II.

_Dr._ =Jung=, genannt Stilling, erzählt in seiner »Theorie der

Geisterkunde, Nürnberg 1808.« eine ihm merkwürdige Geschichte. Dieser

sonst würdige Verfasser hat indeß mit seiner Theorie gezeigt, daß

er ein Schwärmer und der =abergläubigste Kopf= sei; er hat alles

=frischweg= geglaubt und so leider! dem Publikum wieder gegeben. –

Seine Wahrheit sucht er besonders auf Glaubwürdigkeit der Personen zu

stützen, die es erzählt haben, oder denen es selbst geschehen ist. Von

vielen solchen abergläubigen und unsinnigen Erzählungen, die, wenn sie

ein Leichtgläubiger und Ungebildeter liest, den größten Schaden nur

bringen können, wollen wir die wichtigste herausheben, welche nach der

Erzählung des ehemaligen kaiserlichen geheimen Rathes von Seckendorf

hier notirt worden ist.

König Friedrich Wilhelm I. von Preußen, Vater König Friedrichs II.,

stand mit dem König August II. von Polen in so freundschaftlichen

Verhältnissen, daß sie einander, wenn es möglich war, wenigstens

einmal des Jahres sahen. Dies geschah auch noch kurz vor dem Tode des

Letzteren. Derselbe schien sich damals ziemlich wohl zu befinden,

nur hatte er eine etwas bedenkliche Entzündung an einer Zehe. Die

Aerzte hatten ihn daher für jedes Uebermaas in starken Getränken sehr

gewarnt, und der König von Preußen, welcher dieses wußte, befahl seinem

Feldmarschall von Grumbkow (der den König bis an die Grenze begleitete

und ihn dort in einem königlichen Schlosse nach Standesgebühr bewirthen

sollte), daß er bei jenem Abschiedsschmauß alles sorgfältig vermeiden

möchte, wodurch die dem König von Polen aus erwähnter Ursache von den

Aerzten so sehr empfohlene Mäßigung im Genusse des Weines überschritten

werden könnte.

Als aber König August noch gleichsam zu guter Letzt einige Bouteillen

Champagner verlangte, so gab Grumbkow, der diesen Wein selbst liebte,

nach, und genoß dessen auch seiner Seits so viel, daß er sich, indem er

über den Hof des königlichen Schlosses in sein Quartier ging, an einer

Wagendeichsel eine Ribbe zerbrach und sich daher in einem Tragsessel

zum König August bringen lassen mußte, als dieser seine Reise des

andern Morgens sehr früh fortsetzen und ihm noch einige Aufträge an

König Friedrich Wilhelm geben wollte. Hierbei war der König von Polen,

außer einem vorn geöffneten Hemde, nur mit einem kurzen polnischen Pelz

bekleidet.

In eben diesem Aufzuge, nur mit geschlossenen Augen erschien er am

1. Februar 1733 früh, ungefähr um drei Uhr, dem Feldmarschall von

Grumbkow und sagte zu ihm:

_Mon cher Grumbkow! je viens de mourir ce moment a Varsovie._

Grumbkow, dem die Schmerzen des Ribbenbruches damals noch wenig

Schlaf gestatteten, hatte unmittelbar zuvor, bei dem Scheine seiner

=Nachtlampe= und durch seine dünnen Bettvorhänge, bemerkt, daß sich die

Thür seines Vorzimmers, worin sein Kammerdiener schlief, öffne, daß

eine lange menschliche Gestalt herein komme, in langsam feierlichem

Schritt um sein Bett herumgehe, und seine Bettvorhänge schnell öffne.

Nun stand die Gestalt König Augusts gerade so, wie Letzterer nur wenige

Tage vorher lebendig vor ihm gestanden hatte, vor dem erstaunten

Grumbkow, und ging dann, nachdem er obige Worte gesprochen hatte,

wieder zu eben der Thür hinaus. Grumbkow klingelte, fragte den zur

nämlichen Thür hereineilenden Kammerdiener: ob er den nicht auch

gesehen habe, der so eben gerade da herein und hinaus gegangen sei? –

Der Kammerdiener hatte nichts gesehen.

Grumbkow schrieb sogleich den ganzen Vorgang an seinen Freund, den

damals bei König Friedrich Wilhelms Hoflager befindlichen kaiserl.

königl. Gesandten und Feldmarschall Grafen von Seckendorf, und bat

letzteren, die Sache dem König mit guter Art bei der Parade zu

hinterbringen. Bei dem Gesandten von Seckendorf befand sich, als

ihm das Grumbkowsche Billet schon früh um fünf Uhr zukam, dessen

Schwestersohn und Gesandtschafts-Sekretär von Seckendorf, nachheriger

Brandenburg-Anspachscher Minister, und zuletzt kaiserl. Geheimer Rath.

Jener sagte zu diesem, indem er ihm das Billet zum Lesen darbot: sollte

man nicht denken, die Schmerzen hätten den alten Grumbkow zum Visionär

gemacht? Ich muß aber den Inhalt dieses Billets noch heute dem König

hinterbringen.

