Es war meine Absicht, nur ein paar Tage auszuruhen und dann über den

Kara-korum-Paß nach Norden zu eilen. Doch böse Mächte hielten uns in

Leh zurück. Schagdur bekam einen sehr schweren Rückfall; ~Dr.~

Shawe hielt es für Typhus. Der Kranke würde noch ein paar Monate unter

keinen Umständen reisen dürfen. Er war entsetzlich abgemagert und matt

und phantasierte mehrere Nächte lang. Wir wurden infolgedessen von

einem Tage zum andern aufgehalten; daß wir ihn nicht mitnehmen konnten,

war klar, aber ich wollte nicht eher reisen, als bis ~Dr.~ Shawe

ihn außer Gefahr hielt. Einige Tage hindurch hatten wir beinahe die

Hoffnung aufgegeben, daß er überhaupt genesen würde. Doch Anfang April

fing er an, sich zu erholen; die Krisis war vorüber, und um vollständig

wiederhergestellt zu werden, bedurfte er nur noch einige Monate der

Ruhe und Pflege in dem Missionskrankenhause, wo ~Dr.~ Shawe ihn

unter seiner persönlichen Aufsicht hatte. Alles wurde für den Kranken

so gut wie möglich eingerichtet. Li Loje erhielt Befehl, bei ihm zu

bleiben und sein Leibdiener zu sein; führe er seinen Auftrag gut

aus, so solle er in Kaschgar eine Extrabelohnung erhalten. Im Sommer

sollten die beiden sich einer nach Jarkent ziehenden Handelskarawane

anschließen und sich von dort nach Kaschgar begeben. Schagdur erhielt

200 Rupien zur Bestreitung der Kosten.

Es tat mir bitter weh, Schagdur zu verlassen, als wir am 5. April 1902

aufbrachen. Die Sonne schien so freundlich und warm in sein Zimmer

hinein, als ich ihn zum letztenmal sah. Er war allerdings betrübt, daß

er uns nicht bis ans Ende der Reise begleiten konnte, aber er sah ein,

daß er sich jetzt ruhig verhalten müsse, bis er ganz wiederhergestellt

sei. Ich beruhigte ihn und versuchte, ihm alles in hellem Lichte zu

zeigen, auch gab ich ihm das Versprechen, ihn, soweit es von mir

abhinge, auf meiner nächsten Reise ebenfalls mitzunehmen. Diese

Hoffnung hatte ihn stets erfreut; er träumte davon wie von der größten

Ehre und Freude, die ihm im Leben zuteil werden könne. Schließlich

drückte ich ihm die Hand zum Abschied und befahl ihn in Gottes Schutz;

da brach seine Fassung zusammen, er wandte sich ab und weinte. Ich

eilte hinaus, um ihn nicht sehen zu lassen, daß auch meine Augen feucht

glänzten und wie tief und schmerzlich mir diese lange Trennung zu

Herzen ging. Auch von den Familien Ribbach, Hettasch und von ~Dr.~

Shawe schied ich mit aufrichtigem Bedauern. Sie hatten mir in so vieler

Weise genützt und geholfen, und ich hatte in ihrer Missionsstation das

Ideal einer solchen Anstalt kennengelernt.

Leicht war es auch nicht, unseren alten, treuen Veteranen Lebewohl

zu sagen, den letzten neun Kamelen, die allein noch imstande gewesen

waren, Leh zu erreichen, und die sich während der drei Wintermonate so

von ihren Anstrengungen erholt hatten, daß sie jetzt dick, fett und

vergnügt vor ihren Krippen standen. Aber es mußte sein; sie konnten im

Winter nicht über den Kara-korum gehen. Ich verkaufte sie für einen

Spottpreis an einen Kaufmann aus Jarkent, wohin sie im nächsten Sommer

gebracht werden sollten.

[Illustration: 329. Aus der Klosterküche in Hemis. (S. 367.)]

