verschiedenen Farben, die am Kinematograph-Mechanismus oder dicht
daneben angebracht sind. Bei richtigem Laufe beider Apparate brennt die
mittlere Lampe, die weiß sein mag; läuft der Kinematograph vor oder
bleibt er zurück, so brennt die rote oder grüne Lampe rechts bezw.
links. Ein gänzlich anderes Prinzip verfolgt ein System, bei dem in der
Ecke der Projektionswand ein rotierendes optisches Signal erscheint, das
durch das Werk der Sprechmaschine in Tätigkeit gesetzt wird und das der
Vorführer von seinem Stande aus verfolgen muß, um danach den Lauf seines
Apparates zu regeln.
Man hat auch Vorrichtungen ersonnen, die den Gleichlauf selbsttätig
kontrollieren. Eine solche kann z. B. mit der elektrischen Uhr, die
einen normalerweise ruhig stehenden Zeiger besitzt, verbunden werden.
Wenn der Kinematograph, der durch einen Motor angetrieben wird, zu
langsam läuft, so schlägt der Zeiger nach links aus; dabei berührt er
nun einen Kontakt, der durch Schließen eines Stromkreises bewirkt, daß
der Regulierwiderstand des Motors entsprechend verändert wird und daß
letzterer einen rascheren Lauf annimmt. Ist die Geschwindigkeit des
Mechanismus zu groß, so schlägt der Zeiger nach rechts aus und berührt
dabei einen zweiten Kontakt, der in umgekehrter Weise auf den
Regulierwiderstand einwirkt und eine Verlangsamung des Motors
herbeiführt.
In der Regel kommt bei der Darstellung des »Tonbildes« -- so nennt man
diese Vorführungen -- das Grammophon zur Verwendung, das mit
Schallplatten arbeitet, im Gegensatz zum Phonograph, bei dem Walzen
benutzt werden. Die Aufnahmen von Bild und Ton werden nicht
gleichzeitig, sondern getrennt vorgenommen, und zwar erfolgt die eine an
Hand der anderen; in der Regel wird zuerst die Tonaufnahme gemacht und
darnach die kinematographische.
Fehlerhafte Erscheinungen beim Arbeiten mit dem Kinematograph.
Zunächst möchte ich auch hier davon abraten, sofort, wenn der Apparat
beschafft ist, Vorstellungen zu geben, wie dies vielfach oder gar
meistens geschieht; man nehme sich soviel Zeit, als nötig ist, die
Konstruktion und deren Handhabung in allen Teilen gründlich kennen zu
lernen. Wenn dabei Mißerfolge eintreten, so prüfe man ruhig und
sachlich. Dabei mögen die folgenden Ausführungen als Anhalt dienen.
Fehlerhafte Erscheinungen bei der Darstellung des Lichtes habe ich hier
nicht mit aufgenommen, da solche in der Beschreibung der
Lichteinrichtungen schon berücksichtigt wurden.
_Zerspringen der Kondensorlinsen_ wird vielfach hervorgerufen durch zu
rasche Erhitzung derselben bei der Inbetriebsetzung, wie auch durch
plötzliche Abkühlung nach der Vorführung. Man wärme die Linsen langsam
an, indem man die brennende Lampe erst nach und nach dem Kondensor
nähert, und schütze sie andrerseits auch nach der Vorführung, wenn man
die Lampe ausgelöscht hat, gegen kalten Luftzug. Die Linsen sollen
ferner nicht zu fest in der Fassung sitzen, sondern Spiel haben für die
Ausdehnung, die mit der Erwärmung erfolgt. Beim Arbeiten mit Kalklicht
ist darauf zu achten, daß man das Kalkstück rechtzeitig dreht; die
Stichflamme frißt nämlich ein Loch darein und dieses kann bei
unglücklicher Stellung wie ein Reflektor die Flamme direkt gegen die
Linse werfen, worauf letztere unfehlbar platzen wird. Auch ein Sprung im
Kalkstück kann eine solche Reflexion gegen den Kondensor bewirken. Beim
elektrischen Bogenlicht gefährdet der Flammbogen, namentlich bei hoher
Stromstärke, die Linse erfahrungsgemäß dann, wenn man ihn zu groß
werden läßt. Es gilt das besonders für solche Fälle, wo man mit höherer
Spannung, z. B. 220 Volt, arbeitet; bei niedriger Spannung kann man den
Lichtbogen nicht so groß werden lassen, da die Lampe dann auslöscht. Man
stelle auf jeden Fall die Kohlen zeitig nach; dies sollte man schon tun,
um das Licht gleichmäßig zu halten.
_Beschlagen der Linsen._ Dieser Fehler macht sich bei der Projektion
durch einen Schleier über das Lichtbild bemerkbar. Er rührt davon her,
daß die Kondensorlinsen kalt waren und bei der starken Erwärmung sich
Wasserdampf darauf niedergeschlagen hat (gerade so wie die Brillengläser
beschlagen, wenn man aus der Kälte ins warme Zimmer kommt). Man sorge
von vorneherein für Vorwärmung der Linsen; dann tritt diese störende
Erscheinung nicht auf. Hat man ersteres versäumt, so muß man den
Niederschlag durch einen weichen Lappen abreiben. Die Linsen müssen
ferner Ventilation haben; wenn diese ausreichend ist, so zieht der
Wasserdampf ab.
_Schatten im Bildfeld._ Die Fehler, welche eine falsche Zentrierung der
Lampe hervorruft, sind auf Seite 193 besprochen und durch eine Abbildung
(Fig. 99) veranschaulicht. Gelingt es nicht, nach der dort gegebenen
Anweisung ein gleichmäßig weißes Bildfeld zu erzielen, so ist die
optische Anordnung nicht richtig. Der Kinematograph-Mechanismus muß
alsdann in einen näheren oder größeren Abstand vom Kondensor gebracht
werden, oder aber die Brennweite des Kondensors paßt nicht zu
derjenigen des Objektives und es muß eine entsprechend andere
Linsenzusammenstellung für den Kondensor genommen werden. Unter
Umständen kann auch eine geeignete Hilfskondensierungslinse, die gegen
die Türe des Apparates kommt, abhelfen.
Gelbrote Ecken oben oder unten im Bildfeld zeigen sich zuweilen bei
Apparaten, welche für das Filmbild einen verstellbaren Rahmen besitzen,
und zwar tritt der Fehler bei Verstellung des Rahmens dann auf, wenn
dieser aus dem Beleuchtungsfeld gebracht wird. Man muß dann die
Lichtquelle nachzentrieren. Um diese Erscheinung zu vermeiden, zentriere
man von vorneherein derart, daß das Bildfeld bei jeder Einstellung des
Rahmens gleichmäßig weiß bleibt.
_Teilweise Unschärfe des Bildes._ Zunächst prüfe man nach, ob die Linsen
des Objektives richtig zusammengesetzt sind, wie es die Abbildung auf
Seite 90 angibt. Bei Objektiven mit Auswechselfassung ist ferner zu
beachten, daß der Linsentubus richtig eingesetzt wird: die beiden durch
einen Ring getrennten Linsen müssen dem Kondensor zugekehrt sein,
während die verkittete Linse nach vorne zeigen soll. Bei falscher
Zusammensetzung des Objektivs bekommt man entweder nur die Mitte des
Bildes scharf oder nur die Randpartien.
Ferner ist folgendes zu beachten. Hat man einen Apparat, bei dem die
Einrichtung des Filmbildes durch Verstellen der Rahmenöffnung nach oben
und unten geschieht, während dabei das Objektiv nicht mit bewegt wird,
und ist letzteres für kurze Distanz bestimmt, so vermeide man es
möglichst, den Rahmen weit aus der Mittelstellung zu entfernen. Bei den
kurzbrennweitigen Objektiven ist nämlich die scharfe Zone entsprechend
klein, und durch Verstellen des Rahmens kommt man hier leicht in Gefahr,
das Bild über diese Zone herauszubringen, wodurch dann der obere oder
untere Rand desselben unscharf wird. Man trachte also bei derartigen
Einrichtungen darnach, den Film von vorneherein so einzuspannen, daß
nachher keine Korrektur oder höchstens eine geringe notwendig ist.
Objektive kurzer Brennweite, die zur kinematographischen Projektion auf
kurze Entfernung benutzt werden und die hauptsächlich beim »Durchwerfen«
des Bildes zur Verwendung gelangen, neigen überhaupt dazu, das ganze
Bildfeld nicht gleichmäßig scharf wiederzugeben. Wer in bezug auf die
Schärfe hohe Ansprüche stellt -- und solche sollte man im Interesse der
Darbietung stellen -- muß sich ein teureres Instrument beschaffen.
Eine teilweise Unschärfe des Lichtbildes -- Mitte scharf und Ränder
unscharf oder umgekehrt -- kann auch dadurch hervorgerufen werden, daß
der Film außerhalb der Türe nicht absolut flach liegt, sondern sich dort
krümmt. Der Film neigt dazu, sich krumm zu ziehen, und er kann dieser
Neigung folgen, wenn die Klemmvorrichtung der Türe ihn nicht genügend
hält. Ein solches Hohllaufen des Filmbandes wird begünstigt durch einen
zu breiten Ausschnitt (Fenster). Es ist da in dieser oder jener Weise
Abhilfe zu schaffen. Auch mag es vorkommen, daß infolge sehr langer
Benutzung die Aufschlagflächen (Schienen) der Türe abschleißen und in
der Mitte hohl werden. Alsdann wird das Bild immer nur oben und unten
scharf erscheinen oder nur in der Mitte. In solchem Falle muß der
Apparat instand gesetzt werden.
Unschärfe auf einer Seite des Lichtbildes, rechts oder links, tritt auf,
wenn der Apparat schräg gegen die Projektionswand gerichtet ist. Er
sollte möglichst senkrecht gegen die Mitte des Schirmes zeigen. Der
gleiche Fehler wird durch unzentrische Anordnung des Objektives bewirkt.
_Völlig verschwommene Bilder._ Die Ursache ist vielleicht darin zu
suchen, daß der Abstand des Objektives zum Film nicht richtig ist, ein
Fehler, der namentlich bei Beschaffung eines neuen Objektives häufig
gemacht wird. Um sich zu vergewissern, schraube man das Objektiv ab,
halte es dem Fenster gegenüber so gegen die Wand, daß ein scharfes Bild
der Fenstersprossen auf einem an die Wand gehefteten Blatt weißen
Papieres erscheint, und messe dann den Abstand des Objektives zum
Papier: in diesen Abstand muß das Objektiv vom Film gebracht werden. Bei
Objektiven, die für kurze Entfernungen bestimmt sind, ist dieser Abstand
klein, und da kann es bei manchen Kinematograph-Mechanismen vorkommen,
daß die Konstruktion überhaupt nicht gestattet, das Instrument
hinreichend nahe an den Film heranzubringen.
Eine Unklarheit des Bildes kann ferner dadurch herbeigeführt werden, daß
der Apparat beim Betrieb vibriert; das Lichtbild zittert dann und
erscheint dem Auge verschwommen. Um solches festzustellen, prüfe man die
Schärfe bei stehendem Bild; ist diese gut, während das Bild beim
Betriebe unklar wird, so muß man für bessere Stabilität des Mechanismus
sorgen; insbesondere richte man seine Aufmerksamkeit auf die Blende und
kontrolliere, ob diese nicht schlägt und den Apparat erschüttert.
Schließlich ist noch daran zu erinnern, daß auch falsche Blendenstellung
eine Verschwommenheit des Bildes verschulden kann. Schlägt nämlich die
Blende stets in dem Augenblicke vor, wo der Film ruht, und gibt sie das
Licht frei zu der Zeit, wo sich der Film in Bewegung befindet, so gibt
es auf der Wand ein verwaschenes Wirrwarr und es ist niemals möglich, so
ein klares Bild zu erhalten. Wie die Blende genau eingestellt werden
muß, darüber ist weiter oben ausführlich berichtet.
_Flimmern des Bildes._ Wodurch das Flimmern hervorgerufen wird, diese
Frage habe ich eingangs ausführlich behandelt, desgleichen habe ich
dargetan, was zur Vermeidung bezw. Abschwächung dieser unangenehmen
Erscheinung geschehen kann. Hier sei nur kurz auf die verschiedenen
Punkte hingewiesen. An dem Flimmern ist der stete Wechsel von Hell und
Dunkel schuld, der nicht zu vermeiden ist, da der Übergang von einem
Bild zum ändern durch eine Blendescheibe verdeckt werden muß. Die Stärke
des Flimmerns hängt ab von der Größe der Blende und diese wieder von der
Konstruktion des Bewegungs-Mechanismus.
Von Einfluß auf die Stärke des Flimmerns ist ferner die Form der Blende;
durch Benutzung einer geeigneteren Blende, insbesondere einer solchen
mit einem oder zwei »zwischenschlagenden« Flügeln, kann man unter
Umständen in erheblichem Maße Abhilfe schaffen. Zu beachten ist
weiterhin, daß Bilder mit großen weißen Flächen stärker flimmern als
durchweg gedeckte Szenen.
Von Wichtigkeit ist es, meine oben gegebene Regel einzuhalten: nämlich
dem Film nur soviel Licht zu geben, als zur Erzielung klarer Bilder
nötig ist; denn jedes Zuviel an Licht fördert das Flimmern ganz
bedeutend. Ein weiteres Hilfsmittel, das Flimmern zu dämpfen, besteht in
Anwendung von Farbscheiben sowie im Färben oder Kolorieren der Films.
_Flickern des Bildes._ Das »Flickern« rührt her von vielen Flecken und
Kratzen im Film, die wie toll hin und her springen, namentlich in den
hellen Stellen des Bildes. Gegen diesen Fehler, der mit dem Flimmern oft
verwechselt wird, kann auch der beste Apparat nicht helfen. Man kann
sich vor dieser unangenehmen Erscheinung nur bewahren durch Verwendung
reiner Films, die man schont und gut pflegt.
_Regnen und Ziehen des Bildes._ Streifen im Bilde, die von oben nach
unten gehen, sind die Folgen durchgehender Kratzen und Schrammen im
Film. Zieht das ganze Bild auf der Wand, so ist anzunehmen, daß die
Blende fehlt oder nicht richtig steht.
_Falsche Einstellung der Verschlußblende._ Für ein gutes Funktionieren
des Apparates ist es unbedingt erforderlich, daß die Blende richtig
eingestellt ist. Der Blendflügel muß in dem Augenblick das Objektiv
verdeckt haben, wo der Film sich zu bewegen beginnt, und er muß das
Objektiv wieder öffnen, sobald der Film die Ruhestellung angenommen hat.
Ist die Blende falsch eingestellt, so wird je nach dem Grade der
falschen Einstellung der Wechselvorgang ganz oder teilweise sichtbar
gemacht, während das ruhigstehende Filmbild zeitweise verdeckt wird.
