Copyright 1925 by Verlag Die Schmiede Berlin

[Illustration: Selbstbildnis]

Nach dem Krieg. Nach dem Frieden. Frankreich fiebert. Fieber ist der

Kampf zwischen heiß und kalt. Geht es nach rechts? Geht es nach links?

Eine bestimmte Krankheit ist nicht zu konstatieren, aber um so

gefährlicher ist jeder Millimeter der Kurve. Das Tamtam des Sieges ist

groß, aber das Schweigen der Massen ist imposant. 1920 wirft ein Streik

einen roten Schein in die Nacht. Paris ist die Stätte der

ehrfurchtgebietenden Patina, die ererbten Ideologien leben im Volke

weiter, wie Bart und Nägel an den Kadavern weiter wachsen. In

Wirklichkeit hat die russische Revolution die Weltgeschichte mit einem

Ruck um Jahrhunderte weiter gebracht: aber Frankreich lebt noch nach

alten Kalendern, mit den entwerteten dreiprozentigen Renten und einer

Ideologie, die aus feinem Weißbrot ist, aber schon acht Tage altem,

ungenießbar gewordenem Weißbrot, an dem man sich die Zähne zerbricht.

Die sozialistischen Köpfe selbst leben von ererbtem Gut, von Jules

Guesde und Vaillant, und glauben an die Namen von vor 1914. Aber von der

Front stürmen junge Männer zurück, die riechen nach Blut, die haben

einen Wind vom weiten Europa herüberwehen hören, und schütten ihn jetzt

auf den öffentlichen Plätzen aus, in den Wahlversammlungen, in den

Meetings. Sie sind die Abgeordneten der Kriegsbetrogenen im Ballsaal der

Geretteten. Sie gründen Clarté, mit Barbusse zusammen. Es ist eine

wirre, neblige Zeit. Das Gespenst der Revolution wird auf den Boulevards

herumgetragen: eine freche, rotbärtige Fratze, mit einem Messer zwischen

den Zähnen, das ist das Wahlplakat der Reaktion gegen den Kommunismus.

Der Bürger hat aber genug Blut gehabt, er braucht Ruhe. Die Amerikaner

haben Montmartre besetzt gehalten, und die Hotels Meublés, die

Bäckereien, die Dancings verzehnfachen ihre Einnahmen. Das Volk wählt

für die berühmte Ordnung der Kassa.

Der Zorn des Parti Socialiste schlägt nach innen. Das Geschwür ist nicht

gereift, die Blutzirkulation ist zerstört und vergiftet. Nun kommen

Handel und Händel mit Moskau. Auf dem berühmten Kongreß von Tours tritt

der Parti in die III. Internationale ein. Aber nur die Partei: dem

individualistischen Franzosen behagt kein Papsttum, er versucht die

eisigen Dekrete Rußlands auf seine Körper- und Seelenmaße umzumildern.

Die Diktatur meint es anders. Und langsam krachen die Fugen des Hauses.

Die linke Minorität hat einen Augenblick noch die Oberhand und erobert

definitiv im nächsten Pariser Kongreß die Humanité mit allem Drum und

Dran, und die tatsächliche Erbfolge Jaurès. Der Parti Socialiste, mit

Blum und Renaudel, glitscht langsam in den Parlamentarismus zurück.

Viele Arbeiter, angeekelt von den politischen Umtrieben der Führer,

sehen sich nach was anderem um. Da ist die Anarchie. Sie ist eine

lockende Illusion, sie negiert Staat, jegliche Autorität und proklamiert

die Freiheit des Individuums. Ziel: die arbeitenden Massen sollen

Arbeitsgemeinschaften bilden und alle Produktionsmöglichkeiten an sich

reißen. Keine Politik, direkte Tat. Es ist nur eine Illusion. Aber sie

tröstet. Viele kommen zu ihr.

In den Pariser Faubourgs gedeiht eine eigentümliche Fauna. Nirgends, wie

sonst in Vorstädten, der Geruch von Armut oder Elend. Fast ein behäbiges

Leben. Die proletarischen Allüren immer menschlich und zivilisiert.

Irgendwo ist der kleine Mann immer ein Monsieur. Äußerlich fast ein

Bürger: auch die Casquette, auch der rote Gürtel sind elegant. Sonntags

nimmt man den Amer Picon auf der Terrasse der Cafés und bringt ein

Dutzend Austern zu 1 Franken heim. „Ich will, daß jeder am Sonntag seine

frischen Austern habe,“ könnte Herriot ausrufen. Aber dazu liest man die

„Humanité“. Und das Frondeurherz ist leicht in Schwingung zu bringen.

Die Luft von Paris erinnert immer an Frühling. In den Faubourgs wächst

viel Flieder. Die Seine ist ein grüner Sirenenleib. Der Mont Valérien

und hinter ihm die wilden Hügel von Saint Cloud besänftigen jedes Auge.

