Anmerkungen zur Transkription
Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter Text
ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua gesetzter Text ist
~so markiert~.
Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des
Buches.
Thüringer Heimatbücher
Veröffentlichungen des Thüringer Heimatbundes
Band 2
Berthold Rein
Schiller in Rudolstadt
[Illustration]
1 · 9 · 2 · 5
Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
Berthold Rein
Schiller in Rudolstadt
[Illustration]
1 · 9 · 2 · 5
Der Greifenverlag zu Rudolstadt (Thür.)
Ausstattung von Willi Geißler
»Die Stätte, die ein guter Mensch betrat!«
Alle Rechte vorbehalten. Copyright by Greifenverlag Rudolstadt 1925.
Gedruckt von Mänicke & Jahn A.-G., Rudolstadt, in der Ehmcke-Fraktur.
Buchbinderarbeit ebenfalls von dort.
Inhalt
Titel 1
Vorwort 5
Der 6. Dezember 1787 7
Im Sommer 1788 17
Der 7. September 1788 33
Die Stadtkirche und die Glockengießerei 37
Charlottes Jugendheim 42
Der Herbst 1789 50
Das Frühjahr 1791 61
Schillers Familie in Rudolstadt 67
Rundgang an den Schillerstätten vorüber 73
Bilder:
Schillershöhe 5
Charlotte von Lengefeld 13
Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz 32
Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von Lengefeld 33
Die Schillerglocke 48
Charlottes Jugendheim 49
Das Schillerhaus in Volkstedt 68
An der Saale zwischen Volkstedt und Rudolstadt 69
Karoline Junot, geborene von Schiller 76
Vorwort
Unter den Orten, die für Schillers Leben bedeutsam waren, nimmt
Rudolstadt eine besondere Stellung ein. Hat doch hier sein Dichten und
Trachten eine Richtung eingeschlagen, die für seine ganze Lebensbahn
entscheidend werden sollte. Der Fürstenhof und seine Umgebung war
empfänglich gestimmt für seine Gedankenwelt. Aus dem geistigen Geben
und Nehmen entstand dem bis dahin ruhelosen Flüchtling die Aussicht
auf eine bleibende Stätte. Charlotte von Lengefeld, das Kind der
Rudolstädter Heimat, fühlte sich dem Schwaben und seiner Eigenart nahe.
Der Lengefeldsche Familienkreis vermittelte ihm die Begegnung mit
Goethe, die bald darauf zu dem geistigen Austausch führte, an dem beide
gleiche Freude empfanden. In die Landschaft um Rudolstadt rettete sich
Schiller, anfangs in Wirklichkeit, später in Gedanken, wenn ihm »des
Zimmers Gefängnis« zu enge wurde.
[Illustration: Schillershöhe]
Die Schillerliteratur erwähnt oft die Häuser, wo er in Rudolstadt
verkehrte, unterscheidet sie jedoch nicht immer deutlich. Dichtung
und Wahrheit fließen dann durcheinander. Schriftliche Berichte von
glaubhaften Augenzeugen sind vorhanden, liegen aber zerstreut in
Lebensbeschreibungen und Briefsammlungen. Mündliche Überlieferung
braucht daneben nicht wertlos zu erscheinen, ist doch in jeder Sage
leicht ein geschichtlicher Kern zu erkennen.
Die älteren Rudolstädter Gelegenheitsschriften und Aufsätze führen
ein verborgenes Dasein in Bibliotheken und werden nur noch selten
aufgeschlagen. Die anerkannten Quellenwerke von Urlichs, Hase, Karoline
von Wolzogen, Fielitz und Karl Schmidt habe ich benutzt. Schriftliche
und mündliche Nachrichten übermittelten mir Augustin Regensburger und
Emilie Schreck aus ihrem Verkehr mit Karoline von Schiller. Archiv und
Schloßmuseum boten manche Ergänzung. Mit besonderem Dank führe ich die
Rudolstädter Häuserchronik von Hugo Trinckler an, sie ist die Frucht
jahrzehntelanger liebevollster Heimatforschung, die hoffentlich bald im
Druck erscheinen kann.
Das Haus Schillerstraße 25 ist mir in seinen Räumen vertraut, da ich
sieben Jahre dort gewohnt habe. Liebevolle Ehrfurcht seiner Besitzer
hat das ganze Anwesen vor entstellender Neuerung bewahrt.
Auch für räumliche Erinnerungen einer Heimatstadt gilt das Wort: »Was
du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!«
Wenn der Lenz beginnt, ziehen sehlustige Wanderer gern bei uns durch
Flur und Stadt. Gehen sie auf Schillers Pfaden, dann möchte ihnen
ebenfalls mein Büchlein als Führer dienen.
Rudolstadt, Ostern 1925.
Dr. Berthold Rein.
Der 6. Dezember 1787
Als Schiller im Jahre 1787 nach Rudolstadt kam, war er für die
allgemeine Menschheit noch ein Unbekannter. Wer in den Schriftwerken
der letzten Jahre bewandert war, kannte seine Jugenddramen, die einen
ganz überraschenden Ton auf der Bühne angeschlagen hatten. Wer tiefer
blickte, beobachtete den gesellschaftlichen Hintergrund, von dem sich
die Räuber und Kabale und Liebe abhoben. Dem einen stand dann der
stürmisch begeisterte Schwabe in leuchtendem Glanze als Verkünder
einer neuen Zeit da, dem andern in verdächtigem Dunkel als Vertreter
von Empörung und Umsturz. Die Inschrift auf der zweiten Auflage der
Räuber: »~In tyrannos~«, gegen die Unterdrücker, erhielt sich eben im
Gedächtnis.
Alle die Kreise, denen er persönlich nahegetreten war, wußten zu
erzählen, wie zurückhaltend, ja zaghaft er ihnen anfangs erschienen
war, bis sich schließlich der Zauber seines liebenswürdigen, fesselnden
und hingebenden Gemüts aufgetan hatte. Zu diesen Bekannten gehörten
die Wolzogens von Stuttgart und Bauerbach her und in gewissem Sinne
die Damen von Lengefeld in Rudolstadt, denn sie waren ihm, wenn auch
nur flüchtig, auf der Rückreise aus der Schweiz in Mannheim bereits
begegnet.
Schiller hatte seit seiner Flucht aus Stuttgart wiederholt verzweifelt
gerungen, um festen Boden unter die Füße zu bekommen, war aber trotz
aller Hoffnung, die er nun zuletzt auf den Herzog Karl August in Weimar
gesetzt hatte, immer noch heimatlos. Jugendlich unbefangen und harmlos
im Vertrauen war er Töchtern angesehener Familien nahegetreten, dennoch
indes nicht zu einem Bund für das Leben gelangt.
Sein Studiengenosse aus der Karlsschule, Wilhelm von Wolzogen, hatte
einen Besuch in Meiningen abzustatten. Für Schiller war die Werrastadt
bedeutsam als neue Heimat seiner Schwester Christophine. Eine Reise
hoch zu Roß lockte den leidenschaftlichen Liebhaber der Reitkunst, also
folgte er dem Rufe des Freundes. Auf dem Rückwege nach Weimar schlug
Wolzogen vor, die Richtung über Rudolstadt zu wählen, dort wollte er
die »superklugen Kusinen« aufsuchen und mit dem Dichter des Don Carlos
bekannt machen. Über Suhl, Ilmenau und Königsee erreichten sie das
Saaltal.