Infolgedessen verliert das Lichtbild an Plastik und erscheint unter
Umständen völlig verschwommen. Ein Fehlen der Blende macht sich durch
Mangel an Plastik und durch ein »Ziehen« oder »Regnen« bemerkbar. Man
muß, falls eine solche Erscheinung auftritt, die Stellung der Blende
kontrollieren, und zwar geschieht dies folgendermaßen. Nachdem ein Film
eingespannt ist, dreht man das Werk ganz langsam, am besten am
Schwungrade, und beobachtet den Augenblick, wo der Film in der Türe
anfängt sich zu bewegen. In diesem Moment muß die Blende das Objektiv
gerade verschließen. Alsdann dreht man weiter und beobachtet den Moment,
in dem der Film wieder in Ruhe kommt, und kontrolliert, ob die Blende
jetzt beginnt, das Objektiv zu öffnen. Hat die Verschlußblende zwei oder
mehrere verschieden große Flügel, so dient zum Abdecken der größte.
_Vibrieren oder Tanzen des Bildes._ Man muß da zweierlei unterscheiden:
Erstens ein Auf- und Abgehen des ganzen Lichtbildes auf dem
Projektionsschirme und zweitens ein Vibrieren der Bildkonturen allein,
wobei das Bildfeld selbst stehen bleibt. Das Auf- und Abschwanken des
ganzen Bildfeldes, wie man es zuweilen bei kinematographischen
Vorführungen mehr oder minder stark wahrnehmen kann, hat seinen Grund
darin, daß es dem Apparat an einer genügend festen Aufstellung fehlt.
Entweder ist dann der Tisch oder der Gegenstand, worauf sonst der
Kinematograph steht, wackelig oder der Mechanismus ist nicht fest auf
seiner Unterlage montiert; auch kann die Befestigung des Objektives
unzureichend sein. Man muß bedenken, daß sich bei der starken
Vergrößerung auch die geringste Erschütterung des Apparates bemerkbar
macht. Nehmen wir nur ein Beispiel: das Lichtbild sei 2-1/2 Meter breit,
die Vergrößerung mithin 100 fach; es wird sich dann auch der Fehler des
Vibrierens verhundertfachen, und ein Vibrieren des Objektivs um 1/2
Millimeter wird also z. B. ein Schwanken des Lichtbildes um 5 Zentimeter
zur Folge haben. Man kann dabei in der Regel beobachten, daß das Auf-
und Abwogen des Lichtbildes in regelmäßigen Perioden vor sich geht und
mit der Bewegung des Armes beim Drehen der Kurbel zusammenfällt. Abhilfe
ist leicht dadurch zu schaffen, daß man dem Apparat die erforderliche
Stabilität gibt.
Wir kommen nun zu der ändern Erscheinung, dem Tanzen des Bildes
innerhalb des Bildfeldes, dessen Umrahmung dabei auf dem Schirm
unbeweglich bleibt. Für diesen Fehler gibt es verschiedene Ursachen, und
zwar kann er zunächst im Film selbst zu suchen sein. Wenn nämlich bei
der Aufnahme das Stativ nicht absolut fest war und der Apparat, sei es
auch nur im geringen Maße, wackelte, so muß natürlich auch die
Wiedergabe mit dem Projektionsapparat »verwackelt« herauskommen. Ferner
kann ein Vibrieren des Lichtbildes entstehen, wenn die Perforation durch
Überanstrengung »ausgeleiert« ist; denn in diesem Falle wird das
Filmband nicht mehr mit der erforderlichen Genauigkeit transportiert. Ob
nun der Film aus dem einen oder ändern Grunde an dem Vibrieren schuld
ist, ergibt sich leicht aus weiteren Beobachtungen, wobei man darauf
achtet, ob das Bild bei anderen Films ruhig steht. Zeigen aber sämtliche
Films ein gleiches Vibrieren, so ist anzunehmen, daß die Ursache der
Erscheinung wo anders liegt, und zwar muß sie dann im Apparate zu suchen
sein. Da gilt es in erster Linie, die Türe auf ihre Wirkungsweise zu
prüfen. Wie oben ausgeführt wurde, ist es Aufgabe der Türe, den Film in
der Projektionsstellung festzuhalten und durch Einklemmen zu verhindern,
daß er bei der ruckweisen Vorwärtsbewegung ein Stückchen zu weit fliegt.
Wenn nun aber die Federpressung in der Türe nicht stark genug ist und
der Film dort zu viel »Spiel« hat, so wird ein Auf- und Abtanzen des
Bildes die unausbleibliche Folge sein. Man wird mithin, um
festzustellen, ob hier der Fehler liegt, den Film in der Türe kräftiger
einklemmen, was vielfach dadurch geschehen kann, daß man mit der linken
Hand die Türe fester andrückt.
Wo hat man nun weiter zu forschen, wenn hierdurch keine Abhilfe
geschaffen wird? Ohne Zweifel im Bewegungs-Mechanismus. Es liegt auf der
Hand, daß nur bei äußerst präzisem Arbeiten dieses Mechanismus ein
ruhiges Stehen des Bildes möglich ist und daß jede Ungenauigkeit
Störungen hervorrufen muß. Ungenauer Gang des Werkes kann begründet
sein in fehlerhafter Ausführung oder in der Ausleierung des einen oder
anderen Teiles. Worauf es bei den verschiedenen Systemen ankommt, ist
oben in der Beschreibung der Konstruktionen bereits ausgeführt. Bei
Schläger-Apparaten z. B. hängt das tadellose Funktionieren ab von der
Transporttrommel, der Schlägerscheibe und dem sicheren Ineinandergreifen
der diese beiden Teile verbindenden Zahnräder; beim Malteserkreuz-System
von der Zahntrommel mit dem Kreuz und der darein arbeitenden
Eingriffscheibe. Wichtig ist dabei die feste Lagerung der Achsen und die
Vermeidung »toten Ganges«.
_Springen des Bildes._ Man sieht zuweilen, daß das Bild plötzlich
»springt«, d. h. einige Zwischenszenen überschlägt. Diese Erscheinung
läßt sich leicht erklären: es ist aus dem Film ein Stück mit mehreren
Bildern, die beschädigt waren, ausgeschnitten; man wird dann dort eine
Klebestelle finden. Allerdings können die Bilder auch schon im
Aufnahmefilm (Negativ) entfernt worden sein; in diesem Falle ist am
Positivfilm, wenn man ihn durch die Hand zieht, ohne weiteres nichts
davon zu bemerken.
Ein Springen des Filmbandes um den Teil eines Bildes, wobei sich also
das Filmbild aus der Türöffnung verschiebt, findet statt, wenn der Film
falsch verklebt ist. Man muß den Film dann zerschneiden und richtig
zusammenkleben. Wie dies zu geschehen hat, darüber wurde oben eingehend
berichtet.
_Überhastete oder zu langsame Bewegungen im Lichtbilde._ Solche
Erscheinungen rühren einfach daher, daß der Mechanismus zu schnell bezw.
zu langsam gedreht wird. Der Vorführer muß das Lichtbild im Auge halten
und die Geschwindigkeit des Drehens so bemessen, daß die Bewegungen
möglichst natürlich wiedergegeben werden. Wohl ist zur Erreichung eines
Effektes gelegentlich eine Verlangsamung oder Beschleunigung zulässig.
Vielfach wird der Apparat zu rasch gedreht.
_Rückwärtslaufende oder schleifende Räder._ Bei Szenen mit sich
bewegenden Fahrzeugen beobachtet man häufig, daß die Räder zu stehen, zu
schleifen oder gar rückwärts zu laufen scheinen, während das Gefährt
vorwärts geht. Das ist eine optische Täuschung, die im Prinzip des
Kinematographen begründet ist. Insbesondere das Stehen der Räder ist
leicht zu erklären. Die kinematographischen Aufnahmen werden in gewissen
Zeitintervallen gemacht; wenn nun während dieser Zwischenzeiten das Rad
sich jeweils soviel weiterbewegt, daß immer eine Speiche gerade an die
Stelle der folgenden gekommen ist, so ist für das Auge keine
Verschiebung der Speichen wahrzunehmen, weil eine Speiche aussieht wie
die andere. Anders würde es sein, wenn eine der Speichen eine von den
andern abweichende Form besäße; da würde das Auge sehen, daß diese
Speiche sich weiterdreht. Der Vorführer kann dagegen nichts tun; denn
die Erscheinung ist bei der Aufnahme festgelegt und »sitzt« also im
Film.
_Fehlerhafte Transportierung des Filmbandes._ Der Film wird zeitweise
von der Transporttrommel nicht mitgenommen. In solchem Falle sind die
Zähne der Trommel zu klein oder abgeschlissen oder die Druckrollen
sitzen nicht richtig auf. Gefördert wird dieser Übelstand durch
Unregelmäßigkeiten im Film, wie schlechte Klebstellen, starke Knicke und
Beschädigungen der Perforation; auch eine vom Maße der Zahntrommel
abweichende Perforation kann mit dazu beitragen.
_Schieflaufen des Filmbandes auf der Transporttrommel._ Dieser Fehler
zeigt sich eher oben auf der Vortransporttrommel als auf der Trommel des
Bewegungsmechanismus. Er wird hervorgerufen durch einseitiges Andrücken
oder schiefes Aufsitzen der Druckrollen und wird gefördert durch zu
kleine oder abgeschlissene Zähne und durch abweichende Perforation. Man
prüfe ferner, ob der Film auch in gerader Richtung von der Spule auf die
Trommel läuft und nicht etwa schief zugeführt wird.
_Schlechtes Funktionieren der Aufrollvorrichtung._ Die Spule, worauf der
Film aufgewickelt wird, läuft nicht gehörig mit. Das gibt eine
unangenehme Störung, die beseitigt werden muß. Geschieht der Antrieb der
Aufrollvorrichtung durch einen Gummi- oder Drahtspiralzug, so wird man
finden, daß dieser nicht genügend »durchzieht« und auf dem Rade
schleift. Das Gummi oder die Spirale muß also entsprechend strammer
gespannt werden, eventuell schneidet man aus der Spirale ein Stück
heraus und fügt die Enden wieder zusammen. Eine Spirale aus dünnem Draht
faßt meist besser als eine solche aus dickem Draht; sie darf nicht geölt
werden, weil sie dann leichter über die Räder gleitet.
Bei manchen Apparaten wird die Aufrollvorrichtung durch eine Kette oder
vermittels Zahnradübersetzung angetrieben, und das Mitnehmen der Spule
geschieht mit Hilfe von Friktionsscheiben. Dabei muß die Reibung
zwischen diesen Scheiben hinreichend stark sein, damit die zum strammen
Aufwickeln des Filmbandes erforderliche Kraft, die übrigens mit größer
werdender Rolle zunimmt, überwunden wird. Ist die Reibung nicht
genügend, was besonders dann eintritt, wenn die Reibungsflächen des dazu
verwandten Leders oder sonstigen Materials sich geglättet haben, so
läuft die Spule nicht ordentlich mit. Man muß dann für Aufrauhung der
Flächen und eventuell Anspannung der Feder, welche die Scheiben
gegeneinander drückt, Sorge tragen. Wird indessen die Spule von der
Aufrollvorrichtung zu kräftig vorwärts bewegt, so kann dadurch anfangs
ein Zerreißen des Filmbandes herbeigeführt werden.
_Zerreißen des Filmbandes oder Ausreißen der Perforation._ Dies wird
durch eine Stockung des Film verursacht; der Film sitzt an irgend einer
Stelle fest, unten zerrt aber der Bewegungs-Mechanismus ihn vorwärts und
die Transporttrommel wühlt nun mit ihren Zähnen in der Perforation,
diese ausreißend. Unter Umständen wird der Film dabei ganz
durchgerissen, was namentlich dann leicht der Fall ist, wenn an der
Stelle schon ein Einriß vorhanden war.
Wann wird nun eine solche Hemmung des Filmbandes eintreten? In erster
Linie wird sie erfahrungsgemäß dadurch veranlaßt, daß man beim
Einspannen vergessen hat, zwischen Vortransporttrommel und Türe eine
hinreichend große Schlaufe zu bilden. Ferner kann dies eintreten, wenn
die Filmspule oben sich auf der Achse klemmt, so daß das Band dem Zuge
nicht mehr folgen kann. Eine weitere Ursache für solche Beschädigungen
ist unter Umständen darin zu finden, daß der Film streckenweise etwas zu
breit ist, und sich nun in der Türe festklemmt, und schließlich auch
darin, daß der Film mit einer eingerissenen Stelle oder einer schlechten
Klebstelle beim Vorschub oder in der Türe hängen bleibt. Auch zu
kräftiges Anziehen der Aufrollvorrichtung kann, wie erwähnt, zum
Zerreißen des Filmbandes führen.
_Einrisse an der Perforation._ Solche mögen dadurch entstehen, daß die
Perforation des Filmbandes etwas abweicht vom Maße der Zahntrommel; der
Abstand der Löcher ist dann weiter oder enger als der Abstand der Zähne,
und der Film wird daher auf der Trommel gezerrt oder gebeult. Schlecht
aufpassende Perforation macht sich meist durch ein Knistern bemerkbar.
Wenn die Ursache für die Beschädigung der Perforation anderwärtig zu
suchen ist, so muß man den Apparat in seinen einzelnen Teilen genau
daraufhin kontrollieren, an welcher Stelle der Film derartige Zerrungen
erleidet, die zu Einrissen führen können, und prüfen, ob und wie dort
Abhilfe zu schaffen ist. Es ist dabei zu berücksichtigen, daß auch in
dem besten Apparat das Filmmaterial bei sehr häufigem Gebrauche
schließlich der Abnutzung unterworfen ist und daß trockene, spröde Films
schneller verschleißen als gute, geschmeidige Films.
_Kratzen auf dem Film._ Wenn sich auf dem Film Längskratzen zeigen, die
nirgends anders als im Apparat entstanden sein können, so muß man
unbedingt für Abhilfe sorgen, wenn man sich nicht sein ganzes
Filmmaterial verderben will. Da muß irgend eine Stelle im Mechanismus
sein, an der das Filmband sich reibt; insbesondere beachte man, ob die
von der Vorschubtrommel gebildete Schlaufe sich gegen die Türe stößt.
Noch ein Punkt ist anzuführen. Der Film hat zuweilen verbeulte Stellen;
solche entstehen unter dem Eindrucke starker Hitze und können dadurch
hervorgerufen werden, daß das Band einmal sehr langsam durch den Apparat
gedreht wurde, oder gar zeitweilig stehen blieb, wodurch dann die
intensiven Strahlen auf den Film zu wirken vermochten. Diese
durchgebogenen Stellen werden naturgemäß dazu neigen, sich gegen die
tieferliegende Bahn der Filmführung zu drücken und es wird dort leicht
infolge der Reibung die Schicht beschädigt. Dies wird um so eher
geschehen, wenn die Gleitschienen oder Federn, worauf das Band in der
Türe mit seinem perforierten Rand läuft, abgenutzt und dünner geworden
sind.
