2. _Bestimmung als kohlensaurer Kalk._

a. Durch Fällung mit kohlensaurem Ammon.

Man verfährt nach der beim Baryt angegebenen Methode (§. 79. 2. a.)

und trägt Sorge, den Niederschlag nur ganz gelinde, aber einige Zeit

hindurch, zu glühen. Eigenschaften des Niederschlages §. 52. Die Methode

giebt, richtig ausgeführt, einen kaum nennenswerthen Verlust. Enthält

die Lösung Salmiak oder ähnliche Ammonsalze in beträchtlicher Menge, so

ist derselbe weit grösser.

Wäscht man nicht mit ammonhaltigem, sondern mit reinem Wasser, so ist

derselbe ebenfalls nicht unbeträchtlich. Der directe Versuch Nr. 62

ergab, auf letztere Art ausgeführt, 99,17 statt 100,00.

b. Durch Fällung mit oxalsaurem Ammon.

[Greek: a]. _Man hat ein in Wasser lösliches Kalksalz._

Man setzt der in einem Becherglase befindlichen heissen Lösung

kleesaures Ammon im mässigen Ueberschuss, alsdann etwas Ammon zu, so

dass die Flüssigkeit nach letzterem riecht, bedeckt das Glas und stellt

es mindestens 12 Stunden an einen warmen Ort, bis sich der Niederschlag

vollständig abgesetzt hat. Man bringt alsdann denselben genau nach

der bei dem schwefelsauren Baryt (§. 79. 1. a.) beschriebenen Weise

mittelst heissen Wassers auf ein Filter. Sollten am Glase Theilchen des

Niederschlages so fest haften, dass sie auf mechanische Weise nicht

wegzubringen sind, so löst man sie in einigen Tropfen sehr verdünnter

Salzsäure, fällt die Lösung in einem kleinen Gefäss mit Ammon und fügt

den entstandenen Niederschlag zum ersten. -- Wendet man beim Filtriren

die angegebenen Vorsichtsmaassregeln nicht an, so geht die Flüssigkeit

meist trüb durchs Filter. -- Nach dem Auswaschen trocknet man das

Filter im Trichter, bringt den Niederschlag in einen Platintiegel und

verbrennt alsdann das Filter, an dem man so wenig wie möglich von dem

Niederschlage gelassen hat, auf dem Deckel desselben. Man legt nunmehr

den Tiegeldeckel verkehrt auf den Tiegel, damit die Filterasche nicht

zu dem Niederschlage komme, und erhitzt den Tiegel am Anfange ganz

gelinde, alsdann etwas stärker, bis der Boden desselben schwach roth

glüht. Bei dieser Temperatur erhält man ihn 10 bis 15 Minuten, lässt

erkalten und wägt. Nach dem Wägen befeuchtet man den Inhalt des Tiegels,

welcher weiss sein muss und kaum einen Stich ins Graue zeigen darf,

mit etwas Wasser und prüft dieses nach einiger Zeit mit einem sehr

kleinen Streifchen Curcumapapier. Wird dasselbe braun (ein Zeichen,

dass man zu stark erhitzt hat), so spült man das Papierchen mit ein

wenig Wasser in den Tiegel ab, wirft ein Stückchen reines kohlensaures

Ammon hinein, verdampft (am besten im Wasserbade) zur Trockne, glüht

ganz gelinde, wägt und betrachtet das so gewonnene Resultat, welches

um ein Geringes höher ausfällt als das erste, als gültig. Hat durch

das Behandeln mit kohlensaurem Ammon Gewichtszunahme stattgefunden,

so handelt man vorsichtig, wenn man noch einmal eine Zeit lang ganz

gelinde glüht und wieder wägt. Man erfährt so mit Gewissheit, ob die

Gewichtszunahme wirklich eine Folge von aufgenommener Kohlensäure war;

denn möglichenfalls könnte sie auch in nicht völlig ausgetriebenem

Wasser ihren Grund gehabt haben. -- Ich bemerke ausdrücklich, dass

man sich durch genaues Einhalten der oben in Bezug auf die Art des

Glühens gegebenen Regeln des unangenehmen Abdampfens mit kohlensaurem

Ammon immer überheben kann. -- Eigenschaften des Niederschlages und

Rückstandes §. 52. Diese Methode giebt fast absolut genaue Resultate.

Der directe Versuch Nr. 63 ergab 99,99 statt 100,00.

Ist die Menge des erhaltenen Oxalsäuren Kalkes sehr gering, so ziehe ich

es vor, denselben in schwefelsauren zu verwandeln. Man glüht ihn zu dem

Ende in einem geräumigen Platintiegel sammt dem Filter heftig, setzt

etwas Wasser, dann ein wenig Salzsäure zu bis zur Lösung, endlich reine

verdünnte Schwefelsäure in möglichst geringem Ueberschuss. Man verdampft

nun erst im Wasserbade, dann vorsichtig über der Lampe und glüht zuletzt

mässig.

Manche Chemiker pflegen den oxalsauren Kalk wohl auch auf einem

gewogenen Filter zu sammeln und bei 100° getrocknet zu wägen. Der auf

diese Art erhaltene Niederschlag ist nicht, wie oft angenommen wird,

CaO, C_{2}O_{3}, sondern CaO, C_{2}O_{3} + aq. und muss daher als

solcher in Rechnung gebracht werden. Diese Methode ist umständlicher

und weniger genau, als die erst angeführte. Der directe Versuch Nr. 64

ergab 100,45 anstatt 100,00.

[Greek: b]. _Man hat ein in Wasser unlösliches Kalksalz._

Man löst dasselbe in verdünnter Salzsäure. Ist die Säure der Art, dass

sie hierbei entweicht, wie z. B. Kohlensäure, oder dass sie durch

Abdampfen entfernt werden kann, wie z. B. Kieselsäure, so verfährt man

nach Entfernung der Säure nach [Greek: a].; ist dies nicht der Fall, wie

z. B. bei Phosphorsäure, so fällt man den Kalk in folgender Weise aus

der sauren Lösung. Man stumpft die vorhandene freie Säure so lange mit

Ammon ab, bis ein Niederschlag zu entstehen anfängt, löst diesen wieder

durch einen Tropfen Salzsäure, fügt einen Ueberschuss von oxalsaurem

Ammon und endlich essigsaures Natron zu, lässt absitzen und verfährt

im Uebrigen nach [Greek: a]. Die vorhandene freie Salzsäure wird auf

diese Weise an die Basen des essigsauren Natrons und Oxalsäuren Ammons

gebunden und deren Säuren, welche den kleesauren Kalk kaum lösen, dafür

in entsprechender Menge in Freiheit gesetzt. Man erleidet auf diese Art

nur einen sehr geringen Verlust. Der directe Versuch Nr. 65 gab, auf die

genannte Weise angestellt, 99,78 statt 100,00.

c. Durch Glühen.

Man verfährt genau nach der beim Baryt (§. 79. 2. b.) angegebenen

Weise und trägt Sorge, dass man den Rückstand nach dem Abdampfen mit

kohlensaurem Ammon (welches man zweckmässig zweimal vornimmt) nur ganz

gelinde glüht. Das in Bezug auf Genauigkeit beim Baryt Erwähnte gilt

auch hier.

§. 82.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 214 / 749 题