In einem Hause der Neuen Gasse vor den Mauern der kleinen Residenz
Rudolstadt saß Charlotte von Lengefeld am Fenster und hatte eben in das
Tagebuch eingetragen: Der erste Schnee ist gefallen!, als die ländliche
Stille durch Hufschlag unterbrochen wurde. Überrascht sah sie hinaus
und erblickte zwei Reiter in graue Mäntel gehüllt. Erschrocken fuhr
sie zurück, als die beiden scharf zu ihr aufschauten, und der eine
schelmisch vertraut winkte: Ich komme gleich! Das Tagebuch nahm nun
noch die Ergänzung auf: Eben ritt Vetter Wolzogen vorbei mit einem
anderen Reiter, ich möchte wohl wissen, wer das ist!
Der 6. Dezember sollte ein Schicksalstag für sie werden und das
schlichte Haus eine bedeutsame Stätte.
Das Grundstück, jetzt Schillerstraße 25, hatte um 1720 der Hofjäger
Wolfgang Rühm aus Bayreuth als Bauplatz für ein gemütvolles einfaches
Wohnhaus erworben. Sein Nachfolger, der Landrentmeister Rühm, oder
dessen Witwe hatte im Garten dahinter ein »Zwillingshaus« errichtet,
das schließlich durch Zwischenbauten mit dem Vorderhaus verbunden
wurde. Ein kleiner Hof in der Mitte blieb frei. Nach der Sonnenseite
reichte ein großer Garten noch bis an das Nachbarhaus. Auf der
Abendseite führte eine junge Lindenallee vorüber. In das zweistöckige
Zwillingshaus war die Frau Landjägermeister von Lengefeld mit ihren
kleinen Töchtern eingezogen, nachdem ihr der Tod den Gemahl 1775
frühzeitig entrissen hatte. In dem Obergeschoß des Vorderhauses
richtete 1785 die ältere der beiden Töchter, Karoline, ihren Haushalt
ein, als sie sich mit Ludwig von Beulwitz vermählte. Das Haus war weder
Eigentum der Familie von Beulwitz, noch der Familie von Lengefeld, es
ging 1796 durch Kauf aus dem Rühmschen Besitz an den Kammersekretär
Andreas Christoph Johann Werlich über. Die beiden adeligen Familien
wohnten nur zur Miete darin.
Friedrich Wilhelm Ludwig von Beulwitz, dessen Grabplatte links im
Eingang zum Alten Friedhof zu finden ist, führte zwar im vertrauten
Bekanntenkreise den Beinamen Ursus, der Bär, aber die Verteidiger
seiner Gattin haben später doch zu Unrecht sein Bild entstellt,
als sie das Für und Wider der Ehescheidung verhandelten. Er war
zehn Jahre älter als seine stark und feurig veranlagte, jetzt
vierundzwanzigjährige Frau. Als Hofbeamter, als Landeshauptmann
in Königsee, als Freund von Kunst und Wissenschaft führte er ein
arbeitsames Leben, wobei ihm freilich wenig Zeit und Neigung
übrigblieb, seiner Gattin seelisch nahezutreten, und das Führeramt
auszuüben, das ganz besonders sie nötig gehabt hätte. Bald mußte er
wiederum längere Zeit auf Reisen gehen als Begleiter der Prinzen Ludwig
Friedrich und Karl Günther, die einen Studienaufenthalt in Genf nehmen
wollten.
Charlotte von Lengefeld war bereits einmal durch Neigung und Entsagung
hindurchgegangen. Ein englischer Hauptmann Heron, mit dem sie noch
ab und zu geneckt wurde, hatte ihr nahegestanden, sein Beruf zog ihn
aber nach Indien, wo er für sie verschollen blieb. Beide Schwestern
nahmen an den Neuerscheinungen des Geisteslebens regen Anteil. Etwas
gemäßigt wurde ihr Verlangen nach Unabhängigkeit und ihre freigeistige
Modebestrebung durch die streng religiöse Lebensauffassung der Mutter.
Diese war als Witwe hart geprüft worden und empfand hohe Verantwortung
für die vaterlosen Töchter. Sie war Hofdame, erwartete bei nächster
Gelegenheit das Amt einer Oberhofmeisterin auf der Heidecksburg und
erhoffte für ihre jüngere Tochter einen ähnlichen Ruf nach Weimar.
Das alles sprach entscheidend mit auch in den kleinen Tagesfragen und
bestimmte den Ton in den gesellschaftlichen Umgangsformen.
In diesen Familienkreis trat Schiller am Abend des 6. Dezember ein.
Dem Kenner griechisch-römischer Literatur, die gerade wieder stark
in Aufnahme gekommen war, fehlte es nicht an Unterhaltungsstoff, und
der Jünger neuester Philosophie verfügte über die Gabe, zufällig
entstandene Gespräche in einer überlegen bewußten Richtung zu lenken.
Dabei wurde seine unverfälschte schwäbische Mundart nicht als Störung,
sondern als treuherzige reizvolle Beigabe empfunden.
Den Zauber, der von Schillers Person ausging, hat Wilhelm von Humboldt
später treffend gewürdigt:
»Was jedem Beobachter an Schiller am meisten als charakteristisch
bezeichnend auffallen mußte, war, daß in einem höheren und prägnanteren
Sinn, als vielleicht je bei einem andern, der Gedanke das Element
seines Lebens war. Anhaltend selbsttätige Beschäftigung des Geistes
verließ ihn fast nie. – Sie schien ihm Erholung, nicht Anstrengung.
Dies zeigte sich am meisten im Gespräch, für das Schiller ganz
eigentlich geboren schien. Er suchte nie nach einem bedeutenden Stoff
der Unterredung, er überließ es mehr dem Zufall, den Gegenstand
herbeizuführen, aber von jedem aus leitete er das Gespräch zu einem
allgemeinen Gesichtspunkt, und man sah sich nach wenigen Zwischenreden
in den Mittelpunkt einer den Geist anregenden Diskussion versetzt. Er
behandelte den Gedanken immer als ein gemeinschaftlich zu gewinnendes
Resultat, schien immer des Mitredenden zu bedürfen, wenn dieser sich
auch bewußt blieb, die Idee allein von ihm zu empfangen, und ließ ihn
nie müßig werden. – Schiller sprach nicht eigentlich schön. Aber sein
Geist strebte immer in Schärfe und Bestimmtheit einem neuen geistigen
Gewinne zu. – Schiller hielt immer den Faden fest, der zum Endpunkt
der Untersuchung führen mußte, und wenn die Unterredung nicht durch
einen Zufall gestört wurde, so brach er nicht leicht vor Erreichung des
Zieles ab.«
Überraschend schnell gedieh die flüchtige Bekanntschaft in wenigen
Abendstunden zu einem Freundschaftsbund, der die Damen von Lengefeld
mit ihrem Gaste verband und zu einer Verabredung für den folgenden
Sommer führte. Die Schwestern versprachen, ihm einen ländlichen
Aufenthalt für seine Schriftstellerarbeiten auszusuchen.