Schmutzansätze auf den Trommeln, Rollen und in der Türe geben natürlich
leicht zu Kratzen Anlaß; deshalb ist Sauberhalten des Apparates durchaus
erforderlich, wenn dieser Fehler vermieden werden soll.
Man soll nicht unbeachtet lassen, daß beim Aufwickeln und Umspulen
leicht dadurch Kratzen entstehen können, daß der Film über den Tisch
oder sonst einen Gegenstand schleift. Es ist ferner Brauch, den Film
fest aufzuspulen, indem man die Hand auf die Rolle legt und damit eine
Bremsung ausübt. Was wird nun geschehen, wenn sich Schmutzteilchen auf
dem Film befinden? Sie werden ohne Zweifel festgepreßt oder gar in den
Film hineingequetscht; denn der Druck, den die eine Lage auf die andere
ausübt, ist ein ganz gewaltiger. Daß dadurch Beschädigungen entstehen
können, dürfte leicht erklärlich sein. Aus diesem Grunde sollte man die
Rollen nicht zu fest aufspulen und nicht versäumen, das Band zu
reinigen, indem man es leicht durch ein Leder oder einen Benzinlappen
laufen läßt; ein nachher darumgelegtes Gummiband hält die Rolle
zusammen. Der Lappen muß sauber sein, denn körniger Schmutz darin wird
den Film verkratzen.
Kratzen auf der Schichtseite des Film machen sich im Lichtbilde durch
weiße Längsstreifen unangenehm bemerkbar; solche auf der Zelluloidseite
kommen weniger stark zur Geltung.
_Ansammeln von Staub auf dem Filmband._ Solches wird dadurch befördert,
daß man den Film, um ihn zu reinigen, durch ein Leder laufen läßt; das
Filmmaterial wird dadurch elektrisch gemacht und zieht infolgedessen
Staub an. Es empfiehlt sich daher, mit dem Leder eine ganz geringe
Reibung auszuüben. Besonders haftet aber Staub auf dem Film, wenn dieser
durch Öl verschmiert wird, wie es infolge zu starker Schmierung und
unsauberer Haltung des Apparates häufig vorkommt.
_Abspringen der Schicht._ Dieser Fehler zeigt sich meist nur bei alten
und abgenutzten Films, und namentlich dann, wenn sie schlecht behandelt
worden sind. Beobachtet man das Abspringen der Schicht bei neuem Film,
so wird die Ursache im Film selbst liegen; die Emulsion haftet nicht
genügend auf der Zelluloid-Unterlage. Man sucht diese fehlerhaften
Stellen auf und schneidet sie heraus.
_Spröde und Brüchigwerden der Films._ Dies ist eine Folge schlechter
Behandlung und tritt insbesondere ein, wenn der Film in einem trockenen
und warmen Raume aufbewahrt wird. Wie man verfährt, um das Material
geschmeidig zu halten, ist in dem Abschnitt über Behandlung des
Filmbandes ausgeführt.
_Fehlerhafte Erscheinungen bei endlosen Films._ Schlechtes
Transportieren kann hier hervorgerufen werden durch Knicke oder Falten
im Film, die man vorher in der oben beschriebenen Weise entfernen muß.
Wenn der Film zerreißt oder die Perforation einreißt, so mag daran zu
strammes Spannen schuld sein. Es ist zu beachten, daß die Perforation
der endlosen Films häufig von der normalen Perforation etwas abweicht
und nicht genau auf die Transporttrommel paßt. In solchen Fällen muß die
Zahntrommel gegen eine andere ausgewechselt oder passend gemacht werden,
da sonst der Film, sei es bald oder auf die Dauer, leidet. Zu Kratzen
wird bei endlosen Films leicht dadurch Anlaß gegeben, daß man sie
schlecht einspannt und über irgend einen Apparatteil schleifen läßt.
_Entzündung des Filmbandes._ Die Ursachen hierfür sind in dem Abschnitt
über Feuersgefahr eingehend behandelt.
Die Herstellung kinematographischer Aufnahmen.
Der Aufnahme-Apparat.
Zur Herstellung kinematographischer Aufnahmen dient ein photographischer
Apparat, der mit einer Film-Transportvorrichtung versehen ist. Der
unbelichtete Film wickelt sich von einer Spule ab und wird nach der
Belichtung aufgerollt. Transport-Mechanismus und Filmspulen sind
lichtdicht in der Kamera untergebracht; in der Vorderwand derselben
befindet sich das Objektiv und hinter letzterem bewegt sich die
Verschlußblende. Die Weiterbewegung des Filmbandes geht ruckweise vor
sich; während jeden Stillstandes gibt die Blende das Objektiv frei und
es findet eine Belichtung statt.
Es liegt nahe, einen und denselben Bewegungs-Mechanismus für Aufnahme
und Projektion zu verwenden, und dies geschieht auch zuweilen. Eine
solche Kombination ist für die Zwecke des Amateur-Photographen im
allgemeinen wohl dienlich; wenn aber, wie für berufsmäßige Arbeiten,
eine hohe Leistung verlangt wird, so sind getrennte Apparate, die beide
für ihre besondere Aufgabe ausgebildet sind, unbedingt vorzuziehen.
Worauf kommt es nun beim Aufnahme-Apparat an? -- Der Mechanismus soll
das Band ruckweise derart vorwärts bewegen, daß bei ruhigem Drehen 15
bis 20 Bilder in der Sekunde hergestellt werden. Dabei muß der Transport
ein absolut exakter sein; denn wird der Film einmal um »eine Idee« zu
wenig und das nächste Mal zu weit vorwärtsgezogen, so muß diese
Ungenauigkeit bei der Projektion unbedingt ein Vibrieren des Lichtbildes
zur Folge haben. Das Abrollen und selbsttätige Aufwickeln des Bandes
soll glatt und ohne Störung von statten gehen; ferner soll der Film auf
dem ganzen Wege keinerlei Beschädigung ausgesetzt sein. Wichtig ist es
schließlich, daß sich der Apparat den Aufnahmeverhältnissen,
insbesondere der wechselnden Beleuchtung und der Geschwindigkeit des
Objektes in möglichst weiten Grenzen anpassen läßt.
Ein Punkt ist von großem Belang: es braucht keine Rücksicht auf das
Flimmern genommen zu werden. Daher gilt es hier keineswegs, wie beim
Wiedergabe-Apparat, das »Tempo« möglichst rasch zu gestalten, d. h. die
Zeit der Weiterbewegung im Verhältnis zur Ruhepause möglichst kurz zu
machen; man kann den Transport vielmehr »ohne Überstürzung« vor sich
gehen lassen und gewinnt dadurch den Vorteil, daß der Mechanismus mit
größerer Ruhe und Sicherheit arbeitet. Der Aufnahme-Apparat hat es
außerdem nur mit funkelnagelneuen Films zu tun; es wird nicht von ihm
verlangt, daß er auch abgenutzte und womöglich zum Teil eingerissene
Filmbänder transportiert.
Kinematographische Aufnahmen lassen sich nur bei guter Beleuchtung
herstellen, da ja die Einzelbelichtungen äußerst schnell erfolgen. Damit
man nun aber nicht bloß auf kräftigen Sonnenschein angewiesen ist, muß
der Apparat mit einem sehr lichtstarken Objektiv versehen werden, das
möglichst weiten Spielraum bietet. Außerdem wird scharfe Auszeichnung
auch bei voller Öffnung verlangt. Die zur Projektion meist verwandten
Instrumente Petzvalscher Konstruktion reichen hier, wenn es sich um gute
Leistungen handelt, nicht aus; es sind dazu anastigmatisch korrigierte
Objektive erforderlich.
Wenn so die Anpassung an die Lichtverhältnisse durch Verwendung eines
geeigneten Objektives geschieht, so fällt der Verschlußblende die
Aufgabe zu, sich der Geschwindigkeit des aufzunehmenden Gegenstandes
anzuschmiegen. In erster Linie hat die Blende den Wechselvorgang des
Filmbandes völlig zu verdecken; sie muß dazu völlig undurchsichtig
sein, und man läßt sie in der Regel in Flügelform hinter dem Objektiv
rotieren, derart, daß kein »falsches Licht« auf den Film gelangen kann.
Eine gewöhnliche Flügelblende würde nun, vorausgesetzt, daß man stets
dieselbe Anzahl Bilder in der Sekunde aufnimmt, immer gleiche
Belichtungen geben, z. B. von 1/30 bis 1/40 Sekunde. Eine solche
Exposition wird aber für sehr rasch bewegte Gegenstände nicht kurz genug
sein, um diese scharf wiederzugeben. Der Amateurphotograph, welcher
springende Pferde, vorbeisausende Automobile und dergl. photographiert
hat, weiß das. Aus diesem Grunde muß sich die Verschlußöffnung
entsprechend verkleinern lassen; man fertigt dazu die Blende in der
Regel aus zwei Segmentteilen, die gegeneinander verstellbar sind.
Zur Vervollständigung der Kamera gehört insbesondere ein Sucher, welcher
die Aufnahmeszene zeigt. Namentlich für rasches Arbeiten ist es gut,
wenn der Sucher nicht zu klein ist. Die für Berufsleute bestimmten
Apparate haben noch verschiedene Einrichtungen, wie ein Zählwerk,
welches angibt, wieviel Meter Film belichtet sind, und eine
Markiervorrichtung zur Bezeichnung der Stelle, wo die Aufnahme zu Ende
ist. Die Films werden in der Regel mit Hilfe von Kassetten eingesetzt,
die nach erfolgter Aufnahme bei Tageslicht ausgewechselt werden können.
Bei den Aufnahmeapparaten wird zur Vorwärtsbewegung meist der Greifer
oder auch das Malteserkreuz benutzt, seltener der Schläger. Das
Greifersystem, welches für das Werk des Vorführungsapparates weniger
beliebt ist, muß hier als besonders geeignet bezeichnet werden. Gut
ausgeführt, garantiert es einen genauen Transport des Filmbandes um
jeweils dieselbe Strecke. Der Vorschub des Filmbandes von der Spule zur
Belichtungsstelle und der Transport von dort zur Aufwickelspule
geschieht zuweilen mit Hilfe einer einzigen Trommel, wie es die
Abbildung Fig. 115 zeigt. Der Film läuft zuerst oben über die Trommel
und wird nachher von dem unteren Teil derselben transportiert. Zwischen
Trommel und Türe muß das Band sowohl oben wie unten eine hinreichend
große Schlaufe bilden.
Die in Fig. 115 dargestellte Kamera, die einfacherer Art ist, faßt
Filmrollen bis zu etwa 35 Meter Länge, welche mittels Kassetten bei
Tageslicht eingesetzt und ausgewechselt werden können. Der ruckweise
Transport des Bandes geschieht durch einen Greifer. Als Objektiv ist ein
festeingestelltes Collinear f:6,3 vorgesehen. Um einen Anhalt bezüglich
Abmessungen und Gewicht eines solchen Apparates zu bieten, sei
mitgeteilt, daß dieses Modell 23-1/2 × 12 × 23-1/2 cm groß ist und etwa
2-1/2 kg wiegt.
[Illustration: Fig. 115.]
[Illustration: Fig. 116.]
Die für größere Filmrollen bis zu 50 oder bis zu 100 und mehr Meter
Länge verwendbaren Apparate, wie ein solcher in Fig. 116-118 abgebildet
ist, werden in der Regel mit den oben erwähnten Einrichtungen versehen,
die für den Fachmann eine große Annehmlichkeit bilden. So hat dieses
Modell ein Zählwerk zur Feststellung der Länge des belichteten Film
sowie eine Markiervorrichtung, welche die Schlußstelle der einzelnen
Aufnahmen kennzeichnet; ferner ist ein Geschwindigkeits-Anzeiger daran
angebracht, an welchem der Photograph kontrollieren kann, ob er die
Kurbel mit der richtigen Schnelligkeit dreht. Außer einem Sucher besitzt
der Apparat noch eine Vorrichtung zur Kontrollierung der Bildschärfe;
man kann nämlich von rückwärts her durch eine Art Kanal, der mitten
durch die Kamera läuft, vor der Aufnahme die scharfe Einstellung des
Objektivs prüfen, wozu man in die Türe ein Stück matten Zelluloids oder
Pauspapier einsetzt, worauf das Bild sichtbar wird. Dieser durch den
Apparat laufende Einstellkanal (vgl. Fig. 117) hat vorne ein
verschiebbares Teil, das sich, wenn die Türe zum Einlegen des Filmbandes
geöffnet werden muß, nach rückwärts schieben läßt; nach erfolgtem
Einspannen wird er wieder dicht gegen die Türe angeschoben. Das an der
Rückseite des Apparates austretende Ende des Rohres läßt sich zum
bequemeren Anbringen des Auges ein Stück herausziehen. Zum Verschluß
dieser Rohröffnung dient eine Büchse, die während der Aufnahme
aufgesteckt sein muß, weil sonst der Film von rückwärts Licht empfängt
und die Bilder dadurch verschleiert werden.
[Illustration: Fig. 117.]
Der erwählte Linsensucher ist in die Vorderwand des Apparates
eingesetzt, während gegenüber in der Rückwand eine Schauöffnung
angebracht ist, welche gestattet, von rückwärts her durch die Kamera
hindurch das Sucherbild zu betrachten und es während der Aufnahme bequem
im Auge zu halten. Für den Vorschub des Filmbandes von der Kassette zur
Türe und für den Transport desselben von der Türe zur unteren Kassette
sind, wie die Fig. 117 zeigt, zwei getrennte Zahntrommeln vorgesehen.
Die Verschlußblende, in der Abbildung nicht ersichtlich, besteht aus
zwei gegeneinander verschiebbaren Scheiben, die eine Verstellung der
Verschlußöffnung innerhalb weiter Grenzen gestatten.
Die Kurbel (Fig. 118) läßt sich bei diesem Apparat an drei Stellen
ansetzen: die erste Stellung gibt 8 Belichtungen auf eine Umdrehung, so
daß man bei zwei Umdrehungen in der Sekunde, die sich bequem ausführen
lassen, die normale Zahl von 16 Bildern erhält. Die zweite Stellung gibt
4 Bilder auf eine Umdrehung und die dritte 1 Bild auf jede Umdrehung.
Diese letztere Stellung kommt zur Anwendung in solchen Fällen, wo die
einzelnen Belichtungen in gewissen Zeitabständen erfolgen müssen, wie
z. B. bei der Aufnahme einer wachsenden Pflanze.
[Illustration: Fig. 118.]
