In das medicinisch-pädagogische Gebiet fällt Kortums »_Märty

Die Jobsiade.

Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen

von

Dr. Carl Arnold Kortum.

Mit einer literarhistorischen Einleitung

von

Friedrich Schnettler.

Mit 70 Illustrationen.

Leipzig

Druck und Verlag von Philipp Reclam jun.

Der Jobsiadendichter Dr. Carl Arnold Kortum.

Fast ein Jahrhundert ist verflossen, seitdem die _Jobsiade_, natürlich

nur der erste, abgerundete und abgeschlossene Theil, 1784 im Druck

erschien; in vielen Tausenden von Exemplaren ist das »komische

Heldengedicht« verbreitet, mehr als drei Generationen haben sich an dem

grobkörnigen Humor erfreut, aber über die Lebensumstände des Dichters

ist im großen Publikum wie in seiner zweiten Vaterstadt, der Kreisstadt

_Bochum_ in Westfalen, wenig bekannt. Man wird dem Fremden dort auf

Befragen das _Wohnhaus_ des Dichters zeigen, welches durch eine im Jahre

1876 daran angebrachte Marmortafel kenntlich gemacht ist, und vielleicht

auf das _Grab_ desselben auf dem alten Theile des sogenannten

»Todtenkirchhofes«. Damit hat aber die Kunde über »Leben, Meinungen und

Thaten« des Jobsiadendichters auch in seiner Vaterstadt so ziemlich ein

Ende.

Das Wohnhaus des Dichters, auf der oberen Marktstraße gelegen, trägt die

Nr. 23 und charakterisirt sich durch seine Bauart und Giebelverzierungen

als aus dem Anfange des vorigen Jahrhunderts stammend. Die Inschrift der

Marmortafel lautet:

»^In diesem Hause -- lebte, dichtete und starb -- der Königl. Hofrath --

und doct. medicinae -- #Carl Arnold Kortum,# -- geboren den 5. Juli

1745, -- gestorben den 15. August 1824.^«

Angebracht ist diese Tafel von den Berufsgenossen des Dichters, wohl zu

verstehen von den Berufsgenossen in dessen _ärztlichem_ Berufe, nicht in

der _Dichtkunst_, und verdienen die Bochumer Aerzte für diesen Act der

Pietät alle Anerkennung.

Der Name des Dichters wird meistens falsch angegeben; derselbe heißt

nicht #Kortüm#, sondern #Kortum#. Nicht allein die Encyclopädien,

sondern auch wissenschaftliche Werke haben die erste, _falsche_ Form des

Namens. Der Irrthum beruht auf einer Verwechselung mit dem Namen des

bekannten _Historikers_ Joh. Friedr. _Kortüm_, geboren den 24. Februar

1788 zu Eichhorst in Mecklenburg-Strelitz, gestorben am 4. Juni 1858 als

Professor der Geschichte an der Universität Heidelberg.

_Carl Arnold Kortum_ wurde am 5. Juli 1745 von protestantischen Eltern

zu _Mühlheim_ an der Ruhr geboren, wo sein Vater eine kleine Apotheke

besaß. Dieser starb schon früh, aber die Mutter, eine geborene _Maria

Helene Severin_ aus Bochum, setzte das Geschäft des Verstorbenen fort,

und da sie obendrein ein ziemliches Vermögen mit in die Ehe gebracht

hatte, so konnte sie ihrem Sohne eine sorgfältige Erziehung geben. Nach

Kortums eigener Aussage, welche in der Form seines Namens einen weiteren

Anhalt findet, stammte seine Familie aus Friesland; dieselbe habe dort

einst ein ausgedehntes und reiches Grundvermögen besessen, sei aber

durch widrige Umstände um Ansehen und Besitz gekommen, in Folge dessen

verzogen und zum Stande und Broderwerb des kleinen Bürgers herabgedrückt

worden.

Die Liebe und Sorgfalt, mit welcher die Mutter der Erziehung des kleinen

Carl Arnold oblag, fand in den ersten Jahren wenig Belohnung; alle Sorge

und Mühe scheiterte an den geringen Anlagen des Knaben und man

verzweifelte schon daran, ihm auch nur das Alphabet und damit die

Grundlage aller Wissenschaft beibringen zu können. Was der Mutter und

vielen Andern nicht gelingen wollte, gelang endlich durch den

glücklichen Einfall eines damals in Mühlheim lebenden Candidaten Namens

Grabow. Derselbe fand den Schlüssel zu dem Geiste des Knaben dadurch,

daß er auf das sogenannte »^letterbanket^« der Holländer verfiel; er

ließ nämlich aus Kuchenteig Buchstaben bilden, und spendete diese

gebackenen Buchstaben dem Knaben als süße Belohnung, wenn er wieder

einen Buchstaben begriffen und behalten hatte. Es kam nunmehr ein ganz

anderes Leben in den Knaben; er bekam Muth und Selbstvertrauen und hatte

sich bald in einen solchen Eifer zum Lernen hineingegessen, daß er

ungewöhnlich rasch lesen lernte und seine Mutter ihm bald nicht genug

Bücher mit Fabeln, Märchen und allerhand Kindererzählungen verschaffen

konnte.

Der verstorbene Vater des Dichters hatte gewünscht, daß der Knabe

studiren und zur Universität übergehen sollte. Im Herbst 1753 kam der

Knabe daher, acht Jahre alt, auf die protestantische Lateinschule seiner

Vaterstadt; da sich dieselbe aber in einem jämmerlichen Zustande befand,

sah sich die Mutter genöthigt, ihn von da fortzunehmen und in die

katholische Schule des Ortes zu schicken, wo das Lateinische gründlich

betrieben und das Französische ebenfalls gelehrt wurde. Mit fünfzehn

Jahren wurde Carl Arnold Schüler des Gymnasiums zu _Dortmund_, wo er bei

einem Onkel von väterlicher Seite Wohnung und Pflege fand. Ein Sohn

dieses seines Hauswirthes ist Karl Georg Theodor Kortum, den Pierers

»Universal-Lexicon« ^s. v.^ »Kortum« fälschlich als Sohn unseres

Jobsiadendichters bezeichnet. Derselbe, 1765 zu Dortmund geboren, starb

am 9. Februar 1847 als Physikus in Stollberg bei Aachen.

