Verbindung von Kinematograph und Sprechmaschine 255

Fehlerhafte Erscheinungen beim Arbeiten mit dem Kinematograph 260

Zerspringen der Kondensorlinsen (260). -- Beschlagen der Linsen

(261). -- Schatten im Bildfeld (261). -- Teilweise Unschärfe des

Bildes (262). -- Völlig verschwommene Bilder (263). -- Flimmern

des Bildes (264). -- Flickern des Bildes (265). -- Regnen und

Ziehen des Bildes (265). -- Falsche Einstellung der Blende (265).

-- Vibrieren und Tanzen des Bildes (266). -- Springen des Bildes

(268). -- Ueberhastete oder zu langsame Bewegungen im Lichtbilde

(268). -- Rückwärts laufende oder schleifende Räder (269). --

Fehlerhafte Transportierung des Filmbandes (269). -- Schieflaufen

des Filmbandes auf der Transporttrommel (269). -- Schlechtes

Funktionieren der Aufrollvorrichtung (270). -- Zerreißen des

Filmbandes oder Einreißen der Perforation (270). -- Einrisse an

der Perforation (271). -- Kratzen auf dem Film (271). -- Ansammeln

von Staub auf dem Filmband (273). -- Abspringen der Schicht (273).

-- Spröde- und Brüchigwerden der Films (273). -- Fehlerhafte

Erscheinungen bei endlosen Films (273). -- Entzündung des

Filmbandes (274).

Die Herstellung kinematographischer Aufnahmen 275

Der Aufnahme-Apparat (275). -- Das Stativ (284). -- Aufnahme-Film,

Perforiermaschine und Meßvorrichtung (285). -- Die Handhabung des

Aufnahme-Apparates (288). -- Die Aufnahme (294). --

Aufnahme-Vorrichtungen für besondere Zwecke (299). -- Hilfsmittel

zur Entwicklung der Films (302). -- Der Entwickler (306). -- Das

Entwickeln der Films (308). -- Fertigmachen des Negativs (309). --

Fehlerhafte Erscheinungen (311). -- Der Kopier-Apparat und das

Kopieren der Films (312). -- Fertigmachen der Positivfilms (315).

Wesen und Wirkungsweise des Kinematographen.

Wie kommen die lebenden Bilder zustande? -- Es wird dazu eine große,

ununterbrochene Reihe von Momentaufnahmen hintereinander gemacht; der

photographische Apparat schießt sozusagen wie ein Schnellfeuergeschütz

los, ohne eine Pause zu machen. Die dadurch gewonnenen Bilder werden

dann ebenso schnell dem Auge vorgeführt und geben ihm die Anschauung des

»lebenden« Bildes, das alle Bewegungen der Szene getreulich wiedergibt.

Zur Vorführung eignet sich besonders die Projektion auf einen großen

Schirm; denn hier können viele Personen auf einmal das stark vergrößerte

Lichtbild betrachten.

Wenn man sich nun den Apparat ansieht, welcher die Aufnahmen macht, und

den Vorgang des Photographierens verfolgt, so wird man wahrnehmen, daß

doch zwischen den einzelnen Momentaufnahmen immer eine kleine Pause

liegt. Die Aufnahmen werden nämlich wie beim Kodak hintereinander auf

einen lichtempfindlichen Film gemacht, der hier sehr lang und schmal

ist. Dieses Filmband befindet sich auf einer Rolle, bewegt sich hinter

dem Objektiv her und wird dann auf eine zweite Rolle aufgewickelt. Zu

jeder Aufnahme wird die Bewegung des Filmstreifens unterbrochen; er

bleibt einen Augenblick (nur einen Bruchteil einer Sekunde) stehen, wird

rasch belichtet und dann stets um ein solches Stückchen weitergezogen,

daß sich ein Bild genau an das andere reiht. So bekommen wir auf dem

Filmbande viele Hunderte, ja Tausende von kleinen Bildern.

Die Weiterbewegung des Film von einer Aufnahme zur andern, wenn sie auch

noch so rasch geschieht, nimmt nun immer eine gewisse Zeit in Anspruch,

und was jedesmal innerhalb dieser Zeit passiert, wird nicht

photographiert. Die bewegte Szene, welche wir kinematographisch

aufnehmen, wird daher nur sprungweise in einer Reihe von Einzel-Momenten

festgehalten.

Bei der Wiedergabe der kinematographischen Aufnahme haben wir demgemäß

auf dem Projektionsschirm in Wirklichkeit keine ununterbrochen

fortgesetzte Szene, sondern nur eine große Reihe von Einzelbildern

dieser Szene, die rasch nacheinander gezeigt werden. Der Film wird auch

bei der Projektion sprungweise weiterbewegt; jedes Bild wird einzeln als

Lichtbild auf den Schirm geworfen, steht einen geringen Bruchteil einer

Sekunde still, um sofort dem nächsten Bilde Platz zu machen.

Und doch sehen wir nicht die Hunderte oder Tausende von Einzelbildern

jedes für sich, sondern nur ein einziges Bild: Die Bewegung der Szene,

die in Wirklichkeit sprungweise vorrückt, erscheint uns ununterbrochen,

in sich geschlossen, so wie wir sie in der Natur wahrnehmen.

Wie ist das zu erklären? -- Die Erklärung dafür ist in einer

Eigenschaft, man kann auch sagen einer Unvollkommenheit unseres Auges zu

suchen. Wenn das Auge einen Eindruck aufnimmt, wenn z. B. plötzlich ein

Gegenstand vor uns auftaucht, so dauert es eine gewisse Zeit, bis uns

die Wahrnehmung des Gegenstandes zum Bewußtsein gelangt.

Wissenschaftlichen Untersuchungen zufolge vergeht darüber 1/10 bis

1/2 Sekunde. Ebenso läßt das Auge einen Eindruck, welchen es empfangen

hat, nicht sofort wieder fahren; er bleibt eine kurze Zeit, wenn auch

nur einen Bruchteil einer Sekunde, haften. Bewegt man z. B. im Dunkeln

ein glimmendes Streichholz durch die Luft, so sieht man bei langsamer

Bewegung einen sich weiterbewegenden leuchtenden Punkt; bei rascher

Bewegung des Streichholzes aber sehen wir einen feurigen Streifen:

unser Auge kann dann die verschiedenen Eindrücke, die es so schnell

nacheinander empfängt, nicht mehr auseinander halten. So erscheint uns

auch der Blitz und der gewöhnliche elektrische Funke, der doch von einer

Stelle zur andern überspringt, als ein einziges Band. Die

Gesichtseindrücke brauchen nur hinreichend schnell aufeinander zu

folgen, dann vermögen wir sie nicht mehr zu unterscheiden, und sie

»verschwimmen« ineinander.

Noch ein Beispiel! Bewegt man die Finger der ausgespreizten Hand nahe

vor dem Auge sehr rasch hin und her und blickt dabei auf die belebte

Straße, so nimmt man alles wahr wie sonst; wir bemerken garnicht, daß

unser Auge jetzt nur stoßweise von draußen Eindrücke empfängt, wir sehen

keine Unterbrechungen in den Bewegungen der Menschen und Wagen, wie sie

doch tatsächlich durch das regelmäßige »Abblenden« der Finger

hervorgerufen werden. Nicht anders ist es bei der Vorführung des

Kinematographen. Auch hier bekommen wir durch Vermittlung der

Photographie stoßweise zu sehen, was draußen während der Aufnahme

vorging; ist dabei die Aufeinanderfolge der Bilder hinreichend schnell,

so kann unser Auge die einzelnen Bilder nicht mehr unterscheiden, sie

verschwimmen ineinander und die Bewegung im Bilde wird »flüssig« wie in

der Natur. Also auf einer Täuschung des Auges beruht dieser wunderbare

Effekt der lebenden Lichtbilder. Wie schnell muß nun die Weiterbewegung

des Filmbandes sein, damit das Auge einen einheitlichen,

ununterbrochenen Eindruck erhält? -- Da sagt die Erfahrung: man muß in

der Sekunde 15 bis 20 Bilder zeigen. Es wird also von dem Apparat eine

ziemliche Leistung verlangt. Ebenso schnell wie die Vorführung muß

natürlich die photographische Aufnahme vor sich gehen, sonst wird die

Bewegung unwahr. Wenn man beim Photographieren z. B. nur 10 Bilder in

der Sekunde machte und nachher bei der Projektion 20 Bilder in der

Sekunde zeigte, so würde jede Bewegung in doppelter Geschwindigkeit

erscheinen, ein gehender Mann würde laufen. In Kinematographen-Theatern

wird dieser Fehler zuweilen gemacht.

Sowohl bei der kinematographischen Aufnahme wie beim

Projektionsverfahren ist das Bemerkenswerteste der

Bewegungs-Mechanismus. Der Aufnahme-Apparat an sich entspricht der

gewöhnlichen photographischen Kamera: es ist ein lichtdichter Kasten,

vorne mit Objektiv versehen. An der Hinterseite, der Linse gegenüber,

läuft das Filmband und wickelt sich von einer Rolle zur zweiten ab; eine

drehbare Verschlußblende, die im Einklange mit dem in den Kasten

eingebauten Bewegungs-Mechanismus arbeitet, öffnet und schließt

abwechselnd das Objektiv. Die Projektions-Einrichtung andrerseits

besteht wie jeder Lichtbilder-Apparat aus einem Gehäuse mit der

Lichtquelle, die hier sehr hell sein muß, dem Beleuchtungslinsen-System

(Kondensor) und dem Objektiv; der Bewegungs-Mechanismus ist vor dem

Kondensor derart angebracht, daß das Filmbildchen gleichmäßig beleuchtet

wird. Auch hier sorgt eine Verschlußblende dafür, daß während der

Weiterbewegung des Filmbandes das Licht abgesperrt wird.

In beiden Fällen ist die Aufgabe des Bewegungs-Mechanismus dieselbe: er

soll das Filmband ruckweise um ein immer gleiches kleines Stückchen

durch den Apparat ziehen und dabei soll der Film an der Stelle, wo das

Licht auftrifft, 15 bis 20 mal in der Sekunde einen Moment ruhig stehen

bleiben. Es liegt daher nahe, denselben Mechanismus sowohl bei der

photographischen Aufnahme wie beim Projizieren zu benutzen, und man hat

auch Apparate gebaut, bei denen die beiderseitige Verwendung vorgesehen

ist. Aber diese Kombination ist nicht empfehlenswert; denn ein guter,

zweckmäßig konstruierter Aufnahme-Mechanismus liefert uns, in den

Projektions-Apparat eingesetzt, keineswegs eine ideale Wiedergabe der

Bilder. Die Anforderungen an den Bewegungs-Mechanismus sind nämlich in

beiden Fällen verschieden, und sie sind namentlich sehr hoch bei der

Projektion. Im photographischen Apparat, also bei der Aufnahme, hat der

Mechanismus nur dafür zu sorgen, daß das Filmband ruckweise

durchgeführt und gleichmäßig belichtet wird; bei der Projektion ist es

damit nicht getan: die Wiedergabe der lebenden Bilder soll vor allem

auch unserem Auge gefallen, und unser Auge ist kritisch.

Wer hat nicht schon bei der Vorführung mit dem Kinematograph ein

gewisses »Flimmern« des Lichtbildes wahrgenommen! Woher rührt dieses

Flimmern und wie ist es zu vermeiden?

Wir haben uns vorher klar gemacht, wie die lebenden Lichtbilder

entstehen, und gefunden, daß unser Auge sich etwas vortäuschen läßt. Es

wird da eine große Reihe von Bildern rasch nacheinander vorgeführt;

jedes Bild bleibt einen Moment stehen und wird dann gegen das nächste

gewechselt. Jedesmal nun, wenn der Filmstreifen um ein Bild

weitergezogen wird, tritt die Verschlußblende in Tätigkeit und macht den

Projektionsschirm dunkel; denn das Weiterrutschen des Filmbandes muß ja

unserm Auge verborgen bleiben. Nach jedem Bilde gibt es also eine kurze,

dunkle Pause. Aber unser Auge, wenn es sich auch täuschen läßt und statt

der sprungweise sich folgenden Einzelbilder ein einziges Bild mit

ununterbrochener Bewegung zu sehen glaubt, merkt doch, daß etwas nicht

in Ordnung ist, daß etwas dabei anders ist als beim Schauen in der

Natur: es nimmt den Wechsel zwischen Hell und Dunkel wahr, es sagt uns:

»das Bild flimmert«.

Wer vorher, als wir darüber sprachen, das Experiment mit den Fingern

gemacht hat, wird ein gleiches Flimmern beobachtet haben. Machen wir es

nun nochmals, bewegen wir die Finger der ausgespreizten Hand nahe vor

dem Auge hin und her, zuerst langsam und dann schneller! Da sehen wir:

bei langsamer Bewegung ist das Flimmern sehr unangenehm, je schneller

aber die Bewegung wird, desto weniger stört es. Da haben wir's: wir

müssen den Apparat einfach rascher drehen! Und gewiß, wenn Sie es jetzt

probieren könnten, würden Sie sehen, daß das Flimmern dadurch schwächer

wird. Das ist tatsächlich ein einfaches Aushilfsmittel, um einen stark

flimmernden Kinematograph ruhiger zu machen. Aber dies Mittel hat einen

bösen Nachteil: die Bewegungen im Bilde werden unnatürlich rasch, wirken

überstürzt und außerdem ist die Vorführung viel schneller zu Ende. Wenn

man da abhelfen wollte, müßte auch die kinematographische Aufnahme

entsprechend schneller gemacht werden; statt 15 bis 20 Bilder müßten wir

40 oder mehr Bilder in der Sekunde aufnehmen. Das geht wohl, doch dann

wird das Filmband zwei- oder noch mehrmal so lang, und wohin sollen wir

da kommen, wenn die ohnehin so langen Films noch um ein solches Maß

verlängert werden müßten.

Es ist also auf andere Weise eine Beseitigung oder wenigstens

Verminderung des Flimmerns anzustreben. Und die läßt sich erreichen

durch entsprechende Konstruktion des Bewegungs-Mechanismus. Darauf

bringt eine einfache Ueberlegung. Nehmen wir an, es würden 15 Bilder in

der Sekunde gezeigt; wir wissen, daß jedes der Bilder eine kurze Zeit

stehen bleibt und dann weiterbewegt wird. Für Ruhestellung und

Weiterbewegung zusammen steht mithin auf jedes einzelne Bild die Zeit

von 1/15 Sekunde zur Verfügung. Wenn wir nun ferner annehmen, daß der

Apparat zur Weiterbewegung des Bildes ebensoviel Zeit braucht, wie er

dem Bilde zur Ruhe gönnt, so bekommen wir auf dem Projektionsschirm

einen gleichmäßigen Wechsel von Hell und Dunkel: jedes Lichtbild steht

1/30 Sekunde und dann folgt ihm eine ebenso lange dunkle Pause.