Die Objektive, welche zu kinematographischen Aufnahmen benutzt werden,
haben in der Regel eine Brennweite von 75 mm. Kürzere oder längere
Brennweiten braucht man zu speziellen Zwecken. Objektive von sehr kurzer
Brennweite sind möglichst zu vermeiden, da diese ein nahes Herangehen an
die Szene bedingen und infolgedessen bei solchen Weitwinkelaufnahmen
häßliche perspektivische Uebertreibungen entstehen: die in der Nähe
befindlichen Personen werden unnatürlich groß und weiter entfernte zu
klein.
Die Verwendung lichtstarker anastigmatischer Objektive ist unbedingt
anzuraten, und zwar nimmt man am besten ein derartiges Instrument mit
einem recht großen Öffnungsverhältnis von beispielsweise F:5,4, F:4,5
oder F:3,5, damit man in der Lage ist, auch bei einer verhältnismäßig
weniger günstigen Beleuchtung noch erfolgreich zu arbeiten. Wer für alle
Fälle gerüstet sein will, versieht sich mit mehreren Objektiven
verschiedener Brennweite.
[Illustration: Fig. 119.]
Es sei hier in Fig. 119 noch ein weiterer, auch zu fachmännischen
Arbeiten bestimmter Apparat vorgeführt, welcher dadurch charakteristisch
ist, daß die beiden Kassetten mit den Filmrollen außen an der Kamera
angebracht werden. Der Bewegungs-Mechanismus ist ebenfalls nach dem
Greifer-System gebaut, das zu Aufnahmeapparaten überhaupt bevorzugt
wird. Die Führung des Filmbandes vor und hinter der Türe geschieht wie
beim ersten Apparat mittels einer einzigen Trommel. Das Modell hat
Zählwerk und einen großen Sucher. -- Zu erwähnen ist noch eine
Konstruktion, bei welcher zwei Films gleichzeitig exponiert werden
können; die Verwendung eines solchen »Doppelapparates« wird nur in
speziellen Fällen, beispielsweise für sehr wertvolle Aufnahmen, in
Betracht kommen.
Man hat auch Miniaturapparate gebaut, bei denen Films von kleineren
Abmessungen zur Anwendung kommen und deren Transportmechanismus
gleichzeitig zur Projektion dient. Die Breite der Films ist hier
meistens 15 mm (gegenüber 35 mm Breite der normalen Films) und die
Perforation besteht aus einer einzigen Reihe schlitzförmiger Löcher, die
sich in der Mitte des Bandes auf der Trennungslinie der einzelnen
Bildchen befinden, wie es die beistehende Abbildung (Fig. 120) zeigt. Es
liegt auf der Hand, daß sich diese kleinen Films nicht für größere
Vorführungen eignen; solche Apparate sind vielmehr nur für die Zwecke
der Amateurphotographen und zu Darstellungen in kleineren Kreisen
bestimmt.
[Illustration: Fig. 120.]
Und da haben sie ihre Berechtigung. Denn das Arbeiten mit Films der
normalen Größe ist für Liebhaberzwecke doch eine recht kostspielige
Sache; die Miniatur-Kameras mit ihren kleineren Films machen das
Kinematographieren bedeutend billiger und ermöglichen dies Vergnügen
auch einem Amateur, der nicht gerade ein Krösus ist.
[Illustration: Fig. 121.]
Die beistehende Abbildung (Fig. 121) zeigt einen derartigen für kleine
Films bestimmten Apparat. Es sei bemerkt, daß bei diesen kleinen Kameras
der Mechanismus auch für die Projektion verwendbar gemacht wird.
Das Stativ.
Das Stativ des Aufnahme-Apparates muß, wie bereits erwähnt, besonders
kräftig und stabil gebaut sein, damit auch die geringsten
Erschütterungen vermieden werden. Für Draußenarbeiten benutzt man in der
Regel die zusammenlegbare 3 teilige Form, wie sie bei gewöhnlichen
photographischen Kameras üblich ist. In speziellen Fällen ist die
Verwendung eines massiven, niedrigen, ebenfalls dreibeinigen
Eisenstativs zweckmäßig.
[Illustration: Fig. 122.]
[Illustration: Fig. 123.]
Zuweilen kommt es vor, daß der Photograph mit der Kamera dem
Aufnahme-Objekt folgen muß. Um hier ein gleichmäßiges Nachfolgen zu
ermöglichen, hat man Stative mit drehbarer Kopfplatte konstruiert, welch
letztere sich durch eine Kurbel bewegen läßt (Fig. 123). Es ist
allerdings keine leichte Sache, die Kurbeln des Apparates und des
Stativs gleichzeitig zu drehen: wer das erfolgreich machen will, muß
eine ziemliche Übung haben. Sicherer ist es, den Apparat durch einen
Gehilfen drehen lassen und selbst die Kurbel am Stativkopf zu handhaben.
Die seitlichen Bewegungen während der Aufnahme dürfen nur ganz langsam
ausgeführt werden, da man bei rascher Verschiebung leicht unscharfe
Bilder bekommt.
Das hier abgebildete Stativ ist, wie die Fig. 122 zeigt, für den
Transport zusammenlegbar; die Kurbel kann man abnehmen und sowohl rechts
wie links aufsetzen. Zweckmäßig ist es, wenn sich die an der Kurbelachse
sitzende endlose Schraube durch einen Griff ausschalten läßt, sodaß man
in der Lage ist, die nunmehr freigegebene Platte mit der darauf
geschraubten Kamera rasch nach beiden Seiten zu drehen. Eine solche
Vorrichtung kommt namentlich in Fällen sehr zu statten, wo es gilt,
recht schleunigst einzustellen. Fig. 127 weiter unten zeigt das
aufgestellte Stativ mit aufgeschraubter Kamera.
Die folgende Abbildung (Fig. 124) stellt eine auf das Stativ schraubbare
Neigevorrichtung dar, die ebenfalls mittels Kurbel betrieben wird. Sie
gestattet, den Apparat in jede beliebige Neigung zu bringen und auch bei
hoher Aufstellung einem sich nähernden Objekt zu folgen.
[Illustration: Fig. 124.]
Aufnahme-Film, Perforier-Maschine und Messvorrichtung.
Über den Film selbst ist noch einiges zu sagen. Der Film besteht, wie
bereits früher erwähnt wurde, aus einem Zelluloidband; dieses ist zur
Benutzung im Aufnahme-Apparat mit einer lichtempfindlichen Schicht, die
aus einer Bromsilber-Gelatine-Emulsion besteht, überzogen. Die
Schichtseite ist matt und daher bei Dunkelkammerlicht leicht zu
erkennen; wenn man das Einbringen in die Kassette in einem völlig
dunkeln Raum vornimmt, prüfe man beide Seiten mit der angefeuchteten
Fingerspitze: die Zelluloidseite fühlt sich glatt an, während die
Schicht klebrig ist. Man kann den lichtempfindlichen Film fertig
perforiert im Handel bekommen. Wer aber sehr viel davon verarbeitet, für
den mag es sich unter Umständen lohnen, die Perforierung des Bandes
selbst auszuführen.
[Illustration: Fig. 125. Perforiermaschine.]
Die hierzu dienenden Perforiermaschinen arbeiten entweder
kontinuierlich, indem die Zähne einer Trommel, über welche der Film
läuft, als Stanzmesser ausgebildet sind, oder intermittierend; bei
letzterer Anordnung werden durch eine Stanze beiderseitig immer ein,
zwei, vier oder noch mehr Löcher auf einmal ausgeschlagen, der Film dann
um ein entsprechendes Stück weiter geschoben, worauf wieder die Stanze
in Tätigkeit tritt usw. Die Abbildung Fig. 125 zeigt eine Maschine der
ersteren Art. Die Stanzmesser, welche aus gehärtetem Stahl gearbeitet
sind, müssen gut scharf gehalten werden. Die intermittierend
funktionierenden Stanzmaschinen arbeiten bedeutend exakter als die
rotierenden, und mit Rücksicht darauf, daß die Perforation so genau wie
möglich sein muß, werden jetzt wohl nur noch die ersteren zur Anwendung
gebracht.
Wer das Perforieren lichtempfindlicher Films ausübt, muß in Betracht
ziehen, daß durch starke Reibung des Bandes sowie durch rasches und
straffes Aufrollen elektrische Entladungen entstehen können,
insbesondere bei trockener Witterung. Es empfiehlt sich aus diesem
Grunde, die Arbeiten vorsichtig und in einem nicht zu trocknen Raume
vorzunehmen. Diese Entladungen machen sich erst beim Entwickeln
bemerkbar, und zwar durch Verästelungen in der Bildschicht.
[Illustration: Fig. 126. Zählwerk.]
Bei dieser Gelegenheit sei noch einer Vorrichtung gedacht, die für
denjenigen, welcher viel mit Films zu tun hat, keineswegs ein
Luxusgegenstand ist: der Meßmaschine. Sie besteht aus einem Zählwerk,
welches mit einer Zahntrommel in Verbindung steht und anzeigt, wieviel
Meter Film über die Trommel gelaufen sind. Ein solcher Zähler kann
zweckmäßigerweise an der Film-Umrollvorrichtung angebracht werden, wie
es Fig. 126 veranschaulicht; auch die Perforiermaschinen werden meist
damit versehen.
Ohne ein solches Zählwerk kann man die Länge des Film auch in folgender
Weise annähernd bestimmen. Man läßt den Film durch den Kinematograph
laufen und stellt fest, wie viele Bilder bei einer Umdrehung der Kurbel
transportiert werden; das sind häufig acht. Jedes Bildchen ist nun
ungefähr 19 mm hoch -- genau gehen 53 Bilder auf ein Meter, sodaß eine
Umdrehung der 8-Bilder-Trommel 15 cm (genau 15,1 cm) Film fortschafft.
Bei 100 Umdrehungen hat man also 15 Meter.
Die Handhabung des Aufnahme-Apparates.
Die Handhabung des Aufnahme-Apparates, insbesondere das Einsetzen des
Filmbandes, muß nach spezieller Anweisung geschehen, die sich nach der
Konstruktion der Kamera richtet. Ich kann mich daher im großen und
ganzen auf die Mitteilung dessen beschränken, was im allgemeinen beim
Arbeiten mit der kinematographischen Kamera zu beachten ist. Doch will
ich nicht versäumen, auch Einzelheiten anzuführen, die beim Gebrauch des
einen oder anderen Modells von Wichtigkeit sind.
Der Negativfilm wird in der Dunkelkammer bei »sicherem« rotem Licht in
die Kassette eingebracht, indem man ihn je nach der Art der Kassette
entweder direkt auf die Spule aufsetzt oder durch den Schlitz in
dieselbe einführt und darin aufrollt. Man muß dabei beachten, daß die
Schichtseite des Film nachher beim Einspannen in die Kamera dem Objektiv
zugekehrt sein soll; als Anhalt mag dienen, daß sich beim aufgerollten
Film, wie man ihn kauft, die Schichtseite nach innen befindet. Damit man
für das Einspannen durch den Mechanismus nichts vom Negativfilm zu
opfern braucht, tut man gut, vornean ein entsprechend langes Stück
Blankfilm oder gebrauchten Film anzukleben; dieses sollte so bemessen
sein, daß man dem Werk zur Prüfung noch einige Umdrehungen geben kann,
ehe der lichtempfindliche Film in die Türe gekommen ist. Ein Meter
genügt.
Die geladene Kassette, aus deren Schlitz das Ende des angeklebten
Filmstückes heraushängt, wird in der Dunkelkammer sorgsam geschlossen.
Das Einsetzen der Kassette in oder an die Kamera sowie das Einspannen
des Film geschieht dann bei Tageslicht. Man kann wie beim gewöhnlichen
photographischen Apparat mehrere Kassetten zum Auswechseln haben, die
man sämtlich in der Dunkelkammer ladet und mit auf die Tour nimmt; eine
Kassette muß man zum Aufrollen der belichteten Films leer halten.
Nachdem ein Film ganz exponiert ist, dient die dadurch leer gewordene
Kassette zum Aufrollen des zweiten Films usw. Das durch den Schlitz
heraushängende Filmende, das man, um es besser durchstecken zu können,
vorher mit der Schere an den Ecken abgeschrägt hat, knickt man ein
paarmal ein, damit es nicht in die Kassette zurückgleitet.
Beim Einspannen muß man, wie schon gesagt, darauf achten, daß die
Schichtseite des Film dem Objektiv zugekehrt ist. Man überzeuge sich
ferner zuvor, ob alle Metallteile, mit denen das Band in Berührung
kommt, blank und sauber sind, ob das Sammetstück, wenn sich ein solches
in der Türführung befindet, frei von Staub ist und keine herabhängenden
Fransen hat, und ob die Federn in der Türe sanft und gleichmäßig
aufdrücken. Unter keinen Umständen vergesse man den Film oberhalb und
unterhalb der Türe einen Bausch bilden zu lassen; doch mache man die
Schlaufe auch nicht zu groß, weil dann der Film Gefahr laufen kann,
gegen die Kamerawand zu stoßen.
Es wird dann die zweite leere Kassette in bezw. an die Kamera gesetzt,
und zwar derart, daß die Spule derselben von der Aufrollvorrichtung gut
mitgenommen wird. Durch den Schlitz führt man das Ende des Film ein und
befestigt es auf der Spule. Dazu wird der Film nicht einfach hinter die
Feder der Spule gesteckt, denn so würde er beim Anziehen nicht halten.
Vielmehr knickt man das Ende des Film zurück und klemmt das
zurückgeknickte Stück unter die Feder. Man muß nun noch der Kurbel eine
oder zwei Umdrehungen geben, um sich davon zu überzeugen, ob das Band
auch richtig und glatt transportiert wird, ob die Schlaufenbildung gut
ist und ob das Aufrollen ordnungsgemäß vonstatten geht. Es ist übrigens
auch darauf zu achten, daß die Kurbel an der richtigen Stelle eingesetzt
wird; die Kameras haben nämlich in der Regel zwei oder drei
Einsatzstellen, deren eine für Aufnahmen in größeren Zeitintervallen
dient, indem dabei jede volle Umdrehung nur ein einziges Bild belichtet.
Die Scharfeinstellung des Objektivs läßt sich dadurch kontrollieren, daß
man den Film aus der Türe zur Seite biegt und ein Stück mattes Zelluloid
oder Pauspapier einsetzt, das als Visierscheibe dient; darauf läßt sich
die Schärfe des Bildes gut beurteilen. Soll dies für eine zweite
Aufnahme auf dasselbe Filmband geschehen, so geht dabei natürlich das
freiliegende Stück Negativfilm verloren, da es beim Öffnen der Kamera
Licht empfängt. Den Negativfilm selbst kann man nur dann als Ersatz für
die Visierscheibe benutzen, wenn die Beleuchtung sehr kräftig ist; denn
bei schwächerem Licht erscheint das Bild nicht hell genug.
