Winter leide

Gruͤne heide

Hat verderbet, und den walt.

Wan mag schouwen

An den ouwen,

Da lit nu der rife kalt.

Ich wirde alt

Von selken dingen.

Noch klage ich ein ander not,

Das dú liebe mich wil twingen,

Der ich mich ze dienste ie bot.

Ich wil singen,

Zoren bringen,

Das ich nach ir jamers won.

Jamers schrike,

Lide ich dike:

Das tůt minem herzen we!

Ich vil tumber

Disen kumber

Liden můs aber als e.

Swies erge,

Ich můs doch sorgen

Beide naht und ouch den tag,

Das ich abent noch den morgen

Si niht sol noch sehen mag.

Unverborgen

Můs ich worgen

In ir bande, dunket mich.

XXV.

Nu ist der arge winter hie,

Der uns wil betwingen aber (leider!)

Die blůmen und den kle.

Owe, der zerfuͤrt uns ie

Meijen sinú wunneklichen kleider!

Ich sorge, wies erge!

Wissent, wer den winter lang

Also můs vertriben

Ane lieben umbevanc,

Wie mag der beliben,

Sin froͤide werde kranc?

Liep gedinge tůt mich geil,

Ich gewinne heil.

Owe lieblich naher smuk!

Owe minnekliches umbevahen!

Und owe guͤtlich kus!

Owe herzelicher druk!

Wenne sol ich sender den enpfahen?

Joch singe ich umbe sus.

Doch gedinge ich, das ir můt

Und ir wiblich guͤte,

Dú mich froͤlich singen tůt,

Hoͤhe min gemuͤte.

Si ist so rehte gůt.

Liep gedinge tůt mich geil,

Ich gewinne heil.

Wer gesach ie frouwen lip,

Der ir lachen also wol gezeme

Und ir vil werder grůs?

Es ist manig schone wib,

Dú doch niender ist also geneme:

Des man ir sprechen můs.

Swenne ir rose roter munt

Und ir liehten ougen

Blikent in mins herzen grunt

Lachelichen, tougen,

So wirt ich wol gesunt.

Liep gedinge tůt mich geil,

Ich gewinne heil.

Wol dir, minneklichú fruht!

Wol dir! du hast froͤiderich gemuͤte,

Und doch mit rehter scham.

Wol dir! du hast wiblich zuht.

Wol dir! du hast userwelte guͤte

Mit rehter kúsche alsam.

Wol dir! du bist userkorn,

Liep und wandelbere.

Wol dir! wan du bist verer zorn

Und fúr sende swere

An dise werlt erborn.

Liep gedinge tůt mich geil,

Ich gewinne heil.

We, warumbe tůt si das,

Das si mir das herze niht enbindet

Von sender arebeit?

Sicherlich ir stuͤnde bas,

Sit si mich

So sigelosen vindet,

Das si min sendú leit

Uf genade neme an sich,

Doch in lieben troste,

Also das dú gůte mich

Von den banden loste:

So lepte ich wunneklich.

Liep gedinge tůt mich geil,

Ich gewinne heil.

XXVI.

Heide, walt und anger, wol bekleit,

Die hant sich entbloͤsset: dest min klage.

Kleiner vogelin truren ist mir leit,

Die der winter twinget alle tage.

Noch trage

Ich in minem herzen grosser swere,

Sunder strit,

Das mich lat in sorgen dú vil seldenbere

Lange zit.

Wol im, der ze liebe hat den trost,

Das er sender leide wirt erlost!

We mir! we der súftebernden not,

Das ich trost von liebe niht enhan,

Sit dú Minne dienen mir gebot,

Der ich bin mit trúwen undertan!

Ich lan

Mich an ir genade sicherlichen;

Si ist so gůt.

Wer mag nu an hohen froͤiden bas gerichen

Mir den můt?

Wol im, der ze liebe hat den trost,

Das er sender leide wirt erlost!

Reine kúsche, tugentriche sitte

Si hat in ir herze; rehte scham,

Selde und ere wont der lieben mitte

Noch in rehter wibes guͤte alsam.

Mir kam

In das herze ir minneklich gebaren,

Do ich si sach.

