»Na, er war kaum zehn Minuten fort, als seine Genossen Lunte rochen.

Sie sprangen ans Land und jagten hinter ihm drein. Wie sie seine Spur

gefunden haben, weiß ich nicht, aber den ganzen Samstag über blieben

sie ihm auf den Fersen und gaben dabei acht, daß er sie nicht zu

Gesicht bekam. Gegen Sonnenuntergang erreichte er das Ahornwäldchen

bei Onkel Silas’ Tabakpflanzung und schlich hinein, um die Verkleidung

anzulegen, die er im Reisesack trug und in der er sich den Leuten

zeigen wollte. -- Das geschah ungefähr zur selben Zeit, als Onkel

Silas den Jupiter Dunlap mit dem Knüttel schlug -- denn, daß er ihn

geschlagen hat, ist richtig.

»Kaum hatten aber die Verfolger ihren Diebsgenossen in das Wäldchen

treten sehen, als sie aus dem Gebüsch sprangen und ihm nachliefen. Ohne

Gnade und Barmherzigkeit fielen sie über ihn her und schlugen ihn tot,

wie laut er auch heulte und schrie.

»Zwei Männer, die auf der Straße gelaufen kamen, hatten das

Angstgeschrei gehört; sie drangen in das Wäldchen ein, -- das ohnehin

ihr Ziel gewesen war -- verjagten die Mörder und verfolgten sie in

atemloser Hast. Aber nur eine Strecke weit; dann kehrten die zwei

Männer verstohlen nach dem Ahornwäldchen zurück.

»Was thaten sie aber dort? -- Das will ich euch sagen: Sie fanden

den Ermordeten samt dem Reisesack, der alles enthielt, was zu der

Verkleidung gehörte. Die legte nun einer der Männer an, nachdem er

seine eigenen Kleider ausgezogen hatte.«

Hier machte Tom eine kleine Pause -- natürlich wegen der Wirkung --

dann sagte er mit Nachdruck: »Der Mann, welcher die Verkleidung des

Erschlagenen anlegte, war -- _Jupiter Dunlap_!«

»Gerechter Himmel!« Ein Schrei der Ueberraschung ging durch den Saal

und in Onkel Silas’ Gesicht spiegelte sich maßloses Erstaunen.

»Ja, es war Jupiter Dunlap, der folglich nicht tot sein konnte. Er zog

dem Ermordeten die Stiefel aus und vertauschte sie gegen seine eigenen

abgetragenen Schuhe; diese, sowie seine übrigen Sachen wurden der

Leiche angelegt. Jupiter Dunlap blieb nun wo er war, der andere Mann

aber schleppte den Leichnam im Dämmerlicht nach der Tabakpflanzung; um

Mitternacht schlich er sich dann in Onkel Silas’ Haus, nahm den grünen

Arbeitskittel von dem Nagel im Gang zwischen dem Haus und der Küche,

wo er immer hängt, zog ihn an, holte die große Schaufel und ging damit

nach dem Feld, wo er den Toten begrub.«

Jetzt stand Tom wohl eine Minute schweigend da. Dann fuhr er fort:

»Wer aber glaubt ihr, daß der Ermordete war? -- Kein anderer, als Jack

Dunlap, der längst verschollene Einbrecher!«

»Gerechter Himmel!«

»Und der Mann, der ihn begraben hat, war sein Bruder -- Brace Dunlap.«

»Gerechter Himmel!«

»Der Fremde dort aber, der jetzt ein so blödsinniges Gesicht macht und

sich seit Wochen gestellt hat, als ob er taub und stumm wäre, das ist

-- Jupiter Dunlap!«

Solches Gebrüll, solcher Wirrwarr wie jetzt entstand, ist mir all

mein Lebtag nicht vorgekommen. Tom sprang auf Jupiter zu, er riß ihm

die Brille samt dem falschen Bart herunter und siehe, da stand der

Ermordete leibhaftig da und war ganz und gar nicht tot. Tante Sally

und Benny fielen Onkel Silas um den Hals und erstickten ihn fast mit

ihren Küssen und Liebkosungen, so daß der alte Mann noch erstaunter und

verwirrter dreinschaute, als je zuvor.