Bei Apparaten, welche einen quer durch die Kamera laufenden
Einstellkanal besitzen, darf man nicht vergessen, das viereckige
Rohrstück, das zum Öffnen der Türe zurückgeschoben wird, wieder
vorzuschieben, sodaß es vorne dicht aufsitzt, und ferner auf das offene
Rohrende in der Rückwand die Büchse aufzustecken. Wenn das nicht
geschieht, gelangt falsches Licht auf den Film und man bekommt
verschleierte Aufnahmen. Der Apparat selbst muß sorgsam geschlossen
werden. Den Zähler stellt man vor Beginn der Aufnahmen auf Null.
Macht man zwei oder mehrere Aufnahmen auf einen und denselben Film, so
bezeichne man das Ende jeder Aufnahme durch Einstiche mit einer Nadel;
manche Apparate sind dazu, wie bereits oben erwähnt, mit einer
Markiervorrichtung versehen. Die durchbrochenen Stellen sind auch im
Dunkeln durch Fühlen leicht zu finden; dort wird das Band
durchgeschnitten, damit man jede Aufnahme einzeln entwickeln kann.
Wie bei der Handkamera bedient man sich auch hier des Suchers, um den
Apparat gegen die aufzunehmende Szene zu richten. Bei der Handkamera ist
die Arbeit allerdings einfacher, indem die Aufnahme in einem Moment
gemacht ist, während sich beim Kinematograph die Reihenaufnahme
naturgemäß über eine gewisse Zeit hin erstreckt, innerhalb der man
ständig mit Hilfe des Suchers kontrollieren muß, ob die Szene auch auf
dem Bild bleibt. Nötigenfalls folgt man mit der Kamera nach. Wie aber
schon bei Besprechung des Stativs erwähnt wurde, dürfen Bewegungen des
Apparates während der Aufnahme, ob sie nun in seitlicher Richtung oder
nach oben oder unten geschehen, nur langsam vorgenommen werden, da
rasche Verschiebungen Unschärfe im Bilde herbeiführen. Es mag ferner
nochmals darauf hingewiesen werden, daß das gleichzeitige Arbeiten an
den Kurbeln des Apparates und des drehbaren Stativkopfes für eine
einzige Person eine Aufgabe ist, die viele Übung verlangt.
Der Anfänger tut gut, das Einsetzen und Durchdrehen des Filmbandes mit
einem Blankfilm oder gebrauchten Film einzuüben, bevor er daran geht,
ein unbelichtetes Band einzuspannen und Aufnahmen zu machen. Auch das
Einhalten eines gleichmäßigen Tempos beim Drehen will geübt sein; in der
Regel ist der Mechanismus so beschaffen, daß zwei Umdrehungen in der
Sekunde die richtige Geschwindigkeit geben. Am besten schraubt man bei
den Übungen den Apparat auf das Stativ und versucht gleichzeitig, wie
man die Kamera halten muß, um Vibrationen zu vermeiden; denn die
geringsten Erschütterungen bei der Aufnahme machen sich in der
Projektion durch Tanzen des Lichtbildes unangenehm bemerkbar. Es gehört
dazu vor allem ein kräftiges und stabil gebautes Stativ; der Apparat muß
fest darauf geschraubt sein und das Stativ sicher auf dem Boden stehen.
Man tut gut, mit der linken Hand fest auf den oberen Teil des Statives
zu drücken, während man mit der rechten Hand dreht. Dabei achte der
Photograph ja darauf, daß nicht durch einen Arm das Objektiv verdeckt
wird. Die Abbildung (Fig. 127) zeigt den Apparat auf Stativ, fertig zum
Gebrauch.
[Illustration: Fig. 127.]
Noch ein Punkt ist zu beachten. Anfänger neigen leicht dazu,
unregelmäßig zu drehen, derart, daß sie jedesmal im Augenblick, wo die
Kurbel am tiefsten steht, einen Moment stoppen. Diese unbeabsichtigten
Ruhepausen haben zur Folge, daß bei jeder Tiefstellung der Kurbel eine
längere Belichtung stattfindet, und wenn beispielsweise die Trommel bei
jeder Umdrehung 8 Bilder transportiert, so wird jedes achte Bild stärker
belichtet. Diese Bilder kommen im Negativfilm dunkler heraus als die
andern, und im Positivfilm, welcher danach kopiert wird, entsprechend
schwächer.
Eine Kontrolle der Blendscheibe auf ihre genaue Einstellung hin ist
unter keinen Umständen zu versäumen, und zwar sollte man eine solche
öfters vornehmen. Die Verschlußblende muß so arbeiten, daß sie das
Objektiv genau zu der Zeit verdeckt, während welcher der Film vorwärts
bewegt wird. Hat sich die Blende »versetzt« und gibt sie das Objektiv im
Moment der Weiterbewegung frei, um die Linse in der Ruhepause zu
verdecken, so wird auf den in Bewegung befindlichen Film belichtet,
wobei natürlich nichts anderes als ein verdorbener Film herauskommt. Ein
solcher Fehler ist um so verhängnisvoller, wenn es sich, wie das schon
vorgekommen ist, um eine wichtige Aufnahme handelt, die nicht
wiederholt werden kann.
Fehlresultate gibt es bei der Aufnahme zuweilen dadurch, daß die Linsen
des Objektives beschlagen sind. Die Bilder werden dann flau und
verschwommen; es fehlen Kraft und Details. Das Beschlagen geschieht hier
aus gleicher Ursache wie bei Brillengläsern und ist namentlich zu
befürchten bei warmem, dunstigem Wetter, wenn die Linsen kühler sind als
die Luft. Man muß den Niederschlag durch sanftes Abreiben entfernen.
Abgesehen hiervon ist auch ein regelmäßiges Reinigen der Linsen von
Staub erforderlich, was am besten mit einem feinen Pinsel geschieht.
Alles in allem: vor übereilter Benutzung des Apparates ist dringend zu
warnen; denn sie bringt Verdruß und kostet Films, und Films kosten Geld.
Das Werk muß gut instand gehalten werden; vor Gebrauch ist aller Staub
daraus zu entfernen. Namentlich die Sammetdichtungen der Kassetten
müssen mit einem Pinsel regelmäßig von Staub gereinigt werden;
ausgefranste Kanten sind durch Entfernung der Kanten wieder glatt zu
richten. Wenn nötig, ist der Sammet durch eine neue Einlage zu ersetzen.
Das gleiche gilt von dem Sammetstück, das man bei den Aufnahme-Apparaten
zuweilen in der Türführung findet. Alle Metallteile, mit denen der Film
in Berührung kommt, halte man durchaus sauber. Auch versäume man nicht,
die Lager von Zeit zu Zeit zu ölen, ohne aber dabei den Mechanismus zu
verschmieren. Der Spiralzug, der die Aufrollvorrichtung bedient, darf
nicht geölt werden.
Der Photograph tut ferner gut, eine Werkzeugtasche mit sich zu führen,
um in unvorhergesehenen Fällen gerüstet zu sein; er sollte bei sich
haben Flachzange, Schraubenzieher, Hammer, Bohrer, diverse Reibahlen,
Feilen und Schrauben, Ölkännchen, Bürste und Pinsel, ferner einige
Ersatzteile, wie Spiralzug, Sammeteinsätze für die Kassetten u. dergl.
Die Aufnahme.
Wenn die Handgriffe gut einstudiert sind und klappen, kann man zur
Herstellung von Aufnahmen schreiten. Aber auch hier heißt es: Halt --
keine Überstürzung! Es ist hier mancherlei zu bedenken, mancherlei zu
beachten, wenn die Aufnahme zufriedenstellend ausfallen soll.
In erster Linie arbeite man nur bei gutem Licht; Aufnahmen bei
schlechter Beleuchtung bringen nur Verlust an Film und Verdrießlichkeit.
Wie weit man da gehen darf, unter welchen Umständen die Aufnahme Erfolg
verspricht, und wann keine Aussicht mehr auf gut exponierte Bilder
besteht, das hängt nicht nur von der Stärke der Beleuchtung ab, sondern
auch von den zu photographierenden Gegenständen und von der Lichtstärke
des Objektives. Die praktische Erfahrung gibt da den besten Fingerzeig.
Man beachte, daß an der See das Licht infolge des Reflexes im Wasser
ungleich heller ist als im Binnenlande. Der Anfänger tut gut, mit
Aufnahmen bei möglichst günstigem Licht zu beginnen.
Aufnahmen gegen die Sonne sind zu vermeiden; auch ist es als
unvorteilhaft anzusehen, wenn die Sonne direkt im Rücken des
Photographen steht. Man richte es wenn möglich so ein, daß der
Gegenstand oder die Szene schräg von vorne beschienen wird.
Nun kommt die Geschwindigkeit des Objektes! Ein vorbeisausendes
Automobil muß beispielsweise wesentlich kürzer belichtet werden, als
eine Prozession. Um die kürzere Exposition zu erzielen, wird die
Verschlußöffnung entsprechend kleiner gestellt. Man kann auch durch
rascheres Drehen kürzere Belichtungen herbeiführen; aber es ist zu
berücksichtigen, daß dann der Film schneller zu Ende ist und daß er auch
bei der Projektion rascher durchgedreht werden muß, um ein lebenswahres
Bild zu geben. Man wird daher die normale Umdrehungszahl nach
Möglichkeit einhalten und nur im Notfalle zu größerer Geschwindigkeit,
etwa 18 bis 20 Bilder in der Sekunde, übergehen.
Bei Beurteilung der Geschwindigkeit ist noch folgendes zu
berücksichtigen. Es macht einen Unterschied, ob das sich bewegende
Objekt in der Nähe oder ob es in größerer Entfernung ist, ferner ob die
Bewegung in der Richtung zur Kamera vor sich geht oder quer zu ihr
stattfindet. Der Photograph muß die relative Geschwindigkeit des
Objektes taxieren; es kommt für ihn darauf an, wie rasch die Bewegung im
Bilde selbst verläuft, und darnach muß er die Verschlußblende
einstellen. Ein Automobil z. B., welches sich in sehr großer Entfernung
vom Apparate befindet, wird, auch wenn es mit großer Geschwindigkeit
fährt, sich im Bilde nur langsam verschieben, und diese Verschiebung
wird noch geringer sein, wenn die Bewegung in der Richtung zur Kamera
erfolgt.
Man könnte nun sagen: wenn die Verwendung einer größeren
Verschlußöffnung bei der Aufnahme rasch bewegter Objekte unscharfe
Bilder zu bringen droht, so wäre es am einfachsten, stets mit ganz
kleiner Verschlußöffnung zu arbeiten. -- Allerdings würden dann Fehler
in dieser Hinsicht ausgeschlossen, aber man legte sich damit in anderer
Richtung eine große Beschränkung auf. Man muß nämlich bedenken, daß die
rasche Belichtung entsprechend kräftige Beleuchtung bedingt: das
immerwährende Arbeiten mit kleiner Verschlußöffnung würde daher das
Photographieren bei weniger gutem Lichte völlig ausschließen. Solange
man mit schöner Beleuchtung und langsam bewegter Szene zu tun hat, gibt
es keine Schwierigkeiten; solche treten erst auf, wenn es gilt, bei
weniger günstigem Licht Objekte in relativ schneller Bewegung
aufzunehmen. Da heißt es, die Verschlußöffnung hinreichend klein
stellen, damit der Gegenstand scharf wird, aber andererseits sie nicht
so klein machen, daß zu viel Licht abgeschnitten und die Bilder
unterbelichtet werden.
Die Belichtungszeit, die man bei dieser oder jener Verschlußöffnung
erhält, läßt sich leicht berechnen. Wenn die Öffnung z. B. ein Viertel
des Kreises einnimmt und wenn man ferner die Kurbel mit normaler
Geschwindigkeit dreht -- 16 Bilder auf die Sekunde -- so beträgt die
Belichtung jedes Bildes 1/4 × 1/16 = 1/64 Sekunde; macht die
Verschlußöffnung 1/8 Kreis aus, so bekommen wir Belichtungen von 1/128
Sekunde. Zweckmäßig wird dazu die Verschlußscheibe mit einer Teilung
versehen, welche die Größe der Öffnung in Bruchteilen einer Kreisfläche
angibt.
Aber noch einen Punkt hat der Photograph in Betracht zu ziehen. Das
Objektiv ist mit einer Abblendevorrichtung versehen, welche dazu dient,
bei Aufnahmen mit großer »Tiefe« dem Bilde in allen Teilen die
erforderliche Schärfe zu geben. Das Objektiv gibt wohl Gegenstände, die
sich in verschieden weitem Abstand vom Apparat befinden, gleichzeitig
scharf wieder, aber nur innerhalb gewisser Grenzen; hat man sehr nahen
Vordergrund und gleichzeitig Ferne auf dem Bild, so muß man in der Regel
»abblenden«, um beides scharf zu bekommen; dies ist namentlich dann
erforderlich, wenn das Objektiv eine große »Öffnung« hat und sehr
lichtstark ist. Abblenden bedeutet aber gleichzeitig: Licht abschneiden;
also muß man auch in dieser Hinsicht vorsichtig zu Werke gehen.
Das Abblenden steht in direkter Beziehung zur Einstellung des
Objektives. Kameras mit weniger lichtstarken Objektiven haben vielfach
eine feste Einstellung. Sonst ist eine Vorrichtung mit Zahntrieb oder
Archimedestrieb vorhanden, welche mit Hilfe einer Skala gestattet, die
Linse auf eine bestimmte Entfernung scharf einzustellen. Bei manchen
Apparaten kann man die Scharfeinstellung durch Beobachtung des Bildes
auf einem eingesetzten Stück matten Zelluloid oder Pauspapier
kontrollieren. Auf welche Entfernung muß das Objektiv nun aber
eingestellt werden, wenn man beispielsweise sehr nahen Vordergrund und
Ferne gleichzeitig auf das Bild bekommt? -- Da ist durch Berechnung
herausgefunden worden, daß man sich am besten steht bei einer
Einstellung auf die doppelte Entfernung des nächsten Gegenstandes. Wenn
dieser also z. B. 3 Meter weit entfernt ist, sollte man das Objektiv auf
6 Meter einstellen. Bei solcher Einstellung kann man nämlich mit
möglichst großer Öffnung und mithin bester Lichtausnutzung arbeiten;
stellt man näher oder weiter ein, so muß man stets stärker abblenden und
verliert damit Licht. Würde man in obigem Falle z. B. auf die Ferne
einstellen, so ergibt es sich, daß dann eine doppelt so starke
Abblendung erforderlich wäre, um die gleiche Schärfe in allen Teilen des
Bildes zu erzielen, und verdoppelte Abblendung bedeutet viermal weniger
Licht. Die Entfernung des Vordergrundes wird man bei einiger Übung mit
hinreichender Genauigkeit schätzen.
