96. Vergaß deswegen bei seiner Frau _Marianen_

Seinen vornehmen Stand und alle seine Ahnen,

Und wandelte den bisherigen Namen von Schops

In den schlichtbürgerlichen Namen _Jobs_.

97. Als ein Feind aller Pracht und neuen Mode

Zeugte er nach der wohlbekannten Methode

Eines jeden andern bürgerlichen Manns

Den gedachten Schildburgschen Senater _Hans_.

98. Dieser wurde sehr gut bürgerlich erzogen,

War klein, hat aber schwer gewogen,

So wie seine meisten Ahnen, denn es war dies,

Wie schon oben bemerkt ist, ein Fideicommiß.

99. Daß Herr Hieronimus sein Sohn gewesen,

Und seine Frau mehrerer Kinder genesen,

Das alles, wie auch sein Rathsherrnstand,

Ist uns allerseit'gen Lesern bekannt.

100. Ich habe die Geschichte der Jobsschen Lebensläufen

Mit zu viel Nebensachen nicht wollen häufen,

Weil ich beim nähern Nachsehen find',

Daß schon hundert Verse drüber da sind.

Vierunddreißigstes Kapitel.

Genealogie der Frau Senatorin Jobs nach aufsteigender Linie.

1. Die Ehegenossin des Schildburgschen Senaters,

Als unsers Herrn Hieronimi würdigen Vaters,

Der ^notorie^ mehr Kinder hatte, war

Eine geborne Mammesell _Plappelplar_.

2. Ihre Stammtafel ist weniger weitläufig,

Und die Merkwürdigkeiten drin sind nicht so häufig;

Indessen wollen wir doch ordentlich gehn,

Und dieselben in diesem Kapitel durchsehn.

3. Ihre Familie war zwar nicht von Adel,

Aber doch ohne allen Vorwurf und Tadel,

Und unter dem schwäbischen Plebejerstand

Eine der ersten im ganzen Land.

4. Sie war ansehnlich, groß und lang von Leibe,

Und ein Muster von 'nem schönen und guten Weibe,

Und ihr eheleiblicher Vater war

Der Consistorialrath Herr Plappelplar.

5. In seinen Handlungen und Reden war er eifermüthig,

Von Temperament etwas cholerisch und vollblütig,

Er zerklopfte oft im Affect die Kanzelbank,

Denn er war von Person robust und lang.

6. Er war mächtig in Lehr' und reich an Worten,

Stund erst als Pfarrer an verschiedenen Orten,

Ward im vierzigsten Jahre Consistorial,

Und starb im funfzigsten Knall und Fall.

7. (Von seiner Suade im Peroriren

Scheint es als Erbtheil herzurühren,

Daß die ehmalige Mamsell Plappelplar,

Nachherige Frau Jobs, so wortreich war;

8. Auch daß sie an dem geistlichen Stande

Ein so außerordentliches Vergnügen fande,

Und den Hieronimus, den sie gebar,

Schon früh bestimmte zum Dienst der Pfarr'.)

9. Er hinterließ nicht blos Kindertücher

Oder eine Sammlung alter Schriften und Bücher,

Sondern auch viel Gut immobil und movent,

Denn er war ziemlich reich und potent.

10. Von seinen sonstigen Lebensumständen

Habe ich nicht viel Nachricht in Händen,

Doch merke ich noch von ihm an, daß

Er gerne gebratne Truthähne aß.

11. Daher entstand vermuthlich die Sitte und Regel,

Daß man die Truthähne Consistorialvögel

Seitdem im schwäbischen Lande heißt,

Und sie gern bei Pfarrschmäusen speist.

12. Doch dem sei übrigens wie ihm seie,

Er verwaltete sein Amt mit aller Treue,

Und sein eheleiblicher Vater war

Fürstlicher Amtmann und Justitiar.

13. Der war in seinen Aemtern und Pflichten strenge,

Machte weder große Umstände noch Gepränge,

Wenn einer nicht gleich seinem Mandat

Oder der Citation pariren that.

14. Er stund wegen seinem ernsthaften Amtsgesichte

Rund herum in sehr gutem Gerüchte,

Und sein eheleiblicher Vater war

Fürstlicher geheimer Consiliar.

15. Man muß aber eben nicht meinen oder träumen,

Es hätte der Fürst wegen 's Prädicat 'nes _Geheimen_

Rathes nichts ohne ihn gethon;

Er kannte nicht einmal seine Person.

