Das Arsen wägt man entweder als $arsensaures Bleioxyd$, als
$Arsensulfür$, als $arsensaure Ammonmagnesia$ oder als $basisch
arsensaures Eisenoxyd$.
a. Das _arsensaure Bleioxyd_ stellt im reinen Zustande ein weisses,
in gelinder Glühhitze, in der es zusammenbackt, vorübergehend gelb
erscheinendes, in stärkerer Hitze schmelzbares Pulver dar. Bei heftigem
Glühen nimmt es an Gewicht ab, indem es ein wenig Arsensäure, welche
als arsenige Säure und Sauerstoff entweicht, verliert. Wir haben in
der Analyse niemals mit diesem reinen Salze, sondern mit einem Gemenge
desselben mit freiem Bleioxyd zu thun.
b. Das _Arsensulfür_ stellt einen hochgelben, in Wasser unlöslichen,
in Schwefelwasserstoffwasser spurenweise löslichen Niederschlag dar.
Mit Wasser gekocht oder damit mehrere Tage lang in Berührung, erleidet
er seine höchst oberflächliche Zersetzung, es löst sich eine Spur
arsenige Säure, während sich ein klein wenig Schwefelwasserstoff
entwickelt. Diese Umstände hindern nicht, dass man den Niederschlag
vollkommen gut mit Wasser auswaschen kann. Er lässt sich, ohne Zerlegung
zu erleiden, bei 100° trocknen, wobei er alles Wasser verliert. Bei
höherer Temperatur nimmt das Schwefelarsen vorübergehend eine braunrothe
Farbe an, schmilzt und verdampft unzersetzt. Alkalien und alkalische
Schwefelmetalle lösen das Schwefelarsen leicht, concentrirte kochende
Salzsäure kaum, Königswasser leicht. -- Rothe rauchende Salpetersäure
verwandelt es in Arsensäure und Schwefelsäure.
Zusammensetzung:
As 937,5 75 60,98
3S 600,0 48 39,02
-------------------
1537,5 123 100,00
c. Die _arsensaure Ammonmagnesia_ stellt einen weissen, etwas
durchscheinenden, feinkrystallinischen Niederschlag dar. Derselbe
hat die Formel AsO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + 12 aq. Bei 100° verliert es
11 Aeq. Wasser und hat somit, bei dieser Temperatur getrocknet, die
Formel AsO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + aq. Beim Glühen verliert es sein Wasser
und Ammon, und geht in AsO_{5}, 2MgO über. Da aber das entweichende
Ammoniakgas reducirend auf die Arsensäure wirkt, so erhält man einen
Gewichtsverlust, der um so bedeutender ist, je länger das Glühen
fortgesetzt wird. Der Verlust beträgt 4-12 Proc. des Arsens, welches
in dem Salze enthalten war (H. $Rose$). Die Verbindung löst sich sehr
schwer in Wasser, 1 Thl. des bei 100° getrockneten Salzes erfordert 4926
Thle., 1 Thl. des wasserfreien Salzes 5154 Thle. Wasser von 15°. In
ammonhaltigem Wasser löst es sich noch weit schwieriger, 1 Thl. des bei
100° getrockneten Salzes erfordert 9260 Thle., 1 Thl. des wasserfreien
Salzes 9709 Thle. einer Mischung von 1 Thl. Ammonflüssigkeit (specif.
Gewicht 0,96) und 7 Thln. Wasser bei 15° C. -- In Salmiak enthaltendem
Wasser ist der Niederschlag weit leichter löslich, 1 Thl. wasserfreies
Salz bedarf 1600 Thle. einer Lösung von 1 Salmiak in 70 Wasser und
1044 Thle. einer solchen von 1 Salmiak in 7 Wasser. -- Gehalt an
Ammon verringert die Lösungsfähigkeit der Salmiaksolution. 1 Thl. des
wasserfreien Salzes bedarf 2790 Thle. einer Flüssigkeit zur Lösung,
welche aus 60 Thln. Wasser, 10 Ammon (0,96 specif. Gewicht) und 1
Salmiak gemischt ist und 1810 Thle. einer Mischung von 1 Salmiak, 1
Aetzammonflüssigkeit und 6 Wasser. (Vergl. J. pr. Chem. 56, 33.)
d. _Arsensaures Eisenoxyd._ Der weisse, schleimige Niederschlag, welchen
man erhält, wenn Eisenchlorid mit dem gewöhnlichen arsensauren Natron
gefällt wird, hat die Zusammensetzung 2Fe_{2}O_{3}, 3AsO_{5}. Er löst
sich in Ammonflüssigkeit mit gelber Farbe. Ausser dieser Verbindung
existiren noch mehrere andere mit grösseren Eisenoxydgehalten; so
Fe_{2}O_{3}, AsO_{5}, welches + 5 aq. niederfällt, wenn man Arsensäure
mit essigsaurem Eisenoxyd fällt ($Kotschoubey$), so 2Fe_{2}O_{3},
AsO_{5}, welches man + 12 aq. erhält, wenn man halb-arsensaures
Eisenoxydul mit Salpetersäure oxydirt und Ammon zufügt, so
16Fe_{2}O_{3}, AsO_{5}, welches sich + 24 aq. bildet, wenn die weniger
basischen Verbindungen mit überschüssiger Kalilauge gekocht werden
($Berzelius$). Die beiden letzten Verbindungen sind nicht in Ammon
löslich, die letzte gleicht ganz dem Eisenoxydhydrat. -- Bei der
$Berthier$'schen Bestimmungsweise der Arsensäure erhält man Gemenge
dieser verschiedenen Salze. Sie eignen sich, ihrer Unlöslichkeit in
Ammon halber, um so besser, je basischer sie sind, auch lassen sie
sich in dem Maasse besser auswaschen. -- Beim Glühen entweicht, sofern
die Hitze sehr allmälig gesteigert wird, nur das Wasser. Setzt man das
Salz aber plötzlich einer starken Hitze aus (bevor das anhaftende Ammon
entwichen ist), so wird hierdurch ein Theil der Arsensäure zu arseniger
Säure reducirt (H. $Rose$).
B. Formen und Verbindungen, welche zur Gewichtsbestimmung oder
Scheidungder Säuren dienen.
$Säuren der ersten Gruppe.$
§. 72.