Am Gymnasium zu Dortmund gehörte unser C. A. Kortum zu den tüchtigsten

Schülern, und waren es nach F. W. Ebeling vorzüglich _zwei_ Lehrer,

welche einen nachhaltigen Einfluß auf denselben ausübten, der Rector

Gotthilf August _Hofmann_ und der Professor _Pilger_. Letzterer gab sich

Mühe, den jungen Studiosus für den geistlichen Stand zu bestimmen, aber

vergeblich, denn die Lust und Liebe zur Medizin als zu seinem

Brodstudium hatte der Jüngling in der väterlichen Apotheke zu tief

eingesogen; trotzdem blieb ihm zeitlebens eine gewisse Vorliebe für

theologische Dinge anhaften. Der Rector Hofmann, ein für seine Zeit sehr

verdienter Schulmann (gestorben 1770), war zwar ebenfalls Theologe, aber

nach der obigen Quelle zugleich ein warmer Freund der Dichtkunst, deren

Nutzen und Werth er in mehreren lateinischen und deutschen

Schulschriften zu erweisen versuchte. Derselbe weckte in seinem Schüler

die Liebe zu den schönen Wissenschaften und beklagte nur unaufhörlich,

daß derselbe in allen seinen freien Arbeiten einen ungemeinen Hang zur

Satire verrieth. Er warnte ihn, seinen beißenden Witz zu unterdrücken

und seine Spottlust zu zügeln, durch welche er sich nur Feinde und

Unannehmlichkeiten im Leben schaffen werde; dabei hatte der Lehrer

selbst aber eine satirische Ader, fluthete von Sarkasmen völlig über und

war sogar in einer literarischen Fehde öffentlich als Satiriker

aufgetreten. So wenig ein Lehrer, der den ganzen Tag die Pfeife nicht

erkalten läßt, seinen Schülern das Unpassende und Schädliche des

Rauchens begreiflich machen kann, so wenig war auch Rector Hofmann

geeignet, dem jungen Kortum die Freude an lachendem Witz und scharfem

Spott zu verleiden.

Mit tüchtigen Kenntnissen ausgerüstet bezog Kortum 1763, achtzehn Jahre

alt, die Universität _Duisburg_, um Medicin zu studiren. Hier, in der

Vaterstadt des bekannten Geographen Mercator (Kremer), welche 1609 mit

der Clevischen Erbschaft an die Kurfürsten von Brandenburg gefallen war,

hatte der große Kurfürst 1655 eine reformirte Universität gegründet,

welche 1802 theilweise und 1818 ganz und förmlich aufgehoben wurde. In

der medicinischen Fakultät waren es besonders zwei Männer, die Bedeutung

und Ruf hatten: Johann Gottlieb _Leidenfrost_ (1715-1791) und Christian

Arend _Scherer_ (1714-1777). Beide standen auf der Höhe der

medicinischen Wissenschaft ihrer Zeit, und hat der junge Kortum

namentlich die Fußstapfen des ersteren dadurch betreten, daß er sich

gleich ihm bemühte, populäre Kenntnisse über das Wesen des menschlichen

Körpers und dessen rationelle Behandlung zu verbreiten. Die 1779 in

Wesel und Leipzig bei F. J. Röder und J. S. Heinsius erschienene Schrift

Kortums: »Anweisung wie man sich vor alle _ansteckende Krankheiten_

verwahren könne, für solche die nicht selbst Aerzte sind« -- gibt den

größtenteils noch jetzt richtigen Ansichten Leidenfrost's einen

populären Ausdruck und scheint vielfach auf dessen Vorlesungen zu

beruhen.

Nach drei Jahren bestand Kortum glücklich seine ärztliche Prüfung,

erwarb sich durch eine 1766 gedruckte Dissertation über die Epilepsie

den Doctortitel und ließ sich, nachdem er noch ein halbes Jahr in Berlin

hauptsächlich Anatomie und Chirurgie studirt hatte, in der

liebgewordenen Musenstadt _Duisburg_ als Arzt nieder. Kaum 23 Jahre alt,

verheirathete er sich hier 1768 mit _Margaretha Ehinger_ aus Bochum und

erwarb sich wegen seiner gediegenen Kenntnisse, einiger

glücklicher Aufsehen erregender Curen, sodann aber wegen seines

leutseligen Benehmens, seiner geistreichen Unterhaltung und seiner

gesellschaftlichen Talente rasch eine ausgedehnte Praxis. Die Zahl der

von ihm in Duisburg behandelten Kranken soll sich in einem Jahre auf 600

belaufen haben. In einer Zeit, wo tüchtige Aerzte noch selten waren, wo

Charlatane, Dorfbader und Feldscherer fast noch allein das Feld

behaupteten und ungestraft an dem gesunden Körper unserer Vorfahren ihre

unvernünftigen Quacksalbereien und bedenklichen Hundecuren versuchen

durften, waren wissenschaftlich gebildete Aerzte gesuchter als

heutzutage, und schon bald bewarben sich die Städte Wesel, Lennep und

Hagen um Kortum als Arzt; in Rees wurde ihm gar das Kreisphysicat

angeboten. Seine Mutter und Gattin waren aber beide aus Bochum, und wol

deren Vorliebe für ihre Vaterstadt war es, die den jungen Arzt bewog,

sich im Jahre 1770 in _Bochum_ niederzulassen. Bochum wurde seine

_zweite_ Vaterstadt, und bis zum Ende seiner Tage, länger als ein halbes

Jahrhundert, blieb er derselben treu.

Klein und beschränkt war dieser Wirkungskreis, und es ist nicht ohne

Interesse, den Dichter selbst über die einfach-spießbürgerlichen

Verhältnisse seines neuen Wohnortes zu vernehmen. In einer

hinterlassenen Schrift: »Bochumer Nachrichten«, welche von der

»Westfälischen Volkszeitung« in Bochum im ersten Jahrgange 1872

veröffentlicht wurde und welche, wie aus dem Inhalte zu schließen ist,

im Winter von 1789 auf 1790 entstanden sein muß, äußert sich Kortum an

verschiedenen Stellen wie folgt:

»Augenblicklich (im Jahre 1789) wohnen überhaupt 366 Familien in der

Stadt; die Personenzahl beträgt 1474 Seelen, ausgenommen die hier im

Dienst stehenden Soldaten. Hierunter sind 294 Männer, 385 Frauen, 332

Söhne, 348 Töchter, 11 Gesellen, 17 Knechte, 1 Junge und 86 Mägde. Von

diesen sind 983 über und 491 unter zehn Jahren alt. Zum Militärstande

gehören noch besonders 47 Personen, deren Weiber und Kinder

eingerechnet.

»Die Einwohner der Stadt sind meist starke, untersetzte Leute. Man

trifft hier wenig Krüppel und im Verhältniß der Einwohnerzahl sehr viele

alte Leute beiderlei Geschlechts. Siebenzig- und Achtzigjährige sind

durchaus nicht selten. Die einfache Lebensordnung, die hier geführt

wird, ist neben der gesunden Luft die Hauptursache des außerordentlich

günstigen Gesundheitszustandes. Der gemeine Mann nährt sich nur von

Brod, Butter und Gemüse; Fleisch wird von ihm nur selten genossen, noch

seltener Fische; Gewürze fallen fast ganz fort. Kaffee wird viel

getrunken, aber sehr dünn; derselbe macht mit einem Butterbrode oft die

Mittagsmahlzeit, fast immer die Abendmahlzeit der Familie aus, die

vertraulich beim Scheine des Herdfeuers um den Kaffeekessel (»Wippop«)

oder Milchnapf sitzt. Der Hausvater raucht dabei wol sein Pfeifchen

Kölnischen Tabak, und wenn er bei Vermögenden in Arbeit steht, trinkt er

auch wol ein Glas Branntwein oder eine Kanne Bier. In solchem Falle ißt

er auch besser, bekommt Speck und sonstiges Fleisch und Pfannkuchen, und

ist dann vergnügt wie ein Fürst.

»Die Bürger ernähren sich größtentheils vom _Ackerbau_. Fast jeder

wohlhabende Bürger hat eigen Feld; doch nur wenige haben eigene Pferde

und Ackergeräthe. Sie lassen vielmehr von Bauern aus den benachbarten

Ortschaften entweder für Geld oder gegen die Hälfte des Ertrages den

Acker bearbeiten.