Bei einem Apparat, der in diesem »Tempo« arbeitet, wird man ein starkes

Flimmern wahrnehmen. -- »Warum«, höre ich Sie sagen, »macht man denn die

dunklen Pausen nicht kürzer?« -- Gewiß, in dieser Frage liegt auch

erfahrungsgemäß die Lösung der Aufgabe, das Flimmern zu verringern; der

Apparat muß die Bilder möglichst rasch wechseln, dann werden die dunklen

Pausen recht kurz und jedes Bild kann entsprechend länger stehen

bleiben. Wir nahmen an, daß für Ruhestellung und Bildwechsel zusammen

1/15 Sekunde zur Verfügung stände. Wenn nun z. B. der Apparat statt der

Hälfte dieser Zeit nur 1/5 derselben zum Wechseln des Bildes braucht, so

bleiben 4/5 davon für die Ruhestellung des Bildes übrig; der

Wechselvorgang nimmt dann immer nur 1/75 Sekunde in Anspruch, während

jedes Bild etwa 1/19 Sekunde stehen bleibt. Bei solchem Tempo wird das

Flimmern schon bedeutend geringer; es ist augenscheinlich, daß man das

Flimmern noch weiter verringern kann, indem man den Apparat noch

schneller wechseln läßt.

Noch eins ist zu bedenken. Der Vorgang des Wechselns wird durch eine

Blende verdeckt. Im Moment, wo der Wechselvorgang beginnt, muß die

Blende aber schon das Bild verschlossen haben und sie darf erst wieder

öffnen, nachdem die Wechslung beendet ist. Es liegt auf der Hand, daß

die Blende sowohl zum Schließen wie auch zum Öffnen eine gewisse Zeit

braucht, und diese beiden Zeiten bedeuten für uns einen Verlust, sie

verlängern die dunkle Pause. Man muß daher bestrebt sein, die

Abblendevorrichtung so zu gestalten, daß sie zum Schließen und Öffnen

möglichst wenig Zeit braucht.

Wenn also der Konstrukteur einen »flimmerfreien« Apparat bauen will, so

muß er ihn nach diesen Gesichtspunkten ausarbeiten. Er wird naturgemäß

versuchen, den Wechsel der Bilder möglichst schnell zu machen und damit

die dunkle Pause, welche den eigentlichen Anlaß zum Flimmern gibt,

soweit es geht, zu verkürzen. Aber andere Fehler setzen ihm darin bald

eine Grenze: je stärker er das »Tempo« macht, desto größer werden die

Schwierigkeiten, diese neuen Fehler zu überwinden.

Da ist zunächst das »Vibrieren« des Bildes. Jeder, der öfters bei

kinematographischen Vorführungen Zuschauer war, wird wohl schon ein mehr

oder minder starkes Vibrieren bemerkt haben: das Lichtbild, anstatt

ruhig zu stehen, tanzt auf und ab. Dieser Übelstand würde nicht

auftreten, wenn der Apparat absolut exakt wechselte, wenn also jedes

Bild genau an die Stelle des vorhergehenden Bildes gebracht würde. Nun

muß man bedenken, der Bildwechsel wird dadurch bewirkt, daß das Filmband

einen plötzlichen Ruck erhält; bei dieser stoßweisen Vorwärtsbewegung

wird aber der Film das Bestreben haben, ein Stückchen weiter zu fliegen

als er soll, und wenn man keine Vorkehrungen dagegen treffen würde, so

wäre ein wildes Auf- und Abspringen des Bildes die Folge. Um da Abhilfe

zu schaffen, muß man den Film bei der raschen Vorwärtsbewegung bremsen,

und dies geschieht durch Federn, welche auf das Filmband drücken und es

an der Stelle, wo das Licht den Film kreuzt, festklemmen. Es ist aber

leicht ersichtlich, daß es um so schwerer sein wird, völlige Abhilfe für

das Vibrieren zu schaffen, je stärker der Ruck ist, je rascher also der

Apparat wechselt.

Das Vibrieren kann auch die Folge einer mangelhaften Ausführung des

Apparates sein, indem Teile des Bewegungs-Mechanismus »Spiel« haben. Man

muß natürlich einen Apparat exakter Ausführung verlangen; aber das ist

nicht genug: das Werk muß auch dauerhaft gebaut sein, damit es selbst

bei langem Gebrauch nicht ausleiert. Und dabei ist wieder zu bedenken,

daß die Beanspruchung des Bewegungs-Mechanismus stärker wird, wenn man

ihn, um das Flimmern zu vermeiden, in rascherem »Tempo« arbeiten läßt.

Von größter Wichtigkeit für den Besitzer des Kinematographen ist aber

die Schonung des Filmbandes. Es gilt davon dasselbe wie vom Mechanismus:

die Beanspruchung wächst mit dem Tempo. Der Film wird nicht nur mit

ungeheurer Geschwindigkeit vorwärtsgerissen, sondern auch noch, um das

Vibrieren zu vermeiden, gehemmt, wodurch der Ruck bei der Weiterbewegung

umso kräftiger wird. Der Konstrukteur, welcher das Flimmern auf das

Mindestmaß bringen will, hat also auch noch die Aufgabe zu lösen, das

Filmband so zu führen, daß es im Bewegungs-Mechanismus keinerlei

Beschädigungen erleidet.

Auf Grund der Erfahrungen, die im Laufe der Jahre im Bau von

Kinematographen gesammelt wurden, ist man heute in der Lage, Apparate

herzustellen, die allen diesen Anforderungen in hohem Maße gerecht

werden. Eine durchaus befriedigende Vorführung läßt sich aber nur mit

tadellosen Films erzielen. Zuweilen sieht man auf der Projektionswand

ein heftiges »Flickern« und »Regnen«, namentlich in den hellen Teilen

des Bildes, wie im Himmel. Diese üble Erscheinung, die oft mit dem

vorher besprochenen Flimmern verwechselt wird, rührt von Kratzen und

Schrammen im Film sowie von Löchern in der Bildschicht her. Auch das

Tanzen des Lichtbildes kann durch den Film verursacht werden, sei es,

daß die Perforation ausgeleiert ist oder daß die Bilder beim Aufnehmen

oder Kopieren nicht in genau gleichmäßiger Folge, mit genau gleichen

Abständen, aufgetragen sind. Gegen solche Fehler vermag der beste

Apparat nicht zu helfen.

Bevor ich Sie nun in die Werkstätte führe, um Ihnen die Konstruktion des

Kinematographen in ihren Einzelheiten zu zeigen, wollen wir uns das

Filmband näher ansehen.

Der Kinematographen-Film.

Der Kinematographen-Film, wie er zur Projektionsvorführung dient, ist

ein langer, schmaler Zelluloidstreifen, welcher mit der photographischen

Bildschicht versehen ist. Darauf befinden sich die Bilder, und zwar

steht immer eines unmittelbar über dem andern. Für die Breite des

Filmbandes und die Größe der Bilder darauf sind jetzt allgemein die Maße

eingeführt, die Edison bei seinem Kinetoskop benutzte: der Film ist

35 mm breit, die Bilder darauf 25 mm breit und 19 mm hoch.

[Illustration: Fig. 1. Kinematographen-Film.]

Auf ein Meter Film kommen also über 50 Bilder, auf ein 20 Meter langes

Band über 1000 Bilder, und da in der Sekunde 15 bis 20 Bilder gezeigt

werden, so dauert die Vorführung eines solchen Bandes im Durchschnitt

etwa eine Minute. Films von mehreren hundert Meter Länge sind heutzutage

nichts Besonderes mehr.

Der ungefähr 1/2 cm breite Rand, welcher rechts und links von den

Bildern bleibt, ist in regelmäßiger Folge mit Löchern versehen, man

sagt: »perforiert«, und zwar so, daß auf jedes Bild beiderseits 4 Löcher

kommen. Diese »Perforation« ist für die Weiterbewegung des Bandes von

großer Bedeutung. Die Trommeln, über welche der Film läuft, werden

nämlich am Rande mit Zähnen ausgerüstet, die in die Löcher eingreifen,

und das Filmband erhält dadurch eine gleichmäßige, sichere Führung. Wie

wir schon vorher überlegt haben, muß die ruckweise Weiterbewegung des

Filmbandes mit größter Genauigkeit vor sich gehen; denn sonst hat sie

ein Auf- und Abspringen oder Tanzen des Bildes zur Folge. Hier ein

Beispiel. Nehmen wir an, das Bild würde in Größe von 2 × 2-1/2 Metern

projiziert -- wir haben dann eine 100fache Vergrößerung. Wenn nun beim

Wechseln der Film nur um 1/5 Millimeter zu wenig oder zu viel

weiterbewegt wird, so kommt dieser Fehler auf dem Schirm ebenfalls in

100 facher Vergrößerung zum Vorschein; das Bild, welches nach erfolgter

Wechslung projiziert wird, verschiebt sich also gegen das vorhergehende

um 2 Zentimeter. Wenn wir ein 4 × 5 Meter großes Lichtbild herstellen

und der Fehler bei der Weiterbewegung gar 1/2 Millimeter beträgt, so

würde das Bild auf dem Projektionsschirm um 10 Zentimeter springen.

Die Genauigkeit der Bildwechslung, deren Notwendigkeit sich an diesen

Beispielen ermessen läßt, wird durch die Perforation wesentlich

erleichtert; ja ohne die Perforation würde es kaum möglich sein, ein

hinreichend exaktes Arbeiten zu erreichen. Man muß nämlich in Rechnung

ziehen, daß das Filmband Witterungseinflüssen unterworfen ist und mit

Veränderungen im Feuchtigkeitsgehalt der Luft länger bezw. kürzer wird,

daß ferner auch das Metall des Bewegungs-Mechanismus bei

Temperaturveränderungen sich ausdehnt oder zusammenzieht. Diese

Abweichungen, so gering sie auch sein mögen, müßten unbedingt Fehler

hervorrufen, wenn sie nicht durch die bei jedem Bilde regelmäßig

wiederkehrende Lochung ausgeglichen würden. Es kommt noch dazu, daß die

Bildhöhe bei Films verschiedener Fabrikate nicht absolut gleich ist; der

Unterschied ist zwar oft bei oberflächlicher Betrachtung kaum zu sehen,

er zeigt sich aber, wenn man ein längeres Stück von zwei verschiedenen

Films gegeneinander hält, indem sich die Löcher dann nach und nach

gegeneinander verschieben. Auch hier schafft die Perforation einen

Ausgleich; sie macht es möglich, solch verschiedene Films mit einem und

demselben Apparat tadellos vorzuführen.

Die Form der Löcher, welche früher bei verschiedenen Fabrikaten

abweichend war, ist jetzt durchweg eine einheitliche geworden, und zwar

stellt sie ein längliches Viereck mit abgerundeten Ecken dar.

Wenn man einen Kinematographen-Film in die Hand nimmt, wird man leicht

die Schichtseite, welche die photographischen Bilder enthält, erkennen.

Diese Seite muß besonders geschont und gegen Verkratzen geschützt

werden. Das Zelluloid, woraus der Film besteht, ist ferner sehr leicht

entzündlich und verbrennt mit großer Heftigkeit; man muß deshalb

entsprechende Vorsicht walten lassen. Es wird jetzt indessen auch schwer

brennbares Filmmaterial hergestellt, bei dem die Brandgefahr fortfällt.

Kinematographen-Films werden heute in großem Maßstabe fabrikmäßig

hergestellt und es ist staunenswert, welche Auswahl an Sujets da geboten

wird. Wer die Vorführung von lebenden Lichtbildern unternimmt,

braucht sich daher nicht notwendigerweise mit der Herstellung

kinematographischer Aufnahmen zu befassen, es sei denn, daß er Wert

darauf legt, eigene zu bringen. Wie die Films angefertigt werden, wird

weiter unten beschrieben -- zunächst wollen wir uns den

Vorführungsapparat ansehen.

Der Lichtbilder-Apparat.

Zur Vorführung der lebenden Lichtbilder gehören ein Lichtbilder-Apparat

und der Bewegungs-Mechanismus; man nennt letzteren, oft auch die ganze

Einrichtung, kurzweg Kinematograph. Der Projektions- oder

Lichtbilder-Apparat ist an sich nichts anderes als eine Laterna Magika;

die Wissenschaft hat aber aus diesem alten Kinderspielzeug ein

vollkommenes und äußerst wertvolles Instrument gemacht, das heute in

Hunderten von Lehranstalten und bei Tausenden von Vorträgen dazu benutzt

wird, photographische Glasbilder in starker Vergrößerung als Lichtbilder

auf eine weiße Wand zu werfen. Von dem Werte dieser Vorführungen kann

man sich erst einen richtigen Begriff machen, wenn man einmal gesehen

hat, wie ein großer Saal voll Menschen die riesigen, hell leuchtenden

Bilder betrachtet und gleichzeitig den Erklärungen des Vortragenden

lauscht.

[Illustration: Fig. 2. Lichtbilder-Apparat.]

Wie sieht nun ein solcher Lichtbilder-Apparat aus? Was man von außen

daran sieht, ist recht einfach: es ist ein Lampenkasten oder »Gehäuse«,

an der Seite mit einer Türe, hinten mit einer Klappe versehen und oben

mit einem Kaminaufsatz; vorne ist ein Metallrohr, woran ein zweites

kleineres Rohr steckt und zwischen Gehäuse und dem ersten Rohr ein

breiter Schlitz, das ist »Bühne«, worein die Bilder geschoben werden.

Die Hauptsache aber steckt im Innern, und wenn wir den Apparat öffnen,

so sehen wir im Gehäuse zunächst eine hellbrennende Lampe. Das kann

eine elektrische Lampe sein, oder eine Kalklichtlampe, eine

Azetylenlampe, eine Gas- oder Spiritus-Glühlichtlampe oder auch eine

Petroleumlampe. Alle diese Lichtarten werden im Projektionsapparat

verwendet, aber sie sind nicht alle gleich gut. Am besten ist ein recht

helles Licht, und da steht obenan das elektrische Bogenlicht, dann kommt

das Kalklicht, in dritter Linie das Azetylenlicht. Gas- und

Spiritus-Glühlicht sowie Petroleumlicht kommen zuletzt und sind zu

Vorführungen in größeren Räumen nicht mehr hell genug.

Diese Lampen werden wir später noch genauer betrachten; aber was gibt es

im Apparat weiter zu sehen? Fangen wir an bei dem vorderen, kleinen

Rohrstück. Es enthält zwei Paar Linsen, von denen eines verkittet ist,

während das andere Paar durch einen schmalen Ring getrennt ist. Diese

Linsenzusammenstellung bildet einen wichtigen Bestandteil des Apparates:

sie dirigiert die Lichtstrahlen derart, daß auf der Wand das Lichtbild

entsteht. Ein Zahntrieb am Rohrstück dient dazu, das Bild scharf

einzustellen. Während von der Lichtquelle die Helligkeit des Lichtbildes

abhängt, wird durch die Beschaffenheit dieses Linsensystems, das man

»Objektiv« nennt, die Schärfe des Bildes bedingt.

Ein weiteres Linsenpaar, Kondensor genannt, befindet sich vorne im

Gehäuse; es sind zwei große, gewölbte Linsen, die in eine Messingfassung

verschraubt sind. Diese dienen dazu, möglichst viele Strahlen der

Lichtquelle aufzufangen und durch das Glasbild, welches projiziert

werden soll, zur »Verarbeitung« ins Objektiv zu schicken.

