Sinne gebraucht; wind, wahrscheinlich von schwinden, woher auch
Schwindel stammt, also schwindlig. »Ir ward so swinde und weh dar nach«
(Koloczaer Codex altdeutscher Ged., herausg. von Mailáth usw. S. 232).
S. 67. _Schnorzig_, verdrießlicher Laune, worin man jemand anschnurrt.
S. 68. _Meineider_, Meineidiger (Marchth. Chr.). -- _Brogl-Wenz_; sich
broglen, prahlen; alt brogen, sich regen, in die Höhe richten, ungestüm
sein. Engl. #to brag#, ital. #brogliare#. Die Zusammensetzung mit einem
Namen, als sprichwörtliche Anspielung, ist willkürlich. -- _Elend_, ein
Garten in Ulm hinter dem Hospital an der Donau, auf dessen Stelle
ehemals vermutlich ein Pflegehaus für arme Pilger und Fremdlinge war.
Dergleichen Anstalten hießen auch anderwärts Elendhäuser, elende
Herbergen Elend, #ellend#, aus #el#, fremd, und #lend#, bedeutet
überhaupt die Irre, Fremde.
S. 69. _Pflug_, Name eines Gasthofs in Ulm. -- _Uf^am_, auf dem. --
_Blo-Holder-Strauß_, Busch von blauem Holunder, Syringe. -- _Vor's_,
bevor es. -- _Nachthüehle_, Nachthuhn, Käuzlein.
S. 70. _Di^a Gugelfu^ahr gang wieder a^n_ (gehe wieder an). Die
Gugelnarren, d. h. die Narren mit den spitzigen Hanswursthüten, ließen
sich zur Fastnachtszeit auf Karren herumführen und trieben Unfug; daher
Gugelfuhr für große Lustbarkeiten und jeden lustig lärmenden Unfug.
S. 72. _Herzensbrast_, Beklemmung, Herzeleid; von Bresten, Gebrechen. --
_Scheurenburzler_, Landstreicher, Zigeuner, der in Scheunen auf dem
Lande das Nachtlager zu nehmen pflegt. -- _All Hundsod^am_, alle
Augenblicke.
S. 73. _Gen die Sperlachen_ (#plur.#), gegen das Himmelszelt; von
sperren und Laken oder Lachen, Tuch, das über einen Wagen zur Bedeckung
gespannt ist. »Wann got jnn den sperlachen wonet vnd sy mit seinen
gnaden erleuchtet« (Buch der sterb. Menschh.) -- _Hofraite_ (die), der
ganze zu einem Haus gehörige Umfang von Hof, Bäulichkeiten usw.
S. 74. _Gähnaffen_ (Maulaffen) _feilhaben_, müßig dastehen. -- _Den
Plirum geigen_, abprügeln.
S. 76. _Trait mer_, trägt man. -- _Dattern_, dottern, zittern. Engl. #to
totter#. -- _Jetzt ist lang Tag_, Sprichw., es hat keine Not mehr.
S. 77. _Wuhr_ (das), Wehr. »Ich hab gebawen die wasserwure« (Buch der
sterb. Menschh.). -- _Gottig_, gotzig, gotteseinzig, einzig. --
_Trischacken_, eine Art Kartenspiel. Ital. #i tre sciacchi#.
S. 78. _Schiedfell_, Zwerchfell, weil es Herz und Lunge von den andern
Eingeweiden scheidet; #diaphragma#. -- _Faxen_, auffallende, lächerliche
Gesten.
S. 79. _Seellos_, ruchlos. »Die Trewloßen, Ehrloßen und Seelloßen
bauren« (Brief an Schwäb. Hall im Jahre 1525). -- _Ich habe Kreuz --
ab._ Diese Zeilen fand der Verfasser selbst an einem ähnlichen Ort auf
freiem Felde von einer ungeübten Hand mit Kreide angeschrieben.