Des lide ich, vil sender, nu bi manigen jaren

Ungemach.

Wol im, der ze liebe hat den trost,

Das er sender leide wirt erlost!

Nieman mag der Minnen han gewalt.

Si tůt dike we und ofte wol.

Er mag wol ze selden sin gezalt,

Den si tůt mit willen froͤiden vol.

Ich sol,

Leider! noch bevinden, ob dú Minne

Froͤide gebe;

Si tůt ungenade mir in minem sinne,

Swie ich lebe.

Wol im, der ze liebe hat den trost,

Das er sender leide wirt erlost!

XXVII.

Wol becleidet stet dú heide,

Anger und der gruͤne walt.

Bi der liehten ougenweide

Hoͤrt man stimme manigvalt

In den ouwen, vogelin doͤne.

Meije wart noh nie so schoͤne,

Den ich mit gesange kroͤne,

Noch so rehte wolgestalt.

Frouwe, sich,

Du solt mich

Troͤsten, sit ich minne dich!

Sich froͤit aldú werlt gemeine

Gegen der wunneklichen zit.

Nieman truret, wan ich eine,

Sit si mir niht froͤide git,

Der ich diene in ganzen trúwen;

Dú wil minen kumber núwen.

Ich lebe in vil starken rúwen

Von den meren iemer sit.

Frouwe, sich,

Du solt mich

Troͤsten, sit ich minne dich!

Ane Got so hat min nieman

Den gewalt, als si wol hat.

Itewisset mich des ieman,

Stuͤnde es dem als es mir stat,

Er geloupte mir zeware.

Der ich diene sunderbare,

Wie dú miner jungen jare

Froͤide nider sigen lat![54]

Frouwe, sich,

Du solt mich

Troͤsten, sit ich minne dich!

Wer gesach ie creatúre,

Die man weis in wibes namen,

Also schone, also gehúre?

(Dú darf sich des niht beschamen!)

Also kúsche und also gůt,

Also tugenthaft in můt,

Und an eren so behůt?

Dú ist ein selig wib, benamen!

Frouwe, sich,

Du solt mich

Troͤsten, sit ich minne dich!

XXVIII.

Ich wil allen lúten

Belúten

Mins herzen klage,

Und wie grossen kumber

Ich tumber

Nu trage,

Wie mich sorge twinget,

Und singet

Doch mir der lip.

Seht! das můs ich liden

Durh miden

Ein wip.

Des můs ich den jamer schriken,

Leider! undertenig sin.

Ich lige in ir minnen striken,

Das ist an mir worden schin.

Si kan senden smerzen

Us herzen

Vertriben

Wol:

Rose ob allen wiben,

Man si nennen sol!

Wa ist nu dú schoͤne?

Ich doͤne

Und nige ir gar.

Ich wil aber gruͤssen

Die suͤssen

(Nement war!)

Schone mit gesange.

Swie lange

Ich ir froͤmde si,

Doch so hat ir jugende

Vil tugende;

Dabi

Hat si guͤte ein michel wunder

In den herzen zaller stunt;

Und si doch vorus besunder

Mir das herze hat verwunt.

Si kan senden smerzen

Us herzen

Vertriben

Wol:

Rose ob allen wiben

Man si nennen sol!

Wenne sun ir ougen

Mir tougen

Ze blike varn,

Und dú suͤsse junge

Mir swunge

Den arn,

Und mich umbevienge:

So gienge

Mir sorgen hin;

Seht! so wolt ich scheiden

Von leiden

Den sin.

Wafena, der lieben stunde!

Wenne sol ich die geleben,

Das ich von ir roten munde

Solte ein lieblich kússen nemen.

Si kan senden smerzen

Us herzen

Vertriben

Wol:

Rose ob allen wiben

Man si nennen sol!

(_Die erste Strophe dieses Liedes steht in der Samml. v. Minnesing.

Th. I. S. 61._)

XXIX.

Winter, din gewalt

Selwet blůmen manigvalt;

Dú zit ist also gestalt:

Und dú vogellin

Lident aber grossen pin;

Ir schal můs geswigen sin.