Nun aber fing die ganze Versammlung an zu schreien: »Tom Sawyer, Tom

Sawyer! Er soll weiter reden! Stille! Stille! Tom Sawyer soll uns alles

berichten!«

Na, das schmeichelte Tom nicht wenig. Ich weiß, ihm ist nichts lieber,

als wenn er in der Oeffentlichkeit auftreten und eine Heldenrolle

spielen kann, wie er’s nennt. Als sich der Lärm wieder gelegt hatte,

sagte er:

»Der Rest ist bald erzählt. Es war dem Brace Dunlap gelungen, Onkel

Silas durch seine Quälereien so zur Verzweiflung zu bringen, daß

er fast von Sinnen kam und seinem nichtsnutzigen Bruder den Schlag

versetzte. Nun lief Jupiter nach dem Wald, um sich da zu verstecken,

und der Plan war vermutlich, daß er bei Nacht außer Landes gehen

sollte. Dann konnte Brace das Gerücht verbreiten, Onkel Silas habe

seinen Bruder umgebracht und die Leiche irgendwo versteckt. Dadurch

war Onkel zu Grunde gerichtet; er mußte den Ort verlassen, ja er kam

vielleicht an den Galgen. Als die beiden aber den Toten im Wäldchen

fanden -- ohne zu wissen, daß es ihr Bruder war, denn die Mörder hatten

ihn arg zugerichtet -- da änderten sie den Plan. Sie verkleideten

alle beide, begruben Jack und als die Leiche aufgefunden wurde, hatte

sie Jupiters Kleider an. Jim Lane und die andern Zeugen ließen sich

bestechen, ein paar Lügen zu beschwören, die in Brace Dunlaps Kram

paßten. Seht nur, wie übel ihnen jetzt zu Mute ist -- ich hab’s ja

vorausgesagt.

»Wir sind nämlich auf dem Dampfboot mit den Dieben flußabwärts

gefahren, Huck Finn und ich. Da erzählte uns der Tote von den Diamanten

und sagte, seine Genossen würden ihn umbringen, sobald sie könnten und

wir versprachen ihm nach Kräften beizustehen. Eben wollten wir nach dem

Ahornwäldchen, da hörten wir sein Todesgeschrei; als wir aber am frühen

Morgen nach dem Gewitter wieder hinkamen, fanden wir keine Leiche

und meinten, es wäre am Ende gar kein Mord begangen worden. Wir sahen

Jupiter in derselben Verkleidung herumstolzieren, die Jack uns gezeigt

hatte und die er anziehen wollte. Natürlich glaubten wir, es wäre Jack

selbst, der sich taubstumm stellte, wie verabredet war.

»Nun suchten wir, Huck und ich, nach der Leiche, als die andern es

aufgaben; wir fanden sie auch und waren zuerst stolz darauf. Aber Onkel

Silas jagte uns einen furchtbaren Schreck ein mit der Behauptung, er

hätte Jupiter totgeschlagen.

»Da der Leichnam durch uns ans Tageslicht gekommen war, fühlten wir uns

verpflichtet, für Onkels Rettung zu sorgen; aber das war ein schweres

Stück Arbeit, denn Onkel wollte sich nicht aus dem Gefängnis befreien

lassen, wie damals unser alter Neger Jim.

