Es wurde ferner durch sämmtliche Versuche erwiesen, dass es

OSTWALD'S KLASSIKER

DER EXAKTEN WISSENSCHAFTEN.

Nr. 121.

VERSUCHE

ÜBER

PFLANZENHYBRIDEN.

Zwei Abhandlungen.

(1866 und 1870.)

Von

GREGOR MENDEL.

WILHELM ENGELMANN IN LEIPZIG

Ankündigung.

Der großartige Aufschwung, den die Naturwissenschaften in unsrer Zeit

erfahren haben, ist, wie allgemein anerkannt wird, nicht zum kleinsten

Teile durch Ausbildung und Verbreitung der =Unterrichtsmittel=, der

Experimentalvorlesungen, Laboratorienarbeiten u. a. bedingt. Während durch

die vorhandenen Einrichtungen zwar die Kenntnis des gegenwärtigen Inhaltes

der Wissenschaft auf das erfolgreichste vermittelt wird, haben hochstehende

und weitblickende Männer wiederholt auf einen Mangel der gegenwärtigen

wissenschaftlichen Ausbildung jüngerer Kräfte hinweisen müssen. =Es ist

dies das Fehlen historischen Sinnes und der Mangel an Kenntnis jener großen

Arbeiten, auf denen das Gebäude der Wissenschaft ruht=.

Diesem Mangel soll durch die Herausgabe der

Klassiker der exakten Wissenschaften

abgeholfen werden. In handlicher Form und zu billigem Preise sollen die

grundlegenden Abhandlungen der gesamten exakten Wissenschaften den Kreisen

der Lehrenden und Lernenden zugänglich gemacht werden. Es soll dadurch ein

=Unterrichtsmittel= beschafft werden, das ein Eindringen in die

Wissenschaft gleichzeitig belebt und vertieft. Es ist aber auch ein

=Forschungsmittel= von großer Bedeutung. Denn in jenen grundlegenden

Schriften ruhten nicht nur die Keime, die inzwischen sich entwickelt und

Früchte getragen haben, sondern es ruhen in ihnen noch zahllose andre

Keime, die noch der Entwicklung harren. Dem in der Wissenschaft Arbeitenden

und Forschenden bilden jene Schriften eine unerschöpfliche Fundgrube von

Anregungen und fördernden Gedanken.

=Die Klassiker der exakten Wissenschaften= sollen die rationellen

Naturwissenschaften, von der Mathematik bis zur Physiologie umfassen und

werden Abhandlungen aus den Gebieten der =Mathematik=, =Astronomie=,

=Physik=, =Chemie= (einschließlich =Kristallkunde=), =Botanik= und

=Physiologie= enthalten.

Die allgemeine Redaktion führt Professor Dr. =Arthur von Oettingen=

(Leipzig); die einzelnen Ausgaben werden durch hervorragende Vertreter der

betreffenden Wissenschaften besorgt. Die Leitung der einzelnen Abteilungen

übernahmen: für Astronomie Prof. Dr. =Bruns= (Leipzig), für Mathematik

Prof. Dr. =Wangerin= (Halle), für Kristallkunde Prof. Dr. =Groth=

(München), für Pflanzenphysiologie Prof. Dr. W. =Pfeffer= (Leipzig), für

Chemie Prof. Dr. R. =Abegg= (Breslau), für Physik Prof. Dr. A. v.

=Oettingen= (Leipzig).

Erschienen sind bis jetzt aus dem Gebiete der

Botanik:

Nr. 1. $H. Helmholtz,$ Erhalt. d. Kraft. (1847.) 6. Taus. (60 S.)

_M_ --.80.

» 15. $Théod. de Saussure,$ Chem. Untersuch. über d. Vegetation.

(1804.) 1. =Hälfte=. Mit 1 Taf. Übersetzt von A. =Wieler=.

(96 S.) _M_ 1.80.

» 16. ---- ---- 2. =Hälfte=. Übersetzt v. A. =Wieler=. (113 S.)

_M_ 1.80.

» 26. $Justus Liebig,$ Über die Konstitution der organ. Säuren.

(1838.) Herausgegeben von =Herm. Kopp=. (86 S.) _M_ 1.40.

» 28. $L. Pasteur,$ Über die Asymmetrie bei natürlich vorkommenden

organischen Verbindungen. (1860.) Übersetzt und herausgegeben

von M. u. A. =Ladenburg=. (36 S.) _M_ --.60.

» 39. $L. Pasteur,$ Die in der Atmosphäre vorhandenen organisierten

Körperchen, Prüfung der Lehre von der Urzeugung. (1862.) Übers.

v. A. =Wieler=. Mit 2 Tafeln. (98 S.) _M_ 1.80.

» 41. $D. Joseph Gottlieb Kölreuters$ vorläufige Nachricht von

einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen und

Beobachtungen, nebst Fortsetzungen 1, 2 u. 3. (1761-1766.)

Herausg. von W. =Pfeffer=. (266 S.) _M_ 4.--.

» 48. $Christian Konrad Sprengel,$ Das entdeckte Geheimnis der Natur

im Bau und in der Befruchtung der Blumen. (1793.) Herausg. von

=Paul Knuth=. In 4 Bändchen. I. =Bändchen=. (184 S.) _M_ 2.--.

» 49. ---- ---- II. =Bändchen=. (172 S.) _M_ 2.--.

» 50. ---- ---- III. =Bändchen=. (180 S.) _M_ 2.--.

» 51. ---- ---- IV. =Bändchen=. (7 S. u. 25 Tafeln.) _M_ 2.--.

» 57. $Fahrenheit, Réaumur, Celsius,$ Thermometrie. (1724, 1730 bis

1733, 1742.) Herausgeg. von A. J. =von Oettingen=. Mit 17 Fig.

im Text. (140 S.) _M_ 2.40.

» 62. $Thomas Andrew Knight,$ Sechs pflanzenphysiologische Abhandlg.

(1803-1812.) Übers. u. herausg. v. H. =Ambronn=. (63 S.)

_M_ 1.--.

» 84. $Caspar Friedrich Wolffs$ Theoria generationis. (1759.)

I. =Teil=. (Entwicklung der Pflanzen.) Übersetzt und

herausgegeben von =Paul Samassa=. Mit 1 Tafel. (96 S.) _M_ 1.20.

» 85. ---- ---- (1759.) II. =Teil=. (Entwickl. der Tiere.

Allgemeines.) Übers. u. herausg. v. =Paul Samassa=. Mit 1 Taf.

(98 S.) _M_ 1.20.

» 92. $H. Kolbe,$ Über den natürlichen Zusammenhang der organischen

mit den unorganischen Verbindungen, die wissenschaftl. Grundlage

zu einer naturgemäßen Klassifikation der organisch. chemischen

Körper. (1859.) Herausg. von =Ernst von Meyer=. (42 S.)

_M_ --.70.

» 94. $E. Mitscherlich,$ Über das Verhältnis zwischen der chemischen

Zusammensetz. u. der Kristallform arseniksaurer u.

phosphorsaurer Salze. (1821.) Herausg. v. P. =Groth=. Mit 35

Textfiguren. (59 S.) _M_ 1.--.

» 95. $Ernst V. Brücke,$ Pflanzenphysiologische Abhandlungen.

I. Blüthen des Rebstockes. II. Bewegungen der Mimosa pudica.

III. Elementarorganismen. IV. Brennhaare von Urtica.

(1844-1862.) Herausgeg. von A. =Fischer=. Mit 9 Textfiguren.

