Anmerkungen zur Transkription
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Der vorliegende Text wurde anhand der 1810 erschienenen Ausgabe
möglichst originalgetreu wiedergegeben. Die mittelalterlichen Texte
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Die beiden letzten Seitenzahlen des Inhaltsverzeichnisses wurden
nachträglich hinzugefügt. Auf S. 280 finden sich zwei gleiche
Verszeilen ('Dike schalkhaft zeren blint') direkt hintereinander. Dies
wurde konsequenterweise beibehalten. Lediglich zwei offensichtliche
Fehler in den Anmerkungen des Verfassers wurden sinngemäß korrigiert:
# S. 27: 'usgeschnitten' → 'ausgeschnitten'
# S. 289: 'Srophen' → 'Strophen'
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gesperrt: ~Tilden~
Kapitälchen: /Schrägstriche/
BEYTRÄGE
ZUR KENNTNISS
DER
ALTDEUTSCHEN
SPRACHE /und/ LITTERATUR.
VON
GEORGE FRIEDERICH BENECKE.
_ERSTE HÄLFTE_.
GÖTTINGEN,
IN DER DIETERICHSCHEN BUCHHANDLUNG.
1810.
BEYTRÄGE
ZUR KENNTNISS
DER
ALTDEUTSCHEN
SPRACHE /und/ LITTERATUR.
VON
GEORGE FRIEDERICH BENECKE,
PROFESSOR, UND CUSTOS DER UNIVERSITÄTS-BIBLIOTHEK
ZU GÖTTINGEN.
_ERSTER BAND. THEIL I._
GÖTTINGEN
BEY HEINRICH DIETERICH
1810.
MINNELIEDER.
ERGÄNZUNG
DER
SAMMLUNG VON MINNESINGERN.
HERAUSGEGEBEN
VON
GEORGE FRIEDERICH BENECKE,
PROFESSOR, UND CUSTOS DER UNIVERSITÄTS-BIBLIOTHEK
ZU GÖTTINGEN.
GÖTTINGEN
BEY HEINRICH DIETERICH
1810.
VORBERICHT.
In den Anmerkungen, die /Goldast/ den drey Altdeutschen Gedichten
beyfügte, welche er 1604 in seinen _Paraenetici veteres_ heraus gab,
stiessen mir aus Dichtern, deren Lieder anderthalb hundert Jahre später
in der Sammlung von Minnesingern erschienen, mehrere Stellen auf, die
ich in dieser Sammlung vergebens suchte. Es däuchte mir der Mühe werth,
nachzuforschen, woher /Goldast/ diese Stellen genommen habe; und da ich
überhaupt eine critische Berichtigung des Textes der Minnesinger für
das erste und dringendste Erforderniss bey dem Studium derselben halte,
so glaubte ich, auch die kleine Hülfe nicht verschmähen zu dürfen, die
eine Vergleichung der in Bremen befindlichen Goldastischen Handschrift
vielleicht darbieten könnte. Ich erbat mir daher diese Handschrift zur
Einsicht, und Hr. Dr. und Prof. /Oelrichs/, der würdige Vorsteher der
Bremischen Bibliothek, hatte die Güte, meine Bitte auf die gefälligste
Weise zu gewähren, und mir jeden beliebigen Gebrauch meiner Ausbeute
zu erlauben. Man würde vielleicht früher schon auf diese Handschrift
aufmerksam geworden seyn, wenn nicht /Bodmer/, in dem Vorberichte zu
den Proben der alten Schwäbischen Poesie, versichert hätte, dass sie
unvollständig sey, und dass die Lieder, die sie enthalte, ganz genau
mit der Pariser Handschrift übereinkommen.
Die Handschrift ist in Folio, auf Papier geschrieben, und der
Rücken des Bandes hat die Überschrift: _Hofflieder der teutschen
Meistersänger_. Auf dem letzten Blatte findet sich (vollkommen richtig)
von H. /Heisen/ bemerkt, der Band sey 367 Blätter oder gedoppelt
so viele Blattseiten stark. Sie ist ohne Zweifel eine Abschrift
der Manessischen Handschrift, und enthält ungefähr zwey Fünftel
derselben, oder erstlich alles das, was in dem Zürcher Abdrucke von S.
1 des ersten Theiles bis S. 172 befindlich ist, nur dass auf /Kúnig
Chůnrat/, /Kúnig Tyro von Schotten und Fridebrant sin sun/ folgt,
oder das Gedicht, das in dem zweyten Theile der Samml. von Minnes.
von S. 248 bis S. 251 abgedruckt ist. Mit dem Worte _kumberliche_ in
der letzten Zeile der fünften Strophe der Lieder des /Her Bernge von
Horhein/ bricht die Handschrift ab. Ausser dem aber sind zweytens
noch von den in dem zweyten Theile der Zürcher Ausgabe befindlichen
Gedichten abgeschrieben /Der Tanhuser/, /Von Bůchein/ und die ersten
Lieder des /Her Nithart/ (Samml. von Minnes. Th. 2. S. 58 bis S. 72).
Die letzte Zeile, womit die Handschrift endigt, ist: ‚Nu seht ob ich
ze frouwen wol an ir behalten si.' -- Das beygefügte Verzeichniss der
Dichter ist mit dem in dem zweyten Theile des Zürcher Abdruckes S. 261
und 262 befindlichen vollkommen gleichlautend.
Man kann, wenn ich nicht irre, in dieser Bremischen Handschrift
fünferley Hände unterscheiden. Die erste geht bis zu den Liedern des
Grafen /Chůnrat von Kilchberg/; die zweyte von da bis auf /Her Walter
von Klingen/; die dritte bis zu der Zeile ‚Swer ane vorhte herre Got'
(Samml. von Minnes. Th. 1. S. 128. Col. 2.); die vierte bis zu dem
schon angeführten Worte ‚kumberliche' in den Liedern des /Her Bernge
von Horhein/ (Samml. von Minnes. Th. 1. S. 172 f.). Von der fünften
Hand endlich ist abgeschrieben was im zweyten Theile der Samml. von
Minnes. von S. 58 bis S. 72 steht. Die drey ersten Hände zeugen von
Schreibern, die der alten Sprache kundig waren; die vierte Hand ist
weit schlechter, und man sieht deutlich, dass der Abschreiber nicht
verstand was er schrieb. Unter andern steht gewöhnlich _nn_ statt _m_
und _m_ statt _n_, woraus zu schliessen ist, dass diese Buchstaben sich
in der Original-Handschrift sehr ähnlich sehen müssen, um so mehr, da
auch schon früher sich öfter _n_ findet, wo der Zürcher Abdruck _m_
hat, und umgekehrt. Diese vier ersten Hände bedienten sich durchaus der
Lateinischen Buchstaben; von der fünften Hand sind die so genannten
Deutschen Buchstaben gebraucht, und der Abschreiber war, wie es
scheint, der alten Sprache etwas kundiger.
Die einzelnen Lieder jedes Dichters sind mit Römischen Zahlen
bezeichnet, die Strophen mit Arabischen. Die Reimzeilen sind abgesetzt,
wiewohl nicht immer ganz richtig. Interpunction ist nur an äusserst
wenigen Stellen beygefügt.