S. 82. _Verbutzen_, vermummen. »An Fastnacht soll sich niemand
verbutzen, verkleiden, verwelchen« (von Wale, Walch, Welscher, Fremder).
Ulm, Verordn. v. J. 1612. Die Butz heißt Scherz, Betrug, Lüge; der Butz,
Narr, Possenreißer, Larve.
S. 83. _Verhansleartlen_, auf eine einfältige Weise verlieren,
versäumen. Hans Leand, Hans Leard, Johann Leonhard, wird zur Bezeichnung
eines einfältigen Menschen gebraucht.
S. 84. _Morgenatz_, Frühstück (Marchth. Chronik).
S. 86. _Bartzefant_ (der), Diener. Franz. #poursuivant#.
S. 87. _Korabelle_, Buhldirne, wahrscheinlich aus #mia cara bella#
entstanden und auf Barbara, in der Volkssprache Belle, anspielend; kommt
noch in Weitzmanns Gedichten vor. -- _Knegler_, einer der stark durch
die Nase redet. -- _Sotterer_, ein siecher Mensch; von sottern,
kränkeln; mit Sucht verwandt. -- _Ungeschaffen_, ungestaltet. »Da (in
Cannstatt) ist alle Jar ain tag haißt der ungeschaffene tag, vonn mannen
Jungen gesellen weiber vnd Jungfraw vnnd welcher der vngestaltest ist
der gewindt ain Rockh vnnd ander ding darzu vnnd welche die
vngeschaffnest ist die gewindt ain Gurttl pewtel (Beutel) Handschuh vnnd
ander Ding« (Ladisl. Sunthaim, Historiograph des K. Maximil. I. S.
Memmingers Cannstatt).
S. 88. _Grüß dich Gott, herzlieber_ usw., ein altes Volkslied, aus des
Knaben Wunderhorn (II, 300) mit einiger Veränderung entlehnt.
S. 89. _Wurstelmaukeler_, maucheln, maukeln, maunkeln, mockeln,
vermockeln, verstecken, heimlich zu Werke gehen, betrügen (bemogeln);
daher Butzenmaukeler, die verkleidete Person, welche ehemals an
Fastnacht, an Nikolai oder zu Weihnachten, die Kinder zu erschrecken,
aufgestellt wurde. Die Verbindung mit Wurst in unserm Text ist
willkürlich und diese Gestalt dem Pfingstlimmel nachgebildet. Es war
dies ein Knabe, welcher zur Pfingstzeit, vom Scheitel bis auf die Füße
ganz mit frischem Grün und Feldblumen umflochten, entweder zu Fuß oder
auf einem Pferde sitzend und von zwei andern Burschen geführt, in der
Stadt oder im Dorf herumzog. Den Kopf bedeckte eine ellenlange, spitze
Kappe von Laubwerk, und das Gesicht war zuweilen mit Baumrinde verlarvt.
Der Verfasser fand diese Sitte noch auf der Alb, in Ochsenwang. Zu
Augsburg, wo man Schilf zu der Verkleidung nahm, hieß ein solcher Knabe
der Wasservogel. -- _Blunz_ (der), dicke Blutwurst. -- _Stampaney_
(die), Ersonnenes, Erdichtetes, Märchen; von Stampf, weil Bilder mit dem
Stampf abgedruckt wurden. Josua Mahler (im Jahre 1551) sagt, nachdem er
die in der Hauptkirche zu Aachen vorgezeigten Reliquien aufgezählt hat:
»Es ist dies Münster ein rechter Kramladen zu derley Stampaneyen.«
S. 90. _Der Siedig_, der Angstschweiß.
S. 91. _Leiresblosel_, Leiresbläslein, soviel als: ein dummes Ding; mag
von Leier und Blasen herkommen, zunächst also: schlechtes Geleier.
S. 93. _Bärig_, kaum.
S. 95. _Zwilch_ (der), grobe Leinwand.
S. 96. _Medey_, ein Kleinod, vielleicht eine Medaille, zum Hutschmuck
gehörig. »Ob dem stulp (des spanischen Huts) ging ein Schnur vmbher.