(86 S.) _M_ 1.40.

» 105. $R. J. Camerarius,$ Über das Geschlecht der Pflanzen. (De sexu

plantarum epistola.) (1694.) Übersetzt u. herausg. von

M. =Möbius=. Mit dem Bildnis von R. J. =Camerarius=. (78 S.)

_M_ 1.50.

» 120. $Marcellus Malpighi,$ Die Anatomie der Pflanzen. I. und

II. Teil. (1675 u. 1679.) Bearb. v. M. =Möbius=. Mit 50 Abbild.

(163 S.) _M_ 3.--.

» 121. $Gregor Mendel,$ Versuche über Pflanzenhybriden. Zwei Abhandlg.

(1866 u. 1870.) Herausgeg. von =Erich von Tschermak=. 2. Aufl.

Mit einem Titelbild von G. Mendel. (68 S.) _M_ 2.80.

» 154. $Henri Dutrochet,$ Physiologische Untersuchungen über die

Beweglichkeit der Pflanzen. (1824.) Übersetzt und herausgegeben

von =Alexander Nathansohn=. Mit 29 Textfiguren. (148 S.)

_M_ 2.20.

» 159. $A. S. Marggraf,$ Chymische Versuche, einen wahren Zucker aus

verschiedenen Pflanzen, die in unseren Ländern wachsen, zu

ziehen. -- $F. C. Achard,$ Anleitung zum Anbau der zur

Zuckerfabrikation anwendbaren Runkelrüben und zur vorteilhaften

Gewinnung des Zuckers aus denselben. -- Die beiden

Grundschriften der Rübenzuckerfabrikation. Herausgeg. von

=Edmund O. von Lippmann=. (72 S.) _M_ 1.20.

» 176. $Th. Schwann,$ Mikroskopische Untersuchungen über die

Übereinstimmung in der Struktur und dem Wachstume der Tiere und

Pflanzen. Herausgeg. von F. =Hünseler=. Mit dem Bilde von

Th. Schwann u. 4 Tafeln. (242 S.) _M_ 3.60.

$Wilhelm Engelmann.$

[Illustration: Gregor Mendel in der Zeit seiner Tätigkeit als Forscher und

Lehrer (um 1862).]

VERSUCHE

ÜBER

PFLANZENHYBRIDEN.

Zwei Abhandlungen.

(1866 und 1870.)

Von

GREGOR MENDEL.

* * * * *

Herausgegeben

von

$Erich von Tschermak.$

=Zweite Auflage=.

* * * * *

LEIPZIG

VERLAG VON WILHELM ENGELMANN

1911

I.

Versuche über Pflanzenhybriden.

Von

Gregor Mendel.

(Vorgelegt in den Sitzungen vom 8. Februar und 8. März 1865.)

Gedruckt in den Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brünn. IV.

Band. Abhandlungen[A] 1865. Brünn, 1866. Im Verlage des Vereines.

S. 3-47.

Einleitende Bemerkungen.

Künstliche Befruchtungen, welche an Zierpflanzen deshalb vorgenommen

wurden, um neue Farbenvarianten zu erzielen, waren die Veranlassung zu den

Versuchen, die hier besprochen werden sollen. Die auffallende

Regelmässigkeit, mit welcher dieselben Hybridformen immer wiederkehrten, so

oft die Befruchtung zwischen gleichen Arten geschah, gab die Anregung zu

weiteren Experimenten, deren Aufgabe es war, die Entwicklung der Hybriden

in ihren Nachkommen zu verfolgen.

Dieser Aufgabe haben sorgfältige Beobachter, wie _Kölreuter_, _Gärtner_,

_Herbert_, _Lecocq_, _Wichura_ u. A. einen Theil ihres Lebens mit

unermüdlicher Ausdauer geopfert. Namentlich hat _Gärtner_ in seinem Werke

»die Bastarderzeugung im Pflanzenreiche« sehr schätzbare Beobachtungen

niedergelegt, und in neuester Zeit wurden von _Wichura_ gründliche

Untersuchungen über die Bastarde der Weiden veröffentlicht. Wenn es noch

nicht gelungen ist, ein allgemein gültiges Gesetz für die Bildung und

Entwicklung der Hybriden aufzustellen[1], so kann das Niemanden Wunder

nehmen, der den Umfang der Aufgabe kennt, und die Schwierigkeiten zu

würdigen weiss, mit denen Versuche dieser Art zu kämpfen haben. Eine

endgültige Entscheidung kann erst dann erfolgen, wenn =Detailversuche= aus

den verschiedensten Pflanzenfamilien vorliegen. Wer die Arbeiten auf diesem

Gebiete überblickt, wird zu der Ueberzeugung gelangen, dass unter den

zahlreichen Versuchen keiner in dem Umfange und in der Weise durchgeführt

ist, dass es möglich wäre, die Anzahl der verschiedenen Formen zu

bestimmen, unter welchen die Nachkommen der Hybriden auftreten, dass man

diese Formen mit Sicherheit in den einzelnen Generationen ordnen und die

gegenseitigen numerischen Verhältnisse feststellen könnte. Es gehört

allerdings einiger Muth dazu, sich einer so weit reichenden Arbeit zu

unterziehen; indessen scheint es der einzig richtige Weg zu sein, auf dem

endlich die Lösung einer Frage erreicht werden kann, welche für die

Entwicklungsgeschichte der organischen Formen von nicht zu unterschätzender

Bedeutung ist.

Die vorliegende Abhandlung bespricht die Probe eines solchen

Detailversuches. Derselbe wurde sachgemäss auf eine kleine Pflanzengruppe

beschränkt und ist nun nach Verlauf von acht Jahren im Wesentlichen

abgeschlossen. Ob der Plan, nach welchem die einzelnen Experimente geordnet

und durchgeführt wurden, der gestellten Aufgabe entspricht, darüber möge

eine wohlwollende Beurtheilung entscheiden.

[A] Die in Klammern beigefügten Nummern bezeichnen die Seitenzahlen des

Originals.

Auswahl der Versuchspflanzen.

Der Werth und die Geltung eines jeden Experimentes wird durch die

Tauglichkeit der dazu benützten Hilfsmittel, sowie durch die zweckmässige

Anwendung derselben bedingt. Auch in dem vorliegenden Falle kann es nicht

gleichgültig sein, welche Pflanzenarten als Träger der Versuche gewählt und

in welcher Weise diese durchgeführt wurden.

Die Auswahl der Pflanzengruppe, welche für Versuche dieser Art dienen soll,

muss mit möglichster Vorsicht geschehen, wenn man nicht im Vorhinein allen

Erfolg in Frage stellen will.

Die Versuchspflanzen müssen nothwendig

1. Constant differirende Merkmale besitzen.

2. Die Hybriden derselben müssen während der Blüthezeit vor der Einwirkung

jedes fremdartigen Pollens geschützt sein oder leicht geschützt werden

können.

3. Dürfen die Hybriden und ihre Nachkommen in den aufeinander folgenden

Generationen keine merkliche Störung in der Fruchtbarkeit erleiden.

Fälschungen durch fremden Pollen, wenn solche im Verlaufe des Versuches

vorkämen und nicht erkannt würden, müssten zu ganz irrigen Ansichten

führen. Verminderte Fruchtbarkeit, oder gänzliche Sterilität einzelner

Formen, wie sie unter den Nachkommen vieler Hybriden auftreten, würden die

Versuche sehr erschweren oder ganz vereiteln. Um die Beziehungen zu

erkennen, in welchen die Hybridformen zu einander selbst und zu ihren

Stammarten stehen, erscheint es als nothwendig, dass die Glieder der

Entwicklungsreihe in jeder einzelnen Generation =vollzählig= der

Beobachtung unterzogen werden.

