Seele, hätte nicht eine gewise Blamage darin gelegen, daß das
Stipendium eingezogen wurde: man konnte ihn ja verdächtigen, er habe
nur damit geprahlt. Die an eine „Ungnade‟ glaubten, schrieben diese dem
Umstand zu, daß Johan es versäumt hatte, dem König seine Aufwartung
zu machen, als er Weihnachten und Neujahr in Stockholm war. Andere
schoben die Schuld darauf, daß er seine gedruckte Tragödie „Das
sinkende Hellas‟ nicht förmlich überreicht, sondern ganz einfach ins
Schloß geschickt hatte; aber seine Geradheit hatte ihm verboten, selbst
hinzugehen.
Zehn Jahre später hörte er eine ganz neue Deutung der „Ungnade‟. Er
sollte nämlich ein Schmähgedicht auf den König verfaßt haben! Aber
diese Geschichte war eine „reine‟ Dichtung, wahrscheinlich die einzige,
die der übel bekannte Gewährsmann der Nachwelt geschenkt hat.
Die Tatsache blieb bestehen, und jetzt war der Entschluß bald gefaßt.
Er wollte nach Stockholm fahren, um Schriftsteller zu werden, wenn
möglich Dichter, falls sich seine Begabung als stark genug erwies.
Der Zimmergenosse nahm es auf sich, ihm den Rückzug zu decken; der
schützte vor, Johan müsse einige Zeit in Stockholm weilen, damit der
Wirt nicht unruhig wurde und Johan die Miete, die erst am Schluß des
Semesters zu bezahlen war, währenddessen zusammenbringen konnte.
Ein Abschiedsfest wurde gehalten. Johan dankte seinen vielen Freunden,
indem er die Verpflichtungen, die jeder gegen seinen Verkehr hat,
anerkannte, da sich eine Persönlichkeit nicht aus sich selbst
entwickelt, sondern aus jeder andern Seele, mit der sie in Berührung
kommt, einen Tropfen saugt; wie die Biene aus Millionen Blüten ihren
Honig sammelt, den sie doch selbst umschmilzt und als ihren ausgibt.
So fuhr er ins Leben hinaus, fort aus Träumen und vergangenen Zeiten,
um in seiner eigenen Zeit und in der Wirklichkeit zu leben. Aber
schlecht war er vorbereitet; die Universität war nicht die Schule
fürs Leben. Er hatte auch das Gefühl, die Stunde der Entscheidung
sei da. In einer schlecht ausgeführten Rede nannte er das Fest einen
Abschiedsschmaus, den man dem Bräutigam vor der Hochzeit gibt; denn
jetzt solle er Mann werden und die Knabenjahre hinter sich lassen;
sich in die Gesellschaft einordnen, ein nützlicher Bürger werden, sein
eigenes Brot essen.
So glaubte er damals, aber er sollte bald finden, daß die Erziehung ihn
untauglich für die Gesellschaft gemacht hatte. Und als er sich nicht
darein fand, ein Ausgestoßener zu sein, erwachten seine Zweifel, ob
nicht die Gesellschaft, zu der doch Schule und Universität gehören,
auch eine Schuld an seiner Erziehung habe; ob nicht die Gesellschaft
Gebrechen habe, die geheilt werden müssen.
ANMERKUNGEN DES ÜBERSETZERS
Aus Strindbergs Briefen
Strindbergs Lebensgeschichte
Die parallelen Jahrzehnte in Strindbergs Leben
Strindbergs väterlicher Stammbaum
AUS STRINDBERGS BRIEFEN
An den Verleger Albert Bonnier.
Wenn Sie diesen ersten Teil gelesen haben, den wir aus Rücksicht
aufs Publikum nicht Teil nennen dürfen, vielmehr müssen wir jeden
der fünf Bände besonders taufen, so fragen Sie sich wohl, wie
das Publikum tun wird: Was ist das? Ist das ein Roman? Nein!
Biographie? Nein! Memoiren? Nein!
Ich antworte, es ist ein Buch, das ist, für was es sich ausgibt:
Die Geschichte der Entwicklung einer Seele, 1849-67, unter den
angegebenen Voraussetzungen. Dieses Buch gewährt auch außer
dem Psychologischen, das die Hauptsache ist (warum auch alle
Schilderungen vermieden und die Anekdote nur aufgenommen wurde,
um den Charakter zu beleuchten) einige andere Interessen: es
bildet die vollständige Biographie eines bekannten und bedeutenden
Dichters, so wenig lügnerisch, wie eine Biographie geschrieben
werden kann; ferner eine Geschichte der inneren schwedischen
Verhältnisse von 1849-67. Darum wird das Buch nützlich für die
Jugend sein, weil es die jüngste Vergangenheit erklärt, ohne deren
Verständnis die Gegenwart nicht zu begreifen ist.