Die Bremische Handschrift enthält, so weit sie geht, _alles_ was in
der Samml. von Minnes. abgedruckt ist (denn eine kleine unten S. 276
bemerkte Ausnahme kann eigentlich gar nicht als Ausnahme gelten); und
sie enthält ein gutes Theil _mehr_. Meine Überzeugung, dass der Zürcher
Abdruck lückenhaft sey, wurde durch diese Handschrift vollkommen
bestätigt. Wie es aber möglich war, dass die Herausgeber vollständige
Lieder in unverständliche Bruchstücke verwandelten, und wie es kam,
dass sie manches schöne Lied ganz übergingen, das begreife ich nicht,
und schwerlich ist jemand jetzt noch im Stande, eine befriedigende
Auskunft darüber zu geben. Auf alle Fälle wünschte ich, bey der grossen
Achtung, die ich für /Bodmer/ hege, dass er in seiner Vorrede zu dem
zweyten Theil der Samml. von Minnes. die Stelle (S. V), in der er
einiger wenigen ausgelassenen Strophen erwähnt, durchgestrichen oder
weniger hochfärtig ausgedrückt hätte.
Die folgenden Bogen enthalten die Ausbeute, welche die Vergleichung
der Bremischen Handschrift lieferte. Abschrift und Abdruck sind mit
pflichtmässiger Genauigkeit besorgt worden; da wo es mir nöthig schien,
nach Vermuthung gemachte Verbesserungen in den Text aufzunehmen, habe
ich, wenige unbedeutende Veränderungen ausgenommen, die Lesart der
Handschrift unter dem Texte angegeben. Die beygefügte Interpunction
wird, wie ich hoffe, den meisten Lesern willkommen seyn. Interpunction
ist, meines Erachtens, die einzige Zuthat, die den Kenner nicht
stört, und dem Anfänger das Verständniss der Überreste des Alterthums
gar sehr erleichtert. Dass sie an manchen Stellen, bey der freyen
Wortstellung unserer alten Sprache, Schwierigkeiten hat; dass die
eingeführte Bezeichnung derselben mangelhaft ist: das kann für den
Herausgeber einer alten Schrift eine Ermahnung seyn, mit gehöriger
Bedachtsamkeit und mit geübtem Gefühle zu Werke zu gehen, keinesweges
aber ein Grund sie wegzulassen. Auch selbst wenn er irrt, kann er
wenigstens das Verdienst sich erwerben, den richtiger sehenden zu
Verbesserungen zu veranlassen. Wären die frühern Herausgeber alter
Deutscher Gedichte so gefällig gewesen, den von ihnen besorgten
Abdrücken die bequeme, den Gebrauch erleichternde Gestalt zu geben, in
der man jedes neuere gedruckte Buch zu sehen gewohnt ist: so hätten
diese Gedichte schon lange eine ungleich grössere Anzahl von Lesern,
auch wohl von critischen und erläuternden Bearbeitern gefunden; ihre
Trefflichkeit wäre weit allgemeiner anerkannt worden, hätte weit
früher auf empfängliche Gemüther gewirkt, und Früchte mannigfaltiger
Art hervor gebracht. Alte Handschriften zu lesen, ist nicht jedermanns
Sache, und niemand, der eine Sprache lernen will, pflegt damit den
Anfang zu machen; und doch sind wir gerade bey den vorzüglichsten
Werken unserer alten Litteratur auf Abdrücke beschränkt, die beynahe
eben so unbehülflich sind als eine Handschrift, und oben drein noch
weit unzuverlässiger und fehlerhafter. Bey so bewandten Umständen darf
ich mir daher wohl mit der Hoffnung schmeicheln, durch die Herausgabe
dieser Minnelieder wenigstens die erste Bekanntschaft mit den alten
Denkmahlen des Deutschen Gesanges erleichtert zu haben.
Zwar ist noch immer eine andere Erleichterung zu wünschen, die früher
nicht gegeben werden konnte, die aber jetzt wohl bald mit Recht
gefordert werden kann; ich meine die Festsetzung einer gleichförmigen
_alterthümlichen_ Orthographie. Allein diess ist ein Punct, über den
erst die Stimmen gründlicher Kenner, der alten Sprache vollständig und
ausführlich zu vernehmen seyn werden.
Recht sehr wird es mich freuen, wenn diese meine Arbeit dazu beyträgt,
die Überzeugung zu befördern, dass es durchaus nothwendig ist, eine
neue sorgfältige Vergleichung der Pariser Handschrift anzustellen,
und die sich daraus ergebenden Berichtigungen des Textes bekannt zu
machen. Ich bin weit entfernt, das Verdienst zu verkennen, das sich
seit einigen Jahren mehrere Freunde der alten Deutschen Poesie auf
mancherley Weise um das Studium derselben erworben haben. Vor allen
Dingen aber sollten wir doch eilen, den vorzüglichsten Gedichten, die
bereits gedruckt sind, die grösste mögliche Richtigkeit des Textes
zu geben, ehe vielleicht ein unglücklicher Zufall die Handschriften
vernichtet, aus denen diese Berichtigungen zu nehmen sind. Wie sehr
besonders die /Müller/sche Sammlung einer solchen Nachhülfe bedarf,
weiss jeder Kenner, zu seinem Leidwesen, nur zu gut. So ausgemacht es
auch ist, dass die allgemeinen Grundsätze der Critik, wie sie bey den
classischen Sprachen in der höchsten Periode ihrer Bildung angewandt
werden, bey ihrer Anwendung auf die alte Deutsche Sprache, und die
darin geschriebenen und von Abschreibern und Umarbeitern oft so
willkührlich behandelten Werke, gar manche besondere und eigenthümliche
Bestimmung erfordern: so wahr bleibt es doch auf der andern Seite, dass
für das gründliche Studium unserer alten vaterländischen Litteratur
nichts erspriesslicher seyn kann, als wenn wir uns die genaue critische
Sorgfalt zum Muster nehmen, die man mit so vielem Scharfsinn und
unermüdet fortgesetztem Fleisse auf die Schriften der Griechen und
Römer verwandt hat. Je sorgfältiger der Acker bestellt wird, desto
erfreulicher wird die Ernte seyn.
~Göttingen~, December 1809.
INHALT.
I. _Ergänzungen der Sammlung von Minnesingern aus der Bremischen
Handschrift._
1. Grave Otto von Bottenloube. Seite 1
2. Her Goͤtfried von Nifen. 10
3. Brůder Eberhart von Sax. 78
4. Her Rudolf von Rotenburg. 79
5. Her Heinrich von Sax. 115
6. Der von Gliers. 121
7. Her Ůlrich von Gutenburg. 134
8. Schenk Ůlrich von Wintersteten. 147
9. Her Walter von der Vogelweide. 267
II. _Abweichende Lesarten der Bremischen Handschrift._ 268
III. _Anhang._
Ein Lied von Her Nithart. 287
ERGÄNZUNGEN
DER
SAMMLUNG VON MINNESINGERN
AUS DER
BREMISCHEN HANDSCHRIFT.
GRAVE OTTO /von/ BOTTENLAUBE.
_Von diesem Dichter enthält die Handschrift folgende mit XI.
bezeichnete Zeilen, wovon sich in der Samml. von Minnesingern (Th.
1. S. 16. a Zeile 2 v. u.) bloss der Anfang befindet._
Mir hat ein wib
Herze und lib
Betwungen und gar verhert!
Dú ist so gůt,
Swas si mir tůt.
Wil si, so wirde ich sanfte ernert;
Tůt si mir we,
Doch wil ich e
Betwungen sin von ir gewalt,
Danne ich verber
Die werden ger
Und ouch die sorgen manicvalt,
Die si mir machet
Und git.
Min froͤide swachet
Iemer sit.
Sweme si nu lachet
Zaller zit,
Des selde wachet
Sunder strit;
Gelúkes rat
Hat in den pfat
Geleret so,
Das er sol ho
Daruffe sweben,
Mit froͤiden leben.
Solde ich das sin,
So muͤste, an aller sorgen schin,
Das herze min
Erhoͤhet werden, sunder pin.