[Illustration: 330. Trompetende Lamas. (S. 367.)]

[Illustration: 331. Posaunenblasende Lamas. (S. 367.)]

War es ein großer Kontrast gewesen, von einem tibetischen Winter

in 5000 Meter Höhe in den Sommer Indiens am Meer zu gehen, so war

der Übergang nicht weniger schroff, als er jetzt in umgekehrter

Weise stattfand. Eigentlich war es wunderbar, daß ich von jeder Spur

von Fieber verschont blieb, aber ich war dafür sehr müde und sehnte

mich nach meiner friedlichen Studierstube in Stockholm. Ich beschloß

daher, mich jetzt, solange es anging, d. h. bis an den Fuß des

Tschang-la-Passes, wieder des Tragstuhls zu bedienen. Von vier starken

Männern getragen, schaukelte ich von Leh ab. Der Palast der früheren

Könige auf seinem Felsen und die kleine malerische Stadt verschwanden

bald hinter den Hügeln, als sich die Männer, einen charakteristischen

Wechselgesang singend, mit raschen Schritten dem Indus näherten. Der

Führer singt eine kurze Strophe, und die anderen fallen mit einem

eintönigen, einschläfernden Kehrreime ein, aber der Gesang treibt sie

und hilft ihnen, im Takt zu gehen.

Am 6. gingen wir am linken Indusufer aufwärts. Als Begleiter hatte ich

nur den Lama und Kutschuk; die Karawane mit ihren gemieteten Pferden

marschierte auf der großen Heerstraße nach dem Tschang-la und folgte

dem rechten Flußufer.

Schließlich verlassen wir den Indus, ziehen nach Süden und Südwesten

den Geröllkegel der südlichen Bergkette hinauf und treten in die

Mündung des +Hemistales+ ein. Wir passieren eine Menge malerisch

ornamentierter Tschorten und ganze Reihen von runden und länglichen

Steinkisten. Das Tal wird immer enger und die Richtung beinahe

westlich; zwischen den grauen Felswänden wirken einzelne Pappelgruppen

sehr hübsch, und im Hintergrund zeigt sich das schneebedeckte

Hochgebirge.

Jetzt wird der berühmte Tempel +Hemis+ unseren Blicken sichtbar; er ist

am besten mit einer Masse zusammengedrängter amphitheatralisch gebauter

Häuser, die wie Schwalbennester an dem Abhange kleben, zu vergleichen.

Durch Höfe, Gänge und über gewundene Steige mit Geländern gelangen wir

an eine kleine Pforte in der Mauer; hier heißt uns der Prior von Hemis

freundlich willkommen. Es war ein alter Mann mit dünnem, grauem Bart

und großer, dicker Nase (Abb. 327); sein Lächeln war ebenso heiter wie

gütig. Sein Name und Titel war Ngawand Tschö Tsang, Hemi Tschaggtsot.

Nun beginnt die Runde in diesem Klosterlabyrinth von dunkeln

Löchern und Kammern, Höfen und Gängen, Korridoren und steilen,

engen Steintreppen, die von einer Tempelterrasse zur anderen führen

(Abb. 323). Es wäre schwer, eine auch nur annähernd orientierende

Beschreibung von dem eigentümlichen Gebäudekomplex zu geben. Eine

bestimmte Ordnung herrscht in der Architektur nicht; die verschiedenen

würfelförmigen Häuser scheinen nach und nach überall, wo nur der

kleinste Platz dazu war, hingebaut worden zu sein. Man wird

aufgefordert, durch eine Pforte zu treten, und es geht einen schmalen

Weg bergauf, der, zwischen Mauern eingeschlossen und mit Steinplatten

gepflastert, um eine Ecke biegt und sich in einen wagerechten dunkeln

Gang verliert, der seinerseits auf eine Reihe kleiner Höfe ausmündet.