16. Er starb als ein treuer Diener des Staates,

Ohngeachtet des Titels eines geheimen Rathes,

Und sein eheleiblicher Vater war

Bei 'ner verwittweten Fürstin Leibhusar.

17. Dieser stand bei Hofe sehr hoch in Gnaden,

War ein hübscher Husar von Bart und Waden,

Und sein eheleiblicher Vater war

In Schildburg der zweite Consular.

18. Im Stadtarchiv findet man oft seinen Namen;

Er sagte zu allen Rathsdecreten: Amen!

Und sein eheleiblicher Vater war

Seligen Andenkens Landcommissar.

19. Jedoch zur Zeit seines Commissariats stand es

Eben nicht zum besten um die Wohlfahrt des Landes,

Und sein eheleiblicher Vater war

Commerzienrath titular.

20. Der legte sein ganzes väterliches Erbe

An Fabriken und weitläufiges Gewerbe,

Brachte es aber durch Ehrlichkeit

Anfangs bei aller Mühe nicht weit.

21. Er rettete sich jedoch noch bei zeiten,

Wie es Sitte ist bei viel Handelsleuten,

Denn ein starker honneter Bankrott

Half ihm aus aller seiner Noth.

22. Man saget aber, seine Creditoren

Hätten dabei mehr als er verloren,

Und sein eheleiblicher Vater war

Adliger Verwalter und Secretar.

23. Der konnte succesive etwas Vermögen

Extra ^per fas et nefas^ zurücke legen,

Und sein eheleiblicher Vater war

Der sieben freien Künste Baccalar.

24. Dieser mußte sich sehr kümmerlich ernähren,

Hatte blutwenig oder nichts zu verzehren,

Und sein eheleiblicher Vater war

Ein kaiserlicher gekrönter Poete gar.

25. Zwar erfahren in allen Dichterkünsten,

Hungerte er doch bei seinen Verdiensten,

Und wohnte mit Frau und Kinderlein

In einem kleinen Dachstübelein.

26. Seinem leiblichen Vater ging es noch trister,

Er war der Weltweisheit Magister,

Wovon er sich höchst erbärmlich ernahr;

Wer aber des Magisters Vater war,

27. Davon schweigen die vorhandnen Nachrichten;

Ich kann also davon weiter nichts berichten,

Als daß er auch ein Herr Plappelplar

Und vermuthlich ein redlicher Mann war.

Fünfunddreißigstes Kapitel.

Wie nunmehr nach wohlerwogenen Umständen der Consens zu der Vermählung

des jungen Herrn Barons mit seiner Stehre erfolgt ist.

1. Man fande bei wohlerwogenen Umständen

Nun wegen der Heirath nichts weiter einzuwenden;

Denn aus dem gelesenen Bericht war klar,

Daß Jungfer Esther von berühmter Familie war.

2. Um damit zum erwünschten Ende zu kommen,

Hat Herr Jobs seiner Schwester Ausstattung übernommen,

Und diese fiele weit reichlicher aus,

Als bei manchem Fräulein aus 'nem großen Haus.

3. Der beiden Liebenden Wonne und Entzücken

Vermag meine Feder nicht auszudrücken;

Sie hätten, von ihrem Glücke berauscht,

Mit keinem Monarchen der Erde getauscht.

4. Denn es ist durchaus den Verlobten so eigen,

Zu sehen den Himmel voll Flöten und Geigen,

Und als wäre in dieser argen Welt

Alles für sie aufs beste bestellt.

5. Dennoch folget nach geschloßner Ehe

Auf den ersten Jubel meist Reue und Wehe,

Und nach verschwundnem Rausche denkt man gar:

Ich war, als ich heirathete, ein Narr.

6. Zu den Vermählungsfeierlichkeiten

Suchte man nun alles vorzubereiten,

Und es war wirklich vierzehn Tage hernach

Der längst erseufzete Hochzeitstag.

Sechsunddreißigstes Kapitel.

Die Vermählung des jungen Barons und der Esther geht wirklich hier vor

sich, wie im Kupfer artig zu sehen ist.