Ich, froͤide bar,
Ich gedenke ie dar,
(Als ich getar):
Wirt si gewar,
Das ich so var,
Ir eigen gar;
Si erzeiget ir
Genade an mir
Si ist ein wib,
Der ie min lib
Alleiner lebt,
Und iemer strebt
Uf den gedinge
Und selchen trost,
Das mir gelinge,
Und werde erlost
Der sorgen, dú mich twanc noh ie,
Sit ich verlie
Den můt an sie.
Min herze jach,
Sit si min ouge alrerst ersach,
Sin ungemach,
Das ime sit,
Bi siner zit
Beschach,
Das were dahin,
Und were ime sin
Komen und gewin.
Des wande ouch ich;
Nu tůt si mich
Gar sorgenrich,
Und meret mine clage.
Das verkeret
Und seret
Mine tage.
Min gemuͤte
Ist worden kranc;
Ich verwuͤte
Nach ir guͤte
Ane allen dank;
Iedoch darunder
Ist ein wunder
Nicht besunder,
Das ich liden,
Und miden
Můs si, reine,
Die ich meine
Nicht ze cleine.
Amme herzen
Hab ich smerzen
Und kumber
(Ich vil tumber!)
Manigen sumber.
Warzů wart ich ie geborn,
Sol ich iemer sin verlorn?
Ja hat ich si mir erkorn,
Das die wunden,
Ungesunden,
Mir verbunden[1]
Solten werden
Von der werden;
Nu ist min swere
Ir gar unmere,
Der ich lere
Wurde, ob mir dú frouwe min
Tete gůten willen schin.
Solde es mit ir hulden sin,
Das ich sprechen
Muͤste zir,
Was si zechen
Und rechen
Wolde an mir:
Sicherliche,
Ob das geschiht,
Imme riche
Ist min geliche
Danne niht.
Herze, sinne,
Minen můt
Hat dú minne
Mit gewinne
Also behůt.
Peir der Mere
Dulde swere
Dur Afrien,
Sin amien,
Von Navar.
Plei von Lone
Lie die krone
Und die sinne
Durch die minne
Drisseg jar.
Er was sorgenrich;
Das was kumberlich,
Doch ungelich
Der swere min,
Die mir tůt schin,
Von der ich dulde disen pin.
Es enstille
Ir gůter wille
In kurzen ziten
Ane biten;
Ich bin tot.
Sol min trúwe,
Ane alle rúwe,
Sus ein sterben
An ir erwerben;
Dest ein not,
Die ich gerne dol,
Und liden sol;
So rehte wol
Stet si mir an.
Ich selic man!
So suͤsse not ich nie gewan.
Iedoch swie gerne
Ich sterben lerne
Dur ir minneclichen lip
(Owe, si reine, selig wib!);
So denke ich doch,
Das si mir noch
Gerůche geben
Ein senfter leben.
Des valde ich ir die hende min,
Das ane ir zúrnen muͤsse sin,
Ob ich genende,
Und ich ir sende
Disen sanc.
Ir lob, ir ere
Ich gerne mere;
In froͤmdú lant
Tůn ichs erkant
Mit truwen, ane valschen wanc.
Wirt mir davon ein habedank,
Ich singe ir das
Ir lob noch bas
Erhoͤhet, ob ichs e vergas.
Mine frouwen
Sult ir schouwen
In so hoher werdekeit,
Das ir sol iemer sin gereit
Der eren krone,
Sit vil schone
Eht aller selden seldekeit
Ir beide hende hat geleit
Ir uf ir houbet.
Das geloubet
Alle mir:
Ob ir si seht,
Ir verjeht
Tugende michels me von ir,
Danne ich iu sage,
Wand ichs durch klage
Mines willen vil verbir.
Min frouwe ist gůt;
Iedoch si tůt,
Das wunneklichcn froͤiden gir
Mich vergat
Und lat,
Das mir kumberlichen stat;
Wand ich pflac
Manigen tag,
Das min froͤide nie gelac.
Owe der dinge!
Ich wenne, ich ringe
Uf einen wan,
Den ich han,
Dem ich iemer undertan
Wesen můs,
Dess mir bůs
Niemer wirdet, untz ein gruͤs
Mich enbindet;
Sa verswindet
Und erwindet
Alles klagen.
In minen tagen
Was sol ich von froͤiden sagen?
Sol ich heil an ir bejagen,
Swie das were,
Es were zit.
Alle swere
Ich gar verbere,
Ob si den strit
Genedecliche
Wolde ir geben
Endeliche;
E ich danne entwiche,
Ich ir gibe das leben.
Bi dem eide
Ich wil geloben:
Sin enscheide
Mich von leide,
Ich můs ertoben.
Das erwende,
Selig wib,
Und sende
Mir das ende,
Das min lib
Froͤide und minne
Und sinne
Von dir, kúniginne,
Gewinne!
Darnach ich iemer ringe
Und zellen ziten strebe.
Uf das hoh gedinge
Ich vil dicke schone lebe,
Das mir an dir gelinge,
Und enphahen muͤsse
Suͤsser minne gebe.
Wie suͤsse
Ich danne singe
Und erclinge,
Swenne ich froͤliche ob allen froͤiden swebe!
(_Nun folgt unter XII. der zarte Wechselgesang:_ Were Cristes lon
niht also suͤsse. -- _Samml. von Minnes. Th. I. S. 16. b._)
HER GOͤTFRIT /von/ NIFEN.
_Was wohl der Grund seyn mag, dass von den ~funfzig~ Liedern
dieses Dichters in den Züricher Abdruck, ausser ~vier~ ganzen,
nur ~einige~ aus dem Zusammenhange herausgerissene ~Strophen~
aufgenommen wurden? Dass Wahl dieser Grund nicht war, das liegt am
Tage. -- Jene vier von Bodmer vollständig gelieferten Lieder sind
hier ausgelassen, die einzelnen Strophen konnten ohne Übelstand
nicht ausgelassen werden; auch nehmen sie kaum ein Paar Seiten ein._
I.
Owe, winter, din
Gewalt
Wil uns aber twingen!
Heide und ouch die blůmen rot
Die sint nu worden val;
So klage ich den gruͤnen walt
Und der vogel singen;
Darzů hat vil grosse not
Diu liebú nahtegal. --
We, was klage ich tumber vogel swere!
Ob eht ich der liebún liep in rehter liebe were,
Son clagte ich niht die vogel, noch der liehten blůmen schin.
Al min froͤide lit
An ir,
Dú wol mag vertriben
Swas ich sorgen ie gewan;
Der hat si gar gewalt.
Si ist dú minnecliche, lieb mir
Vor allen wiben.
Des bin ich, vil sender man,
In sorgen worden alt.
Das mag dú vil kúsche wol erwenden;
Wil dú gůte mir ir helferiche helfe senden,
Son darf mich nicht belangen der vil suͤsse bernden zit.[2]
Reinú wib dú sint
So gar
Von der diet gescheiden,
Das da heissent valschú wib;
Dest min herze vro.
Nu ist dú gůte valsches bar;
Davon můs mir leiden
Der vil valschen wibe lib.
Min herze stuͤnde ho,
Ob mir der vil gůten eine brehte
Mit ir guͤte hohen můt. We, was ich danne gedehte
Mit sange, das es erben muͤste an mines kindes kint!
Frouwe Minne, tůt[3]
So wol!
Lat mich des geniessen,
Das ich der vil gůten bin
Mit stete holt, ane allen wank!
Ob ich des geniessen sol,
So moͤht úch verdriessen,
Das si mines herzen sin
An froͤiden machet krank.
Si kan dehsen, swingen in der mâsse,
Und wil behuͤten, das niht bestieben lâsse
Ir roten munt, der mich vil dike machet hochgemůt.
Dú vil here wil
Mich lan
Nach ir grůsse sterben,
Ane aller slahte schulde gar:
Des můs ich trurig sin,
Und in senden sorgen stan.