Nach vierzig Stunden (wenn ich nicht irre) langte durch die von

Warschau bis Berlin von drei zu drei Stunden unterlegten Polnischen

Uhlanen und Preußischen Husaren die Nachricht in Berlin an, daß der

König von Polen in der nämlichen Stunde, da Grumbkow jene Erscheinung

gehabt hatte, zu Warschau gestorben sei.

Die Wahrheit dieser Geschichte, fährt der Verf. fort, beruht auf der

Glaubwürdigkeit solcher Personen, an deren Kopf und Herz zu zweifeln

Verbrechen sein würde. =Sie ist also gewiß!= –

Können denn große Herren nicht auch Visionen, wie ein anderer gemeiner

Mann, haben und sich selbst täuschen? – Grumbkow konnte nicht schlafen,

seine Schmerzen rührten von dem übertretenen Befehl her, keinen Wein

dem König von Polen zu geben, welchen er selbst im Ueberfluß genossen

hatte. Er dachte natürlich an den schon kranken König, welches Uebel

ihn ergriffen haben würde. Diese Gedanken wurden zur fixen Idee bei

ihm, die Einbildung wirkte mit, und die Erscheinung läßt sich durch die

Sinnen-Täuschung, wie alle übrigen, natürlich erklären. Und des Königs

Tod zur selbigen Zeit giebt blos der Erzählung einen Anstrich von

Wahrheit, doch keine Ueberzeugung, da alle Nebenumstände des kranken

Grumbkow fehlen.

Das Sehen seiner selbst.

Als zu Ende des vorigen Jahrhunderts in Rostock der Professor

der Mathematik und Hauptpastor an der Jacobikirche, =Becker=, in

Gesellschaft verschiedener guter Freunde, die er bei sich bewirthete,

in einen theologischen Streit gerieth, indem er behauptete, daß ein

bestimmter Gottesgelehrter in seiner Schrift eine gewisse Meinung

hegte, welche ein Anderer leugnete, so entfernte er sich und ging in

seine Bibliothek, um das Buch zu holen. Daselbst sieht er sich selbst

auf dem Stuhle am Tische sitzen, auf dem er gewöhnlich zu sitzen

pflegte. Er ging näher und sah über die rechte Schulter des Sitzenden,

bemerkte auch, daß dieses sein anderes Selbst mit einem Finger der

rechten Hand auf eine Stelle der vor sich liegenden aufgeschlagenen

Bibel wieß, und fand, daß es die Stelle war: Bestelle dein Haus, du

mußt sterben. – Voll von Gedanken ging er zurück und kam mit einigem

Tiefsinn zur Gesellschaft, der er den Vorgang erzählte; und ob man ihm

schon die Sache auszureden, auch alle nachtheilige Bedeutung kraftlos

zu machen bemüht war, so blieb er doch standhaft bei der Meinung, es

würde diese Erscheinung seinen Tod bedeuten, daher er auch von seinen

Freunden Abschied nahm. Und siehe, den andern Tag Nachmittags gegen 6

Uhr endigte er sein Leben, obschon im hohen Alter. –

Gewisse Stellen des Gehirns giebt es, die, wenn sie auf diese oder jene

Art angegriffen werden, welches durch die Bewegung des Nervengeistes

geschieht, das Bild eines Gegenstandes, der außer uns nicht wesentlich

da ist, in uns erwecken, und machen, daß der Mensch, dessen Gehirn

also beschaffen ist, einige Schritte von sich ein Phantom zu erblicken

glaubt.

Becker hatte vielleicht kurz vorher die Bibel wegen einer

Leichenpredigt aufgeschlagen und sich jene Stelle lebhaft eingeprägt,

die er aber nachher wieder vergessen, weil er ein Mann von hohem Alter

war. Da er nun, wie Andere in ähnlichen Fällen, eine Vision seiner

selbst erhielt, so war es natürlich, daß ihm beim Nähertreten jene

Stelle wieder einfiel und auch diejenige Stellung wieder darstellte,

in der er sonst, wenn er studirte, zu sitzen pflegte. Er hatte kurz

vorher so gesessen und mit dem Finger, wie alle Leute von schwachem

Gesichte es häufig thun, die Schriftstelle gehalten. Die allzugroße

Lebhaftigkeit und Stärke seiner Aufmerksamkeit auf den wichtigen Inhalt

dieser biblischen Stelle mußte nothwendig eine sehr lebhafte Bewegung

des Nervengeistes, die der Stärke der Vorstellung entsprach und gemäß

war, zum Begleiter haben, so wie die vergesellschaftete Idee von seinem

ehemaligen Sitzen und Weisen des Fingers, durch Hilfe der lebhaften

Einbildung, sich seiner Seele in einem großen Lichte darstellte, womit

ebenfalls derjenige Grad, in der Bewegung des Nervengeistes, in den

Gesichtsnerven verbunden war, der sonst zu sein pflegt, wenn man außer

sich ein Weisen mit dem Finger, an einen Ort zu sehen, denket. Becker

war nun in banger Erwartung; Furcht und Angst ergriffen ihn, und sein

alter schwächlicher Körper wurde zerrüttet.

