2) Des schwarzen Cyprian _Miracul-_ oder Wunderbuch von 1500.

3) _Raziel_, das alte Buch von der heiligen göttlichen =Magie= unserm

Vater =Adam=, nachdem er aus dem Paradiese gestoßen; von den Engeln

selbst offenbaret.

4) Wahre Abschrift aus dem Original-Gebet des heiligen =Christophori=,

approbirt von dem bekannten =Raphael Meyer= aus der Gesellschaft

Jesu.

5) _Citationes_ der sieben Großfürsten aus dem VI. und VII. Buche

_Mosis Bibliae Magicae_.

6) _Zoroaster_ des _Rabbi_ und Juden _Clavis Artis_. Das Original ist

von dem Autore auf eine Drachenhaut geschrieben _Anno Mundi_ 1996.

Hernach aber aus dem Arabischen ins Deutsche übersetzt worden.

_Anno Christi_ 1236 durch _S. V. R. et A. G._

7) Meines (_Dr. Faust_) _Miracul-_ und Kunst-Buches, genannt der

=Dreifache Höllen-Zwang=. Womit ich die Geister bezwungen, daß mir

gebracht, was ich begehrt, es sei ☉ oder Silber, große oder kleine

Schätze, Springwurzel und dergleichen mehr, das habe ich alles mit

diesem Buche zuwege gebracht, auch die Geister wieder lossprechen

können. MCCCCLXXXIII. – Das Bild, welches voran gemalt stand, haben

wir zum Titelkupfer gewählt.

8) _Praxis Cabala Alba et Nigra Joh. Fausti Magi Celeberrimi Leon_

1689.

Das VI. und VII. Buch Mosis nennt die sieben Großfürsten der Hölle also:

_Aziel_, der Schutzgeist der Erde und des Meeres.

_Ariel_ hat unter sich die Schätze zu Wasser und zu Land.

_Marbuel_ hat unter sich die versetzten Schätze und hilft zu allen

geheimen Wissenschaften.

_Mephistophilus_ dient in Allem schnell zu Wasser und zu Land, und

übergiebt die Pygmäen und _Spiritus familiares_.

_Barbuel_, der Fürst aller Weisheit und Schätze, Großmeister zu Wasser

und zu Land.

_Aziabel_, Fürst der Berg- und Wassergeister und deren Schätze.

_Aniquel_, Fürst der Welt.

Diese Höllenfürsten werden nun jeder mit einer andern Formel citirt.

Wir wollen, der Curiosität wegen, den Hauptfürsten _Mephistophilus_,

welchen auch _Dr._ Faust gerufen hatte, hier einen Platz gönnen.

Zu dieser Beschwörung gehört zuerst der =Gürtel Salomons=, welcher 4

Schuh lang und 4 Zoll breit, auf Jungfrau-Pergament mit ungefärbter

Seide genäht sein muß (Fig. 13.), dann ein =Zauberstab= von

Myrrhenholz, 4 Schuh lang (Fig. 14.), und =magische Kerzen= von wildem

Bienenwachs.

Mit diesen Attributen, in einem weißen Oberkleide ohne Knöpfe, tritt

man in den Kreis und spricht folgenden Unsinn:

_O Jehova † scheft vort † Eloiam sabath † vodescha † o Geist

Mephistophilus † camvasta † mihi alla Gaista † bodeschka milla † o

esta sal Luna † o Geist Mephistophilus Deuschka † Voiberda † mera

Saturnis † beca samo † beacca † ima † infoiecte † præstant † o Elohim

† in Jehova † capes adasch † nichast † Adonai † iyii † inforna præca

† Aglam † mihi jam aneschia † Fevora mihi † amo celo † Patriarch †

& Propheta † & Evangelista † o Mephistophilus † mia hasti † paodi †

Jesus † o Caste mihy † layamm chasta Fivastis casta aliamasta Jesus

† Kischaco † Festa † Alamame † infarculem moaste fia pro amo infoas,

mihi pro me fede † Jehova † Amia † Jeovis † Amia Adonai † Amia Agla

† Amia Adonaischcolam † Amia agimy colam † o Elui † o Acilam † o

Immanuel † o Kirie † o Kirias eleyson, Amen._

Auf diese Beschwörung erscheint der Höllenfürst zuerst in der Gestalt,

wie die Figur 15. angiebt. – Seine Abdankungsformel lautet:

_O Mephistophilus † De gratias † Jesus † bene † benedictam † portam †

o Mephistophilus † qua † suam † Diabolam † horas † sis Jesus † Amen._

Der Geisterfürst _Marbuel_ erscheint, wenn er gerufen wird, in der

Gestalt, wie die Figur 16. anzeigt.