Man steigt eine sehr steile Treppe hinauf, wirft einen Blick in einen

Tempelsaal hinein, wo die vergoldeten Götterbilder matt im Halbdunkel

glänzen; man wird auf eine Terrasse hinausgeführt, ist von der

herrlichen Aussicht hingerissen und meint, es sei ein Wunder, daß noch

kein Bergrutsch von der hinter dem Tempel liegenden Felswand die ganze

Tempelstadt in Trümmer gelegt hat, dann wird man wieder eine Treppe

hinaufgeführt, durch neue Gänge und Winkel bis in die Unendlichkeit,

bis einem der Kopf schwindelt. Man muß sich wie in einem Irrgarten oder

einer verzauberten Höhle verlieren. Es war leichter, sich im Government

House zu Kalkutta zurechtzufinden, obgleich es einige Zeit dauerte,

bis ich dort Bescheid wußte. Hier in Hemis aber können sich nur Mönche

auskennen.

In dem ersten Saale, der mir gezeigt wurde und dessen Decke malerische

Säulen trugen, thronte der Gott Dollma, mit großen, stechenden Augen.

Vor dem Gotte, der 300 Jahre alt sein soll, standen auf Tischen ganze

Batterien von Messingschalen mit Wasser, Reis, Gerste, Mehl, Fett und

Butter. Von dem zweiten Saale machte ich in aller Hast eine Zeichnung,

die hier wiedergegeben ist. Er soll der vornehmste in Hemis sein;

zwei Lamas knieten vor Doggtsang Raspas vergoldetem, mit einem Mantel

bekleideten Bilde (Abb. 324, 325). Rechts von ihm sitzt der Lama

Jalsras, links Sandschas Schaggdscha Toba. Die Tempelsäle, sieben an

der Zahl, heißen „Dengkang“ (mongolisch Doggung) und die Kammern, wo

die Mönche ihre „Nom“ (heiligen Schriften) studieren, werden „Tsokkang“

(mongolisch Sume) genannt.

In einem gewaltigen, becherförmigen Messinggefäß, „Lotschott“, brennt

in einer Vertiefung in gelbem Fett eine kleine Flamme, die ein Jahr

lang nicht erlischt. Fahnenähnliche, religiöse Gemälde schmücken oft in

mehreren Schichten die Wände, und von den Decken hängen „Tschutschepp“

genannte Draperien; an den Säulen flattern lange, in drei Zungen

auslaufende, als „Pann“ bezeichnete Bänder, und über den Götterbildern

schweben sonnenschirmartige Thronhimmel. Trommeln, Glocken, Götter,

Messingbecken und lange Blashörner gehören zur Ausstattung; man

wandelt gleichsam in einem Museum umher, das man aus dieser im Gebirge

versteckten Krypte entführen und mit nach Hause nehmen möchte. Die

Büchergestelle biegen sich unter Bänden der „Nom“. In gleicher Weise

sind die übrigen Säle mit Götterbildern und „Tschurden“ von Silber

mit Rubinen, Türkisen und Gold bevölkert. Durch eine Falltür im

Fußboden des einen Saales konnte man in das „Bakkang“, das Zeughaus

oder die Rüstkammer, hinabsteigen, wo alle Gewänder, Masken, Hüte,

Speere, Trommeln, Posaunen und Blashörner, die man zu den Anfang Juli

stattfindenden Festtänzen brauchte, aufbewahrt wurden. Einige Lamas

kleideten sich in ihre Festgewänder und standen mir freundlich Modell,

während ich sie abzeichnete (Abb. 326, 328). Während des Sommerfestes

wird das „Tabbtsang“ oder Küchenhaus benutzt, wo fünf kolossale und

mehrere kleine Kessel in einen Herd eingemauert sind (Abb. 329).