Es gibt kein Whitechapel, kein Moabit. Es gibt zwar die Fortifikationen,

hinter denen in einem unentwirrbaren Dschungel von seltsamen, aus

Latten, Flanken, Papier und Wellblechstückchen zusammengesetzten Hütten

eine bis zum heutigen Tage (so geht die Sage) von der Polizei noch nicht

durchforschte Menschheit lebt. Aber ich glaube, daß diese Apachenwelt

mehr der Romantik angehört als der Wirklichkeit.

In diesen Faubourgs wurde Germaine Berton groß. Sie ist am 7. Juni 1902

in Puteaux geboren. Ihr Vater besaß ein kleines Atelier für mechanische

Reparaturen. Er hatte einen solchen Drang zur Unabhängigkeit, daß er es

in einer großen Fabrik nicht aushielt und lieber so sein Leben fristete.

Auch blieb er nicht lange an einem Ort. Er zog später nach Nanterre, und

dann immer etwas weiter von der Stadt, immer etwas tiefer ins

Provinzielle. Vater und Tochter liebten die pittoreske Halbnatur der

Vororte und machten gemeinsam große Spaziergänge mit ihrem kleinen

Hündchen Kiki. Germaine war äußerst sentimental: sie liebte die Blumen,

die Landschaften, die Tiere und die armen Leute. Ihr später sich immer

mehr entwickelndes Freiheitsgefühl kommt bestimmt aus einer gewissen

verdrängten lyrischen Sehnsucht heraus. Weil ihr zur Dichterin die Tiefe

fehlte, wurde sie zur Mörderin. Zum Morde gehört ebensoviel Inspiration

wie zur Erschaffung eines „Bateau Ivre“. Beide entspringen einem

Überschwang des Lebenstempos. Beide sind Siedepunkte eines seelischen

Überschwelgens.

Die ganze Atmosphäre der Banlieue verdichtete sich in dem kleinen Herzen

dieses Mädchens. Wenn der Vater einen Trupp blitzblanker Soldaten

vorbeiziehen sah, machte er seine Witze und verzog spöttisch die Lippen.

Der Franzose ist ein guter Patriot, aber er haßt die Armee, weil sie ein

Institut gegen die persönliche Freiheit ist. Er ist ein guter Soldat,

aber er verachtet seine Vorgesetzten. Er hat den akutesten Instinkt für

Freiheit. Jeder ist Individuum, jeder ein Ganzes. Jeder denkt,

kritisiert, urteilt, schimpft. Nirgends wird soviel geflucht. Aber

nirgends hat man auch soviel Geduld, mit sich und den anderen. Es geht

so lange gut, als die Menschenwürde nicht angetastet wird, nirgends ist

die Freiheit des Lebens vollkommener. Der Kommunismus ist eine schöne

Sache. Aber bringt er dem Individuum größere Freiheit? Hier liegt der

Grund, warum er in Frankreich so langsam fortschreitet.

Endlich siedelt der Vater nach Tours über und eröffnet dort eine

Werkstatt mit zehn Arbeitern. Er hat sich emporgeschwungen. Germaine

huscht zwischen den Motoren, beschmutzt sich die Finger mit Öl und mit

Pech, ist ein schäkernder Kobold unter den Arbeitern. Sie lernt schnell

eine Dynamomaschine auseinandernehmen. Sie hat die Gelenkigkeit eines

Knaben. Ein andermal schleicht sie auf den Speicher hinauf, macht sich

über einen verbotenen Bücherkorb und verschlingt dort tagelang die Werke

von Voltaire, Victor Hugo, France, Zola, Kant, Sammlungen von

Witzblättern und Schriften über die Freimaurerei. Dann gibt es Tage, da

läuft sie an die Ufer der seidenen Loire, streift durch die Wiesen,

verliebt sich in die Bäume, in die Vögel, in die Sonne.

Der Vater will sie bürgerlich erziehen. Sie kommt in eine Zeichenschule

und glaubt eine Künstlerin zu werden. Ihre Wildheit erfaßt ihre

Kameraden. Auf dem Heimweg von der Schule skandalisiert sie die Bürger

der kleinen tugendhaften Stadt. Im Sturmschritt durchläuft sie die

Stationen einer Jugend. Einige Wochen lang Fanatikerin des Sports, lernt

sie die Namen aller Radfahrer und Boxer auswendig. Sie schillert wie

Quecksilber. Wohin sie kommt, ist Bewegung, Aufruhr.

Mit dreizehn Jahren liebt sie. Es gehört in ihr Schicksal, daß der Krieg

den Auserwählten abruft. Vierzehn Tage lang irrt sie in ihrem Schmerz

herum, verkriecht sich in der St. Martinskirche und kehrt nicht mehr

heim. Zum erstenmal denkt sie an Selbstmord. Derselbe mystische Hang

durchzieht ihr ganzes Leben. Wir werden sie später noch einmal in einer

Kirche mit Selbstmordgedanken antreffen. Der Hang zum Opfer und zum

Leide treibt sie in die Felder hinaus, und mitten in einem sentimental

purpurnen Sonnenuntergang läßt sie sich in die Wellen der rauschenden

Loire gleiten. Aber ein Mann hat sie beobachtet. Die Trambahn von

Vouvray nach Tours fährt gerade vorbei, und sie läßt sich retten.