Wenn nun der Photograph alle diese Punkte beobachtet, wird er dann und
wann »in die Brüche geraten«; er wird sich sagen: »Unter diesen
Verhältnissen bekomme ich eine unterbelichtete Aufnahme; entweder muß
ich die Verschlußöffnung oder aber die Objektivblende größer machen, um
mehr Licht auf den Film zu bekommen«. -- Im ersten Falle ist zu
befürchten, daß das bewegte Objekt unscharf wird, im zweiten Falle wird
ein Teil der unbewegten Szenerie mehr oder minder verschwommen. Welches
von den beiden Übeln ist nun das geringere? Der Erfahrung nach das
erstere; das Auge ist sehr empfindlich für unscharfe Wiedergabe des
»feststehenden« Bildteiles, dagegen sieht es über Unschärfe bei einem
sich rasch bewegenden Gegenstande eher hinweg. Allgemein gültige Regeln
lassen sich hier natürlich nicht aufstellen; wenn das in Bewegung
befindliche Objekt z. B. besondere Aufmerksamkeit verdient, so wird man
gewiß auf eine scharfe Wiedergabe desselben nicht verzichten. Die
Sachlage muß von Fall zu Fall beurteilt werden.
Kinematographische Aufnahmen werden dadurch komplizierter, daß leicht
etwas Unvorhergesehenes eintreten kann. Bei einer Straßenszene mag z. B.
plötzlich ein Automobil mit größter Geschwindigkeit heransausen, worauf
der Verschluß nicht eingestellt ist, oder es mag ein Neugieriger bis
dicht vor die Kamera laufen, wobei er dann durch seine unscharf und
übergroß wiedergegebenen Gliedmaßen das Bild verunstaltet. Die Aufnahme
einer Prozession oder eines festlichen Aufzuges mag dadurch verdorben
werden, daß sich einer aus der drängenden Menge direkt vor den Apparat
schiebt und nun seinen Buckel photographieren läßt; bei einer Regatta
kann man das Unglück haben, daß im schönsten Augenblick ein Dampfer
dazwischen fährt und die Aussicht versperrt. Die Films sind kostspielig
und jede mißlungene Aufnahme bedeutet daher einen unangenehmen Verlust.
Daher ist besondere Mühe für die Vorbereitung, wie Wahl eines geeigneten
Standpunktes, wohl angebracht. Bei Straßen-Aufnahmen tut der Photograph
gut, einige Freunde oder Gehilfen zum Freihalten der »Schußlinie«
mitzunehmen, welche die Passanten bitten, nicht gerade mit der Nase
gegen den Apparat zu rennen; natürlich darf keiner von diesen Freunden
auf das Bild kommen. Wenn möglich, richte man es so ein, daß die Figuren
etc. nicht näher als einige Meter an die Kamera heran kommen.
Einstudierte Szenen bieten, wenn sie programmäßig sich abwickeln, bei
der Aufnahme am wenigsten Schwierigkeiten, dagegen schaffen sie vorher
viel Mühe und Arbeit. Die Bedingung für guten Erfolg ist hierbei: gut
geschultes Personal, ein technisch und künstlerisch tüchtiger Regisseur
und nicht zuletzt gute Ideen. Besonders beliebt sind Darstellungen
humoristischer Art, aber auch Trauergeschichten und Dramen bieten
vielfach dankbaren Stoff. Was sich da erreichen läßt, das zeigen zur
Genüge die Vorführungen in den zahlreichen Kinematograph-Theatern, wo
man manch geschmackvolles, leider aber auch viele geschmacklose Stücke
zu sehen bekommt.
In den Aufnahme-Ateliers braucht man zur Unterstützung des Tageslichtes
eine mehr oder minder große Zahl von Bogenlampen; wegen ihrer
aktinischen Wirkung sind Quecksilberbogenlampen besonders geeignet.
Aufnahme-Vorrichtungen für besondere Zwecke.
Mancherlei Aufnahmen, insbesondere die gesamten Trickaufnahmen,
verlangen besondere Vorrichtungen. Da gibt es z. B. ein Bild, worin ein
Mann die Wände hinaufkriecht und an der Decke hinläuft. Hierzu werden
auf den Boden des Ateliers abwechselnd Dekorationen gelegt, welche die
Seitenwände und die Decke eines Zimmers darstellen; der Mann kriecht
oder läuft darüber und wird vermittels des Apparates, der hoch über ihm
montiert ist, von oben her photographiert. Viele Effekte werden durch
Unterbrechung der Aufnahme erzielt. Wenn es z. B. gilt, eine Person zu
verwandeln, so schließt der Photograph im festgesetzten Moment das
Objektiv und hört auf zu kurbeln. Nun wird die Person durch eine andere
ersetzt, die natürlich dieselbe Stellung einnehmen muß; der Photograph
öffnet wieder das Objektiv und kurbelt weiter. In gleicher Weise macht
man die Aufnahmen von Gegenständen, die selbsttätig sich bewegen; von
Werkzeugen, die ohne Zutun arbeiten, von Streichhölzern, die aus der
Dose wandern und sich zu Figuren gruppieren, von einem Tonklumpen, der
sich zu einer Büste formt. Hierzu wird jedes Bildchen für sich belichtet
und nach jeder Belichtung wird eine Pause gemacht, in der man den
betreffenden Gegenstand entsprechend weiter rückt oder verändert. Das
ist eine langwierige Arbeit; sie wird erleichtert durch eine elektrische
Auslösung, mittels welcher man den Apparat zu jeder Belichtung durch
einfachen Druck auf einen Kontaktknopf in Tätigkeit setzen kann.
Schwieriger ist es, Personen allmählich, gewissermaßen aus dem Nebel,
erscheinen oder verschwinden zu lassen. Dazu muß das Objektiv mit einer
Irisblende versehen sein und der Apparat muß eine Rücklaufvorrichtung
besitzen, derart, daß beim Linksdrehen der Kurbel der Film zurückläuft.
Der Photograph verfährt folgendermaßen. Wenn die Szene so weit
fortgeschritten ist, daß die Figur in Erscheinung treten soll, so
beginnt er die Irisblende allmählich zu schließen. Die Bilder empfangen
der Reihe nach immer weniger Licht und werden schwächer und schwächer,
bis das Objektiv ganz geschlossen ist und die Aufnahme unterbrochen
wird. Die Figur, welche erscheinen soll, tritt nun an ihren Platz.
Inzwischen dreht der Photograph die Kurbel rückwärts und läßt den Film
bis zu jenem Punkt zurücklaufen, wo er anfing, die Blende zu schließen.
Alsdann öffnet er wieder das Objektiv, kurbelt vorwärts und stellt dabei
allmählich die anfangs geschlossene Irisblende offen, wodurch die
Beleuchtung nach und nach zunimmt. Das betreffende Filmstück wird mithin
zweimal übereinander belichtet, und zwar werden sich die Belichtungen,
wenn der Photograph mit der Irisblende richtig verfährt, in jedem
einzelnen Bilde zu einer richtigen Exposition ergänzen. Die Figur aber,
die nur einmal dabei aufgenommen wurde, und zwar anfangs mit kleiner und
dann mit größer werdender Irisblende, wird in der Reihenfolge der Bilder
ganz allmählich immer kräftiger werdend in Erscheinung treten.
Bei wissenschaftlichen Aufnahmen hat man ebenfalls Einzelbelichtungen
anzuwenden, wenn es gilt, Bewegungen, die in der Natur sehr langsam
erfolgen, wie z. B. das Wachsen der Pflanzen, in beschleunigtem Masse
wiederzugeben. Je nach dem Zeitumfange, den der Verlauf der Bewegung
einnimmt, und der Zahl der anzufertigenden Bilder, macht man alle
Minuten, Stunden oder Tage eine Aufnahme. Apparat und Objekt müssen
dabei an Ort und Stelle bleiben und es muß für gleichbleibende
Beleuchtung gesorgt werden. Die Exposition kann durch ein Weckerwerk,
welches auf die oben erwähnte elektrische Auslösung arbeitet,
automatisch erfolgen; wenn die Zeitabstände groß sind und die Lampe
nicht ständig brennen soll, so mag das Werk gleichzeitig dazu dienen,
die Lampe zu jeder Belichtung ein- und auszuschalten.
Die Ausführung mikroskopischer Aufnahmen mit Hilfe des Kinematographen
erfordert zunächst Kenntnisse und praktische Erfahrung in der
mikrophotographischen Technik. Das Mikroskop wird, wie sonst an die
Kamera, so hier an den kinematographischen Aufnahmeapparat montiert, der
je nach der Anordnung eine horizontale oder vertikale Stellung erhält.
Schwierigkeiten bietet besonders die genügend kräftige Beleuchtung des
lebenden Präparates, das unter der Hitze der Strahlen nicht leiden darf:
während man sonst nach Sekunden oder Minuten belichtet, müssen hier
innerhalb einer Sekunde durchschnittlich 16 Aufnahmen gemacht werden.
Die Verschlußscheibe, welche normalerweise zwischen Objektiv und Film
läuft, ordnet man nach dem Vorgange von Marey zweckmäßigerweise zwischen
Lichtquelle bezw. Kondensierungslinse und Präparat an. Während der Film
sich weiterbewegt und die Blendscheibe wirkt, wird alsdann das Licht
nicht nur vom Apparat, sondern auch vom Präparat abgesperrt, sodaß
letzteres einer weniger starken Erhitzung ausgesetzt ist.
Die kinematographische Aufnahme sehr rascher Bewegungen, die eine
wesentlich größere Zahl von Bildern -- bis zu mehreren Tausend in der
Sekunde, wie insbesondere bei fliegenden Geschossen -- erfordern, läßt
sich mit dem hier beschriebenen Apparat nicht ausführen. Man verwendet
dazu Vorrichtungen mit kontinuierlich laufendem Filmband. Bei dem von
Geheimrat Cranz konstruierten Apparat bewegt sich der Film mit einer
Geschwindigkeit von 90 m in der Sekunde und es können 5000 Aufnahmen in
der Sekunde gemacht werden. Die Belichtungen erfolgen mit Hilfe eines
elektrischen Funkens.
Gänzlich anderer Art sind wiederum die Einrichtungen zur Herstellung
kinematographischer Röntgenaufnahmen. Hier hat man in der Regel mit
einem viel größeren Bildformat zu rechnen. Der Apparat von Dr.
Rosenthal arbeitet mit Filmblättern, die einzeln in Kassetten sitzen und
die dann durch einen Wechselmechanismus, ähnlich wie bei den
Magazin-Handkameras, eines nach dem andern an die Belichtungsstelle
gebracht werden. Die noch unbelichteten und bereits belichteten Films
werden durch Bleiplatten gegen die Wirkung der Röntgenstrahlen
geschützt. Die Zahl der Aufnahmen ist hier naturgemäß eine
beschränktere; bei einer wohlgelungenen Serie, welche die Tätigkeit des
Magens zeigt, wurden 12 Belichtungen innerhalb 20 Sekunden gemacht.
Hilfsmittel zur Entwicklung der Films.
Die Aufgabe, ein Filmband von vielen Metern Länge in einem Stück zu
entwickeln, mag auf den ersten Blick selbst dem geübten Photographen
beängstigend schwierig erscheinen. Es ist aber gar nicht so schlimm
damit: man muß nur wissen, wie es gemacht wird. Vor allem gehört dazu
eine Vorrichtung, auf welche der Film spiralenförmig aufgewickelt wird.
Ohne jedes Hilfsmittel das lange Band in den Entwickler zu bringen, ist
allerdings ein mehr oder minder gewagtes Beginnen.
[Illustration: Fig. 128.]
Es sind verschiedenerlei Einrichtungen im Gebrauch. Vielfach benutzt man
eine Trommel, worauf der Film spiralförmig gewickelt wird. Die erste
Abbildung (Fig. 128) zeigt einen einfachen, aus lackiertem Holz
gefertigten Zylinder, der mittels einer durchgehenden Achse beiderseitig
von aufrecht stehenden Armen getragen wird; eine Kurbel dient dazu, ihn
zu drehen. Die Trommel braucht nicht ganz geschlossen sein; man kann sie
auch aus einzelnen Speichen zusammensetzen, doch bringe man die
letzteren nicht zu nahe zusammen, damit das Innere sich gut reinigen
läßt; denn die Möglichkeit einer gründlichen Reinigung ist sehr wichtig.
Die Trommel taucht mit ihrem unteren Teile in einen Trog, der mit
Entwickler gefüllt wird; es dient dazu eine mit Metall (am besten Blei)
ausgeschlagene Holzwanne, die man möglichst klein nimmt, damit man mit
wenig Entwickler auskommt, wobei aber der Film nicht Gefahr laufen darf,
sich an der Innenseite der Wanne zu reiben. Der Film wird, Schichtseite
nach außen, spiralförmig auf die Trommel gewunden; Anfang und Ende
befestigt man mittels eines Heftzweckes, der aber nicht verrostet sein
sollte. Es ist zweckmäßig, wenn die Trommel mit Stiften versehen wird,
welche die einzelnen Lagen des Films auseinanderhalten; denn der trocken
aufgespannte Film dehnt sich beim Feuchtwerden aus und dadurch kommen
sonst die locker gewordenen Lagen in Gefahr, sich übereinander zu
schieben.
[Illustration: Fig. 129.]
In Fig. 129 ist eine Trommel mit aufgespanntem Filmband dargestellt. Die
Anordnung ist hier etwas anders als in der ersten Abbildung: die Trommel
ist aus Metall gefertigt und mit ihrer Achse auf den Querwänden des
Troges gelagert. Eine Trommel von 40 cm Durchmesser nimmt
beispielsweise auf jede Umdrehung etwa 1,20 m Film; wenn sie 1 m lang
ist und man für das Band einen Raum von 4 cm rechnet, was reichlich ist,
so werden ungefähr 30 Meter Film darauf gehen.
Wo die Herstellung von Films in großem Maßstabe fabrikationsweise
vorgenommen wird, verwendet man dem Bedürfnisse entsprechend auch viel
größere Trommeln, z. B. solche von 1 Meter Durchmesser bei 1-1/2 bis 2
Meter Länge, die dann eine richtige »Seeschlange« von Film aufnehmen.
Als zweckmäßig wird die Verwendung von Glastrommeln oder Zylindern
empfohlen; da sie sich sehr leicht reinigen lassen. Der Film wird auf
dem Glaszylinder beiderseitig durch Klammern befestigt oder auf
Korkstücke, die in entsprechende Öffnungen des Zylinders eingeklemmt
sind, mittels Heftzwecken festgesteckt.
[Illustration: Fig. 130.]
Während der Entwicklung wird die Trommel gleichmäßig gedreht, so daß
alle Teile des Filmbandes gleichmäßig mit Flüssigkeit benetzt werden.
Man kann den Film auf der gleichen Trommel in die anderen Bäder
(Wasserbad und Fixierbad) bringen; es ist jedoch besser, ihn für jeden
Prozeß auf eine andere Trommel, und zwar stets eine solche von größerem
Durchmesser, umzurollen.
