4) dass die Tiegel nicht angegriffen werden.

Je nach den sogleich näher zu bezeichnenden Umständen wählt man nun

in der Regel eine der beiden folgenden Methoden, die ich unter den

verschiedenen in Vorschlag gekommenen für die einfachsten und besten

halte. -- Gleichgültig übrigens, welche man anwendet, dem Glühen

muss ein vollständiges Trocknen der Niederschläge vorausgehen; denn

glüht man sie feucht, so entsteht, namentlich bei denen, die im

trocknen Zustande sehr leicht und locker sind, wie z. B. Kieselsäure,

dadurch Verlust, dass die stürmisch entweichenden Wasserdämpfe kleine

Theilchen des Niederschlages mitreissen. Auch bei solchen ist ein recht

vollständiges Austrocknen unerlässlich, welche, wie z. B. Thonerde- oder

Eisenoxydhydrat, harte Stückchen bilden; sie werden, wenn sie innen noch

feucht sind, beim Glühen öfters mit Heftigkeit umhergeworfen. -- Zum

Behufe solches Trocknens lässt man das Filter am besten im Trichter und

vollführt es, wie Fig. 34 oder 35 zeigt, auf einem Sandbad, Wasserbad,

Stubenofen oder dergleichen.

Was Grad und Dauer des Glühens betrifft, so hängen diese von der

Beschaffenheit der Niederschläge ab, und würde man deren Eigenschaften

und Verhalten in der Glühhitze nicht kennen oder nicht berücksichtigen,

so müssten durch zu viel oder zu wenig, durch zu kurz oder zu lang

erhebliche Fehler entstehen. In der Regel ist ein mässiges und etwa fünf

Minuten fortgesetztes Glühen ausreichend und entsprechend, doch erleidet

die Regel mancherlei Ausnahmen, die unten bei den einzelnen Fällen

besprochen werden sollen.

Ist zwischen Porzellan- und Platintiegel die Wahl gestattet, so greift

man immer nach letzterem, weil er bei gleichem Inhalte von geringerem

Gewicht, unzerbrechlich und leichter zum Glühen zu bringen ist. Man

wähle dabei keinen zu kleinen Tiegel, weil bei Anwendung eines solchen

weit leichter Verlust entsteht. In den meisten Fällen hat ein Tiegel von

etwa 4 Cm. Höhe und 3,5 Cm. Durchmesser gerade die rechte Grösse. --

Dass der Tiegel vollkommen rein sein müsse, innen wie aussen, versteht

sich von selbst. Sollte es nicht der Fall sein und führt ein Auskochen

mit Wasser, Salzsäure oder Natronlauge nicht zum Ziel, so schmelzt man

im Tiegel etwas saures schwefelsaures Kali, schwenkt das Flüssige an den

Wänden umher und kocht zuletzt den Tiegel nach dem Erkalten mit Wasser

aus. Ist er aussen stark beschmutzt, so stellt man ihn entweder in einen

grösseren, füllt den Zwischenraum mit saurem schwefelsaurem Kali aus und

erhitzt zum Schmelzen, oder man legt ihn auf ein Platindreieck, erhitzt

zum Glühen und bestreut ihn mit gepulvertem saurem schwefelsaurem Kali.

Ist der Tiegel rein, so stellt man ihn auf ein gleichfalls reines

Dreieck von Platindraht, glüht, lässt unter dem Exsiccator erkalten und

wägt. Es ist dies zwar nicht unerlässlich nöthig, aber gut, auf dass

das Wägen des leeren und gefüllten Tiegels unter möglichst gleichen

Umständen geschehe. -- Man kann den leeren Tiegel allerdings auch $nach$

dem Glühen des Niederschlags wägen, doch ist das Wägen $vorher$ meistens

vorzuziehen.

Wir gehen nun zur Beschreibung der speciellen Methoden über.

§. 35.

$Erste Methode$ (Glühen des Niederschlages mit dem Filter).

Man wendet dieselbe an, sofern durch Einwirkung der Kohle des Filters

auf den Niederschlag eine Reduction desselben nicht zu befürchten ist

und führt sie also aus:

Nachdem das Filter im Trichter vollkommen trocken geworden, biegt man

die Wände desselben oben gegen einander, so dass sich der Niederschlag

wie in einem kleinen Beutel befindet, setzt es in den Tiegel, bedeckt

denselben und erhitzt über der Gas- oder Weingeistlampe mit doppeltem

Luftzuge ganz gelinde, so dass das Filter langsam verkohlt, nimmt nun

den Deckel weg (der inzwischen zweckmässig auf eine Porzellanschale

oder in einen Porzellantiegel gelegt wird), legt den Tiegel schief und

erhitzt stärker, bis das Filter vollständig eingeäschert ist, bedeckt

wieder, glüht, sofern nöthig, noch einige Zeit, lässt so weit erkalten,

dass der Tiegel zwar noch heiss, aber nicht mehr glühend ist, bringt

ihn mittelst einer geeigneten Zange von Messing[4] oder blankem Eisen

(Fig. 36) unter den Exsiccator, lässt erkalten und bringt dann auf die

Wage.

[4] Umfasst man den noch glühenden Tiegel mit der Messingzange, so

erhält er leicht schwarze Ringe.

[Illustration: Fig. 36.]

[Illustration: Fig. 37.]