»Ein anderer Nahrungszweig ist die _Viehzucht_. Jeder Bürger, er sei

vornehm oder gering, hat eine oder mehrere Kühe; die ärmsten haben

wenigstens eine Ziege. Da die Bürger im Sommer auf der Vöde frei Vieh

treiben können, so ist ihnen das Vieh wohlfeil zu halten. Im Jahre 1719

war der ganze Viehstand in der Stadt 24 Pferde, 402 Kühe und 2 Ziegen.

Nach der Zeit hat der Viehstand abgenommen, denn jetzt (1789) sind nur

vorhanden 287 Stück Rindvieh, aber 42 Ziegen und 27 Pferde. Schafe

werden gar nicht gehalten.

»Auch das _Kohlenbergwerk_ nährt manchen Bürger. Einige haben an den

Bergwerken selbst Antheil, Andere arbeiten an denselben, Andere fahren

auf Sturzkarren, Schiebkarren, Schleppen und Tragkörben Kohlen zum

Verkauf in die Stadt oder holen dieselben für andere Leute.

»Die Classe der vornehmen Leute besteht aus königlichen Beamten,

Geistlichen, Gelehrten, Kaufleuten, Künstlern und Handwerkern. Die

übrigen geringeren Bürger sind Tagelöhner, welche sich mit Dreschen,

Steinbrechen, Holzhauen, Futterschneiden u. dgl., so wie durch Hilfe

beim Ackerbau, Branntweinbrennen, Brauen und sonstigen wirthschaftlichen

Arbeiten ernähren.

»Als im Jahre 1753 die Grafschaft Mark in _Landgerichte_ bestellt wurde,

erhielt auch Bochum ein solches (1878 leider nicht. D. V.) und wurden

dazu 1 Landrichter, 2 Assessoren, von denen der jüngste zugleich das Amt

eines Actuars mit verwalten muß, nebst einem Gerichtsschreiber

angeordnet. Zu diesem Landgerichte gehört nicht allein das Amt Bochum,

sondern auch das Amt Hattingen und Blankenstein. Das Landgericht hat zur

Vollziehung der Befehle zwei Gerichtsdiener. Die Sitzungen werden in

einem Zimmer des Rathhauses abgehalten.

»Es geht zur Zeit (1789) hier noch _kein Postwagen_, wol aber kommt von

Cleve über Duisburg die reitende Post Donnerstags und Sonntags hier an,

und des Mittwochs und Sonnabends eine Fußpost von Lünen, welche

desselben Tages wieder abgeht. An eben den Tagen kommt ein Postbote von

Essen, geht hier durch nach Dortmund, und kehrt des anderen Tages

zurück. Nach Hattingen geht auch ein Postbote Mittwochs und Sonnabends;

außerdem sind noch besondere Postboten zur Ueberbringung etwaiger Briefe

an die nahegelegenen Dörfer.«

Es waren demnach die philisterhaften Verhältnisse eines kleinen

Landstädtchens, in welche der geistig und körperlich rege junge Arzt

hineingezwängt war; aus ihnen ist die Jobsiade hervorgewachsen und aus

dem Mangel an geistiger Anregung, den der reich angelegte und rastlos

thätige Dichter doppelt fühlen mochte, erklärt sich die Entstehung und

mancher Zug der Jobsiade. Der kleine Gesichtskreis genügte seinem regen

Geiste nicht, und da er die kleinlichen Verhältnisse nicht ändern

konnte, machte er sich in Wort und Schrift darüber lustig. Ferner

erklärt sich hieraus, abgesehen von der natürlichen Anlage, seine

ungemeine Vielseitigkeit und seine große schriftstellerische

Fruchtbarkeit.

Mochte Bochum, welches bei der Volkszählung am 1. Dezember 1875 eine

ortsanwesende Bevölkerung von 28,562 Seelen hatte, zur Zeit der

Entstehung der Jobsiade aber auch nur kaum anderthalb tausend Seelen

zählen: das alte Bochum brachte noch _Originale_ hervor, kernige,

gesunde, zufriedene Menschen, die sich als Bürger _eines_ Gemeinwesens

fühlten, sich bestens vertrugen, und mit allerhand lustigen Streichen

und Einfällen aufzogen. Die leichtlebige und vergeßliche Gegenwart hat

kaum noch eine Ahnung davon, welch' originelle Menschen die Väter und

Großväter der jetzigen Generation oft gewesen; nur mancher gute Einfall,

manche gelungene Fopperei, mancher köstliche Eulenspiegelstreich klingt

noch in die Jetztzeit hinüber. Und von diesem gesunden Sinne, dieser

biederen Derbheit und urwüchsigen Originalität, vor Allem aber von dem

grobkörnigen Humor des alten Bochums trägt die Jobsiade auch gar manchen

Zug.

Unter rastloser Thätigkeit als Arzt und Schriftsteller verlebte Kortum

in Bochum in Wohlstand und Ansehen seine Tage, umringt von Kindern,

Enkeln und Urenkeln. Allerdings war sein Familienglück nicht ungetrübt;

drei geliebte Kinder sanken vor ihm in das Grab, und der 1807 erfolgte

Tod seines Sohnes, auf den er so große Hoffnungen gesetzt hatte und der

ihm bereits nach glänzenden Studien als Gehilfe in seinem Berufe zur

Seite stand, brach seine Lebensfreudigkeit und machte den sonst so

heiteren Mann mürrisch, verschlossen und bitter. Von diesem Sohne, der

als zweiter Bergarzt unter seinem Vater wirkte, stammt das im zweiten

Theile, Kap. 32, Vers 10 erwähnte »Gesundheitsbüchlein für Bergleute.«

Bei Gelegenheit seines 50jährigen Doctorjubiläums im Jahre 1816 erhielt

er vom Könige Friedrich Wilhelm III. den Titel »Königlicher Hofrath«; im

Jahre 1818 feierte er seine goldene Hochzeit und im Jahre 1820 im engen

Freundeskreise die Erinnerung an seine 50jährige ärztliche Wirksamkeit

in Bochum. Gebeugt von der Last seiner Jahre, lebensmüde und verbittert

starb er, im 80. Lebensjahre stehend, am 15. August 1824, wie es

scheint, nach schmerzlichem Krankenlager. Darauf deutet wenigstens auf

seinem Grabmonumente der Satz: »^Non mihi mors gravis est -- posituro

morte dolorem^,« zu deutsch: »Der Tod wird mir nicht schwer, der ich

durch den Tod den Schmerz ablege.« Ihn überlebten seine Gattin, seine

Tochter, sieben Enkel und zehn Urenkel. Noch jetzt leben Nachkommen von

ihm in Bochum.