Kurze Zeit darauf stirbt ihr Vater. Die Hoffnungen eines bürgerlichen

Mädchendaseins zerschellen. Die Mutter bleibt arm zurück. Germaine wird

arbeiten müssen. Sie flieht nach Paris. Gibt es ein anderes Ideal für

ein junges Gemüt in der Provinz, als eine Flucht nach Paris? Diese

gehört fast in jede Biographie. Täglich berichten die Zeitungen von der

Ankunft kleiner Schüler in der Gare de l’Est oder Gare de Lyon: sie

haben etwas gestohlenes Geld in der Tasche, einige Bücher unter dem Arm,

sie finden nicht heraus aus dem Trubel der Automobile und Menschenjäger,

sie wagen sich nicht in ein Hotel und werden meistens kraftlos auf einer

Bank auf den Boulevards von einem gutmütigen Schutzmann aufgefunden.

Die verschiedenen Quartiere und Straßen von Paris sind von verschiedenen

Atmosphären getragen. Wie Provinzen scheiden sie sich streng voneinander

ab. Die Rue Montmartre zwischen den Boulevards und den Hallen ist die

Lunge von Paris. Auf der Börse wird jede Minute der Pulsschlag von

Europa ausgerufen. Die Schreie erschüttern den Platz davor wie

Meeresrauschen. In den Hallen werden die vergänglichen Werte der Erde

ausgeschrien und in der Rue Montmartre mitten zwischen diesen entstehen

die Zeitungen, die den ganzen Lärm, die Predigten und die Flüche der

Welt weiter verbreiten. Hier wird Ruhm und Dekadenz eines jeden Tages

geschaffen und vernichtet. In einem einzigen Haus dieser Straße, der

Nummer 142, befinden sich die Redaktionen sämtlicher Gesinnungen

Frankreichs. Im Erdgeschoß ist es „La Presse“, das populäre Bürgerblatt

des Nachmittags, das mit feisten Titeln das Geschehen der Welt umlügt.

Ein Stockwerk darüber „Le Jockey“, in welchem täglich für die

Müßiggänger von Auteuil und Longchamps die Chancen der Pferde mit den

mythologischen Namen ausgerechnet und verzinst werden. Auf derselben

Treppe links „La Victoire“, in der der einstige Anarchist Gustave Hervé

die Aussprüche Millerands zu biblischen Gesetzen stempelt. Im zweiten

Stockwerk rechts „l’Humanité“, wo die Türen fliegen, die Winde ein- und

auspoltern und die jungen Revolutionäre Frankreichs unter der

väterlichen Führung Marcel Cachins und dem übersprudelnden Temperament

Vaillant-Couturiers russische Ukase diktieren. Gegenüber „Bonsoir“, das

frivole Abendblättchen der Flaneure, in dem die letzte Indiskretion über

die Tänzerin Mistinguett, das letzte Telegramm und die letzten

Börsenkurse verraten werden. Wenn man in dem Hause gut suchte, fände man

bestimmt noch ganz andere Unternehmungen und Gesinnungen. Es ist die

Pandorabüchse von Paris. Es ist die elektrische Zentrale, von der aus

die Kräfte und die Leidenschaften in Strömen übers ganze Land ausgesandt

werden. Vom Keller bis zu den Dachziegeln müssen da Bomben aus den

verschiedensten internationalen Explosivstoffen versteckt sein.

Vielleicht verbindet sie alle ein- und dieselbe Zündschnur? Wenn es

einmal in Frankreich zum Bürgerkrieg kommen sollte (es ist noch weit bis

dahin), dann müßte eine kluge Regierung statt aller Maßnahmen den Befehl

geben, dies Haus einzuschießen. Die Ruhe im Lande wäre automatisch

wiederhergestellt: Eine moderne Lösung des Horatier- und

Kuriatierproblems.

Gerade gegenüber, die andere Ecke der Rue du Croissant bildend, steht

das Café, in welchem Jaurès am 31. Juli 1914 abends von Raoul Villain

hinterrücks erschossen wurde: eine Kugel durch die Fensterscheibe in den

Nacken. Jaurès kam gerade von der Humanité, erschöpft von diesem

schweren Tag, an dem er zum letztenmal den europäischen Krieg hatte

verhindern wollen. Er hatte sich mit der ganzen Wucht seines Körpers und

seines Geistes gegen die Lawine gestemmt: und er war ihr erstes Opfer.