»Den ganzen Monat lang dachte ich über ein Mittel nach, Onkel

Silas loszukriegen, doch mir fiel nichts ein. Als ich heute zur

Gerichtsverhandlung ging, wußte ich weder Rat noch Hilfe, mir kam kein

rettender Gedanke. Nicht lange aber, da beobachtete ich etwas, nur eine

winzige Kleinigkeit, aber sie brachte mich zum Nachdenken. Während

ich nun scheinbar im Sinnen verloren dasaß, war ich fortwährend auf

der Lauer und richtig, gerade als Onkel Silas uns all den Unsinn

auftischte, wie er Jupiter Dunlap umgebracht hatte, sah ich das Ding

wieder. Da sprang ich auf und unterbrach die Verhandlung, weil ich

wußte, daß Jupiter Dunlap dort leibhaftig vor mir saß. Ich erkannte ihn

an etwas, das er zu thun pflegte, als ich letztes Jahr hier war und das

er jetzt wieder that.«

Tom wartete die Wirkung ein Weilchen ab, machte dann eine Bewegung,

als ob er sich setzen wollte und sagte in gleichgültigem Ton: »Na, ich

glaube, das ist alles!«

Ein Geschrei aus hundert Kehlen ging durch den Saal: »Was hat er

gethan? Was war es, das du gesehen hast? Bleib’ stehen, du Teufelsjunge

und sag’ es uns. Denkst du, wir lassen uns so abspeisen, nachdem du uns

den Mund wässerig gemacht hast!«

»O, es war gar nicht viel. Ich sah, wie er immer ängstlicher und

aufgeregter wurde, während sich Onkel Silas um den Hals redete, wegen

eines Mordes, der gar nicht begangen worden war -- auf einmal fuhr er

mit den Händen hin und her, hob seine Linke in die Höhe und zeichnete

sich mit dem Finger ein Kreuz auf die Backe -- da war ich meiner Sache

sicher.«

Nun begann ein Beifallklatschen, ein Stampfen und Hochrufen, bis Tom

Sawyer sich kaum zu lassen wußte, vor lauter Stolz und Glück. Der

Richter blickte über den Tisch nach ihm hin und sagte:

»Mein Sohn, hast du denn die verschiedenen Einzelheiten dieser

seltsamen Verschwörung und Tragödie, die du uns schilderst, alle selbst

gesehen?«

»Nein, Herr Präsident, gesehen habe ich nichts davon!«

»Nichts gesehen? -- Aber du hast uns ja die ganze Geschichte von Anfang

bis zu Ende erzählt, als ob du Augenzeuge gewesen wärest. Wie ist das

möglich?«

»Ich habe nur die Thatsachen zusammengestellt, und dies und jenes

daraus gefolgert,« erwiderte Tom leichthin. »Es war ein kleines Stück

gewöhnliche Detektiv-Arbeit, die jedermann ausführen könnte.«

»Ganz und gar nicht! Unter Millionen hätten das nicht zwei fertig

gebracht. Du bist wirklich ein merkwürdiger Junge!«

»Tom Sawyer hoch! Hurra Tom Sawyer!« klang es wieder durch den Saal,

und Tom hätte den Triumph nicht für eine ganze Silbermine hergegeben.

Dann sagte der Richter:

»Bist du denn aber auch sicher, daß sich die Geschichte ganz so

verhält, wie du sagst?«

»Jawohl, Herr Richter. Da sitzen ja die Zeugen und niemand weiß ein

Wort dagegen zu sagen, weder Brace Dunlap noch sein Bruder. Auch

die andern, die sich ihre Lügen haben bezahlen lassen, sind jetzt

muckstill. Falls aber Onkel Silas Widerspruch erheben sollte, so würde

ich ihm nicht glauben und wenn er es eidlich versicherte.«

Das kam den Zuhörern sehr komisch vor; sogar der Richter gab seine

würdevolle Haltung auf und lachte. Tom strahlte ordentlich vor Freude,

und als alle sich wieder gefaßt hatten, sagte er:

»Herr Präsident, hier im Saal ist ein Dieb.«

»Was, ein Dieb?«

»Ja. Er hat die Diamanten für zwölftausend Dollars bei sich.«

»Wo -- wo ist er? -- Wer ist es? -- Zeige ihn uns!« schrien alle

durcheinander.

»Nenne ihn mir, mein Sohn, der Sheriff soll ihn festnehmen. Wer ist

es?« sagte der Richter.

»Jupiter Dunlap, der Totgeglaubte.«

Wieder entstand die grenzenloseste Aufregung; aber Jupiter, der vorher

schon ganz verdutzt gewesen war, schien jetzt förmlich versteinert vor

Ueberraschung. Endlich rief er in weinerlichem Ton:

»Herr Präsident, das ist wirklich erlogen. Ich bin ja schon schlecht

genug ohne das. Alles andere habe ich gethan und bereue es jetzt sehr.

Brace hat mich dazu überredet und mir versprochen, er wollte mich über

kurz oder lang zum reichen Manne machen. Aber die Diamanten habe ich

nicht gestohlen. Gewiß und wahrhaftig, ich habe keine Diamanten, der

Sheriff kann mich durchsuchen soviel er will.«

»Herr Präsident,« warf Tom ein, »es war vielleicht nicht richtig, daß

ich ihn einen Dieb genannt habe. Er hat die Diamanten gestohlen, ohne

es zu wissen. Sein Bruder Jack stahl sie den andern Dieben und Jupiter

stahl sie seinem Bruder Jack, als er tot am Boden lag. Seit einem Monat

läuft er mit den Zwölftausend-Dollar-Diamanten hier herum, als wenn er

ein armer Mann wäre. Auch jetzt trägt er diesen ganzen Reichtum bei

sich.«

»Durchsucht ihn, Sheriff,« sagte der Richter.

