Wie man es nur über das Herz bringen kann, die garstigen Affen so
sorgfältig abzubilden! Man erniedrigt sich schon, wenn man sie nur als
Tiere betrachtet; man wird aber wirklich bösartiger, wenn man dem Reize
folgt, bekannte Menschen unter dieser Maske aufzusuchen.
Es gehört durchaus eine gewisse Verschrobenheit dazu, um sich gern mit
Karikaturen und Zerrbildern abzugeben. Unserm guten Gehülfen danke
ichs, daß ich nicht mit der Naturgeschichte gequält worden bin; ich
konnte mich mit den Würmern und Käfern niemals befreunden.
Diesmal gestand er mir, daß es ihm ebenso gehe. „Von der Natur“, sagte
er, „sollten wir nichts kennen, als was uns unmittelbar lebendig
umgibt. Mit den Bäumen, die um uns blühen, grünen, Frucht tragen, mit
jeder Staude, an der wir vorbeigehen, mit jedem Grashalm, über den wir
hinwandeln, haben wir ein wahres Verhältnis; sie sind unsre echten
Kompatrioten. Die Vögel, die auf unsern Zweigen hin und wider hüpfen,
die in unserm Laube singen, gehören uns an, sie sprechen zu uns von
Jugend auf, und wir lernen ihre Sprache verstehen. Man frage sich, ob
nicht ein jedes fremde, aus seiner Umgebung gerissene Geschöpf einen
gewissen ängstlichen Eindruck auf uns macht, der nur durch Gewohnheit
abgestumpft wird. Es gehört schon ein buntes, geräuschvolles Leben
dazu, um Affen, Papageien und Mohren um sich zu ertragen“.
Manchmal, wenn mich ein neugieriges Verlangen nach solchen
abenteuerlichen Dingen anwandelte, habe ich den Reisenden beneidet, der
solche Wunder mit andern Wundern in lebendiger, alltäglicher Verbindung
sieht. Aber auch er wird ein anderer Mensch. Es wandelt niemand
ungestraft unter Palmen, und die Gesinnungen ändern sich gewiß in einem
Lande, wo Elefanten und Tiger zu Hause sind.
Nur der Naturforscher ist verehrungswert, der uns das Fremdeste,
Seltsamste mit seiner Lokalität, mit aller Nachbarschaft jedesmal in
dem eigensten Elemente zu schildern und darzustellen weiß. Wie gern
möchte ich nur einmal Humboldten erzählen hören!
Ein Naturalienkabinett kann uns vorkommen wie eine ägyptische
Grabstätte, wo die verschiedenen Tier- und Pflanzengötzen balsamiert
umherstehen. Einer Priesterkaste geziemt es wohl, sich damit in
geheimnisvollem Halbdunkel abzugeben; aber in den allgemeinen
Unterricht sollte dergleichen nicht einfließen, um so weniger, als
etwas Näheres und Würdigeres sich dadurch leicht verdrängt sieht.
Ein Lehrer, der das Gefühl an einer einzigen guten Tat, an einem
einzigen guten Gedicht erwecken kann, leistet mehr als einer, der uns
ganze Reihen untergeordneter Naturbildungen der Gestalt und dem Namen
nach überliefert; denn das ganze Resultat davon ist, was wir ohnedies
wissen können, daß das Menschengebild am vorzüglichsten und einzigsten
das Gleichnis der Gottheit an sich trägt.
Dem einzelnen bleibe die Freiheit, sich mit dem zu beschäftigen, was
ihn anzieht, was ihm Freude macht, was ihm nützlich deucht; aber das
eigentliche Studium der Menschheit ist der Mensch.