August Strindberg.
Grèz (bei Paris), 25. April 1886.
Ich möchte das Vorwort gern gedruckt haben, weil über Lehre und
Leben heute so viel gefaselt wird. Auch diesen Passus bitte ich
an geeigneter Stelle einzuschalten, etwa nach den Worten über das
Trinken:
+Autor.+ Ebensowenig kann ich mein Leben in Einklang bringen
mit meiner Lehre von der sogenannten Unsittlichkeit, teils weil
mein Trieb von Kirche und Gesetz legalisiert ist, teils weil mir
monogame Instinkte angeboren sind.
+Interviewer.+ Aber warum predigen Sie denn geschlechtliche
Freiheit?
+Autor.+ Weil ich aus der Erfahrung meiner Jugend weiß: wer nicht
verheiratet ist, brennt; und weil ich nicht will, daß die Eiferer
für Sittlichkeit die Triebe der anderen durch Gesetze fesseln, da
die Eiferer für Unsittlichkeit die Sittlichen nicht unsittlich
machen wollen. Also die wirkliche Freiheit -- für andere -- predige
ich! Habe also in diesem Falle keine egoistischen Zwecke.
25. Mai 1886.
August Strindberg.
Der Verleger meint, das Vorwort werde dem Buche schaden und lehnt es ab.
Geben Sie das Interview Gustaf af Geijerstam, der das Buch wohl
anzeigen wird. Er glaubt ja, daß die Kritik das Publikum darüber
aufklären soll, was der Autor meint. Gut! Möge er aufklären, daß
der Autor weder Biographie noch Verteidigung noch Bekenntnisse hat
geben wollen, sondern sein Leben, das er am besten von allen Leben
kennt, benutzt hat, um die Geschichte von der Entstehung einer
Seele zu geben und den Begriff Charakter zu bestimmen -- worauf ja
die ganze Literatur beruht. Er kann Strophen abdrucken, wenn er
will.
30. Mai 1886.
August Strindberg.
Geijerstam las das Interview, gab es aber dem Verleger zurück.
Inzwischen hatte Strindberg schon, bei seinem unerhörten Fleiße, den
zweiten Teil (Kapitel 11-22) vollendet. Er war inzwischen nach der
Schweiz gezogen.
In einigen Tagen geht der zweite Teil vom „Sohn einer Magd‟ ab.
Vielleicht schon morgen. Ich halte ihn für das bedeutendste Buch,
das seit langem in Schweden geschrieben wurde, aber es ist für die
Gebildeten geschrieben und kann von der Unter- und Mittelklasse
nicht gelesen werden. Wendet sich daher an die akademisch
Gebildeten, für die ich eigentlich schreiben müßte. Von Nisse und
Nasse nicht verstanden zu werden, freut mich nicht, und ich kann
sie nicht bekehren.
August Strindberg.
Othmarsingen (Schweiz), 18. Juni 1886.
Als Untertitel schlägt Strindberg für den zweiten Teil (Kapitel 11-22)
„Sturm und Drang‟ vor; diesen +deutschen+ Titel übersetzt der Verleger
mit „Gärungszeit‟.
Gärung ist gut, aber das ist ein Fäulnisprozeß. Paßt also nicht für
meine gesunden Gedanken.
18. Juli 1886.
August Strindberg.
Die deutsche Ausgabe vereinigt beide Teile in einem Bande.
STRINDBERGS LEBENSGESCHICHTE
Strindberg will seine autobiographischen Schriften als EIN GANZES
betrachtet wissen; ja, er möchte sie in einem einzigen Bande
vereinigen, damit seine Leser nur das ganze Werk erwerben können,
nicht diesen oder jenen Teil. Um diesen Wunsch des Dichters, soweit es
möglich ist, zu erfüllen, werden Teile wie „Die Beichte eines Toren‟
+nicht einzeln+ verkauft.
Strindbergs Lebensgeschichte erscheint in diesen fünf Bänden:
1. Der Sohn einer Magd
2. Die Entwicklung einer Seele
3. Die Beichte eines Toren
4. Inferno -- Legenden
5. Entzweit -- Einsam.
In den ersten drei Bänden, die schon die an einander anklingenden
Titel als drei Teile eines Ganzen bezeichnen, rechnet der 40jährige
Strindberg in den Jahren 1886, 87, 88 mit seinem Leben ab; denn er
hatte die Absicht, sich zu töten, nachdem er sein Leben geschildert.