Wan mag schouwen

An den ouwen,

Da lit nu der sne,

Da man blůmen brach:

Uf der heide

Stent mit leide

Rife und ouch der sne.

Dast min ungemach.

Wes habe ich gedinge,

Sol min singen

Mir niht bringen

Froͤiderich gedinge?

Winter und der sne

Tůt mir niht reht so we;

Sorgen hab ich dannoch me.

Swies min herze gert,

Des bin ich noch niht gewert;

Est unneher danne vert.

Dú vil gůte

Minen můte

Sus hat angesiget,

Das ich bin unfro.

-- -- -- --

-- -- -- --

-- -- -- -- --

(_So unvollendet steht dieses Lied in der Handschrift._)

XXX.

Sol ich nu verstummen

Dur den winter lang?

Des war ich wil uns tummen

Singen disen sang!

Mirst ein hohgemuͤte

In minen lip geflogen

Von ir, dú wibes guͤte

Ie was unbetrogen.

Sist mir zallen ziten in dem sinne,

Der ich nie vergas,

Wan si wendet minne mit unminne,

Der ich stete has.

Si kan truren swachen,

Das ist mir wol kunt;

Ach, froͤlich lachen

Kan ir roter munt.

Si mag mir wol bringen

Froͤidenrichen můt;

Darnach wolt ich ir singen,

Swie si mir joch tůt.

Es wiget ungeliche

Liebe mir gegen ir;

Ich bin ir sicherliche

Holder danne si mir.

Minne, wis geliche mit der wage,

Sit das ich bin din!

Neina, tůs, e mich der zit betrage,

Suͤsse troͤsterin!

Si kan truren swachen,

Das ist mir wol kunt;

Ach, froͤlich lachen

Kan ir roter munt.

Gib ein liebes ende

Mir, vil selig wib!

An alle missewende

Lebt din kúscher lib.

Lieb vor allen vrouwen,

Schoͤne, minneklich,

La dine tugende schouwen,

Unde troͤste mich!

Tůst du das, so bin ich froͤidebere.

Mines herzen trut,

Lieb, nu wende mine sende swere

Stille und úberlut!

Si kan truren swachen,

Das ist mir wol kunt;

Ach, froͤlich lachen

Kan ir roter munt.

XXXI.

Ich wil aber singen!

Doch moͤht ich von sus getanen dingen

Bas súften und klagen.

O we grosser leide!

Mich froͤit niht der anger noch dú heide,

Noch singen noch sagen;

Mich froͤwet niht der tamber noch dú gige;

Hoͤre ich harpfen und rotten, an dem můt ich sige.

Von der einen, der ich dike nige;

Můs ich die swere tragen.

Ich han leit und ungemach,

Sit ich si von erst gesach.

Ach! und aber ach!

Dú vil suͤsse reine

Achtet uf mich senden kleine,

Den tůt si wol gelich:

Da begat si súnde.

Swie vil ich des mit gesange kúnde,

Doch lebt si froͤmdeklich.

Mir tůt we, das si mich senden smahet,

Und dú liebe minen sang niht in ir ore enpfahet;

Davon kumber mir in herzen gahet,

Des bin ich sorgen rich.

Ich han leit und ungemach,

Sit ich si von erst gesach.

Ach! und aber ach!

Grůs von rotem munde,

Der vergat mich leider zaller stunde;

Des můs ich froͤiden lan.

Lieblich ougenblike,

Die vergant mich zwirent also dike.

Wie sol min leit zergan?

Mich froͤit niht dú sunne noch der mane.

Nieman kan mich troͤsten, wan dú reine, valsches ane.

Wil dú minnekliche, wol getane,

So mag ich fro bestan.

Ich han leit und ungemach,

Sit ich si von erst gesach.

Ach! und aber ach!

Ich hab ir gesungen

Und gesprochen vil mit lobender zungen,

Das beste das ich kan.

Wil si des vergessen,

So hat ungemuͤte mich besessen.

Trut Minne, sich daran!

Wig, das dú liebe ste geliche,

Ald das si mir us gedanke entwiche!

Jamer tůt vil dike sorgenriche

Mich froͤidelosen man.