Eine besondere Aufmerksamkeit wurde gleich Anfangs den =Leguminosen= wegen

ihres eigenthümlichen Blüthenbaues zugewendet. Versuche, welche mit

mehreren Gliedern dieser Familie angestellt wurden, führten zu dem

Resultate, dass das Genus =Pisum= den gestellten Anforderungen hinreichend

entspreche. Einige ganz selbständige Formen aus diesem Geschlechte

besitzen constante, leicht und sicher zu unterscheidende Merkmale, und

geben bei gegenseitiger Kreuzung in ihren Hybriden vollkommen fruchtbare

Nachkommen. Auch kann eine Störung durch fremde Pollen nicht leicht

eintreten, da die Befruchtungsorgane vom Schiffchen enge umschlossen sind

und die Antheren schon in der Knospe platzen, wodurch die Narbe noch vor

dem Aufblühen mit Pollen überdeckt wird. Dieser Umstand ist von besonderer

Wichtigkeit. Als weitere Vorzüge verdienen noch Erwähnung die leichte

Cultur dieser Pflanze im freien Lande und in Töpfen, sowie die

verhältnissmässig kurze Vegetationsdauer derselben. Die künstliche

Befruchtung ist allerdings etwas umständlich, gelingt jedoch fast immer. Zu

diesem Zwecke wird die noch nicht vollkommen entwickelte Knospe geöffnet,

das Schiffchen entfernt und jeder Staubfaden mittelst einer Pincette

behutsam herausgenommen, worauf dann die Narbe sogleich mit dem fremden

Pollen belegt werden kann.[2]

Aus mehreren Samenhandlungen wurden im Ganzen 34 mehr oder weniger

verschiedene Erbsensorten bezogen und einer zweijährigen Probe unterworfen.

Bei einer Sorte wurden unter einer grösseren Anzahl gleicher Pflanzen

einige bedeutend abweichende Formen bemerkt. Diese variirten jedoch im

nächsten Jahre nicht und stimmten mit einer anderen, aus derselben

Samenhandlung bezogenen Art vollständig überein; ohne Zweifel waren die

Samen bloss zufällig beigemengt. Alle anderen Sorten gaben durchaus gleiche

und constante Nachkommen, in den beiden Probejahren wenigstens war eine

wesentliche Abänderung nicht zu bemerken. Für die Befruchtung wurden 22

davon ausgewählt und jährlich, während der ganzen Versuchsdauer angebaut.

Sie bewährten sich ohne alle Ausnahme.

Die systematische Einreihung derselben ist schwierig und unsicher. Wollte

man die schärfste Bestimmung des Artbegriffes in Anwendung bringen, nach

welcher zu einer Art nur jene Individuen gehören, die unter völlig gleichen

Verhältnissen auch völlig gleiche Merkmale zeigen, so könnten nicht zwei

davon zu einer Art gezählt werden. Nach der Meinung der Fachgelehrten

indessen gehört die Mehrzahl der Species Pisum sativum an, während die

übrigen bald als Unterarten von P. sativum, bald als selbständige Arten

angesehen und beschrieben wurden, wie P. quadratum, P. saccharatum, P.

umbellatum. Uebrigens bleibt die Rangordnung, welche man denselben im

Systeme giebt, für die in Rede stehenden Versuche völlig gleichgültig. So

wenig man eine scharfe Unterscheidungslinie zwischen Species und Varietäten

zu ziehen vermag, ebenso wenig ist es bis jetzt gelungen, einen gründlichen

Unterschied zwischen den Hybriden der Species und Varietäten

aufzustellen.[3]

Eintheilung und Ordnung der Versuche.

Werden zwei Pflanzen, welche in einem oder mehreren Merkmalen constant

verschieden sind, durch Befruchtung verbunden, so gehen, wie zahlreiche

Versuche beweisen, die gemeinsamen Merkmale unverändert auf die Hybriden

und ihre Nachkommen über;[4] je zwei differirende hingegen vereinigen sich

an der Hybride zu einem neuen Merkmale, welches gewöhnlich an den

Nachkommen denselben Veränderungen unterworfen ist. Diese Veränderungen für

je zwei differirende Merkmale zu beobachten und das Gesetz zu ermitteln,

nach welchem dieselben in den aufeinander folgenden Generationen eintreten,

war die Aufgabe des Versuches. Derselbe zerfällt daher in ebenso viele

einzelne Experimente, als constant differirende Merkmale an den

Versuchspflanzen vorkommen.

Die verschiedenen, zur Befruchtung ausgewählten Erbsenformen zeigten

Unterschiede in der Länge und Färbung des Stengels, in der Grösse und

Gestalt der Blätter, in der Stellung, Farbe und Grösse der Blüthen, in der

Länge der Blüthenstiele, in der Farbe, Gestalt und Grösse der Hülsen, in

der Gestalt und Grösse der Samen, in der Färbung der Samenschale und des

Albumens.[5] Ein Theil der angeführten Merkmale lässt jedoch eine sichere

und scharfe Trennung nicht zu, indem der Unterschied auf einem oft

schwierig zu bestimmenden »mehr oder weniger« beruht. Solche Merkmale waren

für die Einzelversuche nicht verwendbar, diese konnten sich nur auf

Charaktere beschränken, die an den Pflanzen deutlich und entschieden

hervortreten. Der Erfolg musste endlich zeigen, ob sie in hybrider

Vereinigung sämmtlich ein übereinstimmendes Verhalten beobachten, und ob

daraus auch ein Urtheil über jene Merkmale möglich wird, welche eine

untergeordnete typische Bedeutung haben.

Die Merkmale, welche in die Versuche aufgenommen wurden, beziehen sich:

1. auf den =Unterschied in der Gestalt der reifen Samen=. Diese sind

entweder kugelrund oder rundlich, die Einsenkungen, wenn welche an der

Oberfläche vorkommen, immer nur seicht, oder sie sind unregelmässig kantig,

tief runzelig (P. quadratum);

2. auf den =Unterschied in der Färbung des Samenalbumens= (Endosperm's).

Das Albumen der reifen Samen ist entweder blassgelb, hellgelb oder orange

gefärbt, oder es besitzt eine mehr oder weniger intensiv grüne Farbe.