Wie dieser Abend im Geiste Karolines weiterlebte, läßt das
Erinnerungsbild erkennen, das sie davon entwirft: »Damals ging noch
keine Kunststraße durch unser kleines Tal, ein Fremder war ein Phänomen
hinter den grünen Bergen. Oft erschienen wir uns selbst als verwünschte
Prinzessinnen, auf Erlösung aus dieser Einförmigkeit hoffend. Dennoch
erfrischte uns immerwährend der Zauber dieser Berge.
Schiller fühlte sich wohl und frei in unserm Familienkreise. Entfernt
vom flachen Weltleben, galt uns das Geistige mehr als alles. Wir
umfaßten es mit Herzenswärme, nicht befangen von kritischen Urteilen
und Vorurteilen, nur der eigenen Richtung unserer Natur folgend. Dies
war es, was er bedurfte, um sich selbst im Umgang aufzuschließen. Wir
kannten seinen Don Carlos noch nicht. Ohne alle schriftstellerische
Eitelkeit schien es ihm am Herzen zu liegen, daß wir ihn kennen
lernten. Ich erinnere mich nicht, daß unsere Gespräche noch etwas
anderes aus der Welt seiner Dichtung berührten, die Briefe von Julius
an Raffael und die auf diese sich beziehenden Gedichte der Anthologie
ausgenommen. Der Gedanke, sich unserer Familie anzuschließen, schien
schon an jenem Abend in ihm aufzudämmern, und zu unserer Freude sprach
er beim Abschiede den Plan aus, den nächsten Sommer in unserm schönen
Tale zu verleben.«
[Illustration: Charlotte von Lengefeld]
Kaum nach Weimar zurückgekehrt, legt Schiller seinem Gewissensberater
und etwas eifersüchtigen Freunde Körner in Dresden ziemlich kühl eine
Art Rechenschaft ab über seinen Ausflug: »In Rudolstadt habe ich
mich auch einen Tag aufgehalten und wieder eine recht liebenswürdige
Familie kennen lernen. Eine Frau von Lengenfeld lebt da mit einer
verheirateten und einer noch ledigen Tochter. Beide Geschöpfe sind,
ohne schön zu sein, anziehend und gefallen mir sehr. Man findet hier
viel Bekanntschaft mit der neueren Literatur, Feinheit, Empfindung und
Geist. Das Klavier spielen sie gut, welches mir einen recht schönen
Abend machte. Die Gegend um Rudolstadt ist außerordentlich schön. Ich
hatte nie davon gehört und bin sehr überrascht worden. Man gelangt
durch einen schönen Grund dahin und wird von dem weißen großen Schlosse
auf dem Berge angenehm überrascht.«
So spricht der Verstand. Was im Gemüt sich bewegte, verraten die Briefe
an Charlotte: »Sie können sich nicht herzlicher nach Ihren Bäumen und
schönen Bergen sehnen als ich, und vollends nach denen in Rudolstadt,
wohin ich mich jetzt in meinen glücklichsten Augenblicken im Traume
versetze. – Sie werden in Rudolstadt nun wieder eingewohnt sein und
bei diesem schönen Wetter sich Ihrer ländlichen Einsamkeit freuen. –
Wie beneide ich Ihre Familie um alles, was um Sie sein darf! Aber auch
Sie beneide ich um Ihre Familie; ein einziger Tag war mir genug, mich
zu überzeugen, daß ich unter sehr edeln Menschen wäre. Warum kann man
solche glückliche Augenblicke nicht fest halten. Man sollte lieber nie
zusammen geraten – oder nie mehr getrennt werden.«
Im Laufe des Winters kehrte Schiller nicht wieder in Rudolstadt ein,
obwohl es verabredet war. Durch seine schriftlichen Grüße klingt die
Sehnsucht nach Natur und ländlicher Einsamkeit. Aber dem vertrauten
Freunde enthüllt er seinen Seelenzustand: »Ich bedarf eines Mediums,
durch das ich die andern Freuden genieße, Freundschaft, Geschmack,
Wahrheit und Schönheit werden mehr auf mich wirken, wenn eine
ununterbrochene Reihe feiner, wohltätiger, häuslicher Empfindungen mich
für die Freude stimmt und mein erstarrtes Wesen wieder durchwärmt. Ich
bin bis jetzt ein isolierter, fremder Mensch, in der Natur herumgeirrt
und habe nichts als Eigentum besessen.
Ich sehne mich nach einer bürgerlichen und häuslichen Existenz.
Ich habe seit vielen Jahren kein ganzes Glück gefühlt, und nicht
sowohl, weil mir die Gegenstände dazu fehlten, sondern darum, weil ich
die Freuden mehr naschte als genoß, weil es mir an immer gleicher und
sanfter Empfänglichkeit mangelte, die nur die Ruhe des Familienlebens
gibt.«
Charlotte und er sahen sich in Weimar mitten zwischen geräuschvollen
Veranstaltungen der Hofgesellschaft. Ihn selbst nimmt dieses
Treiben nicht in den Bann, und seine Freundin warnt er vor flacher
Lebensauffassung:
Ein blühend Kind, von Grazien und Scherzen
umhüpft – so, Lotte, spielt um Dich die Welt,
Doch so, wie sie sich malt in Deinem Herzen,
in Deiner Seele schönen Spiegel fällt,
So ist sie doch nicht! – Die Eroberungen,
die jeder Deiner Blicke siegreich zählt,
Die Deine sanfte Seele Dir erzwungen,
die Statuen, die – Dein Gefühl beseelt,
Die Herzen, die Dein eignes Dir errungen,
die Wunder, die Du selbst getan,
Die Reize, die Dein Dasein ihm gegeben,
die rechnest Du für Schätze diesem Leben,
für Tugenden uns Erdenbürgern an.
Dem holden Zauber nie entweihter Jugend,
der Engelgüte mächtgem Talisman,
Der Majestät der Unschuld und der Tugend,
den will ich sehn – der diesen trotzen kann!
Froh taumelst Du im süßen Überzählen
der Glücklichen, die Du gemacht, der Seelen,
die Du gewonnen hast, dahin.
Sei glücklich in dem lieblichen Betruge,
nie stürze von des Traumes stolzem Fluge
ein trauriges Erwachen Dich herab.
Den Blumen gleich, die Deine Beete schmücken,
so pflanze sie – nur den entfernten Blicken,
betrachte sie! – doch pflücke sie nicht ab!
Geschaffen, nur die Augen zu vergnügen,
welk werden sie zu Deinen Füßen liegen,
je näher Dir – je näher ihrem Grab.
Im Sommer 1788
Als die Pläne für den Landaufenthalt bestimmte Formen angenommen
hatten, suchten die Schwestern ihrem Freunde eine Wohnung. Sie sollte
nicht gar zu weit von ihrem eigenen Heim abliegen und doch ungestörte
Arbeitszeit ermöglichen. Zuerst meinten sie, das Rechte gefunden zu
haben bei dem Hofgärtner Callenius in Cumbach. Doch bemerkten sie bald,
daß dort nicht die Stille herrschte, auf die es ankam. Der fürstliche
Gewächsgarten mit der Orangerie zog täglich Verkehr und laute
Geselligkeit an, auch ein Gestüt, das dort gehalten wurde, brachte
Geräusch in die Nähe. Darum fiel ihre Wahl auf Volkstedt, wo all diese
Bedenken nicht entstehen konnten.
