„Von Ottilien, meine Gnädige, hätte ich eigentlich nur zu wiederholen,
was in meinen vorigen Berichten enthalten ist. Ich wüßte sie nicht zu
schelten, und doch kann ich nicht zufrieden mit ihr sein. Sie ist nach
wie vor bescheiden und gefällig gegen andere; aber dieses Zurücktreten,
diese Dienstbarkeit will mir nicht gefallen. Euer Gnaden haben ihr
neulich Geld und verschiedene Zeuge geschickt. Das erste hat sie nicht
angegriffen, die andern liegen auch noch da, unberührt. Sie hält
freilich ihre Sachen sehr reinlich und gut und scheint nur in diesem
Sinn die Kleider zu wechseln. Auch kann ich ihre große Mäßigkeit im
Essen und Trinken nicht loben. An unserm Tisch ist kein Überfluß; doch
sehe ich nichts lieber, als wenn die Kinder sich an schmackhaften und
gesunden Speisen satt essen. Was mit Bedacht und Überzeugung
aufgetragen und vorgelegt ist, soll auch aufgegessen werden. Dazu kann
ich Ottilien niemals bringen. Ja, sie macht sich irgendein Geschäft, um
eine Lücke auszufüllen, wo die Dienerinnen etwas versäumen, nur um eine
Speise oder den Nachtisch zu übergehen. Bei diesem allen kommt jedoch
in Betrachtung, daß sie manchmal, wie ich erst spät erfahren habe,
Kopfweh auf der linken Seite hat, das zwar vorübergeht, aber
schmerzlich und bedeutend sein mag. Soviel von diesem übrigens so
schönen und lieben Kinde“.