Es wimmelte während der Runde um uns her von rotgekleideten Lamas,

aber der Prior zeigte uns alles selbst und benahm sich dabei mit

imponierender Würde. Sodann führte er uns nach unseren Gastzimmern

in einem kleinen, eleganten und behaglichen Pavillon unterhalb des

Klosters. Abends besuchte ich ihn in seiner Zelle und wurde zu diesem

Zweck von einigen dienenden Brüdern abgeholt. Bei dem Scheine der

gelbroten Flammen der Fackeln glichen die engen Korridore und Grotten

jetzt noch mehr Krypten und Höhlen in einem Berge.

Der Greis erzählte, daß +Hemi-gompa+, wie er sein Kloster nannte,

vor 300 Jahren von Doggtsang Raspa erbaut worden sei, einem Lama,

der wie der Dalai-Lama durch alle Zeiten weiterlebe. Der jetzige

Doggtsang Raspa sei 19 Jahre alt und lebe seit drei Jahren als Eremit

ganz allein in einem kleinen „Gompa“ im Gebirge, nicht sehr hoch oben

in der Talschlucht, wo die Gegend Gotsang heiße. Er müsse dort noch

drei Jahre leben. Sechs Jahre lang dürfe er keinen Menschen sehen

und sein Gefängnis überhaupt nicht verlassen. Er müsse die Zeit mit

dem Studium der heiligen Schriften und mit Meditation zubringen. In

der Nachbarschaft wohne ein dienender Lama, der ihm Nahrung bringe.

Diese werde ihm täglich in eine runde Maueröffnung hineingeschoben,

aber die Blicke der beiden Männer dürfen sich dabei nie begegnen, und

sie dürfen nie miteinander reden; falls es sich um eine besonders

wichtige Angelegenheit handle, dürfe ein beschriebener Zettel in die

Maueröffnung gelegt werden. Wasser liefere eine kleine Quellader neben

dem Tempel. Ich fragte, was er denn anfange, wenn er erkranke, und

erhielt die Antwort, er sei so heilig, daß er überhaupt nicht krank

werde, und überdies kenne er die Heilmittel für alle Krankheiten der

Welt. Alle Doggtsang Raspa hätten sich dieser Läuterung unterzogen.

Wenn die sechs Jahre zu Ende seien, komme der Doggtsang Raspa nach

Hemis herunter, und wenn er sterbe, gehe sein Geist in einen neuen

Doggtsang Raspa über. Es muß schauerlich sein, sechs lange Winter ganz

allein in dem stillen Tale zu verleben.

Dreihundert Lamas gehören zum Kloster; den Winter bringen die meisten

in anderen Gompa und in Leh zu (Abb. 330, 331, 332, 333, 334). Das

Kloster, welches reich ist und viel anbaufähiges Land besitzt, sorgt

für ihren Unterhalt. Ein russischer Reisender, der vor einigen Jahren

die Welt durch die behauptete „Entdeckung“ eines Manuskriptes über Jesu

Leben, das er in Hemis gefunden haben wollte, in Erstaunen setzte,

wurde schon damals so gründlich entlarvt, daß ich mich bei ihm nicht

weiter aufzuhalten brauche.

Als ich am folgenden Nachmittag den Tempel verließ, erhielt ich

allerlei Proviant und ein Schaf, wofür ich unter keiner Bedingung

bezahlen durfte. Der Prior begleitete uns zu Pferd bis an die

Indusbrücke; in +Taggar+ vereinigten wir uns wieder mit den Unsrigen. --

Die Rückreise durch Asien und Europa könnte Stoff zu noch einer

Reisebeschreibung geben, aber ich muß jetzt den Bericht über meine

Schicksale schließen; nur ein paar Episoden darf ich nicht übergehen.

Nachdem wir durch das +Schejoktal+ (Abb. 335) auf Yaken den

+Kara-korum-Paß+ (5658 Meter) (Abb. 336, 337) erreicht hatten und auf

Pferden weitergeritten waren, den +Sugett-dawan+ und den +Sandschupaß+

überschritten hatten und, um uns auszuruhen, ein paar Tage in

+Kargalik+ und +Jarkent+ geblieben waren, langten wir am 14. Mai 1902

endlich in +Kaschgar+ an.