Ich han leit und ungemach,

Sit ich si von erst gesach.

Ach! und aber ach!

Swer mir gůtes gunne,

Und der minen kumber merken kunne,

Der spreche ir iemer wol.

Der si lopt mit worten,

Der hat mine gunst an allen orten,

Das ich verdienen sol.

Ich bin ir gebunden gar fúr eigen.

Den si gůtes gan, der ist gescheiden von den veigen.

Wolde si genade an mir erzeigen,

So wurde ich froͤiden vol.

Ich han leit und ungemach,

Sit ich si von erst gesach.

Ach! und aber ach!

XXXII.

Sumerlichú wunne

Zieret wol den gruͤnen plan.

Berg und tal

Sint bekleit;

Nach den touwe sunne:

Meijen disú kleider sneit,

Sunder wan,

Uberal.

Swer wil

Bla,

Rot, gruͤn, gel schouwen,

Uf den anger, in den ouwen,

Der siht da

Wunne vil.

Minne, twinge mir den sin!

Wiblich guͤte

Min gemuͤte

Zuket hin.

Swie vil meije bringet

Froͤiden und sin liehten tage,

Doch trure ich

Von der not,

Das mich Minne twinget

Und der lieben munt so rot.

Dest min klage,

Sicherlich!

Ich han

Ir

Den můt erzeiget,

Das sich ir gebot neiget

Alse min gir,

Sunder wan.

Minne, twinge mir den sin!

Wiblich guͤte

Min gemuͤte

Zuket hin.

Mir ist wol ze můte,

Swenne ich die vil lieben sihe.

Alle zit,

Dur das jar,

Dú vil reine gůte

Tůt mich truren, das ist war.

Ich vergihe

Sunder strit,

So si

Tůt

Der not geliche

Sam trure herzekliche,

Sost min můt

Froͤiden fri.

Minne, twinge mir den sin!

Wiblich guͤte

Min gemuͤte

Zuket hin.

Lieb, la liebe werben

Lieblich zwischent mir und dir!

Lieb, la mich

Liep dir sin!

La lieb niht verderben,

Liep, und tů mir helfe schin!

Frouwe min,

Minneklich!

Ich bin

Ir

So gar gebunden,

Dú mich twinget zallen stunden,

Das si mir

Nimt den sin.[55]

Minne, twinge mir den sin!

Wiblich guͤte

Min gemuͤte

Zuket hin.

Zuht und ellú schoͤne

Hat min frouwe, ach, selig wip!

Wiblich scham

Ouch dabi.

Fúrbas ich si kroͤne;

Sist vor missewende vri

Lieben lip

Ob alsam

-- -- -- -- --

(_So abgebrochen steht dieses Lied in der Handschrift._)

XXXIII.

Winter, dine kalte rifen,

Kalde winde und ouch der sne,

Swas die gruͤnes mugent begrifen,

Des gesiht man jar lanc me

In so wunneklichen schine.

Seht! das las ich alles sin;

Wan ich lide grosse pine

Von der lieben frouwen min.

Des wil dú reine

Gelouben vil kleine,

Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,

Und lat mich sender not ze pfande ligen.

Von welhen schulden

Můs ich dulden?

Ald wavon

Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.

Solt ich wúnschen mir ze heile

Darnah als min wille stat,

So neme ich ze minem teile,

Fúr swas nu ieman gůtes hat,

Das dú reine in wibes guͤte

Spreche: lieb, ich bin dir holt!

Das froͤit min gemuͤte

Bas danne aller Kriechen golt.

Des wil dú reine

Gelouben vil kleine,

Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,

Und lat mich sender not ze pfande ligen.

Von welhen schulden

Můs ich dulden?

Ald wavon

Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.

Nieman ahte mir gen gůte

Froͤide und froͤiderichen můt!

Froͤide in edels mannes můte

Tůt bas dan alles sin gůt.

Wurde mir ein lieplich smieren

Von der frouwen min bekant,

Und ein minnekliches zwieren;

Das neme ich fúr tusent lant.

Des wil dú reine

Gelouben vil kleine,

Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,

Und lat mich sender not ze pfande ligen.

Von welhen schulden

Můs ich dulden?