Die Abbildung (Fig. 3) zeigt schematisch die Anordnung des

Lichtbilderapparates. L ist die Lichtquelle, C der Kondensor, B das

Glasbild und O das Objektiv. R und S sind zwei Rohrstücke, welche sich

übereinander schieben. Diese Rohrstücke können aber auch fortfallen,

wenn man das Objektiv durch einen Träger T befestigt, wie er in der

Figur durch punktierte Linien angedeutet ist; in diesem Falle bleibt

zwischen Gehäuse und Objektiv ein freier Raum.

[Illustration: Fig. 3. Schema des Lichtbilder-Apparates.]

Photographische Glasbilder gibt's im Handel in großer Auswahl; ja man

bekommt käuflich und leihweise zusammengestellte Serien von

solchen Bildern mit ausgearbeiteten Vortragstexten aus allen

Wissenschaftsgebieten. Leider ist es zu keinem Einheitsmaß für diese

Glasbilder gekommen; es gibt solche in der Größe 8-1/4 × 8-1/4 cm und

8-1/2 × 10 cm. Diese Formate geben aber nur die Außenmaße an; das

Innenmaß, d. h. das eigentliche Bild selbst, ist in beiden Fällen

dasselbe, und zwar etwa 7 × 7 cm. Es gibt Bildhalter, in welche man

beide Größen durcheinander einsetzen und rasch auswechseln kann.

Die Linsen des Kondensors müssen, um das Glasbild bis in die Ecken

gleichmäßig zu beleuchten, einen Durchmesser von mindestens 10 cm haben;

vielfach nimmt man die Linsen etwas größer. Wer sich nicht an das im

Handel eingeführte Innenmaß 7 × 7 cm hält, sondern größere Bilder

verwendet, ist natürlich auf einen entsprechend größeren Kondensor

angewiesen. Darüber später mehr.

Wir kommen nun zur kinematographischen Projektion. Da hat der

Lichtbilderapparat dieselbe Aufgabe zu erfüllen, nur tritt an Stelle des

Glasbildes das viel kleinere Filmbild. Von der Konstruktion des

Bewegungsmechanismus, der die Filmbilder transportiert, wollen wir

zunächst absehen, und nur überlegen, an welcher Stelle wir den Film am

besten durch den Apparat führen müssen. Da zeigt es sich, daß es

unvorteilhaft ist, wenn man den Film direkt vor dem Kondensor laufen

läßt, also an der Stelle, wo sich sonst das Glasbild befindet. Die

Abbildung Fig. 4 gibt darüber Aufklärung. F ist der Film und f f eines

der Bildchen, das gerade projiziert werden soll. Da dies Bildchen nur

2 × 2-1/2 cm groß ist, so wird nur ein geringer Teil des Lichtes,

welches der Kondensor zum Objektiv schickt, das Filmbild treffen; die

größte Menge der Strahlen geht unbenutzt drüber und drunter und an den

Seiten des Bildchens hinweg. Bei solch schlechter Lichtausnutzung muß

die Projektion dementsprechend lichtschwach ausfallen.

[Illustration: Fig. 4. Anordnung des Filmbandes im Lichtbilder-Apparat.]

[Illustration: Fig. 5.]

Dem ist aber leicht abzuhelfen. Wie aus der Abbildung ersichtlich,

werden die Lichtstrahlen vom Kondensor in einem Kegel zum Objektiv

geworfen; wir brauchen daher den Film nur ein Stück nach dem Objektiv

hin zu bewegen, um alles Licht auf das Filmbildchen zu konzentrieren und

voll auszunutzen. Wenn wir also den Bewegungsmechanismus so vor den

Lichtbilderapparat bringen, daß der Film den Strahlenkegel kreuzt, wie

es in Figur 5 angedeutet ist, so werden wir ein möglichst helles

Lichtbild bekommen.

Noch eines ist zu überlegen. Die kinematographische Projektion erfordert

eine stärkere Vergrößerung als die Projektion von Lichtbildern, da ja

das Filmbildchen viel kleiner ist als das Glasbild. Die stärkere

Vergrößerung wird erreicht durch Anwendung eines Objektivs von kürzerer

»Brennweite«; man nennt die hierzu benutzten Instrumente

»Kinematograph-Objektive«.

Nachdem wir nun die Anordnung des Lichtbilderapparates kennen gelernt

haben, wollen wir zur Behandlung des Kinematograph-Mechanismus

übergehen.

Der Bewegungsmechanismus.

Allgemeine Anordnung.

Über die Anforderungen, die an den Bewegungsmechanismus zur Projektion

der kinematographischen Bilder gestellt werden, wurde schon gesprochen,

desgleichen über die Mittel zur Lösung der verschiedenen Aufgaben. Wir

fanden: der Film muß ruckweise weiterbewegt werden, und zwar derart, daß

die Zeit der Weiterbewegung möglichst kurz ist, indem durch ein starkes

»Tempo« der Übelstand des Flimmerns verringert wird. Ferner muß man den

Film, um das Vibrieren oder Tanzen des Lichtbildes zu vermeiden, an der

Stelle, wo er vom Lichte gekreuzt wird, bremsen, und dies geschieht

durch Federn, die auf den Rand des Filmbandes drücken und es

festklemmen. Schließlich hörten wir, daß die Weiterbewegung

des Filmbandes durch eine Blende verdeckt wird, und diese

Abblendevorrichtung sollte so konstruiert sein, daß sie zum Schließen

und Öffnen möglichst wenig Zeit braucht.

Hiernach sind es also insbesondere drei Teile, denen wir unsere

Aufmerksamkeit zuwenden müssen: erstens der Mechanismus, welcher die

ruckweise Weiterbewegung bewirkt, zweitens die Bremsvorrichtung und

drittens die Blende. Wenn wir über die Konstruktion dieser Teile im

klaren sind, wird es uns leicht sein, den Apparat zu vervollständigen;

denn es fehlt dann im wesentlichen nur das Antriebswerk, welches die

Teile verbindet, sowie die Ab- und Aufrollvorrichtung für das Filmband.

Eine wichtige Anforderung an den Apparat dürfen wir aber dabei nicht

außer acht lassen: die Schonung des Filmbandes; bei allen Teilen, die

mit dem Film in Berührung kommen, muß hierauf Rücksicht genommen

werden.

[Illustration: Fig. 6.]

Es wird das Verständnis wohl erleichtern, wenn ich zunächst eine

Übersicht der Anordnung gebe. Ich nehme dazu eine perspektivische

Abbildung (Fig. 6) zu Hilfe. Das Filmband ist aufgerollt auf eine Spule

R und läuft von dort zur »Projektionsstellung«, wo gleichzeitig die

Bremsung durch Federn angebracht ist. Man bezeichnet diesen Teil des

Apparates gewöhnlich als »Türe« (in der Abbildung mit T bezeichnet); er

kann aber gerade so gut »Fenster« genannt werden, da er eine Öffnung für

die Lichtstrahlen besitzt, welche das Filmband kreuzen. Darnach läuft

der Film durch den Bewegungsmechanismus, der ihm die ruckweise

Weiterbewegung gibt und der in der Figur durch die Zahntrommel W

angedeutet ist, und gelangt schließlich zur Spule S, wo das Filmband

wieder aufgerollt wird. Vor dem Objektiv O dreht sich die Blende B,

welche dazu dient, den jeweiligen Bildwechsel zu verdecken. Der

Vollständigkeit halber ist die Laterne mit Kondensor C und Lichtquelle L

mit eingezeichnet; der Strahlengang ist durch punktierte Linien

angedeutet. In die Skizze habe ich absichtlich nur die wesentlichen

Bestandteile des Apparates aufgenommen, um die Übersichtlichkeit nicht

zu stören. Was alles noch zur Vervollständigung eines durchgearbeiteten

Kinematographen gehört, werden wir später finden.

Die ruckweise Weiterbewegung des Filmbandes kann auf verschiedene Weise

erreicht werden. Es gibt sogar eine große Zahl von Möglichkeiten, diese

Aufgabe zu lösen, doch findet man in der Praxis verhältnismäßig nur

wenige Konstruktionen angewandt. Ich will mich auf die Beschreibung

dieser beschränken und kann das um so mehr tun, als die Haupttypen

darunter vertreten sind. Alle Lösungen zu bringen, würde auch nur

verwirren. Unter den Konstruktionen, welche besprochen werden sollen,

kann man vier Arten unterscheiden: bei der ersten erfolgt die

Weiterbewegung des Filmbandes durch eine ruckweise bewegte Trommel, bei

der zweiten wird der Film mit Hilfe eines Exzenters vorwärts geschlagen

oder gestoßen, bei der dritten wird der Film durch Greifer weiter

gezogen, während bei der vierten die Weiterbewegung durch einen Klemmzug

erfolgt. Nach dieser Einteilung wollen wir die Wechselmechanismen

betrachten.

Ruckweise bewegte Zahntrommel (Malteserkreuz).

Wie wir bereits erfuhren, ist das Filmband, um die genaue Weiterbewegung

zu ermöglichen, an den Rändern mit einer regelmäßigen Lochung oder

Perforation versehen, und die Trommeln, die zum Transport des Bandes

dienen, haben beiderseits einen Kranz von Zähnen, die in die Löcher

eingreifen. Wenn man nun den Film gegen eine solche »gezahnte« Trommel

legt und ihn durch eine federnd aufliegende Rolle dagegen drückt, so ist

er gezwungen, alle Bewegungen der Trommel mitzumachen.

[Illustration: Fig. 7. Malteserkreuz.]

Eine der einfachsten Vorrichtungen, mittels welcher man der Trommel und

damit auch dem Filmbande eine ruckweise oder, wie man auch sagt,

intermittierende Bewegung geben kann, ist das sogenannte Malteserkreuz,

dessen Anordnung aus der Abbildung Fig. 7 ersichtlich ist. Auf der Achse

der Trommel W, fest mit letzterer verbunden, sitzt eine sternförmige

Scheibe S, welche mit einer kreisförmigen Scheibe A in Berührung steht.

Diese Scheibe A, die in der Figur schraffiert dargestellt ist, ist auf

gleicher Achse fest verbunden mit einer etwas größeren, ebenfalls

kreisförmigen Scheibe B. Auf letzterer befindet sich ein Stift E an der

Stelle, wo die Scheibe A mit einem kleinen runden Ausschnitt versehen

ist. Wenn man nun das Scheibenpaar A B dreht, so schleift zunächst die

Sternscheibe, ohne sich zu bewegen, auf der Scheibe A, bis der Stift E

in den Stern eingreift; die Scheibe A gibt gleichzeitig infolge ihres

Ausschnittes an dieser Stelle die Sternscheibe frei, letztere kann dem

Drucke des Stiftes folgen und wird nun herumgedreht. Beim jedesmaligen

Eingriff des Stiftes erhält die Sternscheibe und damit auch die

Zahntrommel 1/4 Umdrehung. Wenn nun die Trommel so bemessen ist, daß

genau vier Filmbildchen auf ihren Umfang gehen, so wird sie bei 1/4

Umdrehung das Filmband gerade um ein Bild vorwärts bewegen.

Durch diesen Mechanismus wird also eine ruckweise Bewegung der Trommel

und des Filmbandes bewirkt; es folgen sich in regelmäßigen Intervallen

Ruhe und Weiterbewegung um jeweils ein Bild. Bemerkenswert ist dabei,

daß die Trommel in der Ruhestellung absolut fest steht und dem Film

während dieser Zeit eine unbewegliche Lage sichert. Sobald nämlich der

Eingriff E die Sternscheibe verlassen hat, schleift letztere in innigem

Kontakt auf der Scheibe A, wodurch dem Stern wie auch der Trommel jede

Möglichkeit, sich zu bewegen, genommen ist.

Das Scheibenpaar A B muß vermittelst einer Übersetzung einen

gleichmäßigen Antrieb erhalten, derart, daß es 15 bis 20 Umdrehungen in

der Sekunde macht; es werden dann ebenso viele Bildwechslungen

stattfinden, indem jede Umdrehung der Scheiben eine einmalige

Weiterbewegung des Filmbandes bewirkt.

[Illustration: Fig. 8.]

Wie ist nun bei dieser Konstruktion das Verhältnis zwischen Zeit der

Weiterbewegung und Zeit der Ruhe? -- Dieses Verhältnis hängt ab vom

Größenverhältnis der Sternscheibe zur Eingriffscheibe. Um eine lange

Ruhestellung und eine recht kurze Weiterbewegung zu bekommen, wie es zur

Erzielung »flimmerfreier« Bilder erforderlich ist, brauchen wir nur das

Scheibenpaar A B sehr groß zu nehmen. Die Abbildung Fig. 8 wird das

veranschaulichen. Solange die Sternscheibe S mit dem schraffierten Teil

der Scheibe A in Berührung ist, steht erstere still; die Wechslung

wickelt sich während der kurzen Zeit ab, wo der Eingriff bei dem nicht

schraffierten Teil in Tätigkeit tritt. Man könnte durch weitere

Vergrößerung des Scheibenpaares A B ein beliebig starkes »Tempo«

erzielen, doch gibt's da praktisch bald eine Grenze; denn der

unvermeidliche Schlag, mit welchem der Stift in den Stern einsetzt, wird

in gleichem Maße stärker und stellt schließlich unerreichbare Ansprüche

an Material und Konstruktion.

Das Malteserkreuz wird bei Kinematographien vielfach angewandt. Die

Ausführung muß sehr exakt und gediegen sein, wenn die Transportierung

des Filmbandes genau ausfallen und der Mechanismus auch bei längerem

Gebrauch nicht durch Abschleißen untauglich werden soll.

Die ruckweise Weiterbewegung der gezahnten Trommel läßt sich noch auf

andere Weise bewirken, und es sind verschiedene Konstruktionen dazu

ausgearbeitet worden, die aber meist nur vorübergehend angewandt

wurden. Ich will mich auf die Vorführung einer derselben beschränken;

sie beruht auf einer Modifikation des Schneckentriebes. Auf der

gezahnten Trommel W sitzt, auf gleicher Achse und fest damit verbunden,

eine Scheibe S, welche am Rande in regelmäßigen Abständen eine Anzahl

Einschnitte hat, beispielsweise acht, wie es die Abbildung Fig. 9 zeigt.

In diese Einschnitte greift eine Art Schneckenrad R, dessen

vorspringendes Gewinde sich aber nicht in gleichmäßiger Drehung um das

Rad zieht, sondern eine Strecke lang auf der einen Kante A geradeaus

läuft und dann rasch querüber zur ändern Seite B geht, um dort wieder

geradeaus zu laufen. Wenn sich nun das Rad R dreht, so wird die Scheibe

S mit der Trommel eine Zeit lang in Ruhestellung bleiben, bis die Stelle

kommt, wo das Gewinde herüber springt. Der Einschnitt der Scheibe wird

alsdann durch diese »Weiche« vom »Geleise« A auf das »Geleise« B

herübergerückt und Scheibe nebst Trommel werden dadurch um ein Stück

weiterbewegt. So erhält man bei jeder Umdrehung dieses eigenartigen

Schneckenrades eine ruckweise Weiterbewegung der Trommel und es bietet

keine Schwierigkeiten, dieselbe so zu bemessen, daß das Filmband dabei

jeweils um ein Bild vorwärts gezogen wird.