In kan niht gewerben,
Das ir wolstenden ougen clar
Iht wellen růchen min.
Das clage ich dir, Minne, von der suͤssen,
Sit das si mir niht enwil min sende swere buͤssen.
Minne, fuͤge enzit, das es werde ein gemeines spil.
(_Die dritte Strophe diese Liedes steht in der Samml. von
Minnesing. Th. I. S. 22._)
II.
Summer, diner froͤidebernden wunne
Froͤwet sich maniges senden herzen můt,
Ob dú nahtegal iht singen kunne
Gegen des wunneclichen meyen blůt.
Ja si singet aber me,
Sit zergangen ist der sne;
Nu twinget mich min kumber aber als e.
Wie moͤht ich den kumber min erliden,
Ich entet es durh ein reine wib?
Disen sumer můs ich froͤide miden,
Es enwende ir kúscher wibes lip,
Dú mich her betwungen hat,
Unde mich in sorgen lat,
Und doch an ir eine al min froͤide stat.
Sit ich bin gebunden mit den banden,
Das dú senden heissent minne bant;
So mac si mich loͤsen mit ir handen,
Sit si treit so helferiche hant.
Frouwe ob allen frouwen min,
Wendent minen senden pin!
Durh úwer zuht lant mich bi froͤiden sin!
Disú lied wil ich der lieben singen,
Der ich lange her gesungen han.
Si kan beide dehsen unde swingen.
Dur ir guͤte sol si mich erlan,
Das ich niht in sorgen si,
Sit mir wont dú froͤide bi.
Vil selig wib, nu tů mich sorgen vri!
Sit an miner herzelieben frouwen
Gar min heil und al min leben lit,
Minne, so la dine guͤte schouwen,
Und scheide disen suͤssen strit.
Minne, min dich underwint,
Wan ich bin der sinne ein kint!
Nu bint die gůten, alde mich entbint!
(_Die vierte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von
Minnesing. Th. I. S. 23._)
III.
Wir suln aber schone enpfahen
Meyen, der kan froͤide bringen
Und vil maniger hande wunne,
Liehte blůmen, rosen rot.
Sit das uns wil froͤide nahen,
So suln wir mit froͤiden singen.
We im, der uns froͤide erbunne!
Dem si wernde froͤide tot!
Wol im, der uns froͤide mere,
Sit man lútzel froͤide hat!
We ime, der uns truren mere!
Wol ime, der uns leit verkere,
Sit dú werlt mit truren stat!
Lieblich bliken von den wiben,
Dar und dan, mit spilnden ougen,
Das kan sende swere buͤssen,
Und freut sende siechen man.
Es kan sendú leit vertriben,
Swa ein man sin liep siht tougen
Und vil minneclichen gruͤssen,
Und es lachelich sicht an.[4]
Lache, das mir sorge swinde,
Lachelich, ein roter munt!
Sit din lachen mich enbinde
Von den sorgen, das ich vinde
Froͤide: dast ein lieblich funt.
Reinú wib, durh úwer guͤte
Lant mich senden úch erbarmen,
Das mich dú vil wolgetane
Hat geheissen hinnanfúr.
Ob mich das durh niht enmůte,
Wan das man mich siht sust armen
In den froͤiden, froͤiden ane,
Das ist leider an mir spúr.
‚Hinnanfúr', das wort mir wendet
Froͤide; ich bin an froͤiden tot.
‚Hinnanfúr', das wort mich sendet
In den tot, ob es niht wendet
Ir munt gar durblúhtig rot.
Ich gesach von rotem munde
Nie so lacheliches lachen,
Als dú minnecliche lachet,
Swenne si liebe lachen wil.
Bas, dan ich erdenken kunde,
Kan si liebe liebi machen.
Swa sis liebe liebe machet,
Da hebt sich der wunnen spil.
Minne, wer, das si iht lache,
Swenne ich si mit ougen sehe!
Wiltu, das mir sorge swache,
Suͤssú Minne, an ir das mache,
Das si dir gewaltes jehe.
Ich můs wol von schulden sorgen,
Wie mir von der minneclichen,
Nach der ich zallen ziten brinne,
Miner swere werde bůs.
Beidú abent und den morgen
Sorge wil mir niht entwichen:
Das clage ich der suͤssen Minne.
Das die minnekliche ir grůs
Mir verseite und ouch ir hulde,
Das tůt minem herzen we.
Wer es doch von miner schulde,
Das ich kumber von ir dulde,
Son geklaget ichs niemer me.
IIII.
Selig si dú heide!
Selig si dú ouwe!
Selig si der kleinen vogellinen suͤsser sank!
Blůmen, loub, dú heide
Stant in maniger schouwe.
Die der kalte winter húre mit sinem froste twank,
Dien ist an ir froͤiden wol gelungen;
Als moͤht ouch ich an minen froͤiden wider jungen,
Troste mich ein roter munt, nach dem min herze ie rank.
Mir was, wie min swere
Hete ein lieplich ende,
Do mir seite ein botte, ich solde in froͤiden froͤlich sin.
Ich was froͤidebere,
Sorge was ellende
In mime herzen, do ich wande, ir mundes roter schin
Der wolde in min herze lieblich lachen.
Alse kan dú Minne ein wunder an uns beiden machen.[5]
Minne, tů mir swie du wellest! der gewalt ist din.
Roter munt, nu lache,
Das mir sorge swinde!
Roter munt, nu lache, das mir sendes leit zerge!
Lachen du mir mache,
Das ich froͤide vinde!
Roter munt, nu lache, das min herze fro beste!
Sit din lachen mir git hohgemuͤte,
Neyna, roter munt, so lache mir durh dine guͤte
Lacheliche, roͤseleht! Wes bedoͤrfte ich me?
Minnenklich gedinge
Froͤit mich mange stunde,
Das mich troͤste ein roter munt,
Des ich noch nie vergas.
Minnenklich gedinge,
Ob ich das da funde,
So kunde mir uf erde niemer werden bas.
Roter munt, hilf mir von den noͤten!
Ane Got so kan dich nieman alse wol geroͤten;
Got der was in froͤiden, do er dich als ebene mas.
Wolde mir dú here
Sende sorge ringen,
Das neme ich fúr der vogel sang
Und fúr der blůmen schin;
Und si nach miner lere
Růhte froͤide bringen
Mir, so were min truren krank,
Und wolte in froͤiden iemer sin.
Hilf mir, helferichú, suͤsse Minne!
Twinc die lieben, sam si hat betwungen mine sinne,
Untz si bedenke minen senelichen pin.
(_Die zweyte und vierte Strophe dieses Liedes steht in der Samml.
von Minnesing. Th. I S. 22; nur ist die vierte durch das Auslassen
der siebenten Zeile ganz unverständlich._)
V.
Walt,
Heide, anger, vogelsingen
Sint verdorben von des kalten winters zit.
Da man blůmen sach ufdringen,
Da ist es blos. Nu schouwent, wie dú heide lit!
Das klage ich; so klage ich mine swere,
Das ich der unmere
Bin, der ich gerne lieb in herzen were.
Frouwe Minne, das ist alles din gewalt.[6]
Bar
Min herze in bernder wunne?
Das was, swenne ich sach ir wunneklichen schin
Und ir ougen, sam der sunne,
Dur min ougen lúhten in das herze min.
Darnach wart mir leit in kurzen stunden.
O we, minne wunden!
Wie hast du dich min sus underwunden,
Das ich sender, siecher bin noch froͤiden bar?
Bant
Dú Minne mich der suͤssen,
Und lat die vil lieben sunder truren gan?
Minne, wie wilt dus gebuͤssen?
Minne, ich hans da fúr, es si niht gůt getan,
Minne, hilf enzit! ich můs verderben
Und an froͤiden sterben.