Durch die Lebensgeschichte aber befreite er sich, wie durch einen
Selbstmord, von seinem bisherigen Leben so vollständig, daß er ein
neues beginnen konnte.
Dieses neue Leben, das er seit seinem körperlichen „Tode‟ begann, würde
den 50jährigen Strindberg zu einem geistigen „Tode‟, dem Wahnsinn,
geführt haben, wenn er sich nicht auch vor dem errettet hätte, indem er
1897, 98 in einem neuen Band seiner Lebensgeschichte, in „Inferno‟ und
„Legenden‟, sich noch einmal von seinem Leben befreite.
Dem 50jährigen, der den leiblichen Tod wie den geistigen Tod überwunden
hatte, konnte nichts mehr etwas anhaben: mit erhabener Ruhe schilderte
er dann 1902, 03 sein früheres Leben „Zu Zweien‟ und sein jetziges
Leben als „Einsamer‟.
So sind Strindbergs autobiographische Schriften aufzufassen! Als
Testamente eines, der sterben wollte, stehen sie hoch über allem
„Skandal‟ und aller „Sensation‟. Wie Strindberg selbst als Genie eine
Ausnahme ist, so darf diese außerordentliche Lebensgeschichte nicht mit
gewöhnlichem Maß gemessen werden, sondern ist als Ausnahmeerscheinung
zu beurteilen.
DIE PARALLELEN JAHRZEHNTE IN STRINDBERGS LEBEN
Der 20jährige, bis zum _ROTEN ZIMMER_, bis 1879
1. Religiös
2. Nach einem Selbstmordversuch dramatische Produktion
3. Schreibt philosophische Wissenschaft
4. Verläßt die schwedische Heimat nicht
5. Heiratet zum ersten Male
6. _Das Schwedische Volk_
7. _Das Rote Zimmer_
Der 30jährige, bis zur _LEBENSGESCHICHTE_ I-III, bis 1889
1. Sozialist
2. Nach dem _Roten Zimmer_ dramatische Produktion
3. Schreibt soziale Wissenschaft
4. Weilt fünf Jahre im Ausland
5. Die Krisis der Ehe
6. _Schwedische Schicksale und Abenteuer_
7. _Die Inselbauern_
Der 40jährige, bis zur _LEBENSGESCHICHTE IV_, bis 1899
1. Individualist
2. Nach der _Lebensgeschichte_ dramatische Produktion
3. Schreibt Naturwissenschaft
4. Weilt fünf Jahre im Ausland
5. Heiratet zum zweiten Male
6. _Schwedische Natur_
7. _Am offnen Meer_
Der 50jährige, bis zum _BLAUBUCH_, bis 1909
1. Religiös
2. Nach der _Lebensgeschichte_ dramatische Produktion
3. Schreibt philosophische Wissenschaft
4. Verläßt die schwedische Heimat nicht
5. Heiratet zum dritten Male
6. _Schwedische Historien_, _Schwedische Miniaturen_
7. _Die Gotischen Zimmer_, _Schwarze Fahnen_
STRINDBERGS VÄTERLICHER STAMMBAUM
Nach +Paul Meijer-Granqvist+ in Stockholm.
Von seiner Herkunft schreibt Strindberg selbst: „Es gab einen alten
Stammbaum, der im siebzehnten Jahrhundert Adel nachwies.‟ Hier hat
der Dichter männliche und weibliche Abstammung vermengt; denn auf
der Schwertseite hatte die Familie kein adliges Blut in den Adern,
und der einzige Geistliche, Strindbergs Urgroßvater, Henrik, der den
Familiennamen annahm, war Bauernsohn aus dem Dorfe +Strinne+ (daher
der Name) im Kirchspiel Multrå in Ångermanland. Er war 1710 geboren
und starb 1767 als Unterpfarrer von Refsund und Sundsjö in Jämtland.
Durch ihn kommt wahrscheinlich, nach Strindbergs Worten, „die ganze
väterliche Verwandtschaft aus Jämtland, mit nordschwedischem und
vielleicht finnländischem Blut‟.
Henrik Strindberg ehelichte 1743 Maria Elisabet Åkerfelt (geb.
1725), deren Vater Hauptmann im jämtländischen Regiment war; und auf
deren väterliche Abstammung zielt wohl der Dichter mit der „alten
Stammtafel‟. Durch diese Mutter seines Großvaters stammt der Dichter
in der Tat von ihrem Urgroßvater ab, Johan Olofsson zu Rajkull, der
1646 geadelt wurde und den Namen Åkerfelt erhielt „für seine dem
König Gustav Adolf und dem Reichskanzler Oxenstjerna geleisteten
Dienste; außerdem dafür, daß er bei der Grenzkommission in Estland
und dem Burggericht auf Schloß Reffle (Reval) von Nutzen gewesen‟.