Der Sheriff durchsuchte ihn von Kopf bis zu Fuß: seinen Hut, die

Socken, die Nähte seiner Kleider, die Stiefel, kurz, alles. Tom stand

ruhig dabei und paßte auf den geeigneten Moment. Endlich gab es der

Sheriff auf. Enttäuschung malte sich in allen Mienen und Jupiter sagte:

»Da seht ihr doch, daß ich recht hatte!«

»Diesmal hast du dich wohl geirrt, mein Sohn,« äußerte der Richter.

Tom nahm eine nachdenkliche Stellung an; er schien sich aus allen

Kräften zu besinnen und kratzte sich verlegen den Kopf. Plötzlich

machte er ein vergnügtes Gesicht.

»Jetzt hab’ ich’s,« sagte er aufschauend. »Ich hatte es bloß vergessen.«

Tom sprach nicht die Wahrheit, das wußte ich; doch er fuhr ruhig fort:

»Will jemand so gut sein mir einen kleinen Schraubenzieher zu leihen?

In dem Reisesack Eures Bruders, den Ihr Euch angeeignet habt, Jupiter,

ist einer gewesen, aber den habt Ihr wohl nicht mitgenommen?«

»Nein, ich konnte ihn nicht brauchen und hab’ ihn weggegeben.«

»Weil Ihr nicht wußtet, wozu er dienen sollte.«

Sobald Tom den Schraubenzieher bekam, forderte er Jupiter auf, der nach

der Durchsuchung die Stiefel wieder angezogen hatte, einen Fuß auf den

Stuhl zu stellen; dann kniete er nieder und schraubte das Plättchen

vom Absatz ab. Als er den großen Diamanten zum Vorschein brachte und

ihn im Sonnenschein funkeln ließ, waren die Leute ganz außer sich vor

Verwunderung. Nun holte Tom auch den Diamanten aus dem andern Absatz

und Jupiters Miene wurde immer trübseliger. Er mochte wohl denken, daß

er hätte auf und davongehen und als ein reicher, gemachter Mann im

Ausland leben können, wäre er klug genug gewesen, zu erraten, wozu der

Schraubenzieher im Reisesack steckte. Jetzt erntete Tom Lob und Ruhm

nach Herzenslust. Der Richter nahm die Diamanten an sich, stand auf,

schob seine Brille in die Höhe, räusperte sich und sagte:

»Ich werde sie verwahren und dem Eigentümer Anzeige machen. Wenn er

sie dann abholen läßt, wird es mir ein großes Vergnügen bereiten, dir,

mein Sohn, die zweitausend Dollars Belohnung einzuhändigen. Du hast

aber nicht nur dies Geld verdient, sondern auch den aufrichtigen Dank

der ganzen Bürgerschaft. Durch dich ist eine unschuldige Familie vor

Schmach und Verderben gerettet worden und ein ehrenwerter Mann vor dem

Verbrechertode. Obendrein ist es dir gelungen, die Schändlichkeit eines

grausamen, verruchten Schurken und seiner elenden Helfershelfer ans

Licht zu ziehen und der Gerechtigkeit einen großen Dienst zu erweisen.«

Wäre nur noch ein Musikchor zur Stelle gewesen, um einen Tusch zu

blasen, so hätte nach meiner Meinung die Sache gar keinen schöneren

Abschluß finden können; darin stimmte Tom Sawyer ganz mit mir überein.

Der Sheriff nahm nun Brace Dunlap und seine Spießgesellen in Haft;

einige Wochen später ward ihnen der Prozeß gemacht und sie erhielten

ihre gerechte Strafe. Onkel Silas und die Seinigen aber standen von

jetzt ab wieder in hohem Ansehen bei der Gemeinde; seine kleine alte

Kirche war immer gedrängt voll und man erwies ihnen so viel Liebes

und Gutes, als man nur konnte. Mit der Zeit kam der alte Mann auch

wieder zu Verstande und seine Predigten waren nicht besser und nicht

schlechter, als sie früher gewesen. So war denn die ganze Familie

seelenvergnügt und Tom Sawyer wurde aus lauter Dankbarkeit gepflegt

und verhätschelt, wie noch nie; ich aber auch, obgleich ich nichts

gethan hatte. Als dann die zweitausend Dollars kamen, gab mir Tom die

Hälfte ab und sagte keinem ein Wort davon, worüber ich mich gar nicht

verwunderte, denn ich kannte ihn ja.

