[1] Dem Physiologen läßt sich bezeichnender sagen: das schaffende
Prinzip des Kindes liegt vor der Geburt nicht in dem, was nach der
Geburt von ihm fortleben wird, was ja jetzt erst das Abhängige ist, das
Geschaffene, sondern in dem, was vom Kinde bei der Geburt in Rückstand
bleiben und verderben wird, wie der Leib des Menschen im Tode (_placenta
cum funiculo umbilicali, velamentis ovi eorumque liquoribus_); aus
seiner Tätigkeit, als seine Fortsetzung wächst der junge Mensch hervor.
[2] Viele biblische Parallelstellen hierzu sind zusammengestellt in
»Zendavesta« III, S. 363 ff. und den »Drei Motiven und Gründen des
Glaubens«, S. 178.
[3] Mag man das Nervenspiel auf chemische oder elektrische Prozesse
zurückführen, immer wird man, wenn nicht selbst ein Spiel von
Schwingungen letzter Teilchen darin zu sehen, doch solches wesentlich
dadurch erweckt oder davon mitgeführt zu halten haben, wobei das
Unwägbare eine wichtigere Rolle als das Wägbare spielen mag.
Schwingungen aber können nur scheinbar erlöschen, indem sie sich in die
Umgebung ausbreiten, oder, wenn ja durch Übergang ihrer lebendigen Kraft
in sogenannte Spannkraft zeitweise erlöschend, doch nach dem Gesetze der
Erhaltung der Kraft einer Wiederbelebung in irgendwelcher Form harren.
[4] Schon bei Annäherungen an den Tod im Diesseits (durch Narkose, oder
im Moment des eben drohenden Ertrinkens, oder im Schlafwachen) kommen
Annäherungen an diese den geistigen Inhalt auf einmal durchleuchtende
Klarheit vor, wovon Beispiel in »Zendavesta« III, S. 27 und (Fälle bei
drohendem Ertrinken) in Fechners Zentralbl. für Naturwiss. u.
Anthropologie 1853, S. 43 u. 623 verzeichnet sind.
[5] Dies erfahrungsmäßige Gesetz der Beziehung zwischen Leib und Seele
besteht darin, daß das Bewußtsein überall erlischt, wenn die leibliche
Tätigkeit, woran es hängt, unter einen gewissen Grad der Stärke, den man
die Schwelle nennt, sinkt. Nach Maßgabe nun, als sie sich mehr
ausbreitet, kann sie auch leichter durch die damit eintretende
Schwächung darunter sinken. Wie das ganze Bewußtsein seine Schwelle hat,
welche die Scheide zwischen Schlaf und Wachen des ganzen Menschen
bildet, so auch alles Besondere im Bewußtsein, worauf es beruht, daß
während des Wachens bald dies bald das im Bewußtsein auftaucht oder
erlischt, je nachdem die besondere Tätigkeit, woran es hängt, die
Sonderschwelle übersteigt oder darunter sinkt. Vergl. Elemente der
Psychophysik Kap. 10. 38. 39 und 42.
[6] Vergl. hierüber Elemente der Psychophysik, Kap. 37, und Atomenlehre
Kap. 26.
[7] Um nicht einen scheinbaren Widerspruch der obigen Betrachtung mit
der psychophysischen Lehre von der Mischungsschwelle (worüber das
Erläuterndste in Wundts Philos. Stud. IV, S. 204 und 211) bestehen zu
lassen, folgende Bemerkung: wenn die aus Komponenten mannigfachster Art
zusammengesetzte psychophysische Lebenswelle des Menschen, um diesen
kurzen Ausdruck fortzubrauchen, sich in eine Welt hineinverbreitete, die
nur andersartige Komponenten enthielte, so würde freilich anzunehmen
sein, daß sie durch ihre Ausbreitung unter die, hier in Betracht
kommende, Mischungsschwelle fiele. Da aber das psychophysische
Wellenmeer der Welt unter seinen übrigen Komponenten auch solche
enthält, welche mit denen der Lebenswelle des Menschen gleichartig sind,
und zwar von verschiedenster Höhe oder Intensität, also auch solche,
welche die Mischungsschwelle schon übersteigen oder derselben nahe sind,
und durch die zutretenden gleichartigen nur um so mehr gesteigert
werden, so stellt sich das Resultat der obigen Betrachtung nur auf etwas
gründlicherem Wege wieder her.
[8] Unstreitig hängt dies, dem sog. Gesetz der Erhaltung der Kraft im
Körpergebiete analoge, Gesetz auch mit demselben durch die
Grundbeziehung des Geistigen zum Körperlichen irgendwie zusammen, ohne
daß dieser Zusammenhang schon klargestellt ist, oder das Gesetz der
Erhaltung der Bewußtseinskraft schon psychophysisch aus dem Gesetz der
Erhaltung der Körperkraft ableitbar wäre, solange das Grundwesen der
psychophysischen Tätigkeit selbst nicht klargestellt ist. Das Gesetz muß
also für sich aus Tatsachen, wie sie oben folgen, gefolgert werden; und
gewinnt, ohne #exakt# in voller Allgemeinheit bewiesen zu sein, doch
eine Wahrscheinlichkeit dadurch, die es geeignet macht, Aperçus, wie
die, um die es sich hier handelt, zugrunde gelegt zu werden.
[9] Mit wissenschaftlichem Ausdrucke wird man sagen können: das
Bewußtsein ist überall da und wach, wenn und wo die der geistigen
unterliegende leibliche, sogenannte psychophysische Tätigkeit jenen Grad
der Stärke, den man die Schwelle nennt, übersteigt. (Vgl. S. 44 Anmerk.)
Hiernach kann das Bewußtsein in Zeit und Raum lokalisiert werden. Der
Gipfel der Welle unserer psychophysischen Tätigkeit schwankt gleichsam
von einem Orte zum anderen, womit das Bewußtseinslicht seine Stelle
wechselt, nur daß er während des diesseitigen Lebens immer bloß
innerhalb unseres Leibes, ja eines beschränkten Teils dieses Leibes, hin
und wider schwankt und im Schlafe ganz unter die Schwelle sinkt, über
die er im Wachen wieder aufsteigt. Hierüber vgl. Elemente der
Psychophysik II, Kap. 40 und 41.
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