Was seinen Ruhm begründet hatte und in gesunden Tagen sein Glück gewesen

war, seine Ader zu Witz und Humor, wurde ihm in den letzten Jahren

seines Lebens zum Fluche. Er war ein strebsamer, tüchtiger Student

gewesen und als junger Arzt gesucht und berühmt; er hatte sich

zeitlebens bemüht, auf der Höhe seiner Wissenschaft zu bleiben, aber die

Arzneikunde war gegen Ende des vorigen und namentlich im ersten Viertel

dieses Jahrhunderts mit Riesenschritten vorwärts gegangen, und ehe er es

sich versah, war er zurückgeblieben und wurde von jüngeren Kräften

überflügelt. Der immer sichtlicher hervortretende Mangel an Vertrauen zu

seiner Geschicklichkeit kränkte und verbitterte ihn und untergrub seine

Berufsfreudigkeit und Heiterkeit. Aus dem Jüngling, der sich über Alles

lustig machte, war ein Greis geworden, der sich über Alles ärgerte, und

ein Convolut von hinterlassenen Papieren geschäftlicher Art, welches die

Bochumer Gymnasialbibliothek aufbewahrt, zeigt keine Spur von dem

Charakter und lachenden Humor, den man bei dem Dichter der Jobsiade

voraussetzen sollte. Er hielt alle Menschen für undankbar und falsch,

erblickte überall hämische Gegner und bösartige Feinde, verkannte die

Liebe und Achtung, die ihm von Angehörigen und Fremden reichlich bezeugt

wurde, und war in seiner bissigen Laune sich selbst zur Qual und Anderen

zur Last geworden. Gewiß fiel ihm daher der Tod nicht schwer, der ihn

dem Lebensüberdruß und der Selbstqual entrückte.

Die _Grabstätte_ des Dichters auf dem ruhigen, schattigen alten

Kirchhofe macht einen würdigen, ernsten Eindruck, und doch wird man

davor stehend unwillkürlich an die launigen Verse erinnert, mit denen

Kortum von der langen Reihe derer, die der dürre Knochenmann schon

geholt, auf den Tod des Nachtwächter Jobs übergeht:

»Summa Summarum, weder vorn noch hinten

Ist in den Chroniken ein Exempel zu finden,

Daß Freund Hein etwa irgendwo leer

Bei Jemand vorübergegangen wär'.

Und was er übrigens noch nicht gefressen,

Wird er doch in der Folge nicht vergessen;

Sogar leider, lieber Leser, auch _dich_,

Und was das Schlimmste ist, sogar _mich_!«

Das _Grabmonument_ bildet in seinem Haupttheile einen Würfel aus

Sandstein, der auf einem verzierten Sockel ruht und von einem

dachartigen Gesimse bedeckt wird. Oben auf dem Denkmal steht eine mit

einer Schlange umwundene Urne. Das Monument zeigt auf der _Vorderseite_

die Inschrift:

»^Hoc sub monumento quiescit

C. A. Kortum

Dr. medic. pro meritis

nominatus consiliarius aulicus.

Natus die 5. Juli 1745. Mortuus die 15. Aug. 1824.^

Hier ruht die irdische Hülle

des ^Dr. medic.^ und Hofrath

C. A. Kortum.

geb. den 5. Juli 1745, gest. den 15. Aug. 1824.

Darunter befindet sich als Symbol der medizinisch-chirurgisch-poetischen

Thätigkeit des Verstorbenen eine Leyer, und kreuzweise darüber gelegt

das Emblem der Aerzte und Apotheker, der Aesculapstab.

_Rechts_ von dem Beschauer steht die oben schon verdeutschte Inschrift:

»^Non mihi mors gravis est,

posituro morte dolorem.

Sirach, 22. v. 11.^

Man soll nicht so sehr trauern.«

Unter der Inschrift befinden sich zwei Palmbüschel.

An der _linken_ Seite findet der Verehrer des Dichters die Worte:

»^Per aspera ad astra!^

Offenbarung. Joh. 14. v. 13.

Selig sind die Todten,

die in dem Herrn sterben.«

Wenn der deutsche Spruch jedesmal die Uebersetzung des lateinischen sein

soll, so würde man damit allerdings als Quartaner oder Quintaner

schlecht durchkommen, denn »^Per aspera ad astra^« heißt wörtlich:

»Durch Mühen zu den Sternen«. -- Unter dieser Inschrift befindet sich

eine Sanduhr.

Auf der _hinteren_ Seite des Denkmals befinden sich als Symbol der

Trauer zwei umgekehrte Fackeln und darüber die Worte:

»^Deploratus ab uxore, filia, septem

nepotibus decemve

pronepotibus.^

Um ihn trauern seine Gattin,

seine Tochter, seine sieben Enkel

und zehn Urenkel.«

In der Nähe des hier beschriebenen Grabdenkmals liegen drei Verwandte

des Dichters, seine _Tochter_ Henriette _Döring_ geborene Kortum,

geboren den 1. März 1770, gestorben 5. Februar 1839, deren Schwiegersohn

Constantin _Brinkmann_, geboren 9. März 1796, gestorben 9. Juni 1841,

und dessen gleichnamiger Sohn, also ein Urenkel Kortums, Constantin

Brinkmann, geboren 21. November 1821, der als junger Apotheker eines

jähen, unerwarteten Todes, wahrscheinlich durch Gift, gestorben ist. Es

heißt von ihm auf der Grabinschrift nicht ohne Phrasenschwall: »Er starb

am 21. April 1851, ein früh gefällter, lebenskräftiger Baum.

Geistesverwandt mit seinem Urgroßvater _Dr. Kortum_, dem bekannten

Gelehrten, dessen späte Lebensjahre der hoffnungsvolle Enkel noch

erheiterte, ruht er nun an dessen Brust. Das Grabmal des lichtvollen

Vorfahren überschattet ihn, der Geist desselben geleite ihn zu den

Thoren der ewigen Auferstehung!«

Nach Darlegung der äußeren Lebensumstände des Jobsiadendichters wollen

wir nunmehr denselben als _Schriftsteller_ betrachten, und dabei seine

Versuche und Leistungen auf dem Gebiete der _Poesie_ von seiner

anderweiten literarischen Thätigkeit trennen.

Doctor _C. A. Kortum_ begann seine fruchtbare schriftstellerische

Thätigkeit bereits früh und schrieb über die verschiedensten,

heterogensten Materien. Die meisten Arbeiten fallen in die Zeit von 1775

bis 1790, sind aber bis auf die Jobsiade so ziemlich alle der

Vergessenheit anheimgefallen, obschon sich nicht läugnen läßt, daß

manche derselben in der damaligen Zeit anregend und fördernd gewirkt

haben. In den Jahren 1776 und 1777 erschienen in Bremen: »Der _Kaffee_

und seine Stellvertreter«; -- »Der _Thee_ und seine Stellvertreter«; --

»Grundsätze der _Bienenzucht_.« Ueber letzteres Werkchen äußert sich der

Verfasser in seinen »Bochumer Nachrichten« etwas ärgerlich wie folgt:

»Einzelne Bürger treiben auch Bienenzucht, doch mehr zum Vergnügen als

Nutzen. Es könnte dieser Nahrungszweig sehr verbessert und verdienstlich

gemacht werden. Ich habe durch meine im Jahre 1776 herausgegebenen

>Grundsätze der Bienenzucht< Anlaß genug dazu gegeben, aber es fehlt an

gutem Willen und höherer Ermunterung.«

In das medicinisch-pädagogische Gebiet fällt Kortums »_Märtyrer der

Mode_«; derselbe erschien 1778 _anonym_ zu Wesel bei F. J. Röder. Es ist

dies eine kleine, durch den weiten Druck auf 75 Seiten ausgereckte

Satire auf die damals und noch jetzt grassirenden Modethorheiten und

Lebensgewohnheiten vornehmer Stände, z. B. das Schnüren, Ammenwesen,

Erziehung oder besser Vernachlässigung der Kinder durch fremdes Personal

u. dgl. Der arme Märtyrer all dieser Moden, der von den ersten Anfängen

seines Daseins bis zum Grabe bei all diesen Modekrankheiten schlecht

genug wegkommt, erzählt sein Elend selbst. Der Verfasser hat dem

Schriftchen nicht ohne Humor kurz und gut folgende »Vorrede an die

Leser« vorgesetzt:

