Der Hausgarten daran war zum Bauplatz für eine Kirche bestimmt. Der
spätere Besitzer, Kreisgerichtsrat Wolle, löste die Gerechtsame ab.
Sein Sohn, Landgerichtspräsident Wolle, dessen Witwe jetzt Besitzerin
ist, war ein feinsinniger Schillerverehrer und hielt jede entstellende
Neuerung fern. Das Obergeschoß an der Schillerstraße war Wohnung des
Ehepaares von Beulwitz von 1785 bis 1794. Das Gartengebäude nach der
Allee bewohnte Frau von Lengefeld von 1775 bis 1789 und Charlotte bis
zu ihrer Verheiratung.
Das Schulgrundstück gegenüber, Große Allee 5, war der Lengefeldsche
Garten, den die ~Chère mère~ 1786 gekauft hatte. Hier fanden die
Teeabende und Komödienspiele statt. Für diesen Garten hatte Karl August
die Bäume unter scherzhaften Anspielungen gestiftet. Ein zweistöckiges
Gartenhaus mit Geräteschuppen war der »grüne Pavillon«, den Schiller
von Volkstedt aus mit dem Perspektiv erkannte. Als 1835 das
»Schwesterngäßchen« von der Allee zur Augustenstraße durch den Garten
gelegt wurde, mußten die beiden Häuschen etwas nach Süden hin versetzt
werden.
Augustenstraße 10 war die Wohnung von Karoline Junot, als sie mit ihrem
Gemahl 1839 von Katzhütte nach Rudolstadt umgezogen war. Im Hause
Augustenstraße 17 hatte sie 1832 ihre Mädchenschule gegründet.
Das Gasthaus »Zur Güldenen Gabel«, Schillerstraße 1, bildete mit dem
Grundstück Schwarzburger Straße 12 das vornehme Absteigequartier der
Stadt. Das Wochenblatt vom 11. Dezember 1787 zählt unter den Fremden,
»so sich teils hier aufgehalten, auch nur durchgereist sind,« Herrn
Architekt Harles und Herrn Doktor Schiller aus Meinungen auf. Wolzogen
reiste demnach ›inkognito‹. Am 27. Mai 1788 wird Herr Rat Schüler aus
Weimar, am 22. September 1789 Herr Professor Schüler aus Jena genannt.
Schloßaufgang II,3 gehört zu den kleinen Anwesen, wie sie Bediensteten
des Hofes überwiesen wurden, damit diese am Fuß des Schloßberges
jederzeit leicht zu Tage- oder Nachtwerk anzurufen waren. Das Haus
gehörte 1788 einer Hofratwitwe Roß und wird als Herbstwohnung Schillers
genannt.
Die Stadtkirche ist ein wertvolles Denkmal für Heimat- und
Kunstgeschichte. Auf die Anschauung deutscher mittelalterlicher
Bauformen war aber die Zeit Schillers noch wenig eingestellt.
Die Mayersche Glockengießerei Jenaische Straße 1 war bis 1872 in
Betrieb, sie wird jetzt als Maschinenfabrik vom Schwiegersohn des
letzten Glockengießers Robert Mayer betrieben.
Der Heißenhof Lengefeldstraße 1 war eine Zeit lang Brauerei und führt
im Volksmund seitdem den Namen Bergschlößchen, er ist jetzt Eigentum
der Stadtgemeinde.
Der Baumgarten war im 18. Jahrhundert ein Englischer Park mit 2
Teichen, einem Fischerhäuschen und einer Einsiedelei, wurde von Fürst
Ludwig Friedrich liebevoll ausgestattet, ist in der Neuzeit aber bis
auf spärliche Reste verschwunden, da er als Gebiet für Neubauten
gebraucht wurde.
Auf dem Schloß erinnern die Lengefeld-Zimmer noch an die Frau
Oberhofmeisterin.
Im Jägerhof wohnte vor seiner Verheiratung der Landjägermeister von
Lengefeld.
Ein Spaziergang die Schloßstraße hinab gewährt einen guten Überblick
über die Flur zwischen Rudolstadt und Volkstedt.
Das Haus des Kantors Unbehaun lag zu Schillers Zeit als erstes
Gehöft des Dorfes rechts am Wege, gegenüber der Porzellanfabrik und
der Kirche. Es hat durch Umbau Veränderung erfahren, aber Hof und
Nebengebäude zeigen noch die alte Stimmung. Hier sorgte der treue
Hauswirt, wenn nötig mit dem Fliegenwedel in der Hand, daß die Kuh den
Herrn Doktor nicht störte. Alles Liebe und Gute wurde dem braven Manne
dankbar dafür nachgerühmt, und 1791 hielt Graß in einer Zeichnung seine
Züge fest, aus denen Treue und Redlichkeit sprechen. Die Nachkommen
Unbehauns, die Familien Stauch, haben das Zimmer und dessen Einrichtung
pietätvoll geschont.