Ald wavon

Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.

Unwerde und gar unmere,

Húre unwerder danne vert,

Bin ich, der ich gerne were

Gar vor allen dingen wert.

Si tůt niender dem geliche

Sam si welle erhoͤren mich.

Nu neme ich fúr Tútsche riche,

Das si bas bedehte sich.

Des wil dú reine

Gelouben vil kleine,

Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,

Und lat mich sender not ze pfande ligen.

Von welhen schulden

Můs ich dulden?

Ald wavon

Hat si mir ir grůs verseit? Des war ich bins ungewon.

Frouwe, schoͤne, minneklich!

Frouwe, kúsche, wolgezogen!

Frouwe, in guͤte froͤiderich!

Wunsch hat an iu niht gelogen.

Ach, solt ich úch kússen tougen,

Das were unvergolten gelt,

An den munt und in dú ougen,

Das neme ich fúr alle die welt.

Des wil dú reine

Gelouben vil kleine,

Wan si hat gemeinen grůs mir gar verzigen,

Und lat mich sender not ze pfande ligen.

Von welhen schulden

Můs ich dulden?

Ald wavon

Hat si mir ir grůs verseit? Deswar ich bins ungewon.

XXXIV.

‚Der tag uns nahet!

Wer niht versmahet

Disen warn sang,

Den ich hie singe;'

(Ein wahter lute schrige)[56]

‚Swer bi trut lige

An armen blang,

Der hebe sich ringe;

Uns nahet bald ein liehter tag;

Ich fúrhte melde, dú nie gelag

Ze solhem dinge.'

‚Owe uns beiden!

Wir muͤssen scheiden!'

Sprach das reine wib

Mit trehenden ougen.

Ein umbevahen

Und smuken nahen

Lieb an liebes lib

Ergienc da tougen.

Der ritter sprach ze der frouwen sin:

‚Gebút mir lieb! wan ich bin din,

Dast ane lougen.'

‚Nu scheidest hinnen!

In minen sinnen

Wart mir nie so we'

(Sprach dú vil reine). --

‚Des můs ich sorgen,

Vúr disen morgen

Nach dir iemerme;

Min froͤide ist kleine.' --

Dú frouwe sprach: ‚gedenke an mich,

Sit ich in rehten herzen dich

Mit trúwen meine.'

XXXV.

Bi liebe lag

Ein ritter tougenliche

Die naht bis an den tag.

Der minne enpflag

Mit im dú minnekliche;

Die minne er widerwag,

Bis das der wahter sang: es tagt!

Das von in beiden wart geklagt.

‚Ach, herzeliebú frouwe min,'

So sprach der ritter wolgemůt, ‚ich wenne es muͤsse ein scheiden

sin.'

Es wart niht lang,

Das da mit nahem smuke

Ergie ein umbevang

Mit armen blank

Und herzelichen druke,

Der lieb gen liebe twanc.

Dú frouwe sprach: ‚min sender lip

Und ich vil súfteberndes wib

Bin iemermere an froͤiden fri,

Sol ich dir, herre, niemerme geligen alse nahe bi!

Owe und ach!

Der jamerbern scheiden

Ir beider herze brach.

Das da geschah[57]

Von den gelieben beiden,

Das schuͤf in ungemach.

Der ritter sprach: ‚gehabe dich wol!

Din lip ist maniger tugende vol.

Min herze dir belibet hie.

Si sprach: ‚so fuͤre min herze hin!' Der wehsel da mit kus ergie.

XXXVI.

‚Verholnú minne sanfte tůt,

(So sang ein wahter an der zinne)[58]

‚Doch sol sich lieb von liebe scheiden!

Darnach so wende er sinen můt,

Ist ieman tougenliche hinne;

Deswar so tůt er wol in beiden.

Er sol sorgen,

Wie er von hinnen kere.

Est an dem morgen.

Volge er miner lere,

Sit das ich in warnen sol,

So tůt er wol,

Und sint sin ere.'

Der frouwen dienerinne klůg

Erhorte da des wahters singen.

Darinne erschrak dú vil getrúwe;

Dú mer si hin ze der frouwen trůg.

Si sprach: ‚wol uf, und lant ú lingen!