[Illustration]

1. Gleichwie der Seefahrer den Tag hoch feiert,

Wenn sein Schiff nun in den Hafen steuert,

Nachdem er auf der langen nassen Bahn

Erfahren manchen Sturm und Orkan;

2. Und wie der Wanderer, wenn's regnet oder schneiet,

Oder die Sonne brennet, sich hoch erfreuet,

Wenn er Abends, hungrig und müd',

Das lockende Schild des Wirthshauses sieht;

3. Und wie nach dreijährigem Wachen und Fleiße,

Und vielem nicht fruchtlos vergossenem Schweiße

Ein auf der hohen Schul' gewesner Student

Sich freuet über seines Studiums End';

4. Und wie der thätige Kaufmann sich baß entzücket,

Wenn er beim Schlusse eines Jahres erblicket,

Daß er nach richtigem Calcul und Stat

Abermal ein Kapital ^in salvo^ hat;

5. So pflegen auch Verlobte nach langem Schmachten

Ihren Hochzeitstag freudig zu betrachten,

Und der wird nach viel überwundner Hinderniß

Nun erst destomehr schmackhaft und süß.

6. Grade so beschaffen, wie ich sage, war es

Mit den Gefühlen unsers lieben Brautpaares,

Als jetzt des Priesters segnende Hand

Sie auf ewig zusammen verband.

7. Von allen merkwürdigen Hochzeitsscenen

Dieses Tages will ich nur einer erwähnen;

Man sagt, des Herrn Jobs alter Philemon

Seie gewesen der Erfinder davon.

8. Nämlich, die Schönhainer hatten seit ein paar Wochen

Sich zu einem glänzenden Aufzuge abgesprochen,

Und dieser ging dann auch feierlich

Am besagten Hochzeitstage vor sich.

9. Drei Tage vor der Hochzeit kündete die Trommel

Im Dorfe durch ihr schnarrendes Gerommel

Allen Einwohnern, alt und jung,

Die Losung an zur Vergaderung.

10. Längst war sie vergessen im Hintergehäuse,

War eine ruhige Wohnung der Ratten und Mäuse,

Denn im Dorf herrschte seit undenklicher Zeit

Stolze Ruhe und Friedlichkeit.

11. Jedoch bei ihrem ungewöhnlichen Alarme

Ward alles reg gleich einem Bienenschwarme,

Und mit allerlei Unter- und Obergewehr

Zog man zum gewählten Waffenplatz her.

12. Jedem Comparenten ward da unverweilet

Seine Charge nach Verdienst und Fähigkeit ertheilet,

Und der alte Philemon übernahm die Müh'

Und übte im Marschiren und Feuern sie.

13. Er verstund gar herrlich das Manövriren;

Hatte die Schlacht bei Roßbach helfen verlieren,

Denn er war ein ganzes Jahr lang damal

Beim Kreiscontingente Corporal.

14. Man sah frühmorgens in zwei Compagnien

Die Schönhainer Mannschaft in Parade ziehen

Mit Trommel und Pfeife und wehender Fahn',

Und den alten Philemon als Oberster voran.

15. Zwei auf dem Schloßplatz aufgepflanzte kleine Kanonen,

Geladen mit ein halb Loth schweren Patronen,

Gingen zur Losung fürchterlich los,

Daß schier erbebt hätten die Fenster am Schloß.

16. Die sämmtliche Mannschaft gab eine Salve,

Es war aber eigentlich doch nur eine halbe;

Denn manches Gewehr versagte den Schuß,

Und ging aufs Commando: »Gebt Feuer!« nicht luß.

17. Doch gab's beim Aufmarschiren und Kriegsgewimmel

Ein allgewaltiges Lärmen und Getümmel;

Man schrie Vivat! als wäre man toll,

Und jeder Jagdhund des Schlosses boll.

18. Es schien, als ob sich alle Elementen

Bewegten und in einem Krieg befänden,

Und als ob in dem Dorfe Schönhain

Wirklich der jüngste Tag bräch' ein.

19. Nach dreimal wiederholten Vivat und Chargiren

Ließ man's ganze Heer auf'm Schloßplatz campiren,

Und vom Obersten bis zum Musketier

Bekam jeder zu essen, und Branntwein und Bier.

20. Als endlich die Nacht hatte angefangen,

Ist jeder seines Weges nach Hause gegangen;

Auch das Brautpaar entschliche schon früh,

Ich weiß nicht, wohin? warum? und wie?

21. Dieses Wohin, Warum, Wie und Weswegen

Zu wissen, dran ist uns nichts gelegen;

Genug, Esther war von diesem Abend an genau

Eine leibhaftige gnädige Frau.

Siebenunddreißigstes Kapitel.

Wie sich die junge gnädige Frau von Ohnwitz beging, und wie sie nach

neun Monaten eines Söhnleins genaß.