»Es wäre zwar Mode, Ihnen erst ein Compliment zu machen und dann zu

sagen, was vor hinreichende Gründe ich gehabt habe, diese Geschichte

herauszugeben. Allein, zu dem ersten bin ich nicht aufgelegt, und das

andere werden Sie schon selbst am Ende der Geschichte lesen. B-ch-m,

1778.«

Durch die letzte Bezeichnung verräth sich der Verfasser zur Genüge;

nebenbei gesagt füllt diese bündige Vorrede zwei ganze Seiten.

Im Jahre 1779 erschien seine oben schon berührte

populär-wissenschaftlich gehaltene »Anweisung wie man sich vor alle

_ansteckende Krankheiten_ verwahren könne«, und 1782 im Verlage der

Helwingischen Universitäts-Buchhandlung zu Duisburg die von _Lavater_

angeregte Schrift: »Anfangsgründe der _Entzifferungskunst_ deutscher

Zifferschriften.« Beide sind je 114 Seiten stark; die erstere ist für

den damaligen Stand der medizinischen Wissenschaft bezeichnend und die

letztere ist ebenfalls noch jetzt lesenswerth, sehr instruktiv und

verräth eine große Uebung und Sicherheit in der immerhin geistig

anregenden Spielerei, Ziffer- und Zeichenschriften zu enträthseln. --

1789 erschien zu Duisburg die »_Verteidigung der Alchemie_«, welche

bereits im Jahre 1791 in Aachen eine zweite Auflage (oder einen

Nachdruck) erlebte. Einen glücklichen Griff that endlich der

»Arznei-Doctor«, wie er sich meistens betitelt, in seiner »Skizze einer

_Zeit- und Literaturgeschichte_ der Arzneikunst von ihrem Ursprunge bis

zum Anfange des 19. Jahrhunderts«, welche 1809 zu Unna erschien und 1819

eine zweite Auflage erlebte.

Das Verzeichnis dieser seiner _gedruckten_ Schriften, noch mehr aber

eine Uebersicht seines _handschriftlichen_ Nachlasses zeigt die

ungemeine Vielseitigkeit und Polymathie des Jobsiadendichters. Medicin,

Pädagogik, Jurisprudenz, Naturkunde, Geschichte und Alterthumsforschung,

Landwirtschaft, Technologie, Illustrationskunde u. s. w. sehen wir

vertreten, und wenn das vorige Jahrhundert, wo die einzelnen

Fachwissenschaften noch nicht den riesigen Umfang von heutzutage hatten,

den studirten Leuten auch eher den Luxus einer solchen Vielwisserei

gestattete, so muß man doch über die geistige Regsamkeit und den

Bienenfleiß des Mannes füglich erstaunen. Namentlich zeigen auch die

oben schon berührten, 1872 durch Clemens _Ising_ aus dem

handschriftlichen Nachlaß zum Druck beförderten »_Nachrichten_ vom

ehemaligen und jetzigen Zustande der Stadt _Bochum_«, wie rührig und

eifrig der Autor sich umgesehen, Umfrage gehalten, gesammelt und

gesichtet haben muß.

Den Ruhm und die Unsterblichkeit seines Namens hat Kortum jedoch auf

einem Gebiete errungen, wo er sie selbst wol nicht erwartet hatte, auf

dem Gebiete der _Poesie_, der komischen Muse. Wie nach seiner

Naturanlage zu erwarten stand, fallen in dieses Gebiet auch seine

_ersten_ schriftstellerischen Versuche. Gebeten, für die in Wesel

erscheinende Zeitschrift »Der Gemeinnützige« und für die

»Niederrheinischen Unterhaltungen« Beiträge zu liefern, veröffentlichte

er in denselben zunächst Anekdoten und scherzhafte Gedichte. Später

folgten, zum Theil selbständig: »Lobschrift auf Herrn Ich.«; --

»Komische Lebensbeschreibungen«; -- »Die seltsamen Begebenheiten der

Kinder des Medon und Sincer, ein Märchen nach dem Geschmack des vorigen

Jahrhunderts«; -- »Saadi oder der Lebensbalsam, eine arabische

Erzählung«; -- »Lebensgeschichte eines Carobuben«; -- Alles kleinere

Sachen zum Theil moralisirenden Inhalts in humoristisch-satirischer

Behandlung. Den »Märtyrer der Mode« (Wesel, 1778) kann man füglich auch

hierher rechnen.

»Die _magische Laterne_, in dreimal dreißig Vorlesungen« erschien 1784

zu Wesel; in dem ersten Dreißig führt der Autor Charakterfiguren von

Ständen, Berufsclassen und moralischen Eigenschaften, wie Geizige,

Stutzer, Modenärrin u. s. w. vor; im zweiten Dreißig erscheinen Personen

und Vorfälle aus der biblischen Geschichte des alten Testaments, und im

dritten Dreißig will der Verfasser zeigen, »was zu uns'rer Zeit

geschah.« Er führt darin als _lebende_ Zeitgenossen vor: Joseph II.,

Friedrich d. Gr., Katharina II., erwähnte die Reise von Papst Pius VI.

nach Wien 1782, den nordamerikanischen Freiheitskampf 1777-1783, die

heldenmüthige Vertheidigung Gibraltars durch Elliot 1779-1782, das

Auffliegen Montgolfier's 1783 u. s. w. Wenn daher ein Berufsgenosse des

Jobsiadendichters, Dr. _Müller_, im Jahre 1878 einen Neudruck des

kleinen Zeitspiegels in Knittelversen veranstaltet hat (Frankfurt a. M.,

Druck von G. Horstmann) und als eigenen Versuch unter der Ueberschrift

»Fünfzig Jahre später« eine Darstellung des Krieges von 1870/71 anfügte,

so ist das ein colossaler historischer Schnitzer und wäre »Hundert Jahre

später« beinahe richtig gewesen. Auch schätzt sich der Herausgeber in

der Vorrede glücklich, die »magische Laterne« gleichsam neu entdeckt zu

haben, irrt sich in dem Geburtsjahre Kortums um etwa 30 Jahre, ebenso in

dem Geburtsorte, schreibt den Namen fälschlich »Kortüm« und ist der

Neudruck durch viele sinnstörende Druckfehler entstellt. Dem

Jobsiadendichter selbst aber wäre vielleicht ein Dienst damit erwiesen

worden, wenn die Laterne vergessen geblieben wäre. -- Weitere poetische

Erzeugnisse Kortums, welche allerdings erst nach der Jobsiade

erschienen, sind: »_Adams Hochzeitsfeier_, ein komisches Gedicht«,

(Wesel, 1788), und »_Elisabeth Schlunz_, ein Anhängsel zur Jobsiade«,

(Hamm, 1819).

