Angelegenheit vom Staate eine bessere Hoffnung fassen können,
so wäre nötig, daß derselbe den Grundbegriff vom Zwecke der
Erziehung, den er bisher gehabt zu haben scheint, mit einem ganz
andern vertauschte; daß er einsehe, er habe mit seiner bisherigen
Ablehnung der Sorge für die ewige Seligkeit seiner Mitbürger
vollkommen recht, indem es für diese Seligkeit gar keiner
besondern Bildung bedürfe, und eine solche Pflanzschule für den
Himmel, wie die Kirche, deren Gewalt zuletzt ihm übertragen
worden, gar nicht stattfinde, aller tüchtigen Bildung nur im Wege
stehe und des Dienstes entlassen werden müsse; daß es dagegen gar
sehr bedürfe der Bildung für das Leben auf der Erde, und daß aus
der gründlichen Erziehung für dieses sich die für den Himmel,
als eine leichte Zugabe, von selbst ergebe. Der Staat scheint
bisher, je aufgeklärter er zu sein meinte, desto fester geglaubt
zu haben, daß er, auch ohne alle Religion und Sittlichkeit seiner
Bürger, durch die bloße Zwangsanstalt, seinen eigentlichen
Zweck erreichen könne, und daß in Absicht jener diese es halten
möchten, wie sie könnten. Möchte er aus den neuen Erfahrungen
wenigstens dies gelernt haben, daß er das nicht vermag, und daß
er gerade durch den Mangel der Religion und der Sittlichkeit
dahin gekommen ist, wo er sich dermalen befindet.
Möchte man ihn, in Absicht seines Zweifels, ob er auch wohl das
Vermögen habe, den Aufwand einer Nationalerziehung zu bestreiten,
überzeugen können, daß er durch diese einzige Ausgabe seine
meisten übrigen auf die wirtschaftlichste Weise besorgen, und
daß, wenn er diese nur übernimmt, er bald nur diese einzige
Hauptausgabe haben werde. Bis jetzt ist der bei weitem größte
Teil der Einkünfte des Staates auf die Unterhaltung stehender
Heere verwendet worden. Den Erfolg dieser Verwendung haben wir
gesehen, dies reicht hin; denn tiefer in die besondern Gründe
dieses Erfolgs aus der Einrichtung dieser Heere hineinzugehen,
liegt außerhalb unsers Plans. Dagegen würde der Staat, der die
von uns vorgeschlagene Nationalerziehung allgemein einführte, von
dem Augenblicke an, da ein Geschlecht der nachgewachsenen Jugend
durch sie hindurch gegangen wäre, gar keines besondern Heeres
bedürfen, sondern er hätte an ihnen ein Heer, wie es noch keine
Zeit gesehen. Jeder einzelne ist zu jedem möglichen Gebrauche
seiner körperlichen Kraft vollkommen geübt, und begreift sie auf
der Stelle, zur Ertragung jeder Anstrengung und Mühseligkeit
gewöhnt, sein in unmittelbarer Anschauung aufgewachsener Geist
ist immer gegenwärtig und bei sich selbst, in seinem Gemüte lebt
die Liebe des Ganzen, dessen Mitglied er ist, des Staates und des
Vaterlandes, und vernichtet jede andre selbstische Regung. Der
Staat kann sie rufen und sie unter die Waffen stellen, sobald
er will, und kann sicher sein, daß kein Feind sie schlägt. Ein
andrer Teil der Sorgfalt und der Ausgabe in weise regierten
Staaten ging bisher auf die Verbesserung der Staatswirtschaft,
im ausgedehntesten Sinne und in allen ihren Zweigen, und es ist
hierbei durch die Ungelehrigkeit und Unbehilflichkeit der niedern
Stände manche Sorgfalt und mancher Aufwand vergebens gemacht
worden, und die Sache hat allenthalben nur geringen Fortgang
gehabt. Durch unsre Erziehung erhält der Staat arbeitende Stände,
die des Nachdenkens über ihr Geschäft von Jugend auf gewohnt
sind, und die schon sich selbst durch sich selbst zu helfen
vermögen und Neigung haben; vermag nun noch überdies der Staat
ihnen auf eine zweckmäßige Weise unter die Arme zu greifen, so
werden sie ihn auf das halbe Wort verstehen und seine Belehrung