[Illustration]

1. Ich muß es der jungen Frau zum Ruhm nachsagen,

Daß sie sich immer gar zärtlich betragen,

Und es dem jungen Herren noch zur Zeit,

Sie zur Gattin zu haben, nicht gereut.

2. Gar nach schon jetzt verfloss'nen vier Jahren

Habe ich nicht das mindeste davon erfahren,

Daß der böse Ehegeist Asmodees

Angestiftet hätte Streit oder Getös.

3. Sie fanden darin ihr vorzüglichstes Entzücken,

Sich durch getreue eheliche Liebe zu beglücken,

Und die junge gnädige Frau hatte schon

Nach neun Monaten einen kleinen Sohn.

4. Sie ist also, wie man deutlich siehet,

Ihrerseits ernstlich drauf aus und bemühet,

Daß der Ohnwitzer Nam' besteh'

Und sein Stamm nicht so bald vergeh'.

5. Sie hielte nichts von fremden Säugammen,

Wie sonst üblich ist bei vornehmen Madammen,

Sondern glaubte, ihn von eigner Milch

Zu ernähren, sei menschlich und bill'g.

6. Sie blieb dabei nicht allein viel gesünder,

Sondern ihre Reize wurden eher größer als minder;

Denn eine so süße schuldige Mutterpflicht

Schadet der Gesundheit und Schönheit nicht.

7. Auch die Kleinen pflegen baß zu gedeihen,

Daß sich Gott und Menschen drob erfreuen,

Auch der sonstige Nutzen dabei

Ist unwidersprechlich noch mancherlei.

8. Sie ward auch in allem übrigen Verhalten

Für'n Muster einer braven Dame gehalten,

Und jeder Schönhainer Unterthan

Betete sie gleichsam als ihre Göttin an.

9. Noch immer führete sie das Steuerruder

Der Oekonomie bei ihrem lieben Bruder,

Und hielte auf dem großen Gute Schönhain

Alles fein ordentlich, sauber und rein.

10. Ihre Schwiegereltern thut sie höchlich ehren,

Handelt in allem nach ihrem Rath und Begehren,

Und diese lieben sie dafür fast mehr,

Als wenn sie ihre leibliche Tochter wär'.

Achtunddreißigstes Kapitel.

Wie Herr Jobs seine Schildburger Verwandten reichlich bedenket, und

Schwester Gertrud den Schösser heirathet.

1. Man denke aber nicht, als ob indessen

Herr Jobs seine andre Verwandten hätte vergessen;

Er hat vielmehr sie auch kräftig itzt

Mit Gelde in Schildburg geunterstützt.

2. Zum Exempel: Er ließ große Kapitalen

Per Wechsel an seinen einen Bruder auszahlen,

Und dieser wurde schleunig also

Aus 'nem Krämer ein großer Kaufmann ^en gros^.

3. Auch sein ält'ster Bruder ward durch ihn glücklich,

Denn sein geiziges Weib starb augenblicklich

Für übermäßigem Freudenschreck,

Als sie sah die übersandten Geldsäck'.

4. Sein Herr Schwager, der Schildburger Küster,

Bekam gleichfalls einen großen Tornister

Voll von Geschenken und Geld, und ward gleich

Reicher als ein Küster im römischen Reich.

5. Die andre Schwester brauchte auch dem Alten

Nun länger nicht zu dienen und hauszuhalten,

Denn Herr Jobs machte ihr Jahr ein Jahr aus

Eine ansehnliche Rente zu verzehren aus.

6. Seine noch übrige Schwester, die _Gertrüde_,

Ein Frauenzimmer von sehr gutem Gemüthe,

Invitirte er zu sich nach Schönhain,

Um ihm in der Wirthschaft behilflich zu sein.

7. Versprach auch sonst, sie heute oder morgen

Reichlich und christbrüderlich zu versorgen;

Sie gab also ihre bisherige Geschäfte dran,

Und kam verlangtermaßen bald drauf an.

8. Nun war zwar besagte Schwester Gertrüde

Eben nicht mehr in der besten Jahrblüte,

Aber doch für's Haus, Bette und Tisch

Noch ziemlich munter, gesund und frisch.

9. Auch nicht unangenehm im Umgange;

Drum währte es auch zu Schönhain nicht lange,

Daß der Schösser, der sich Wittwer befand,

Anhielte um ihr Herze und Hand.

10. Was vormals mit Procrater _Geyer_ geschehen,

Das konnte niemand ihr weiter ansehen,

Drum willigte Herr Hieronimus drin,

Und sie ward richtig Frau Schösserin.

