Telekommunikation, Medien und wissenschaftliche Computation
verschmelzen. Diese Verschmelzung wird durch eine Reihe von Faktoren
hervorgerufen, die alle nach einer Effizienz streben, die einer
Arbeits- und Lebenspraxis auf globaler Ebene entspricht. Innerhalb
dieser dynamischen Prozesse wirkt das Design als eine Kraft, die aus
der Schriftkultur eine Kultur von vielen nebeneinander bestehenden,
manchmal widersprüchlichen Sprachen macht. Früher war ein Hemd
lediglich ein Kleidungsstück; das T-Shirt wurde zu einem eigenen
Kommunikationsmedium, zu einem Ikon. Die kommerzielle Seite ist
hierbei ganz offensichtlich. Zum Beispiel hat jede renommierte
Universität einen Vertrag mit einem Hersteller, der mit ihrem Namen
auf wandelnden Litfaßsäulen, auf Rücken und Bäuchen wirbt. Das
T-Shirt ersetzt effektiv wortreiche Pressemitteilungen und wird zum
Medium für Live-Nachrichten. Bevor die Operation Desert Storm
überhaupt in Gang kam, konnte man auf T-Shirts bereits
Sympathiebekundungen oder Anti-Kriegs-Parolen lesen. Als der
Basketballspieler Magic Johnson bekannt gab, daß er HIV-positiv sei,
gab es in Los Angeles bereits weniger als 48 Stunden später T-Shirts
mit dem Aufdruck: "We still love you.
Die blitzschnelle Kommentierung von Ereignissen geht einher mit den
sich heutzutage schnell verändernden Haltungen und Erwartungen. Die
Institutionen leiden an Trägheit, sie können mit den Veränderungen
der Zeit nicht Schritt halten. Die Nachrichten, die außerhalb der
Medieninstitutionen entstehen und wahrgenommen werden, lesen sich wie
ein Manifest der Unmittelbarkeit, aber zugleich wie ein Zeugnis der
Kurzlebigkeit. Design ist Ausdruck dieser unmittelbaren Aktualität
und dieser Kurzlebigkeit, aber nicht nur auf T-Shirts oder im
Internet. Haus, Kleidung, Autos, Walkman, sie alle sind in diesen
Rhythmus eingebunden. Ist Design nun der Grund für diese Situation;
oder ist es etwas anderes, das sich durch Design ausdrückt und zu
dessen Komplizen sich Design macht. Die kurzlebigen Modetrends, die
ständige Erneuerung von Designentwürfen, die halbminütige Komödie
oder Tragödie im Werbespot--die dem Rhythmus des Daseins viel näher
ist, als endlose Fernsehserien--die neue VLSI-Platine, die Sucht nach
alkoholfreiem Designerbier oder fettfreiem Schweinefleisch--all dies
zeigt, daß die Geschwindigkeit der Erneuerungen vom schier
unersättlichen Appetit unserer kommerziellen Demokratie genährt wird.
Die Geschwindigkeit, mit der neue Bilder auf unseren Computern und
Fernsehgeräten erscheinen, ermöglicht durch die spezifischen Merkmale
von Technologie und menschlicher Natur, ist wahrscheinlich die
extremste Ausprägung dieses Lebensrhythmus. All dies enthusiastisch
oder besorgt zu verzeichnen, ohne die Gründe hierfür zu verstehen,
würde der Absicht dieses Buches zuwiderlaufen. Der praktische
Kontext für hohe Effizienz ist ja zugleich der Kontext für eine
allgemein verbreitete Demokratie, die von Produktion zu Konsum
vorangeschritten ist. Die Antriebskraft hinter diesem Prozeß ist die
Möglichkeit, ja die Notwendigkeit der Emanzipation von allen
erdenklichen bisherigen Zwängen. Die Praxis des Designs zeigt, daß
die Emanzipation von Zwängen nicht zu einem anarchistischen Paradies
führt. Das Recht zur Teilhabe an menschlichen Erfahrungen aller Art
führt oft genug zu gleichförmigem und einheitlichem Geschmack und zu
einer allgemein verbreiteten Mittelmäßigkeit.