sehr dankbar aufnehmen. Alle Zweige der Haushaltung werden ohne
viele Mühe in kurzer Zeit einen Flor gewinnen, den auch noch
keine Zeit gesehen hat, und dem Staate wird, wenn er ja rechnen
will, und wenn er etwa bis dahin nebenbei auch noch den wahren
Grundwert der Dinge kennen lernen sollte, seine erste Auslage
tausendfältige Zinsen tragen. Bisher hat der Staat für Gerichts-
und Polizeianstalten vieles tun müssen, und doch niemals genug
für sie tun können; Zucht- und Verbesserungshäuser haben ihm
Ausgaben gemacht, die Armenanstalten endlich erforderten,
je mehr auf sie gewendet wurde, einen um so größern Aufwand
und erschienen in der ganzen bisherigen Lage eigentlich als
Anstalten, Arme zu machen. Die erstern werden in einem Staate,
der die neue Erziehung allgemein macht, sehr verringert werden,
die letztern gänzlich wegfallen. Frühe Zucht sichert vor der
spätern sehr mißlichen Zucht und Verbesserung; Arme aber gibt es
unter einem also erzogenen Volke gar nicht.
Möchte der Staat und alle, die denselben beraten, es wagen,
seine eigentliche dermalige Lage ins Auge zu fassen und sie
sich zu gestehen; möchte er lebendig einsehen, daß ihm durchaus
kein andrer Wirkungskreis übriggelassen ist, in welchem er als
ein wirklicher Staat, ursprünglich und selbständig sich bewegen
und etwas beschließen könne, außer diesem, der Erziehung der
kommenden Geschlechter; daß, wenn er nicht überhaupt nichts tun
will, er nur noch dieses tun kann; daß man aber auch dieses
Verdienst ihm ungeschmälert und unbeneidet überlassen werde.
Daß wir es nicht mehr vermögen, tätigen Widerstand zu leisten,
ist, als in die Augen springend und von jedermann zugestanden,
schon früher von uns vorausgesetzt worden. Wie können wir nun
die Fortdauer unsers dadurch erwirkten Daseins gegen den Vorwurf
der Feigheit und einer unwürdigen Liebe zum Leben rechtfertigen?
Auf keine andre Weise, als wenn wir uns entschließen, nicht für
uns selbst zu leben, und dieses durch die Tat dartun; wenn wir
uns zum Samenkorne einer würdigern Nachkommenschaft machen und
lediglich um dieserwillen uns so lange erhalten wollen, bis wir
sie hingestellt haben. Jenes ersten Lebenszwecks verlustig, was
könnten wir denn noch andres tun? Unsre Verfassungen wird man uns
machen, unsre Bündnisse und die Anwendung unsrer Streitkräfte
wird man uns anzeigen, ein Gesetzbuch wird man uns leihen, selbst
Gericht und Urteilsspruch, und die Ausübung derselben wird man
uns zuweilen abnehmen; mit diesen Sorgen werden wir auf die
nächste Zukunft verschont bleiben. Bloß an die Erziehung hat
man nicht gedacht; suchen wir ein Geschäft, so laßt uns dieses
ergreifen! Es ist zu erwarten, daß man in demselben uns ungestört
lassen werde. Ich hoffe -- vielleicht täusche ich mich selbst
darin, aber da ich nur um dieser Hoffnung willen noch leben mag,
so kann ich es nicht lassen, zu hoffen; -- ich hoffe, daß ich
einige Deutsche überzeugen und sie zur Einsicht bringen werde,
daß es allein die Erziehung sei, die uns retten könne von allen
Uebeln, die uns drücken. Ich rechne besonders darauf, daß die
Not uns zum Aufmerken und zum ernsten Nachdenken geneigter
gemacht habe. Das Ausland hat andern Trost und andre Mittel; es
ist nicht zu erwarten, daß es diesem Gedanken, falls er je an
dasselbe kommen sollte, einige Aufmerksamkeit schenken, oder
einigen Glauben beimessen werde; ich hoffe vielmehr, daß es zu
einer reichen Quelle von Belustigung für die Leser ihrer Journale
gedeihen werde, wenn sie je erfahren, daß sich jemand von der
Erziehung so große Dinge verspreche.
