Ihre Einrichtung ist entweder von der Art, dass man nur $eine$ bestimmte
Flüssigkeitsmenge mit derselben abmessen kann, also etwa 50, 20, 10 C.C.,
oder aber von der Art, dass man jede beliebige Menge abmessen kann. Im
ersteren Falle hat die Pipette nur eine Marke (Fig. 2 a), im anderen ist
sie ganz graduirt (Fig. 2 b). -- Die untere Oeffnung von Fig. 2 b hat
einen Durchmesser von 1,5 MM., die obere von 3-4 MM. Sie fasst bis an
die obere Marke 50 C.C. und ist in 100 Grade eingetheilt. Demnach beträgt
jeder Grad 0,5 C.C. Beim Messen taucht man _a_ in die Flüssigkeit,
saugt an _b_, bis etwas mehr als nöthig Flüssigkeit eingedrungen
ist, verschliesst _b_ mit dem ein wenig feuchten (aber nicht nassen)
Finger und lässt nun, indem man die Pipette in verticale Lage und das
Auge mit der Oberfläche der Flüssigkeit in eine Ebene bringt, so viel
auströpfeln, bis der gewünschte Stand erreicht ist. -- Die Einrichtung
der Pipette gestattet, die so abgemessene Flüssigkeit ohne Verluste in
jedes beliebige Gefäss zu bringen.
[Illustration: Fig. 2.]
Auch bei diesem Abmessen muss die durch die Adhäsion der Flüssigkeit
an die Glaswandung gebildete dunkle Zone wohl berücksichtigt werden,
indem es nicht einerlei ist, ob die Marke mit dem unteren Rand, mit
der Mitte der Zone oder mit dem oberen Rand derselben zusammenfällt.
Am genauesten fallen die Messungen aus, wenn man die Marke ins Niveau
mit dem unteren geraden Rand der dunklen Zone bringt, welcher sich bei
guter Beleuchtung, namentlich bei durchfallendem Lichte am schärfsten
einstellen lässt, somit bei _a_ der Fig. 3. -- Nur muss vorausgesetzt
werden, dass die Marke der Pipette auch nach dieser Art angebracht ist,
wie dies denn auch jetzt meistens geschieht. Ebenso ist zu beachten,
ob die Pipette so graduirt ist, dass man den letzten Tropfen, der nach
einiger Zeit sich in der Mündung sammelt und durch Anlegen an die
Gefässwand und Ausblasen entleert werden kann, mitnehmen muss oder nicht.
[Illustration: Fig. 3.]
Die Pipette dient in dieser ihrer Einrichtung nur, um $bestimmte$
Flüssigkeitsmengen abzumessen.
Will man sie benutzen, um von einer Flüssigkeit bis zur Erreichung eines
bestimmten Punktes, z. B. des Neutralitätspunktes zu einer anderen zu
setzen und nachher die Menge der verwendeten zu messen, so versieht
man sie entweder an der unteren Röhre mit einem kleinen Glashahn oder
aber nach $Mohr$'s Angabe (Verhandlungen der 29. Versammlung deutscher
Naturforscher und Aerzte) mit einem Quetschhahn.
Diese einfache und höchst praktische Vorrichtung besteht aus einem
kurzen Stückchen vulcanisirten Kautschukrohres, welches durch eine
Drahtklammer zusammengepresst und hierdurch fest verschlossen ist, aber
durch einen geringeren oder stärkeren Druck nach Belieben mehr oder
weniger geöffnet werden kann. --
Das Röhrchen wird mit seinem einen Ende über die Spitze der Pipette
gestülpt und festgebunden, in das andere befestigt man ein kurzes Stück
eines in eine mässig feine Spitze ausgezogenen starken Glasröhrchens.
Die Gestalt der Drahtklammer zeigt Fig. 4.
[Illustration: Fig. 4.]
Die so vorgerichtete Pipette wird nun vertical in einen geeigneten
Halter gespannt und so gestellt, dass, wenn man davor steht oder sitzt,
der Nullpunkt mit dem Auge in einer Ebene liegt. Die Vorrichtung
gestattet nun nicht allein ein sehr genaues und ruhiges Ablesen vor
und nach dem Versuche, sondern auch ein geschwinderes oder langsameres
Entleeren und ein ganz sicheres Ausfliessenlassen einzelner Tropfen.
Zu demselben Zwecke wie die mit Hahn versehene Pipette, dient auch und
zwar gewöhnlich