Dessen Sohn, Johan Åkerfelt, wurde Hauptmann bei der Garnison in Riga;
nahm 1682 seinen Abschied, als er einen Hof, Tulina, am Newafluß zu
Lehen erhielt; auf diesem Hof wohnte er bis 1702, da er, nach der
Familienüberlieferung, genötigt wurde, mit seinen Kindern auf einem
Boot zu entfliehen, weil die Russen seinen Hof und die Saat auf dem
Felde plünderten. Mit seiner Frau, Sabina Wolff, Tochter eines Kapitäns
bei der Adelsfahne, hafte er einen Sohn, Zacharias (geb. in Riga 1682),
der sich als tapferer Krieger unter Carl XII. bekannt machte. Nach dem
Ende des großen Unfriedens erhielt dieser den Charakter als Major,
nahm seinen Abschied und starb 1754. Während er zu Wismar in Garnison
lag (1713, nach der Schlacht bei Gadebusch), gewann er als Braut eine
Tochter des Dr. med. Martin Scheffel, der einem alten geachteten
Patriziergeschlecht in Wismar angehörte.
Zacharias Åkerfelt und Maria Elisabeth Scheffel hatten außer der
Tochter, die durch ihre Heirat mit Henrik Strindberg die Stammmutter
der Familie Strindberg wurde, mehrere Kinder (das adelige Geschlecht
Åkerfelt starb indessen bereits mit einem Enkel 1836 aus), aber von
diesen interessieren uns hier nur zwei: der Sohn Gotthard Wilhelm
Åkerfelt zeigte dieselben künstlerischen Anlagen wie sein Oheim
mütterlicherseits, der Porträtmaler Johan Heinrich Scheffel, und ward
ein zu seiner Zeit beliebter Porträtmaler. Der Bruder Kari Åkerfelt
wieder wurde ein vermögender Seidenfabrikant in Stockholm.
Das interessiert uns insofern, als es dieser Åkerfelt gewesen sein
dürfte, der die Schwesterkinder Strindberg aus Jämtland zu sich
nach Stockholm nahm, als ihr Vater 1767 verschied und die meisten
von ihnen noch unmündig waren. Von den Töchtern verheiratete sich
die eine zuerst mit einem Händler Arengren zu Stockholm, dann mit
dem bekannten Juristen Johan Holmbergsson, und wurde in letzter Ehe
Mutter des originellen +Malers+ Johan Holmbergsson, der auf den
Straßen von Stockholm einherging in „Hut, Stiefeln und Rock, die denen
Carls XII. gleich waren, und mit einem Stab in der Hand, der dem der
Veleda selbst glich‟. Er schrieb und sprach sogar das Schwedische
des 16. Jahrhunderts! „Schwedischen Schicksalen und Abenteuern‟
widmete er seinen Zeichenstift und seinen Pinsel, wie sein Verwandter
August Strindberg einige Dezennien später seine Dichterphantasie.
Unzweifelhaft war auch wohl Johan Holmbergsson „ein Stück von einem
Dichter‟.
Die beiden Priestersöhne Strindberg, Henrik und Zacharias, ließ der
Oheim mütterlicherseits, der Seidenfabrikant Karl Åkerfelt, Kaufleute
werden; der erste endete als Seidenfabrikant in Borås (wo es vielleicht
noch Nachkommen von ihm gibt), der letzte als Kolonialwarenhändler in
Stockholm. Dieser letzte, Zacharias, geboren 1758, gestorben 1828, war
des Dichters +Großvater+ und eine merkwürdige Persönlichkeit. Nicht
nur, weil er eines der hervorragendsten Mitglieder der Stockholmer
Bürgerschaft war, das im „Militärkorps der Bürgerschaft‟ es sogar
zum Stadtmajor brachte, sondern noch mehr durch die literarischen
und künstlerischen Interessen, die er mit seinen Verwandten, dem
Schwestersohn Holmbergsson, dem Onkel Gotthard Wilhelm Åkerfelt,
dem Großonkel Scheffel gemeinsam hatte. Bei dem alten Stadtmajor
fanden diese Interessen ihren besonderen Ausdruck in einer alles
verschlingenden Leidenschaft fürs Theater. Unter seiner Leitung sah der
bekannte „Aurora‟-Verein den Tag (1815), der dann nahezu anderthalb
Jahrzehnte unter seiner Großmeisterschaft stand, bis zu seinem Tode
1828, und dafür sorgte, daß der Geschmack des bürgerlichen Stockholm
für Dramatik befriedigt wurde. Ja, der Herr Stadtmajor unterließ es
sogar nicht, selbst die Feder zu ergreifen und das Repertoir mit
„schwedischen Originalschauspielen‟ zu versorgen, wenn diese auch mehr
von gutem Willen als von dramatischer Begabung und Bildung zeugen.
