_Deutsche Rundschau_: Gleicht die wissenschaftliche Forschung dem Abbau

eines Bergwerkes mit edlen Metallen, so entspricht die Arbeit der

Popularisierung derjenigen der Hüttenwerke, in denen man das Metall

befreit von den umgebenden Gestein. Da ist es denn sehr erfreulich,

in Wilhelm Bölsche bei jener vermittelnden Arbeit einen Mann tätig zu

wissen, der als der Freund solcher Gelehrter wie Haeckel nicht nur

des Vertrauens, sondern als Publizist von seltenen Fähigkeiten auch

der Liebe seines Publikums jeder Zeit sicher ist. Der Titel deutet

an, in welcher Richtung sich die Ausführungen bewegen. Den Gedanken

einer natürlichen Entwicklung, die in ununterbrochener Arbeit die

höheren Arten langsam aus den niederen entstehen ließ, jenen großen

Gedanken, auf dem unsere gesamte moderne Naturwissenschaft basiert,

möchte auch das vorliegende Buch Wilhelm Bölsches einem weiteren Kreise

verständlich machen. Hier soll gezeigt werden, daß die ewigen Gesetze

des Werdens sich an kleinen und kleinsten Fällen ebensogut beobachten

lassen wie an den gewaltigsten.

Essaybände von Wilhelm Bölsche. Wille. Emerson

W. Bölsche, Hinter der Weltstadt. Friedrichshagener Gedanken zur

ästhetischen Kultur. 4. Taus. br. M. 5.--, geb. M. 6.--

_Deutsche Rundschau_: Dieser Band gesammelter Aufsätze und

Betrachtungen beschäftigt sich mit bedeutenden Männern und

Erscheinungen des 19. Jahrhunderts, in dem sichtlichen Bestreben, aus

der gesamten Natur- und Geisteswissenschaft dasjenige herauszustellen,

was für das 20. Jahrhundert noch fortwirkende und vielleicht neu

begründende Kraft haben dürfte. Das, worauf der Autor über ähnliche

Bestrebungen weg hinaus will, bezeichnet er als ästhetische Kultur.

Ein Zug von Nichtbefriedigtsein mit der Gegenwart, aber auch von

Unverzagtsein der Zukunft gegenüber geht durch die aus diesem Buche

zu uns sprechende Weltanschauung. Der Autor hat sich, wie er im

Vorwort erzählt, aus dem Lärm der Hauptstadt Berlin in die Ruhe

des weit draußen gelegenen Vorortes Friedrichshagen geflüchtet und

überschaut nun von da aus auf seine Weise die Erträge des abgelaufenen

Jahrhunderts. Er beginnt mit Novalis und endet die Reihe mit Fechner,

den er gleichsam als naturwissenschaftliche und naturphilosophische

Ergänzung des Dichters Novalis betrachtet. Dazwischen erscheinen

Fontane, Heine, die Gebrüder Hart, Gerhart Hauptmann, Herman Grimm und

die Ebner-Eschenbach. Seine März-Träumerei und der, wie mir scheint,

sehr bemerkenswerte Aufsatz über die Freien Universitäten zeigen

Bölsche in Ideen lebend, die weit verschieden von denen waren, welche

ein Teil der von ihm behandelten Männer vertrat. Reicher Inhalt und

anregende Kraft wohnen den »Friedrichshagener Gedanken« inne.

Bruno Wille, Offenbarungen des Wacholderbaums. Roman eines Allsehers.

5. Tausend. 2 Bände. br. M. 8.--, geb. M. 10.--

_Friedr. Paulsen_: In Goethe waren Philosophie und Poesie eins, ihn

verehrt darum auch unser Verfasser als seinen Schutzpatron. Ich

erblicke in dieser Dichtung ein Anzeichen, daß die neue Fechnersche

Naturphilosophie, wie sie mit der mathematischen Naturwissenschaft in

enger Beziehung steht, so auch mehr ein dauerndes Bündnis zwischen

Philosophie und Poesie bedeutet, als die alte, dem Namen nach

spekulative, dem Wesen nach logisch-schematische Naturphilosophie.

