselbe eben hellroth geworden ist
und auch nach dem Umschütteln so bleibt. -- Man liest die verbrauchten
Raumtheile ab und verdünnt alsdann die Hauptlösung in der Art, dass 50
C.C. = 100° $genau 1 Grm. Eisen entsprechen$.
Es geschieht dies in folgender Weise: Gesetzt wir hätten angewendet 0,95
Eisen und verbraucht 80° Chamäleonlösung.