Heute trägt das Etablissement neben verschiedenen Malereien, die

französische Kolonialsoldaten darstellen, eine Inschrift: „Ici Jean

Jaurès fut assassiné.“ Aber auch die Nummer 123 der Rue Montmartre,

gerade gegenüber, wird einmal eine historische Bedeutung haben. Das

Haus, das einmal stattlich war, ist schwarz angelaufen, vermorscht,

verpilzt: Ein dunkler mit dereinst dorischen Säulen bestandener Torweg

führt auf einen kleinen Lichthof von kaum mehr als drei Quadratmeter

Umfang. Es riecht nach Fusel, nach Fett, nach Kloaken, nach

Druckerschwärze. Den ganzen Tag brennt die Petroleumlampe in der

Conciergenloge, in der es eine bronzene Uhr, chinesische Vasen mit

naiven, echten Feldblumen, Photographien, Kalender und ein strahlendes

kleines Mädchen gibt: seltsame Insel der bürgerlichen moralischen

Reinheit und Ruhe, der familiären und gnadenreichen Gelassenheit. „Le

Libertaire, eine Treppe links,“ ruft das Mädchen. Man tappt in einen

Höhlenschlund hinein, eine Stiege quält sich aufwärts bis zu zwei engen

Türen, die einander ganz gleich sind. An der ersten steht ein Schild:

„Cupidon“, ein leckerer, rosiger Amor macht Miene, sich mit einem Pfeil

zu durchbohren. Hier wird die satirische amouröse Zeitschrift gemacht,

in der alle Laster und Naivitäten einer vergehenden Welt für einen

Franken erhältlich sind. Aber die nächste Tür steht weit offen: Grelles

Licht, grelle Affichen in einem kleinen Raum, in dem zwei Tische und

zwölf junge Menschen herumstehen (zum Sitzen wäre kein Platz), rauchen,

lachen und diskutieren. Da ist André Colomer, mit langen schwarzen

Locken wie die Bohémiens von 1860, still, leutselig, immer eine Hoffnung

im Auge. Da ist mit seiner zarten, fast mädchenhaften Stimme Georges

Vidal, der maskierte Poet. Zehn andere sind da, junge Leute, ganz

elegant, mit Regenmänteln und modernen Krawatten, und einige Mädchen,

rot und schwarz geschminkt und voll starker Gesinnung. Und da ist

Germaine Berton, von allen umringt, die Augen dunkelblau gewitternd, den

Mund scharf geschnitten und verschlossen wie ein Siegel, das man

aufbrechen müßte (um erst in die Geheimkammer der Frau zu gelangen), die

Nasenflügel in Stolz und Leidenschaft wie die eines Rennpferdes

vibrierend. Sie spricht leise, aber sie befiehlt, sie will. Alle hören

ihr interessiert zu, die Jungen machen keine schlechten Witze, es geht

um hohe Fragen.

Da ist Germaine Berton, und keiner weiß um ihr Geheimnis. Sie arbeitet

nicht, drei Wochen lang lebt sie mit Lecoin, dann wieder irrt sie durch

Paris, zwei Wochen ist sie die Freundin Goharys und wieder verschwindet

sie wie eine Schwalbe. Keiner weiß von ihr: daß sie eine Erleuchtete

ist, eine Art Jungfrau von Domrémy wäre, wenn die Zeit sie brauchte.

Aber die Zeit ist daran schuld, ob sich ein Mensch groß oder klein auf

sie projiziert. Dies Mädchen mit dem reinen, fast angelischen Aussehen

birgt in sich den klarsten Verstand und die dunkelsten Abgründe. Sie ist

Hure und Heilige zugleich. Sie ist echt und unecht, kompliziert und

naiv, Weibchen und Königin. Sie ist das schillernde, ewige Weibliche.

Sie ist Lilie und Nessel.

Bei ihrer Ankunft in Paris war sie zuerst zu einem Onkel gegangen, der

ihr eine bürokratische Arbeit in der Compagnie Electro-Chimique

verschaffte. Aber Germaines unruhiges Blut läßt sie nirgends verharren.

Sie kann nicht arbeiten. Arbeit erscheint ihr immer als Eingriff in die

Persönlichkeit, als Erniedrigung. Das Gegenteil von Arbeitsliebe ist

aber keineswegs Faulheit. Das allgemeine sklavische Arbeiten für einen

gewissen Lohn, der gerade den Lebensunterhalt ermöglicht, ist keine edle

Betätigung: aber die Massen fragen auch kaum nach dem Edlen. Ein

außergewöhnlicher Mensch wie sie treibt hinaus und weiter. An der Arbeit

interessieren sie die sozialen Fragen. Das ist eine große Entdeckung für

sie. Mit Heißhunger verschlingt sie die ersten Elemente sozialer

Literatur. Inzwischen verläßt sie ihre erste Stelle, tritt bei einem

Malermeister ein. Die syndikalistische Bewegung interessiert sie, sie

fängt an zu schreiben und wird regelmäßige Mitarbeiterin des „Réveil

d’Indre et Loire“. Vom revolutionären Syndikalismus zum Kommunismus ist

zu jener Zeit, 1920, nur ein Schritt. Ein Mensch wie die Berton geht

aber aus Instinkt, nicht aus technischen Gründen, immer zum Extrem.