Der Sage nach wird manchen Lesern _Dr._ Faust’s =Mantelfahrt= bekannt

sein; wer sich nun das Vergnügen machen will, eine solche Luftreise zu

versuchen, der lese, wie Faust es gemacht hat. Wir lassen ihn daher

selbst reden:

»Nimm einen rothen Mantel, lege ihn auf die Erde in die Runde, und auf

den Mantel lege das Zeichen (Fig. 17.). In die Hand wird ein anderes

Zeichen (Fig. 18.) genommen. Alsdann gehe rücklings auf den Mantel, daß

Du _NB._ ja gleich auf das Zeichen zu stehen kommst; stehe stille und

tritt _NB._ mit den Füßen ja nicht fort, sonst bist Du unglücklich.

Wenn Du nun recht stehest, so fange folgende Citation an, und melde

darin den Ort, wo Du hin willst. So Du aus der Stube fahren willst,

_NB._ so mache ja die Fenster auf, sonst bist Du verloren, denn der

Geist führt Dich nicht hinaus, sondern gehet durch die Mauer und wärest

unglücklich. Merke aber, daß Du das Siegel in der Hand behältst.

=Citation.=

Ich rufe Dich Geist _Aziel Memomac_, und fahre mit mir nach _N_, und

richte mit mir aus, was ich haben will.

_NB._ Das sage drei Mal. Alsdann sage ferner:

O Du erhöre mich † _Jehova Ascher Kadosch pecol Kedoschim_, daß ich

fahre, durch den Geist _Aziel_ an Ort und Stelle gebracht werde.

Nun wird sich der Mantel erheben, und Du wirst gebracht werden, wohin

Du willst.«

Der Höllenfürst, welcher den Mantelfahrer durch die Lüfte führt, hat

die Gestalt, wie die Fig. 19. zeigt.

=Von Schatzgräberei.=

Es ist wohl beinahe kein Ort zu finden, wo man nicht von vergrabenen

Schätzen zu reden weiß. Denn wo des Nachts ein Licht brennt oder

leuchtet (d. i. ein Irrlicht, ein leuchtender Wurm, oder ein faules

Holz, welches leuchtet), da muß, nach der Meinung der Schwachen, auch

ein Schatz liegen. – Die Schätze bestehen gemeiniglich in Gold, Silber

und Edelsteinen, und es mögen viele Menschen in Kriegszeiten ihr

Vermögen vergraben haben und sind, ohne Jemanden etwas davon zu sagen,

gestorben. Aber was von Braupfannen, Kesseln und eisernen Kasten voll

Geld gefabelt wird, wer wollte so viel vergraben haben, und zwar ohne

Beihülfe anderer Leute?

Das sogenannte =Schatzlicht= ist besonders am Johannistage zu sehen,

und so wie man es erblickt, soll man einen Erbschlüssel, oder einen

Kreuz-Dreier auf den Schatz werfen, damit er nicht verschwinde, oder

entweichen kann. Oder man sucht den Schatz durch die Wünschelruthe.

Andere haben wieder eine andere Procedur: Man nimmt eine große Kerze

von Menschenfett, und setzet sie in ein Stück Haselholz; wenn nun dies

Licht an einem Ort unter der Erde angezündet wird, daß es oftmals

kracht und einen hellen Schein von sich giebt, so ist es ein Zeichen,

daß ein Schatz dasteht. – Ist nun der Ort des Schatzes ungefähr

gefunden, so müssen die Geister citirt werden, welche den Schatz

anweisen und überliefern. Der Schatzsucher muß auch ein neues Hemd von

ungewaschener Leinwand, von einer reinen Jungfrau verfertigt, angezogen

haben; ein Todtenkopf muß auch dabei sein, der Daumen von einem

Gehenkten und – was des tollen Zeugs mehr ist.

Oft wird aber auch der ganze Schatz in Kohlen und Hobelspäne

verwandelt, und der Herr Schatzgräber hat dann eine gute

Entschuldigung, sich aus der Schlinge zu ziehen. (S. Abth. III.