Sol ich niht den roten kus erwerben,
So ist mir froͤiden straze in rúwen pfat gebant.
Los,
In rehter wibes guͤte,
Sach ich zeinem male ir küschen wibes lip.
Davon froͤit sich min gemuͤte,
Das ich dachte: ja, du reine selig wib,
Du macht mir wol minen kumber wenden
Und helfe senden.
Frouwe Minne, troͤstent mich vil senden,
Wan ich stan von úweren schulden froͤidelos.
Wer
Kan mich nu fro gemachen?
Nieman, dan ir minneklicher roter munt.
Wil mir der von herzen lachen,
Davon wirde ich sender, siecher wol gesunt.
Gůten wip, nu wúnschent, das dú here
Mich die strasse lere,
Wa ich usser leide in liebe kere.
Minne! hilf, das mich dú liebe ir liebe wer.
(_Die dritte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von
Minnesing. Th. I. S. 22._)
VI.
Hy,
Wie wunnenklich dú heide
Sich mit manigem spehen kleide
Gegen dem meigen hat bekleit!
Loup, gras, blůmen, vogellin, beide
Die man sach in manigem leide --
Gar verswunden ist ir leit.
Alsò mehte ouch mir verswinden
Sorge, dú von froͤide ie swant.
Wolde froͤide e sorge enbinden,
Sit das froͤide ie sorge embant;
So wurde ich sorgen fri.[7]
Do
Min ouge erkos die suͤssen,
Do wart mir ein lieblich gruͤssen,
Roͤseleht ein roter grůs.
Do dahte ich: dú ougen muͤssen
Dir vil senden kumber buͤssen;
Anders dir wirt niemer bůs
Sorgen, es enwende ir guͤte.
Dannoch was ir guͤte gůt.
Sam die rosen in touwen bluͤte,
Was ir munt rot als ein blůt.
O we! dannoch was ich vro.
Wer
Kan froͤlich fro beliben,
Wan bi reinen lieben wiben?
Hi, wie suͤsse name, ein wib!
Wip kan sendú leit vertriben;
Wol ir reinen lieben liben!
Ouch si hant so lieben lip,
Das mich nach in můs belangen;
Bi in ist dú wile unlank.
Swa liep lieb hat umbevangen,
Dast ein suͤsser umbevank,
Lieplich nach der Minne ger.
We
Der gar verlornen stunde,
Das mir senden nien enkunde
Lieplich kússen werden kunt
Von ir rosenvarwen munde!
O we, Minne, das din wunde
Mich so lange hat verwunt!
Ich bin von dir ungeheilet,
Ich gewan gegen dir nie heil.
Minne, das du sist verteilet!
Hab ouch dir der minne ein teil,
Du verwundest mich niht me.
Was
Doug minnekliches singen?
Wa sint wip, die kunnen twingen?
Wa sint man, die Minne ie getwang?
Wer kan stete froͤide bringen?
Wer kan sorge us herzen dringen?
Minne ie sorge us herzen drang,
Von der wibes ougenbliken
Da man sach ein suͤssen blig.
Si went sich der Minne entstricken;
Man sint sunder Minne strig:
Welt, davon trage ich dir has!
(_Die zweyte Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von
Minnesing. Th. I. S. 22. 23._)
VII.
Wer gesach ie wunneklichen me den suͤssen meigen?
Wer gesach ie bas bekleit den walt und ouch die wunneklichen heide?
Wer gehort ie bas dú kleinen vogellin gesingen
Gegen der wunneklichen wunne in maniger suͤsser wunneklicher wise?
Da gegen froͤit sich manig herze, wan das mine alleine
.....................................
.....................................[8]
O we trútelehter lip, sol ich alsus verderben!
O we spilnder ougen schin! hei munt, gevar nach wunneklichen rosen!
Herze trut, ir wuͤstet an mir úwer vriges eigen.
Wie zimt wibes guͤte das, ob ich in senden sorgen sus verdirbe?
Liebú frouwe, ich habe iu lange her gedienet von kinde,
Des lat mich geniessen, seht, so wirde ich froͤideriche.
Ob des niht geschiht, so můs min spilende froͤide ein ende han.
Ir vil wunnenklichen wip, ir wolgemůten leigen,
Wúnschent, das mis herzen trut mich von den senelichen sorgen
scheide.
So bitte ich die gůten, das sie lasse mir gelingen.
Suͤsse Minne, ob das geschiht, darumbe ich dine werden tugende
prise.
Minne, du weist wol, es ist dú liebe, die ich da meine:
Hilf, das mir dú here troͤste min gemuͤte;
Ob des niht geschiht, so wirt mir sender sorgen niemer rat.
O we, Minne, sol ich niht den roten kus erwerben,
Und den suͤssen umbevank, darzů ir minneklichen lip, den losen?
Suͤssú Minne, maht du herzeliep an mir erzeigen,
Nu was treit dich fúr, ob ich nah der vil herzelieben in liebe
stirbe?
Minne, ich můs verderben, ob ich niht die froͤide vinde.
Ach dur Got, vil selig wib, noch helfent helfeliche!
Suͤssú Minne, frage si dur Got, was ich ir habe getan.
VIII.
Nu stet dú liebe heide bar
Der wunnenklichen blůmen und der liehten rosen rot;
Der walt hat sich entkleidet gar,
Des lident aber dú kleinen vogellin vil grosse not. --
Was klage ich tumber vogelin sang?
Wan klage ich niht die sweren zit,
Das ich der minneklichen han gedienet alles ane dank?
Si lone mir, si lone niht,
So ist si doch mis herzen trost und ouch dú vrouwe min.
Ich dien ouch ir, swas mir geschiht;[9]
Si můs dú erste und ouch min leste vnz an min ende sin.
Ir ougenblik der vie mich so,
Das ich von ir niht scheiden mag,
Swie selten mich dú herzeliebe hat gemachet fro.
Ach herre Got, wie schone ein wib!
Ja milter Got, wie rehte minnenklich ist sie gestalt!
Ja suͤsser Got, wie lieb ein lib
Gesach in Got, der ir vil reinen libes hat gewalt!
Ir spiegel lichten ougen clar,
Solde ich die mit gewalt ansehen,
So swuͤre ich wol, das mir gewühse niemer grawes har.
Wie gar unmassen sanfte tůt
Ein lieblich kússen und ein minneklicher umbevank!
Si liebet lieb und hoͤhet můt;
Da wirt dú sende sorge bi dem ungemuͤte krank.
Swer lieb bi herzeliebe lit,
E naher und e naher bas,
Da můs dú sende sorge lan der froͤide gar den strit.
Si ist tougen in mis herzen grunt,
Die ich von erst ze herzelieben frouwen mir erkos;
Davon so wirt es ungesunt.
Was schat der lieben, das si schoͤner ist und dabi los?
Von liebe kan ich niht gesagen,
Mir wart so liebes nie niht mer;
Des wolde ich uf genade gerne ein gluͤndes isen tragen.
VIIII.
Loup, gras, blůmen, vogel singen,
Vor dem walde und in den ouwen,
Uf der heide rosenrot,
Die der meige uns kan bringen --
Da mag man den rifen schouwen.
Doch klage ich ein ander not
Von der minnenklichen, suͤssen,
Dú mich lieplich solde gruͤssen.
Minne, das solt du mir buͤssen,
Sit ich mich der lieben ie ze dienste bot.[10]
Sit min sendes herze weinet
Nach der lieben, die ich da meine,
We, warumbe tůt es das,
Und ir herze ist unvereinet,
Das es nach dem min niht weine?
Minne, sich, das ist din has,
Den ich sender, siecher dulde
Gar an alle mine schulde.
Minne, hilf mir umb ir hulde,
Das si mich nach wibes guͤte troͤste bas.
