Brief der Vorsteherin

„Euer Gnaden werden verzeihen, wenn ich mich heute ganz kurz fassen;

denn ich habe nach vollendeter öffentlicher Prüfung dessen, was wir im

vergangenen Jahr an unsern Zöglingen geleistet haben, an die sämtlichen

Eltern und Vorgesetzten den Verlauf zu melden; auch darf ich wohl kurz

sein, weil ich mit wenigem viel sagen kann. Ihre Fräulein Tochter hat

sich in jedem Sinne als die Erste bewiesen. Die beiliegenden Zeugnisse,

ihr eigner Brief, der die Beschreibung der Preise enthält, die ihr

geworden sind, und zugleich das Vergnügen ausdrückt, das sie über ein

so glückliches Gelingen empfindet, wird Ihnen zur Beruhigung, ja zur

Freude gereichen. Die meinige wird dadurch einigermaßen gemindert, daß

ich voraussehe, wir werden nicht lange mehr Ursache haben, ein so weit

vorgeschrittenes Frauenzimmer bei uns zurückzuhalten. Ich empfehle mich

zu Gnaden und nehme mir die Freiheit, nächstens meine Gedanken über

das, was ich am vorteilhaftesten für sie halte, zu eröffnen. Von

Ottilien schreibt mein freundlicher Gehülfe“.

Die Wahlverwandtschaften · 第 12 / 55 题