Der tag ist komen!' Da hůb sich rúwe.

‚Est ane súnde,'

(Sprach dú tugentriche)

‚Der in so fúnde.

Ligen minnekliche.

Erst entslafen; nu sich hie!

Ich weis niht, wie

Ich entwiche.'

Die rede erhorte der werde gast,

Da er lag bi der minneklichen,

Bi lieber brust an blanken armen;

Davon in slafe do gebrast.

Er sprach: ‚sol ich von hinna strichen?

O we, das můs Got erbarmen!'

Beider sinne

Wurdent da verseret

(Das schůf fro Minne),

Froͤide gar verkeret.

Da schied leid der wunnen spil;

Der trehene vil

Wart da gereret.

XXXVII.

Nu hat sich der sumer mit vil maniger hande kleide

Wol gezieret; schouwent an den anger, lieht gevar!

Lute singet vogel in walde und uf der gruͤnen heide:

Manig herz ist von der wunne worden sorgen bar.

Was toug mir vúr leit des meijen bluͤte,

Das ich lange trage, es wende der vil reinen guͤte?

Owe lieb, geschehe das,

Mir wurde bas!

Trost von der vil gůten -- wenne sol ich den enpfahen?

Lieb von der vil lieben hete ich gerne: es were wol zit.

Wil si minen dienest also vesteklich versmahen,

Was mir danne kumberlicher sorge in herzen lit!

Neina! wúnschet alle, das dú Minne

Mir geliche twinge ir herz, ir můt und al ir sinne.

Owe lieb, geschehe das,

Mir wurde bas!

Han ich ir gedienet tougenliche her von kinde,

We, wes súndet sich dú herzeliebe danne an mir!

Hie bivor was ich vil bas der froͤiden ingesinde,

Do lies mich dú minneklich, nach mines herzen gir.

Mir mag lieb noch lieblich ende machen,[59]

Troͤste mich ein heinlich grůs, ein winken und ein lachen.

Owe lieb, geschehe das,

Mir wurde bas!

Werden manne, ir sunt den tugentrichen reinen wiben

Uf genade in dienste gerne wesen undertan.

Nieman kan den lúten noch der werlte vro beliben,

Wan von liebes troste, der sichs rehte wil entstan.

Nu ist min trost von der vil lieben kleine:

Das mag si mir wenden wol, dú minnekliche, alleine.

Owe lieb, geschehe das,

Mir wurde bas!

Minnekliches lachen, wunneklicher ougen blike,

Brune brawe, liehte varwe uf wengel, múndel rot

Hat ein wib, dú fuͤget minen kumber alse dike,

Das ich lide jamers pin und dabi sende not.

Ach genade, frouwe! ich bin din eigen;

Du solt mir nach sender not ein froͤidelin erzeigen![60]

Owe lieb, geschehe das,

Mir wurde bas!

XXXVIII.

Heide und anger

Went niht langer

Blůmen tragen,

Nu stet blos der gruͤne walt.

Kalde winde

Went geswinde

Hin verjagen,

Leider! loubes ungezalt.

Rife und ouch der kalde sne

Selwent beide

Gruͤne heide,

Sumer kleide

Tůnt si leide,

Und den kleinen vogelin we.

Suͤsse

Gruͤsse

Sint so gůt,

Swa liep tougen

Under ougen

Bliken tůt.

Ach ich tumber!

Grosser kumber

Tůt mir leit;

Davon bin ich ungemůt.

-- -- -- --

-- -- -- --

-- -- -- --[61]

Ach wie we das selbe tůt!

Was klage ich den blůmen schin,

Sit ich worgen

Můs in sorgen

Manigen morgen,

Unverborgen

Von der lieben frouwen min?

Suͤsse

Gruͤsse

Sint so gůt,

Swa liep tougen

Under ougen

Bliken tůt.

Sit dú mine

Starken pine

Merent sich,

Und min froͤide swinden wil,

Und dú reine

Harte kleine

Troͤstet mich:

Das ist mir ein hertes spil.

We, wie sol ich fro bestan,

Sit dú here

Mir niht lere

Git fúr sere!