Keins dieser vielen Geisteskinder hat jedoch den Verfasser überlebt,

alle fielen bald nachher der verdienten Vergessenheit anheim, und nur

ein einziges sichert dem fruchtbaren Schriftsteller für immer einen

Namen in der deutschen Literatur, die allberühmte »_Jobsiade_« oder, wie

der Titel der ersten Ausgabe ausführlich und genau lautete:

»Leben, Meynungen und Thaten

Von _Hieronimus Jobs_, dem Candidaten,

Und wie Er sich weiland viel Ruhm erwarb,

Auch endlich als Nachtswächter in _Sulzburg_ starb.

Vorne, hinten und in der Mitten

Gezieret mit schönen Holzschnitten.

Eine Historia lustig und fein

In neumodischen Knittelverselein.«

Der in diesem Titel inhaltlich resumirte _erste_ Theil der Jobsiade

bildet ein abgeschlossenes Ganzes und erschien im Jahre 1784 _anonym_ in

Münster und Hamm bei Philipp _Perrenon_. Der Druck war jedenfalls schon

im Jahre 1783 vollendet, wenigstens trägt das in meinem Besitze

befindliche Handexemplar des Dichters dessen eigenhändige

Namenszeichnung und darunter die Jahreszahl 1783. Das Titelbild von dem

besungenen Helden zeigt die Unterschrift: »_Hieronimus Jobs_,

lutherischer Candidat der Theologie und Nachtswächter zu _Sulzburg_ in

Schwaben ^Aetat: XL.^« Aus dem »_Sulzburg_« der ersten Ausgabe ist in

späteren Ausgaben »_Schildburg_« geworden, welches an die bekannten

Streiche der »Schildbürger« von Schilda (Schildau) bei Torgau, dem

sächsischen Abdera, erinnern oder diesen Ort bedeuten soll. Dem Autor

ist es übrigens nie eingefallen, sein Werk als »grotesk-komisches

Heldengedicht« zu bezeichnen; in der ersten Ausgabe fehlt jede weitere

Bezeichnung, und erst später, als die ferneren Theile erschienen, gab er

allen drei Theilen den Gesammttitel: »Die _Jobsiade_, ein komisches

Heldengedicht in drei Theilen.« Die Bezeichnung »burlesk« würde ziemlich

richtig sein, denn die Dichtung erhebt sich nicht über die niedere

Komik.

Verleitet durch den Beifall, den dieser erste Theil der Jobsiade, zwar

nicht ohne anfänglichen Tadel und Widerspruch, schließlich gefunden,

fügte der Dichter noch einen _zweiten_ und _dritten_ Theil hinzu; durch

einen höchst unwahrscheinlichen Hokuspokus ließ er den im ersten Theile

als Nachtwächter verstorbenen Hieronimus wieder aus dem Grabe

hervorgehen und machte aus dem mißrathenen Taugenichts erst einen

musterhaften Pastor und dann gar einen reichen Dorfdynasten. Alle drei

Theile erschienen unter dem gemeinsamen Titel »Jobsiade« 1799 zu

Dortmund in dem Mallinckrodt'schen Verlage. Die dritte Auflage besorgte

Kortum im Jahre 1806, und von der vierten, welche in seinem Sterbejahre

1824 erschien, hat er noch die Revision des ersten Theiles selbst

vorgenommen. Neben diesen rechtmäßigen Ausgaben erschien noch zu

Lebzeiten des Dichters eine Menge von Nachdrucken.

Geben wir zur Beurtheilung der Jobsiade zunächst das Wort dem

Literarhistoriker _Heinrich Kurz_. Derselbe sagt darüber, Band III. p.

307a: »Großen Beifall fand und findet noch immer die Jobsiade und zwar

mit vollem Recht. Denn wenn sich die Dichtung auch nur im niedrigsten

Grade des Niedrigkomischen bewegt, so hat auch dieses seine _volle

Berechtigung_, wenn der Dichter es nur mit vollem Bewußtsein beherrscht

und durchführt. Und daß dieses hier der Fall ist, wird Niemand

bezweifeln wollen, der das Gedicht gelesen hat. Die Jobsiade verdient

schon deshalb Anerkennung, weil in ihr Alles zusammenklingt: Charaktere,

Begebenheiten, Darstellung, Sprache, Versmaß, Alles bewegt sich im

gleichen Gebiete des Niedrigkomischen; nirgends wird der allgemeine

Charakter unterbrochen oder gestört. Aber was der Jobsiade noch

größeren, wahrhaft _poetischen Werth_ gibt, das ist die _Wahrheit_, die

ihr zu Grunde liegt. Wenn auch im burlesken Gewande, ist das Leben der

deutschen Spießbürger und Philister, der deutschen Gelehrten und

Pedanten in einer noch gar nicht so lange verschwundenen Zeit

meisterhaft und in der vollsten Wahrheit geschildert; ja selbst das

burleske Gewand ist keine Andichtung des Verfassers, sondern dem Leben

abgelauscht. Es ist freilich schade, daß der Dichter noch einen Theil

(resp. zwei) hinzufügte, in welchem Jobs, der scheintodt im Grabe

gelegen, ins Leben zurückgerufen wird, nun ein neues Dasein beginnt und

ein Muster von einem Pastor wird; allein abgesehen davon, daß man diese

Fortsetzung als selbständiges Ganzes betrachten muß, und die poetische

Einheit und Wahrheit des ersten Theiles dadurch also nicht

beeinträchtigt wird, so möchten wir darin eine treffliche Satire auf die

damaligen Dramen erblicken, in denen das Tragische durch einen

unpoetischen Umschwung oder an den Haaren herbeigezerrte innere

Unmöglichkeiten zu glücklichem Ende geführt wurde. Wie der erste Theil,

so ist übrigens die Fortsetzung reich an glücklichen Einzelheiten, und

wenn auch keine dem in seiner Art classischen Examen oder dem eben so

trefflichen Briefe des Candidaten Jobs gleichkommt, so sind doch manche

Stellen äußerst glücklich, so z. B. die Verspottung der damals

herrschenden Empfindsamkeit.«

Gleich günstig urtheilt über die Jobsiade _W. Lindemann_ in seiner

»Geschichte der deutschen Literatur«, Buch XI., der sie geradezu als das

eigentliche und einzige komische Heldengedicht der neueren deutschen

Literatur bezeichnet. Auch er hält die Fortsetzung für eine Schädigung

des ersten Theils; durch dieselbe gehe das komische Interesse auf

Nebenpersonen über.