Möge der Staat und diejenigen, die denselben beraten, sich nicht
lässiger machen lassen, in Ergreifung dieser Aufgabe durch die
Betrachtung, daß der gehoffte Erfolg in der Entfernung liege.
Wollte man unter den mannigfaltigen und höchst verwickelten
Gründen, die unser dermaliges Schicksal zur Folge gehabt haben,
das, was allein und eigentümlich den Regierungen zur Last fällt,
absondern, so würde sich finden, daß diese, die vor allen
andern verbunden sind, die Zukunft ins Auge zu fassen und zu
beherrschen, beim Andrange der großen Zeitbegebenheiten auf
sie immer nur gesucht, sich aus der unmittelbar gegenwärtigen
Verlegenheit zu ziehen, so gut sie es vermocht; in Absicht der
Zukunft aber nicht auf ihre Gegenwart, sondern auf irgendeinen
Glückszufall, der den stetigen Faden der Ursachen und Wirkungen
abschneiden sollte, gerechnet haben. Aber dergleichen Hoffnungen
sind betrüglich. Eine treibende Kraft, die man einmal in die Zeit
hinein hat kommen lassen, treibt fort und vollendet ihren Weg,
und nachdem einmal die erste Nachlässigkeit begangen worden, kann
die zu spät kommende Besinnung sie nicht aufhalten. Des ersten
Falles, bloß die Gegenwart zu bedenken, hat fürs nächste unser
Schicksal uns überhoben; die Gegenwart ist nicht mehr unser.
Mögen wir nur nicht den zweiten beibehalten, eine bessere Zukunft
von irgend etwas anderm zu hoffen, denn von uns selber. Zwar
kann keinen unter uns, der zum Leben noch etwas mehr bedarf denn
Nahrung, die Gegenwart über die Pflicht zu leben trösten; die
Hoffnung einer bessern Zukunft allein ist das Element, in dem
wir noch atmen können. Aber nur der Träumer kann diese Hoffnung
auf etwas andres gründen denn auf ein solches, das er selbst für
die Entwicklung einer Zukunft in die Gegenwart zu legen vermag.
Vergönnen diejenigen, die über uns regieren, daß wir ebensogut
auch von ihnen denken, als wir unter uns voneinander denken, und
als der Bessere sich fühlt; stellen sie sich an die Spitze des
auch uns ganz klaren Geschäfts, damit wir noch vor unsern Augen
dasjenige entstehen sehen, was die dem deutschen Namen vor unsern
Augen zugefügte Schmach einst vor unserm Andenken abwaschen wird!
Uebernimmt der Staat die ihm angetragene Aufgabe, so wird er
diese Erziehung allgemein machen, über die ganze Oberfläche
seines Gebiets, für jeden seiner nachgebornen Bürger ohne alle
Ausnahme; auch ist es allein diese Allgemeinheit, zu der wir des
Staates bedürfen, indem zu einzelnen Anfängen und Versuchen hier
und da auch wohl das Vermögen von wohlgesinnten Privatpersonen
hinreichen würde. Nun ist allerdings nicht zu erwarten, daß die
Eltern allgemein willig sein werden, sich von ihren Kindern zu
trennen, und sie dieser neuen Erziehung, von der es schwer sein
wird ihnen einen Begriff beizubringen, zu überlassen; sondern es
ist nach der bisherigen Erfahrung darauf zu rechnen, daß jeder,
der noch etwa das Vermögen zu haben glaubt, seine Kinder im
Hause zu nähren, gegen die öffentliche Erziehung und besonders
gegen eine so scharf trennende und so lange dauernde öffentliche
Erziehung sich setzen wird. In solchen Fällen ist man nun, bei
zu erwartender Widersetzlichkeit, von den Staatsmännern bisher
gewohnt, daß sie den Vorschlag mit der Antwort abweisen: der
Staat habe nicht das Recht, für diesen Zweck Zwang anzuwenden.