Nicht anderst alß wenns ein Kron wer; Gar köstlich von schönen Medeyen,
Orndlich gesetzet nach der Reyen, Treflich vil schöne Edel Stein Theurer
art dran gestanden sein« (Aus Fürstl. Würt. Pomp und Solennität durch
#M. Jo. Ottingerum# beschrieben, Stuttg. 1607.) »Medeyen oder Rosen an
der Cleinodschnur« (ebendas.). -- _Stotzenglas_, kurzes Kelchglas mit
einem Fuße. -- _Hohlippen_, hohle Hippen, gerolltes Oblaten-Gebackenes.
-- _Krapf_, mit Obst, Weinbeeren, Rosinen und dergl. gefülltes Backwerk.
Im Altdeutschen bedeutet das Wort einen gekrümmten Haken.
S. 99. _Schaufalt_ (der Falt, schwäb.), die Falte an Tüchern, die nach
außenhin, um besonders gesehen zu werden, gelegt wird; daher das
Vorzüglichste seiner Art, womit man prangt, z. B. eine Person in einer
Familie. Aehnlich ist Ausbund: was im Zusammenbinden auswärts gerichtet
wird, und ebenso das vormals gebräuchliche Ueberbund. -- _Datte_, Vater
(Kindersprache). In einigen Orten Württembergs war ehemals die
Gewohnheit, daß Ehezwistigkeiten, ehe sie zu sehr überhand genommen,
durch einen stattlichen, untadelhaften Mann im Dorfe, den man den Datte
nannte, der aber unbekannt blieb, gerügt und bestraft wurden. Er klopfte
nämlich, von zwei selbstgewählten Gehilfen begleitet, an dem Hause
uneiniger Eheleute an, antwortete auf die Frage: »Wer da?« bloß: »Der
Datte kommt« und ging ohne weiteres wieder weg. Hörte der Zwist nicht
auf, so erschien er zum zweitenmal und beobachtete dasselbe. Blieb auch
dies ohne Erfolg, so kam er zum drittenmal vermummt, drang in das Haus
und prügelte den schuldigen Teil tüchtig ab. Der Mißbrauch hob diesen
vielleicht altgermanischen Gebrauch auf. -- _Zwilauf_, Zwist. »Peter
Vngelter vf der Stette haissen gen Straßburg verritten von Irer zwilöff
wegen dorvnter zu reden« (aus e. Städterechnung).
Ende.
Im Weltkrieg auf K.-Papier gedruckt
Anmerkungen zur Transkription
Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im
Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_
gekennzeichnet. Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind,
wurden #so# markiert. In den mundartlichen Textteilen vorkommende
einzelne hochgestellte Buchstaben wurden mit einem vorrangehenden ^
markiert.
Die variierende und oft mundartliche Schreibweise des Originals
wurde weitgehend beibehalten. Lediglich offensichtliche Druckfehler
wurden, teilweise unter Verwendung weiterer Ausgaben des Textes, wie
hier aufgeführt korrigiert (vorher/nachher):
[S. 23]:
... Damit sie ihres Kummers eher vergessen, lud ihr Frau ...
... Damit sie ihres Kummers eher vergesse, lud ihr Frau ...
[S. 44]:
... Grättlein am Arm und wollte Himbeeren lesen im Bubsinger ...
... Grättlein am Arm und wollte Himbeeren lesen im Bupsinger ...
[S. 103]:
... hoppelnden Bewegung des Kreises. -- Bauren-Schwaiger, ...
... hoppelnden Bewegung des Kreisels. -- Bauren-Schwaiger, ...
[S. 109]:
... zittern. Engl. to tottor. -- Jetzt ist lang Tag, Sprichw., es ...
... zittern. Engl. to totter. -- Jetzt ist lang Tag, Sprichw., es ...
End of Project Gutenberg's Das Stuttgarter Hutzelmännlein, by Eduard Mörike