=Vom Doppelsehen.=

Diese Seher sollen Mordthaten, Ersäufungen, Heiraten, Begräbnisse,

Streitigkeiten, Schlachten u. s. w. sehen. Auch sollen sie Geister

sehen können. Diese Art Menschen müssen also nebst dem ordentlichen

Gesicht noch ein außerordentliches Nachgesicht haben, und solche

Doppelseher soll es besonders in Schottland gegeben haben.

Schon eine kurze Zeit vorher sehen sie, was geschehen wird: z. B. einen

Mann ohne Kopf, welcher bald enthauptet wird. – Erblicken sie einen

Menschen mit einem Tuch um den Kopf gewickelt, so bedeutet es dessen

unverhofften Tod. Soll jemand erstochen werden, so erblicken sie einen

Dolch in seiner Brust. – Man sieht diese Doppelseher, wenn die Sache

wichtig ist, schwitzen, zittern und schreien; andere Zeit lachen sie

wieder.

»Aber,« bemerkt der Autor, =Joh. Beaumont=, in seinem

historisch-psychologisch- und theologischen Traktat von Geistern,

Hexereien u. s. w. – »die Personen, welche diese Gabe besitzen, sind,

wie man angemerkt, mehrentheils =lasterhaft=.« – Ueberhaupt sind die

Doppelseher leichtgläubige, melancholische Menschen, oftmals Betrüger. –

Die =Pferde= und =Hunde= sollen auch die wandelnden Geister, Hexen und

Gespenster sehen und – riechen. –

=Beaumont= erzählt folgende zwei Geschichten von Doppelsehern:

Eine Person von großer Gelehrsamkeit und vornehmen Stande reis’te einst

mit vielen Dienern auf den Highlands oder Gebirgen. Einer von ihnen

ging etwas voraus, und indem er in ein Haus treten wollte, prallte er

mit einem Schrei und Lärmen plötzlich wieder zurück, daß er über einen

Stein fiel. Sein Herr fragte ihn, was es gäbe? Da entgegnete er mit

ernstem Gesicht: Man solle nicht in das Haus gehen, weil in kurzem

ein Todter herausgetragen werden würde, denn verschiedene Personen,

die solchen trugen, wären ihm in der Thür begegnet. – Der Herr lachte

über diese Geisterseherei und ging in das Haus, erkundigte sich aber

doch, ob eine kranke Person vielleicht im Hause wäre. Aber es war

keine da. Der Wirth war ein starker, gesunder Highländer. Aber nichts

destoweniger starb er am andern Tage am Schlagfluß, ehe der Reisende

das Haus verlassen hatte.

Die zweite Geschichte ist folgende:

Verschiedene Personen, die sich in einer gewissen Familie befanden,

erzählten dem Autor, daß sie bei ihres Herrn Tochter oft zwei

Mannspersonen zur linken Hand stehen gesehen hätten. Sie nannten die

Herren und zweifelten nicht, da diese gleichen Standes wären, die

Tochter werde einen davon zum Manne erhalten, und vielleicht den andern

nach des Ersten Tode. Endlich erschien noch ein Dritter, der der

Tochter am nächsten stand, aber die Seher kannten ihn nicht, ob sie

ihn schon genau beschreiben konnten. Nach einigen Monaten erschien der

Dritte in wirklicher Gestalt, wie er mit der Beschreibung der Seher

übereinstimmte. Er heirathete auch kurz darauf die Tochter, und beide

leben auf der Insel Skye (nämlich im 16. Jahrhundert).

=Der Poltergeist.=

Manches Gespenster-Blendwerk würde sich in der wahren Gestalt zeigen,

wenn ein unerschrockener Muth, dasselbe genau zu untersuchen, sich

demselben näherte.

In Ardivilliers in der Picardie, nicht weit von Breteuil, bemerkte man

ein oft wiederholtes Lärmen. Die Nacht hindurch schien es, als ob das

ganze Schloß in Feuer stünde, wobei sich ein schreckenvolles Geheul

hören ließ. Doch ereignete sich dieser ungewöhnliche Vorfall nur zu

bestimmten Zeiten im Jahre, nämlich gegen den Tag Aller-Heiligen.