[Illustration: Fig. 9. Schnecke.]

Der Schläger.

Wir kommen nun nach der Einteilung, die ich oben gegeben habe, zu den

Bewegungs-Mechanismen, bei welchen das Filmband mit Hilfe eines

Exzenters vorwärts geschlagen oder gestoßen wird. Da ist am meisten

verbreitet das sogenannte »Schlägersystem«, eine Anordnung, bei welcher

der Exzenter direkt auf den Film wirkt. Ich will versuchen, die

Wirkungsweise an Hand einer perspektivischen Abbildung (Fig. 10) zu

erklären. W ist eine gezahnte Trommel, S eine Scheibe mit einem darauf

befestigten langen Stift T. Der Film läuft um den Stift und dann um die

Trommel, gegen welche er durch federnde Rollen, die in der Abbildung

nicht wiedergegeben sind, angedrückt wird. Die Trommel bewegt sich mit

gleichmäßiger Geschwindigkeit vorwärts und zieht also auch den Film

ununterbrochen weiter; desgleichen ist die Scheibe S mit dem Schläger T

in fortwährender Bewegung.

[Illustration: Fig. 10. Schläger.]

Die Wirkungsweise ist folgende. Der Schläger T schlägt den Film (welcher

oberhalb dieses Mechanismus in einer Bremsvorrichtung B eingeklemmt ist)

nach unten und bildet einen Bausch. Während der Schläger sich nun nach

oben bewegt und den Film wieder frei gibt, um zu einem neuen Schlage

auszuholen, zieht die Trommel den jetzt schlapp hängenden Film vorwärts

und macht den Bausch kleiner. Nun schlägt der Schläger von neuem auf den

Film, zieht ihn aus der Bremsvorrichtung vorwärts und bildet wiederum

einen Bausch, der genau so groß ist wie vorher. Und so geht es weiter:

der Schläger reißt den Film regelmäßig um ein Stück vorwärts und die

gleichmäßig fortlaufende Trommel »verzehrt« den Bausch wieder.

Wenn man nun annimmt, daß die Trommel den Film immer gerade um ein Bild

vorwärts bewegt in der Zeit, während welcher der Schläger eine Umdrehung

macht, so wird sie von dem Bausch jedesmal ein Bild fortziehen und der

Schläger, welcher ja den Bausch immer wieder auf die alte Größe bringt,

muß den Film aus der Bremsvorrichtung ebenfalls stets um ein Bild

vorwärts schlagen. Auf diese Weise bekommen wir die gewünschte ruckweise

Fortbewegung des Filmbandes: der Exzenter schlägt den Film vorwärts, so

daß er um ein Bild aus der Bremsvorrichtung herausgezogen wird, läßt ihn

dann ruhig stehen, um ihn von neuem um ein Bild weiter zu bewegen, und

so wechselt in steter Folge Weiterbewegung und Ruhepause.

Das Geschwindigkeits-Verhältnis zwischen Trommel und Schlägerscheibe

wird durch eine einfache Zahnrad-Übersetzung erreicht. Nehmen wir

beispielsweise an, daß auf den Umfang der Trommel 6 Filmbilder gehen,

daß sie also bei einer Umdrehung den Film um 6 Bilder vorwärts bewegt.

Es muß dann die Schlägerscheibe sechsmal so schnell laufen, da sie ja

stets einmal einschlagen soll, wenn die Trommel ein Bild fortschafft. Um

dies zu erreichen, brauchen wir nur das Zahnrad X, worauf die Trommel

sitzt, sechsmal größer zu machen wie das Zahnrad Y auf der

Schlägerscheibe (vgl. Fig. 10).

Die Geschwindigkeit, mit der die Weiterbewegung des Filmbandes erfolgt,

hängt von der Größe der Schlägerscheibe ab. Wenn wir die Scheibe S

vergrößern und den Schlägerstift wieder auf den Rand, also jetzt weiter

von der Mitte weg, setzen, so wird er heftiger auf den Film schlagen und

den Bausch in kürzerer Zeit bilden. Auf diese Weise ist es also möglich,

ein stärkeres »Tempo« zu erzielen und das Flimmern zu vermindern. Es ist

leicht zu verstehen, daß die Bremsvorrichtung, welche in der Abbildung

angedeutet ist und über die wir nachher noch sprechen werden, bei diesem

Bewegungs-Mechanismus eine große Rolle spielt. Denn durch den Schläger

wird der Film mit großer Gewalt vorwärts gerissen und die

Bremsvorrichtung hat Not, dafür Sorge zu tragen, daß er auch nicht um

den Bruchteil eines Millimeters zu weit fliegt, denn sonst tanzt das

Lichtbild auf und ab. Diese Aufgabe der Bremsung wird natürlich umso

schwieriger, je größer man die Schlägerscheibe, je stärker man also das

»Tempo« macht.

Das eben beschriebene »Schlägersystem« wird in der Praxis vielfach

angewandt. Als eine Modifikation desselben ist der »Stoßer« anzusehen,

dessen Anordnung und Wirkungsweise die Abbildung Fig. 11

veranschaulichen soll. Wir haben hier wiederum eine Zahntrommel W,

welche den Film ununterbrochen fortschafft, und eine Scheibe S, die

gleichfalls in steter Bewegung ist. Die Geschwindigkeiten beider Teile

sind wie vorher durch eine Zahnradübertragung so geregelt, daß die

Scheibe jedesmal eine Umdrehung macht in der Zeit, während welcher die

Trommel den Film um ein Bild vorwärts bewegt.

[Illustration: Fig. 11. Stosser.]

Statt daß nun die Scheibe S direkt auf den Film wirkt, überträgt sie

ihre Bewegung auf eine Stange P, an deren Ende sich ein Querstück R

befindet, und schiebt diese hin und her. Wenn wir den Film, nachdem er

aus der Bremsvorrichtung B kommt, um den Querstab R ziehen und dann über

die Trommel W laufen lassen, so wird ihm die Stange, genau wie vorher

der Schläger, in regelmäßigen Zwischenräumen Stöße erteilen. Er zieht

dadurch das Filmband aus der Bremsvorrichtung B heraus, und zwar immer

um ein Bild, da ja die Trommel W bei jeder Umdrehung der Scheibe S den

Film um ein Bild vorwärts bewegt. Nach jedem Stoß gibt's eine Ruhepause.

Der Stoß wird um so rascher, die Ruhepause um so länger sein, je größer

man die Scheibe S macht.

Der Greifer.

Der dritte Typus der Bewegungsmechanismen wird charakterisiert durch

eine »Gabel«, welche in die Löcher des Filmbandes eingreift, den Film um

ein Bild vorwärts zieht, dann aus den Löchern zurückspringt und wieder

hochgeht, um dies Spiel in regelmäßigem Gange zu wiederholen. Die Gabel

hat also eine Bewegung in zweierlei Richtung zu machen: sie muß sich auf

und ab und zweitens vor und zurück bewegen. Oben angekommen soll die

Gabel vorspringen, um in die Löcher des Filmbandes einzugreifen; unten

angekommen soll sie zurückspringen, damit sie die Rückwärtsbewegung nach

oben frei und ohne den Film zu berühren ausführen kann.

[Illustration: Fig. 12. Greifer.]

Es gibt eine Reihe von Ausführungsformen für diese Art des

Bewegungsmechanismus, doch findet man dabei kaum prinzipielle

Unterschiede. Die Auf- und Abwärtsbewegung wird durch einen Exzenter

bewirkt. In der Abbildung Fig. 12 sehen wir oben die Gabel G mit den

Zacken H H, welche von einem Metallstück K getragen wird; unten die

Scheibe S, die durch eine exzentrisch darauf angebrachte Stange P mit

dem Teile K verbunden ist. Letztern wollen wir Schlitten nennen; er

läuft nämlich in einer senkrechten Schlittenführung, welche nicht

abgebildet ist. Bei jeder Umdrehung der Scheibe S wird der Schlitten mit

der Gabel einmal nach unten und wieder nach oben bewegt. Die Abbildung

zeigt die Gabel in der Mitte der Auf- und Abbewegung: bei a ist ihre

höchste und bei b ihre tiefste Stellung. Die Entfernung von a bis b

entspricht einer Bildhöhe.

Nun ist die Gabel nicht fest mit dem Schlitten K verbunden, vielmehr

kann sie sich mittels des Stabes L darin vor- und zurückschieben. Eine

Feder F drückt die Gabel nach rückwärts, sodaß der Stab L die Scheibe E

berührt. Auf dieser Scheibe sitzt aber eine Platte M, welche sie zur

Hälfte bedeckt. Wenn wir uns nun die Scheibe E in Drehung denken, so

wird sie die Gabel solange nach vorn (in der Abbildung nach links)

halten, als die Stange L auf dem Stücke M schleift; erst wenn der

unbelegte Teil N der Scheibe gegen die Stange kommt, wird die Feder in

Wirkung treten und die Gabel zurückdrücken. Die Gabel wird also bei

Drehung der Scheibe E abwechselnd vor- und zurückgeschoben.

[Illustration: Fig. 13. Greifer.]

Das Werk arbeitet folgendermaßen: Im Augenblick, wo der Schlitten die

höchste Stelle erreicht hat und einen Moment in Ruhe ist, da jetzt der

Exzenter zur Rückwärtsbewegung umsetzt, schiebt die Scheibe E mittels

der Platte M die Gabel vor, sodaß diese in die Perforation des

Filmbandes eingreift. Während der ganzen Abwärtsbewegung wird die Gabel

nach vorn gehalten; sie zieht also den Film mit nach unten. Sobald aber

die tiefste Stelle erreicht ist, kommt die Stange L gegen den unbelegten

Teil N der Scheibe, die Gabel wird durch die Feder zurückgedrückt und

lässt den Film frei. In dieser Stellung bewegt sich die Gabel hoch, um

oben wieder vorzurücken und den Film zu fassen. Die Gabel wird also den

Film ruckweise immer um ein Bild weiterziehen. Bei einer vereinfachten

Konstruktion (welche jedoch keineswegs eine Verbesserung bedeutet) hat

die Gabel Hakenform, wie die Abbildung (Fig. 13) es zeigt. Sie ist dabei

ferner federnd gelagert, sodaß sie, unten angekommen, im Moment, wo sie

sich zum Rückgange nach oben anschickt, sich selbst aus der Perforation

herausdrückt und dann am Film entlang nach oben schleift, um beim

Umsetzen zur Niederbewegung wieder in die Perforation einzugreifen. Es

ist leicht ersichtlich, daß diese Ausführung weniger Aussicht auf

exaktes Arbeiten und auf Schonung des Filmbandes bietet.

Bei dem Bewegungsmechanismus mit Greifer, wie ich ihn hier beschrieben

habe, ist die Zeit der Weiterbewegung, also des Bildwechsels, gerade so

lange wie die Ruhestellung des Film, denn die Gabel bewegt sich in

gleichen Zeiten und ohne Zwischenpause auf und ab. Um das »Flimmern« des

Bildes zu vermindern, erscheint es aber nach unsern früheren

Ueberlegungen erforderlich, die Vorwärtsbewegung rascher und die

Ruhepause länger zu machen. Dies kann in der Weise geschehen, daß man

die Exzenterscheibe S vergrößert. Die Gabel wird nun einen größeren,

beispielsweise doppelt so großen Weg auf und ab machen. Damit sie aber

den Film jeweils nur um ein Bild vorwärts zieht, sorgt man durch eine

geeignete Vorrichtung dafür, daß sie erst mittwegs während der

Abwärtsbewegung in die Perforation eingreift. Der Film wird dann während

der ganzen Aufwärtsbewegung und der Hälfte der Abwärtsbewegung der Gabel

in Ruhe gelassen; die Ruhepause dauert also dreimal so lange als der

Bildwechsel. Durch weitere Vergrößerung der Exzenterscheibe läßt sich

ein noch stärkeres »Tempo« erzielen.

Man darf jedoch nicht übersehen, daß die Gabel bei dieser Anordnung

nicht mehr »mit Ruhe« in die Perforation eingreift; sie ist vielmehr in

dem Augenblick, wo sie in die Löcher einfassen soll, in rapider

Abwärtsbewegung begriffen. Das Eingreifen wird daher ein »Hacken«, was

nur als unvorteilhaft angesehen werden kann, wenn man an die Schonung

des Filmbandes denkt.

Zweckmäßiger erscheint daher eine Anordnung, welche in der Abbildung

Fig. 14 veranschaulicht ist. Die Gabel (nicht mit dargestellt) wird hier

durch einen Rahmen getragen. Innerhalb dieses Rahmens bewegt sich eine

Scheibe S, welche die Form eines Kreisausschnittes mit abgerundeten

Ecken hat und die Innenseite des Rahmens oben und unten berührt. Diese

Scheibe dreht sich um eine exzentrisch gelagerte Achse, sodaß der

Rahmen, der in einer senkrechten Schlittenführung läuft, bei Drehung der

Scheibe abwechselnd gehoben und gesenkt wird. Sobald nun das

kreisförmige Stück a b zum Oberteil des Rahmens kommt, befindet sich

dasselbe in seiner höchsten Stellung und es bleibt dort so lange stehen,

bis dieses Kreisstück vorbeigedreht ist. In gleicher Weise bleibt der

Rahmen in seiner tiefsten Stellung eine Zeitlang in Ruhe, da sich auch

hier das kreisförmige Stück a b erst vorbeidrehen muß, bis wieder die

Hochbewegung einsetzen kann.

[Illustration: Fig. 14.]

Wenn wir die Bewegung des Rahmens genau verfolgen, so werden wir finden,

daß er erstens eine Zeitlang oben in Ruhe ist, zweitens nach unten

bewegt wird, drittens unten eine Zeitlang stehen bleibt und viertens

wieder steigt. Dabei nimmt die Abwärtsbewegung ein Drittel der gesamten

Zeit in Anspruch, während auf die Ruhestellungen und die

Aufwärtsbewegung des Rahmens zusammen zwei Drittel der Zeit kommen. Da

nun der Film bei der Abwärtsbewegung des Rahmens um ein Bild vorwärts

gezogen, in der übrigen Zeit aber in Ruhe gelassen wird, so haben wir

hier einen beschleunigten Bildwechsel: die Ruhestellung des Film dauert

doppelt so lange als der Wechselvorgang.

Bei dem in Abbildung Fig. 15 dargestellten Bewegungsmechanismus ist das

Verhältnis ein noch stärkeres, indem die Exzenterscheibe E als kleineres

Segment ausgebildet ist, und zwar ist das Verhältnis derart, daß auf die

Ruhestellung eine dreimal so lange Zeit kommt als auf den

Wechselvorgang. Die Wirkungsweise ist aus der Abbildung leicht

ersichtlich. Die Gabel A, welche den Film transportiert, sitzt an einem

Rahmen B B; derselbe wird durch die segmentartige Exzenterscheibe E, die

auf der Achse F angebracht ist und sich zwischen den Schienen C und D

des Rahmens bewegt, abwechselnd gehoben und gesenkt. In der höchsten und

tiefsten Stellung bleibt der Rahmen eine gewisse Zeitlang stehen;

währenddessen wird er aber vermittelst der auf den Achsen G und F

exzentrisch sitzenden Scheiben H und I nach auswärts bezw. rückwärts

bewegt, derart, daß die Gabel oben sich vorschiebt und in den Film

eingreift, während sie unten zurückgeht und den Film wieder freigibt.