Schatzgräberei.)

Die Schatzgräber haben aber auch dafür ein Mittel: Man nehme Weihrauch

und Myrrhen, beräuchere das Verwandelte damit, und spreche die Formel:

Jesus Christus, gestern und heut, vertreibe den Geist vom Geld, in

Ewigkeit, Amen.

Hierauf muß folgende Beschwörung drei Mal gesprochen werden:

_O Jehova Amasalm hischacolam Jesus Maaschii Christe Nazarenus Rex,

Elohim Judaeorum, Adas Kipis, Jesus hocordam, Schacor, Diabolam,

Christe benedictam._

Dann taufe man das Geld mit Taufwasser.

So Du einen Schatz heben willst, sagt _Dr._ Faust, und dazu kommst, so

schreibe diese Worte darauf, es sei nun ein Kessel, oder etwas anderes,

so kann es nicht verrücken:

_Domini Seussa Kaatu._

Oder steht das Geschirr weit außen, daß Du besser dazu kommen kannst,

so schreibe diese Worte darauf:

_Saat Saato da

Knuss Tetragrammaton

Agla Elyla Elylam

Mazakat Hane._

Damit die Geister den besetzten Schatz verlassen müssen, muß man die

Figur 20 haben. Sie wird bereitet an einem ♃ in den ♃ X, auf ♄ welches

dünn geschlagen und lege es neun Tage lang an einen Ort, wo ein Schatz

verborgen liegt, so werden die Geister alsobald davon weichen müssen,

und Du kannst ihn ohne alle Gefahr herausnehmen.

So Du gewiß einen Platz weißt, wo ein Schatz liegt, so gehe dahin

im Vollmond, nimm drei Hände voll Erde im Namen der heiligen

Dreifaltigkeit, im Namen Gottes d. V. eine Hand voll, im Namen des

S. und eine im Namen des heil. G. Thue es in ein Kelchtuch, mit

welchem der Communion-Kelch getrocknet worden, verwahre es in einem

saubern Zimmer bis auf den Neumond; wenn nun der Neumond selben ☌ ist

eingetreten, mache den Kreis mit Deiner rechten Fußspitze und sprich:

Schatz vergraben nebst allem Gut, ich bitte Dich durch Christi Blut,

daß Du mußt stille stehen und nicht wieder gehen, weder in die Tiefe

noch auf eine Seiten, die Dreieinigkeit Gottes wird meinen Wunsch

begleiten † † †.

Hierauf werden mit dem Stabe noch neun Kreise um sich gezogen. In den

Kreis stelle man einen Tisch, auf denselben die Lichter und drei

Kessel im Dreieck, worunter drei Knöpfe kommen, um hohl zu liegen,

darunter kommen die drei Häuflein Erde, hernach das Evangelium St.

Johannes, welches auf ein Pergament geschrieben sein muß.

Es müssen aber nur drei Personen, im Namen der heil. Dreieinigkeit und

ein jeder mit dem Bildniß des heil. Erzengels Michael angethan sein,

in den Kreis treten; von Einem nur muß die Beschwörung geschehen. Die

übrigen zwei Personen beten den Psalm _de profundis_; übrigens sollen

auch diejenigen keine großen Sünden auf sich haben. Derjenige, welcher

den Geist beschwört, muß die Summa des Geldes, ob es ☾ oder ☉ sein

soll, auch den Schlag und Münze, ob es dem Wasser oder der Erde sein

soll, begehren. Es muß derselbe mit einer Reliquie gefaßten Kreuz

versehen sein, und so oft in einer Beschwörung ein † aufgezeichnet ist,

über ihn und seine Gesellen das † machen. Das allerbeste Particul ist

des heil. Ignatii der Societät Jesu, oder von Innocens XI. – so ist man

von allem Schrecken befreit.

Fängt man an zu graben, so muß an den Stiel der Schaufel folgendes mit

Blut von einer schwarzen Katze geschrieben werden:

_† Seglane † Sextex Jahix leomanx._

Ist der Schatz gefunden, so muß man ihn vier Wochen ruhen lassen, ohne

ihn zu besehen. Dann nehme man drei Griffe Geld heraus, den einen giebt

man dem ersten Bettler, den zweiten der Kirche und den dritten dem

Armenhause, und theile alsdann den Schatz friedsam unter sich. –

Unsere Erklärung über die ganze Schatzgräberei s. Abth. III. Entdeckung

der Geisterbeschwörer zu Anfang des 19. Jahrhunderts.