Indem sie nun warten wollen, bis die Menschen im allgemeinen
den guten Willen haben, ohne Erziehung aber es niemals zu
allgemeinem guten Willen kommen kann, so sind sie dadurch gegen
alle Verbesserung geschützt und können hoffen, daß es beim
alten bleiben wird bis an das Ende der Tage. Inwiefern dies nun
etwa solche sind, welche entweder überhaupt die Erziehung für
einen entbehrlichen Luxus halten, in Rücksicht dessen man sich
so spärlich einrichten müsse als möglich, oder die in unserm
Vorschlage nur einen neuen wagenden Versuch mit der Menschheit
erblicken, der da gelingen könne, oder auch nicht, ist ihre
Gewissenhaftigkeit zu loben; solchen, die von der Bewunderung
des bisherigen Zustandes der öffentlichen Bildung, und von
dem Entzücken, zu welcher Vollkommenheit dieselbe unter ihrer
Leitung emporgewachsen sei, eingenommen sind, läßt sich nun
vollends gar nicht anmuten, daß sie auf etwas, das sie nicht
auch schon wissen, eingehen sollten; mit diesen insgesamt ist
für unsern Zweck nichts zu tun, und es wäre zu beklagen, wenn
die Entscheidung über diese Angelegenheit ihnen anheimfallen
sollte. Möchten sich aber Staatsmänner finden und hierbei zu
Rate gezogen werden, welche vor allen Dingen durch ein tiefes
und gründliches Studium der Philosophie und der Wissenschaft
überhaupt sich selbst Erziehung gegeben haben, denen es ein
rechter Ernst ist mit ihrem Geschäft, die einen festen Begriff
vom Menschen und seiner Bestimmung besitzen, die da fähig sind,
die Gegenwart zu verstehen, und zu begreifen, was eigentlich
der Menschheit dermalen unausbleiblich nottut; hätten diese aus
jenen Vorbegriffen etwa selbst eingesehen, daß nur Erziehung vor
der außerdem unaufhaltsam über uns hereinbrechenden Barbarei und
Verwilderung uns retten könne, schwebte ihnen ein Bild vor von
dem neuen Menschengeschlecht, das durch diese Erziehung entstehen
würde, wären sie selbst innig überzeugt von der Unfehlbarkeit und
Untrüglichkeit der vorgeschlagenen Mittel: so ließe von solchen
sich auch erwarten, daß sie zugleich begriffen, der Staat, als
höchster Verweser der menschlichen Angelegenheiten und als der
Gott und seinem Gewissen allein verantwortliche Vormund der
Unmündigen habe das vollkommene Recht, die letzteren zu ihrem
Heile auch zu zwingen. Wo gibt es denn dermalen einen Staat, der
da zweifle, ob er auch wohl das Recht habe, seine Untertanen zu
Kriegsdiensten zu zwingen und den Eltern für diesen Behuf die
Kinder wegzunehmen, ob nun eins von beiden oder beide wollen oder
nicht wollen? Und dennoch ist dieser Zwang, zu Ergreifung einer
dauernden Lebensart wider den eignen Willen, weit bedenklicher
und häufig von den nachteiligsten Folgen für den sittlichen
Zustand und für Gesundheit und Leben der Gezwungenen; da
hingegen derjenige Zwang, von dem wir reden, nach vollendeter