Im Gegensatz zu den schriftkulturellen Werten will ein davon
befreites Design dem Benutzer nichts aufdrängen, sondern ihn in den
Entscheidungsprozeß einbinden. So wird Design zum Maßstab für
öffentliche Intelligenz, öffentlichen Geschmack und öffentliches
Interesse. Design weist auf eine neue Art von Werten hin. Dieser
Indikator mag nicht immer ein angenehmes Bild von uns und unseren
Prioritäten zeichnen. Die aufrichtige Interpretation eines solchen
Indikators kann uns jedoch zu verstehen helfen, warum der
Walkman--der ganz offenbar ein allseits willkommenes Ideal der
Abkapselung verkörpert--so beliebt ist, warum einige
Modeerscheinungen Erfolg haben und andere nicht, warum bestimmte
Autotypen Zustimmung finden, warum Filme zu wichtigen Themen
Mißerfolge werden und warum trotz immer steigender Erwartungen keine
Qualitätssteigerung zu erwarten ist. Jeder Gestaltungsversuch
erreicht eine neue Schwelle. Der in die Kleidung eingebaute Computer
(wearable computer) ist nur ein weiteres Glied in der Entwicklung,
die Evolution und Revolution miteinander verknüpft.
Effizienz im Design zeigt ein ums andere Mal, daß menschliches
Handeln (Do-it-yourself dominiert auf allen Ebenen des Designs) teuer
und daß Dienstleistungen in Industrienationen gewinnbringender als
Produktion sind. Wir sollten die Bedeutung dieser Tatsache nicht zu
leicht nehmen. Denn Design schlägt eine Brücke in die Zukunft, und
eine Brücke in eine Welt mit erschöpften Rohstoffen, einer zerstörten
Umwelt und existentieller Mittelmäßigkeit gibt keinerlei Anlaß zu
Optimismus. Rolle und Einbindung des Menschen zu reduzieren,
besonders dann, wenn menschliche Arbeit anstrengend und gefährlich
ist, scheint sehr verlockend, würde aber in die falsche Richtung
gehen. Es müßten dafür neue Energien entdeckt werden, die sich
nachdrücklich von denen des Individuums, das sich über seine Rolle
als Benutzer konstituiert, unterscheiden. Angesichts des Konflikts
zwischen Erwartungshaltungen und Ressourcen kann sich der Designer
oft nicht von der Leitidee der Schriftkultur, nämlich die Natur zu
beherrschen, befreien. Glücklicherweise werden durch ein Design, das
sich an einer Ko-Evolution mit der Natur orientiert, neue Impulse
gesetzt. Das gilt auch für das Design von Materialien, die
Charakteristika der menschlichen Intelligenz tragen.
Der inhärente Gegensatz zwischen den vorhandenen Möglichkeiten und
den Zielen erklärt die Dynamik des Designs. Hocheffiziente
Kommunikationsmethoden führen zu einer Übersättigung an Informationen.
Neue Methoden beim Design führen zu einem scheinbaren Überfluß an
Gegenständen und anderen Designerobjekten. Diese Entwicklung ist
nicht zuletzt dadurch angetrieben, daß individuelle Erwartungen auf
einer Produktionsebene, die höher und zugleich billiger ist als die
schriftkulturelle Massenproduktion, erfüllt werden können. Das
Problem einer gleichzeitigen Wahrung von Qualität und
Unverfälschtheit verlangt mehr als nur hohe Maßstäbe.
Marktspezifische Faktoren wie etwa Profiterwartungen beeinflussen die
Entscheidungen im Bereich des Designs dahingehend, daß Produkte
entweder übermäßiges oder aber nur unzureichendes Design erfahren.
Veränderte Erwartungen in der Lebenspraxis beeinflussen das Design
stärker als den Bereich der Produktion. Ob die Flexibilität der
Designtätigkeit ausreicht, mit diesen Veränderungen Schritt zu halten,
hängt nicht nur vom Design ab, sondern auch von der wirtschaftlichen
Gleichung, die aufgehen muß. Design erreicht große Teile der
Weltbevölkerung. Diese Tatsache gibt ihm, als Ganzes gesehen, eine
neue soziale Dimension. Angesichts seiner Möglichkeit, sich auf
individuelle Erwartungen einzustellen, ohne dabei auf Schriftkultur
zurückgreifen zu müssen, liegt darin eine ungeheure Verantwortung.
Ob sich Designer dessen bewußt und in der Lage sind, dieser
Verantwortung gerecht zu werden, ist eine andere Frage.