Neununddreißigstes Kapitel.

Wie man allerseits wegeilet; die adlige Gesellschaft nach Ohnwitz und

der Autor nach dem Ende des Büchleins. Sehr traurig zu lesen.

1. Zwar der Franken siegreiche Kriegsheere

Verbreiteten sich weiter gleich dem flutenden Meere,

Und wohin sie kamen, ward Knall und Fall

Ueberall alles egal und kahl.

2. Aber auf dem sichern Schönhainer Gute

War man freudig und bei gutem Muthe,

Und durchlebte ein paar Jahre Zeit

In ununterbrochener Einigkeit.

3. Indessen ward durch einen Separatfrieden

Das Schicksal von Ohnwitz glücklich mit entschieden,

Und der alte Herr und Frau von Ohnwitz

Kehrten zurück nach ihrem vorigen Sitz.

4. Sie fanden da fast alles jämmerlich zerstöret,

Und die Güter zum Theil vernichtet und verheeret,

Indessen ward doch durch Herrn Jobsens Geld

Alles bestmöglichst wieder hergestellt.

5. Aber die junge Frau nebst ihrem Barone

Blieben beim Herrn Jobs mit ihrem Sohne,

Weil sich dieselbe vor der Hand

Abermals einer Niederkunft nahe befand.

6. Sie kam auch glücklich zum zweitenmal wieder

Mit einem lieben jungen Barönlein nieder,

Und man nannte dasselbe nach seinem Ohm

Und Pathen in der Taufe Hieronom.

7. Nach den zurückgelegten Kindbetterwochen

Sind auch sie nach Ohnwitz aufgebrochen,

Aber der Abschied vom guten Schönhain

Ging ihnen beiden durch Mark und Bein.

8. Herr Jobs hat auf herzliches Bitten

Sie auf der Reise nach Ohnwitz beglitten,

Und übergab zur einstweiligen Obhut

Sein Gut dem Schwager Schösser und der Gertrud.

9. Denn auch er konnte dem Trieb nicht widerstehen,

Seine lieben Ohnwitzer mal wieder zu sehen,

Und sein Herz blutete, als er fand

Ihren dermaligen traurigen Zustand.

10. Er gab ihnen gerne die nöthigsten Gelder

Zur Reparirung der Häuser und verdorb'nen Felder,

Kaufte ihnen Schafe, Pferde und Küh'

Und unterstützte aufs mildeste sie.

11. Seitdem ihn der Krieg von da vertrieben,

War die Pfarrstelle unbesetzet geblieben,

Aber sie war vom Herrn von Ohnwitz jetzt

Wieder durch 'nen trefflichen Mann besetzt.

12. Das that Herrn Jobs ungemein gaudiren,

Denn es wollte sich ja hinfort nicht mehr gebühren,

Daß er die Pfarrstelle wieder übernähm'

Und als Herr von Schönhain nach Ohnwitz käm'.

13. Als er ein paar Wochen noch da verweilet,

Hat er wieder nach seinem Schönhain geeilet;

Aber dieser sehr bittere Abschied

Erschütterte innerlich sein Gemüth.

14. Eine Ahndung wollte schier bei ihm entstehen,

Als würde er Ohnwitz nie wieder sehen,

Doch er ergab sich endelich drein,

Und kam glücklich wieder an zu Schönhain.

Vierzigstes Kapitel.

Wie Herr Hieronimus zum zweiten Mal von Freund Hein einen Besuch bekam,

welcher für diesmal länger dauert als der erste.

[Illustration]

1. Wir Menschen pflegen in unsern Erdensachen

Manche kluge Pläne und Entwürfe zu machen,

Aber ein unvermutheter Querstrich

Ist uns gar oft daran hinderlich.

2. Auch Herr Jobs gedachte mit seinem Vermögen

Noch vielfältig zu stiften Nutzen und Segen,

Und auf seinem lieben Gute Schönhain

Sich eines längern Lebens zu freun.

3. Aber es hat ihn neulich wider alles Verhoffen

Eine grassirende böse Krankheit betroffen,

Und er selbst prophezeite im ersten Anfang

Sich davon einen tödtlichen Ausgang.

4. Er befahl ernstlich auf seinem Krankenlager

_Drei_ Dinge seiner Schwester und seinem Schwager:

_Erstlich_, daß man ihn ja nicht eher begrüb',

Bis er wirklich faul zu werden anhüb';

5. Man sollte während der Zeit mit ihm experimentiren,

Ob sein Leichnam etwa sich wieder würde rühren,

Und es sollte bei demselben Tag und bei Nacht

Fünf Tage lang jemand halten die Wacht.