[Illustration]

Verlag von =Robert Lutz= in =Stuttgart=.

Memoirenbibliothek

Bisher erschienen 24 Bände.

Jedes Werk ist einzeln käuflich.

[Illustration]

Die hier angekündigten Memoirenwerke bergen

_eine Fülle der besten Unterhaltungslektüre für den Gebildeten._

Die »Kreuzzeitung« schrieb: »Solche Werke sind für gebildete Laien

eine =weit empfehlenswertere geistige Nahrung als die Mehrzahl aller

Romane=.«

Siehe die Urteile über die einzelnen Memoiren. -- Die Werke von

=Boyen=, =Bourgogne=, =Macdonald=, =Marbot=, =Ryan=, =Genast= und

=Helen Keller=, eignen sich auch für _=die reifere Jugend=_.

[Illustration]

_Ausführliche Prospekte über jedes einzelne Werk stehen zur Verfügung._

_General Marbot_

Memoiren 1789--1815

Deutsche Ausgabe nach der 40. Auflage des Originals.

=3 Bände=, 70 Bg. m. Porträt, brosch. Mk. 13.50, geb. Mk. 16.50, in

Halbfrz. Mk. 19.50.

=I. Band=: Genua -- Austerlitz -- Jena -- Eylau. =II. Band=: Madrid --

Aspern -- Torres-Vedras. =III. Band=: Polozk -- Beresina -- Leipzig --

Waterloo.

[Illustration]

Es dürfte dem hochinteressanten Werke zur besonderen Empfehlung

gereichen, dass es eine =Lieblingslektüre des Fürsten Bismarck= in

seinen letzten Jahren gewesen ist.

Bohemia, Prag.

Marbots Aufzeichnungen in ihrer vorliegenden Verdeutschung halten

sich von jeder Anstössigkeit frei, sei es der Tendenz nach, oder in

sittlicher Beziehung, und sind dabei =mit einem Elan geschrieben=, der

auf =junge Leser= unfehlbar seine Wirkung tun muss. Es ist so recht ein

Buch, das auf den Weihnachtsgabentisch eines Soldaten in spe gehört.

Nordd. Allg. Ztg.

Ruhig muss man diese Memoiren geniessen, mit der frischen

Empfänglichkeit der Jugend. Dann sind sie einfach bezaubernd.

Französische Eleganz, gallischer Esprit, loyale Gesinnung auch gegen

den Feind, Stimmungen vom lautersten Humor bis zur tiefernsten Rührung

durchziehen das Ganze.

St. Galler Blätter.

... Wenn wir Marbots erfolgreiches Buch überschauen, müssen wir

zugeben, dass keine anderen Memoiren aus jenen Tagen =eine solche Fülle

von Ereignissen umspannen= ... Niemand, der sich vom inneren Wesen

jener Zeit ein Bild machen will, kann das Buch entbehren.

Carl Bleibtreu, Pester Lloyd.

Die Memoiren Marbots leuchten mit besonderer Klarheit in die Zeit des

ersten Napoleon hinein, weil sie von einem ehrlichen und unbefangenen

Manne geschrieben sind, der, von einem seltenen Glück begünstigt,

Teilnehmer fast aller damaligen Feldzüge gewesen ist und fast alle

entscheidenden Katastrophen miterlebte.

Ueber Land und Meer.

_Feldmarschall Boyen_

Denkwürdigkeiten und Erinnerungen 1771--1813

=2 Bände=, 49 Bog. m. Porträt. =Preis= brosch. Mk. 9.--, in Lwd. geb.

Mk. 11.--, in Halbfrz. Mk. 13.--.

[Illustration]

=Zu den schönsten Memoirenwerken= und überhaupt zu den =Perlen der

deutschen Literatur= gehören die Denkwürdigkeiten des Feldmarschalls

v. Boyen; sie geben ein mächtiges Bild von der Individualität des

Verfassers und von dem Geiste seiner Zeit.

Preuss. Jahrbücher.

Beim Lesen der Memoiren wird jeder erkennen, dass ein =grosser Geist=

mit offenem Auge und völliger Beherrschung der Verhältnisse dieselben

geschrieben hat.

Histor. Monatsbl. f. Posen.