Swar ich kere,

Davon můs ich kumber han.

Suͤsse

Gruͤsse

Sint so gůt,

Swa liep tougen

Under ougen

Bliken tůt.

Wie mich wundert!

Sehe ich hundert

Tusent wib,

Mir geviele enkeine bas,

Danne dú gůte,

Wolgemůte.

Schonen lip

Hat die liebe, wissent das!

Ich gesach nie reiner fruht.

Si kan machen

Froͤlich lachen,[62]

Truren swachen.

Bi den sachen

Hat min frouwe wiblich zuht.

Suͤsse

Gruͤsse

Sint so gůt,

Swa liep tougen

Under ougen

Bliken tůt.

Ungewinne

Mir dú Minne

Dike git;

Davon habe ich ungewin.

Swas ich singe,

Ungelinge

Nimet mir min froͤide hin.

Minne, gib mir suͤssen trost!

La dú reinen,

Valsches einen,

Lieplich meinen

Mir bescheinen;

So wirt ich der not erlost.

Suͤsse

Gruͤsse

Sint so gůt,

Swa liep tougen

Under ougen

Bliken tůt.

XXXIX.

Sumer zieret

Heide und anger und den walt.

Davon manig herze balt

Den lip kunrieret.

Wan mag schouwen

Wol bekleidet berg und tal;

Da hoͤrt man die nahtegal,

Und in den ouwen.

Hiegegen froͤit sich aldú werlt gemeine.

Da bi kleine

Ist min froͤide zaller zit,

Sit das mir niht trostes git

Dú suͤsse reine.

Si ist vor valsche wol behůt,

Die mich singen tůt.

Der ich singe

Und ouch vil gedienet han,

Dú wil sich des niht entstan,

Warnach ich ringe.

Umb ir hulden

Ringe ich alle mine tage,

Also das ich sorge trage;

Die můs ich dulden.

Bis das ich noch lieben trost gewinne

Von ir minne,

Ist mir sorge gar ein troun;

Sus trage ich des jamers soun

In minem sinne.

Si ist vor valsche wol behůt,

Die mich singen tůt.

Lieplich lachen,

Liehten ougen, roter munt

Schafent hundert tusent stunt

Min herze erkrachen.

Gůt gebaren,

Dabi wol gestalten lip

Hat das minnekliche wib,

Dú min kan varen.

Si ist der wunsch uf erden sicherliche;

Froͤidenriche

Ist si, doch mit rehter zuht.

Ich weis niender wibes fruht,

Dů ir geliche.

Si ist vor valsche wol behůt,

Die mich singen tůt.

Zeinem male

Schoz ir minneklicher schin

In das sende herze min

Ir minne strale,

Die ich tumber

Iemer sidunt bi mir trůg,

Also das ich nie gewůg.

Den grossen kumber,

Trage ich, und ouch ander klagen swere,

Bis ein mere

Mir von der vil lieben kumt,

Dú mich hat ze froͤide erfrumt.

Dú seldenbere,

Si ist vor valsche wol behůt,

Die mich singen tůt.

Do ir ougen

Santen mir ir losen blike,

Sa zehant dú Minne ir strike

Warf an mich tougen.

Guͤtlich gruͤssen

Wart mir an derselben stunt.

Sit was ie min herze wunt

Von der vil suͤssen.

Si hat mir den strik noch niht enbunden,

Und die wunden

Ungeheilet. We mir, we!

Da von sorge ich, wies erge,

Ze manigen stunden.

Si ist vor valsche wol behůt,

Die mich singen tůt.

(_Die letzte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von

Minnesing. Th. I. S. 61._)

XL.

Walt und ouwe

Und dú heide

Die stent aber in wunneklicher wat.

In der schouwe

Liehte kleide

Sich der anger nu gewarnet hat.

Ellú vogeli sint us leide;

Sost des veldes ougenweide

Wol gezieret mit der gruͤnen sat.

Manigen wundert,

Wes ich trure,

Alde von weme ich habe die senden klage.

Ich han hundert

Nachgebure,

Dien ich doch der mere niht ensage.

Ist ir wille gen mir sure,

So nimt mich des kein wunder,

Ob ich gen ir holdes herze trage.