Innerhalb der Trommel kann man eine rote elektrische Glühlampe
unterbringen, mit deren Hilfe sich (im transparenten Licht) das
Fortschreiten der Entwicklung verfolgen läßt. Dazu muß die Trommel
natürlich durchbrochen oder aus Glas sein.
An Stelle der Trommel wird sehr häufig ein Rahmen aus Holz oder
Aluminium gebraucht, worauf man den Film in engen Windungen aufspannt.
Damit sich die Ränder des Bandes nicht berühren oder gar aufeinander
schieben, ist er oben und unten mit einer Reihe von Stiften versehen,
welche die Windungen auseinander halten. Die Enden werden mittels
Heftzwecken oder Klammern befestigt. Der mit Film bewickelte Rahmen wird
in den Bädern geradeso wie eine Trockenplatte behandelt. Man nimmt den
Entwicklungstrog so groß, daß der Film vollständig in die Flüssigkeit
eintaucht, und wendet den Rahmen, um eine gleichmäßige Entwicklung zu
erzielen, nochmals darin um. Die Filmfabriken verwenden vielfach hohe
Tröge, worin die in Nuten eingeschobenen Rahmen hochstehen, und zwar
eventuell zwei hintereinander. Zum bequemeren Aufwickeln des Films
fertigt man einen Bock, worin sich der Rahmen einspannen und dann drehen
läßt.
[Illustration: Fig. 131.]
Während Fig. 130 einen solchen Rahmen zeigt, ist in der nächsten
Abbildung (Fig. 131) eine dritte Anordnung veranschaulicht, die zur
Entwicklung kleinerer Filmbänder ganz zweckmäßig ist. Sie besteht aus
zwei zu einem Kreuz vereinigten Stäben, die mit einer Anzahl etwa 4 cm
hohen Stiften versehen sind. Der Film wird mit einem Ende in der Mitte
befestigt und dann, Schichtseite nach außen, um die Stifte geschlungen,
so daß er eine »rechteckige Spirale« bildet; das letzte Ende wird an dem
zunächst befindlichen Stifte befestigt. In der Regel ist das Gestell mit
einem Griff versehen, woran man es bequem in die Schalen einsetzen kann.
Der Entwicklungstrog (Fig. 132) wird aus Holz gefertigt und mit einem
Zink-, oder besser einem Bleieinsatz versehen, der mit einem geeigneten
Lack ausgestrichen wird. Nicht minder brauchbar sind Tröge aus
emailliertem Eisenblech.
[Illustration: Fig. 132.]
Die Entwicklung des Film wird in einer Dunkelkammer bei rotem Licht
vorgenommen; man sorge dafür, daß die Dunkelkammer dicht ist und
nirgends Licht von außen zuläßt, sowie ferner, daß die Lampen nur
spektral geprüftes, nicht aktinisches rotes Licht liefern. Das
Dunkelzimmer und alle Geräte darin müssen recht sauber gehalten werden.
Die Temperatur des Raumes sollte der normalen Zimmertemperatur
entsprechen und gleichmäßig sein; bei Kälte arbeitet der Entwickler zu
langsam, bei Wärme zu rasch.
Der Entwickler.
Jeder gute, langsam arbeitende Entwickler kann benutzt werden. Aber
namentlich bei Anwendung der Trommel sind Entwickler zu vermeiden, die
beim Oxydieren stark gefärbte Produkte geben und dadurch Farbschleier
bewirken, da der Entwickler bei diesem Verfahren besonders stark mit der
Luft in Berührung gebracht wird. Zu verwerfen ist daher insbesondere
Pyrogall mit Ammoniak, eine Zusammensetzung, die in England für
Trockenplatten vielfach im Gebrauch ist. Den Pyro-Soda-Entwickler kann
man, wenn der Film auf einen Rahmen gespannt in das Bad gebracht wird,
allenfalls zur Anwendung bringen. Ein langsames Arbeiten des Entwicklers
ist notwendig, weil man sonst den Prozeß nicht in der Hand hat und auch
leicht ungleichmäßige Entwicklung eintreten kann. Das Bild sollte in
etwa 5 Minuten herauskommen und in 10 bis 15 Minuten ausentwickelt sein.
Sehr beliebt ist der Hydrochinon-Metol-Entwickler, welcher den Vorteil
bietet, daß man ihn wiederholt benutzen kann; hierfür sei folgendes
Rezept angegeben, nach dem man sich die erforderliche Menge den
Verhältniszahlen gemäß ansetzt.
Wasser 1 Liter
Metol 3 gr
Hydrochinon 3 gr
Schwefligsaures Natron 50 gr
Kohlensaures Natron 30 gr
Bromkali 1 gr
Von anderer Seite wird folgende Zusammensetzung empfohlen:
Wasser 2 Liter
Metol 3 gr
Sulfit (wasserfrei) 60 gr
Hydrochinon 5 gr
Pottasche 40 gr
Bromkali 2 gr
Dieser Entwickler arbeitet anfangs rasch, später langsamer. Wenn das Bad
schon zuviel Brom enthält und die Negative zu hart werden, so setzt man
frischen Entwickler zu, oder wenn es zu alt wird, ist es vollständig zu
erneuern.
Ausgezeichnet ist auch folgendes, speziell für Films ausgearbeitetes
Rezept des Edinol-Entwicklers:
Wasser 1 Liter
krist. Natriumsulfit 200 gr
Edinol 5 gr
Hydrochinon 5 gr
Wasserfreie Soda 50 gr
Bromkali 2 gr
Das Entwickeln der Films.
Man tut gut, zuerst ein kleines Stück des Filmbandes abzuschneiden und
zur Probe zu entwickeln, um zu kontrollieren, ob der Entwickler für die
Aufnahme gut ist. Zeigt es sich dabei, daß der Film überbelichtet ist,
so gibt man in entsprechendem Maße Bromkalium in Lösung 1: 10 zu; wenn
der Film unterbelichtet ist, benutzt man den oben angegebenen Entwickler
unverdünnt. In beiden Fällen ist es zweckmäßig, noch eine zweite Probe
vorzunehmen. Umfaßt der Film mehrere verschiedene Aufnahmen, so schneide
man ihn durch und entwickle jede Aufnahme für sich.
Ferner empfiehlt es sich, den Film vor dem Entwickeln in ein Wasserbad
zu bringen und gehörig einzuweichen, weil er dann den Entwickler besser
und vor allem gleichmäßig annimmt. Luftbläschen, die sich nach dem Bade
auf dem Film zeigen sollten, sind mit einem breiten, weichen Pinsel zu
entfernen.
Das Fortschreiten der Entwicklung läßt sich bei dem Lichte der
Dunkelzimmerlampe zur Genüge beobachten; man setze den Film allerdings
nicht zu viel und zu lange dem Lichte aus. Wenn die Entwicklung sich der
Vollendung nähert, löst man ein Ende des Bandes ab, damit man es, gegen
die Lampe gehalten, im durchfallenden Lichte betrachten kann. Man
beachte, daß wie bei Trockenplatten das »Durchschlagen« des Bildes (die
Sichtbarkeit von der Rückseite her) bei verschiedenen Fabrikaten oft
sehr ungleich ist.
Fertigmachen des Negativs.
Der Entwicklung folgt eine gründliche Wasserspülung; es muß nicht nur
die Schicht ausgewaschen, sondern auch alles, was sich vom Entwickler am
Rahmen oder an der Trommel festgesetzt hat, entfernt werden. Dann wird
der Film, aufgespannt wie er ist, in ein saures Fixierbad gebracht, wie
man es im Handel fertig bekommt oder das man beispielsweise nach
folgendem Rezept ansetzt:
Unterschwefligsaures Natron 200 gr
Wasser 800 gr
Nach der Auflösung kommt hinzu:
Wasser 60 gr
Natriumsulfit, chem. rein, krist. 6 gr
Essigsäure 18 gr
Pulverisiertes Alaun 6 gr
Nach etwa 10 bis 15 Minuten wird in der Regel das Bromsilber entfernt
und die Fixierung beendet sein. Der Film muß dann über eine Stunde
gehörig mit fließendem oder öfters erneuertem Wasser ausgewaschen
werden, worauf man ihn auf 5 Minuten in ein Glyzerinbad bringt, das aus
1 Teil Glyzerin auf etwa 40 Teile Wasser besteht. Dieses Bad bewirkt,
daß der Film geschmeidig bleibt. Man läßt ihn dann einige Minuten
abträufeln und entfernt etwa sitzengebliebene Glyzerintropfen, die sonst
beim Eintrocknen Ränder hinterlassen könnten.
Nun läßt man den Film trocknen, und zwar am besten in einem möglichst
staubfreien, luftigen Raum. Ein kleiner elektrischer Ventilator kann
dabei gute Dienste leisten.
Wo die Herstellung im großen betrieben wird, richtet man einen
besonderen Trockenraum her, der mit filtrierter Luft ventiliert und in
geeigneter Weise erwärmt wird; die Films sind auf Trommeln gespannt
darin aufgehängt, wie es die Abbildung Fig. 133 zeigt. Auf einer Trommel
trocknet das Band am schönsten auf; man hat es dann nachher hübsch glatt
und kann es leicht aufrollen. Den Film zum Trocknen auf dem Rahmen und
namentlich auf dem Stiftgestell zu belassen, ist mehr oder minder
gefährlich; denn er schrumpft beim Trocknen etwas ein und möchte infolge
der dadurch entstehenden Spannung Beschädigungen erleiden. Hat man keine
Trommel zur Verfügung, so spannt man zwei Bindfaden in einigem Abstand
nebeneinander und windet den Film darum. Vor dem Aufrollen putze man die
Zelluloidseite mit einem weichen Lappen und überzeuge sich, ob der Film
auch völlig trocken ist. Gleichzeitig prüfe man ihn auf Fehler und helfe
erforderlichenfalls mit Retouche nach. Der Film wird mit der
Schichtseite nach außen aufgerollt.
[Illustration: Fig. 133.]
Die Anwendung eines Härtebades, wie Alaun oder Formalin, hat hier keinen
Zweck, da die Gelatineschicht gegen Hitze weniger empfindlich ist als
das Zelluloid. Verstärken erfolgt, wenn es nötig sein sollte, wie bei
Trockenplatten mit Sublimat und Nachbehandlung mit Ammoniak;
Abschwächen mit rotem Blutlaugensalz und Fixiernatron. Man darf die
Films nicht, um ein rascheres Trocknen zu erzielen, in Alkohol baden, da
dieser durch Auslösen des Kampfers das Zelluloid verdirbt.
Fehlerhafte Erscheinungen.
_Fehlerhafte Erscheinungen._ Verschleierung des Negativs ist ein Zeichen
dafür, daß falsches Licht an den Film gelangt ist; das kann beim Laden
der Kassette, unter Umständen in der Kamera selbst, indem man
beispielsweise bei dem in Fig. 117 abgebildeten Modell vergessen hat,
das Einstellrohr rückwärts durch die Büchse zu schließen, oder beim
Entwickeln selbst geschehen. Man untersuche die Dunkelkammer auf
Lichtsicherheit, desgleichen prüfe man die rote Lampe. -- Flaue,
verschwommene Bilder können dadurch entstanden sein, daß die Linsen des
Objektivs beschlagen waren. Über Fehler, die bei der Entwicklung
auftreten sollten, unterrichtet man sich am besten in einem
photographischen Lehrbuch.
Kratzen auf der Schichtseite zeigen sich, wenn das Sammetstück, welches
sich in den Kassetten und ev. in der Türführung befindet, nicht völlig
sauber gehalten ist. Kleine weiße Pünktchen werden verursacht durch
anhaftende Staubteilchen, die den Entwickler von diesen Stellen
fernhalten. Einreißen der Perforation ist die Folge, wenn man beim
Einspannen in den Apparat die Bauschbildung unterläßt oder die Schlaufe
zu klein macht.
Eine störende Erscheinung, die sich dann und wann zeigt, sind
elektrische Entladungen. Sie machen sich beim Entwickeln in der
Bildschicht bemerkbar durch Verästelungen von der Gestalt eines
elektrischen Funkens und treten insbesondere bei trockenem Wetter auf.
Den Anlaß dazu gibt starke Reibung am Sammet der Türe, was der Fall ist,
wenn die Federn zu stark aufdrücken. Ferner können solche Entladungen
entstehen durch zu straffes Auf- und Abrollen des Bandes von den
Kassetten-Spulen, indem die Windungen dann stark gegeneinander reiben
und zur Bildung von Elektrizität Anlaß geben. Es liegt schließlich noch
die Möglichkeit vor, daß die Entladungen beim Perforieren des Film
entstanden sind.
Der Kopier-Apparat und das Kopieren der Films.
Manche Aufnahme-Apparate, insbesondere die Miniatur-Kameras, sind zum
Kopieren des Positivfilm nach dem Negativfilm eingerichtet. Der Vorgang
ist in der Regel derart, daß die beiden Films auf Spulen oben an der
Kamera angebracht werden, dann zusammen, Schicht gegen Schicht, durch
den Bewegungs-Mechanismus laufen, worauf der belichtete Positivfilm auf
eine dritte Spule aufgerollt wird, während man den Negativfilm unten
frei austreten und in einen Behälter laufen läßt. Die Belichtung
geschieht mit irgend einer künstlichen Lichtquelle, wie Petroleum-,
Gasglühlicht oder elektrischem Glühlicht.
Die Benutzung des Aufnahme-Apparates zum Kopieren ist weniger zu
empfehlen, wenn bei ihm die Weiterbewegung durch eine ruckweise, bewegte
Zahntrommel geschieht, wie dies z. B. beim Malteserkreuz-System der Fall
ist. Die Trommel muß hier nämlich die beiden aufeinander liegenden Films
gleichzeitig transportieren, und da das obere Band einen weniger sichern
Halt darauf haben wird wie das untere, so liegt die Gefahr vor, daß es
sich zeitweise, wenn auch nur sehr wenig, verschiebt. Zur Erzielung
eines genauen, gleichmäßigen Transportes, wie er von größter Wichtigkeit
ist, eignet sich weit besser das Greifersystem, da der Greifer in die
beiden aufeinander liegenden Perforationen gleich sicher einfaßt.
Deshalb wird auch der Greifer gern zum Transport bei solchen Apparaten
verwandt, die speziell nur für das Kopieren der Films gebaut sind.
Kopierapparate, bei denen die Bänder kontinuierlich laufen, sind
ebenfalls weniger zuverlässig.