Dieser Farbenunterschied ist an den Samen deutlich zu erkennen, da ihre

Schalen durchscheinend sind;[6]

3. auf den =Unterschied in der Färbung der Samenschale=. Diese ist entweder

weiss gefärbt, womit auch constant die weisse Blüthenfarbe verbunden ist,

oder sie ist grau, graubraun, lederbraun mit oder ohne violetter

Punctirung, dann erscheint die Farbe der Fahne violett, die der Flügel

purpurn, und der Stengel an den Blattachseln röthlich gezeichnet. Die

grauen Samenschalen werden im kochenden Wasser schwarzbraun;

4. auf den =Unterschied in der Form der reifen Hülse=. Diese ist entweder

einfach gewölbt, nie stellenweise verengt, oder sie ist zwischen den Samen

tief eingeschnürt und mehr oder weniger runzelig (P. saccharatum);

5. auf den =Unterschied in der Farbe der unreifen Hülse=. Sie ist entweder

licht- bis dunkelgrün oder lebhaft gelb gefärbt, an welcher Färbung auch

Stengel, Blattrippen und Kelch theilnehmen[B];

6. auf den =Unterschied in der Stellung der Blüthen=. Sie sind entweder

axenständig, d. i. längs der Axe vertheilt, oder sie sind endständig, am

Ende der Axe gehäuft und fast in eine kurze Trugdolde gestellt; dabei ist

der obere Theil des Stengels im Querschnitte mehr oder weniger erweitert

(P. umbellatum);

7. auf den =Unterschied in der Axenlänge=. Die Länge der Axe ist bei

einzelnen Formen sehr verschieden, jedoch für jede insofern ein constantes

Merkmal, als dieselbe bei gesunden Pflanzen, die in gleichem Boden gezogen

werden, nur unbedeutenden Aenderungen unterliegt. Bei den Versuchen über

dieses Merkmal wurde der sicheren Unterscheidung wegen stets die lange

Axe von 6-7' mit der kurzen von ¾' bis 1½' verbunden.

[B] Eine Art besitzt eine schöne braunrothe Hülsenfarbe, welche gegen

die Zeit der Reife hin in Violett und Blau übergeht. Der Versuch

über dieses Merkmal wurde erst im verflossenen Jahre begonnen.

In zwei von den angeführten differirenden Merkmalen wurden durch

Befruchtung vereinigt. Für den

1. Vers. wurden 60 Befrucht. an 15 Pflanzen vorgenommen

2. » » 58 » » 10 » »

3. » » 35 » » 10 » »

4. » » 40 » » 10 » »

5. » » 23 » » 5 » »

6. » » 34 » » 10 » »

7. » » 37 » » 10 » »

Von einer grösseren Anzahl Pflanzen derselben Art wurden zur Befruchtung

nur die kräftigsten ausgewählt. Schwache Exemplare geben immer unsichere

Resultate, weil schon in der ersten Generation der Hybriden und noch mehr

in der folgenden manche Abkömmlinge entweder gar nicht zur Blüthe gelangen,

oder doch wenige und schlechte Samen bilden.

Ferner wurde bei sämmtlichen Versuchen die wechselseitige Kreuzung

durchgeführt, in der Weise nämlich, dass jene der beiden Arten, welche bei

einer Anzahl Befruchtungen als Samenpflanze diente, bei der anderen als

Pollenpflanze verwendet wurde.

Die Pflanzen wurden auf Gartenbeeten, ein kleiner Theil in Töpfen gezogen,

und mittelst Stäben, Baumzweigen und gespannten Schnüren in der natürlichen

aufrechten Stellung erhalten. Für jeden Versuch wurde eine Anzahl

Topfpflanzen während der Blüthezeit in ein Gewächshaus gestellt, sie

sollten für den Hauptversuch im Garten als Controlle dienen bezüglich

möglicher Störungen durch Insecten. Unter jenen, welche die Erbsenpflanze

besuchen, könnte die Käferspecies Bruchus pisi dem Versuche gefährlich

werden, falls sie in grösserer Menge erscheint.[7] Das Weibchen dieser Art

legt bekanntlich seine Eier in die Blüthe und öffnet dabei das Schiffchen;

an den Tarsen eines Exemplares, welches in einer Blüthe gefangen wurde,

konnten unter der Lupe deutlich einige Pollenzellen bemerkt werden. Es muss

hier noch eines Umstandes Erwähnung geschehen, der möglicher Weise die

Einmengung fremden Pollens veranlassen könnte. Es kommt nämlich in

einzelnen seltenen Fällen vor, dass gewisse Theile der übrigens ganz normal

entwickelten Blüthe verkümmern, wodurch eine theilweise Entblössung der

Befruchtungsorgane herbeigeführt wird. So wurde eine mangelhafte

Entwicklung des Schiffchens beobachtet, wobei Griffel und Antheren zum

Theile unbedeckt blieben. Auch geschieht es bisweilen, dass der Pollen

nicht zur vollen Ausbildung gelangt. In diesem Falle findet während des

Blühens eine allmähliche Verlängerung des Griffels statt, bis die Narbe an

der Spitze des Schiffchens hervortritt. Diese merkwürdige Erscheinung wurde

auch an Hybriden von Phaseolus und Lathyrus beobachtet.

Die Gefahr einer Fälschung durch den fremden Pollen ist jedoch bei Pisum

eine sehr geringe und vermag keineswegs das Resultat im Grossen und Ganzen

zu stören. Unter mehr als 10 000 Pflanzen, welche genauer untersucht

wurden, kam der Fall nur einige wenige Male vor, dass eine Einmengung nicht

zu bezweifeln war. Da im Gewächshause niemals eine solche Störung

beobachtet wurde, liegt wohl die Vermuthung nahe, dass Bruchus pisi und

vielleicht auch die angeführten Abnormitäten im Blüthenbau die Schuld daran

tragen.

Die Gestalt der Hybriden.[8]

Schon die Versuche, welche in früheren Jahren an Zierpflanzen vorgenommen

wurden, lieferten den Beweis, dass die Hybriden in der Regel nicht die

genaue Mittelform zwischen den Stammarten darstellen. Bei einzelnen mehr in

die Augen springenden Merkmalen, wie bei solchen, die sich auf die Gestalt

und Grösse der Blätter, auf die Behaarung der einzelnen Theile u. s. w.

beziehen, wird in der That die Mittelbildung fast immer ersichtlich;[9] in

anderen Fällen hingegen besitzt das eine der beiden Stamm-Merkmale ein so

grosses Uebergewicht, dass es schwierig oder ganz unmöglich ist, das andere

an der Hybride aufzufinden.

Ebenso verhält es sich mit den Hybriden bei Pisum. Jedes von den 7

Hybridenmerkmalen gleicht dem einen der beiden Stamm-Merkmale entweder so

vollkommen, dass das andere der Beobachtung entschwindet, oder ist

demselben so ähnlich, dass eine sichere Unterscheidung nicht stattfinden

kann. Dieser Umstand ist von grosser Wichtigkeit für die Bestimmung und

Einreihung der Formen, unter welchen die Nachkommen der Hybriden

erscheinen. In der weiteren Besprechung werden jene Merkmale, welche ganz

oder fast unverändert in die Hybride-Verbindung übergehen, somit

selbst die Hybridenmerkmale repräsentiren, als =dominirende= und jene,

welche in der Verbindung latent werden, als =recessive= bezeichnet. Der

Ausdruck »recessiv« wurde deshalb gewählt, weil die damit benannten

Merkmale an den Hybriden zurücktreten oder ganz verschwinden, jedoch unter

den Nachkommen derselben, wie später gezeigt wird, wieder unverändert zum

Vorschein kommen.

Es wurde ferner durch sämmtliche Versuche erwiesen, dass es völlig

gleichgültig ist, ob das dominirende Merkmal der Samen- oder Pollenpflanze

angehört;[10] die Hybridform bleibt in beiden Fällen genau dieselbe. Diese

interessante Erscheinung wird auch von _Gärtner_ hervorgehoben, mit dem

Bemerken, dass selbst der geübteste Kenner nicht im Stande ist, an einer

Hybride zu unterscheiden, welche von den beiden verbundenen Arten die

Samen- oder Pollenpflanze war.