Immer weiter links, was war da? Der Anarchismus, die völlige Verleugnung

des Staates, die Thronerhebung des Individuums, des Ich. Das Milieu der

Anarchisten behagt ihr: es geht dort still und einfach zu. Aber eine Art

Passivität liegt in ihrem Wesen und in ihrer Doktrin, gegen die sie sich

sträubt. Sie lebt mehrere Monate ihr freies Leben mit, in gänzlicher

Ungebundenheit. Die Bürger mögen ihr den ersten Stein werfen. Sie ist

die Geliebte eines Compagnons und lebt einige Tage mit ihm. Dann

verschwindet sie plötzlich, taucht in einem Meeting in der Provinz auf.

Wiederum läßt sie sich in einem Hotel Meublé in Montmartre nieder oder

wohnt bei einem neuen Freund. Aber das ist kein müßiges Dasein.

Allabendlich trifft man sich im Kabarett „Le Grenier de Gringoire“, wo

der chansonnier d’Avray seine sentimentalen Lieder singt. Aber zwischen

den Liedern ist von strammen Doktrinen die Rede, und Germaine fühlt sich

von dieser Philosophie des Wartens bedrückt. Sie will handeln. Sie

verfaßt eine kleine Broschüre: „De l’acte individuel à l’acte

collectif“, und schlägt langsam einen abseitigen Weg ein von den

compagnons. Sie treibt den Anarchismus auf die Spitze: sie zimmert sich

selbst eine eigene Theorie zusammen.

* * * * *

Eine fixe Idee wird sie nicht los. Sie hat einen Feind. Den allgemeinen

Feind der Nation. Sie haßt, wie eine Frau nur hassen kann: sie haßt ganz

unlogisch, ganz indirekt, ganz intensiv, sie haßt, daß sie davon krank

wird. Später erklärt sie, wie sich das Gefühl langsam in ihr

kristallisiert hat. Sie nimmt Haß zu sich wie Kokain. Eines schönen

Tages, Mitte Januar 1923, macht sie sich auf, wie auf ein Kommando

gehorchend.

Ihr Haß gilt der „Action Française“, dem royalistischen Blatt, das seit

Jahr und Tag die größten Zwiste in Frankreich verursacht. Es ist das

Organ des Faschismus und der gehässigste Feind des Proletariats. Es wird

von den alten vergessenen Adelsgeschlechtern unterhalten, hat aber den

unflätigsten und schmutzigsten Stil in der Presse eingeführt. Jeden Tag

erfinden seine Redakteure neue Hetz-, Schimpf- und Verleumdungsworte, so

daß man, um das Blatt zu lesen, geradezu einen Diktionär herstellen

müßte wie einstmals für die Schützengrabensprache. An seiner Spitze

stehen Literaten von hohem Rang. Léon Daudet, ein Mitglied der

ehrwürdigen Académie Goncourt und als ausgezeichneter Stilist sehr

bekannt. Aber er hat eine Reihe Romane geschrieben, deren er sich

teilweise schämt und unter diesen „L’Entremetteuse“, den er, nachdem die

Kirche den Bann gegen das Buch ausgesprochen hatte, wenige Tage nach

Erscheinen wieder einstampfen lassen mußte. Das ist der parlamentarische

Herold der Orléans und aller Katholiken Frankreichs. Neben ihm schreibt

Charles Maurras täglich die Kritik der politischen Ereignisse mit einer

Schärfe, die wie Salmiak wirkt. Dem Leser steigt seine Prosa in die

Nase. Dieser Mann begann als der klarste und schwingendste Besinger

griechischer Form. Er ging vom Prinzip der intellektuellen Anarchie aus

den Weg bis zur Idee, daß das Individuum sich einer höheren Gemeinschaft

unterzuordnen habe, aber es ist leider kein geistiges Königtum mehr, dem

er sich verschrieben hat!

[Illustration: DAUDET]

Zwei angesehene Literaten von hohem Range sind es also, die in der

Action Française den Terror der Verleumdung und der Hetzerei verbreiten.