6. _Zweitens_, ihn dann ohne Leichengetümmel

Begraben unter Gottes freien Himmel,

Und neben Amaliens Leichenstein,

Bei den Linden, sollte sein Begräbniß sein.

7. _Drittens_, sollte nach seinem erfolgten Absterben

Kein Gezänk entstehen zwischen seinen Erben,

Sondern sie sollten brüder- und schwesterlich

Darein alle egal theilen sich.

8. Man war bemüht, diesen seinen letzten Willen

In allen drei Stücken pünktlich zu erfüllen;

Denn er beschloß nun wirklich seinen Lebenslauf

Und stund zum zweiten Mal nicht wieder auf.

Ende.

Anmerkungen zur Transkription

Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im

Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_

gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,

wurden ^so^ und Fettdruck wurde #so# markiert.

Einfache Anführungszeichen wurden durch ">" und "<" ersetzt.

Die variierende und oft den Reimen angepasste Schreibweise des Originals

wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler

wurden, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben des Textes, wie

hier aufgeführt korrigiert (vorher/nachher):

[S. 81]:

... Und da reichte sie im sogar ...

... Und da reichte sie ihm sogar ...

[S. 89]:

... Diese Herren stille gereiset von hie, ...

... Diese Herren stille gereiset von hie. ...

[S. 95]:

... 22. Zwar wollte ihm anfangs das Schulleben ...

... 22. Zwar wollte nun anfangs das Schulleben ...

[S. 101]:

... Ihm Dorfe Ohnewitz gegeben. ...

... Im Dorfe Ohnewitz gegeben. ...

[S. 104]:

... Die Zeit, wenn der Patron vereiset wär'. ...

... Die Zeit, wenn der Patron verreiset wär'. ...

[S. 113]:

... 26. Wit muntern Jünglingen und artigen Knaben ...

... 26. Mit muntern Jünglingen und artigen Knaben ...

[S. 126]:

... In manchen Sachen, wärend der Zeit ...

... In manchen Sachen, während der Zeit ...

[S. 132]:

... Jokob Böhme und Aristoteles, ...

... Jakob Böhme und Aristoteles, ...

[S. 157]:

... Vielleich macht nun irgend ein Verleger sein Glück ...

... Vielleicht macht nun irgend ein Verleger sein Glück ...

[S. 202]:

... 12. Deine Schwester grüßt dich zu hundertausend malen, ...

... 12. Deine Schwester grüßt dich zu hunderttausend malen, ...

[S. 203]:

... Auch spricht man von mancher Behexeri, ...

... Auch spricht man von mancher Behexerei, ...

[S. 213]:

... Engeland und so weiter besehn. ...

... Engelland und so weiter besehn. ...

[S. 220]:

... Als wär' er in der Kirche das große Wort. ...

... Als wär' er in der Kirche, das große Wort. ...

[S. 247]:

... Und es auf unsern Lumpenerdenplanet ...

... Und es auf unserm Lumpenerdenplanet ...

[S. 259]:

... Der Ausgsburgischen Confession. ...

... Der Augsburgischen Confession. ...

[S. 296]:

... Dir und mir auch wol gleicheviel sein. ...

... Dir und mir auch wol gleiche viel sein. ...

[S. 300]:

... So viel ihm möglich, behielflich wär'. ...

... So viel ihm möglich, behilflich wär'. ...

[S. 301]:

... Durch die Brandspitze der Moral und Vernunft ...

... Durch die Brandspritze der Moral und Vernunft ...

[S. 303]:

... Saßen folglich, wie billig war, apart. ...

... Saßen folglich, wie billig war, a part. ...

[S. 309]:

... 16. Da sagt man zum Exempel statt Koroline Line, ...

... 16. Da sagt man zum Exempel statt Karoline Line, ...

[S. 329]:

... Kinderlos und ungleich verwitibt. ...

... Kinderlos und ungleich verwittibt. ...

[S. 336]:

... Ein Brief von Mamsell Esther an Herrn Herrn Jobs, worin viele ...

... Ein Brief von Mamsell Esther an Herrn Jobs, worin viele ...

[S. 366]:

... Manche kluge Plane und Entwürfe zu machen, ...

... Manche kluge Pläne und Entwürfe zu machen, ...

Die Jobsiade: Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen · 第 20 / 20 段