Diese Beunruhigung erregte eine solche zaghafte Furcht, welche

verursachte, daß Niemand den Muth hatte, diesen Ort zu bewohnen, bis

auf den Pachter, der so glücklich war, von diesem Geiste nicht im

Geringsten beleidigt zu werden, dahingegen Fremde, die dreist genug

waren, daselbst zu schlafen, mit Schlägen so empfangen wurden, daß

man die Wirkungen davon lange Zeit auf der Haut sehen konnte. Dieses

Geisterspiel dauerte verschiedene Jahre, und that dem Besitzer, einem

Präsidenten, beträchtlichen Schaden, weil er dem Pachter sein Landgut

um einen sehr geringen Pacht überlassen mußte. Endlich bot er alle

seine Kräfte auf, mit Standhaftigkeit dieser Betrügerei, wofür er die

Sache mit vollem Rechte hielt, ein Ende zu machen. Daher reiste er um

diejenige Zeit auf sein Gut, wo sich der unruhige Geist geschäftig

zu beweisen pflegte. Er legte sich in seinem Schlosse zu Bette, und

gesellte neben sich noch zwei Edelleute von seinen Verwandten, die den

ernstlichen Vorsatz gefaßt hatten, beim ersten Lärm mit Pistolen auf

den Geist Feuer zu geben. Allein nur in einer Kammer, die über des

Präsidenten seiner befindlich war, erfolgte ein Getöse und Lärmen, das

dem Herumschleppen mit Ketten ähnlich war. Zu gleicher Zeit liefen die

Frau und die Kinder des Pachters zu dem Präsidenten und beunruhigten

ihn mit eifrigen Bitten, er möchte ja nicht in die obere Kammer gehen,

weil menschliche Stärke gegen Geister nichts vermöge. Ihre Erzählungen

und ihre Bitten bewog die Freunde des Präsidenten, ihn abzurathen, sich

nicht in Gefahr zu begeben, sondern die fernere Untersuchung ihnen

zu überlassen. Sie gingen auch Beide hinauf, mit der Pistole in der

einen und dem Lichte in der andern Hand. Anfangs sahen sie nichts, als

einen dicken Rauch, nebst einem hier und da aufblitzendem Feuer, bis

nach einiger Vertheilung des Rauchs der Geist in der Mitte sich in ganz

schwarzer Gestalt darstellte und allerhand Sprünge machte, doch aber,

wegen eines aufs Neue entstehenden Feuers und Dampfes, sich gar bald

den Augen der Zuschauer wieder entzog. Dies Ungeheuer, um den Schauer

der Anwesenden zu vergrößern, hatte Hörner auf dem Kopfe und einen

Abscheu erregenden Schweif, so daß auch der eine Edelmann zur Retirade

anrieth, weil hier nichts Natürliches vorhanden sei; der andere war

jedoch beherzter und erwiederte, der Rauch sei von Stückpulver, und

die große Unwissenheit und Ungeschicklichkeit des Geistes erhelle

schon daraus, daß er nicht einmal die Kühnheit und Macht habe, die

Lichter auszublasen. Zugleich rückte er auf das Gespenst zu, drückte

auch die Pistole, ohne zu fehlen, auf selbiges los, mußte aber dennoch

mit einiger Verwunderung wahrnehmen, daß der Schuß ohne Wirkung blieb

und das Gespenst vielmehr sich gegen ihn setzte, wodurch der Edelmann

beinahe aus seiner Fassung gekommen wäre. Doch ermannte er sich

und ging dem Gespenste näher auf den Leib, um durch den Sinn des

Gefühls mehreren Aufschluß in seiner Kenntniß zu erhalten, zumal, da

er bemerkte, daß der Geist seinem Annähern und Berühren auszuweichen

suchte. Da er nun zu nahe anrückte, sprang das Gespenst – hinaus und

eilte eine Wendeltreppe hinunter. Man kann leicht denken, daß diese

Flucht des Edelmannes Muth stärkte und ihm von dem zu hoffenden Siege

Gewißheit gab, daher er muthvoll seinem Feinde nachsetzte, und der

mannichfaltigen krummen Wege im Garten ungeachtet, die das Gespenst

durchlief, ihn nicht aus den Augen verlor, bis der Geist an einen

Maierhof kam, den er offen fand und darin seine Zuflucht suchte. Doch

stürzte er erst gegen die Mauer, wo der Edelmann selbigen zu erhaschen

glaubte, obschon vergebens; vielmehr sank das Gespenst verschwindend

nieder. Hierauf rufte der Edelmann Leute herbei, die an dem Orte, wo

das Gespenst verschwunden zu sein schien, nachgraben mußten, wo er dann

bald eine Thür zu einem verborgenen Gange gewahrte. Er stieg hinunter

und fand seinen Feind nebst guten Matratzen, die verursachten, daß man

nicht hart fallen konnte, wenn man übereilt hineinsprang. Nun jagte er

das Gespenst heraus und nöthigte es, mit der Wahrheit heraus zu gehen.

Und siehe, es war der Pachter, der durch eine derbe Ochsenhaut, die

gehörig auf seinen Leib paßte, Pistolenschüsse wirkungs- und kraftlos

machte. Er wurde hierauf mit der Bedingung entlassen, daß er seinem

Herrn allen verursachten Schaden ersetzen mußte.

* * * * *

Herr _Dr._ Jung tischt uns noch eine andere Geschichte eines

=Poltergeistes= auf, wobei er, wie in seinem ganzen Werke, als

=eifriger Vertheidiger= der Geister-Erscheinungen, Erklärungen giebt,

welche dem gesunden Menschenverstand das Grab bauen müssen.

Ich komme nun zu den Geister-Erscheinungen, sagt er, die das ernste

göttliche Gericht auf lange Zeit verurtheilt hat, den lebenden Menschen

zum warnenden Beispiel, auf der Grenze zwischen dieser und jener Welt

zu verweilen, bis ihr ewiges Schicksal entschieden ist (_sic!_).