Von den differirenden Merkmalen, welche in die Versuche eingeführt wurden,

sind nachfolgende dominirend:

1. die runde oder rundliche Samenform mit oder ohne seichte Einsenkungen;

2. die gelbe Färbung des Samenalbumens;

3. die graue, graubraune oder lederbraune Farbe der Samenschale, in

Verbindung mit violett-rother Blüthe und röthlicher Makel in den

Blattachseln;

4. die einfach gewölbte Form der Hülse;

5. die grüne Färbung der unreifen Hülse, in Verbindung mit der gleichen

Farbe des Stengels, der Blattrippen und des Kelches;

6. die Vertheilung der Blüthen längs des Stengels;

7. das Längenmaass der grösseren Axe.

Was das letztere Merkmal anbelangt, muss bemerkt werden, dass die längere

der beiden Stammaxen von der Hybride gewöhnlich noch übertroffen wird, was

vielleicht nur der grossen Ueppigkeit zuzuschreiben ist, welche in allen

Pflanzentheilen auftritt, wenn Axen von sehr verschiedener Länge verbunden

sind. So z. B. gaben bei wiederholtem Versuche Axen von 1' und 6' Länge in

hybrider Vereinigung ohne Ausnahmen Axen, deren Länge zwischen 6-7½'

schwankte.[11] =Die Hybriden der Samenschale= sind öfters mehr punctirt,

auch fliessen die Punkte bisweilen in kleinere bläulich-violette Flecke

zusammen. Die Punctirung erscheint häufig auch dann, wenn sie selbst

dem Stamm-Merkmale fehlt.[12]

Die Hybridformen der =Samengestalt= und des =Albumens= entwickeln sich

unmittelbar nach der künstlichen Befruchtung durch die blosse Einwirkung

des fremden Pollens. Sie können daher schon im ersten Versuchsjahre

beobachtet werden, während alle übrigen selbstverständlich erst im

folgenden Jahre an jenen Pflanzen hervortreten, welche aus den befruchteten

Samen gezogen werden.

Die erste Generation der Hybriden.[13]

In dieser Generation treten =nebst den dominirenden Merkmalen auch die

recessiven= in ihrer vollen Eigenthümlichkeit wieder auf, und zwar in dem

entschieden ausgesprochenen Durchschnittsverhältnisse 3 : 1, so dass unter

je vier Pflanzen aus dieser Generation drei den dominirenden und eine den

recessiven Charakter erhalten. Es gilt das ohne Ausnahme für alle Merkmale,

welche in die Versuche aufgenommen waren. Die kantig runzelige Gestalt der

Samen, die grüne Färbung des Albumens, die weisse Farbe der Samenschale und

der Blüthe, die Einschnürungen an den Hülsen, die gelbe Farbe der unreifen

Hülse, des Stengels, Kelches und der Blattrippen, der trugdoldenförmige

Blüthenstand und die zwergartige Axe kommen in dem angeführten numerischen

Verhältnisse wieder zum Vorschein ohne irgend eine wesentliche Abänderung.

=Uebergangsformen wurden bei keinem Versuche beobachtet=.

Da die Hybriden, welche aus wechselseitiger Kreuzung hervorgingen, eine

völlig gleiche[C] Gestalt besassen und auch in ihrer Weiterentwicklung

keine bemerkenswerthe Abweichung ersichtlich wurde, konnten die

beiderseitigen Resultate für jeden Versuch unter eine Rechnung gebracht

werden. Die Verhältnisszahlen, welche für je zwei differirende Merkmale

gewonnen wurden, sind folgende:

1. =Versuch=. Gestalt der Samen. Von 253 Hybriden wurden im zweiten

Versuchsjahre 7324 Samen erhalten. Darunter waren rund oder rundlich 5474,

und kantig runzelig 1850 Samen. Daraus ergiebt sich das Verhältniss

2,96 : 1.

2. =Versuch=. Färbung des Albumens. 258 Pflanzen gaben 8023 Samen, 6022

gelbe und 2001 grüne; daher stehen jene zu diesen im Verhältnisse 3,01 : 1.

[C] Nach eigenhändiger Korrektur =Mendels= in einem Separatabdruck des

Wiener botanischen Institutes =gleiche= an Stelle des Wortes

»völlige« gesetzt.

Bei diesen beiden Versuchen erhält man gewöhnlich aus jeder Hülse

beiderlei Samen. Bei gut ausgebildeten Hülsen, welche durchschnittlich 6-9

Samen enthielten, kam es öfters vor, dass sämmtliche Samen rund (Versuch 1)

oder sämmtliche gelb (Versuch 2) waren;[14] hingegen wurden mehr als 5

kantige oder 5 grüne in einer Hülse niemals beobachtet. Es scheint keinen

Unterschied zu machen, ob die Hülse sich früher oder später an der Hybride

entwickelt, ob sie der Hauptaxe oder einer Nebenaxe angehört. An einigen

wenigen Pflanzen kamen in den zuerst gebildeten Hülsen nur einzelne Samen

zur Entwicklung, und diese besassen dann ausschliesslich das eine der

beiden Merkmale; in den später gebildeten Hülsen blieb jedoch das

Verhältniss normal. So wie in einzelnen Hülsen, ebenso variirt die

Vertheilung der Merkmale auch bei einzelnen Pflanzen. Zur Veranschaulichung

mögen die ersten 10 Glieder aus beiden Versuchsreihen dienen:

1. =Versuch= 2. =Versuch=

Gestalt der Samen Färbung des Albumens

Pflanze rund kantig gelb grün

1 45 12 25 11

2 27 8 32 7

3 24 7 14 5

4 19 10 70 27

5 32 11 24 13

6 26 6 20 6

7 88 24 32 13

8 22 10 44 9

9 28 6 50 14

10 25 7 44 18

Als Extreme in der Vertheilung der beiden Samenmerkmale an =einer= Pflanze

wurden beobachtet bei dem 1. Versuche 43 runde und nur 2 kantige, ferner 14

runde und 15 kantige Samen. Bei dem 2. Versuche 32 gelbe und nur 1 grüner

Same, aber auch 20 gelbe und 19 grüne.

Diese beiden Versuche sind wichtig für die Feststellung der mittleren

Verhältnisszahlen, weil sie bei einer geringeren Anzahl von

Versuchspflanzen sehr bedeutende Durchschnitte möglich machen. Bei der

Abzählung der Samen wird jedoch, namentlich beim 2. Versuche, einige

Aufmerksamkeit erfordert, da bei einzelnen Samen mancher Pflanzen die

grüne Färbung des Albumens weniger entwickelt wird und anfänglich leicht

übersehen werden kann.[15] Die Ursache des theilweisen Verschwindens der

grünen Färbung steht mit dem Hybriden-Charakter der Pflanzen in keinem

Zusammenhange, indem dasselbe an der Stammpflanze ebenfalls vorkommt; auch

beschränkt sich diese Eigenthümlichkeit nur auf das Individuum und vererbt

sich nicht auf die Nachkommen. An luxurirenden Pflanzen wurde diese

Erscheinung öfter beobachtet. Samen, welche während ihrer Entwicklung von

Insecten beschädigt wurden, variiren oft in Farbe und Gestalt, jedoch sind

bei einiger Uebung im Sortiren Fehler leicht zu vermeiden. Es ist fast

überflüssig zu erwähnen, dass die Hülsen so lange an der Pflanze bleiben

müssen, bis sie vollkommen ausgereift und trocken geworden sind, weil erst

dann die Gestalt und Färbung der Samen vollständig entwickelt ist.