Zweite Abtheilung.

=Vom Aberglauben.=

Wer leicht glaubt, wird leicht betrogen!

Wir könnten Bände füllen, um alle die Albernheiten aufzuzählen, welche

die Abergläubischen in =allen Lebensverhältnissen= anwenden: bei

Hochzeiten, Kindtaufen, Begräbnissen, im Hauswesen, in der Oekonomie,

bei Naturerscheinungen u. s. w. Wir begnügen uns mit dem allgemein

Bekannten und werden schon daran genug haben.

=Wer im Frühling den Gukkuk zum Erstenmale schreien hört, der soll

diesen Vogel fragen: Gukkuk, Beckenknecht, sag’ mir recht, wie viel

Jahre ich leben soll?=

So viel Mal nun dieser Vogel schreit, so viel Jahre soll einer leben. –

Welche Narrheit! Wer nun alle Jahre jenes fragt, der wird den Gukkuk 5,

10 bis 15 Mal hören, jedes Jahr mehr oder weniger.

Der Name Beckenknecht oder Bäckerknecht soll aus folgendem Märchen

entstanden sein:

Ein Bäckergeselle hätte in theurer Zeit den armen Leuten von ihrem

Brodteig gestohlen, und wenn er vom Teig ein Stück abgezupft und ihn

wieder in den Backofen geschoben, gesagt: Gukkuk! Worauf ihn Gott

bestraft und in diesen Vogel verwandelt hätte.

=Es ist nicht gut, wenn man über das Kehrig geht.=

Das ist wahr, denn man tritt es mit den Füßen an und bringt es auf

reine Stellen; und überhaupt, wo Kehrig liegen bleibt, daß man darüber

gehen muß, zeigt keine gute Hausfrau an. Allein die abergläubischen

Weiber meinen: man habe kein Glück.

=Es ist nicht gut, wenn man mit Fingern nach dem Himmel weißt.=

Der Abergläubische meint, die Augen der Engel im Himmel würden mit den

Fingern verletzt. – Es ist schon unschicklich, auf Jemand mit Fingern

zu deuten, und deshalb wird es den Kindern verboten. – _Rungius_, im

ersten Stück seiner morgenländischen Fragmente für die Bibel 1783, S.

54, erzählt: Zwei Kaufleute in Persien hatten sich einst, um den König

Sefi zu sehen, an die Straße gestellt, wo er vorbei mußte. Als er sich

ihnen mit seiner Begleitung näherte, bat der eine seinen Freund, ihm

den König zu zeigen, weil er ihn noch nicht kannte. Dieser, der ihn

oft gesehen hatte, zeigte ihm denselben mit Fingern, damit er ihn von

andern Herren unterscheiden möchte. Kaum aber hatte er dieses gethan,

so kamen einige Reiter, von welchen einer ihm die Hand abhieb.

=Es ist nicht gut, wenn man einen leeren Rost oder einen Dreifuß auf

dem Feuer stehen läßt.=

Das ist wahr! Besser ist es, einen Kessel voll Karpfen darauf stehen zu

haben. Allein die Weiber sagen: wenn der Rost frei auf dem Feuer stehen

bliebe, würde diejenige, welche es gethan, runzlicht und alt. Es ist

also kein Wunder, daß diese guten Weiber den Dreifuß schnell umstürzen,

wenn sie die Speisen davon genommen haben. Ein alter Dichter aber sagt:

Nicht der Dreifuß, noch der Rost,

Sondern eine =magre Kost=,

Vieles Schminken, Cordoisiren,

Und mit Salben sich beschmieren,

Diese und dergleichen Sachen

Sind es, die die Runzeln machen.

=Kröpfe oder dicke Hälse in einen Baum zu pflanzen.=

Man erbitte sich von einem Freunde Morgens, am Fastnachtstage, ein

Stückchen rohes Fleisch, nehme dieses in den Mund, gehe zu einem jungen

Weidenbaume, bohre ein Loch in den Stamm, lege das Fleisch mit der

Zunge in das Loch, mache es wieder mit der Schale zu, und gehe davon.