Ein gewisser frommer und gebildeter Bürger und Handwerksmeister

in einer Stadt schrieb mir vor ein Paar Jahren eine merkwürdige

Geister-Erscheinung, die einem seiner Freunde begegnet, aber mit der

es noch nicht ganz im Klaren ist, weswegen ich sie auch hier nicht ganz

erzählen mag. –

Bei dieser Gelegenheit erwähnte er in seinem Brief einer Geschichte,

die er selbst erlebt hat; ich bat ihn, mir diese ausführlich

mitzutheilen; hier folgt sie mit seinen eigenen Worten:

Ich kam den 24. Februar 1800 zu meinem lieben unvergeßlichen Meister

*** in *** in Arbeit, allwo ich zwei Jahre und sechs Wochen zubrachte,

ehe ich mich in die Schweiz, und zwar nach Basel in Arbeit begab. Da

ich nun von Jugend auf nichts von Gespenstern (außer einigen schwachen

Spuren) gesehen hatte, so war ich Tag und Nacht nicht furchtsam,

sondern jederzeit und auch da (in jenem ersten Ort) unerschrocken. Da

geschah es nun öfters spät in der Nacht, daß ich in meiner Schlafkammer

etwas zu thun oder zu holen hatte, welches ich auch jedesmal im

Finstern, für mich und meine Nebengesellen, gern verrichtete, und ich

kann wohl sagen, daß ich damals nie etwas gesehen, doch aber schon

gehört hatte; das schrieb ich denn, weil ich von nichts wußte und

von nichts wissen wollte, und wenn mir’s noch so verdächtig schien,

den Katzen, Ratten oder Mäusen zu; und so mögen ungefähr fünf Wochen

verflossen gewesen sein, als ich des Nachts ebenfalls einmal, ohne ein

Licht mitgenommen zu haben, von meiner Schlafkammer wieder herunter in

die Stube kam, daß unsere damalige Magd D.... von St.... zu lächeln

anfing, und dabei sagte: der L.... fürchtet sich doch nicht; geht doch

einmal kecklich auf die Bühne hinauf; aber ich steh’ dafür, es wird ihm

anders kommen, wenn ihm einmal unser Sackträger begegnet, oder sich

recht hören läßt. Ich stutzte über diese Rede, doch sagte ich weiter

nichts; übrigens ging mir doch ein großes Licht über die Furcht auf,

die man für den Hinaufgehen auf den Boden hatte: weil dies nämlich

niemand einzeln, geschweige ohne Licht, außer mir, wagte. Daher merkte

ich bald, daß man da ein Gespenst ahnen müsse.

Nun war aber meine Spannung, =so etwas= auch zu sehen, oder von der

Art, gründlich zu hören, so angefeuert, daß ich des Nachts immer

lauerte, bis ich gewissen Grund in der Sache erfahren hatte. Nun waren

die Osterfeiertage vor der Thür, und ich schloß schon im Voraus,

daß sich in denselben etwas zeigen könnte, und wirklich geschah es

auch; denn als ich einmal mit meinen Nebengesellen des Nachts in die

Schlafkammer ging, so fing es über derselben, also auf dem vierten

Boden (denn unsere Kammer war drei, und dieser Boden vier Treppen

hoch), also an dem Ort, wo gewöhnlich von jeher die meisten Unruhen

gespürt worden waren, ganz subtil, von hinten her, an zu schlürfen,

gerade so, als wenn einer ganz matt und mühsam in alten Pantoffeln

einherschleicht, und in der Finsterniß gewisse Tritte sucht. Während

diesem waren alle drei Gesellen im Bett, und mein Schlafkammerad

schlüpfte indessen so unter die Decke hinunter, daß nichts von ihm

bemerkt werden konnte, ich aber behorchte die Sache genau und athmete

kaum hörbar. Da sich nun das Geschlürfe von hinten her bis über

unsere Bettstellen gezogen hatte, so that es auf einmal einen so

fürchterlichen Fall, daß die Fenster und unsere Bettstellen zitterten.

Es war just ein Fall, als wenn einer, von der Last gedrückt, einen

schweren Sack auf diesen freien Boden hätte fallen lassen. Ich muß

gestehen, daß ich noch nie einen solchen schauerlich dumpfen Fall

gehört habe; unterdessen dauerte das Schlürfen noch eine Zeit lang

fort, ehe es ganz ruhig wurde; jetzt stieß mich mein Nebengeselle, der

unter der Decke steckte, an, und sagte ganz leise: Du wirst verstehen,

warum wir Dir von einem Sackträger sagten. Ja, antwortete ich laut, den

will ich aber auch sehen, ehe ich nur so glaube. – Er versetzte: Pscht!

sei doch still, Du machst uns alle noch unglücklich! Ich lachte, und

war gerade im Begriff, aus dem Bette und hinauf zu steigen, aber er

hielt mich und bat um alles willen, doch stille zu sein und bei ihm zu

bleiben. Dies that ich ungern, doch nahm ich mir vor, es zu thun, wenn

alle schlafen würden, und er sich wieder hören ließ. Endlich schliefen

wir ein.