Nicht zum geringsten Theil verdankt der Verfasser diese Wirkung dem

gewählten _Versmaße_ und der _Illustration_ der einzelnen Scenen durch

die allerklotzigsten und unbeholfensten Bilder. Die drollige Willkür,

mit welcher der Verfasser seine seitdem oft, jedoch selten mit Glück

nachgeahmten Knittelverse allen rhythmischen Gesetzen zum Hohn handhabt,

die Naivität, mit der er den Leser schadlos hält, indem er erklärt:

»Es werden zwar in den Reimen manche Strophen

Auf zu wenigen Füßen hinkend angetroffen,

Es sind aber auch manche Strophen wieder dafür

Länger, und mit zu viel Füßen laufend allhier,«

der glückliche Griff, mit welchem er häufig durch die Wahl eines

verkehrten Casus oder einer falschen Form dem ausgedrückten Gedanken

einen komischen Beigeschmack gibt und ihn so gleichsam zur erheiternden

Caricatur umwandelt, das Alles verleiht den mitten aus dem Leben

gegriffenen und lebenswarm dargestellten Vorgängen, außer dem

_inhaltlichen_ Interesse, auch noch den packenden Reiz der _originellen

Form_. In richtigem Salondeutsch ausgedrückt, würde mancher Gedanke ohne

Eindruck an dem Leser vorüberziehen; im Gewande der Kortum'schen

Knittelverse aber prägt er sich dem Gedächtniß unauslöschlich ein und

bleibt darin haften für immer.

Ein Pendant zu dem gewählten Versmaße bilden die _Illustrationen_. Eine

Jobsiade, auf Velinpapier gedruckt und mit feinen Holzschnitten

versehen, wäre gar keine richtige Jobsiade mehr; sie verlöre viel von

ihrer Wirkung und ihrem eigenthümlichen Reize. Wer erinnert sich nicht

mit Freuden des Autors, der wie ein zweiter Evangelist Lucas an seinem

altmodischen Schreibtisch sitzt, seinem Büchlein den väterlichen Segen

gibt und eine lange irdene holländische Pfeife vor sich liegen hat, oder

der Schaar schnatternder Enten, die als Gevatterinnen bei der »Senaterin

Jobsen« Kindbettvisite machen, oder des steifen Reiters, der dem

Reitersmann auf den Tabakpäckchen von Bönniger oder A. B. Reiter gleicht

wie ein Ei dem andern und obendrein oft angebracht ist, wo er paßt wie

Pilatus in's Credo? Wie bezeichnend und hochkomisch ist nicht die

Darstellung, »wie es mit Jobsens Gelehrsamkeit beim Abgange von der

Universität bewandt war, fein artig in gegenwärtigem Kupfer

vorgestellt«: ein leerer Rahmen ohne Inhalt? Wie stolz und dreist sieht

der Hahn in die Welt, der in dem neuen A-B-C-Buche von Hieronimus Jobs

ein Nest mit einem großen Ei hinter sich hat, »gleichsam als hätt' er es

selbst gethan«, wie glotzäugig verkündet die Nachteule den nahen Sturm

in Ohnewitz, wie bezeichnend ist nicht der geschwätzige Papagei als

Einführung in das Kapitel, in dem Amalie ihren nicht sehr erbaulichen

Lebenslauf erzählt: »ein langes Kapitel, weil eine Frauensperson

spricht; accurat hundert Verse?« Gleich gelungen sind die Porträts der

beiden Advocaten Schluck und Schlauch, die Silhouette und daran

geknüpfte physiognomische Studie von Fräulein Esther, und das Titelbild

zum dritten Theile, die beiden Liebenden in der Laube, wo »sie tranken

des Mondes Silberschein und das Flimmern der lieben Sternelein«, ist der

reinste Hohn auf die verliebte Mondscheinschwärmerei.

Die Bilder hat der Verfasser offenbar selbst entworfen; übrigens sind

die kleinen, egal großen, mit Eckstein, Schüppen und Herz versehenen

Bildchen mit den Beischriften Hogier, Hector, Judith so wie die

inschriftslosen Bilder von dem jungen Baron und Esther ursprünglich

Clichés von damaligen rohen Spielkarten.

Der Beifall, den die Jobsiade im großen Publikum fand, wurde anfangs von

den Kritikern und Recensenten nicht allgemein getheilt; überhaupt ist

Kortum, wie viele Stellen der Jobsiade zeigen, auf diese Herren herzlich

schlecht zu sprechen. Namentlich wußte ein Recensent in der »Allgemeinen

Deutschen Bibliothek«, (LIV. 72 ff.) nicht Worte genug zu finden, um

»diese Mißgeburt, diesen Bastard der Komik, diese heillose Reimerei«

gebührend an den Pranger zu stellen. Alles sei darin zu finden, heißt

es, nur nicht Witz, Ironie, scherzhafte Laune, Satire und treffende

Charakteristik; überhaupt sei eine gröblichere, pöbelhaftere Darstellung

in der ganzen deutschen Literatur nicht zu entdecken. Wahrscheinlich war

dieser grimmige Recensent ein Berufsgenosse des verunglückten Studiosus

Hieronimus, der durch solche maßlose und einseitige Kritik den seinem

Stande vermeintlich angethanen Schimpf recht kräftig auswetzen wollte.

Das erste Kapitel des zweiten Theiles, welches als Vorrede anzusehen

ist, ergeht sich ausführlich über die Aufnahme, die der erste Theil

gefunden. Eine sehr schmeichelhafte Besprechung findet sich im damaligen

»Reichsanzeiger«, Jahrgang 1787, Nr. 123, Seite 1331. Wie Alles, was

über das gewohnte alltägliche Geleise hinausgeht, sich nicht ohne

Widerspruch Bahn bricht, so errang auch die Jobsiade, welche so ganz von

dem hergebrachten Genre der zünftigen Poesie abwich, den allgemeinen

Beifall nicht ohne Anfeindung. Gerade die günstige Aufnahme aber, welche

der erste Theil trotzdem fand, war die Veranlassung, daß der Dichter die

weiteren Theile folgen ließ; vielleicht mochte er, älter und ruhiger

geworden, dabei auch beabsichtigen, Manches wieder gut zu machen, was er

im ersten Theile am Stande der Theologen gesündigt hatte.

Ueber seine _Absicht_ bei der Abfassung der Jobsiade sagt der Dichter im

ersten Kapitel des dritten Theiles, er habe ein Scherflein dazu

beitragen wollen, verdrießliche, trübe Stunden zu verjagen, habe

nebenbei nützliche Winke und Kleinigkeiten zu verbreiten gesucht, »und

wo ich Dummheit und Bosheit fand, gab ich wol 'nen Hieb en passant«.

Trotz mancher anstößigen Stellen ist die Jobsiade im Grunde moralisch

und moralisirend. Kortum will durch seine Satire bessern; er moquirt

sich über Leben und Leute, weil er sie anders wünscht; er sucht dem

spießbürgerlich genügsamen Philisterthum, welches ihn langweilte, wie

dem sich spreizenden Pedantenthum, das ihn ärgerte, den Garaus dadurch

zu machen, daß er beide in ihrer Lächerlichkeit hinstellte; seine

komische Muse ist die eines launigen Sittenrichters, der durch beißenden

Spott bessern will. Wenn er dabei oft zu unverblümt die nackte Wahrheit

sagt, so muß man bedenken, daß die Jobsiade keine Lectüre für junge

Mädchen ist und sein soll, und ferner seinen _Stand_ und sein

_Zeitalter_ berücksichtigen. Seinen Stand, denn der Beruf des Arztes

bringt es oft mit sich, daß er über delikate Verhältnisse kein Blatt vor

den Mund nimmt, und sein Zeitalter, denn das vorige Jahrhundert war

allerdings nicht prüde, aber trotzdem wol moralisch gesunder und besser

wie die zimperlich thuende, blasirte Gegenwart.