[Illustration: Fig. 15. Greifer mit stärkerem Tempo.]

Da der Greifer mit zweispitziger Gabel den Nachteil bietet, daß er einen

beschädigten und an der Perforation ausgerissenen Film schlecht oder

garnicht transportiert, so hat man ihn auch, wie die Abbildung Fig. 15

es zeigt, mit einer mehrteiligen Gabel ausgerüstet, die auf jeder Seite

in zwei, drei oder vier Löcher auf einmal eingreift.

Der Klemmzug (Nockenapparat).

Wir kommen nun zur vierten Vorrichtung, bei welcher der Film durch

Klemmzug weiterbewegt wird und die vielfach Nockenapparat, auch

Reibungsscheiben, genannt wird. Der Film wird hier ebenfalls unterhalb

der Belichtungsstelle B periodisch immer um ein Bild vorwärts gezogen,

und zwar geschieht dies durch Reibung mittels zweier Trommeln w und W,

deren größere auf ihrem Umfange ein aufgesetztes Segment E besitzt.

Normalerweise lassen die beiden Trommeln dem dazwischen befindlichen

Film soviel Spiel, daß er bei ihrer Rotation nicht mitgenommen wird.

Sobald aber das Segment E an die Berührungsstelle kommt, wird der Film

eingeklemmt und mit fortgerissen. Das Segment ist nun so bemessen, daß

es einem Bilde entspricht; auf diese Weise wird bei jeder Umdrehung der

Trommeln ein Bild transportiert.

[Illustration: Fig. 16.]

Aber ein genauer Transport des Filmbandes um jeweils ein Bild kann durch

diese Anordnung allein nicht gewährleistet werden; um ein exaktes

Arbeiten zu erzielen, muß man, wie oben schon ausgeführt wurde, die

Perforation zu Hilfe nehmen, und man bedient sich hier folgender

Einrichtung. Oberhalb der Belichtungsstelle B, wo der Film wie beim

Schlägersystem gebremst wird, ist eine Zahntrommel R angebracht, über

welche der Film läuft, und diese wird vom Werk derart angetrieben, daß

sie den Film jedesmal genau um ein Bild vorwärts bewegt, in der Zeit, wo

die beiden Trommeln w und W eine Umdrehung machen. Das System arbeitet

nun ähnlich wie der »Schläger«, aber gewissermaßen umgekehrt. Während

der Film an der Belichtungsstelle in Ruhe ist, schafft die Trommel E

oben den Film um ein Stück vorwärts und bildet einen Bausch; kommt nun

das Segment E in Wirksamkeit, so ziehen die Trommeln den Film stramm

herunter und der Bausch verschwindet, wie es in der Abbildung (Fig. 16)

angedeutet ist. Auf diese Weise wechseln Bauschbildung und Fortbewegung

des Bandes. Da nun die Zahntrommel E während jeder Umdrehung der

Fortschalttrommeln w und W den Film immer nur um ein Bild vorwärts

bewegt, kann auch von letzteren nicht mehr Film forttransportiert

werden als jedesmal ein Bild, und dadurch ist ein sicheres Arbeiten

ermöglicht. Um zu vermeiden, daß die Trommeln weniger als ein Bild

herunterziehen, kann man das Segment E etwas größer machen, derart, daß

es zuletzt ein kleines Stück auf dem Film schleift; damit die Reibung

hierbei nicht zu stark wird, ordnet man das Segment federnd an.

Das Verhältnis zwischen den Zeiten, welche einerseits auf den

Wechselvorgang und andererseits auf die Ruhestellung des Filmbandes

fallen, hängt hier direkt von der Größe der Trommel W ab: je größer

diese ist, desto rascher geschieht die Vorwärtsbewegung und desto mehr

Zeit bleibt für die Ruhepause übrig. Zu weit darf man auch hier nicht

gehen, da sonst der Film in die Gefahr gerät, bei der plötzlichen

Zerrung beschädigt zu werden.

Auswahl der Systeme.

Nachdem wir nun die verschiedenen Konstruktionstypen kennen gelernt

haben, liegt die Frage nahe: welches System ist das beste? -- Das ist

eine Frage, die naturgemäß immer wieder aufgeworfen wird, über die sich

aber die Fachkundigen keineswegs einig sind. Denn der eine bevorzugt je

nach Erfahrung oder vielleicht auch Geschmack dieses System, der andere

jenes -- und keiner von ihnen würde doch zugeben wollen, daß seine Wahl

eine schlechte sei. Jeder Konstrukteur vielmehr, der es ernst meint,

sucht sich dasjenige System heraus, welches er zur Ausarbeitung für

besonders geeignet hält und das er glaubt auf eine möglichst hohe Stufe

der Vollendung bringen zu können. Man möchte wohl sagen, über die

verschiedenen Systeme und ihren Vorrang zu disputieren, sei ein Streit

um des Kaisers Bart, und das ist es auch wohl mehr oder minder. Vor

allem muß man berücksichtigen, daß jedes System einen weiten Spielraum

in bezug auf die Art der Ausarbeitung bietet und daß gerade die

zweckmäßige Ausarbeitung, in Verbindung natürlich mit guter Ausführung,

für die Leistung ausschlaggebend ist.

Wenn man sich die Aufgaben vor Augen hält, die an den

Kinematograph-Mechanismus gestellt werden: ruhiges Stehen des Bildes,

hinreichend starkes »Tempo«, sodaß das Flimmern auf ein Minimum

reduziert ist, dabei Schonung der Films und möglichst geringe Abnutzung

des Werkes; wenn man ferner die Arbeitsweise der verschiedenen Systeme

verfolgt, so wird man finden, daß jedes System in bezug auf die Lösung

jener Aufgaben seine Eigenheiten hat, indem es hier Vorzüge und dort

Schwierigkeiten bietet. Gewiß mag nun bei dem einen das Maß der

Schwierigkeiten ein größeres sein als beim andern: aber deshalb ein

solches System an sich zu verwerfen oder ihm die Möglichkeit der

Konkurrenz abzusprechen, wäre verfehlt. Es ist eben Sache der

Ausarbeitung, diese Schwierigkeiten zu überwinden und gleichzeitig die

Vorzüge auszunützen.

Eine zweite, andere Frage ist die: wie steht es in der Praxis mit

Ausarbeitung der verschiedenen Systeme? -- Wenn man da umblickt, ist es

interessant zu beobachten, daß eines der Systeme mit der Steigerung der

Anforderungen immer mehr vernachlässigt wurde, nämlich der Greifer.

Während er allerdings für Aufnahme-Apparate, wo die Anforderungen

wesentlich andere sind, besonders beliebt ist und wegen seiner sicheren,

gleichmäßigen Arbeitsweise als sehr zweckmäßig befunden wird, gelangt er

bei Projektions-Mechanismen in der Tat verhältnismäßig nur wenig zur

Anwendung, trotzdem gerade der erste erfolgreiche Kinematograph mit

einem Greifer versehen war. Und nicht ohne Grund sind ihm die

Konstrukteure weniger hold: denn beim Greifer ein hinreichend starkes

»Tempo« zu erzielen, unter zufriedenstellender Lösung der andern

Aufgaben, erschien ihnen weniger leicht. Erklärlicherweise wandten sie

sich lieber denjenigen Systemen zu, deren Durcharbeitung eher zum Ziele

zu führen versprach, und das waren insbesondere das Malteserkreuz und

der Schläger. Diese beiden Typen findet man daher weitaus am meisten

vertreten. Der Nockenapparat, der eine Zeitlang das Feld erobern wollte,

ist wieder in den Hintergrund getreten.

Vielfach begegnet man Vorurteilen gegen eines dieser Systeme und es wird

auch wohl zuweilen Propaganda für und wider gemacht. In manchen Fällen

mag ein mangelhaft ausgearbeitetes Werk den Besitzer zu der Ansicht

geführt haben, das betreffende System sei minderwertig. Demgegenüber

betone ich nochmals, daß durchaus nicht die Frage: ist es dies oder

jenes System, ist es ein Schläger oder ein Malteser, für die Leistung

des Apparates maßgebend ist, sondern die Art der Ausarbeitung und der

Ausführung. Insbesondere ist das Mißtrauen gegen den Schläger, das von

interessierter Seite groß gezogen wird, durchaus unbegründet; es ist im

Gegenteil erwiesen, daß bei einem zweckmäßig gebauten und gut gepflegten

Schläger die Filmschonung eine vorzügliche ist, ja, daß er auch

verhältnismäßig stark beschädigte Filmbänder noch sicher transportiert.

Die Türe.

Wir können nun zur Betrachtung des zweiten Apparatteiles, der Türe mit

der Bremsvorrichtung, übergehen. Ihre Aufgabe besteht darin, die

Filmbilder in »Projektionsstellung« zu halten und zu verhindern, daß das

Band bei dem Ruck, den es bei jeder Wechslung erhält, zu weit vorwärts

fliegt.

[Illustration: Fig. 17.]

Die Türe ist zweiteilig; sie besteht aus einer am Apparat fest

angebrachten Platte A und einer daran aufklappbaren Platte B. Beide

haben eine Öffnung für die Lichtstrahlen, welche an dieser Stelle das

Filmbild kreuzen. Die Platte A ist ferner in der Richtung von oben nach

unten mit einer vertieften »Bahn« versehen, worin das Filmband läuft,

während die Platte B zwei Längsfedern F F besitzt. Legt man nun den Film

in die Bahn der »Türe« ein und klappt die Platte B zu, wobei sie in das

Schloß S einschnappt, so drücken die Federn rechts und links auf den

Rand des Filmbandes und klemmen dieses fest.

Bei genauer Betrachtung wird man in der Türe noch eine Vorrichtung zur

Schonung des Film finden. Der mittlere Teil der Bahn, in welcher das

Filmband läuft, ist nämlich vertieft, derart, daß der Film nur an den

beiden Seiten aufliegt; er läuft sozusagen auf Schienen und wird durch

die Federn dagegen gedrückt. Das mittlere Stück des Film, welches das

photographische Bild enthält und welches besonders gegen Verkratzen

geschützt werden muß, bewegt sich daher in der Türe ganz frei und kommt

mit keinem Teile desselben in Berührung.

Die Abbildung (Fig. 17) zeigte die wesentlichen Bestandteile der Türe;

die Ausführung kann aber auch anders sein. So wird zuweilen die Platte B

an die Platte A oben angehängt oder zum Aufklappen nach unten

eingerichtet. Oder es werden an der Platte B auf beiden Seiten statt

einer langen Feder deren mehrere kleine, z. B. drei, übereinander

angebracht, wobei allerdings eher ein Verbiegen der Federn und dadurch

eine Beschädigung des Film zu befürchten ist. Die früher übliche

Verwendung von Sammet zur Auflage des Filmbandes ist zu verwerfen, da

derselbe abschleift und sich außerdem Teilchen darin festsetzen, die den

Film verkratzen.

Eine andere Form der Türe zeigt eine doppelte Federung; die Längsfedern

sitzen dort auf einer Platte, die wieder federnd an der Platte B

befestigt ist. Oder es gelangt eine Schienenplatte zur Anwendung;

hierbei drücken die Längsfedern nicht direkt auf den Film, sondern diese

wirken auf eine mit seitlichen Schienen versehene Platte, welche mit den

Schienen den Film rechts und links am Rande anpreßt.

Um den Film in der Türe recht fest einzuklemmen, hat man wohl auch die

Schienen der Bahn oben und unten mit Vertiefungen (natürlich abgerundet)

versehen, in welche die Federn ihn hineinpressen und die ihn zwingen,

dort einen kleinen Knick zu machen. Zu weit darf man aber mit dem

Festklemmen des Filmbandes nicht gehen; denn je fester der Film in der

Türe sitzt, desto stärker muß der Bewegungsmechanismus an ihm reißen, um

ihn vorwärts zu bekommen, desto leichter kann also durch den Ruck

eine Beschädigung erfolgen. Die Stärke der Bremsung muß dem

Bewegungsmechanismus so angepaßt sein, daß das »Vibrieren« des Bildes

nach Möglichkeit verhindert und daß gleichzeitig der Film möglichst

wenig »strapeziert« wird.

Zu erwähnen ist noch eine zuweilen benutzte Anordnung, die darin

besteht, daß der Film bei seiner Ruhestellung in der Türe fest

eingeklemmt und während des Wechselvorganges freigegeben wird. Es

geschieht dies mittels eines vom Werke angetriebenen Exzenters. Diese

Vorrichtung gelangte z. B. gelegentlich zur Verwendung beim

Nockensystem, wobei es dazu diente, zu verhindern, daß einerseits der

Film zur falschen Zeit von den Trommeln mitgenommen wird und

andrerseits, daß sich der Bausch von oben in die Türe einschiebt.

Vielfach bringt man in gewissem Abstande hinter der Türe, und zwar nach

der Laterne zu, ein Hitze-Schutzschild an; diese Platte ist mit Asbest

beschlagen und hat einen Ausschnitt, der gerade so groß ist, daß das zur

Beleuchtung des Filmbildes erforderliche Strahlenbündel hindurchgeht.

Dieses Schild soll die überflüssigen Lichtstrahlen auffangen, welche

sonst auf die Metallteile der Türe treffen und diese erwärmen.

Bei der Konstruktion der Türe und deren Einbau in den Apparat ist darauf

zu achten, daß der durchlaufende Film nicht oben und unten, wo er ein-

bezw. austritt, gegen die Kante schlägt und sich scheuert; die Platte

wird dort entsprechend abgerundet oder es wird, wenn nötig, eine kleine

Rolle angefügt.

Die Blende.

Den Bildwechsel beim Kinematograph, also die Zeit, während welcher der

Film um ein Bild weiterbewegt wird, deckt man durch eine

Verschlußscheibe ab, für die sich die allerdings auch sonst gebrauchte

Bezeichnung »Blende« eingebürgert hat. Da die Blende sich sehr rasch

bewegen muß -- es werden ja 15 bis 20 Bilder in der Sekunde gezeigt --

so verwendet man (jetzt wohl ausschließlich) solche Blenden, die sich

mit gleichmäßiger Geschwindigkeit um eine Achse drehen. Hauptsächlich

wird die Scheiben- oder Flügelform benutzt, wie Figur 18 sie darstellt;

weniger kommt die Blende in Form eines aufgeschnittenen Zylinders

(Fig. 19) zur Anwendung. Die Auf- und Abbewegung ist auch versucht

worden, sie scheint sich aber nirgends eingebürgert zu haben -- kein

Wunder, bietet doch die drehende Bewegung den Vorzug der Einfachheit und

ruhigeren Betriebes.

[Illustration: Fig. 18.]

[Illustration: Fig. 19.]

Die Blende ist ein wichtiger, aber auch unangenehmer Teil des Apparates:

sie verursacht auf dem Projektionsschirm den Wechsel zwischen Hell und

Dunkel und damit das »Flimmern«.