3. =Versuch=. Farbe der Samenschale. Unter 929 Pflanzen brachten 705

violett-rothe Blüthen und graubraune Samenschalen; 224 hatten weisse

Blüthen und weisse Samenschalen. Daraus ergiebt sich das Verhältniss

3,15 : 1.

4. =Versuch=. Gestalt der Hülsen. Von 1181 Pflanzen hatten 882 einfach

gewölbte, 299 eingeschnürte Hülsen. Daher das Verhältniss 2,95 : 1.

5. =Versuch=. Färbung der unreifen Hülse. Die Zahl der Versuchspflanzen

betrug 580, wovon 428 grüne und 152 gelbe Hülsen besassen. Daher stehen

jene zu diesen in dem Verhältnisse 2,82 : 1.

6. =Versuch=. Stellung der Blüthen. Unter 858 Fällen waren die Blüthen 651

Mal axenständig und 207 Mal endständig. Daraus das Verhältniss 3,14 : 1.

7. =Versuch=. Länge der Axe. Von 1064 Pflanzen hatten 787 die lange, 277

die kurze Axe. Daher das gegenseitige Verhältniss 2,84 : 1. Bei diesem

Versuche wurden die zwergartigen Pflanzen behutsam ausgehoben und auf

eigene Beete versetzt. Diese Vorsicht war nothwendig, weil sie sonst mitten

unter ihren hochrankenden Geschwistern hätten verkümmern müssen. Sie sind

schon in der ersten Jugendzeit an dem gedrungenen Wuchse und den

dunkelgrünen dicken Blättern leicht zu unterscheiden.

Werden die Resultate sämmtlicher Versuche zusammengefasst, so ergibt sich

zwischen der Anzahl der Formen mit dem dominirenden und recessiven

Merkmale das Durchschnittsverhältniss 2,98 : 1 oder 3 : 1.

Das dominirende Merkmal kann hier eine =doppelte Bedeutung= haben, nämlich

die des Stammcharakters oder des Hybriden-Merkmales. In welcher von beiden

Bedeutungen dasselbe in jedem einzelnen Falle vorkommt, darüber kann nur

die nächste Generation entscheiden. Als Stamm-Merkmal muss dasselbe

unverändert auf sämmtliche Nachkommen übergehen, als hybrides Merkmal

hingegen ein gleiches Verhalten wie in der ersten Generation beobachten.

Die zweite Generation der Hybriden.

Jene Formen, welche in der ersten Generation den recessiven Charakter

erhalten, variiren in der zweiten Generation in Bezug auf diesen Charakter

nicht mehr, sie bleiben in ihren Nachkommen =constant=.

Anders verhält es sich mit jenen, welche in der ersten Generation das

dominirende Merkmal besitzen. Von diesen geben =zwei= Theile Nachkommen,

welche in dem Verhältnisse 3 : 1 das dominirende und recessive Merkmal an

sich tragen, somit genau dasselbe Verhalten zeigen, wie die Hybridformen;

nur =ein= Theil bleibt mit dem dominirenden Merkmale constant.

Die einzelnen Versuche lieferten nachfolgende Resultate:

1. =Versuch=. Unter 565 Pflanzen, welche aus runden Samen der ersten

Generation gezogen wurden, brachten 193 wieder nur runde Samen und blieben

demnach in diesem Merkmale constant; 372 aber gaben runde und kantige Samen

zugleich, in dem Verhältnisse 3 : 1. Die Anzahl der Hybriden verhielt sich

daher zu der Zahl der Constanten wie 1,93 : 1.

2. =Versuch=. Von 519 Pflanzen, welche aus Samen gezogen wurden, deren

Albumen in der ersten Generation die gelbe Färbung hatte, gaben 166

ausschliesslich gelbe, 353 aber gelbe und grüne Samen in dem Verhältnisse

3 : 1. Es erfolgte daher eine Theilung in hybride und constante Formen nach

dem Verhältnisse 2,13 : 1.

Für jeden einzelnen von den nachfolgenden Versuchen wurden 100

Pflanzen ausgewählt, welche in der ersten Generation das dominirende

Merkmal besassen, und um die Bedeutung desselben zu prüfen, von jeder 10

Samen angebaut.

3. =Versuch=. Die Nachkommen von 36 Pflanzen brachten ausschliesslich

graubraune Samenschalen; von 64 Pflanzen wurden theils graubraune theils

weisse erhalten.

4. =Versuch=. Die Nachkommen von 29 Pflanzen hatten nur einfach gewölbte

Hülsen, von 71 hingegen theils gewölbte, theils eingeschnürte.

5. =Versuch=. Die Nachkommen von 40 Pflanzen hatten bloss grüne Hülsen, die

von 60 Pflanzen theils grüne, theils gelbe.

6. =Versuch=. Die Nachkommen von 33 Pflanzen hatten bloss axenständige

Blüthen, bei 67 hingegen waren sie theils axenständig, theils endständig.

7. =Versuch=. Die Nachkommen von 28 Pflanzen erhielten die lange Axe, die

von 72 Pflanzen theils die lange, theils die kurze.

Bei jedem dieser Versuche wird eine bestimmte Anzahl Pflanzen mit dem

dominirenden Merkmal constant. Für die Beurtheilung des Verhältnisses,

in welchem die Ausscheidung der Formen mit dem constant bleibenden

Merkmale erfolgt, sind die beiden ersten Versuche von besonderem

Gewichte, weil bei diesen eine grössere Anzahl Pflanzen verglichen

werden konnte. Die Verhältnisse 1,93 : 1 und 2,13 : 1 geben zusammen

fast genau das Durchschnittsverhältniss 2 : 1. Der 6. Versuch hat ein

ganz übereinstimmendes Resultat, bei den anderen schwankt das

Verhältniss mehr oder weniger, wie es bei der geringen Anzahl von 100

Versuchspflanzen nicht anders zu erwarten war. Der 5. Versuch, welcher

die grösste Abweichung zeigte, wurde wiederholt, und dann, statt des

Verhältnisses 60 : 40, das Verhältniss 65 : 35 erhalten. =Das

Durchschnittsverhältniss 2 : 1 erscheint demnach als gesichert.= Es ist

damit erwiesen, dass von jenen Formen, welche in der ersten Generation

das dominirende Merkmal besitzen, zwei Theile den hybriden Charakter an

sich tragen, ein Theil aber mit dem dominirenden Merkmale constant

bleibt.

Das Verhältniss 3 : 1, nach welchem die Vertheilung des dominirenden und

recessiven Charakters in der ersten Generation erfolgt, löst sich

demnach für alle Versuche in die Verhältnisse 2 : 1 : 1 auf, wenn man

zugleich das dominirende Merkmal in seiner Bedeutung als hybrides

Merkmal und als Stammcharakter unterscheidet. Da die Glieder der ersten

Generation unmittelbar aus den Samen der Hybriden hervorgehen, =wird es

nun ersichtlich, dass die Hybriden je zweier differirender Merkmale

Samen bilden, von denen die eine Hälfte wieder die Hybridform

entwickelt, während die andere Pflanzen giebt, welche constant bleiben

und zu gleichen Theilen den dominirenden und recessiven Charakter

erhalten=.

Die weiteren Generationen der Hybriden.

Die Verhältnisse, nach welchen sich die Abkömmlinge der Hybriden in der

ersten und zweiten Generation entwickeln und theilen, gelten wahrscheinlich

für alle weiteren Geschlechter. Der 1. und 2. Versuch sind nun schon durch

6 Generationen, der 3. und 7. durch 5, der 4., 5., 6. durch 4 Generationen

durchgeführt, obwohl von der 3. Generation angefangen mit einer kleinen

Anzahl Pflanzen, ohne dass irgend welche Abweichung bemerkbar wäre. Die

Nachkommen der Hybriden theilten sich in jeder Generation nach den

Verhältnissen 2 : 1 : 1 in hybride und constante Formen.