Mag der gelehrte, ideale Aesthetiker die Jobsiade kritisiren, weil ihr

derber Witz nicht salonfähig ist, mag der Moralist mit Recht Manches

daran auszusetzen haben: die Jobsiade ist ein _Volksbuch_ geworden, sie

ist das versifizirte Lesebuch, in dem man Alles finden kann, und jedes

andere Volk würde auf solch' reiches Produkt der Komik stolz sein; hat

doch der Candidat Jobs, der unter allgemeinem Schütteln des Kopfes von

dem gelahrten Consistorio in Schwaben examinirt wurde, selbst in

_Amerika_ vor der Yankee-Kritik sein Examen ruhmvoll bestanden. In

amerikanisch-englischen Knittelversen erschien er als:

»^The life, opinions, actions and fate^

^Of Hieronimus Jobs, the candidate,^

^And how he whilome won great renown^

^And died as night-watch in Schildebourg town.^«

Ferner hat das Buch der Malerei Stoff zu mancher bedeutenden

Kunstleistung gegeben; es sei hier nur an die drei großen Oelgemälde des

Malers _Hasenclever_ erinnert »Jobs im Examen«, »Jobs als Schulmeister«,

und »Jobs als Nachtwächter«, die sich sämmtlich unter Nr. 33, 34 und 35

in der Gemälde-Galerie des Herrn _Ravené_, Wallstraße 93, zu _Berlin_

befinden.

Zum Schluß kommen wir noch auf die interessante Frage: Sind die in der

Jobsiade vorkommenden Personen und Geschichten lediglich dichterische

Erfindung oder liegen ihnen _wirkliche Persönlichkeiten_ und

_Thatsachen_ zu Grunde? Jedenfalls steht zunächst fest, daß nach dem

Erscheinen des ersten Theiles sich manche Personen getroffen fühlten und

dem Dichter das mit altbochumer Offenheit vorgeworfen wurde. Dafür

spricht auch die Entschiedenheit, mit welcher Kortum sich in den

Einleitungskapiteln der beiden letzten Theile gegen die Insinuation

verwahrt, er habe »überall satirisirt oder gar personalisirt«. Er

behauptet.

»Nun kann ich aber, bei meiner Treu und Ehren!

Jedermänniglich laut und offen erklären,

Daß ich von persönlicher Beleidigung frei,

Und für Niemand das Büchel anstößig sei.

Wer sich also in Zukunft etwa würde vergessen

Und mir absurde Absichten beimessen,

Den erkläre ich hiermit rund

Für einen et cetera und bösen Leumund!!«

Wenn wir nun auch dem Dichter diese Erklärung, die er mit zwei !! am

Ende bekräftigt, auf das Wort glauben, so ist doch zu bedenken, daß alte

Leute in Bochum versichern, den leibhaftigen Hieronimus Jobs und dessen

Brüder noch gekannt zu haben, und daß ein in »denen Studiis

verunglückter Bochumer Bruder Studio« Namens _Boi_, zu besagtem

Hieronimus Porträt gesessen habe. Kortum habe den Namen desselben

rückwärts gelesen, die körperkräftige Gestalt und viele »Meinungen und

Thaten« seien aber diesem »verbummelten Studenten« abgelauscht. Als

Stammhaus des weiland Hieronimus Jobs wird das Haus auf der oberen

Marktstraße Nr. 8, den alten Bochumer noch jetzt als _Flügel-Boi_'sches

Haus bekannt, mit aller Bestimmtheit bezeichnet. Ferner soll in dem arg

mitgenommenen »Doctor Schneller« ein ärztlicher Concurrent des Dichters

versteckt, und in den beiden Advocaten Schluck und Schlauch auf damalige

Personen angespielt sein. Uebrigens schonte _Kortum_ auch seinen eigenen

ärztlichen Stand keineswegs, wofür die Dichtung zahlreiche Belege

bietet.

Die obige Versicherung des Dichters und diese Angaben lassen sich aber

sehr gut vereinigen. Man schildert nur das lebenswahr und frisch, was

man selbst innerlich oder äußerlich erlebt und durchgemacht hat. Wer

sich von der geistigen Werkstatt eines Dichters eine Vorstellung machen

kann, wird wissen, daß derselbe seinen rein erfundenen Gestaltungen

entweder Züge, Einzelheiten, wirklich erlebte und bekannte Vorfälle

unterlegen muß, oder daß er umgekehrt zur Unterlage, gleichsam zum

Gerippe eines Charakters sich eine bestimmte Person nimmt, diese

idealisirt, nach Anlage des Charakters freie Erfindungen anfügt, kurz

Gestalten liefert, die einzelne bekannte Züge tragen, trotzdem aber

völlig geistiges Eigenthum des Dichters sind. In beiden Fällen sagt der

oberflächliche Leser, das soll _der_ und _der_ sein, und wenn er Züge

oder zufällige Aeußerlichkeiten von sich selbst zu finden glaubt und im

empfindlichen neunzehnten Jahrhundert lebt, kommt er wol gar dazu, den

armen Poeten zu verklagen. Jedenfalls aber darf Bochum, in dem die

Originale noch nicht ganz ausgestorben, stolz darauf sein, ein Original

wie Hieronimus Jobs hervorgebracht zu haben.

_Bochum_ in Westfalen.

#Friedrich Schnettler.#

[Illustration: Hieronimus Jobs, lutherischer Candidat der Theologie und

Nachtwächter zu Schildburg in Schwaben.]

Leben, Meinungen und Thaten

von

Hieronimus Jobs,

dem

Candidaten,

und wie Er sich weiland viel Ruhm erwarb,

auch endlich als Nachtwächter zu Schildburg starb.

Vorn, hinten und in der Mitten

Geziert mit schönen Holzschnitten,

Eine Historia lustig und fein

In neumodischen Knittelverselein.

Erster Theil.

Hieronimus Jobs,

lutherischer Candidat der Theologie und Nachtwächter

zu Schildburg in Schwaben.

Erstes Kapitel.

Vorrede, und der Autor hebt an, die Mähr von Hieronimus Jobsen seliger

zu beschreiben, und er gibt seinem Büchlein den väterlichen Segen.

[Illustration]

1. Euch und mir die Zeit zu vertreiben,

Geneigte Leser! will ich itzt schreiben,

Eine extrafeine Historiam

Von _Hieronimus Jobs_ lobesam.

2. Mit welchem sich in seinem Leben

Viel gar Wunderbares hat begeben

Und welcher sowol in Glück als Gefahr

Ein rechter curioser Hieronimus war.

3. Zwaren wäre Vieles von ihm zu sagen,

Der Leser möchte aber nicht Alles können tragen,

Und Papier und Raum wäre für der Meng'

Seiner Abenteuer zu eng.

4. Zwaren weiß ich von ihm viele Data;

Ich erzähl' aber nur die _vornehmsten_ Fata,

Und was er von seiner Geburt an

_Merkwürdiges_ hat gethan.

5. Weil ich nun die preiswürdige Gabe

Zu dichten vom Sanct Apoll erhalten habe,

So habe, statt daß man sonst in Prosa erzählt,

Dafür einen sehr schönen Reim erwählt.

Die Jobsiade: Ein komisches Heldengedicht in drei Teilen · 第 1 / 20 段