Dies Flimmern macht sich -- vorausgesetzt, daß die Blende kleiner bleibt

als ein Halbkreis, und man wird sie nach Möglichkeit kleiner halten, um

zu großen Lichtverlust zu vermeiden -- um so stärker bemerkbar, je

größer (relativ) die Blende ist. Die Größe der Blende hängt naturgemäß

ab von der Schnelligkeit, mit welcher der Film vorwärts bewegt wird, und

eben deshalb sucht man den Bildwechsel möglichst rasch zu machen. Aber

da gibt's, wie wir oben sahen, bald eine Grenze: wir können nicht das

»Tempo« beliebig stark und damit die Blende beliebig klein machen. Die

Blende erfährt außerdem dadurch eine Vergrößerung, daß sie schon

schließen muß, ehe der Wechselvorgang einsetzt, und erst wieder öffnen

darf, wenn der Bildwechsel bereits beendet ist. Denn in dem Moment, wo

der Film sich zu bewegen beginnt, muß die Blende das Bildfeld schon ganz

verdeckt haben und sie muß es ganz verdeckt halten bis zu dem

Augenblick, wo der Film wieder in Ruhe kommt.

[Illustration: Fig. 20.]

Wie wir schon oben, als wir über das Flimmern sprachen, überlegten, muß

man daher bestrebt sein, die Abblendevorrichtung so zu gestalten, daß

sie zum Schließen und Öffnen möglichst wenig Zeit braucht. Die Blende

wird aber um so schneller schließen und öffnen, je rascher sie sich

dreht. Und dabei spielt die Form der Blende eine Rolle. Eine Blende mit

zwei Flügeln (wie in Fig. 18), die bei jeder Umdrehung zwei Bildwechsel

verdecken soll, läuft halb so schnell wie eine einflüglige Blende, bei

der auf jede Umdrehung nur ein Bildwechsel kommt. Aber auch die Stellung

der Blendenachse kann hier von Bedeutung sein. Das Filmbild ist etwa

2-1/2 cm breit und 2 cm hoch, es ist also mehr breit wie hoch. Wenn die

Blendenachse seitlich angeordnet ist, wie bei A in Figur 20, so wird die

Blende das Bild a b c d schneller verdecken, als wenn die Achse darüber

oder darunter, wie bei B, sich befindet; denn die Blende M hat, um zu

schließen, die Strecke a b zu durchlaufen, die Blende N dagegen das

längere Stück c b.

Es ist hierbei allerdings vorausgesetzt, daß die Blende sich nahe vor

oder hinter der Türe befindet. Zweckmäßiger ist aber offenbar die

Anordnung der Blende an der Stelle, wo die Strahlen vom Kondensor sich

kreuzen; denn dort ist die engste Stelle des Lichtkegels und die Blende

kann hier am schnellsten das Licht abdecken und wieder freigeben. In der

Spitze des Strahlenkegels gewahrt man ein Bild der Lichtquelle (bei

elektrischem Bogenlicht des Kraters); das Bild ist von der Form der Türe

unabhängig und es ist daher bei dieser Anordnung der Blende ohne Belang,

ob sie wie N von der Seite oder wie M von oben her schließt.

Es gibt einen Weg, das Schließen und Öffnen noch rascher zu bewirken,

indem man nämlich zwei Blenden anwendet, die sich gegeneinander drehen.

Wenn sich in der Abbildung die Blende M nach unten und die punktiert

dargestellte Blende R nach oben bewegt, so wird das Bild doppelt so

schnell verdeckt, als wenn eine der beiden Blenden allein in Tätigkeit

ist.

Kann man nun weiter etwas tun, um das Flimmern, woran ja das

Zwischenschlagen der Blende schuld ist, zu vermindern? -- Da hat man

allerlei versucht. Es lag zunächst nahe, das Übel des Flimmerns bei der

Wurzel auszurotten, indem man die Blende gänzlich entfernte. Da wird auf

der einen Seite wohl geholfen, aber es tritt eine andere fehlerhafte

Erscheinung auf: der Bildwechsel, der jetzt unverdeckt vor sich geht,

bleibt unserm Auge nicht verborgen. Zwar sieht man nicht, wie sich die

Bilder auf der Projektionswand weiter bewegen, denn dazu ist die

Geschwindigkeit des Wechselvorgangs zu groß; jedoch es macht sich ein

gewisses »Ziehen« bemerkbar. Die Art des Filmbildes spielt hierbei eine

große Rolle. Besonders Bilder mit dunklem Hintergrund, vor denen sich

eine helle Stelle scharf abhebt, nehmen sich, ohne Blende projiziert,

unvorteilhaft aus: der Lichteffekt zieht sich wie ein heller Streif von

unten nach oben über das ganze Bild. Weniger schlimm ist diese

Erscheinung bei durchweg hellen Filmbildern mit wenig Kontrasten; es

zeigt sich dabei eine Art »Regen«, verursacht durch die dunkleren

Bildstellen, welche beim Wechselvorgang über die hellen Flächen

hinstreichen. Die Bilder verlieren an Schönheit, Kraft und Plastik.

Der Fortfall der Blende bedeutet gleichzeitig einen ziemlichen

Lichtgewinn, und dieser Umstand wirkt nicht minder bestechend wie die

Beseitigung des Flimmerns. Aber man darf nicht vergessen, daß dieser

Lichtgewinn von den Lichtstrahlen herrührt, welche während des

Wechselvorganges auf den Projektionsschirm gelangen; gerade diese

Strahlen, die sonst durch die Blende verdeckt werden, rufen das »Ziehen«

hervor. Man kann mithin sagen: soviel wir hier an Licht gewinnen, um

ebensoviel wird die Wirkung des Bildes beeinträchtigt.

Es muß bei Anwendung dieses »Radikal-Mittels« einen Unterschied machen,

ob der Apparat den Film beim Bildwechsel sehr schnell oder

verhältnismäßig langsam weiter bewegt. Ein Apparat mit langsamem

Wechselvorgang, oder wie wir oben sagten »schwachem Tempo«, wird mit und

ohne Blende wenig zufriedenstellend arbeiten: mit Blende, die hier recht

groß ist, zeigt er ein starkes Flimmern, und ohne Blende kommen die

Übelstände des unverdeckten Bildwechsels gleichfalls recht unangenehm

zum Vorschein. Wenn hingegen das »Tempo« des Bewegungs-Mechanismus

stärker ist, wenn die Bildwechslung also rascher vor sich geht, so wird

nicht nur bei Anwendung der Blende das Flimmern schwächer, sondern es

werden sich auch die fehlerhaften Erscheinungen bei Fortfall der Blende

in geringerem Maße bemerkbar machen. Kurz: bei einem stark flimmernden

Apparat hat die Entfernung der Blende auch starke Übelstände im Gefolge;

und je geringer das Flimmern ist, desto weniger wird auch die

Beseitigung der Blende störend wirken.

Wer ohne Blende projizieren will, sollte im Auge halten, daß das

»Ziehen« des Bildes bei dem einen Film stärker auftritt wie bei dem

andern; er wird gut tun, Prüfungen in dieser Hinsicht vorzunehmen.

Bei dem Bestreben, das Flimmern zu vermindern, beschritt man nun auch

einen Mittelweg. Man versah die Blende mit einer Anzahl von Löchern oder

fertigte sie aus halbdurchscheinendem Material, wozu man z. B. eine blau

oder violett gefärbte Glimmerscheibe oder Gelatineplatte verwandte.

Dabei ging man von dem Gedanken aus, daß das Flimmern geringer werden

müßte, wenn der harte Gegensatz zwischen Hell und Dunkel abgeschwächt

wird. Der Projektionsschirm wird bei einer solchen Blende während des

Bildwechsels nicht völlig verdunkelt, sondern halbhell gehalten. Der

Gedanke ist richtig; das Flimmern macht sich weniger bemerkbar, aber es

tritt auch hier ein Übelstand auf, wenn auch in geringerem Maße als beim

Fortfall der Blende. Unser Auge soll die Bilder, welche rasch

nacheinander auf den Schirm geworfen werden, zu einem einzigen lebenden

Bilde zusammenfassen; da kann es nicht ausbleiben, daß es dies »falsche

Licht«, welches nun zwischendurch auf den Schirm gelangt, mit dem

Eindrucke der Bilder verschmelzt, und die Folge ist, daß die

Bilder flauer und weniger plastisch erscheinen. Dies diffuse,

dazwischengeworfene Licht stört geradeso, wie wenn ein ständiges

Nebenlicht auf das Lichtbild fällt.

Nun ist die Frage: vermag der Vorteil, den die Aufhellung der »dunklen

Pause« durch Verminderung des Flimmerns bietet, den genannten Nachteil

aufzuwiegen? -- Hierbei ist folgendes zu überlegen. Es muß ein

Unterschied sein, ob die Blende stark durchscheinend ist, oder ob sie

nur in schwachem Maße Licht durchläßt. Im ersteren Falle wird das Bild

stärker unter dem »falschen Licht« zu leiden haben, während sich das

Flimmern weniger stark bemerkbar machen wird; denn je stärker das

Nebenlicht, desto geringer das Flimmern. Es kommt also darauf an, zu

wissen, in welchem Maße man die Blende durchscheinend machen darf, ohne

daß die Wirkung des Bildes in störender Weise beeinträchtigt wird. Das

läßt sich natürlich nur durch Versuche feststellen. Da zeigt es sich,

daß eine schwache Aufhellung, wie sie z. B. eine Metallblende mit

einigen schmalen Spaltöffnungen gibt (vgl. Fig. 21), im allgemeinen nur

wenig stört. Wie weit man dabei in Zahl und Größe der Öffnungen gehen

kann, ist mehr oder minder Geschmackssache. Wenn man aber eine derartige

Blende anwenden will, so tut man auch hier gut, sie nicht nur bei einem,

sondern bei verschiedenen Films zu erproben: bei hellen und dunklen, bei

solchen mit geringen und solchen mit starken Kontrasten; denn der

störende Einfluß des »falschen Lichtes« macht sich bei dem einen Bilde

stärker geltend als beim andern. Von nicht geringem Einfluß ist dabei

übrigens die Distanz, auf welche man projiziert und nicht minder die

Lichtquelle. Die Erfahrung zeigt, daß man die Blende umso stärker

durchscheinend nehmen kann, je größer die Distanz und je schwächer die

Lichtquelle ist.

[Illustration: Fig. 21.]

Man hat nun noch ein Mittel versucht, das Flimmern zu verringern, und

zwar beruht es auf dem gleichen Gedanken: den Gegensatz zwischen Hell

und Dunkel abzuschwächen. Doch wird hier nicht das Dunkel aufgehellt,

sondern das Hell verdunkelt. Auf den ersten Blick mag es allerdings

töricht erscheinen, noch mehr Licht abzuschneiden, als es schon durch

die Blende geschieht. Doch mag ein gewisser Lichtverlust wohl in Kauf

genommen werden, wenn man dafür auf der andern Seite einen Vorteil

gewinnt. Um die Erklärung zu erleichtern, möchte ich etwas ausholen.

Wie wir oben sahen, verursacht der Wechsel zwischen Hell und Dunkel das

Flimmern. Unser Auge kann wohl die Filmbilder, welche ihm stoßweise mit

kurzen Zwischenpausen vorgeführt werden, zu einem einzigen Bilde

verschmelzen, aber der Wechsel zwischen Hell und Dunkel bleibt ihm nicht

verborgen. Diese Störung ließe sich nun, wie wir ebenfalls schon

überlegten, leicht beseitigen, wenn man den Apparat entsprechend

schneller laufen lassen könnte; man würde dadurch einen rascheren

Wechsel zwischen Hell und Dunkel bewirken, dem bei hinreichender

Geschwindigkeit das Auge nicht mehr zu folgen möchte. Wenn man so weit

gehen könnte, würde unser Auge kein Flimmern mehr wahrnehmen. Aber wir

sind bei der Wiedergabe der kinematographischen Bilder an die

Geschwindigkeit gebunden, mit welcher der Film aufgenommen wurde, und

die ist: etwa 15 Bilder in der Sekunde.

Da suchte man denn auf andere Weise einen rascheren Wechsel zwischen

Hell und Dunkel zu erreichen und fand ein einfaches Mittel. Die Blende

des Apparates wird mit einem weiteren Flügel versehen, welcher so

angesetzt ist, daß er mitten während der Ruhestellung des Filmbandes,

also während das Filmbild projiziert wird, auf einen Moment den Schirm

verdunkelt. Hatte die Blende zuvor einen einzigen Flügel, welcher sich

in etwa 1/15 Sekunde einmal drehte und einmal das Bildfeld verdunkelte,

so gibt man ihr jetzt zwei Flügel. An ihrer Geschwindigkeit wird nichts

geändert. Der eine Flügel verdeckt wie zuvor den Wechselvorgang, der

neue Flügel hingegen schlägt, scheinbar unnütz, dazwischen. Doch gerade

durch diesen »Zwischenschlag« bekommen wir einen doppelt so raschen

Wechsel zwischen Hell und Dunkel, und die Folge ist, daß tatsächlich das

Flimmern geringer wird. Dem zwischenschlagenden Flügel gibt man die

gleiche oder annähernd gleiche Größe wie dem eigentlichen Blendflügel.

Eine noch bessere Wirkung erzielt man durch zwei zwischenschlagende

Flügel, die symmetrisch zum eigentlichen Blendflügel angeordnet sind,

derart, daß die drei offenen Ausschnitte gleiche Größe haben.

Nun die Kehrseite der Medaille! Welchen Nachteil bringt uns diese

Blendvorrichtung? Es liegt klar auf der Hand: die zwischenschlagenden

Flügel bedeuten Lichtverlust. Da ist die Frage: wie groß ist dieser

Lichtverlust und wie kann man ihn möglichst klein halten? -- Er wird

offenbar um so geringer, je kleiner man die zwischenschlagenden Flügel

macht. Deren Maß hängt aber von der Größe des eigentlichen Blendflügels

ab, gegen den sie ein Gegengewicht bilden sollen; je kleiner diese

Blende also ist, desto weniger Lichtverlust werden uns die

zwischenschlagenden Flügel bringen.

Über die Größe der Blende habe ich weiter oben schon gesprochen und

dargetan, daß sie bedingt ist durch die Schnelligkeit, mit welcher der

Bewegungs-Mechanismus den Wechselvorgang besorgt. Für den Lichtverlust,

den das Zwischenschlagen verursacht, ließe sich also dadurch ein

Ausgleich schaffen, daß man den Wechselvorgang entsprechend

beschleunigt. Aber man kann da nicht beliebig weit gehen: wie schon oben

hervorgehoben wurde, gibt's bald eine Grenze.

Schließlich ist noch die Möglichkeit zu erwähnen, daß man beide Methoden

zur Verminderung des Flimmerns, deren eine die Abschwächung des

Gegensatzes zwischen Hell und Dunkel durch Aufhellung anstrebt, während

dies bei der anderen durch Verdunkeln geschieht, kombiniert. So hat

man zunächst auch schon die zwischenschlagenden Flügel aus

halbdurchscheinendem Material, insbesondere blaugefärbtem Glimmer oder

Gelatine, angefertigt, aber es steht auch noch frei, den

Hauptblendflügel mit einigen schmalen Spaltöffnungen zu versehen, in der

Art, wie es Figur 21 zeigte, oder ihn ebenfalls halbdurchscheinend zu

machen und dadurch seine verdunkelnde Wirkung abzuschwächen.