Des andern Morgens erzählten wir unserm Meister, was sich die Nacht

zugetragen und was ich mir vorgenommen gehabt hätte. Dieser hörte es

ohne Verwunderung an, und sagte mit einem besondern Nachdruck, der

ihm ganz eigen war: Die Unruhen, die Ihr diese Nacht hörtet, sind

in unserm Hause nichts Neues, und waren einst die Ursache, daß es

mein Großvater kaufen konnte. Er war aus M... in H... und auf der

Wanderschaft hieher gekommen, wo er dann einige Jahre zubrachte, ehe

er sich entschloß, hier zu heirathen. Dieses Haus stand leer, und der

damalige Eigenthümer, ein wohlhabender Mann, war deswegen ausgezogen,

und gesonnen, es dem nächsten Besten zu verkaufen. Mein Großvater,

ein religiöser und unerschrockener Mann, benutzte diesen Umstand und

ging hin, es zu kaufen. Jener gab ihm sogleich die Schlüssel, daß

er es selbst besehen konnte; aber er selbst ging nicht mit, sondern

überließ es ihm sogleich käuflich um einen sehr geringen Preis und

erzählte ihm, warum das Haus so ins Unglück gekommen und was ihm von

den Vorfahren her gesagt worden sei, nämlich: es sei vor dreihundert

Jahren ein Kapuzinerkloster gewesen, von denen einer noch diese Stunde

im Hause umherschwebe und des Nachts, besonders auf jenem Boden, die

Menschen beunruhige. Die Ursache, warum? habe bisher Niemand erfahren

können; aber die Kennzeichen eines ehemaligen Klosters könne er in dem

Hause selbst, so wie auch an den daran gebauten, wahrnehmen, z. B.

Klostergemälde, Altäre, Kreuzgänge, ehemalige Zellthüren; und wenn er

hinter dem Ofen in der mittlern Wohnstube nachsehe, so würde er die

Jahrzahl 1550 sehen. Da muß aus einer Zelle erst diese Stube gemacht

worden sein. (Dies alles ist auch noch so, sagte mein Meister, wie Ihr

selbst seht.) Aber alle diese Kennzeichen hinderten meinen Großvater

nicht; er zog ein und wohnte darin. Nun hörten wir zwar von ihm, daß

sich von Zeit zu Zeit ein Gepolter und ein solcher Fall im Hause habe

hören lassen, aber so öfters und so heftig sei es damals nicht gewesen,

auch habe er und die Seinigen nie etwas zu Gesicht bekommen, und schon

damals war dem Unruhmacher der Name =Sackträger= gegeben worden. Unter

diesen Umständen starb mein guter Großvater, und mein seliger Vater

bekam das Haus. Jetzt wurde die Unruhe etwas lauter.

Um diese Zeit bekam ein Bäcker, Namens ***, das untere Stock zur

Wohnung. Da dieser nun einstmals des Morgens vor Tage an seinem Ofen

stand und gerade sein Brod eingesetzt hatte, hörte er endlich das

schmale Gänglein herauf, das von der großen steinernen Kellertreppe in

den Hausgang, wo der Backofen ist, führt, ein leises Schlürfen, das ihm

die nahe Ankunft eines lebenden Wesens verkündete und auch wirklich

nach einer langen Pause einen langbärtigen, ältlichen, mit einer Kutte

und einer ziemlich schwarzen Schlafmütze gekleideten Kapuziner gegen

ihn herauf kommen sah. Er aber, statt stehen zu bleiben und etwa sein

Begehren anzuhören, erschrak so sehr, daß er in seine Stube hineinfloh,

alles verschloß und verriegelte, sein Brod im Ofen stecken und, weil

er vor hellem Tage nicht heraus ging, alles darinnen verbrennen ließ.

Dies war das erste Gesicht von ihm im Hause. Hernach hat ihn in eben

dieser Gestalt auch unser, auf diesem Boden wohnender Hausherr, der

Weber gesehen, gerade als er die Steige des dritten Bodens auf den

vierten hinaufschlich. Auch liegen des Webers Gesellen, die neben Eurer

Schlafkammer lagen, um der öftern nächtlichen Beunruhigungen willen,

nicht mehr droben, sondern sie schlafen lieber in ihrer auch noch so

ungesunden Werkstätte. Und jene Kammer steht auch leer bis diesen Tag.

Dieses ist es, sagte mein guter Meister, was ich von diesem Umstand

zu reden weiß. Das war mir aber einstweilen schon genug, ich kannte

ihn, daß er mit der Stange im Nebel zu fahren nicht gewohnt war,

sondern wenn die Sache nicht bestätigt gewesen wäre, lieber nichts

daraus gemacht hätte. Ich sagte daher: diesen Kapuziner möchte ich nun

auch sehen. – Ja, sagten Alle, sei Er nur nicht frech, wir wollen Ihm

gewarnt haben. Indessen konnte ich doch fast nicht erwarten, bis ich

wieder Gelegenheit hatte, die Sache mit anzuhören, allein es geschah

nicht alle Nacht, sondern sehr unbestimmt.