Der Frühling prangte in seiner ganzen Schönheit, als ich mit meinem

alten Freunde Generalkonsul Petrowskij wieder in wohlbekannten

Laubgängen wandelte, ihm von meinen Erfahrungen und Erinnerungen aus

dem Herzen von Asien erzählte und ihm für die unschätzbaren Dienste

dankte, die er mir während der vergangenen Jahre bei so vielen

Gelegenheiten geleistet hatte. Auch Macartney und Pater Hendriks

zeigten lebhaftes Interesse für meine Erfahrungen, und ich freute

mich ebenso sehr, sie wieder zu sehen, wie die Bekanntschaft der

neuangekommenen Missionare Andersson und Bäcklund zu machen, die

sich der schwedischen Missionsstation ernstlich annahmen und Grund

hatten, mit den Früchten ihrer mühevollen, menschenfreundlichen Arbeit

zufrieden zu sein.

Aber ich hatte keine Zeit, mich dort länger aufzuhalten, ich mußte

ihnen bald die Hand zum Abschied drücken und westwärts über die Berge

eilen. Kutschuk und Chodai Kullu kehrten wieder nach ihren Hütten am

Lop zurück und erhielten reichen Lohn für ihre treugeleisteten Dienste.

In +Osch+ verließ ich den alten redlichen Turdu Bai und empfahl ihn

aufs wärmste an Oberst Saizeff, in dessen Hause ich wieder einmal eine

freundliche Freistatt fand.

Sehr schwer wurde es mir, von Malenki und Maltschik zu scheiden. Ich

küßte sie auf die Schnauze und streichelte sie, die angebunden auf dem

Hofe standen, als wir in +Andischan+ nach dem Bahnhofe fuhren. Sie

sahen mir mit nachdenklichen, fragenden Blicken nach, als hätten sie

verstanden, daß ich sie in diesem Augenblick für immer verließ.

[Illustration: 332. Lesender Lama. (S. 367.)]

[Illustration: 333. Ein Lama mit Gebettrommel. (S. 367.)]

[Illustration: 334. Lama, Trommel und Becken schlagend. (S. 367.)]

[Illustration: 335. im Schejoktal. (S. 368.)]

[Illustration: 336. Mein Reityak auf dem Wege nach dem Kara-korum. (S.

368.)]

[Illustration: 337. Der Kitschik-kumdan-Paß in der Nähe des Kara-korum.

(S. 368.)]

In Tschernajewa nahm ich herzlichen Abschied von dem prächtigen

Tschernoff, der sich über Taschkent nach Wernoje begab. Tscherdon

und der Lama begleiteten mich über das Kaspische Meer. Der gute Lama

staunte, als er sah, wie die Räder des großen Dampfers uns auf den See

hinausbrachten. Beide sollten von Petrowsk nach Astrachan weiterfahren,

wo der Lama sich für die Zukunft in einem Kalmückenkloster

niederzulassen beabsichtigte. Petrowskij und ich hatten ihn dem

Gouverneur aufs beste empfohlen. In Kara-schahr wagte er nicht mehr

sich sehen zu lassen, und das Betreten des Gebietes von Lhasa war ihm

vom Kamba Bombo für immer untersagt worden; deshalb wurde er russischer

Untertan. Tscherdon fuhr mit der sibirischen Eisenbahn wieder nach

seiner transbaikalischen Heimat.