Lieb an ende

Vor in allen!

Ich han iemer mih zů dir verpfliht.

Lieb, nu wende

Maniges kallen!

Maniger sprichet, si gewer mih niht.

Das ist ein ungefuͤges schallen.

Moͤht aber ich ir wol gevallen,

Sone růhte ich was ieman boͤser giht.

XLI.

Winter wil uns aber twingen

Heide und ouch den gruͤnen kle;

In den walde vogelin singen

Tůnt die kalden winde we.

Doch wie kranc der sumer were,

Winter ist so froiden lere,

Das er birt noch grosser swere.

Mir wer liep, das uns verbere

Rife und ouch der kalde sne.

Frouwe min

Ich wil din

Diener sin.

Ach was klage ich sender, tummer,

Sit noch grosser ist min not?

Ich lide alze grossen kummer,

Sit dú Minne mir gebot

Dienen also reinen wibe.

Wol ir minneklichen libe,

Ob si froͤide mir beschibe,

Und die swere mir vertribe

Mit ir liehten múndel rot!

Frouwe min,

Ich wil din

Diener sin.

Wunneklichen ougenblike

Hant das herze min gewunt,

Die mich smahen also dike;

Davon ist mir sorgen kunt,

So si loslich von mir swenket,

Und mich in den jamer senket,

Und mich an den froͤiden krenket,

Und min herze in rúwe ertrenket.

Das geschiht mir tusent stunt.

Frouwe min

Ich wil din

Diener sin.

Minne twinget ane schulde

Mich vil senden, siechen man;

Wan ich warb ie nach ir hulde,

Das ich růwe nie gewan.

Minne, liebes fuͤgerinne,

Ach war tůst du dine sinne?

Dien ich dir nach ungewinne,

So bist du gen mir unminne,

Sit ich dienen dir began.

Frouwe min

Ich wil din

Diener sin.

Dú vil gůte und dú vil reine,

Minneklichen wol gezogen,

Hat niht bresten, wan ein kleine,

(Fúr die warheit, ungelogen!)

Sist gen mir ein teil zehere.

In weis da niht wandels mere.

Swar ich doch der landen kere,

So gib ich ir pris und ere;

Sie ist an tugenden unbetrogen.

Frouwe min

Ich wil din

Diener sin.

XLII.

Wer gesach den winter ie

Also langen

Unzergangen?

Al min blangen

Nie vervie.

Den hat sumer sigehaft

Uberwunden

An den stunden;

Er hat funden

Sine kraft.

Walt und ouwe

Sint nach růmen

Wol bekleit;

In dem touwe

Manig blůmen

Sten gespreit.

Anger, heide,

Die sint beide

Mit ir kleide

Vil gemeit.

Suͤsser grůs

Tete bůs

Mir vil schrike,

Sit ich dike

Lieblich blike

Miden můs.

Froͤit úch, froͤit úch, jung und alt!

Swem die Minne

Lasse sinne

Der gewinne,

Si erbalt.

Niemer wirde ich rehte fro,

Sit ir strale

Mir die quale

Zallen male

Fuͤget so.

Ach ich tore!

Wie si toͤret

Sinne min!

Sit ir ore

Niht enhoͤret

Minen pin:

Von dem mere

Můs min swere

Suͤftebere

Leider sin.

Suͤsser grůs

Tete bůs

Mir vil schrike,

Sit ich dike

Lieblich blike

Miden můs.

Ich han dike froͤlich doch

Bi den jungen

Her gesungen;

Ungelungen

Ist mir noh.

Des bin ich an froͤiden tot,

Von ir schulden,

Nach der hulden

Ich můs dulden

Sende not.

Ach, wie cleine

Mich vervahet

Swas ich sage,

Sit dú reine

Mich versmahet

Alle tage,

Sin enwende

Unde swende

Mir vol ende

Mine klage!

Suͤsser grůs

Tete bůs

Mir vil schrike,

Sit ich dike

Lieblich blike

Miden můs.

Beyträge zur Kenntniss der altdeutschen Sprache und Litteratur. Erster Band. Theil 1. · 第 7 / 9 段