Zwei Männer von modernem Geist und Gewissen verfechten diesen Satz, der

in der ersten Nummer ihrer Zeitung proklamiert wurde: „Unsere einzige

Zukunft ist die Monarchie, die durch Monseigneur le Duc d’Orléans

personifiziert wird, den Erben von vierzig Königen, die in tausend

Jahren Frankreich schufen. Die Monarchie allein kann das Volkswohl

erhalten, die Ordnung einführen und jene Leiden tilgen, die der

Antisemitismus und der Nationalismus an den Pranger stellen.“

Die Action Française geht gegen alle vor: Demokraten, Republikaner,

Sozialisten, Kommunisten, Anarchisten, sie attackiert jegliche

Regierung, sie hat auf Clemenceau geschimpft, sie hat den Kopf Briands

gefordert, sie hat zur Ermordung Léon Bourgeois, des stillsten und

ehrwürdigsten aller Politiker gehetzt, und ihr wird die Schuld an der

ruchlosen Erschießung Jean Jaurès von der ganzen öffentlichen Meinung

zugeschoben. Mehr: eine Liga der Action Française vereinigt junge Leute

der besten Familien zu einem royalistischen Korps, das im richtigen

Moment, Italiens Beispiel zufolge, eingreifen soll. Die faschistischen

Manöver haben bereits begonnen und die Injektionen von Rizinusöl und

Terpentin wurden an namhaften Persönlichkeiten der Linksparteien

vorgenommen. Die Liga besitzt ein vollkommenes Waffenmagazin. Sie

besitzt auch tagtäglich reingehaltene schwarze Listen, in denen die

höchsten Persönlichkeiten der Republik und Offiziere der Armee ihre

Rubrik haben. Die Liga der Action Française ist also eine nationale

Gefahr. Und hier und da zittert bereits Marianne wirklich vor ihr.

Der Haß der Germaine Berton gilt ihrem Führer Léon Daudet. Sie studiert

sein Leben, seine Bücher, seine Familiengeschichte. Er gibt sich für den

Sohn des bekannten und zarten Dichters Alphonse Daudet, des Schöpfers

von Tartarin de Tarascon, aus, ist aber in Wirklichkeit nur sein

Stiefsohn und der uneheliche Sproß eines levantinischen Juden. Er ist

bigott. Er hat in der Kammer das frechste Maul, er ist die größte Gefahr

für Frankreichs Freiheit.

Germaine Berton wird ihn töten.

Sie hat den individuellen Akt zur Hauptformel ihrer

Anarchisten-Philosophie erhoben. Ihre Religion ist in dieser Zeit der

Nihilismus im russischen Sinne. Eine Reihe von einzelnen Gewaltakten

gegen die Gewaltherrscher ist nach ihrer Meinung nützlicher als jede

Massenaktion.

So wird der Mord langsam für sie eine Aufgabe, ein Lebensinhalt. Sie

lebt schon mit ihm. Er ist ihr vertraut, sie sieht schon die Grimasse

des Dicken, wie er noch einmal arrogant mit seinen kleinen fetten

Fingern zum Himmel, in die Leere greifen wird. Oder sich ans Herz

greifen wird. Hat er einen Diamantring, der aufblitzen wird? Sie irrt

durch die regnerischen Straßen, und überall erscheint er ihr als

Phantom. Sie lebt intim mit diesem heranreifenden Kadaver.

Seltsam, daß die Mörder so schwere Umwege machen, wo das Leben doch so

einfach läuft. Daudet ist so leicht zu treffen: in der Salle des

pasperdus in der Kammer, auf dem Wege zur Redaktion oder beim Déjeuner

der Goncourt, wo man sich so leicht unter die Journalisten mischen

könnte! Aber das fiebrige Mädchen macht es sich schwer. Sie meldet sich

eines Morgens in der Privatwohnung Daudets und läßt ihm einen Brief

überreichen: sie habe ihm eine äußerst wichtige Mitteilung über die

Anarchisten, zu denen sie gehört habe, zu machen. Daudet studiert

Schrift und Stil und spürt heraus, es könne sich nur um einen Überläufer

oder um einen Mörder handeln. In beiden Fällen Gefahr. Er empfängt sie

nicht, sondern weist sie an die Redaktion der Action Française, an seine

beiden Leutnants, Roger Allard und Marius Plateau. Am Nachmittag

empfangen diese sie voller Hochmut und Spott. „Man werde übrigens sehen,

sie solle ein paar Tage später wiederkommen.“

In Germaine rauscht die Tat und berauscht sie. Sie schwebt wie ein

Medium durch die Straßen, in einer Art Trancezustand. Sie muß handeln.

Sie hat eine Pflicht, in die sie eingeschlossen ist wie die Nuß in ihre

Schale. Sie darf nicht, sie kann nicht mehr warten. Der Revolver wird

von selber losgehen. Die Kugeln sind locker im Lauf.

Am nächsten Morgen wird in der Kirche St. Germain l’Auxerrois eine

Totenmesse für die wackere Seele Louis XVI. gefeiert. Alljährlich wohnt

ihr Daudet mit seinem Gefolge bei. Es ist die bedeutsamste Zeremonie der

Royalisten. St. Germain l’Auxerrois: Das letzte Refugium der Könige.