Ja, es war schmerzlich, von ihnen allen zu scheiden; hatte ich doch

lange Jahre mit diesen Männern durchlebt! Ihre Tränen bewiesen, daß

auch sie mit Bedauern und Zuneigung Abschied von mir nahmen. Von

einigen von ihnen habe ich später Nachricht erhalten, und ich weiß

zu meiner großen Freude, daß Schagdur wenigstens schon innerhalb

der Grenzen Rußlands ist und sich bereits in Osch befindet. General

Sacharoff in Petersburg hat bei mehreren Gelegenheiten die große

Freundlichkeit gehabt, mich von den weiteren Schicksalen meiner lieben

Kosaken in Kenntnis zu setzen. Kürzlich erhielt ich einen Brief von

Oberst Saizeff, den ich nicht ohne Rührung las. Er enthielt eine

Beschreibung davon, wie Schagdur über seine Eindrücke von der ganzen

Reise, besonders aber unsern Ritt nach Lhasa und die Reise nach Indien

berichtet hatte; es freute mich zu hören, daß er mir ein gutes,

liebevolles Andenken bewahrte.

Alle vier Kosaken wurden von König Oskar mit eigens geprägten

Goldmedaillen ausgezeichnet, welche zu tragen der Zar ihnen

erlaubte. Von ihrem eignen Kaiser wurden sie mit dem Ehrenzeichen

des Sankt-Annenordens und je 250 Rubel bedacht. Auch Turdu Bai und

Chalmet Aksakal erhielten vom König goldene und Faisullah eine silberne

Medaille für treuen, redlichen Dienst. Bei einer Audienz in Peterhof

freute sich Kaiser Nikolaus herzlich, als er hörte, wie zufrieden ich

mit den Kosaken gewesen, deren Betragen vom ersten bis zum letzten

Tage über jedes Lob erhaben gewesen war. An den Kriegsminister General

Kuropatkin sandte ich darüber einen offiziellen Bericht.

Ich werde nicht versuchen, die Gefühle zu schildern, die auf mich

einstürmten, als ich am 27. Juni 1902 mit dem Dampfer v. Döbeln in die

schwedischen Schären einfuhr. Wie manchesmal hatte ich Veranlassung

gehabt, mich zu fragen, ob ich diese lieben, alten Felsenklippen, die

wie Außenwerke um die Heiligtümer meiner Kindheitserinnerungen stehen,

wohl je wiedersehen würde! Drei Jahre und drei Tage, mehr als 1001

Nacht waren vergangen, seit ich von meinen Eltern und Geschwistern

Abschied genommen hatte. Wie bitter war +jener+ Junitag gewesen gegen

diesen, an dem ich sie alle gesund und über meine Heimkehr beglückt

wiedersah. Sie erwarteten mich auf demselben Kai, auf dem wir einander

Lebewohl gesagt hatten. Jetzt prangte ein neuer Sommer in seiner

größten Schönheit, und die Fliederbüsche blühten gerade wie damals. Die

langen Jahre, die inzwischen vergangen waren, erschienen mir wie ein

Traum; es war mir, als sei ich nur ein paar Tage fortgewesen, alles war

unverändert.

Schon am folgenden Tage durfte ich dem König, der stets mit so warmem,

erlauchtem Interesse, so großartiger Freigebigkeit und väterlicher Huld

meine Pläne beschützt, ihre Ausführung gefördert und mich persönlich

ausgezeichnet hatte, über das Ergebnis der jetzt beendeten Reise

Bericht erstatten. Ein neuer Stein war dem Bau hinzugefügt worden, der,

wie ich hoffe, noch lange nicht fertig ist.