Solde ich si vil minneklichen
Sehen, als ichs zeinen male
Sach, so wer min froͤide gros,
Und were in seldenrichen
Wan. Das mich ir minne strale[11]
In das sende herze schos:
Das din unverheilet wunde.
Ob ir trost mir die verbunde
Mit ir rosenvarwen munde,
Wer were an froͤiden danne min genos?
Ich wene, nieman kunne erdenken
Was man wunne bi den wiben
Vindet; si gent hohen můt.
Swer den sorgen welle entwenken[12]
Der sol stete an in beliben,
Wan si sint fúr truren gůt.
Swem si lieplich blikent tougen
In diu herzen mit den ougen,
Das weis ich wol, sunder lougen,
Das es von gemůten wiben sanfte tůt.
Ich han minnenklich gesungen
Der vil lieben und der Minne,
Doch lat si mich trurig stan.
So ist mir senden niht gelungen
An mines herzen kúniginne,
Davon wil ich singen lan,
Und wil mich nu von ir scheiden.[13]
Got der gebe gelúke uns beiden!
Wer aber ich ein wilder heiden,
Miner trúwe solt ich bas genossen han.
X.
Sich hat
Aber dú suͤssú zit verkeret![14]
Schouwent an dú wunnenklichen heide,
Die mit manigen blůmen stůnt beschoͤnet!
Kleiner vogellin truren aber meret,
Dien der kalte winter tůt so leide;
So ist der walt mit sange niht bedoͤnet.
Also můs ouch mir min froͤide entwichen,
Das mir nie von der vil minnenklichen
Kunde werden miner swere rat.
Wie kan
Iemer ieman sanfter werden,
Danne der lieb dur rehte liebe minnet,
Und im lieb in liebe froͤide meret?
Der hat himelriche hie uf erden,
Ob er sich gegen liebe wol versinnet,
Und in lieb in liebe liebe leret.
Minne kan sich liebe dur liebe lieben;
Das tůt si niht, wan eht Minne dieben.
Rehte liebe ist valscher liebe gran.
Es tůt
Sanfte ein lieblich umbevahen
Zwein gelieben, sit dú naht so langet.
Lieplich smuken nach der liebe willen --
Solt ichs tůn, ich seite wol wie nahen,
Sit das lieb bi liebe niht belanget
Lieb kan ........
_Mangelt ein gantz Folienblatt, welches ausgeschnitten worden._[15]
XI.
Beschiht des niht, so můs ich eine
Sterben in vil kurzer vrist,
Sit du bist
Dú suͤsse reine,
Dú mir froͤide geben sol.
Hilfa, helferiches wib,
E das mir der lib
Verderbe! Suͤssú frouwe, so tůst du wol.
XII.
Was vervahet
Mich des wunnenklichen meigen zit,
Der uns nahet,
Und manigen herzen froͤide git?
Blůmen und vogelsank,
Der beider
Trost ist, leider!
Minen froͤiden alze krank.
Min gemuͤte
Hat betwungen ir vil suͤsser lip.
So mit guͤte,
So mit schoͤne, wart nie besser wip,
Als mir min herze seit.
Das wunder
Hat besunder
Got mit flisse an si geleit.
Ja verkeret
Mir ein wip die besten froͤide min.
Der ich geeret,
Von ir reinen tugenden, solde sin,
Dú hat so betwungen mir
Die sinne
Mit ir minne,
Das ich truren můs nach ir.
Ich wil singen
Gegen dem meigen minneklichen sang.
Swere ringen
Kan si, nach der min herz ie rang.
Troste mich dú frouwe min,
Dú gůte,
Wolgemůte,
Seht! so wolt ich froͤlich sin.
Mit ir gruͤsse
Mehte si mir wenden sweren pin;
Der so suͤsse
Froͤite mir das sende herze min.
Roͤselechter roter munt,
Scheit den strit,
Und hilf enzit
Mir! so bin ich wol gesunt.
XIII.
Selig, selig si dú wunne!
Selig si des wunnebernden meigen zit!
Selig si der vogel singen!
Selig si dú ouwe! selig si der walt!
Man siht blůmen manigvalt
Durh das gruͤne gras ufdringen,
Mer danne ich erdenken kunne.
Tanzen, springen
Suln die jungen wider strit.
Nieman, nieman kan erdenken
Was fúr seneliches truren besser si,
Danne ein kus von rotem munde
Und darzů ein minneklicher umbevank.
Da wirt sendes truren krank,
Es froͤit uf von herzen grunde.
Ermel flechten, bein verschrenken --
In der stunde
Wirt dú liebe sorgen fri.
Wafen! wafen úber die Minne!
Wafen wil ich úber si schrien iemer me.
Ich was ir daher gebunden,
Nu lat si mich trurekliche vor ir gan.
Si hat úbel an mir getan.
Si můs einem andern wunden
Herze, můt und al die sinne.
Wol befunden
Habe ich, das si tůt so we.
Frouwe, frouwe, selig frouwe,
Herzen trut, ir sint mir liep fúr ellú wib,
Der ich selten han genossen,
Davon ich niht mere fúrbas singen wil;
Es dúhte úch vil gar ein spil.
Iu hat dike min verdrossen,
Des ich mich vil trurig schouwe;
Vor beslossen
Ist mir froͤide und iuwer lip.
Wol dir! Wol dir, wibes guͤte!
Wol dir! das du selig iemer muͤssest sin!
Wol dir! du kanst truren swachen,
Swa dú Minne ein sendes herze hat verwunt.
Din vil rosevarwer munt,
So der lieplich wolde lachen,
San der rose in touwes blůte!
Froͤide machen
Kan din spilnder ougenschin.
XIIII.
Schouwent uf den anger!
Winter wert niht langer,
Kleine vogel twang er;
Dú heide ist worden swanger,
Si birt uns rosen rot;
Man horet vogel singen,
Man siht blůmen entspringen,
Dur das gras ufdringen,
Ir swere wil sich ringen,
Als in dú zit gebot.
Alsus enpfahen wir den suͤssen meigen.
Wol uf, ir húbeschen leigen!
Wir suln die froͤide heigen,
Vil froͤlich tanzen, reigen.
Ahi, solt ich mich zweigen
Mit ir,
Dú mir
Mag wenden sende not!
Lat mir sorge swinden,
Lat mich froͤide vinden,
Lat den chrieg erwinden.
Ir sult úch underwinden
Mis herzen, selig wip!
Frouwe, ir sult mir meren
Froͤide, leit verkeren,
Hohgemuͤte leren.
Minne, bit die heren,
Das mich ir kúscher lip
Troͤste: nu ist si doch min kúniginne!
Vil minnenklichú Minne,
Troͤste mine sinne,
Sit ich nach liebe brinne!
Ob ich den trost gewinne,
Der tag
Mir mag
Wol heissen leit vertrip.
Wer kan truren swachen?
Wer kan froͤide machen
Mit viel lieben sachen?
Wer kan lieplich lachen?
Ir mundes roter schin.
Wer kan truren wenden?
Wer kan sorge swenden,
Sende not vol enden?
Wer kan helfe senden?
Dú vil liebe frouwe min.
Dú mich hat von kinde her gebunden,
Si kan min herze wunden.
Das hab ich wol befunden,
Das ich bin úberwunden
Nu und zallen stunden.
Si sol
Mir wol
Dur reht genedig sin.
Wer kan lit vertriben?
Wer kan fro beliben?
Nieman, wan bi wiben.
Des wol ir suͤssen liben!
Si sint fúr truren gůt.
Als des meigen bluͤte
Froͤit ir wiblich guͤte;
Si gent hohgemuͤte.
Das got ir lip behuͤte!