Schillererinnerungen beleben die ganze Flur Volkstedt. Der Weg nach
Rudolstadt hat Umänderungen erlitten. Er führte einst durch eine
Wiesenmulde zum Schaalbach und von da auf den Hain zu. Die Richtersche
Fabrik und die neuen Stadtteile sind dort entstanden. Nur die
Schillerquelle im Rudolspark erinnert noch an alte Zeit, wenn auch
versteckt an dem schluchtartigen Philosophenweg. – Nach Zeigerheim zu
führten Spazierwege den Dichter oft, und es heißt, der Bergvorsprung an
der Prinzeneiche sei ein Lieblingsplatz von ihm gewesen. Hier folgte
sein Blick der Länder verknüpfenden Straße und der Pappeln stolzem
Geschlechte bis Saalfeld und Rudolstadt. – Den Gefahren einer Seereise
setzte er sich aus, indem er oberhalb des Wehres einen Kahn benutzte
oder unterhalb den Fluß durchwatete. So erreichte er die Große Wiese
mit weithin verbreitetem Teppich. Aus der Ferne grüßte die Burg. Unter
den Linden erwarteten ihn die Freundinnen und führten ihn nach Cumbach,
wo um den Hofgarten französischen Stils deutsches Landleben sich
abspielte.
[Illustration: Karoline Junot, geborene von Schiller]
An den steilen Sandsteinfelsen des Mühlbergs errichtete im Jahre 1830
der Kammerrat Karl Werlich die Anlagen der Schillershöhe mit der
Danneckerschen Büste und den Schlußversen des »Spaziergangs«. Es wäre
mehr als kühn, zu behaupten, daß Schiller dieses philosophische Gedicht
lediglich hier als Eingebung empfangen habe. Die landschaftlichen
Bilder dazu mögen aus vielen Erinnerungen des Dichters bis 1795
zusammengeflossen sein. Immerhin kann doch geraten werden, den Pfad von
Schillershöhe über Unterpreilipp zur Preilipper Kuppe zurückzulegen.
Dabei werden sich Natureindrücke und Landschaftsbilder bieten, die für
das Verständnis der Dichtung willkommen sind.
Die Saale selbst ruft uns Schillerworte zu:
»Kurz ist mein Lauf und begrüßt der Fürsten, der Völker so viele;
Aber die Fürsten sind gut, aber die Völker sind frei.«
Auch die Schillerverehrung früherer Rudolstädter Geschlechter sollte
nicht der Vergangenheit anheimfallen. Eine Tafel auf Justinshöhe über
Volkstedt trug die Verse Augustin Regensburgers:
»Wandrer! dich grüßt die Natur in lieblich erhabener Anmut,
Schaust du vom Bergeshang sinnig ins friedliche Tal.
Sieh, wie der silberne Strom, ein Bild des Lebens, dahinrauscht,
Dort an der Schillershöh küssend geweihtes Land!
Hier der Wiese Grün, dort der Saat sich kräuselnde Woge!
Wie majestätisch das Schloß thront bei der freundlichen Stadt!
Wann nun spähend dein Blick sich verliert in die duftige Ferne,
Spiegelt im seligen Aug wonnig das himmlische Blau.«
Der Greifenverlag zu Rudolstadt
Bei uns erschien:
Thüringer Heimatbücher, Band I
Berthold Rein
Die Friedensburg bei Leutenberg
Eine thüringische Grenzfeste und ihre Bewohner
Mit 8 Lichtbildern – Fein kartoniert Mk. 3.–
_Landeszeitung Rudolstadt_: Die Thüringer Heimatbücher sind wegen
ihres heimatkundlich wertvollen Charakters durchaus zu begrüßen. Die
bei allem sachlichen Ernst und aller historischen Treue fesselnd
geschriebene Abhandlung läßt uns einen Blick in die dunklen Tage des
Mittelalters, in die Entstehung der alten, auf einem Bergkegel herrlich
gelegenen Burg tun, in den romantischen Zauber ihrer düsterwinkligen
Gänge, Erker, Lauben und Säle. Die Arbeit aus der Feder des Schulrats
Dr. Rein, dessen sorgfältige Behandlung wissenschaftlicher und
historischer Fragen bekannt ist, zeugt von gründlichem Studium der
Archivalien, der alten schweinsledernen Folianten und Pergamente, der
Urkunden und Fachschriften. Das mit Bildern versehene Büchlein ist in
jeder Beziehung wirklich zu empfehlen.
_Rudolstädter Zeitung_: Ein Heimatbuch, wie es sein soll: schlicht
und allgemein verständlich. All denen, die sich liebevoll in die
Vergangenheit romantischer Burgenherrlichkeit versenken, will das
geschmackvoll ausgestattete Büchlein ein treuer Führer sein. Es ist
Goldschlägerarbeit, die der Verfasser geleistet hat. Heimatsinn und
Heimatliebe führten dem Sohne der Thüringer Scholle die Feder, so daß
wir dem ersten Band der Veröffentlichungen des Heimatbundes nur warme
Worte der Empfehlung mit auf den Weg geben können.
Weitere Anmerkungen zur Transkription
Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.
Unterschiedliche Schreibweisen von Namen wurden wie im Original
beibehalten.
Der Schmutztitel wurde entfernt. Das Inhaltsverzeichnis wurde zur
leichteren Orientierung an den Anfang des Buches verschoben.
Die Bildunterschriften wurden gemäß dem Bildverzeichnis hinzugefügt.