Diese Darstellung einer der wichtigsten Epochen der deutschen

Geschichte ist wie wenige Bücher geeignet in der =reiferen deutschen

Jugend= vaterländische Gesinnung und Opferfreudigkeit zu entfachen.

Südwestd. Schulblätter.

Wie ein ernstes, erhabenes Drama, dem es aber bei aller Härte doch

auch an behaglichen und idyllischen Zügen nicht fehlt, lässt sich der

Verfasser die Blumen- und Dornenkette seiner Tage durch die Erinnerung

gleiten.

Westerm. Monatshefte.

Man wird in Zukunft Boyens Denkwürdigkeiten nicht ausser Acht lassen

dürfen, wenn man sich über Persönlichkeiten, Stimmungen und Ereignisse

der Befreiungskriege unterrichten will.

Allg. Schweizer Zeitg.

Man wird von Seite zu Seite aufs Neue gefesselt, und ehe man

sich dessen versieht, hat man die 2 Bände von Anfang bis zu Ende

durchgelesen.

Posener Zeitung.

Boyens Denkwürdigkeiten vereinigen jedenfalls =eine Fülle von

hochinteressanten Erlebnissen=, die umso prägnanter wirken, als

sie uns in der eleganten Darstellung eines hochgebildeten und

scharfbeobachtenden Mannes entgegentreten.

Düna-Zeitung. Riga.

_C. F. von Holten_

Vom dänischen Hofe

Erinnerungen aus der Zeit Friedrichs VI., Christians VIII. und

Friedrichs VII.

16 Bg. m. 4 Porträts. Preis brosch Mk. 4.50, in Lwd. geb. Mk. 5.50,

Halbfranz Mk. 6.50.

[Illustration]

Wir durchschreiten gewissermassen eines jener alten dänischen

Königsschlösser, die träumerisch auf den grauen Sund hinausschauen,

und betrachten die Porträts: die Herrscher und ihre Gemahlinnen, die

fürstlichen Verwandten, den Hofstaat, die Grössen der Wissenschaft, der

Kunst, der Politik, die sie umgeben -- -- -- Holten hat eine charmante

Art, das =Charakteristische= an den Personen herauszuheben und ergötzt

oft durch humoristische Darstellung.

Kleines Journal, Berlin.

Sein Werk macht nicht den Anspruch, ein wissenschaftliches zu sein;

es bringt uns in schlichtem Plauderton die Grossen der Welt näher und

lässt uns mancherlei Blicke in ihr privates Leben tun. Viele werden

gerne zu dem Buche greifen, und die Stunden nicht bereuen, welche sie

bei der harmlosen Lektüre verbracht haben.

Nord-Ostsee-Zeitung.

Das Buch, =das sich spannend wie ein Roman= liest, ist voll von

Anekdoten vielfach heiterer Natur: Eine Menge von Originalen zieht

an uns vorüber; der Hofstaat dreier Könige, sie selbst nebst ihren

Familien, darunter die vielgenannte Gräfin Danner. =Bezaubernd ist

der Freimut=, mit dem der liebenswürdige Verfasser ungeniert über all

diese internen Dinge zu plaudern weiss. Für jeden, der den dänischen

Verhältnissen in den 30er Jahren und dem ganzen Zeitraum bis 1864

Interesse entgegenbringt, werden diese Memoiren lehrreich und amüsant

sein.

Düna-Zeitung, Riga.

_François Bourgogne_

Sergeant der franz. Kaisergarde

Kriegserlebnisse 1812--13

Mit 16 Vollbildern von Faber du Faur und Yvon. =2. Aufl.= (4.--5.

Tausend.) 363 Seiten. Preis brosch. M. 6.--, in Lwd. geb. M. 7.50, in

Halbfranz. M. 8.50.

[Illustration]

Bourgognes Memoiren gehören zu den Büchern, bei denen der Leser die

Schläge der Mitternachtsstunde überhört; und viele Scenen, wie die

des brennenden Posthauses zwischen Moskau und Smolensk, die an den

Lederstrumpf erinnernden Jagden der Kosaken vor der Beresina, die

Uebergangsszenen, und die letzten Abenteuer bei Wilna und Kowno prägen

sich dem Leser unverlöschlich ins Gedächtnis.

Literar. Echo.