Endlich aber wurde gegen Johanni hin meines lieben Meisters seliger

Bruder, ein Zeugmacher, der unter unserer Schlafstelle wohnte, krank,

und je mehr seine Krankheit stieg, desto heftiger ließ sich der

Geist oben auf der Bühne hören, so daß ich über dem Anhören dieser

übernatürlichen Bewegungen, Tönen und Fallen manche Stunde schlaflos

zubrachte[28]. Dies sagten wir dann unserm Meister, dem ging es diesmal

mehr zu Herzen, weil er die Ursache nicht reimen konnte, besonders

aber, als vollends mein Nebengesell, der Schaden an seiner Gesundheit

angab, gehen wollte. Ich flößte diesem Muth ein, so viel ich konnte,

und er blieb dann auch wirklich bis folgende Weihnachten. Aber die

Krankheit des lieben seligen *** stieg, und er nahete sich, im Glauben

an Jesum dem Gekreuzigten, seinem seligen Ende und ging ein zu seines

Herrn Freude. Ich war bei seinem Heimgang, und die Eindrücke sind und

bleiben mir unvergeßlich; ich half seine Hülle tragen in die dritte

Kammer von der Stube abwärts, wo sie lag bis an den dritten Tag, ehe

dieses Saamenkörnlein auf Hoffnung unsern Augen entzogen wurde. Des

Abends, da ich vorher manche Nacht gewacht hatte, ging ich mit meinem

Nebengesellen zu Bette; aber was geschah? Jetzt ließ sich der Geist

auf eine solche Art hören, daß es mich noch schaudert, wenn ich daran

denke; denn kaum hatten wir uns niedergelegt, so fing es wieder an,

von hinten schwer und langsam vorwärts zu schleichen. Meine zwei

Nebengesellen verkrochen sich abermals unter die Decke, allein diesmal

nützte es nichts, denn diesen Vorgang hörten alle, weil es gleich

darauf einen solchen schrecklich schauerlichen Fall that, daß wieder

alles zusammen zitterte. Ich behorchte es genau, und hörte, daß es nun

eine Pause todtstill war, aber nun schauderte mich’s, als sich nach

derselben ein Mark und Bein durchdringender hohler Seufzer hören ließ;

diesen zu beschreiben, wäre vergeblich: denn ich darf behaupten, daß

kein Mensch und keine Kreatur einen solchen kläglichen, trauer- und

schauerlichen Ton von sich geben kann; und als dieses geschehen, war

es, wie wenn ein schwer Gefallener sich wieder allmälig aufzuraffen

suchte und doch nie zum Gehen kommen kann, sondern im Begriff des

Aufstehens wieder unter der Last zusammenbricht und eine Pause wieder

ohnmächtig da liegt. Denn nun fing es an sich aufzusteupern und dann

wieder auszuglitschen, und darunter hinein die fürchterlichsten Seufzer

hören zu lassen. Kurz, diese Scene war fast nicht anzuhören, und das

Nämliche ließ sich auch in der zweiten Nacht hören.

[28] Der Erzähler vergißt, daß er bei der nächsten Gelegenheit auf dem

Boden gehen wollte. d. H.

Glauben Sie ja nicht, daß dieses von boshaften Menschen hätte geschehen

können, denn, wie gesagt, Keiner wär’ es im Stande gewesen, und aus dem

Hause wäre um alles in der Welt Niemand auf den Boden gegangen, und

von außen konnte Keiner herein. Nach der Beerdigung des seligen Mannes

sagten wir unserm Meister nun, was sich in den verflossenen Nächten

ereignet habe. Diesem ging der Schmerz bis an die Seele; er erzählte

die Geschichte dem seligen Herrn Consistorialrath *** und dann auch

dem Herrn Hofkaplan ***, besonders aber bezog er sich auf die letzten

Unruhen. Allein diese ließen sich auf die Sache nur in so weit ein,

daß sie den Schluß machten: es scheine, daß, da sein seliger Bruder so

selig in jene Wohnungen übergegangen, es diesem noch unseligen Geiste

sehr schmerzen müsse, daß er auf diese Weise noch hier schweben solle,

das scheine sein Seufzen und Stöhnen und die außerordentliche Unruhe

über den Heimgang seines seligen Bruders zu beweisen. Allein, daß er

sich nicht sowohl sehen als hören lasse, daraus sei zu schließen, daß

seine Erlösung noch ferne sein müsse. Diese Aeußerungen waren meinem

lieben Meister theils erfreulich, theils betrübend, weil er auf diese

Art so bald keinen Ausgang hoffen durfte.