Manchmal schauen die Amerikaner im Louvre, von klassischer Kunst mürbe,

durch eines der hohen spinnewebenen Fenster sehnsüchtig hinab und

erblicken plötzlich die tiefblaue Uhr mit den goldenen Ziffern der Zeit,

die wie ein ziselierter Türkis im grauen räudigen Gestein der anmutigen

Kirche eingefaßt ist. Eine der Glocken dieser Kirche läutete zur

Bartholomäusnacht. Hinter dem Altar befindet sich ein klösterlicher

Privatsalon, in dem Marie Antoinette ungesehen dem Gottesdienst

beiwohnte. Die Kirchen sind immer der Lieblingsort Germaines gewesen.

Schauernd tritt sie in die gotischen Schatten. Doppelt verlockender Ort

der Tat: mit einer Kugel zwei Herzen, das des Pilatus und das des

Strebers Christus, so sagt sie. Aber sie ist noch ein Kind und kniet an

der steinernen Säule. So kniete die Königin, als draußen die Schritte

des Volks die Carmagnole skandierten. Hier wird noch einmal über

Frankreichs Geschick Gericht gehalten.

Aber Daudet kommt nicht. (Hatte er Furcht?) Die Orgel peitscht umsonst

ihr Blut. Umsonst klopft eine harte Stimme in ihrem Herzen. Daudet

meldet sich nicht. Voll Verzweiflung weint das Mädchen: Die umstehenden

Royalisten stoßen sich an, sie glauben, ein Heißgeliebter werde beklagt.

Ein Heißgehaßter! Aber die Tat, die Tat. Gut, wenn es Daudet nicht sein

soll – dann ein anderer: Maurras vielleicht? Meinetwegen, da kommt er,

von seiner Liga umgeben. Fünf Männer, kompakt, jetzt zehn. Die Türen

öffnen ihre Flügel. Der Menschenschwall treibt hinaus. Die Quais entlang

hüpfen die grünweißen Elektrischen. Unter dem Pont des Arts fließt die

grünschwarze Seine hinaus. Kinder spielen. Alte Fiakergäule reiben die

Steine ab. Hier wird sie schießen. Der Trupp geht vorbei. Sie hat nicht

geschossen!

Nun brandet das Fieber. Nun tobt es dunkel hinter der Stirn, hinter dem

zurückgestrichenen Haar. Ein so nutzloser Mensch zu sein! Paris lebt

weiter. Weiter schlagen die Stunden. Das Geschick Frankreichs reift.

Dort drüben, über dem Fluß, liegt der dunkle patinierte Justizpalast.

Die Bäume rosten. Der Alltag kriecht eklig vorbei.

Sie tritt in ein kleines Café, bestellt eine Menthe à l’eau. Ein

erfrischendes Feuer. Sie schreibt schnell einen Brief. Wirft sich ins

Tempo der Tat wie ein Schwimmer in reißende Strudel. Der Strom geht

aufwärts, abwärts, sie pendelt die Straßen entlang. Zwischen Mittag und

eins: das Leben ist ralentiert, das Leben ist trostlos, die Menschen

essen alle und der Heroismus ist aus der Welt verschwunden. Plötzlich,

wie kommt es, steht sie wieder vor der Redaktion in der Rue de Rome. Es

ist noch nicht Zeit. Es kann noch niemand da sein. Aber es treibt sie

hinein. Sie soll warten. Sie demütigt sich, sie wartet. Sie fiebert.

Kein Ort auf Erden ist öder und erniedrigender als ein Büro zwischen den

Arbeitsstunden. Der schale Menschengeruch, das leere Lallen der tauben

Telephone, die hoffnungslosen Wände erzeugen die fürchterlichste

Langeweile des Lebens. Dies muß die Stunde derer sein, die sich in den

Speichern aufhängen. Und die der Mörder.

Endlich wird sie in Plateaus Privatbüro vorgelassen, zu dem ein enger

Gang führt wie bei den Mausefallen. Plateau ist der Polizeichef der

Royalisten-Liga. Er hat gut zu Mittag gegessen. Er ist gut aufgelegt. Er

horcht das Mädchen aus. Warum kommt sie? Sie will Geheimnisse enthüllen?

Mit solchen Individuen geht man aufs Ganze. In dem Augenblick, in dem

sie gesprochen haben, sind sie ja bereits verloren. Er lacht roh. Was

wollen Sie? Aber warum verraten Sie Ihre Freunde? Ach so? Und wieviel

Geld wollen Sie haben?

Das ist die Herausforderung zur Tat. Des Mädchens Seele ist ein

glühendes Eisen. Die Kugeln kollern in ihrer Tasche in einer

wahnwitzigen Karambolage. Dieser Rohling, dieser gesunde Schlächter,

dieses logische Schwein ... Germaine steht auf, er will ihr die Türe

öffnen ... da geschah es. Mein Gott, es ist so einfach. Eine Masse, eine

Mauer fällt um.