Der =spannendste Roman=, die interessanteste Reiseschilderung =kann

kaum fesselnder sein=, als hier das Buch des schlichten Sergeanten. Oft

wenn er von den Schrecknissen des Winters, der fürchterlichen Kälte,

die bis zu 28 Grad stieg, erzählt, bei der die todesmüden Krieger

marschieren, kampieren und die grössten Entbehrungen erdulden mussten,

wird man lebhaft an Nansens Wanderungen in Nacht und Eis erinnert.

Leipziger Tageblatt.

... Es sind =erschütternde Bilder= des Elends und tiefsten Jammers, die

sich vor unsern Augen entrollen, aber auch echter Kameradschaft und

Menschenliebe, die sich =unvergänglich ins Herz graben=.

Generalanzeiger, Hamburg.

Diese Schlichtheit und Ehrlichkeit gerade sichert seiner ganzen

Darstellung die Glaubwürdigkeit und hebt Bourgognes so ungemein

inhaltsreiches Buch über allen Verdacht romanhafter Erfindung hoch

empor auf die =Wertstufe weltgeschichtlicher Dokumente=, wie es ihrer

gleich ergreifende und erschütternde nur wenige gibt.

Westerm. Monatsh.

Die ausserordentliche Lebendigkeit und Anschaulichkeit der Darstellung

dieser durch ihre Ursprünglichkeit sich auszeichnenden Denkwürdigkeiten

wird noch unterstützt durch Reproduktionen der 15 charakteristischsten

Blätter aus dem seltenen Illustrationswerk des württembergischen

Offiziers Faber du Faur, der den russischen Feldzug von 1812 mitgemacht

hat.

Ill. Zeitung, Leipzig.

_Fürst Krapotkin_

Memoiren eines Revolutionärs

Mit Vorwort von =Georg Brandes=. 3. Auflage.

=2 Bände=; 44 Bg. mit 3 Porträts.

Preis brosch. Mk. 9.--, in Lwd. geb. Mk. 11.--, in Halbfranz Mk. 13.--.

[Illustration]

Die Schilderungen sind von einer Intimität und einem Stimmungsgehalt,

die an Turgeniew erinnern. Ein Künstler ersten Ranges gibt hier seine

Erlebnisse und Eindrücke wieder ...

... Aus der Schlichtheit und Wahrhaftigkeit seiner Darstellung, aus

dem Begreifen der russischen Volksseele, aus dem unerschöpflichen

Reichtum einer gross und edel angelegten Natur entstand ein =Buch mit

Ewigkeitswerten= ...

Die Nation.

... Der Adel der Gesinnung, der aus den Memoiren spricht, ein Adel

ohne jedes Pathos und ohne heroischen Aufputz, macht ihre Lektüre

zum ungewöhnlichen Genuss, und wo die nüchterne Kritik nicht fehlt,

auch zum ausserordentlichen Gewinn. Niemand soll es versäumen, diese

geradezu =klassisch geschriebenen Memoiren mit Andacht zu lesen=.

Neue freie Presse.

Nicht der Nihilist und nicht der Anarchist stehen in erster Reihe, wenn

diese Memoiren gewürdigt werden sollen, sondern der =Mensch= Krapotkin

selbst. Die beiden Bände Memoiren verdienen dem modernen Plutarch

angereiht zu werden.

Neues Wiener Tagblatt.

Dass er ein unermüdlicher Kämpfer für die Revolution, dass er ein

bedeutender Gelehrter war und ist, wussten wir schon lange. Jetzt aber

hat er uns bewiesen, dass er auch ein feinsinniger Künstler und ein

edler guter Mensch ist, ein Mensch voll Milde und Herzlichkeit. -- --

Vor uns ersteht die Sittengeschichte jener Zeit, wie sie packender,

treffender und plastischer kein Geschichtsforscher und kein Romancier

gezeichnet hat.

Prager Tagblatt.

In der Memoirenliteratur kann das vorliegende Buch einen ganz

hervorragenden Platz beanspruchen; denn der Verfasser hat wie kaum

einer die Höhen und Tiefen des modernen Lebens, besonders in Russland,

kennen gelernt.

... Das ganze russische Volk hat hier einen =Darsteller ersten Ranges=

gefunden.

Kölnische Zeitung.

_Henri Rochefort_

Abenteuer meines Lebens

Autorisierte deutsche Bearbeitung von =Heinr. Conrad=.

Tom Sawyers Neue Abenteuer · 第 12 / 13 段