Doch mir einú tůt
Selten liep, die ich mit truͤwen meine,
Dú suͤsse und dú vil reine,
Der helfe ist gegen mir cleine;
Der ich von kindesbeine
Gedienet han alleine,
Das sie
Noch nie
Getroste mir den můt!
Ach, wan solt ich schouwen
Liep mins herzen frouwen!
In den grúnen ouwen,
In lúft und ouch in touwen,
Wart liebers nie gesehen,
Das so lieblich were,
Gůt fúr sende swere,
Sam dú seldebere.
Wie wol ich das bewere,
Kunde ich ze rehte spehen
Ir munt, ir kel unde ouch ir wangen;
Dú hant mich gevangen.
Nach ir můs mich belangen;
Het ich den trost enpfangen,
So wer min leit zergangen.
Ich han
Noch wan,
Das mir wil liep beschehen.
XV.
Nu schouwent, wie dú heide
Mit liehter ougenweide
Sint verdorben, und der cleinen voglin sank.
Das schaffent kalde winde.
Der walt und ouch die linde,
Die sint nu beide ir gruͤnen loubes aber worden krank.
Jarlank
Tete sanfte ein umbevahen,
Ein lieplich druken, nahen.
Ich han gedingen, das mir werde ein suͤsser umbevank.
Swies mir so wol ergienge,
Das si mich umbevienge,
So muͤst ich von den suͤssen froͤiden sende sorge lan.
Ob ich den trost da funde,
Davon min leit verswunde;
So wolde ich us herzeleide in herzeliebi gan.
Ich han
Trost, das mich ir wiplich guͤte
Vor sender not behuͤte.
Sus segen ich mich des morgens mit ir, so ich wil ufstan.
Ein kuss von roten munde,
Der von des herzen grunde
Von zwein gelieben gienge, das tete innekliche wol.
Swa Minne ir liebi wege
Gelich, und das si pflege
Froͤide, davon wurden sendú herzen froͤiden vol.
Mir sol
Liep ein lieplich ende machen
(Davon zwei herzen erlachen,
Der lieben mir, das min ir), sit ich senden kumber dol.
Do ich die reinen gůten,
Die suͤssen, wol gemůten
Von erst ansach, darnach do wart min herze sorgen bar;
Do hat ich den gedingen,
Das si mich wolde dringen
Hin an der froͤide stat. Das hat sie mich enterbet gar.
Nim war,
Frouwe Minne, wie ichs meine,[16]
Das si so rehte kleine
Mich senden troͤstet, und ich doch mit trúwen diene dar.
O we, sol ich verderben,
Und in der sorge ersterben,
Frouwe Minne, und ir, vil selig wib, wie stat iu beiden das?
Vil minneklichú Minne,
Sprich, das min kúniginne,
Durch wibes guͤte, sich gegen mir ein teil bedenke bas.
Nu was
Toug mir gar ze langes biten?
Es wer wol in den ziten,
Das si mir solde lonen! -- Minne treit den alten has.
XVI.
Ich hore aber die vogel singen,
In dem walde suͤsse erklingen;
Dringen
Siht man bluͤmen durh das gras.
Was
Dú sumer wunne in leide;
Nu hat aber dú liebe heide
Beide
Blůmen und rosen rot.
Meige kumt mit maniger blůt.
Tůt
Mir wol dú minnenkliche,
Seht, so wirde ich froͤideriche,
Sunder not, vil maniger sorgen fri.
Gunde mir dú seldebere,
Das ir trost mir froͤide bere;
Swere
Wolde ich sender lan.
Han
Ich trost, der ist doch cleine,
Sin entroͤste mich alleine.
Reine,
Selig wib, nu troͤstet bas!
Minne, hilf! es ist an der zit.
Sit
Min trost lit an der suͤssen,
So mag si mir swere buͤssen.
Nu durh was tůt si mir alse we?
Ob ir roter munt mir gunde,
Das ein kus die not enbunde:
Wunde
Von der Minne wurde heil;
Heil,
Gelúke, selde und ere
Het ich sender iemer mere.
Here,
Selig wib, nu troͤstent bas!
O we suͤsser, roter munt,
Wunt
Wart ich von dinen schulden,
Do ich der lieben muͤste hulden.
Das sint leit, dú mich noch machent gra.
Wunder kanst du, suͤssú Minne!
Minne, in diner glůt ich brinne;
Sinne,
Herze, můt hast du mir hin.
In
Min herze, sunder lougen,
Sach ein wib mit spilnden ougen,
Tougen:
Dannoch was ich vil gemeit.
Herzen trut, nu tůt so wol!
Sol
Ich sender fro beliben,
So sult ir von mir vertriben,[17]
Selig wib, die not, so wirde ich fro.
Wie zimt nu der suͤssen heren,
Das si mich kan truren leren?
Meren
Moͤhte si wol froͤide mir.
Ir
Vil minnekliches lachen
Kan mir sendes truren swachen;
Machen
Moͤhte si mich sorgen bar.
Owe suͤsser, roter munt!
Wunt
Bin ich an hohgemuͤte.
Roter munt, durh dine guͤte,
Nu sprich dar! du weist wol mine bette.
XVII.
Sumer, uns hat din schoͤne
Blůmen braht und vogel doͤne.
Walt, anger, heid in gruͤne stat;
Die hast du braht us noͤten.
Nu wil mich min frouwe toͤten,
Dú mich ane trost in sorgen lat.
Mich hat bevangen minnekliche ir lib.
Mit lieben dingen
Kan si twingen.
Hilf, troͤsterinne, selig wib!
Solde ich ein wib umbevahen
Liplich, ich weis wol wie nahen,
Mehte es so minneklich geschehen,
Das mich ir trost enpfienge,
Trut min liep, und das ergienge;
Man muͤste mich iemer froͤlich sehen.
Nu vinde ich niht, wan haslich versagen.
Mir benimt ir minne
Froͤide und sinne,
Des můs ich senden kumber tragen.
Wib und wibes guͤte
Sendent werendes hohgemuͤte.
Wib kunnen froͤiden wunder geben,
Wib kunnen froͤide machen.
Wib kunnen frúnde frúntlich lachen,
Wib liebent manne lip und leben.
Wib, was din trúwe wirde und ere git!
Wib, du kanst wenden
Leit, liep senden.
Was an wiben froͤide lit!
XVIII.[18]
We dir, winter ungehúre!
We dir! das du sist verteilet!
Heide und ouwe ist blůmen bar.
Swas mit froͤiden stunt noch húre,
Das hast du vil gar zerteilet.
Swas der suͤsse meige bar,
Das ist alles hingeleit
Von den suren, kalden winden.
Du wilt an uns niht erwinden:
Das dien kleinen vogellin leit!
We, der nahegender swere!
Wenne wil si mir die ringen,
Der min herze unsanfte enbirt?
Si sint mir ein teil ze swere.
In den sorgen můs ich ringen.
Ob si dan niht froͤide birt
Mir vil sendelosen man,
So verdirbe ich an dem libe.
Ist das ich niht fro belibe,
Ratent, ob ich fúrbas man.
Minne, heile minne wunden,
Die ich dulde zallen malen.
Wiltu, das ich sorge enber,
Sit du dichs hast underwunden;
Bit ir lib, den lieht gemalen,
Das er mir noh froͤide ber,
Sit er sich min underwant.
Frouwe, suͤsse, seldebere,
Iwer lon ist mir gebere,
So ist ouch min dienest zú gewant.
Si mag mir wol helfe senden,
Sit ich lebe in maniger sende;
So ist min weg hin zir gebant.
Si mag troͤsten mich vil senden,
Sit ich ir min herze sende,
Das dú suͤsse Minne ie bant.