Am 24. April meldet Charlotte in aller Eile das Ergebnis ihrer Fürsorge
nach Weimar: »Das Dorf hat eine schöne Lage, am Ufer der Saale, hinter
ihm erheben sich Berge, an deren Fuß liebliche Fruchtfelder sich
ziehen, und die Gipfel mit dunklem Holze bekränzt, gegenüber an der
anderen Seite der Saale schöne Wiesen und die Aussicht in ein weites,
langes Tal. Ich denke, diese Gegend wird Ihnen lieb sein, mir brachte
sie gestern einen Eindruck von Ruhe in die Seele, der mir innig
wohltat.
Die Stube, die ich für Sie bestimmte, ist nicht sehr groß, aber
reinlich, auch die Stühle sind nicht ganz ländlich, denn sie sind
beschlagen, eine Kammer daneben, wo das Bett stehen kann, und auch eine
für den Bedienten nicht weit davon. Für Betten will der Schulmeister
sorgen, dem das Haus gehört, auch wohnt eine Frau darin, die Ihnen
Kaffee machen kann, und auch bedienen könnte, zur Not auch kochen, wenn
das Wetter zu böse wäre, um es sich aus der Stadt holen zu lassen. Ich
denke, es ist alles gut besorgt.«
Am 2. Mai erfolgt die Danksagung: »Sie haben die Angelegenheit, deren
Besorgung Sie so gütig übernahmen, so ganz nach meinen Wünschen und
über alle meine Erwartungen zustande gebracht, daß ich Ihnen unendlich
Mal dafür verbunden bin. Der Ort, die Lage, die Einrichtung im Hause,
alles ist vortrefflich. Sie haben aus meiner Seele gewählt. Ich habe
Ihnen viele Mühe gemacht, aber ich weiß auch, daß Ihnen das Vergnügen,
welches Sie mir dadurch verschafften, statt alles Dankes ist. – Ich
werde in Ihren schönen Gegenden, in dieser ländlichen Stille mein
eigenes Herz wiederfinden, und Ihre und der Ihrigen Gesellschaft wird
mich für alles, was ich hier zurücklasse, reichlich entschädigen.«
Dem hilfreichen Freund und Berater in Dresden geht die Nachricht zu:
»Ich werde mich eine kleine Stunde von Rudolstadt niederlassen. Die
Gegenden sind dort überaus ländlich und angenehm, und ich kann da in
seliger Abgeschiedenheit von der Welt leben. Das Lengenfeldische
Haus, von dem ich Dir nach meiner Rückreise von Meiningen geschrieben
habe, wird mir den ganzen Mangel an Gesellschaft hinlänglich ersetzen.
Es sind dort mir sehr schätzbare Menschen beisammen, von sehr vieler
Bildung und dem edelsten Gefühl. Sie sind auch schon in der Welt
gewesen und haben eine glückliche Gemütsstimmung daraus zurückgebracht.
Alles was Lektüre und guter Ton einer glücklichen Geistesanlage und
einem empfänglichen Herzen zusetzen kann, finde ich da in vollem Maße,
außerdem auch viele musikalische Fertigkeit, die nicht den kleinsten
Teil der Erholung ausmachen wird, die ich mir dort verspreche. Diesem
Zirkel gedenke ich alle Tage einige Stunden zu widmen. Sonst erwarten
meiner die mannigfaltigsten und, ich muß leider sagen, die drückendsten
Arbeiten. Aber ich gehe ihnen mit ziemlichem Mut, ja selbst mit
Vergnügen entgegen.«
Körner durchschaut jedoch die innere Bewegung, die sich hinter diesen
Plänen und Sorgen verstecken will: »In Deinem Sommeraufenthalt wird
Dirs an Vergnügen nicht fehlen. Ist nicht auch ein Interesse des
Herzens dabei? Ich bin neugierig, ob Deine Stimmung an dichterischen
Arbeiten fruchtbar sein wird.«
Die Woche nach dem Pfingstfest ließ Schiller noch vorübergehen, dann
kam er, ohne sich besonders anzukündigen, in Rudolstadt an. Am 20. Mai
schreibt er aus dem Gasthaus: »In der Hoffnung, daß mein künftiges
Logis auf dem Dorfe, dessen Namen ich nicht weiß, durch Ihre Güte
berichtigt sei, bin ich ohne weiteres hierher gereist. Seit gestern
Abend halb zehn Uhr bin ich hier. – Ich bitte Sie, mich zugleich durch
den Überbringer den Namen des Ortes, den Sie für mich bestimmt haben,
wie auch des Hauswirts, bei dem ich wohnen soll, wissen zu lassen, weil
ich womöglich noch vor Mittag dort sein und jetzt gleich meinen Koffer
hinschaffen lassen möchte. Ich brauche Ihnen wohl nicht erst zu sagen,
daß mir der nächste Augenblick, wo ich Sie und die Ihrigen sehen kann,
der liebste sein wird.«
Die Freude über erfüllte Wünsche und die Pläne und Hoffnungen für die
nächste Zeit verrät wiederum sein Brief an Körner:
Volkstedt bei Rudolstadt, 26. Mai 1788.
»Seit acht Tagen bin ich nun hier in einer sehr angenehmen Gegend,
eine kleine halbe Stunde von der Stadt und in einer sehr bequemen
heitern und reinlichen Wohnung. Das Glück hat es gefügt, daß ich ein
neues Haus, das besser, als auf dem Lande sonst geschieht, gebaut
ist, finden mußte. Es gehört einem wohlhabenden Manne, dem Kantor des
Orts. Das Dorf liegt in einem schmalen, aber lieblichen Tale, das die
Saale durchfließt, zwischen sanft ansteigenden Bergen. Von diesen habe
ich eine sehr reizende Aussicht auf die Stadt, die sich am Fuße eines
Berges herumschlingt, von weitem schon durch das fürstliche Schloß, das
auf die Spitze des Felsens gepflanzt ist, sehr vorteilhaft angekündigt
wird, und zu der mich ein sehr angenehmer Fußpfad, längs des Flusses,
an Gärten und Kornfeldern vorüberführt. In dem Dorfe selbst ist
die Porzellanfabrik, die Du vielleicht kennst. Ich habe zwei kleine
Stunden nach Saalfeld, ebenso weit nach dem Schlosse Schwarzburg und
zu verschiedenen zerstörten Schlössern, die ich alle nach und nach
besuchen will.
In der Stadt selbst habe ich an der Lengefeldschen und Beulwitzschen
Familie eine sehr angenehme Bekanntschaft, und bis jetzt noch die
einzige, wie sie es vielleicht auch bleiben wird. Doch werde ich eine
sehr nahe Anhänglichkeit an dieses Haus, und eine ausschließende an
irgend eine einzelne Person aus demselben, sehr ernstlich zu vermeiden
suchen. Es hätte mir etwas der Art begegnen können, wenn ich mich mir
selbst ganz hätte überlassen wollen. Aber jetzt wäre es gerade der
schlimmste Zeitpunkt, wenn ich das bißchen Ordnung, das ich mit Mühe in
meinen Kopf, mein Herz und in meine Geschäfte gebracht habe, durch eine
solche Distraktion wieder über den Haufen werfen wollte.