Ralph Waldo Emerson, Natur und Geist. 2. Tausend. br. M. 3.--, geb.

M. 4.--

_Pädagogisches Jahrbuch_: Emerson will, daß wir »uns die Freuden eines

ursprünglichen Verkehrs mit dem Universum sichern«, er möchte uns zum

inneren Schauen verhelfen, und das innere Auge für die Natur öffnen.

Überall wird hinter der Natur und durch die Natur der Geist, das

eigentlich Schöpferische, sichtbar. Mit reichem Tatsachenmaterial sucht

er die Zusammenhänge zwischen realen Dingen und menschlichen Gedanken,

die unmittelbare Abhängigkeit der urwüchsigen Sprache von der Natur,

die Umbildung der Lebenserscheinungen draußen zu Typen des inneren

Erlebens nachzuweisen.

Neue naturwissenschaftlich-philosophische Anschauungen

Georg Rothe, Die Wünschelrute. Historisch-theoretische Studie. br.

M. 2.--, geb. M. 2.80

Georg Rothe zeigt auf Grund historischer und wissenschaftlicher

Forschungen, daß das Phänomen der Wünschelrute nichts Übernatürliches

an sich hat, sondern lediglich ein Stück Natur ist, dessen Gebiet

infolge der ablehnenden Haltung der Schulwissenschaft noch

nicht genügend erforscht ist. Gleichwie der Hypnotismus heute

wissenschaftlich anerkannt und zu Heilzwecken verwendet wird, so sollte

auch die Wünschelrute den Physikern, Physiologen und Psychologen als

Untersuchungsobjekt geeignet erscheinen, um ihre sehr wesentlichen

Erfolge zu erklären und weiter ausnutzen zu können. Rothe gibt die

erste wissenschaftliche Erklärung.

Wilhelm Fließ, Vom Leben und vom Tod. Biologische Vorträge. br.

M. 2.--, geb. M. 3.--

Hans Schlieper, Der Rhythmus des Lebendigen. br. M. 2.50, geb. M. 3.50

Wilhelm Fließ hat auf rein wissenschaftlicher Grundlage zwei neue

Naturgesetze entdeckt, nämlich das Gesetz der zweifachen Periodizität,

sowie das der Doppelgeschlechtigkeit aller Menschen. Sie erklären

überzeugend, woher z. B. das konstante Verhältnis der Überzahl

männlicher Geburten kommt, sie weisen nach, warum Krankheitsbazillen

plötzlich erlöschen, z. B. bei Pest und Cholera. Fast klingt es wie

ein Märchen, die neue Entdeckung führt den Nachweis, daß die Geburten

innerhalb einer Familie in engem Zusammenhange mit den Todestagen der

Vorfahren stehen. Schlieper führt die Untersuchungen im Tierreich

weiter.

Maurice Maeterlinck, Die Intelligenz der Blumen. 3. Taus. br. M. 4.50,

geb. M. 5.50

_Über Land und Meer_: Der tief in die Geheimnisse der Natur eingeweihte

Dichter legt uns hier mit ebensoviel Liebe und Innigkeit wie Geist und

scharfer Beobachtungsgabe an einer Reihe der merkwürdigsten, erst in

unserer Zeit recht gewürdigten Tatsachen dar, welch ungeheures Maß von

Klugheit, Erfindungsgabe, List, Mut und andern seelischen Eigenschaften

in der ganzen Pflanzenwelt fortwährend gegen die zahlreichen

feindlichen Mächte aufgeboten und betätigt wird, um die Erhaltung der

einzelnen Arten durchzusetzen. Er zeigt uns, daß jede Blume »ihre Idee,

ihr System, ihre erworbene Erfahrung« hat und daß sie zuweilen irre

geht in ihren Bestrebungen, genau wie der menschliche Geist.

Maurice Maeterlinck, Das Leben der Bienen. 13. Tausend. br. M. 4.50,

geb. M. 5.50

Gedruckt in der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig

Weitere Anmerkungen zur Transkription

Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert.

Korrekturen:

S. 21: Menschenlage → Menschenloge

sonst unsere {Menschenloge} im All schützen

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Komet und Weltuntergang · 第 7 / 7 段