a. $Schwefelwasserstoffgas.$ Dasselbe wird, bei seltnerem Gebrauche
und wenn nur verhältnissmässig geringe Mengen verwendet werden, in den
Apparaten dargestellt, welche in der Anl. zur qual. An. angegeben und
abgebildet sind (das Röhrchen von vulcanisirtem Kautschuk _c_ in Fig. 8
ersetzt man zweckmässig durch einen kleinen messingenen Gashahn, welcher
durch Röhrchen von vulcanisirtem Kautschuk mit den Glasröhren verbunden
wird). Für grössere Laboratorien dagegen oder für diejenigen Chemiker,
welche oft und viel mit Schwefelwasserstoff zu fällen haben, empfehle
ich den von mir neu construirten Apparat von Blei, welchen ich in meinem
Laboratorium mit dem besten Erfolge anwende[5].
[5] Derselbe ist von Herrn Mechanicus $Stumpf$ in Wiesbaden
verfertigt und entspricht sowohl in Hinsicht auf vortreffliche
Arbeit wie auf mässigen Preis allen billigen Anforderungen.
_abcd_ und _efgh_ sind zwei gleich grosse cylindrische Gefässe von Blei,
mit reinem Blei gelöthet. (Bei meinem Apparat beträgt der Durchmesser
30, die Höhe 33 Cm.), _i_ ist ein Siebboden von Blei, welcher 4-5 Cm.
vom wahren Boden entfernt ist und auf Bleifüssen ruht, die ihn sowohl an
den Seiten, als namentlich auch in der Mitte stützen. Die zahlreichen
Löcher im Siebboden haben einen Durchmesser von 1-1/2 Millimeter. Bei
_k_ befindet sich die Oeffnung zum Einfüllen des Schwefeleisens. Sie
hat bei meinem Apparat einen Durchmesser von 7 Cm. und wird dadurch
verschlossen, dass auf den breit abgedrehten Rand eine gefettete
Lederscheibe und auf diese der breite Rand des glatt abgedrehten Deckels
mittelst dreier Flügelschrauben von Eisen oder Messing aufgepresst
wird. _l_ stellt die Oeffnung zum Ablassen der Eisenvitriollösung dar.
Man erkennt aus der Zeichnung, dass dieselbe an einer etwas vertieften
Stelle des Bodens _gh_ angebracht ist. Die Oeffnung hat im Durchmesser
3 Cm. Sie wird dadurch geschlossen, dass auf ihren glatt abgedrehten
breiten Bleirand ein glatt abgedrehter breiter und dicker Bleideckel
mittelst einer Flügelschraube aufgepresst wird. Der Bügel, in welchem
deren Mutter sitzt, ist beweglich und schlägt sich so herunter, dass
derselbe von dem Strome der ausfliessenden Flüssigkeit beim Entleeren
derselben nicht getroffen wird. Die Einrichtung des Füllrohrs _m_
ergiebt sich aus der Zeichnung, ebenso die des Rohres _dh_, welches
bestimmt ist, die Säure aus dem oberen Gefässe in das untere und aus
diesem in jenes zu führen. -- Man beachte, dass sie in die vertiefte
Stelle des Bodens _gh_ ragt, aber nicht ganz auf dem Boden aufsteht.
Das Rohr _ce_ ist oben verschlossen und communicirt somit in keiner Art
mit dem oberen Gefässe. Es ist bestimmt, das in _efgh_ entwickelte Gas
durchzulassen und zu dem Ende mit dem durch den Hahn _n_ abschliessbaren
Seitenrohre _o_ versehen. Das Rohr _q_ ist unten und oben verschlossen
und dient nur als Träger. Die Röhren an meinem Apparat haben 16 MM. im
Lichten.
[Illustration: Fig. 38.]
[Illustration: Fig. 39.]
Die Füllung geschieht auf folgende Art (die Quantitäten beziehen sich
auf einen Apparat von den angegebenen Dimensionen): Man bringt durch die
Oeffnung _k_ 3,3 Kilogramm geschmolzenes Schwefeleisen in groben Stücken
auf den Siebboden _i_, verschraubt _k_ und _l_ sorgfältig, schliesst den
Hahn _n_ und giesst durch den Trichter von _m_ erst 7 Liter Wasser, dann
1 Liter concentrirte englische Schwefelsäure, endlich nochmals 7 Liter
Wasser. Die in _abcd_ enthaltene Luft entweicht bei dem Einfüllen durch
_p_, auch wenn dies schon mit den Flaschen _r_, _s_, _t_ verbunden ist.
Oeffnet man jetzt den Hahn _n_ und einen der Hähne _u_, so fliesst die
Säure durch das Rohr _dh_ nach _efgh_. Aus _o_ entweicht anfangs Luft,
später Schwefelwasserstoffgas. Wie man aus der Figur ersieht, biegt sich
das Rohr _o_ bald und geht wagerecht weiter. Man bringt an demselben nun
so viel Hähne _uu_ an, als man will. Die Hähne sind gewöhnliche, gut
eingeschliffene messingene Gashähne. Man verbindet sie mit einer kleinen
Waschflasche. An dem aus dieser ausführenden Glasrohre bringt man bei
_v_ ein vulcanisirtes Kautschukröhrchen an, auf dass das Glasrohr,
welches in die zu fällende Flüssigkeit reicht, gerade sein kann, wodurch
dessen Reinigung sehr erleichtert wird. Dreht man nun einen der Hähne
_u_ auf (der Haupthahn _n_ muss natürlich auch geöffnet sein), so erhält
man tagelang einen ganz constant bleibenden Gasstrom in jeder beliebigen
Stärke. Schliesst man die Hähne _u_ alle, so drückt das in _efgh_
entwickelte Gas die Säure durch _hd_ hinauf und die Entwickelung hört
auf.
[Illustration: Fig. 40.]
[Illustration: Fig. 41.]
Letzteres geschieht jedoch nicht momentan, denn das Schwefeleisen ist
noch mit Säure befeuchtet, auch lösen sich immer kleine Partikelchen
desselben ab, fallen durch das Sieb und bleiben so mit dem Rest der
Säure in Berührung, welcher den Boden _gh_ befeuchtet. Da nun durch
_o_ kein Gas mehr entweichen kann, so drückt das Gas die Flüssigkeit
in _hd_ in die Höhe, gluckt durch die in _abcd_ enthaltene Säure und
entweicht durch _p_. Damit nun dieses Gas nicht verloren geht und
die Luft verpestet, sind die Flaschen _r_, _s_, _t_ angebracht, _r_
enthält Baumwolle und vertritt die Stelle einer Waschflasche (aus
einer gewöhnlichen mit Wasser gefüllten würde das Wasser sehr bald
zurücksteigen), _s_ und _t_ sind mit Salmiakgeist gefüllt, doch nur so
weit, dass dessen Menge sowohl von _s_ wie von _t_ völlig aufgenommen
werden kann; denn bei dem bald vorhandenen, bald nachlassenden Gasdruck
steigt die Flüssigkeit bald von _s_ nach _t_, bald wieder von _t_ nach
_s_. Man erkennt, dass man in diesen Flaschen nebenbei Schwefelammonium
erhält.
Hört die Gasentwickelung endlich auf, so ist die Säure verbraucht, nicht
aber das Schwefeleisen, denn dieses reicht für die doppelte Säuremenge
hin. Man lässt daher die Eisenvitriollösung ab und füllt Wasser und
Säure ein, wie oben angegeben.
b. $Schwefelwasserstoffwasser$ (s. qual. An.).