Erziehung die ganze persönliche Freiheit zurückgibt und gar
keine andern, denn die heilbringendsten Folgen haben kann. Wohl
hat man früher auch die Ergreifung der Kriegsdienste dem freien
Willen überlassen; nachdem sich aber gefunden, daß dieser für
den beabsichtigten Zweck nicht ausreichend war, hat man kein
Bedenken getragen ihm durch Zwang nachzuhelfen; darum, weil die
Sache uns wichtig genug war und die Not den Zwang gebot. Möchten
nun auch in dieser Rücksicht uns die Augen aufgehen über unsre
Not, und der Gegenstand uns gleichfalls wichtig werden, so würde
jene Bedenklichkeit von selbst wegfallen; da, zumal es nur in
dem ersten Geschlechte des Zwanges bedürfen und derselbe in den
folgenden, selber durch diese Erziehung hindurch gegangenen,
hinwegfällt, auch jener erste Zwang zum Kriegsdienste dadurch
aufgehoben wird, indem die also Erzogenen alle gleich willig
sind, die Waffen für das Vaterland zu führen. Will man ja, um
anfangs des Geschreies nicht zu viel zu haben, diesen Zwang zur
öffentlichen Nationalerziehung auf dieselbe Weise beschränken,
wie bisher der Zwang zum Kriegsdienste beschränkt gewesen, und
die von dem letztern befreiten Stände auch von jenem ausnehmen,
so ist dies von keinen bedeutenden nachteiligen Folgen. Die
verständigen Eltern unter den ausgenommenen werden freiwillig
ihre Kinder dieser Erziehung übergeben; die gegen das Ganze
unbedeutende Anzahl der Kinder unverständiger Eltern aus diesen
Ständen mag immer auf die bisherige Weise aufwachsen und in
das zu erzeugende bessere Zeitalter hineinreichen, brauchbar
lediglich als ein merkwürdiges Andenken der alten Zeit, und um
die neue zur lebhaften Erkenntnis ihres höheren Glücks anzufeuern.
Soll nun diese Erziehung Nationalerziehung der Deutschen
schlechtweg sein, und soll die große Mehrheit aller, die die
deutsche Sprache reden, keineswegs aber etwa nur die Bürgerschaft
dieses oder jenes besonderen deutschen Staates, dastehen als
ein neues Menschengeschlecht, so müssen alle deutsche Staaten,
jeder für sich und unabhängig von allen andern, diese Aufgabe
ergreifen. Die Sprache, in der diese Angelegenheit zuerst
in Anregung gebracht worden, in der die Hilfsmittel verfaßt
sind und ferner werden verfaßt werden, in der die Lehrer
geübt werden, der durch alles dieses hindurchgehende eine
Gang der Sinnbildlichkeit, ist allen Deutschen gemeinsam. Ich
kann mir kaum denken, wie und mit welchen Umwandlungen diese
Bildungsmittel insgesamt, besonders in derjenigen Ausdehnung,
die wir dem Plane gegeben haben, in irgendeine Sprache des
Auslandes übertragen werden könnten, also, daß es nicht als
fremdes und übersetztes Ding, sondern als einheimisch und aus
dem eignen Leben ihrer Sprache hervorgehend, erschiene. Für alle
Deutsche ist diese Schwierigkeit auf die gleiche Weise gehoben;
für sie ist die Sache fertig, und sie dürfen nur dieselbe
ergreifen.