Was die Stellung der Blende im Apparat anbetrifft, so ist diese auf ihre

Wirkungsweise nicht ohne Einfluß. Man bringt die Blende vor dem Objektiv

oder vor oder hinter der Türe an. Ihre Anordnung nahe vor dem Objektiv

hat, wie bereits gezeigt wurde, den Vorteil, daß sie dort in der Spitze

des Strahlenkegels arbeitet; an dieser Stelle kann sie am schnellsten

schließen und öffnen.

In der Regel gibt man der Blende die Flügelform. Bei ihrer Gestaltung

ist es von größter Wichtigkeit, das Schwergewicht in die Achse zu legen,

oder wie man sagt, sie richtig zu balancieren. Denn wenn die Blende nach

einer Seite schwerer ist, wird sie »schlagen« und dazu neigen, den

Apparat in Vibration zu setzen. Eine solche Vibration, wenn sie auch nur

schwach ist, ruft auf dem Projektionsschirm leicht eine Unschärfe des

Bildes hervor, die man gerne geneigt ist, dem Objektiv zuzuschreiben.

Aus gleichem Grunde ist eine gute Lagerung der Blendenachse

erforderlich; diese muß besonders fest und solide sein, wenn sich die

Blende mit größter Geschwindigkeit (auf jeden Bildwechsel eine

Umdrehung) bewegt, da sonst ein Vibrieren unausbleiblich ist.

Schließlich ist noch darauf hinzuweisen, daß die Blende, wenn sie ihren

Zweck erfüllen und nicht direkt schädlich wirken soll, genau eingestellt

sein muß und daß ferner ein zuverlässiger Antrieb erforderlich ist, der

den Flügel richtig führt und ihm kein Spiel zu Verschiebungen läßt.

Das Kinematographen-Werk.

Allgemeine Anordnung.

Wir haben nun die drei wesentlichen Bestandteile des Kinematographen

kennen gelernt: den Bewegungs-Mechanismus, die Türe mit der

Bremsvorrichtung und die Blende. Diese Teile wollen wir jetzt zu einem

Apparate zusammenbauen und mit einem Antriebe versehen. Wenn wir dann

die Wirkungsweise des Instrumentes betrachten, werden sich weitere

Einrichtungen, die zur Vervollkommnung von Wichtigkeit sind, von selbst

ergeben. Für diese Betrachtungen ist es unwesentlich, welche Art der

beschriebenen Bewegungs-Mechanismen und welche Blendenform wir nehmen:

ich kann daher etwas Beliebiges herausgreifen.

[Illustration: Fig. 22.]

Zur besseren Veranschaulichung nehme ich wieder eine Abbildung (Fig. 22)

zu Hilfe. Es ist hier beispielshalber zur Erzielung der ruckweisen

Weiterbewegung des Filmbandes die Malteserkreuz-Einrichtung genommen. W

ist die gezahnte Trommel, welche den Film transportiert, M das

Malteserkreuz, auf gleicher Achse und mit der Trommel fest verbunden. E

ist die Eingriffscheibe, die bei jeder Umdrehung das vierteilige

Malteserkreuz nebst der Walze um 1/4 herumwirft und damit den Film um

ein Bild weiter bewegt. Durch die Rolle, welche sich unten an der

geöffneten Türe befindet, wird der Film gegen die Transport-Trommel

gedrückt.

Es interessiert uns nun zunächst das Antriebswerk. Dieses besteht hier

aus einem großen Zahnrad Y, der fest damit verbundenen Kurbel K und dem

kleinen Zahnrad Z, das von ersterem angetrieben wird und auf gleicher

Achse mit der Eingriffscheibe sitzt. Die Übersetzung ist derart

bemessen, daß das kleine Rad bei ruhiger Drehung der Kurbel etwa 15

Umdrehungen in der Sekunde macht.

Die Abbildung zeigt uns ferner die (geöffnete) Türe T mit den

Bremsfedern und die Blende B, die sich vor dem Objektive O bewegt. Es

ist hier eine Blende mit zwei Flügeln angenommen; ihr Antrieb erfolgt

durch Kegelräder derart, daß sie ebenso schnell läuft wie die

Eingriffscheibe. Zur Vervollständigung des gebrauchsfertigen

Instrumentes fehlt jetzt noch die Filmspule S, worauf sich das

aufgerollte Filmband befindet; sie sitzt drehbar auf einem Stift,

welcher durch einen Arm getragen wird.

[Illustration: Fig. 23.]

[Illustration: Fig. 24.]

In der folgenden Figur (No. 23) ist das nach einer Photographie

hergestellte Bild eines solchen Kinematograph-Mechanismus wiedergegeben;

ein Teil des Werkes ist hier verdeckt, man sieht aber noch ein

Schwungrad S, das in der schematischen Darstellung (Fig. 22) nicht

eingezeichnet ist. Dieses Schwungrad sitzt auf der Achse der

Eingriffscheibe und dient dazu, einen ruhigen Gang herbeizuführen. Denn

wie wir wissen, arbeitet die Eingriffscheibe stoßweise auf das

Malteserkreuz, und ohne die ausgleichende Wirkung des Schwungrades

würden sich die Stöße in unangenehmer Weise auf die Antriebskurbel

übertragen. Fig. 24 zeigt den gleichen Apparat in der Vorderansicht und

mit eingesetztem Film.

Der Vorschub des Filmbandes.

Wir wollen uns jetzt vergegenwärtigen, wie das Werk arbeitet. Der Film

sitzt oben auf der Spule, läuft von dort durch die Türe und dann über

die Transporttrommel, um unten frei auszutreten. Wenn wir nun die Kurbel

drehen, so wird der Film in der gewünschten Weise, ruckweise,

weiterbewegt, und während jedes Bildwechsels tritt ein Flügel der Blende

vor das Objektiv. Ob der Apparat dabei wenig oder stark flimmert, wollen

wir außer Spiel lassen; denn wie dem Übelstand des Flimmerns abzuhelfen

wäre, haben wir ja besprochen. Es interessiert uns hier vielmehr die

Bewegung des Filmbandes.

Da beobachten wir folgendes. Die Transporttrommel der

Malteserkreuz-Vorrichtung bewegt den Film mit einem Ruck um ein Bild

vorwärts und zieht ihn dabei aus der Türe heraus, wo er durch Federn

eingeklemmt ist. Oben aber muß der Film nachfolgen und mit demselben

Ruck wird er daher von der Spule heruntergezogen. Wenn nun auch die

Spule drehbar auf dem Arm befestigt ist und dem immerhin heftigen Zug

leicht nachgibt, so muß uns diese Anordnung doch verbesserungsbedürftig

erscheinen. Es ist da eine Vorrichtung erwünscht, die verhindert, daß

der plötzliche Ruck oben auf die Spule übertragen wird, und eine solche

Vorrichtung ist durchaus erforderlich, wenn man Films von größerer Länge

(es gibt solche von vielen hundert Metern) oder gar mehrere zu einem

Bande zusammengeklebte Films zur Anwendung bringt. Denn bei jedem

Bildwechsel wird der ganze Film mit der Spule stoßweise in Bewegung

gesetzt; je länger aber der Film, umso schwerer ist die Masse, die da

plötzlich bewegt werden soll, und umso stärker die Wirkung des Ruckes.

Es soll damit nicht gesagt sein, daß Apparate der Art, wie in Fig. 23

und 24 dargestellt, untauglich seien; sie sind vielmehr zur Vorführung

von Films geringerer Länge, die auf einer kleinen Spule untergebracht

werden können, durchaus brauchbar. Es müßte aber als verfehlt angesehen

werden, wenn man ein solches Instrument für größere öffentliche

Schaustellungen und namentlich für häufige oder gar tagtäglich

unausgesetzte Benutzung nehmen wollte. Hier sind die Ansprüche höher und

es ist daher ein weiter ausgearbeiteter Apparat am Platze.

[Illustration: Fig. 25.]

Dazu gehört in erster Linie die oben angedeutete Vorrichtung, die

verhindert, daß beim jeweiligen Bildwechsel der Ruck bis oben auf die

Filmspule übertragen wird. In Fig. 25 ist dieselbe dargestellt; sie

besteht aus einer gezahnten Trommel V, die zwischen der Spule S und der

Türe T angebracht ist und um welche der Film herumgeführt wird. Diese

Trommel wird vom Werk derart angetrieben, daß sie ununterbrochen mit

gleicher Geschwindigkeit läuft und auf jeden Bildwechsel den Film um ein

Bild vorwärts transportiert. Der Film wird ferner so eingespannt, was

bei der Handhabung nicht zu vergessen ist, daß er zwischen Trommel und

Türe einen Bausch bildet, wie die Abbildung es zeigt.

Wenn nun das Werk in Betrieb gesetzt ist, so wird die Trommel V

jedesmal, so lange der Film in der Türe ruhig steht, den Bausch

vergrößern, indem sie ständig Film von der Spule herunterholt und

vorwärts schafft; so oft aber der Bildwechsel einsetzt, wird der Film

von unten her um ein Bild fortgezogen und der Bausch wird verkleinert.

Es leuchtet ein, daß bei dieser Anordnung der Transport des Filmbandes

ruhiger vor sich geht.

Wie ich schon oben erwähnte, ist die Art des Bewegungsmechanismus bei

diesen Betrachtungen unwesentlich. In Abbildung Fig. 22 hatte ich die

Malteserkreuz-Einrichtung angenommen; um nun jetzt ein anderes Beispiel

zu geben, habe ich dem in Fig. 25 skizzierten Apparat das Schlägersystem

gegeben. Die Trommel W wird hier direkt mittels der Kurbel K

angetrieben; sie ist so groß bemessen, daß sie bei ruhigem Drehen 16

Bilder in der Sekunde fortschafft. Inzwischen schlägt der Exzenter E, so

oft ein Bild transportiert wird, auf den Film und zieht ihn ruckweise

weiter, wobei die Schlägerscheibe mit dem Exzenter mittels der Zahnräder

X Y in der oben besprochenen Übersetzung angetrieben wird.

Die Vorschubtrommel V muß gerade so schnell laufen, wie die Trommel W;

denn sie soll oben ebenso viel Film holen, wie unten fortgeschafft wird.

Ihr Antrieb erfolgt durch die in der Abbildung angedeuteten Zahnräder v

Z oder mittels einer Kette.

[Illustration: Fig. 26.]

An Stelle der Vorschubtrommel tritt bei billigeren Apparaten zuweilen

eine federnde Vorrichtung, die verhindern soll, daß der Ruck bei der

Weiterbewegung des Filmbandes direkt auf die Spule übertragen wird. Ihre

Konstruktion und Wirkungsweise wird durch Fig. 26 erläutert. Zwischen

Spule S und Türe T ist eine Rolle R angebracht, die durch einen

federnden Bügel F F getragen wird. Der Film läuft um diese Rolle. Wenn

nun ein Bildwechsel stattfindet und der Film von unten her vorwärts

gezogen wird, so nimmt der Bügel den Ruck auf und schlägt in die

punktierte Stellung herunter, dabei das verlangte Stück Film hergebend.

Sobald dann der Wechselvorgang beendet ist, schnellt der Bügel wieder

hoch und holt sich dabei von der Spule soviel Film, als für den nächsten

Bildwechsel gebraucht wird.

[Illustration: Fig. 27.]

Diese Vorrichtung hat allerdings den Vorzug großer Einfachheit, aber sie

muß immerhin als ein Behelf im Vergleich zur Vorschubtrommel angesehen

werden, da die Wirkung des Ruckes oberhalb der Türe nicht beseitigt,

sondern nur geschwächt wird. Man hat versucht, die federnde Vorrichtung

zu verbessern, indem man sie doppelt wirkend machte. Der Film läuft bei

dieser Konstruktion um zwei Rollen a und b, wie dies aus Fig. 27

ersichtlich ist. Die Rollen werden getragen durch zwei fest miteinander

verbundene Arme, welche drehbar auf der Achse c sitzen. Bei jedem

Bildwechsel pendelt die Vorrichtung nach links herüber in die punktiert

eingezeichnete Stellung, und es gibt dabei jede der beiden Rollen ein

Stück Film frei; darnach wird sie durch die Feder f immer wieder in die

Anfangsstellung zurückgebracht.

Die Aufrollvorrichtung.

Ich muß nun nochmals auf die Abbildung Fig. 25 zurückgreifen. In dieser

sind der Übersichtlichkeit halber Objektiv und Blende, sowie auch das

Gerüst des Apparates fortgelassen, desgleichen das auf der Achse der

Schlägerscheibe sitzende Schwungrad, das auch hier erforderlich ist,

wenn man einen möglichst ruhigen Gang des Werkes erzielen will. Dagegen

zeigt die Abbildung etwas Neues: die Aufrollvorrichtung. Wir kommen

damit zu der Frage: wo bleibt der Film, nachdem er das Werk verlassen

hat?

Soweit Films von geringerer Länge zur Verwendung kommen, kann die

Aufrollvorrichtung wohl entbehrt werden; man läßt den Film

dann in einen Behälter, z. B. einen Korb, laufen. Einfachere

Kinematograph-Konstruktionen, deren Preis niedrig gehalten werden soll,

sind daher zuweilen ohne Aufrollvorrichtung.

[Illustration: Fig. 28.]

Zum Aufrollen des Film dient ebenfalls eine Spule, die unten auf einer

durch einen »Arm« getragenen Achse sitzt. Diese Spule muß vom Werk aus

in Drehung versetzt werden; man verfährt dazu so, daß man sie mit Hilfe

eines Anschlages fest auf die Achse setzt, letztere mit einer

Schnurscheibe versieht und mittels Schnur oder Drahtspirale antreibt.

