Diese Methode, welche in allen Fällen angewendet werden kann, namentlich
aber dann zur Anwendung kommt, wenn Ammonsalze mit organischen Materien
oder auch mit anderen Salzen gemengt sind, zerfällt in die Austreibung
und in die Bestimmung des Ammoniaks. -- Die $Austreibung$ kann entweder
in der Art vorgenommen werden, dass man die Substanz mit Kalkmilch oder
Natronlauge vermischt, in einer Retorte oder in einem Kolben andauernd
kocht und die Dämpfe durch einen gläsernen Kühlapparat in eine etwas
Salzsäure oder verdünnte Schwefelsäure enthaltende, fest angepasste
tubulirte Vorlage leitet, aus deren Tubulus ein Schenkelrohr in ein
etwas verdünnte Salzsäure oder verdünnte Schwefelsäure enthaltendes
Kölbchen führt, -- oder auch nach der folgenden, vor Kurzem von
$Schlösing$ angegebenen Methode, deren Genauigkeit von ihm durch
wiederholte Versuche dargethan worden ist. Dieselbe beruht auf der
Thatsache, dass eine freies Ammon enthaltende wässerige Lösung an der
Luft ihr Ammon bei gewöhnlicher Temperatur schon nach relativ kurzer
Zeit gänzlich verdunsten lässt, und wird also ausgeführt.
Man bringt die das Ammonsalz enthaltende Flüssigkeit, deren Volumen
nicht über 35 C.C. betragen soll, in ein flaches Gefäss mit niedrigen
Rändern und einem Durchmesser von 10-12 Centimeter und stellt dasselbe
auf einen Teller, dessen Höhlung mit Quecksilber erfüllt ist. Man biegt
nun aus einem massiven Glasstab einen Dreifuss, stellt denselben in das
die Ammonsalzlösung enthaltende Gefäss, setzt auf ihn eine Untertasse
oder eine flache Schale, welche verdünnte Schwefelsäure enthält, stürzt
über die ganze Vorrichtung ein Becherglas, hebt es auf der einen Seite
so weit nöthig, lässt aus einer unten nicht ausgezogenen Pipette eine
hinlängliche Menge Kalkmilch strömen, drückt dann das Becherglas
rasch nieder und beschwert es durch eine Steinplatte. Man lässt nun
48 Stunden stehen, hebt dann die Glocke auf und bringt ein feuchtes
rothes Lackmuspapier in dieselbe. Bleibt dasselbe roth, so ist die
Austreibung des Ammoniaks beendigt, anderenfalls müsste man die Glocke
nochmals aufsetzen. (Nach $Schlösing$'s Versuchen sind 48 Stunden immer
hinreichend, um 0,1 bis 1,0 Grm. Ammoniak aus 25 bis 35 C.C. Lösung
auszutreiben). Statt Becherglas und Quecksilberteller kann man recht
gut auch eine abgeschliffene, am Rand gefettete Glocke nehmen, welche
luftdicht auf eine ebene Glasplatte aufgesetzt wird.
Was die $Bestimmung$ des ausgetriebenen Ammoniaks betrifft, so kann
sie, namentlich wenn das Ammoniak in Salzsäure aufgefangen wurde,
recht gut als Ammoniumplatinchlorid geschehen (s. oben), aber auch auf
folgende, zuerst von $Péligot$ angegebene und auch von $Schlösing$
angewendete Weise ausgeführt werden. Das Princip derselben ist sehr
einfach. Man bindet das Ammoniak mittelst einer bestimmten (abgewogenen
oder abgemessenen) überschüssigen Menge verdünnter Schwefelsäure von
bekanntem Gehalt und ermittelt nachher die Menge der noch freien Säure,
indem man eine titrirte Alkalilösung (Zuckerkalk oder Aetznatron)
zusetzt, bis zur Neutralisation. Man erfährt so die Quantität der durch
Ammoniak gesättigten Säure und somit auch die Menge des letzteren.
Man stellt sich zunächst die titrirte Schwefelsäure dar, indem man 200
Grm. Wasser mit etwa 28 Grm. Schwefelsäurehydrat mischt und den Gehalt
dieser verdünnten Säure dadurch feststellt, dass man zweimal je 10 C.C.
mittelst einer kleinen Pipette abmisst, nach Zusatz von Wasser mit
Chlorbaryum fällt und den schwefelsauren Baryt wägt (vergl. §. 105).