Die Arbeiten, mit denen ich diesen Sommer zustande kommen möchte, sind
der Geisterseher, der leicht auf 25 bis 30 Bogen anlaufen dürfte, der
zweite Teil meiner Niederländischen Rebellion und der Rest des ersten,
ein Theaterstück, noch steht es dahin, ob dieses der Menschenfeind oder
ein anderes sein werde, das ich, wie der Schwabe sagt, an der Kunkel
habe, und hier und da ein Aufsatz für den Merkur. Aus dem bisherigen
Lauf meiner Schreibereien zu schließen, dürfte dieses Unternehmen wohl
fast übertrieben sein. Indessen wollen wir sehen. Geschieht auch nicht
alles, so ist doch immer das gewonnen, was geschieht. Ganz bin ich
hier doch noch nicht zuhause, auch meine Arbeiten strömen noch nicht.«
Wie weit der Wille mit seinen Plänen zur Geltung kommen würde, und
wie bald das Schicksal die Vorsätze durchkreuzen sollte, geht aus
den Briefen und kurzen Grußblättern hervor, die zwischen Rudolstadt
und Volkstedt fast täglich gewechselt werden: »Montag, den 26. Mai.
Ich hoffe, daß Ihnen allen die gestrige Partie so gut bekommen sei
wie mir. Es war ein gar lieblicher vertraulicher Abend, der mir für
diesen Sommer die schönsten Hoffnungen gibt. Mehr solche Abende und
in so lieber Gesellschaft, mehr verlange ich nicht. Rudolstadt und
diese Gegend überhaupt soll, wie ich hoffe, der Hain der Diana für
mich werden.« Er vergleicht sich mit Orestes in Goethes Iphigenie, den
die Eumeniden umhertreiben, und hofft, die Schwestern werden ihn vor
den bösen unterirdischen Mächten beschützen. Zu Grunde lag dabei eine
Eifersuchtsregung. Er weigert sich, in trüber Stimmung die Gesellschaft
von Fröhlichen aufzusuchen, und entschuldigt seine wandelbare Laune
mit dem Fluch, der auf allen Musensöhnen ruht, bittet aber doch
um Nachricht, was für den andern Tag geplant wird, damit er sich
anschließen kann.
Am 27. Mai redet ihm Charlotte gut zu, heiter und froh zu sein, Knebel,
der gefürchtete Nebenbuhler, hat am Morgen Rudolstadt verlassen. Sie
bittet, den Geisterseher mitzubringen, der Abend wird in Cumbach den
kleinen Bekanntenkreis vereinen. Um sechs Uhr wollen sie den Freund
am Wasserdamm erwarten, doch soll er ihnen auch zu jeder anderen
Stunde lieb und willkommen sein. Schiller sagt zu, ist aber mit der
Örtlichkeit noch nicht vertraut und meint, am Schaalbach die Schwestern
erwarten zu sollen. Deshalb bittet ihn Karoline, lieber in ihre Wohnung
zu kommen, damit sie einander nicht verfehlen.
Hier trifft zwei Tage später der Erbprinz Ludwig Friedrich mit ihm
zusammen: »Den 29. Mai machte ich wieder eine neue Bekanntschaft mit
einem jungen Gelehrten, der, so jung als er ist, doch schon viel
Lesenswürdiges geschrieben hat, mit dem Herrn Rat Schiller. Er war im
Beulwitzschen Garten, wo ich bis einviertel elf Uhr des Abends in einer
vergnügten Gesellschaft den angenehmen Geruch der schönen Baumblüten
genoß.«
Im Volkstedter Haus fühlt sich Schiller wohl: »Ich bin auf meine vier
Wände reduziert, und wenn nicht manchmal eine Kuh blökte, oder meine
Pfauen mir vor dem Hause mit ihrer Silberstimme die Honneurs machten,
so würde ich gar nicht gewahr, daß Leben um mich ist.«
Wenn kühle Witterung eintritt, klagt er über Erkältung. Dann kann er
die Neue Gasse nicht aufsuchen und bittet nur um ein Lebenszeichen
durch den Boten, seine Stimmung leidet unter der Trennung. Charlotte
tröstet und bedauert, daß er, ein großer Mann, der der Öffentlichkeit
so viel in seinen Schriften beschert, auch nur eine trübe Viertelstunde
erlebt. Arm und verlassen wie Robinson kommt er sich vor, die
Freundinnen so nah, und er kann nicht bei ihnen sein! Wagt er trotz
feuchter Luft und Nebel den Gang nach Rudolstadt, so tritt ein
Rückfall in seinem Katarrh ein, namentlich die Heimwege am späten Abend
verbittern ihm das Landleben, auch der Zeitverlust, den seine Arbeiten
erleiden, verdrießt ihn. Charlotte redet gut zu, so gern sie ihn sieht,
soll er doch nur bei mildem Wetter ausgehen, wenn es seiner Gesundheit
zuträglich ist.
Dazwischen erreicht ihn ein Freundesgruß aus Dresden mit der
schalkhaften Zustimmung: »Dein Aufenthalt auf dem Lande ist sehr nach
meinem Sinn. Freilich ists für Deine Arbeiten besser, wenn Du eine
ausschließende Anhänglichkeit an irgend ein Wesen in der Nähe vermeiden
kannst!«
Die Abendunterhaltungen bei Lengefelds bestreitet Beulwitz, indem er
aus Schillers jüngsten Werken vorliest. Sonnabend, den 14. Juni, feiert
die Gesellschaft eine italienische Nacht im Baumgarten. Der Erbprinz
trägt in sein Tagebuch ein: »Die Frau von Lengefeld hatte mit ihrer
Familie und noch mit andern Damen, und mit dem Herrn Rat Schiller da
gegessen. Es wurde gesungen, auf dem Schiffchen gefahren und spazieren
gegangen. Erst nach elf Uhr ging die ganze Gesellschaft mit uns singend
den Schloßberg hinauf und sodann, auch Herr Rat Schiller nebst den
übrigen Damen, in die Stadt nach Hause.«
Immer einmal wieder vernehmen wir, wie hart und sauer es ihn ankommt,
sich für den Heimweg loszureißen.
Als der Blitz in Volkstedt eingeschlagen hat, hört Karoline mit
Schrecken davon und dankt dem Himmel und allen guten Geistern, daß
der Strahl Schillers Haus verschont hat. Das eine Mal versüßt sie ihm
das Buchstudium durch Backwerk, das andere Mal durch Aprikosen und
Tee. Charlotte begleitet den nächtlichen Wanderer im Geiste durch
Sturm und Wolken und hofft, daß ihm nichts zugestoßen ist. Er bittet,
in Charlottes Stübchen studieren zu dürfen, weil in Beulwitzens
Zimmern viel Unruhe herrscht. Sie geht gern darauf ein, ihn an ihrem
Schreibtisch arbeiten zu lassen; das soll ihr eine freundliche
Erinnerung bleiben. Des schlechten Wetters wegen übernachtet er in
Rudolstadt.