Seht, so wurde ich noch gemeit,
Were, das ich si umbevienge,
Und das sis fúr gůt enpfienge,
Dú durh kúsche unkúsche ie meit.
Si mag sich des wol vermessen,
Das so schoͤne creatúre
Nie wart bi maniger zit geborn.
Man sol si niht zů den messen,
Den dú selbe schoͤne ist túre.
Alle untugende hat si verborn,
Si hat selde, si hat heil.
Hei, gewunne ich noch die kúnde,[19]
Das ich si erwerben kúnde,
Seht, so were min wunde heil.
XIX.
Merkent wunder u. w. _Zwey Strophen._
(_S. Samml. von Minnesing. Th. I. S. 23._)
XX.
Seht an die heide!
Seht an den gruͤnen walt!
Liehter ougenweide,
Der hant si gewalt,
Blůmen, loup, dú beide:
Mit manigem huͤbschen kleide
So sint si bekleit.
Dien tet vil leide
Der lange winter kalt;
Balde hinnen scheide
Sin twingen manigvalt!
Valwe loͤke, reide
Tragent junge, stolze meide;
Des sint si gemeit.
Var hin verwassen,
Vil gar verteilter sne!
Du můst uns aber lassen
Die blůmen und den kle
Uf des meigen strassen;
Dien tete du vil we.
Da die vogel sassen,
Ir sang gegen sange massen,
Die froͤiwent sich als e.
Mich wil betwingen,
Das mich durch lieb ie twang,
Das ich nu můs ringen,
Darnach min herz ie rank.
Ich wil aber singen
Der lieben uf gedingen;
Min trost an ir lit.
La mir gelingen,
Sit das mir nie gelang,
Minne, an lieben dingen;
So wirt min truren krank.
Si kan swere ringen,
Die sorge us herzen dringen;
Mir were lones zit.
Kus von ir munde,
Ich wene, er sanfte tůt;
Der ist zaller stunde
Noch roter danne ein blůt.
Eya, minne wunde!
Du machest ungemůt;
Ob din trost mir gunde,
Das mir ein kus die bunde,
So dúhte si mich gůt.
Mich hat gebunden
Der suͤssen Minne bant.
Minnekliches wunden,
Nach dir min herze ie swant.
Si hat niht erwunden,
Sich habe min underwunden
Ir munt rosen rot.
Minne und ir chunden
Die sint mir wol erkant.
Hette ich helfe funden,
So wer min dienst bewant.
Nu hat si mich funden
In truren zallen stunden,
Davon lide ich not.
Mich hat verseret
Ir liehter ougen schin.
Wer hat geleret
Die lieben frouwen min,
Das ir guͤte meret
Mir lange wernden pin?
Minne, swer dich eret,
Des můt wirt gar verkeret;
Nu bin ich doch din.
O we der swere,
Die ich von Minnen han!
Der ich sanfte enbere,
Wand ein vil lieber wan,
Der ist froͤidebere.
Dabi ist mir gevere
Dú Minne und ir has;
Si ist mir ze swere,
Davon ich trurig gan.
Ob ich sinnig were,
Des solt ich mich erlan.
Minneclichú mere,
Mir bernde froͤide bere.
Nu troͤste mich bas,
Lieblichú Minne!
Min sendes herze ist wunt,
Sit das ich brinne
Nach liebe zaller stunt.
Sorgen troͤsterinne,
Dir ist min iamer kunt;
Troͤste mine sinne,
Das ich den kus gewinne!
Sprich ja, roter munt!
(_Die erste Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von
Minnesingern, Th. I. S. 23._)
XXI.
Lob von mangen zungen
Wart dem meigen húre gesungen
Von den voglin dur den gruͤnen walt:
Die hat nu betwungen
Und jemerlich verdrungen
Rife, sne, darzů der winter kalt;
Des vil manig herze truric stat.
Darzů truret ouch das mine
Nach dem froͤidebernden schine,
Der von ir vil rotem munde gat.
Mir was froͤide entsprungen;
Leider, nu ist mir niht gelungen
An der lieben, dú min hat gewalt.
Wer min sank erklungen
Ir, so muͤste ich wider jungen;
Sust bin ich in sorgen worden alt.
Frouwe Minne, gib mir dinen rat,
Alder ich lebe in sendem pine!
Frouwe, uf die gnade dine
Diene ich dir, swies mir darumbe ergat.
Ich han mine stunde
Vil gerungen nach dem munde,
Der so lieplich ist, durlúhtig rot.
Das mir nie enkunde
Werden heil mis herzen wunde,
Davon lide ich sender sende not.
Minne, sich, du last mich trurig gan.
Trost, der selden úbergulde,
Frouwe, gent mir iwer hulde;
Wan es můs doch an iu eine stan.
Ob ir trost mir gunde,
Das ein kus die not enbunde,
Die dú herze liebú mir gebot,
Und sich underwunde
Lieb, und daran niht erwunde;
So geschiede ich noch von sender not,
Die ich von der herzelieben han,
Gar ane alle mine schulde.
Frouwe, sende not ich dulde.
Nu, dur Got, was han ich iu getan?
(_Die erste Strophe dieses Liedes steht in der Samml. von
Minnesing. Th. I. S. 23., wo aber das letzte Wort der ersten Zeile
ausgefallen ist._)
XXII.
We, was wunders lit an wiben,
Sit ir guͤte kan vertriben
Sendem herzen sende not!
Der in lieplich siht in ougen,
Mit gewalte und dabi tougen,
Dem ist al sin truren tot.
Ist im rehtú liebi bi,
So ist beiden danne wol;
Minne tůt si sorgen fri,
Si striket beidiu herzen in ein, und wendet kumberliche dol.
Wib, din minnenklich gebaren
Kan der senden herzen varen.
Wip, du bist ein suͤzer name;
Wib, du kanst wol froͤide meren;
Wib, du kanst wol froͤide leren,
Dir ist wiplich ere zame.
Wib, du gist ouch hohen můt;
Wib, du gist ouch froͤiden vil;
Wib, du bist fúr truren gůt:
Des můs ich iemer selig sin, du bist der welte wunne spil.
Heide und ouwe stůnt mit bluͤte
Gegen des suͤssen meigen guͤte;
Die sint beide worden val.
Darzů wil der winter twingen
Cleiner vogelin suͤsses singen,
Das si swigent úberal.
Das solt ich von schulden klagen;
So klage ich ein ander not.
Solt aber ichs der lieben sagen,
Mich iamert nach ir minne me, danne nach den liehten rosen rot.
Suͤsse Minne, mine sinne
Jamert nach der lieben minne.
Minne, hilf! est an der zit.
Minne, du kanst truren swenden,
Hohgemuͤte in herze senden;
Minne, din gewalt is wit.
Minne, ich bin dir undertan;
Minne, wis gewaltig min!
O we Minne! solt ich han
Ir minneklichen wibes lip, so were min truren gar dahin.
XXIII.
Nu siht man aber die heide val;
Nu siht man valwen gruͤnen walt;
Nu hoͤrt man niht der kleinen voglin singen,
Die sint geswigen úberal;
Ir stimme diu was manigvalt.
Die nahtegal die wil der winter twingen.
Der not klage ich, und dabi mine swere,
Die mir dú herzeliebe tůt;
Davon so bin ich ungemůt.
Nu ist si doch gůt
Dú liebe, unwandelbere!
Wa wart ie herzen me so wol,
Dan da zwei sendú herzen sint
Einmuͤtig, nach der suͤssen Minne willen?
Sie sint so tougen froͤiden vol,
Doch machet si dú Minne blint;
Si kan in beiden herzeleit wol stillen.
So froͤiwent sich besamen und niht besunder.
Swa herzeliep bi liebe lit,
Das wunnebernde froͤide git:
Dast ane strit;
Da tůt diu Minne ein wunder.