Nach selbiger Zeit war ich aber sehr beschäftigt, ihn zu bereden,

des Nachts in der Stille auf diesem Boden zu wachen, ob sich der

Geist nicht etwa sehen lasse. Dies wurde endlich bewerkstelligt. Er,

gedachter Weber, und ich saßen da bis Mitternacht, Keiner athmete

laut; aber so stille wir saßen, so war es doch noch stiller auf dem

Boden, und ich glaube, wenn wir noch säßen, so würde es auch noch so

sein. Auch wurde beschlossen, gemeinschaftlich, nämlich, mein lieber

Meister, mein furchtsamer, aber gottesfürchtiger Nebengesell, und ich,

daselbst des Abends zu beten, um auch in dieser Sache die Hilfe Gottes

zu erflehen. Das hatte nun den Erfolg, daß, obschon wir nie etwas

sahen, doch nachher die Unruhen etwas schwächer wurden. Uebrigens einen

Umstand muß ich über obiges Wachen noch bemerken: nämlich, damals hatte

meine Spannung und Erwartung, besonders gegen Mitternacht, den höchsten

Grad erreicht, und ich war ordentlich unwillig, daß sie vergebens war;

aber noch stutziger wurde ich, als ich nach Ein Uhr wieder herunter

kam, und das alte Gepolter wieder hörte. Nun muß ich aber sagen, so

sehr ich nun von allen Seiten überzeugt war, daß ein abgeschiedener

Geist die Ursache dieser Bewegung sei, so sehr wurde ich auch durch

öfteres Wachen und Hinaufgehen unerschrockener; und nun faßte ich immer

mehr den Vorsatz, ihn ein Mal ganz einsam zu sehen und zu belauschen.

Ein Mal in der Nacht, als wir gerade am Auskleiden waren, sagte und

seufze einer die Worte. Ach, wenn nur die Nacht wieder vorüber wäre.

– Ich sagte kaltblütig: Ha, wenn ich da bin, so muckt er sich nicht;

und kaum hatte ich ausgeredet, als es wieder drei fürchterliche Fälle

that und noch lange die übrigen Unruhen fortsetzte. Mein Nebengesell

sagte: Hör’ L... Du bringst uns alle noch ins größte Unglück, ich

bitte Dich, sei doch still; dies that ich auch, denn ich fühlte, daß

ich zu jung gehandelt hatte. Ein ander Mal, als ich nach Mitternacht

von dem Gepolter erwachte, hörte ich den Unruhen, dem Seufzen u. s. w.

aufmerksam zu, und endlich wurde es stiller; aber jetzt schien es, als

ob sich das Geschlärpel allmälig meiner Kammerthür näherte, und ich

hörte auch wirklich, daß das Schloß an derselben beunruhigt wurde; ich

stieg daher, ganz in der Hoffnung, ihn zu Gesicht zu bekommen, leise

aus dem Bett, und lief der Thür zu, machte schnell auf, und schaute

mit großer Geschwindigkeit hinaus und den Gang hinum, aber ich sahe

und hörte nichts, und als ich wieder in der Kammer war, so ging der

Lärm auf dem obern Boden wieder an. Nun merkte ich, daß alles um mich

her schlief, und es deuchte mir geschickte Zeit, mein langes Vorhaben

auszuführen; es war 2½ Uhr. Indessen dauerten die übernatürlichen

dumpfen Fälle und Bewegungen immer fort; ich zog mich nun ein wenig in

der größten Stille an, und überlegte während dem Anhören der Unruhen,

was ich, im Fall er mir zu Gesicht käme, ihn fragen und mit ihm reden

wollte. So studirt ging ich wieder der Thür zu und den finstern Gang,

der an die obere Stiege führt, hindurch, und diese schlüpfte ich so

still hinauf, daß mich auch kein Mäuslein hätte hören sollen; aber

während ich so bestieg, hörte ich vom Boden her noch immer die dumpfen

Fälle und das Gepolter. Ich hoffte also ganz sicher, diesmal werde

mir’s nicht fehlen. Als ich nun die drei letzten Staffeln vor mir

fühlte, setzte ich, indem ich mich bückte, meinen einen Fuß über alle

drei, damit war ich nun mit einem Sprung auf dem Boden, mein Gesicht

gegen den Ort, wo die Unruhen vorgingen, gewendet. – Da stand ich nun;

– aber, Gott! wie schauerlich! – wie stille! – nie war es stiller um

mich her. Ich schaute schnell umher, und bemerkte in der linken Ecke

des Bodens, daß sich hinter das Kamin ein grauer Schatten von ungefähr

4½ Schuh lang in Reben-Büschel verlor. Ich lief sogleich hin und riß

alle übereinander, aber vergebens, ich sah und hörte nichts; nun stand

ich noch ein wenig da, aber ich muß sagen, jetzt war mir schauerlich;

ich fühlte, daß es hier geistig herging; mein Studium war vergebens;

auch hatte ich mich zur Vorsorge bewaffnet, aber auch dieses hätte ich

können in der Schlafkammer lassen. – Und so könnte ich Ihnen mehrere,

aber auf einen Zweck hinauslaufende, Erfahrungen in diesem Hause

mittheilen. – Ich habe mich seit der Zeit nach dem Fortgang der Sache

erkundigt, höre auch, daß sie noch in ihrem _Esse_ ist, doch sich

nicht so heftig hören lasse, als im Anfang dieses _Seculi_, und bei dem

Heimgange gedachten seligen Mannes u. s. w.

Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens · 第 10 / 21 题