Am 2. Juli ist Kirchweih in Cumbach. Die Hofgesellschaft beteiligt
sich daran bis zehn Uhr abends. Obschon er derartige Feste am liebsten
vermeidet, nimmt er doch daran teil, aber die Eifersucht regt sich, als
er andere mit der von ihm geliebten Person tanzen sieht. Den Heimweg
legt er allein zurück, geht ziellos durch das Tal in die Berge hinein
und gelangt, ohne es zu wissen, nach Schaala. Auf dem Wege kommen ihm
dichterische Eingebungen.
Sehnsucht nach regerer Verbindung mit der Außenwelt wird laut. Da
Rudolstadt noch keinen regelmäßigen Postverkehr hat, werden Briefe oft
nur gelegentlich durch Boten befördert und kommen so erst auf Umwegen
an ihr Ziel.
Der Erbprinz führt das Ehepaar Beulwitz nebst Schiller und Lotte
auf das Schloß und zeigt ihnen die neueingerichteten Zimmer, die
Bibliothek und das Bilderkabinett. Weil Schiller ein Freund von weiten
Ausblicken in die Landschaft ist, besteigen sie den Schloßturm, wo ein
schönes Geläut von drei Glocken aus Mayers Gießerei sie erfreut. Im
Lengefeldischen Garten wird französische Komödie gespielt, oft auch
eifrig gezeichnet. Der Erbprinz, gewandt als Zeichner und geübt als
Radierer, entwirft Szenen aus dem Geisterseher.
Der Gedanke an die Trennung beschäftigt Schiller in einem Briefe
an Körner: »Ich habe mich hier immer noch ganz vortrefflich wohl.
Nur entwischt mir manches schöne Stündchen in dieser angenehmen
Gesellschaft, das ich eigentlich vor dem Schreibtisch zubringen
sollte. Wir sind einander hier notwendig geworden, und keine Freude
wird mehr allein genossen. Die Trennung von diesem Hause wird mir
sehr schwer sein, und vielleicht desto schwerer, weil ich durch keine
leidenschaftliche Heftigkeit, sondern durch eine ruhige Anhänglichkeit,
die sich nach und nach so gemacht hat, daran gehalten werde. Mutter
und Töchter sind mir gleich lieb und wert geworden, und ich bin es
ihnen auch. – Es war recht gut getan, daß ich mich gleich auf einen
vernünftigen Fuß gesetzt habe und einem ausschließenden Verhältnis so
glücklich ausgewichen bin. Es hätte mich um den besten Reiz dieser
Gesellschaft gebracht. – Beide Schwestern haben etwas Schwärmerei, doch
ist sie bei beiden dem Verstande subordiniert und durch Geisteskultur
gemildert. Die jüngere ist nicht ganz frei von einer gewissen
~Coquetterie d’esprit~, die aber durch Bescheidenheit und immer
gleiche Lebhaftigkeit mehr Vergnügen gibt als drückt. Ich rede gern von
ernsthaften Dingen, von Geisteswerken, von Empfindungen, hier kann ich
es nach Herzenslust und ebenso leicht wieder auf Possen überspringen.«
Im August kam das Vogelschießen, ein großes Volksfest mit starkem
Fremdenzulauf. Es war die einzige Veranstaltung, bei welcher der Hof
sich unter die Stadtleute mischte. Der Ball der vornehmen Gesellschaft
wurde im Schönfeldschen Saale, im heutigen alten Rathaus, abgehalten.
Schiller klagt, er taugt nicht für laute Gesellschaft, und macht sich
Vorwürfe, daß er nicht Stärke genug besitzt, von solchem Getriebe
fernzubleiben, sein Geist wirke mehr im stillen, im Umgang mit sich
selbst.
Vorübergehend wohnt er in Rudolstadt selbst. In dieser Zeit kann er die
Wohnung Schloßaufgang II 3 bezogen haben, bis ihn die Anhänglichkeit an
Volkstedt und an den fürsorglichen Hauswirt wieder hinauszieht.
Allmählich tritt eine gewisse Vorsicht im Verkehr ein. Vielleicht fiel
es auf, daß der fremde Gast täglich in dem Hause der Damen ein- und
ausging. Er bittet, die Gartentüre aufzuschließen, damit er weniger
eifrig beobachtet wird.
Als Charlotte ihrer Freundin Frau von Stein in Kochberg einen Besuch
abstattet, reitet Schiller ihrem Wagen bis Teichröda entgegen. Als
Mutter und Töchter von einer Reise aus Jena zurückkommen, wird das
Wiedersehen in Uhlstädt gefeiert bei einem sublimen Kaffee, den
Beulwitz auf festlich geschmückter Tafel anrichtet. Endlich ergeht
auch eine Einladung zum Sonntagskloß, und Frau von Lengefeld hofft, daß
das beliebte Thüringer Festgericht dem Schwaben nicht schaden wird.
Der Sommer in Rudolstadt darf nicht zu Ende gehen, ohne daß der Gast
Schwarzburg gesehen hat. Dort wird ihm das Fremdenbuch im Wirtshaus
vorgelegt, und in der Eile mag ihm das Verlegenheitserzeugnis aus der
Feder geflossen sein:
Auf diesen Höhen sah auch ich
Dich, freundliche Natur, ja dich!
Die Fahrt geht über Königsee, wo Beulwitz Amtsgeschäfte zu erledigen
hat, nach Paulinzelle, und hier trägt die Stimmung bessere Frucht. In
den Anblick der Ruine mischen sich wehmütige Gedanken an die Trennung
und an die Ungewißheit danach.
Im Kloster Paulinzelle
Einsam stehn des öden Tempels Säulen,
Efeu rankt am unverschloßnen Tor,
Sang und Klang verstummt, des Uhu Heulen
Schallet nun im eingestürzten Chor.
Weg sind Prunk und alle Herrlichkeiten,
Schon enteilt im langen Strom der Zeiten
Bischofshut mit Siegel, Ring und Stab
In der Vorwelt ewig offnes Grab.
Nichts ist bleibend, alles eilt von hinnen,
Jammer und erhörter Liebe Glück;
Unser Streben, unser Hoffen, Sinnen,
Wichtig nur auf einen Augenblick;
Was im Lenz wir liebevoll umfassen,
Sehen wir im Herbste schon verblassen,
Und der Schöpfung größtes Meisterstück
Sinkt veraltet in den Staub zurück.