Und nun ist es aus. Sie hat eine Mission erfüllt, sie ward erleuchtet

und begnadet. Was noch kommt ist Kompromiß. Was interessiert sie die

Welt noch. Die Erde ist eine Kugel. Sie dreht sich. Einmal kommen die

grünen Frühlingshügel, einmal die grauen Schlackenhügel. Sie hat genug

in ihrem Leben Blumen gepflückt. Es gibt doch keinen Gott. Die Menschen

sind so roh und feige. Was soll sie noch? Eine zweite Kugel brennt ihr

in die Brust hinein ...

* * * * *

Einige Tage hat sie im Hospital Beaujon Ruhe. Dann wird sie, da die

Wunde schnell ausheilt, ins Gefängnis von Saint-Lazare überführt. Das

ist die letzte Bastille französischer Verlotterung, mit den berühmten

Bagnos von Cayenne. In den Bas-fonds der französischen Republik, in den

verholzten Verwaltungsämtern, in den verschimmelten Räumen vererbter

Apparate empfindet man, wieviel Barbarisches, Naives noch in der

verfeinertsten aller modernen Zivilisationen steckt. Beinahe etwas

Kindisches an Unmenschlichkeit. Etwas Romantisches haftet an allem

Dreck. Romantisch ist das Gefängnis Saint-Lazare, nicht nur weil es von

den Chansonniers von Montmartre rührselig besungen wird.

Germaine Berton erhält eine Zelle neben jenen, die eine Caillaux, eine

Bernain de Ravisi beherbergt haben. Man kann nicht leugnen, daß sie ein

ganz klein wenig stolz darauf ist. Sie ist doch oft unangenehm unartig,

übermütig, hoffärtig. Aber das ist das Vorrecht aller, die etwas

Besonderes leisten, sowohl großer Musiker wie berühmter Heerführer. Wir

dürfen keine bürgerliche Elle an sie legen. Man möchte erwarten, daß sie

in der Einsamkeit zur Frau wird. Aber sie bleibt nur heroisch. Die

außergewöhnlichen Menschen brauchen nicht zu reifen. Sie sind von Anfang

an das, was sie sind.

Germaine spielt wie ein Schulmädchen Streiche. Sie amüsiert sich, die

Wärterinnen, die Schwestern, den Gefängnisdirektor zu ärgern. Dieser

beklagt sich oft bei ihrem Advokaten, umsonst. Es geht so weit, daß die

Nonnen sich vor Neugier nicht halten können und unter allerlei Ausreden

ihre Zelle öfter besuchen als nötig wäre. Ein stolzes Auftreten

intrigiert die Demütigen immer, und erst recht in diesem Gebäude, wo die

Menschen schleichen, knirschen und immer kleiner werden. Germaine

hingegen wird nur stärker in dieser grauenhaften Einsamkeit. Sie hört

und sieht rings um sich den Schmerz der verlorenen Frauen. Die modrige

Feuchtigkeit des Gefängnisses ätzt ihre Revolte. Sie vernimmt in der

Nacht über sich die Schreie der gebärenden Frauen und sieht am Morgen

über den Hof die engen Särgchen hinaustragen. Arme, immer mehr

verarmende Menschheit. Aber hat sie je etwas anderes gewollt als diesen

helfen? Jetzt vielleicht zum erstenmal wird sie sich bewußt, was sie

getan und was zu tun noch bleibt!

In den Gesichtern der Schwestern liest sie nicht Gott, sondern Neid,

Geiz, mit dem Grabtuch des Lächelns versteckte Gemeinheit. Was zieht sie

an? Eine ist dabei, sie heißt Claudia. Sie hat schwalbenblaue Augen, sie

hat eine Stille in ihren Händen, sie hat Sommer in der Stimme. Sie ist

jung und scheint doch so müde. Sie sieht nicht aus, als könne man sich

an ihre Schulter lehnen, aber im Gegenteil, als hätte sie so das

Bedürfnis, hinzuschluchzen! Ihre Pflicht ist’s, der Mörderin den Heiland

nahezubringen, und mit allen Kräften versucht es Claudia: sie scheint

die Bekehrung Germaines zum Guten wie ein Gelübde erfüllen zu wollen.

Aber in Wirklichkeit bedarf sie selber des heiligenden Worts, in

Wirklichkeit erscheint Germaine ihr als Botin eines besseren Lebens.

Eines Abends setzt sich Schwester Claudia hin und schreibt an Germaine

einen Brief erschütternden Leids: sie zweifelt an ihrem Gott! Und ein

Wunder geschah in dieser Nacht von Saint-Lazare: Wunder dieser neuen

Zeit: eine Braut Christi wird zur Rebellion bekehrt, die Dienerin des

egoistischen Gottestums will hinaus, zum Volke reden, ihre Schwestern

befreien, Germaine nacheifern! Sie beschließt, ihre Nonnenkleider

abzuwerfen und mitten ins heißere Leben der Straße zu fliehen.

* * * * *

Brief Schwester Claudias an Germaine Berton:

Germaine Berton, die rote Jungfrau · 第 2 / 7 题