Doch das Beste von allem war, wieder zu Hause zu sein und das innerste

Asien und Tibet, die meine Gedanken so lange beschäftigt hatten, für

einige Zeit vergessen zu dürfen. Je größere Kreise man um die Erde

zieht, desto heißer wird die Liebe zum Vaterland, besonders wenn

dieses, wie das meine, so reich an Ehre und glorreichen Erinnerungen

ist. Wenn alle gutgesinnten Bewohner des Reiches es verständen, auf

den schon in der Wiege ihnen gewordenen Ehrentitel stolz zu sein,

nämlich darauf, daß sie einer Nation angehören, deren Geschichte zu

einem großen Teil eine Heldengeschichte ist, so würden keine äußeren

Gefahren je unsere Freiheit bedrohen können. Unsere Kraft wächst,

und unsere Lage ist jetzt unendlich viel besser, als sie es während

mancher kritischen Augenblicke in vergangenen Zeiten war. Doch die

Vaterlandsliebe ist unser hauptsächlichster Schutz. Sie muß im

Elternhause und in der Schule eingeprägt, in den Kirchen gepredigt und

in den Kasernen entflammt werden; sie muß das ganze Volk durchdringen,

ihm Kraft und Eintracht schenken und jeden einsehen lehren, daß das

Vaterland allen anderen irdischen Interessen vorgeht. Wenn alle an

demselben großen Ziele arbeiten, wenn eigennützige Bestrebungen in den

Hintergrund treten, dann können wir mit frohen Hoffnungen einer neuen

Größezeit innerhalb unserer eigenen Grenzen entgegensehen.

Wenn man, wie ich, in vielen Ländern gesehen und erfahren hat, wie

andere Menschen leben müssen, muß man sich beglückwünschen, einem Volke

anzugehören, dem ein so glückliches Los zugefallen ist wie dem unsrigen.

Ohne eigne Vergleiche ist es jedoch vielleicht schwer, diese

Überzeugung zu gewinnen. Glaubt daher meinen Worten, wenn ich mit

diesen wenigen Zeilen meine Erfahrungen andeute!

Und hiermit sage ich dem geduldigen Leser für diesmal Lebewohl!

Register.

Abdall I, 242. 250. 257. 275. 278. 289. 322. 393; II, 4. 11. 17. 18.

23. 73. 78. 79. 86. 95. 96.

Abdu Rehim I, 193. 201. 202. 207. 211. 212. 213. 214. 216. 217. 218.

219. 221. 222. 223. 224. 225. 226. 229; II, 26. 28. 29. 32; Familie

I, 216. 217.

Addan-tso II, 300. 301. 302. 305.

Adler I, 51. 259. 348. 351; II, 252. 267. 282.

Adschi-tsonjak II, 339.

Agil (Hürde) I, 13.

Agra II, 356.

Ajag-argan I, 269.

Ajag-kum-köll I, 313. 383. 384. 385. 390.

Ajik-köll I, 299.

Äilämä I, 14.

Airilgan I, 192.

Akato-tag I, 294. 295. 298. 299. 303. 327. 382. 383. 390. 391. 394;

II, 5. 9.

Ak-bai I, 175.

Ak-baital I, 10.

Ak-gumbes I, 14.

Ak-ilek-lenger I, 185.

Ak-köll I, 272; II, 85.

Ak-kum I, 24. 51.

Ak-kumning-jugan-köll I, 105.

Aksakale (Konsularagenten) I, 31.

Aksak-maral I, 48;

Bek I, 43. 46. 48.

Ak-sattma I, 72.

Aksu I, 19. 31. 59. 76. 85. 125; II, 77. 92;

Amban I, 200.

Aksu-darja I, 47. 52. 74. 79. 83. 125.

Ak-tschokka-aituse I, 305.

Ala-aigir I, 44.

Alai I, 6. 13.

Alaital I, 10. 13.

Ala Kunglei Busrugvar I, 92.

Aldat I, 296-297. 305. 308. 309. 314. 318. 320. 330. 332. 338. 341.

350. 351. 352. 353. 354. 355. 356. 357. 358. 361. 363. 378. 388; II,

141. 273;

Begräbnis I, 364;

Bruder I, 296. 378;

Krankheit I, 354. 355. 356;

Tod I, 363;

Vater I, 364; II, 90.

Algen II, 281.

Ali Ahun I, 197. 300. 301. 379. 387; II, 1.

Al-kattik-tschekke I, 116.

Alkoholische Getränke II, 112.

Alla-sangpo II, 267. 288.

Altai II, 109.