Bezeichnet _A_ das eine der beiden constanten Merkmale, z. B. das

dominirende, _a_ das recessive, und _Aa_ die Hybridform, in welcher beide

vereinigt sind, so ergiebt der Ausdruck:

_A_ + 2 _Aa_ + _a_

die Entwicklungsreihe für die Nachkommen der Hybriden je zweier

differirender Merkmale.

Die von _Gärtner_, _Kölreuter_ und Anderen gemachte Wahrnehmung, dass

Hybriden die Neigung besitzen zu den Stammarten zurückzukehren, ist auch

durch die besprochenen Versuche bestätigt. Es lässt sich zeigen, dass

die Zahl der Hybriden, welche aus einer Befruchtung stammen, gegen die

Anzahl der constant gewordenen Formen und ihrer Nachkommen von

Generation zu Generation um ein Bedeutendes zurückbleibt, ohne dass sie

jedoch ganz verschwinden könnten. Nimmt man durchschnittlich für alle

Pflanzen in allen Generationen eine gleich grosse Fruchtbarkeit an,

erwägt man ferner, dass jede Hybride Samen bildet, aus denen zur Hälfte

wieder Hybriden hervorgehen, während die andere Hälfte mit beiden

Merkmalen zu gleichen Theilen constant wird, so ergeben sich die

Zahlenverhältnisse für die Nachkommen in jeder Generation aus folgender

Zusammenstellung, wobei _A_ und _a_ wieder die beiden Stamm-Merkmale und

_Aa_ die Hybridform bezeichnet. Der Kürze wegen möge die Annahme gelten,

dass jede Pflanze in jeder Generation nur 4 Samen bildet.

in Verhältniss gestellt:

Generation _A_ _Aa_ _a_ _A_ : _Aa_: _a_

1 1 2 1 1 : 2 : 1

2 6 4 6 3 : 2 : 3

3 28 8 28 7 : 2 : 7

4 120 16 120 15 : 2 : 15

5 496 32 496 31 : 2 : 31

_n_ 2^{_n_}-1 : 2 : 2^{_n_}-1

In der 10. Generation z. B. ist 2^{_n_}-1 = 1023. Es giebt somit unter je

2048 Pflanzen, welche aus dieser Generation hervorgehen, 1023 mit dem

constanten dominirenden, 1023 mit dem recessiven Merkmale und nur 2

Hybriden.

Die Nachkommen der Hybriden, in welchen mehrere

differirende Merkmale verbunden sind.

Für die eben besprochenen Versuche wurden Pflanzen verwendet, welche nur

in einem wesentlichen[16] Merkmale verschieden waren. Die nächste Aufgabe

bestand darin, zu untersuchen, ob das gefundene Entwicklungsgesetz auch

dann für je zwei differirende Merkmale gelte, wenn mehrere verschiedene

Charaktere durch Befruchtung in der Hybride vereinigt sind.

Was die Gestalt der Hybriden in diesem Falle anbelangt, zeigten die

Versuche übereinstimmend, dass dieselbe stets jener der beiden

Stammpflanzen näher steht, welche die grössere Anzahl von dominirenden

Merkmalen besitzt. Hat z. B. die Samenpflanze eine kurze Axe,

endständige weisse Blüthen und einfach gewölbte Hülsen; die

Pollenpflanze hingegen eine lange Axe, axenständige violett-rothe

Blüthen und eingeschnürte Hülsen, so erinnert die Hybride nur durch die

Hülsenform an die Samenpflanze, in den übrigen Merkmalen stimmt sie mit

der Pollenpflanze überein. Besitzt eine der beiden Stammarten nur

dominirende Merkmale, dann ist die Hybride von derselben kaum oder gar

nicht zu unterscheiden.

Mit einer grösseren Anzahl Pflanzen wurden zwei Versuche durchgeführt. Bei

dem ersten Versuche waren die Stammpflanzen in der Gestalt der Samen und in

der Färbung des Albumens verschieden; bei dem zweiten in der Gestalt der

Samen, in der Färbung des Albumens und in der Farbe der Samenschale.

Versuche mit Samenmerkmalen führen am einfachsten und sichersten zum Ziele.

Um eine leichtere Uebersicht zu gewinnen, werden bei diesen Versuchen die

differirenden Merkmale der Samenpflanze mit _A_, _B_, _C_, jene der

Pollenpflanze mit _a_, _b_, _c_ und die Hybridformen dieser Merkmale mit

_Aa_, _Bb_, _Cc_ bezeichnet.

=Erster Versuch=: _AB_ Samenpflanze, _ab_ Pollenpflanze,

_A_ Gestalt rund, _a_ Gestalt kantig,

_B_ Albumen gelb, _b_ Albumen grün.

Die befruchteten Samen erschienen rund und gelb, jenen der Samenpflanze

ähnlich. Die daraus gezogenen Pflanzen gaben Samen von viererlei Art,

welche oft gemeinschaftlich in einer Hülse lagen. Im Ganzen wurden von 15

Pflanzen 556 Samen erhalten, von diesen waren:

315 rund und gelb,

101 kantig und gelb,

108 rund und grün,

32 kantig und grün.

Alle wurden im nächsten Jahre angebaut. Von den runden gelben Samen gingen

11 nicht auf und 3 Pflanzen kamen nicht zur Fruchtbildung. Unter den

übrigen Pflanzen hatten:

38 runde gelbe Samen _AB_

65 runde gelbe und grüne Samen _ABb_

60 runde gelbe und kantige gelbe Samen _AaB_

138 runde gelbe und grüne, kantige gelbe und grüne Samen _AaBb_

Von den kantigen gelben Samen kamen 96 Pflanzen zur Fruchtbildung, wovon

28 nur kantige gelbe Samen hatten _aB_

68 kantige, gelbe und grüne Samen _aBb_

Von 108 runden grünen Samen brachten 102 Pflanzen Früchte, davon hatten:

35 nur runde grüne Samen _Ab_

67 runde und kantige grüne Samen _Aab_

Die kantigen grünen Samen gaben 30 Pflanzen mit durchaus

gleichen Samen; sie blieben constant _ab_

Die Nachkommen der Hybriden erscheinen demnach unter 9 verschiedenen Formen

und zum Theile in sehr ungleicher Anzahl. Man erhält, wenn dieselben

zusammengestellt und geordnet werden:

38 Pflanzen mit der Bezeichnung _AB_

35 » » » » _Ab_

28 » » » » _aB_

30 » » » » _ab_

65 » » » » _ABb_

68 » » » » _aBb_

60 » » » » _AaB_

67 » » » » _Aab_

138 » » » » _AaBb_

Sämmtliche Formen lassen sich in drei wesentlich verschiedene Abtheilungen

bringen. Die erste umfasst jene mit der Bezeichnung _AB_, _Ab_, _aB_, _ab_;

sie besitzen nur constante Merkmale und ändern sich in den nächsten

Generationen nicht mehr. Jede dieser Formen ist durchschnittlich 33 Mal

vertreten. Die zweite Gruppe enthält die Formen _ABb_, _aBb_, _AaB_, _Aab_;

diese sind in einem Merkmale constant, in dem anderen hybrid, und variiren

in der nächsten Generation nur hinsichtlich des hybriden Merkmales. Jede

davon erscheint im Durchschnitte 65 Mal. Die Form _AaBb_ kommt 138 Mal vor,

ist in beiden Merkmalen hybrid, und verhält sich genau so, wie die Hybride,

von der sie abstammt.