Stadtmajor Strindberg, der zugleich Freimaurer war, trug den
Seraphinenorden und die Pro-Patria-Medaille und führte ein gastfreies
fröhliches Haus. 1793 mit Anna Johanna Neijber verheiratet, hatte
er zwei Söhne, Ludwig und Oskar, sowie eine Tochter, die 1822 den
bekannten „suecisierten‟ englischen Erfinder und Philantropen Samuel
Owen heiratete, den Vorgänger John Ericssons in der Schöpfung und
Entwicklung der Dampferflotte.
Beim Tode des Stadtmajors 1828 und noch etwa anderthalb Jahrzehnte
befand sich die Familie in großem Wohlstand. Indessen veränderte sich
die geschäftliche Konjunktur. Owen mußte seine Faktorei verkaufen und
sein Eigentum an seine Bürgen abtreten; auch seine Schwäger Strindberg
verloren beinahe alles, was sie besaßen.
Gerade in dieser schweren Zeit kam der Dichter zur Welt (1849). Die
Familie zeigte indessen, daß sie Schneid besaß. Besonders erwies sich
die Dampferkommission, der sich August Strindbergs Vater widmete, als
ein gutes und lohnendes Geschäft, das noch heutigentags von seinem
zweiten Sohn Oskar geführt wird, der, 1847 geboren, zwei Jahre älter
als der Dichter ist. Der älteste Bruder wieder ist Beamter in der
Lebensversicherungsgesellschaft Nordstern, und ist als Orchesterleiter
bei der Oper tätig gewesen -- die Familie hat immer musikalische
Interessen gehabt. Eine Schwester ist in Stockholm verheiratet mit dem
Gymnasialprofessor Dr. v. Philp; eine andere mit Hartzell in Norrköping.
Von den Kindern des Oheims väterlicherseits müssen wieder genannt
werden die Großhändler I. O. und A. G. Strindberg, von denen der letzte
ein gutes Geschäft in Flaggentuch u. dgl. betreibt; beim ersten ist
auch etwas von der literarischen Art, die den Vetter so berühmt gemacht
hat. Der Großhändler I. O. Strindberg ist nämlich ein sehr produktiver
Gelegenheitsdichter (Signatur meist Occa). Bekannt ist auch, daß einer
seiner Söhne, Nils Strindberg, dem Namen neue Sympathien verschafft
hat, indem er sich mutig an die Seite Andrées stellte, als dieser
durch seine Ballonfahrt zum Pol ein neues Blatt zu den „Schwedischen
Schicksalen und Abenteuern‟ fügen wollte.
Druck von Gerhard Stalling, Oldenburg i. O.
FUSSNOTEN:
[1] 23 Jahre brauchte Strindbergs „Sohn einer Magd‟, um eine zweite
Auflage zu erreichen; inzwischen war der Dichter ein ganz Anderer
geworden!
[2] Strindberg schrieb dies 1886.
[3] „Die Familie Benoiton‟, Schauspiel von Sardou (1865).
[4] Remond de Sainte Albine schrieb 1747 „Le Comédien‟, den Lessing
1754 in der „Theatralischen Bibliothek‟ übersetzte.
[5] Vergleiche Strindbergs Luther-Drama.
Anmerkungen zur Transkription
Die erste Zeile entspricht dem Original, die zweite Zeile enthält die
Korrektur.
S. 220
ihr männliches Äußere.
ihr männliches Äußeres.
S. 232
die naturwissenschaftliche Philisophie
die naturwissenschaftliche Philosophie
S. 247
weder sich selbt noch andere.
weder sich selbst noch andere.
S. 262
Um sein laienhaftes Äußere
Um sein laienhaftes Äußeres
S. 324
daß er keine Verantantwortung besizt.
daß er keine Verantwortung besitzt.
S. 349
Eine Zeitlang bildete Iss eine einzige Gesellschaft
Eine Zeitlang bildete Is eine einzige Gesellschaft
S. 361
eine gewises Blamage
eine gewise Blamage
End of Project Gutenberg's Der Sohn einer Magd, by August Strindberg