Stimmen beide Analysen hinlänglich überein, so nimmt man das Mittel als
wahren Gehalt. -- Gesetzt man hätte gefunden, dass 10 C.C. der verdünnten
Säure 1,01 Grm. Schwefelsäure enthalten, so werden sie genau durch
0,429 Grm. Ammoniak (NH_{3}) gesättigt; somit entspricht je 1 C.C. der
verdünnten Säure 0,0429 Grm. Ammoniak. -- Die titrirte Säure wird in
einem wohl verschlossenen Glase aufgehoben.
Als Alkalilösung kann man sehr gut verdünnte, gute Aetznatronlauge
anwenden; man wählt solche von etwa 1,02 specif. Gewicht, d. h. von etwa
1,5 Proc. Natrongehalt, und bestimmt, eine wie grosse Menge derselben
erforderlich ist, 10 C.C. obiger verdünnter Säure zu sättigen. Man bringt
zu dem Ende 10 C.C. der Säure in ein Becherglas, setzt einige Tropfen
Lackmustinctur oder Campecheholzabsud ($Mitchel$) zu und tröpfelt dann
mittelst einer bis an den Nullpunkt gefüllten graduirten Pipette oder
Bürette von der Natronlösung zu, bis die durch Lackmus rothe oder durch
Campecheholz gelblichbraune Flüssigkeit eben blau, beziehungsweise
schwarzblau, geworden ist. Nehmen wir den Fall, wir hätten gebraucht 53
C.C., so wissen wir hierdurch, dass in diesen 53 C.C. die zur Sättigung
von 1,01 Grm. Schwefelsäure gerade erforderliche Menge Natron enthalten
ist.
Ausser der eigentlichen Probesäure bereitet man sich auch noch eine
zehnmal verdünnte, indem man 10 C.C. jener mit 90 C.C. Wasser vermischt.
Bei der Ausführung misst man nun je nach der Menge des Ammonsalzes
10 oder 20 C.C. der eigentlichen Probesäure ab und bietet sie dem
ausgetriebenen Ammoniak dar. Nach Beendigung des Versuches neutralisirt
man die noch ungebundene Säure aufs Genaueste mit Natronlauge nach der
oben angegebenen Weise. Sollte man den Punkt etwas überschritten haben,
so fügt man von der zehnfach verdünnten Probesäure zu, bis er genau
erreicht ist.
Gesetzt wir hätten anfangs genommen 10 C.C. Probesäure, zum Neutralisiren
verwendet 20 C.C. Natronlauge und zur Correction noch 0,5 C.C. verdünnte
Säure, so ergiebt sich die Menge des Ammoniaks aus folgender Betrachtung:
Gesammtmenge der eigentlichen Probesäure 10 + 0,05 = 10,05 C.C.
20 Natronlauge entsprechen nach dem Ansatze 53 : 10 = 20 : _x_ 3,77 C.C.
---------
Rest: durch Ammoniak gebundene Säure 6,28 C.C.
Da nun 1 C.C. Probesäure 0,0429 Grm. Ammoniak entspricht, so entsprechen
6,28 C.C. Probesäure 0,2694 Grm. Ammoniak.
Man ersieht leicht, dass man diese einfache Rechnung dadurch noch
mehr vereinfachen kann, dass man die Säure gerade so herstellt, dass
10 C.C. 0,5 NH_{3} entsprechen, und die Natronlauge so, dass 50 C.C. 10
C.C. der Säure sättigen; denn man hat alsdann von der in runden Zahlen
ausdrückbaren Menge Ammoniak, welche der verwendeten Säure entspricht,
einfach so viel Centigramm abzuziehen, als man C.C. Natronlauge gebraucht
hat. -- Da aber durch das Verdünnen einer genau titrirten Flüssigkeit
leicht kleine Ungenauigkeiten hervorgerufen werden, so empfehle ich für
genaue Bestimmungen den erst angegebenen Weg.
Bei Wiederholung der $Schlösing$'schen Versuche in meinem Laboratorium
sind sehr befriedigende Resultate erhalten worden.
$Zweite Gruppe der Basen.$
$Baryt, Strontian, Kalk, Magnesia.$
§. 79.