Verbrennt die Filterkohle schwierig, so hilft man sich, indem man mit

einem glatten etwas dicken Platindraht die nicht verbrannten Theilchen

dahin bringt, wo sie der Einwirkung der Hitze und der Luft am besten

ausgesetzt sind. -- Zur Mehrung des Luftstromes legt man auch wohl den

Deckel in der Art an den Tiegel, wie es die Fig. 37 zeigt. -- Sollten

sich Kohletheilchen dem Verbrennen allzu hartnäckig widersetzen, so legt

man auch wohl ein Stückchen geschmolzenes, trocknes salpetersaures

Ammon in den Tiegel und erhitzt bei aufgelegtem Deckel anfangs gelinde,

allmälig stark. -- Lässt sich der Niederschlag seiner Hauptmasse nach

leicht von dem Filter trennen, so ändert man das angegebene Verfahren

zuweilen zweckmässig in der Art ab, dass man denselben in den Tiegel

schüttet, dann das Filter sammt den noch daran hängenden Theilchen

locker zusammenfaltet, es über den Niederschlag in den Tiegel bringt, im

Uebrigen aber so verfährt, wie oben angegeben.

§. 36.

$Zweite Methode$ (Gesondertes Glühen des Niederschlags und des

Filters).

Man wendet dieselbe an, wenn man durch Einwirkung der Filterkohle

auf den Niederschlag Reduction zu befürchten hat; auch wenn man den

geglühten Niederschlag zu weiterer Untersuchung verwenden will, sofern

dabei die Filterasche stören würde.

Man stellt den zur Aufnahme des Niederschlages bestimmten Tiegel auf

einen Bogen Glanzpapier, nimmt das völlig trockne, den Niederschlag

enthaltende Filter aus dem Trichter, drückt es über dem Bogen Papier

gelinde zusammen, so dass sich der Niederschlag von dem Filter löst, und

schüttet alsdann den Inhalt in den Tiegel. Die noch am Papiere haftenden

Theile des Niederschlages löst man durch weiteres Drücken oder gelindes

Aneinanderreihen des zusammengefalteten Filters so viel wie möglich

ab und bringt sie gleichfalls in den Tiegel. Das Filter schneidet man

alsdann mittelst einer reinen Scheere über dem Bogen Papier in 8 oder

10 Stückchen, erhitzt den Deckel des Tiegels über der $Berzelius$'schen

Lampe zum Glühen und lässt eins der Filterstücke nach dem anderen darauf

verbrennen, indem man sie mit einer Pincette darauf legt, zuletzt giebt

man so lange gelinde Glühhitze, bis die letzte Spur Kohle verbrannt

ist. -- Ist der Tiegeldeckel gross und das Filter klein, so unterlässt

man das Zerschneiden des letzteren besser, faltet es nur zusammen und

verbrennt es so auf dem Deckel. Man stellt denselben alsdann auf einen

Porzellantiegel und deckt ein Becherglas darüber.

Bei Niederschlägen, welche in dem Waschwasser nicht völlig unlöslich

sind, wie z. B. das basisch phosphorsaure Bittererdeammon, in welchen

Fällen demnach das Filter von einer, wenn auch überaus verdünnten,

Salzlösung durchdrungen ist, gelingt ein ganz vollständiges Einäschern

oft erst nach langer Zeit. Man kann es beschleunigen, wenn man mittelst

eines glatten Platindrahtes oder eines dünnen Platinspatels die noch

kohligen Theile durch gelindes Aufdrücken mit dem glühenden Deckel in

innige Berührung bringt. Ein gewisses Maass von Geduld ist übrigens zu

dieser Operation immer erforderlich. Es braucht kaum erwähnt zu werden,

dass man sie an einem vor Zug geschützten Ort vornehmen muss, denn

im anderen Falle wirbeln die halbverbrannten Filtertheilchen oft alle

plötzlich in die Höhe.

Ist dieses Einäschern beendigt, so bringt man alle etwa auf den Bogen

Glanzpapier gefallenen Theilchen des Niederschlages mit Hülfe einer

kleinen glatt geschnittenen Federfahne in den Tiegel und glüht den

Niederschlag so stark und lange als nöthig. Man bedeckt den Tiegel

schliesslich mit seinem Deckel (wenn der oben angeführte zweite Zweck

erreicht werden soll, natürlich in der Art, dass die Asche nicht in den

Tiegel kommt), glüht noch einen Augenblick, lässt etwas abkühlen, bringt

noch heiss unter den Exsiccator und wägt nach dem Erkalten. --

Ist ein zu wägender Niederschlag von der Art, dass sich seine

Eigenschaften, z. B. seine Löslichkeit, durch Glühen wesentlich

ändern, und soll der Niederschlag nach dem Wägen theilweise noch im

ungeglühten Zustande verwendet werden, so kann man Trocknen und Glühen

in folgender Weise verbinden. Man sammelt den Niederschlag auf einem

bei 100° getrockneten Filter, trocknet ihn bei 100° und wägt (§. 33).

Man schüttet alsdann einen beliebigen Theil des Niederschlages in

einen gewogenen Tiegel, bestimmt erst seine Quantität, dann seine

Gewichtsabnahme beim Glühen und berechnet dieselbe dann auf den ganzen

Niederschlag.

§. 37.

Anleitung zur quantitativen chemischen Analyse · 第 70 / 749 题