6. $Arsenige Säure$ und 7. $Arsensäure$.

Das Arsen wägt man entweder als $arsensaures Bleioxyd$, als

$Arsensulfür$, als $arsensaure Ammonmagnesia$ oder als $basisch

arsensaures Eisenoxyd$.

a. Das _arsensaure Bleioxyd_ stellt im reinen Zustande ein weisses,

in gelinder Glühhitze, in der es zusammenbackt, vorübergehend gelb

erscheinendes, in stärkerer Hitze schmelzbares Pulver dar. Bei heftigem

Glühen nimmt es an Gewicht ab, indem es ein wenig Arsensäure, welche

als arsenige Säure und Sauerstoff entweicht, verliert. Wir haben in

der Analyse niemals mit diesem reinen Salze, sondern mit einem Gemenge

desselben mit freiem Bleioxyd zu thun.

b. Das _Arsensulfür_ stellt einen hochgelben, in Wasser unlöslichen,

in Schwefelwasserstoffwasser spurenweise löslichen Niederschlag dar.

Mit Wasser gekocht oder damit mehrere Tage lang in Berührung, erleidet

er seine höchst oberflächliche Zersetzung, es löst sich eine Spur

arsenige Säure, während sich ein klein wenig Schwefelwasserstoff

entwickelt. Diese Umstände hindern nicht, dass man den Niederschlag

vollkommen gut mit Wasser auswaschen kann. Er lässt sich, ohne Zerlegung

zu erleiden, bei 100° trocknen, wobei er alles Wasser verliert. Bei

höherer Temperatur nimmt das Schwefelarsen vorübergehend eine braunrothe

Farbe an, schmilzt und verdampft unzersetzt. Alkalien und alkalische

Schwefelmetalle lösen das Schwefelarsen leicht, concentrirte kochende

Salzsäure kaum, Königswasser leicht. -- Rothe rauchende Salpetersäure

verwandelt es in Arsensäure und Schwefelsäure.

Zusammensetzung:

As 937,5 75 60,98

3S 600,0 48 39,02

-------------------

1537,5 123 100,00

c. Die _arsensaure Ammonmagnesia_ stellt einen weissen, etwas

durchscheinenden, feinkrystallinischen Niederschlag dar. Derselbe

hat die Formel AsO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + 12 aq. Bei 100° verliert es

11 Aeq. Wasser und hat somit, bei dieser Temperatur getrocknet, die

Formel AsO_{5}, 2MgO, NH_{4}O + aq. Beim Glühen verliert es sein Wasser

und Ammon, und geht in AsO_{5}, 2MgO über. Da aber das entweichende

Ammoniakgas reducirend auf die Arsensäure wirkt, so erhält man einen

Gewichtsverlust, der um so bedeutender ist, je länger das Glühen

fortgesetzt wird. Der Verlust beträgt 4-12 Proc. des Arsens, welches

in dem Salze enthalten war (H. $Rose$). Die Verbindung löst sich sehr

schwer in Wasser, 1 Thl. des bei 100° getrockneten Salzes erfordert 4926

Thle., 1 Thl. des wasserfreien Salzes 5154 Thle. Wasser von 15°. In

ammonhaltigem Wasser löst es sich noch weit schwieriger, 1 Thl. des bei

100° getrockneten Salzes erfordert 9260 Thle., 1 Thl. des wasserfreien

Salzes 9709 Thle. einer Mischung von 1 Thl. Ammonflüssigkeit (specif.

Gewicht 0,96) und 7 Thln. Wasser bei 15° C. -- In Salmiak enthaltendem

Wasser ist der Niederschlag weit leichter löslich, 1 Thl. wasserfreies

Salz bedarf 1600 Thle. einer Lösung von 1 Salmiak in 70 Wasser und

1044 Thle. einer solchen von 1 Salmiak in 7 Wasser. -- Gehalt an

Ammon verringert die Lösungsfähigkeit der Salmiaksolution. 1 Thl. des

wasserfreien Salzes bedarf 2790 Thle. einer Flüssigkeit zur Lösung,

welche aus 60 Thln. Wasser, 10 Ammon (0,96 specif. Gewicht) und 1

Salmiak gemischt ist und 1810 Thle. einer Mischung von 1 Salmiak, 1

Aetzammonflüssigkeit und 6 Wasser. (Vergl. J. pr. Chem. 56, 33.)

d. _Arsensaures Eisenoxyd._ Der weisse, schleimige Niederschlag, welchen

man erhält, wenn Eisenchlorid mit dem gewöhnlichen arsensauren Natron

gefällt wird, hat die Zusammensetzung 2Fe_{2}O_{3}, 3AsO_{5}. Er löst

sich in Ammonflüssigkeit mit gelber Farbe. Ausser dieser Verbindung

existiren noch mehrere andere mit grösseren Eisenoxydgehalten; so

Fe_{2}O_{3}, AsO_{5}, welches + 5 aq. niederfällt, wenn man Arsensäure

mit essigsaurem Eisenoxyd fällt ($Kotschoubey$), so 2Fe_{2}O_{3},

AsO_{5}, welches man + 12 aq. erhält, wenn man halb-arsensaures

Eisenoxydul mit Salpetersäure oxydirt und Ammon zufügt, so

16Fe_{2}O_{3}, AsO_{5}, welches sich + 24 aq. bildet, wenn die weniger

basischen Verbindungen mit überschüssiger Kalilauge gekocht werden

($Berzelius$). Die beiden letzten Verbindungen sind nicht in Ammon

löslich, die letzte gleicht ganz dem Eisenoxydhydrat. -- Bei der

$Berthier$'schen Bestimmungsweise der Arsensäure erhält man Gemenge

dieser verschiedenen Salze. Sie eignen sich, ihrer Unlöslichkeit in

Ammon halber, um so besser, je basischer sie sind, auch lassen sie

sich in dem Maasse besser auswaschen. -- Beim Glühen entweicht, sofern

die Hitze sehr allmälig gesteigert wird, nur das Wasser. Setzt man das

Salz aber plötzlich einer starken Hitze aus (bevor das anhaftende Ammon

entwichen ist), so wird hierdurch ein Theil der Arsensäure zu arseniger

Säure reducirt (H. $Rose$).

B. Formen und Verbindungen, welche zur Gewichtsbestimmung oder

Scheidungder Säuren dienen.

$Säuren der ersten Gruppe.$

§. 72.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 165 / 749 题