Milde Herbsttage gestatten, daß Schiller wieder in Volkstedt wohnt. In
alle Freude am täglichen Wiedersehen mischt sich der Abschiedsschmerz,
darüber hinaus erhebt der Trost, daß die liebe wohltätige Zeit alles
gut zur Reife bringen wird: »Ich weiß und fühle, daß mein Andenken
unter Ihnen leben wird, und dies ist eine freudige Erinnerung für mich.«
Im Oktober werden die kurzen Briefgrüße häufiger und die Besuche
immer mehr vorsichtig abgemessen. Schiller verliert den Mut, auf eine
gute Zukunft zu hoffen, aber Charlotte rechnet schon wieder auf seine
Anwesenheit im nächsten Sommer. Ihr und den Kochberger Freundinnen in
Oberhasel zu begegnen, entschließt er sich nur ungern. Die heitere
Freundin bekehrt ihn schließlich doch zu freudiger Verfassung, und er
gesteht: »Mein hiesiger Aufenthalt neigt zum Ende; er hat mir viel
angenehme Stunden verschafft, und, was das beste ist, er hat mich mir
selbst wieder zurückgegeben und überhaupt einen wohltätigen Einfluß auf
mein inneres Wesen gehabt.«
Die letzten Tage verbringt er wieder im Gasthaus, wenige Schritte
von Charlottes Wohnung entfernt. Eine Zeichnung, die ihm die Freundin
schickt, soll als sichtbares Zeichen mit unsichtbarer Wirkung künftig
auf seinem Schreibtisch stehen. Erst als der Glückwunsch eintrifft,
kommt dem Traumverlorenen zum Bewußtsein, daß sein Geburtstag ist, und
dieser letzte Gruß aus dem Hause, wo er seine Heimat gefunden hat,
preßt ihm Tränen aus. Noch war er nicht entschlossen abzureisen, erst
die Gewißheit, daß die Schwestern ihre Fahrt nach Erfurt festgelegt
haben, überzeugt ihn, daß auch seine Stunde gekommen ist.
Als er sich persönlich verabschiedet hat, ist der am stärksten
gefürchtete Augenblick vorüber. Es tröstet ihn, noch erblickt er
dieselben Gegenstände, auf denen auch ihr Auge ruht, noch umgeben
dieselben Berge die Geliebte und ihn selbst. Am Morgen des 12. November
sieht er ihren Reisewagen die Straße hinauf vorfahren, dann besteigt
er die Post. Bis Teichröda sucht er noch mit den Blicken einen Gruß
zu erhaschen, dann fällt ihm schwer auf das Herz, daß sich die Wege
trennen. Einen Geranienstock und eine Porzellanvase mit Blumen hütet
er zärtlich, sie sollten der Stube des einsamen Gelehrten einen neuen
heimeligen Hauch verleihen.
Den Rudolstädter Sommer 1788 faßt Karoline zu einem wohlgelungenen
Bilde zusammen: »In unserm Hause begann für Schiller ein neues Leben.
Lange hatte er den Reiz eines freien freundschaftlichen Umgangs
entbehrt. Uns fand er immer empfänglich für die Gedanken, die eben
seine Seele erfüllten. Er wollte auf uns wirken, uns von Poesie,
Kunst und philosophischen Ansichten das mitteilen, was uns frommen
könnte, und dies Bestreben gab ihm selbst eine milde harmonische
Gemütsstimmung. Sein Gespräch floß über in heitrer Laune; sie erzeugte
witzige Einfälle, und wenn oft störende Gestalten unsern kleinen
Kreis beengten, so ließ ihre Entfernung uns das Vergnügen des reinen
Zusammenklangs unter uns nur noch lebhafter empfinden. Wie wohl war
uns, wenn wir nach einer langweiligen Kaffeevisite unserm genialen
Freunde unter den schönen Bäumen des Saalufers entgegengehen konnten!
Ein Waldbach, der sich in die Saale ergießt, und über den eine schmale
Brücke führt, war das Ziel, wo wir ihn erwarteten. Wenn wir ihn im
Schimmer der Abendröte auf uns zukommen erblickten, dann erschloß sich
ein heiteres ideales Leben unserm innern Sinn. Hoher Ernst und anmutige
geistreiche Leichtigkeit des offnen reinen Gemüts waren in Schillers
Umgang immer lebendig, man wandelte wie zwischen den unwandelbaren
Sternen des Himmels und den Blumen der Erde in seinen Gesprächen.
Wie ein Blumen- und Fruchtgewinde war das Leben dieses ganzen Sommers
mit seinen genußreichen und bildenden Tagen und Stunden für uns alle.
Schiller wurde ruhiger, klarer, seine Erscheinung, wie sein Wesen,
anmutiger, sein Geist den phantastischen Ansichten des Lebens, die er
bis dahin nicht ganz verbannen konnte, abgeneigter.
Meine Schwester konnte wohl in jeder Beziehung eine wünschenswerte
Verbindung für Schiller sein. Sie hatte eine sehr anmutige Gestalt und
Gesichtsbildung. Der Ausdruck reinster Herzensgüte belebte ihre Züge,
und ihr Auge blitzte nur Wahrheit und Unschuld. Sinnig und empfänglich
für alles Gute und Schöne im Leben und in der Kunst, hatte ihr ganzes
Wesen eine schöne Harmonie. Mäßig, aber treu und anhaltend in ihren
Neigungen, schien sie geschaffen, das reinste Glück zu genießen. Sie
hatte Talent zum Landschaftzeichnen, einen feinen und tiefen Sinn
für die Natur, und Reinheit und Zartheit in der Darstellung. Unter
günstigern Umgebungen hätte sie in dieser Kunst etwas leisten können.
Auch sprach sich jedes erhöhtere Gefühl in ihr oft in Gedichten
aus, unter denen einige, von der Erinnerung an lebhaftere zärtliche
Herzensverhältnisse eingegeben, voll Grazie und sanfter Empfindung
sind.«
[Illustration: Schillerstraße 25: Wohnung des Ehepaares von Beulwitz]
Durch Charlottes Winter gehen die Sommererinnerungen als ständige
Begleiter:
»Wir waren auch in Hasel zusammen. Der Weg, den ich von Kochberg
dazumal machte, mag jetzt recht wüste sein und traurig. Auch die
Steine, auf denen wir saßen, waren voll Schnee, der Bach zugefroren,
und die entblätterten Bäume gaben mir ein trauriges Bild der
Vergänglichkeit. Ach, der Winter ist doch recht unangenehm! Auch der
schöne Weg auf den Wiesen hin, den wir doch einigemal zusammen gingen,
alles war so leer, so öde, die Weiden hoben ihre entblätterten Zweige
empor, und das Geschrei der Raben, die traurig auf den weißen Feldern
herumflogen, ließen nur Leben ahnen. Was ist der erfreuende Anblick
der grünen Wiesen doch dagegen so schön!«
»Heute vorm Jahre waren wir uns fremd. Den sechsten sahen wir uns erst,
es war ein schöner Zufall, der Sie eben mit Wolzogen zu uns brachte.
Ich weiß noch, daß ich den Tag so ganz in mir verschlossen war, der
Regen und Wind machte mir so unheimlich, und den Abend freute ich mich
so, ich hätte mir es nie am Morgen träumen lassen.«
»Unsere schönen Berge freuen mich jetzt gar nicht, die schwarzen Bäume
in der Allee machen so eine traurige Wirkung auf den Schnee, und der
dunkle Wald auf die weißen Berge, da ist nichts, was einem liebliche
Bilder erwecken könnte.«
[Illustration: Das Gartenhaus an der Allee: Wohnung der Frau von
Lengefeld]
Der 7. September 1788
Eine schon längst gehegte Hoffnung Schillers sollte in Rudolstadt
erfüllt werden, seine Begegnung mit Goethe. Im Mai war dieser aus
Italien zurückgekehrt. Wenn man vermutet hatte, daß er seinen
freundschaftlichen Verkehr mit Frau von Stein nun nicht wieder
aufnehmen würde, so widerlegten die Tatsachen sehr bald diese Annahme.