Vergleicht man die Anzahl, in welcher die Formen dieser Abtheilungen

vorkommen, so sind die Durchschnittsverhältnisse 1 : 2 : 4 nicht zu

verkennen. Die Zahlen 33, 65, 138 geben ganz günstige Annäherungswerthe an

die Verhältnisszahlen 33, 66, 132.

Die Entwicklungsreihe besteht demnach aus 9 Gliedern. 4 davon kommen in

derselben je einmal vor und sind in beiden Merkmalen constant; die Formen

_AB_, _ab_ gleichen den Stammarten, die beiden anderen stellen die

ausserdem noch möglichen constanten Combinationen zwischen den verbundenen

Merkmalen _A_, _a_, _B_, _b_ vor. Vier Glieder kommen je 2 Mal vor und sind

in einem Merkmale constant, in dem anderen hybrid. Ein Glied tritt 4 Mal

auf und ist in beiden Merkmalen hybrid. Daher entwickeln sich die

Nachkommen der Hybriden, wenn in denselben zweierlei differirende Merkmale

verbunden sind, nach dem Ausdrucke:

_AB_ + _Ab_ + _aB_ + _ab_ + 2_ABb_ + 2_aBb_ + 2_AaB_ + 2_Aab_ + 4_AaBb_.

Diese Entwicklungsreihe ist unbestritten eine Combinationsreihe, in welcher

die beiden Entwicklungsreihen für die Merkmale _A_ und _a_, _B_ und _b_

gliedweise verbunden sind. Man erhält die Glieder der Reihe vollzählig

durch die Combinirung der Ausdrücke:

_A_ + 2_Aa_ + _a_

_B_ + 2_Bb_ + _b_

=Zweiter Versuch=: _ABC_ Samenpflanze, _abc_ Pollenpflanze,

_A_ Gestalt rund, _a_ Gestalt kantig,

_B_ Albumen gelb, _b_ Albumen grün,

_C_ Schale graubraun, _c_ Schale weiss.

Dieser Versuch wurde in ganz ähnlicher Weise wie der vorangehende

durchgeführt. Er nahm unter allen Versuchen die meiste Zeit und Mühe in

Anspruch. Von 24 Hybriden wurden im Ganzen 687 Samen erhalten, welche

sämmtlich punktirt, graubraun oder graugrün gefärbt, rund oder kantig

waren. Davon kamen im folgenden Jahre 639 Pflanzen zur Fruchtbildung, und

wie die weiteren Untersuchungen zeigten, befanden sich darunter:

8 Pflanzen _ABC_ 22 Pflanzen _ABCc_ 45 Pflanzen _ABbCc_

14 » _ABc_ 17 » _AbCc_ 36 » _aBbCc_

9 » _AbC_ 25 » _aBCc_ 38 » _AaBCc_

11 » _Abc_ 20 » _abCc_ 40 » _AabCc_

8 » _aBC_ 15 » _ABbC_ 49 » _AaBbC_

10 » _aBc_ 18 » _ABbc_ 48 » _AaBbc_

10 » _abC_ 19 » _aBbC_

7 » _abc_ 24 » _aBbc_

14 » _AaBC_ 78 » _AaBbCc_

18 » _AaBc_

20 » _AabC_

16 » _Aabc_

Die Entwicklungsreihe umfasst 27 Glieder, davon sind 8 in allen

Merkmalen constant, und jede kommt durchschnittlich 10 Mal vor; 12 sind

in zwei Merkmalen constant, in dem dritten hybrid, jede erscheint im

Durchschnitte 19 Mal; 6 sind in einem Merkmale constant, in den beiden

anderen hybrid, jede davon tritt durchschnittlich 43 Mal auf;

eine Form kommt 78 Mal vor und ist in sämmtlichen Merkmalen hybrid.

Die Verhältnisse 10 : 19 : 43 : 78 kommen den Verhältnissen

10 : 20 : 40 : 80 oder 1 : 2 : 4 : 8 so nahe, dass letztere ohne

Zweifel die richtigen Werthe darstellen.

Die Entwicklung der Hybriden, wenn ihre Stammarten in drei Merkmalen

verschieden sind, erfolgt daher nach dem Ausdrucke:

_ABC_ + _ABc_ + _AbC_ + _Abc_ + _aBC_ + _aBc_ + _abC_ + _abc_

+ 2_ABCc_ + 2_AbCc_ + 2_aBCc_ + 2_abCc_ + 2_ABbC_ + 2_ABbc_

+ 2_aBbC_ + 2_aBbc_ + 2_AaBC_ + 2_AaBc_ + 2_AabC_ + 2_Aabc_

+ 4_ABbCc_ + 4_aBbCc_ + 4_AaBCc_ + 4_AabCc_ + 4_AaBbC_

+ 4_AaBbc_ + 8_AaBbCc_.

Auch hier liegt eine Combinationsreihe vor, in welcher die

Entwicklungsreihe für die Merkmale _A_ und _a_, _B_ und _b_, _C_ und _c_

mit einander verbunden sind. Die Ausdrücke:

_A_ + 2_Aa_ + _a_

_B_ + 2_Bb_ + _b_

_C_ + 2_Cc_ + _c_

geben sämmtliche Glieder der Reihe. Die constanten Verbindungen, welche in

derselben vorkommen, entsprechen allen Combinationen, welche zwischen den

Merkmalen _A_, _B_, _C_, _a_, _b_, _c_ möglich sind; zwei davon, _ABC_ und

_abc_ gleichen den beiden Stammpflanzen.

Ausserdem wurden noch mehrere Experimente mit einer geringeren Anzahl

Versuchspflanzen durchgeführt, bei welchen die übrigen Merkmale zu zwei und

drei hybrid verbunden waren; alle lieferten annähernd gleiche Resultate. Es

unterliegt daher keinem Zweifel, dass für sämmtliche in die Versuche

aufgenommenen Merkmale der Satz Gültigkeit habe: =die Nachkommen der

Hybriden, in welchen mehrere wesentlich verschiedene Merkmale vereinigt

sind, stellen die Glieder einer Combinationsreihe vor, in welchen die

Entwicklungsreihen für je zwei differirende Merkmale verbunden sind. Damit

ist zugleich erwiesen, dass das Verhalten je zweier differirender Merkmale

in hybrider Verbindung unabhängig ist von den anderweitigen Unterschieden

an den beiden Stammpflanzen=.

Bezeichnet _n_ die Anzahl der charakteristischen Unterschiede an den beiden

Stammpflanzen, so giebt 3^_n_ die Gliederzahl der Combinationsreihe, 4^_n_

die Anzahl der Individuen, welche in die Reihe gehören, und 2^_n_ die

Zahl der Verbindungen, welche constant bleiben. So enthält z. B. die Reihe,

wenn die Stammarten in 4 Merkmalen verschieden sind, 3^4 = 81 Glieder, 4^4

= 256 Individuen und 2^4 = 16 constante Formen; oder was dasselbe ist,

unter je 256 Nachkommen der Hybriden giebt es 81 verschiedene Verbindungen,

von denen 16 constant sind.

Versuche über Pflanzenhybriden · 第 1 / 6 段