Altimisch-bulak I, 194. 216. 221. 222. 224. 225. 226. 227. 229;

II, 4. 25. 26. 28. 32. 33. 52. 62. 330.

Altyn Ustun Tagh II, 56.

Amban (Distriktsvorsteher) I, 60.

Amber II, 360.

Amdo II, 205. 238. 328.

Amdo-motschu II, 200.

Amrik-wa II, 311.

Amu-darja, Fluß I, 6. 14.

-- Station I, 6.

~Anabasis ammodendron~ II, 20.

Anambar II, 4. 9.

Anambaruin II, 3.

Anambaruin-gol II, 13. 14. 16. 19. 74. 78.

Anambaruin-ula II, 12. 15. 16. 17.

Anambar-ula II, 2. 3.

Andere I, 172. 179.

Andere-terem I, 172. 178.

Andersson II, 368.

Andischan I, 6. 7.

Andrée II, 148.

Anmar Dschu II, 343. 345. 346.

Anna Tsering II, 231. 232. 236. 237. 238.

Ansasch-kum I, 119.

~Antilope Cuvieri~ II, 252.

Antilopen I, 41. 203. 321. 377; II, 21. 22. 23. 30. 129. 140. 141.

153. 252. 304. 311.

Arabatschi (Kutscher) I, 13.

Aral I, 14. 38.

Araltschi I, 37. 38. 187.

Ara-tag I, 304. 305.

Arba (Wagen) I, 7.

Archari I, 203. 356; II, 14. 110. 252.

~Arctomys bobac~ I, 14.

Arelisch I, 115. 129. 193.

Argan I, 31. 138. 192. 257. 274.

Argol (Yakdung) I, 393; II, 282.

Argussun I, 393.

Arka-köll I, 247.

Arka-tag I, 315. 317. 318. 319. 365. 367; II, 90. 119. 128. 129. 130.

131. 132. 133. 135. 136. 138. 160. 168.

Artan (Wallach) II, 117.

Artillma I, 251.

Artscha (Wacholder) I, 10.

Aru-tso II, 327.

Asch (Reispudding) I, 100.

Aschabad I, 5.

~Asclepias~, Faserpflanze I, 193.

Asmane, Fische I, 61.

Astin-joll I, 174;

II, 23. 26.

Astin-tag I, 144. 221. 293. 294. 295. 393; II, 3. 5. 8. 9. 10. 13.

16. 18. 20. 21. 24. 91. 95. 105.

Astrachan II, 369.

Ataman Nikolajewska I, 199.

Atschal I, 105.

Atschik I, 212.

Atschik-köll I, 368.

Att-attgan I, 383.

Att-baschi II, 116.

Attikusch Padischah I, 136.

Att-pangsa I, 44.

Awraspaß I, 307.

Awullu-köll I, 219. 220. 249.

Awwat I, 55. 78. 81;

Bek I, 82.

Baba-köll I, 179.

Baba Tarim I, 269.

Bäcklund II, 368.

Bagrasch-köll I, 138. 264; II, 67.

Bag-tokai I, 379; II, 93. 95. 114.

Bajir I, 136. 140. 141. 149. 150. 151. 152. 153. 154. 156. 158. 159.

160. 161. 162. 163. 164. 190. 227.

Bakkang II, 367.

Bal II, 334. 337.

Balalaika II, 248.

Balgun-Sträucher II, 322.

Balik-ölldi I, 91.

Baltal II, 354. 363.

Bantsching Bogdo II, 254.

Baramullah II, 355.

Bären I, 299. 359. 362. 387; II, 110. 126. 127. 154. 171. 242.

Barrakpore II, 358.

Basch-agis I, 189.

Basch-argan I, 191.

Basch-balgun I, 298.

Basch-joll I, 293.

Basch-köll I, 136. 139. 141. 142. 152.

Basch-kurgan I, 292. 293.

Basch-tograk I, 202.

Im Herzen von Asien. Zweiter Band. · 第 40 / 42 段