Goethe besuchte Großkochberg und kam von da nach Rudolstadt. Charlotte
von Lengefeld war seit mehreren Tagen bereits zur Hilfe bei Frau von
Stein gewesen. Sie hatte mit ihrer Schwester alles gut vorbereitet
und geschickt etwas die Vorsehung gespielt, um ihren Sommergast dem
einflußreichsten Manne von Weimar nahe zu bringen. Über ihren Erfolg
berichtet Karoline:
»Während dieses Sommers sah Schiller Goethen zuerst in unserem
Hause. Wie alle rein fühlenden Herzen, hatten uns dieses Dichters
Schöpfungen mit Enthusiasmus erfüllt. Alle unsere erhöhteren, echt
menschlichen Empfindungen fanden durch ihn ihre eigentümliche Sprache;
Goethe und Rousseau waren unsere Hausgötter. Auch floß des ersteren
so liebenswürdige Persönlichkeit, die wir bei unserer Freundin, Frau
von Stein, kennengelernt, mit dem Dichter in unserem Gemüt in eins
zusammen, und wir liebten ihn wie einen guten Genius, von dem man nur
Heil erwartet. – Höchst gespannt waren wir bei dieser Zusammenkunft
und wünschten nichts mehr als eine Annäherung, die nicht erfolgte.
Von Goethen hatten wir, bei seinem entschiedenen Ruhme und seiner
äußeren Stellung, Entgegenkommen erwartet, und von unserem Freunde
auch mehr Wärme in seinen Äußerungen. Zu unserem Trost schien Goethe
von schmerzlicher Sehnsucht nach Italien befangen. – Es freute uns
sehr, daß Goethe das Heft des Merkurs, welches die Götter Griechenlands
enthielt, und das von ungefähr auf unserem Tisch lag, nachdem er einige
Minuten hineingesehen, einsteckte und bat, es mitnehmen zu dürfen.«
Schon seit Monaten hatte Körner versucht, Schiller von seinem
abwartenden Verhalten loszubringen und zu einem Entschluß zu bewegen:
»Wirst Du nicht bald nach Weimar gehen, um Goethe zu sehen? Ich
kann Eure Zusammenkunft kaum erwarten.« Aber die Rudolstädter
Gemütserlebnisse ließen das nicht zu: »Nach Weimar werde ich doch wohl
nicht sobald kommen. Es ist eine kleine Tagereise hin, und es sind der
Orte, nach denen ich meinen hiesigen Leuten habe versprechen müssen,
Partie mit ihnen zu machen, so viele, daß mir keine Zeit für so große
Exkursionen übrigbleibt. Ich bin sehr neugierig auf ihn, auf Goethe, im
Grunde bin ich ihm gut, und es sind wenige, deren Geist ich so verehre.
Vielleicht kommt er auch hierher, wenigstens nach Kochberg, eine kleine
Meile von hier, wo Frau von Stein ein Gut hat.«
Wie eine Entschuldigung nimmt es sich aus, wenn er immer wieder darauf
zurückkommt: »Goethe habe ich noch nicht gesehen, aber Grüße sind unter
uns gewechselt worden. Er hätte mich besucht, wenn er gewußt hätte,
daß ich ihm so nahe am Wege wohnte, wie er nach Weimar reiste. Wir
waren einander auf eine Stunde nahe. – Goethe bleibt in Weimar. Ich bin
ungeduldig, ihn zusehen.«
Wenige Tage nun nach der Erfüllung dieser Wünsche erhält Körner
ausführliche Mitteilung darüber: »Endlich kann ich dir von Goethe
erzählen. – Ich habe vergangenen Sonntag beinahe ganz in seiner
Gesellschaft zugebracht, wo er uns mit der Herder, Frau von Stein
und der Frau Schardt besuchte. Sein erster Anblick stimmte die hohe
Meinung ziemlich tief herunter, die man mir von dieser anziehenden und
schönen Figur beigebracht hatte. Er ist von mittlerer Größe, trägt
sich steif und geht auch so; sein Gesicht ist verschlossen, aber sein
Auge sehr ausdrucksvoll, lebhaft, und man hängt mit Vergnügen an
seinem Blicke. Bei vielem Ernst hat seine Miene doch viel Wohlwollendes
und Gutes. Er ist brünett und schien nur älter auszusehen, als er
meiner Berechnung nach wirklich sein kann. Seine Stimme ist überaus
angenehm, seine Erzählung fließend, geistvoll und belebt; man hört
ihn mit überaus viel Vergnügen; und wenn er bei gutem Humor ist,
welches diesmal so ziemlich der Fall war, spricht er gern und mit
Interesse. Unsere Bekanntschaft war bald gemacht und ohne den mindesten
Zwang; freilich war die Gesellschaft zu groß und alles auf seinen
Umgang zu eifersüchtig, als daß ich viel allein mit ihm hätte sein
oder etwas anderes als allgemeine Dinge mit ihm sprechen können. Er
spricht gern und mit leidenschaftlichen Erinnerungen von Italien. Im
ganzen genommen ist meine in der Tat große Idee von ihm nach dieser
persönlichen Bekanntschaft nicht vermindert worden, aber ich zweifle,
ob wir einander je sehr nahe rücken werden. Vieles, was mir jetzt
noch interessant ist, was ich noch zu wünschen und zu hoffen habe,
hat seine Epoche bei ihm durchlebt; er ist mir soweit voraus, daß wir
unterwegs nie mehr zusammenkommen werden; – seine Welt ist nicht die
meinige, unsere Vorstellungsarten scheinen wesentlich verschieden.
Indessen schließt sichs aus einer solchen Zusammenkunft nicht sicher
und gründlich. Die Zeit wird das Weitere lehren.«
Die Stadtkirche und die Glockengießerei
Am 17. Juli 1788 trug der achtzigjährige Fürst Ludwig Günther in seinen
Kalender ein: »Diese Nacht ist ein sehr starkes Gewitter gewesen. Den
Morgen ¾ auf 4 hat es in den Kirchturm eingeschlagen und ziemliche
Verwüstung an den Fenstern und auch an den Mauern angerichtet. Ich ritt
dahin, um den Schaden anzusehen.«
Zwei Tage darauf meldete das Tagebuch des jungen Erbprinzen Ludwig
Friedrich: »Ich war bei Lengefelds. Ich zeichnete mit der Frau
Hofrätin. Der Herr von Ketelhodt las uns in der neuen Geschichte des
Herrn Schiller vor. Gegen Abend trat der Verfasser dieser Geschichte
zur Tür herein und lud die Gesellschaft zu einem Spaziergang ein. Wir
gingen über den Damm zur Stadtkirche und sahen die Verwüstungen, die
durch das Gewitter entstanden. Auch wallfahrte Herr Schiller als guter
Geschichtschreiber zu dem Grabe der heldenmütigen Katharina.«