Wohl uns hierbei, daß es noch verschiedene und voneinander
abgetrennte deutsche Staaten gibt! Was so oft zu unserm Nachteile
gereicht hat, kann bei dieser wichtigen Nationalangelegenheit
vielleicht zu unserm Vorteile dienen. Vielleicht kann Nacheiferung
der mehreren und die Begierde, einander zuvorzukommen, bewirken,
was die ruhige Selbstgenügsamkeit des einzelnen nicht hervorgebracht
hätte; denn es ist klar, daß derjenige unter allen deutschen
Staaten, der in dieser Sache den Anfang machen wird, an Achtung,
an Liebe, an Dankbarkeit des Ganzen für ihn, den Vorrang gewinnen
wird, daß er dastehen wird als der höchste Wohltäter und der
eigentliche Stifter der Nation. Er wird den übrigen Mut machen,
ihnen ein belehrendes Beispiel geben und ihr Muster werden; er wird
Bedenklichkeiten, in denen die andern hängen blieben, beseitigen;
aus seinem Schoße werden die Lehrbücher und die ersten Lehrer
ausgehen und den andern geliehen werden; und wer nach ihm der
zweite sein wird, wird den zweiten Ruhm erwerben. Zum erfreulichen
Zeugnisse, daß unter den Deutschen ein Sinn für das Höhere noch
nie ganz ausgestorben, haben bisher mehrere deutsche Stämme und
Staaten miteinander um den Ruhm größerer Bildung gestritten; diese
haben ausgedehntere Preßfreiheit, freiere Hinwegsetzung über die
hergebrachte Meinung, andre besser eingerichtete Schulen und
Universitäten, andre ehemaligen Ruhm und Verdienste, andre etwas
andres für sich angeführt, und der Streit hat nicht entschieden
werden können. Bei der gegenwärtigen Veranlassung wird er es
werden. Diejenige Bildung allein, die da strebt, und die es wagt,
sich allgemein zu machen und alle Menschen ohne Unterschied zu
erfassen, ist ein wirkliches Bestandteil des Lebens, und ist ihrer
selbst sicher. Jede andre ist eine fremde Zutat, die man bloß zum
Prunk anlegt, und die man nicht einmal mit recht gutem Gewissen an
sich trägt. Es wird sich bei dieser Gelegenheit verraten müssen, wo
etwa die Bildung, deren man sich rühmt, nur bei wenigen Personen
des Mittelstandes stattfindet, die dieselbe in Schriften darlegen,
dergleichen Männer alle deutschen Staaten aufzuweisen haben; und
wo hingegen dieselbe auch zu den höhern Ständen, welche den Staat
beraten, hinaufgestiegen sei. Es wird sich sodann auch zeigen, wie
man den hier und da gezeigten Eifer für die Errichtung und den Flor
höherer Lehranstalten zu beurteilen habe, und ob demselben reine
Liebe zur Menschenbildung, die ja wohl jedweden Zweig und besonders
die allererste Grundlage derselben, mit dem gleichen Eifer
ergreifen würde, oder ob ihm bloß Sucht zu glänzen, und vielleicht
dürftige Finanzspekulationen, zugrunde gelegen haben.
Welcher deutsche Staat in Ausführung dieses Vorschlags der erste
sein wird, der wird den größten Ruhm davon haben, sagte ich. Aber
ferner, es wird dieser deutsche Staat nicht lange allein stehen,
sondern ohne allen Zweifel bald Nachfolger und Nacheiferer
finden. Daß nur der Anfang gemacht werde, ist die Hauptsache.
Wäre es auch nichts andres, so wird Ehrgefühl, Eifersucht, die
Begierde auch zu haben, was ein andrer hat, und, womöglich,
es noch besser zu haben, einen nach dem andern treiben, dem
Beispiele zu folgen. Auch werden sodann die oben von uns
beigebrachten Betrachtungen über den eignen Vorteil des Staates,
die vielleicht dermalen manchem zweifelhaft vorkommen dürften, in
der lebendigen Anschauung bewährt, einleuchtender werden.
Wäre zu erwarten, daß sogleich jetzt und von Stund an alle
deutsche Staaten ernstliche Anstalten machten, jenen Plan
auszuführen, so könnte schon nach fünfundzwanzig Jahren das
bessere Geschlecht, dessen wir bedürfen, dastehen, und wer hoffen
dürfte, noch so lange zu leben, könnte hoffen, es mit seinen
Augen zu sehen.