Der Vorzug des Kopierapparates mit Greifer, wie ein solcher in Fig. 134
abgebildet ist, zeigt sich namentlich in Fällen, wo die Perforation des
Positivfilm und des zu kopierenden Negativfilm nicht absolut identisch
sind. Der Greifer schafft hier einen Ausgleich, während eine
kontinuierliche Transportvorrichtung, bei der beide Films zusammen über
Zahntrommeln laufen, Ungleichmäßigkeiten durch Verschiebungen der Films
gegeneinander befürchten läßt. Wenn Positiv- und Negativfilm mit einer
und derselben Maschine perforiert sind, so kann doch eine, wenn auch
geringe Differenz dadurch entstehen, daß der Negativfilm in den Bädern,
die er durchgemacht hat, etwas geschrumpft ist.
[Illustration: Fig. 134.]
Der dargestellte Kopierapparat hat oben eine Kassette mit zwei
übereinander befindlichen Spulen; der Negativfilm kommt auf die untere
Spule, und zwar die Schichtseite nach außen, während der Positivfilm,
Schicht nach innen, oben eingesetzt wird -- natürlich in der
Dunkelkammer bei rotem Licht. Alsdann zieht man beide Films durch den
Schlitz, schließt die Kassette und legt die Bänder in die
Transportvorrichtung; zur Kontrolle, ob der Greifer auch richtig faßt,
gibt man der Kurbel ein paar Umdrehungen. Ein Triebknopf an der Seite
des Apparates dient dazu, das Fenster so einzustellen, daß sich genau
ein Bildchen des Negativs innerhalb desselben befindet. Die Films läßt
man unten in einen Behälter laufen.
Das Kopieren geschieht am einfachsten in der Dunkelkammer; die zur
Belichtung dienende Lampe muß dabei so abgedeckt sein, daß kein Licht
auf den austretenden Positivfilm gelangt. Will man das Kopieren bei
Tageslicht ausführen, so ist es erforderlich, den Auffang-Behälter für
die Films lichtdicht an den Apparat anzusetzen. Da der Positivfilm in
der Regel weniger empfindlich ist als das zur Aufnahme benutzte
Filmband, können die Arbeiten damit meistens bei gelbem Licht
vorgenommen werden.
Beim Kopieren gilt es in erster Linie, die richtige Geschwindigkeit zu
finden, mit der man die Kurbel drehen muß, damit der Positivfilm nicht
zu schwach und nicht zu stark belichtet wird. Angaben können da nicht
helfen: man muß in jedem Falle zuerst mit einem kleinen Filmstück eine
Probebelichtung vornehmen und die Probe, wenn nötig, wiederholen, bis
man das Rechte getroffen hat. Dann kommt ein Zweites: gleichmäßiges
Drehen. Ändert man nämlich die Geschwindigkeit, so ist ungleiche
Belichtung unausbleiblich. Wenn man den Apparat mit der Hand betreiben
will, so tut vorherige Übung gerade so not wie zur Aufnahme. Hat man
viel zu kopieren, so empfiehlt sich ein Antrieb mit Elektromotor nebst
Regulierwiderstand. Gestattet der Apparat, den Negativfilm während des
Kopierens, von rückwärts her im Auge zu halten, so ist man unter
Umständen in der Lage, Mängel, die in verschiedener Dichte einiger
Partien bestehen, durch rascheres bezw. langsameres Belichten oder ev.
durch Veränderung der Breite der Belichtungsöffnung oder durch Nähern
bezw. Entfernen der Lampe auszugleichen.
Wenn ein Negativfilm aus mehreren verschieden dichten Teilen besteht, so
kopiere man diese einzeln, um sie nachher getrennt zu entwickeln. Läßt
man einen solchen Film in einem Stück durch den Kopierapparat und durch
den Entwickler laufen, so wird man unmöglich ein in allen Teilen gutes
Positiv erhalten.
Die Herstellung der Titel geschieht in folgender Weise. Man läßt eine
geeignete Vorlage anfertigen durch Druck oder Zeichnung und macht
darnach mittels der Aufnahmekamera ein einziges kleines Negativbildchen.
Dieses wird im Kopierapparat an der Belichtungsstelle fest eingespannt,
derart, daß der Positivfilm bei ruckweisem Durchlaufen dagegen zu liegen
kommt. Dann kopiert man wie sonst.
Fertigmachen der Positivfilms.
Der Positivfilm wird in der gleichen Weise entwickelt, fixiert und
getrocknet wie der Negativfilm. Es kann auch hier jeder gute Entwickler
genommen werden; doch muß er recht klar arbeiten. Von Entwicklern, die
dazu neigen, Farbschleier zu geben, wie Pyrogall, wird man unter allen
Umständen absehen. Recht geeignet ist z. B. der oben angeführte
Hydrochinon-Metol-Entwickler, dem man einen stärkeren Zusatz von
Bromkali beigibt; empfohlen wird ferner der Rodinal-Entwickler in einer
wässerigen Lösung 1: 20, die man wiederholt gebrauchen kann. Wenn man
den hierzu ebenfalls recht guten Eisenoxalat-Entwickler anwendet, so
vergesse man nicht, dem Film direkt nach der Entwicklung ein
Essigsäurebad zu geben. Positivfilms fallen leicht zu dicht aus; man
achte besonders darauf, daß auch die Schattenpartien schön klar bleiben.
Über das Auswaschen und Fixieren ist nichts Besonderes zu sagen; ein
Abschwächen geschieht, wenn nötig, mit rotem Blutlaugensalz und
Fixiernatron. Zum Schluß wird ebenfalls ein Glyzerinbad angewandt.
In manchen Fällen läßt sich der Film durch nachherige Behandlung in
einem Tonbad bedeutend wirkungsvoller machen. Seestücke z. B. werden
häufig sehr gehoben durch eine Blautonung. Ein Blaueisenbad gibt Blau,
ein Urantonbad Braun und eine Mischung beider Grün, während Rot mittels
eines Kupfertonbades erzielt wird. Die erforderlichen Substanzen werden
von verschiedenen Firmen in Patronenform geliefert. Es seien jedoch hier
einige erprobte Rezepte angegeben.
Für das Blaueisenbad setzt man zwei Vorratslösungen an:
Lösung I.
Abgekochtes Wasser 10 Liter
Zitronensaures Eisenoxyd-Ammon (grün) 100 gr
Lösung II.
Abgekochtes Wasser 10 Liter
Rotes Blutlaugensalz 100 gr
Zum Gebrauch mischt man 5 Teile Lösung I mit 1 Teil Eisessig und 5
Teilen Lösung II.
Man beläßt den Film je nach dem Ton, den man erzielen will, in dem Bade
1 bis 5 Minuten; der Ton geht in dieser Zeit von Schwarzblau zu einem
klaren Blau über. Darauf wäscht man unter laufendem Wasser 10 bis 15
Minuten aus, bis das Wasser keine Spuren von Farbe mehr zeigt.
Urantonbad für braune Töne, wie man sie z. B. für Panorama-Aufnahmen und
dergl. gern nimmt, setzt man folgendermaßen zusammen:
Vorratslösung I.
Abgekochtes Wasser 10 Liter
Salpetersaures Uran 100 gr
Vorratslösung II.
Abgekochtes Wasser 10 Liter
Rotes Blutlaugensalz 100 gr
Zum Gebrauch mischt man 5 Teile Lösung I mit 1 Teil Eisessig und 5
Teilen Lösung II. Bei diesem Bad muß man darauf achten, fleckige Tonung
zu vermeiden, was bei einiger Übung leicht erreicht wird.
Ein Grüntonbad stellt man her, indem man Blaueisenbad und Urantonbad zu
gleichen Teilen mischt oder auf 1 Teil des ersteren zwei Teile des
letzteren gibt. Besser noch ist es, die Bäder nacheinander anzuwenden,
den Film also zuerst blau zu tonen und darauf im Urantonbad zu
behandeln. Zu langes Auswaschen ist zu vermeiden, weil sonst das Grün in
Blau ausbleicht; dies geschieht übrigens auch, und zwar im Laufe
mehrerer Tage, wenn der Film dem Licht ausgesetzt ist.
Das für rote Töne bestimmte Kupfertonbad erfordert drei Vorratslösungen,
die man folgendermaßen zusammensetzt:
Lösung I.
Abgekochtes Wasser 10 Liter
Rotes Blutlaugensalz 500 gr
Lösung II.
Abgekochtes Wasser 10 Liter
Kupfervitriol 500 gr
Lösung III.
Abgekochtes Wasser 10 Liter
Pottasche 250 gr
Zitronensäure 250 gr
Zum Gebrauch gibt man auf 8 Teile der Lösung III 1 Teil Lösung II und
dann 1 Teil Lösung I. Die Mischung muß in der angegebenen Reihenfolge
geschehen; beim Zugießen rühre man um. Das Tonen dauert hier länger: 5
bis 30 Minuten; die Farbe geht dabei von Schwarzrot in ein reines Rot
über. Die Verwendung des Bades verlangt große Aufmerksamkeit, da leicht
Schleier entstehen; außerdem wird hierbei die Gelatine weich, man muß
deshalb darauf achten, daß die Schicht sich nicht kräuselt oder
verkratzt wird.
Ein großer Übelstand haftet diesen Tonbädern an: sie halten sich nur
kurze Zeit, und zwar höchstens eine Stunde. Man tut daher gut, wenn man
einen Ansatz macht, mehrere Films bereitzuhalten, und diese so rasch wie
möglich zu behandeln, damit die Arbeit fertig ist, bevor sich das Bad
zersetzt hat. Films, die man tonen will, müssen ganz reine Weißen haben
und dürfen keinerlei Schleier zeigen; ferner muß, was überhaupt nötig
ist, alles Fixiernatron durch gründliches Auswaschen entfernt sein.
Bei den oben beschriebenen Prozessen werden die dunklen Partien getont,
während die Lichter weiß bleiben. Man kann nun recht hübsche Effekte
auch durch Färben der ganzen Schicht bekommen, was mit Hilfe von
wasserlöslichen Anilinfarben oder ähnlichen Farben geschieht. Das Färben
nimmt man nach dem Auswaschen vor dem Trocknen vor; geschieht es später,
so muß man die Schicht des Film zuvor durch ein Wasserbad aufweichen,
damit die Farbe gut und gleichmäßig aufgenommen wird. Nach dem Färbebade
spüle man den Überschuß an Farbe ab, damit nicht Ungleichmäßigkeiten
oder z. B. durch Eintrocknen von Tropfen der Lösung Ränder entstehen.
Durch Tonen des Film in einem der oben besprochenen Bäder und nachherige
Färbung kann man alle möglichen Kombinationen erzielen. Tont man den
Film z. B. blau, wobei die Lichter weiß bleiben, und färbt ihn dann
gelb, so werden die Lichter gelb, während die vorher blaue Farbe in Grün
übergeht. Eine Behandlung in blauem Tonbad mit darauffolgender
Rotfärbung gibt ein violettes Bild mit roten Lichtern; eine solche
Zusammenstellung ist eventl. zur Darstellung von Nachteffekten gut zu
brauchen.
Weiter oben habe ich darauf hingewiesen, daß sich bei harten
kontrastreichen Films mit scharfen Lichtern das »Flimmern« stärker
bemerkbar macht, als bei Bildern, deren Weißen etwas gedeckt sind. Ich
machte gleichzeitig darauf aufmerksam, daß man durch Färben der Films in
einfacher Weise Abhilfe schaffen kann. Namentlich bei Films, deren
Bilder große weiße Flächen zeigen und die deshalb besonders zum Flimmern
neigen, sollte man diese Methode häufiger anwenden. Für jedes Sujet wird
sich leicht ein geeigneter Farbton finden lassen; natürlich muß man sich
vor Übertreibungen hüten und sich in der Regel auf zarte Tönungen
beschränken. Bei den Titeln wird das Färben in der Regel angewandt.
Das Gleiche kann man durch Kolorieren erreichen. Das Kolorieren der
Films geschieht mit Hilfe von Anilinfarben, die man mittels eines feinen
Marderpinsels aufträgt. Die Schicht muß dazu vorher mit Wasser
aufgeweicht werden, damit sie die Farbe gut aufnimmt. Das Auftragen
erfordert Geschick und Übung; der Anfänger bekommt leicht Farbränder und
Kleckse. Ein feines Ausmalen aller Details ist bei Films meist nicht
nötig; man bekommt eine gute, oft viel schönere Wirkung durch Auflage
einiger Farbtöne. Durch viele, in Details gebrachte Farben, namentlich
gegeneinander abstechende Farben, wird das Bild leicht »auseinander
gerissen«; es ist wichtig beim Kolorieren, die Gesamtwirkung stets im
Auge zu behalten und sich nicht zu sehr in Einzelheiten zu verlieren.
Noch auf eines sei dabei aufmerksam gemacht. Wenn man die Films bis in
die Details ausmalt, so ist es erforderlich, die Konturen peinlichst
genau einzuhalten. Geht man nämlich in einem Bild mit der Farbe bis an
die Linie heran, während man in anderen Bildern darüber hinwegstreicht
oder nicht ganz herankommt, so wird diese Linie infolge des schwankenden
Farbenumrisses in der Projektion hin und her pendeln, was natürlich
einen sehr schlechten Eindruck macht. Auch aus diesem Grunde ist es
zweckmäßiger, die Farben nur in einigen Tönen aufzusetzen.
In den großen Fabriken geschieht das Kolorieren mit Hilfe sinnreicher
Maschinen. Bei diesem maschinellen Verfahren muß man mehrere der Films,
welche die betreffenden Aufnahmen darstellen, opfern. Aus diesen werden
nämlich Schablonen hergestellt; für jede Farbe eine. Der Arbeiter
schneidet dazu mit großem Geschick zunächst aus einem Film, Bild um
Bild, alle die Stücke aus, die rot werden sollen. Dieser Schablonenfilm
läuft nun mit dem zu kolorierenden Film, wobei sich die Bildteile beider
genau decken, durch die Maschine und diese trägt mechanisch durch die
ausgeschnittenen Stücke rote Farbe auf. Dann erhalten ein zweiter,
dritter und wer weiß wie viele Films mit Hilfe derselben Schablone den
gleichen »Aufdruck« in Rot. Inzwischen ist der zweite Schablonenfilm
fertig geworden, bei dem alle blauen Stücke ausgeschnitten sind. Nun
wird die ganze Reihe mit diesem »gedruckt«, worauf in gleicher Weise die
übrigen Farben daran kommen. Diese Methode lohnt sich natürlich nur für
einen Betrieb, der eine große Anzahl Films in kolorierter Ausführung
absetzen kann.
Wenn der Film fertig und völlig trocken ist, muß man ihn einer genauen
Prüfung auf etwaige Fehler unterziehen. Recht störend sind helle Flecken
und Risse in der Schicht, namentlich wenn solche in einer Reihe
aufeinanderfolgender Bilder auftreten. Das gibt ein »Blitzen und
Blinkern«, wodurch das Auge irritiert und ermüdet wird. Man muß dann
zusehen, wieweit sich durch Retusche Abhilfe schaffen läßt, oder, wenn
es gar zu schlimm ist, eine neue Kopie herstellen.
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