Wenn nun die Spule sich füllt, muß sie, da die Rolle allmählich dicker

wird, immer langsamer laufen; sie wird dann durch den Film, der sich

zwischen Trommel W und der Spule stramm zieht, gebremst und die Schnur

schleift auf der Schnurscheibe. Mit der Vergrößerung der Spule wächst

aber auch die Kraft, die zum Aufwickeln erforderlich ist; diese Kraft

wird von der sich spannenden Schnur oder Spirale geliefert. Sie klemmt

sich beiderseits in die Schnurscheiben ein, bis sie den Gegendruck

überwindet und die Spule um ein Stück vorwärts bewegt. Das Aufspannen

des Bandes erfolgt dabei ruckweise, aber durchaus zuverlässig. Es

empfiehlt sich, stets eine Reserveschnur bezw. Drahtspirale bereit zu

halten, damit man nicht in Verlegenheit kommt, wenn sie einmal reißen

sollte. Die Drahtspirale darf übrigens nicht geölt oder geschmiert

werden, da sie sonst auf den Scheiben gleitet; man sollte sie vielmehr

trocken halten, damit die Reibung eine gute bleibt. Vielfach wird auch

Friktionsantrieb verwandt. Der Antrieb erfolgt dabei mittels Gelenkkette

oder Zahnradübersetzung und zur Mitnahme der Spule dienen zwei

gegeneinander gedrückte rauhe Leder- oder Filzscheiben, oder eine

zwischen zwei Metallscheiben eingeklemmte Lederscheibe. Wenn die Spule

sich füllt und langsamer laufen soll, wird die Reibung der Scheiben

überwunden und dieselben schleifen aufeinander. Nun ist aber zu

berücksichtigen, daß in dem Maße, wie die Rolle größer wird, auch die

Zugkraft zum Aufspannen des Film zunehmen muß; das ist aber beim

Friktionsantrieb nicht der Fall. Man muß hier, namentlich wenn es gilt,

große Spulen aufzuwickeln, die Friktion sorgsam einstellen, was mittels

einer Regulierschraube geschieht: die Reibung darf nicht zu stark sein,

sonst wird im Anfang der Film zerrissen oder doch in der Perforation

beschädigt; anderseits muß die Reibung aber so stark sein, daß die Kraft

zum Schluß noch für die größere Arbeitsleistung ausreicht. Man hat

vielfach versucht, Einrichtungen zu konstruieren, die eine mit der

wachsenden Leistung entsprechend zunehmende Friktion herbeiführen

sollen; aber bisher scheint eine praktische Lösung dieser Aufgabe nicht

vorzuliegen. Bei den Aufwickelvorrichtungen für Papier- und Zeugrollen

hat man mit der gleichen Schwierigkeit zu kämpfen. Man hilft sich da

vielfach in der Weise, daß man während des Betriebes die

Reguliervorrichtung mit der Hand fester anzieht und dadurch dem Bedarf

gemäß die Friktion stärker macht. Es ist zu bemerken, daß beim

Schlägersystem die gleichmäßig bewegte Transporttrommel W (Fig. 25) der

Aufrollvorrichtung ununterbrochen Film zuführt, während der Film bei

andern Systemen, wie z. B. bei Malteserkreuz-Apparaten, stoßweise den

Bewegungsmechanismus verläßt. Da nun für das geregelte Aufrollen eine

gleichmäßige Zuführung des Filmbandes erforderlich ist, muß man hier

zwischen Bewegungsmechanismus und Aufrollvorrichtung eine gleichmäßig

laufende Trommel einschalten. Der in Abbildung Fig. 28 dargestellte

Apparat zeigt diese Anordnung; wichtig ist es dabei, daß der Film unten

zwischen den beiden Zahntrommeln einen Bausch bildet.

Filmspule und feuersichere Trommel.

[Illustration: Fig. 29. Filmspule.]

Es ist noch einiges über die Filmspule zu sagen. Man macht sie meist

zweiteilig, und diese Form ist recht zweckmäßig. Sie besteht dann, wie

Fig. 29 veranschaulicht, aus zwei Rohrstücken, deren größeres R sich

über das engere V schiebt, und zwei daran angebrachten Scheiben A und B.

Diese Anordnung gestattet ein bequemes Einsetzen der Filmrollen: die

Spule wird auseinander genommen, die Filmrolle auf das breitere

Rohrstück gesteckt und die Spule dann wieder zusammengeschoben. An dem

Rohrstück R befindet sich noch ein federnder Messinglappen, hinter den

man, wenn die Spule zum Aufrollen gebraucht wird, den Anfang des

Filmbandes klemmt.

[Illustration: Fig. 30. Feste Filmspule.]

In Figur 30 ist eine einteilige, nicht auseinandernehmbare Spule

dargestellt; man versieht diese, wie die Abbildung zeigt, mit einer

Anzahl Oeffnungen, durch die man durchgreifen kann, um den Film hinter

dem Messinglappen zu befestigen.

[Illustration: Fig. 31.]

Zum Aufrollen verwendet man zuweilen auch eine einfache Holzrolle

(Fig. 31), die zur Befestigung des Filmbandes ebenfalls mit einem

federnden Messingstück versehen ist und auf der Achse durch einen

Anschlag gehalten wird. Da der Film beim Aufrollen stramm gespannt ist,

wickelt er sich, selbst bei großen Längen, glatt auf. Die Anwendung

dieser Rolle ist aus Fig. 28 ersichtlich.

[Illustration: Fig. 32. Feuerschutztrommel.]

Um den leicht brennbaren Film da, wo er ab- und aufgewickelt wird, gegen

Feuer zu schützen, hat man sogenannte feuersichere Trommeln konstruiert.

Es sind das völlig verschließbare Blechbüchsen, in welche man die Spule

einbringt; der Film tritt durch einen Spalt ein bezw. aus und vor dem

letztern befinden sich zwei Führungsrollen, die ein Schleifen des Bandes

auf den Spaltkanten verhindern. Wenn der Film in Brand gerät, soll sich

das Feuer hier selbst ersticken. Versuche haben allerdings erwiesen, daß

der Film, wenn die Flamme in die Trommel schlägt, dort weiter glimmt und

dabei gefährliche Gase entwickelt, die giftig und brennbar sind. In der

Abbildung Fig. 32 ist die Anordnung dargestellt; sie zeigt eine

geöffnete Büchse mit eingesetzter Spule.

Vorrichtungen zum Nachstellen des Filmbildes.

Wir sind mit der Ausarbeitung des Kinematographen noch nicht fertig.

Wenn man nämlich den Apparat in Betrieb nimmt und den Film einspannt, so

wird man finden, daß es schwierig oder besser lästig und zeitraubend

ist, den Film richtig in die Türe zu bringen. Er muß ja so über die

untere Transporttrommel gelegt werden, daß, sowie die Weiterbewegung

eingesetzt hat, immer ein Bild nach dem andern genau in der Öffnung der

Türe sich befindet. Nun kommen aber auf jedes Bild vier Löcher und da

mag man den Film leicht so einspannen, daß die Bilder etwas zu hoch oder

zu tief sitzen.

Man kann sich da helfen, indem man auf der Transporttrommel an den

Stellen Marken anbringt, auf welche bei richtiger Einspannung jeweils

der Anfang eines Bildes kommen muß, und zur Erleichterung ev. noch in

dem über die Trommel gespannten Filmstück die Striche zwischen den

Bildern durch irgend welche Zeichen besser kenntlich macht. Doch

erfordert auch dieses Verfahren einige Aufmerksamkeit und ein Versehen

wird sich höchst unangenehm bemerkbar machen; man muß in der Vorführung

abbrechen und den Film neu einspannen.

Man hat dies alsbald als Übelstand empfunden und allerlei Mittel zur

Abhilfe ersonnen. Die einfachste Methode, welche man häufig angewandt

sieht, ist folgende. Die Türe wird mit einer höheren Öffnung versehen

und darin ein nach oben und unten verschiebbarer kleiner Rahmen

angebracht, welcher einen der Bildgröße entsprechenden Ausschnitt

besitzt. Wenn nun beim Projizieren das Filmbild nicht richtig in diesem

Fensterausschnitt steht, so kann man durch Verschieben des Rähmchen nach

oben oder unten abhelfen, indem man dadurch die Öffnung desselben genau

vor das Bild bringt. Das Verstellen des Rähmchen erfolgt mittels eines

einfachen Griffes oder eines Hebels, wie in Fig. 33, oder mit Hilfe

eines Zahn- oder Spindeltriebes.

[Illustration: Fig. 33.]

So einfach dies Verfahren ist, so haften ihm doch auch Mängel an.

Zunächst wird man sehen, daß beim Verschieben des Rahmens auch das

Lichtbild auf dem Projektionsschirm verschoben wird: es wandert herauf

oder herunter. Ferner wird bei diesem Verfahren das Filmbild aus der

»optischen Achse« gebracht; die Beleuchtung durch den Kondensor wird

weniger gut und auch die Wiedergabe durch das Objektiv kann dabei

leiden.

Man ging dann dazu über, mit dem Rähmchen gleichzeitig das Objektiv

herauf bezw. herunter zu stellen. Dadurch wird erreicht, daß die

Verschiebung des Lichtbildes auf dem Schirme eine ganz minimale wird und

daß gleichzeitig die Mitte des Filmbildes in der optischen Achse des

Objektives bleibt. Allerdings wird auch hier das Bild und mit ihm

zusammen das Objektiv aus der Richtung des Strahlenkegels gebracht, und

es kann dadurch unter Umständen eine Beeinträchtigung der gleichmäßigen

Beleuchtung des Lichtbildes erfolgen, die sich aber durch Nachstellen

der Lampe wieder gut machen lässt. Doch kann dieses Verfahren noch einen

andern Nachteil mit sich bringen: wenn man nämlich das Objektiv auf-

oder abwärts bewegt, so wird seine Stellung zur Blende verändert, und

wenn die Blendenachse, wie dies meist der Fall ist, sich seitlich vom

Objektiv befindet, so gibt es eine Verschiebung, die ein ungenaues

Einsetzen der Blende zur Folge hat; die Blende wird dann etwas zu früh

oder zu spät vorschlagen. Dieser Fehler lässt sich korrigieren durch

eine entsprechende Vergrößerung der Blendflügel; er kann von vornherein

vermieden werden, wenn man die Blendenachse senkrecht über oder unter

dem Objektiv anbringt.

[Illustration: Fig. 34.]

Die gemeinsame Verstellung von Rähmchen und Objektiv wird in der Regel

durch folgende Anordnung erreicht. Das Objektiv ist in ein Rohrstück

geschraubt, welches durch eine vor der Türe befindliche Platte getragen

wird, und diese Platte, an der auch das Rähmchen angebracht ist, läßt

sich durch einen Zahn- oder Spindeltrieb heben und senken. Die Abbildung

Fig. 34 zeigt einen Apparat, welcher mit einer solchen Einrichtung

versehen ist; durch Drehen des am Spindeltrieb angebrachten Griffes G

wird die Platte mit Objektiv und Fensterrähmchen herauf oder herunter

bewegt und dadurch das Filmbild, wenn es vorher nicht richtig saß, genau

vor die Öffnung gebracht. Der dargestellte Kinematograph ist nach dem

Schlägersystem gebaut: unten sieht man die Transporttrommel, auf deren

Achse die Antriebskurbel angebracht ist, und links davon, unterhalb der

Türe, die Schlägerscheibe. Oben befindet sich die Filmspule und darunter

die Zahntrommel, welche den gleichmäßigen Vorschub des Filmbandes

besorgt. Vor dem Objektiv arbeiten zwei vierflügelige, sich

gegeneinander bewegende Blendscheiben.

Eine andere Lösung der Aufgabe, die falsche Stellung des Filmbildes in

der Türöffnung zu korrigieren, besteht darin, daß man das ganze Werk in

der Höhenrichtung verstellbar macht, wobei aber Objektiv und Türe nicht

mit bewegt werden. Wenn dann beispielsweise das Filmband zu tief in der

Türe sitzt, so hebt man das Werk an, wodurch der Film mitgehoben wird,

und da die Türe stehen bleibt, so schiebt er sich darin hoch, und auf

diese Weise kann man ihn also leicht in die richtige Stellung bringen.

Der ganze Mechanismus, mit Ausnahme von Türe und Objektiv, wird zu

diesem Zweck an einer Platte oder einem Rahmen montiert, der sich in

einer Führung hoch und tief stellen läßt; die Verstellung geschieht

mittels eines Hebels oder eines Triebes. Man hat dieses Verfahren sowohl

bei Apparaten mit Malteserkreuz, wie auch beim Schlägersystem angewandt;

es bietet den Vorteil, daß die Beleuchtung des Lichtbildes in keiner

Weise Einbuße erleidet, indem Türöffnung und Objektiv nicht verstellt

werden. Doch gibt es auch hier einen Nachteil: die Blende wird mit dem

Werk gehoben oder gesenkt, also vor dem Objektiv verschoben. Die Wirkung

der Blende wird mithin auch hier bei der Korrigierung der Bildstellung

ungenau, indem sie zu früh oder zu spät einsetzt -- es sei denn, daß die

Blendenachse senkrecht über oder unter dem Objektiv gelagert ist.

Wenn wir die beiden letzten Methoden zur Korrigierung der

Bildeinstellung vergleichen, so zeigt es sich, daß sie das gleiche Ziel

auf entgegengesetztem Wege erreichen: die erstere besteht darin,

Türöffnung und Objektiv in der Höhenrichtung zu verstellen, während bei

der zweiten Methode das ganze Werk mit Ausnahme von Tür und Objektiv

gehoben bezw. gesenkt wird.

Die Einrichtung des Filmbildes läßt sich nun auch dadurch erreichen, daß

man nur den eigentlichen Bewegungs-Mechanismus oder ein Glied desselben

verstellbar anordnet. Bei einem Apparat mit »Schläger« z. B. genügt es,

wenn die Schlägerscheibe aufwärts bezw. abwärts bewegt wird; während bei

Malteserapparaten die Zahntrommel mit Kreuz verstellbar zu machen ist.

Dies Verfahren erfordert, daß gleichzeitig die Blendenstellung eine

entsprechende Korrektur erfährt, da die Flügel sonst zu früh oder zu

spät einsetzen werden, wenn nicht die Blendenachse senkrecht über oder

unter dem Objektiv sitzt.

[Illustration: Fig. 35.]

Es ist nun noch eine andere Methode anzuführen, die sich namentlich beim

Schlägersystem leicht anwenden läßt. Dabei wird zwischen die

Transporttrommel und die Schlägerscheibe eine Rolle eingeschaltet, über

welche der Film läuft; diese Rolle kann mittels eines Hebels oder

Triebes verstellt werden. In der Abbildung Fig. 35 ist die Anordnung

skizziert; der Übersicht halber habe ich den Mechanismus, mit Hilfe

dessen sich die Rolle auf- und abbewegen läßt, fortgelassen.

W ist die Transporttrommel, E der Schläger (Exzenter), T die Türe und R

die Rolle. Wenn man nun die Rolle in die punktiert angedeutete Stellung

S hebt, so wird der Film aus der Türe ein Stück vorwärts gezogen; wenn

man sie hingegen senkt, so bleibt der Film beim nächsten Einschlagen des

Exzenters in der Türe um ein Stückchen zurück. Es kann also auf diese

Weise das Filmbild, falls es nicht genau in der Oeffnung sitzen sollte,

richtig eingestellt werden. Man kann den Film auch unterhalb der Rolle R

laufen lassen, die dann entsprechend tiefer sitzen muß. Diese Anordnung

zeigt der in Abbildung Fig. 36 dargestellte Schläger-Apparat; die links

von der Transporttrommel sichtbare Rolle, unterhalb welcher der Film

hergeht, kann durch den großen Knopf K mittels Triebübersetzung

verstellt werden. Auch bei Malteserkreuz-Apparaten läßt sich die

Verstellung des Film mit Hilfe einer solchen Rolle in Anwendung bringen,

indem die Rolle zwischen Türe und Transporttrommel angebracht wird.

[Illustration: Fig. 36.]

Handbuch der praktischen Kinematographie Die verschiedenen Konstruktions-Formen des Kinematographen, die Darstellung der lebenden Lichtbilder sowie das ... · 第 11 / 26 题