Man darf aber nicht wieder dahin kommen. Das Fleisch verwächst und der

Kropf bleibt am Halse. _Probatum est!_

=Wenn ein Dienstmädchen wissen will, ob sie lange bei ihrer

Herrschaft in Dienst bleiben oder bald abziehen werde, soll sie am

Weihnachts-heiligen-Abend den Schuh werfen.=

Das Schuhwerfen geschieht also: Das Mädchen setzt sich in der

Christnacht in die Stube auf die Erde, den Rücken nach der Thür

zugekehrt, und schleudert nun den Schuh vom Fuße über den Kopf weg.

Hierauf giebt sie Acht, wie der Schuh liegt: ist die Spitze desselben

nach der Thür zugekehrt, so ist es ein Zeichen, daß sie bald von ihrer

Herrschaft abziehen werde; liegt aber der Schuh mit dem Absatze nach

der Thür zu, so bleibt sie. – Dieser Glaube nun verursacht, daß es

wahr wird. Glaubt sie bald abzuziehen, so wird sie auch ihre Arbeit

vernachlässigen und die Herrschaft sie fortschicken. Glaubt sie, daß

sie bleiben werde, so wird sie sich beliebt zu machen suchen, und die

Herrschaft, mit ihr zufrieden, miethet sie aufs Neue.

=Wenn die Gevattern mit dem Kinde zur Taufe gehen und über ein Wasser

kommen, sollen sie Brod ins Wasser werfen.=

Dadurch soll das Kind zeitlebens keinen Mangel am Brode haben. – Dieses

ist vermutlich ein Mißverstand der Worte des Predigers 11, 1.: »Laß

dein Brod über’s Wasser fahren, so wirst du es finden auf lange Zeit.«

=Wie ein Mädchen erfahren soll, ob sie in einem Jahre einen Mann

erhalten werde.=

Sie muß am heiligen Christabend, in der Mitternacht, an das Hühnerhaus

klopfen und sagen: »Gackert der Hahn, so krieg’ ich einen Mann; gackert

die Henn’, so krieg’ ich kenn’ (keinen).« – Wenn nun durch das Klopfen

Hahn und Hühner auf Einmal gackern, was doch wahrscheinlich sein kann:

was soll nun das arme Mädchen glauben? – Die Thoren!

=Wenn Kinder auf den Gassen mit Spießen und Fahnen spielen, ist es ein

Zeichen des kommenden Krieges.=

Kinder sind Affen; wo Militär ist, werden auch öfters die Kinder

kriegerische Spiele vornehmen.

=Wer ein vierblättriges Kleeblatt findet, hat beständig Glück.=

Der Klee (_Trifolium_) hat drei Blätter, und nur ein Spiel der Natur

(_Lusus naturæ_) giebt vier Blätter, so wie man so viele monströse

Gewächse hat. – Da aber dieses vierblättrige Blatt nicht oft gefunden

wird, so hat nur derjenige von Glück zu sagen, der es findet. Ein

Anderer muß lange darnach suchen.

=Des Nachts soll Niemand in den Spiegel sehen, denn der Teufel blickt

hinein.=

Das wär für die gern sich putzenden Damen, zum Ball, Theater u. s. w.

nicht gut, auch dürften sie in kein Spiegelzimmer treten. Doch keine

wird noch etwas Böses im Spiegel gesehen haben, als sich selbst – es

müßte denn der Hoffarths-Teufel sein.

=Daß die Leute aussehen, als hätten sie drei Köpfe, zu machen.=

Man nimmt von den Haaren eines todten Esels und macht daraus eine

Schnur; dann nimmt man das Mark aus dessen Hauptbein der rechten

Schulter, vermischt es mit Jungfernwachs, bestreicht damit die Schnur,

und legt sie dann über die Hausschwelle, so werden die Menschen, welche

in das Haus treten, aussehen, als hätten sie drei Köpfe. Diese aber

werden den Verfertiger der Schnur für – einen Esel halten. _Probatum

est! De mirabilibus Albertus M._

=Ein Jägerstückchen.=

Wenn man das Tuch, womit ein Jäger seine Büchse oder Flinte putzt, in

ein in einer Eiche gemachtes Loch, welches gegen Morgen gerichtet sein

muß, steckt, das Loch mit einem Pflock von Hagedorn verstopft, so kann

der Jäger, als bester Schütze, keinen gewissen Schuß thun. Daher sollen

die Jäger ihre Putzlappen ins fließende Wasser werfen.