Sollte aber, wie wir denn freilich auch auf diesen Fall rechnen
müssen, unter allen dermalen bestehenden deutschen Staaten kein
einziger sein, der unter seinen höchsten Beratern einen Mann hätte,
der da fähig wäre, alles das oben Vorausgesetzte einzusehen und
davon ergriffen zu werden, und in welchem die Mehrheit der Berater
diesem einen sich wenigstens nicht widersetzte: so würde freilich
diese Angelegenheit wohlgesinnten Privatpersonen anheimfallen, und
es wäre nun von diesen zu wünschen, daß sie einen Anfang mit der
vorgeschlagenen neuen Erziehung machten. Zuvörderst haben wir hierbei
im Auge große Gutsbesitzer, die auf ihren Landgütern dergleichen
Erziehungsanstalten für die Kinder ihrer Untertanen errichten
könnten. Es gereicht Deutschland zum Ruhme und zur sehr ehrenvollen
Auszeichnung vor den übrigen Nationen des neuern Europa, daß es unter
dem genannten Stande immerfort hier und da mehrere gegeben hat, die
sich's zum ernstlichen Geschäfte machten, für den Unterricht und die
Bildung der Kinder auf ihren Besitzungen zu sorgen, und die gern
das Beste, was sie wußten, dafür tun wollten. Es ist von diesen zu
hoffen, daß sie auch jetzt geneigt sein werden, über das Vollkommene,
das ihnen angetragen wird, sich zu belehren und das Größere und
Durchgreifende ebenso gern zu tun, als sie bisher das Kleinere
und Unvollständige taten. Wohl mag hier und da die Einsicht dazu
beigetragen haben, daß es vorteilhafter für sie selbst sei, gebildete
Untertanen zu haben, denn ungebildete. Wo etwa der Staat durch
Aufhebung des Verhältnisses der Untertänigkeit diesen letzten Antrieb
weggenommen hat -- möge er da desto ernstlicher seine unerläßliche
Pflicht bedenken, nicht zugleich das einzige Gute, das bei
Wohldenkenden an dieses Verhältnis geknüpft wurde, mit aufzuheben,
und möge er in diesem Falle ja nicht versäumen zu tun, was ohnedies
seine Schuldigkeit ist, nachdem er diejenigen, die es freiwillig
statt seiner taten, dessen erledigt hat. Wir richten ferner, in
Absicht der Städte, hierbei unsre Augen auf freiwillige Verbindungen
gut gesinnter Bürger für diesen Zweck. Der Hang zur Wohltätigkeit ist
noch immer, so weit ich habe blicken können, unter keinem Drucke der
Not in deutschen Gemütern erloschen. Durch eine Anzahl von Mängeln
in unsern Einrichtungen, die sich insgesamt unter der Einheit der
vernachlässigten Erziehung würden zusammenfassen lassen, hilft diese
Wohltätigkeit der Not dennoch selten ab, sondern scheint oft sie noch
zu vermehren. Möchte man jenen trefflichen Hang endlich vorzüglich
auf diejenige Wohltat richten, die aller Not und aller fernern
Wohltätigkeit ein Ende macht, auf die Wohltat der Erziehung. -- Noch
aber bedürfen wir, und rechnen wir auf eine Wohltat und Aufopferung
andrer Art, die nicht im Geben, sondern im Tun und Leisten besteht.
Möchten angehende Gelehrte, denen es ihre Lage verstattet, den
Zeitraum, der ihnen zwischen der Universität und ihrer Anstellung
in einem öffentlichen Amte übrigbleibt, dem Geschäfte, über diese
Lehrweise an diesen Anstalten sich zu belehren und an denselben
selbst zu lehren, widmen! Abgerechnet, daß sie sich hierdurch höchst
verdient um das Ganze machen werden, kann man ihnen noch überdies
versichern, daß sie selbst den allerhöchsten Gewinn davontragen
werden. Ihre gesamten Kenntnisse, die sie aus dem gewöhnlichen
Universitätsunterricht oft so erstorben mit hinwegtragen, werden
im Elemente der allgemeinen Anschauung, in welches sie hier
hineinkommen, Klarheit und Lebendigkeit erhalten, sie werden lernen,
dieselben mit Fertigkeit wiederzugeben und zu gebrauchen, sie werden
sich, da im Kinde die ganze Fülle der Menschheit unschuldig und offen
daliegt, einen Schatz von der wahren Menschenkenntnis, die allein
diesen Namen verdient, erwerben, sie werden zu der großen Kunst des
Lebens und Wirkens angeleitet werden, zu welcher in der Regel die
hohe Schule keine Anweisung gibt.