Ist hier wohl eine natürliche Verbindung zu finden?

=Wessen Schatten in der Christnacht bei eingebrachtem Lichte keinen

Kopf hat, der stirbt das Jahr.=

Wer sollte sich auch gern ohne Kopf sehen! Dies kann man aber jeden

Tag, wenn man zwei Lichter in die Stube bringt. Auch hat der Schatten

dadurch oft zwei Köpfe.

=Wenn in einer Kirche ein Licht auf dem Altar von selbst auslöscht, so

stirbt bald ein Geistlicher von dieser Kirche.=

Zufällig kann es einige Mal eingetroffen haben; allein daß man

durch das Auslöschen eines Altarlichtes den Tod eines Geistlichen

prophezeihen will, ist unvernünftig und lächerlich. Wie leicht kann

ein Zugwind das Licht ausblasen, oder im Winter bei großer Kälte, wo

des Lichtes Flamme nicht genug Kraft hat, das Wachs zur Nahrung zu

schmelzen, sie erlöschen muß. Die Kirchner werden noch mehr natürliche

Ursachen angeben können.

=Sanct Johannis-Kraut ist von so großer Kraft, den T... und die Hexen

zu vertreiben, daher auch der T..., aus Bosheit, die Blätter dieses

Krautes mit Nadeln durchsticht.=

Das Johannis-Kraut (_Hypericum perforatum_) hat eiförmige und

durchlöcherte Blätter, welche der Aberglaube dem T... machen läßt, da

man nach den Zeiten des Paracelsus dieses Kraut für Milzsüchtige gut

fand, und es _Daemonum fuga_, =Teufels-Scheu=, nannte.

=Wenn einem ein Hase über den Weg läuft, ist es nicht gut.=

Freilich ist ein gebratener Hase in der Schüssel besser! – Was sollte

aber der arme Hase Schuld haben, wenn einem etwas Unangenehmes

begegnete!

=Wenn man aus dem Hause geht oder verreis’t, soll man nicht wieder

umkehren, sondern das Vergessene durch Andere bringen lassen.=

Wenn man umkehrt, sollen die Verrichtungen nicht gelingen. – Es ist

zwar besser, man vergißt gar nichts; aber wenn es geschehen und man

unterweges auf jemand warten soll, bis er das Vergessene nachbringe, so

verliert man Zeit und hat oft Schaden davon.

=Wenn einem am Morgen beim Ausgehen ein altes Weib begegnet, ist es

nicht gut.=

Dieser Aberglaube ist daher entstanden, daß man vielen alten Weibern

Hexerei Schuld gab. Es mag einem aber ein altes oder junges Weib

begegnen, die Geschäfte werden nie anders.

=Wenn ein Frauenzimmer in der Christnacht geschmolzenes Blei ins Wasser

gießt, erfährt es durch die Figuren, was der künftige Gatte für ein

Geschäft treibt.=

Diese Narrenpossen werden noch jetzt in vielen Ländern getrieben, und

manches gute Mädchen hat sich sehr betrogen gefunden, denn wer leicht

glaubt, wird leicht betrogen; sie sieht in den zerrissenen Stücken Blei

immer gern das, was sie wünscht. – Auch ziehen die abergläubischen

Mädchen in der Christnacht rückwärts ein Scheit aus einem Holzstoß, um

zu erfahren, ob ihr Zukünftiger lang oder kurz, krumm oder gerade sein

werde.

=Helle Christnacht, finstere Scheuern; finstere Christnacht, helle

Scheuern.=

Dies ist wohl eine alte Bauern-Regel; wenn der Mond in der Christnacht

hell scheinet, so soll das Jahr fruchtreich und die Scheuern voll

und finster sein; wenn aber Neumond und trübes Wetter ist, sollen

die Scheuern nicht voll werden. – Der alte Julianische und der neu

verbesserte Kalender weichen von einander ab, folglich, da diese

und andere Bauern-Regeln schon alt sind, kann es auch jetzt mit der

richtigen Zeit nicht eintreffen, welches also die Unrichtigkeit schon

darin beweiset, denn einige Erfahrungen machen noch keine bestimmte

Regel.

=Zwischen Todten und Lebendigen soll eine Sympathie herrschen.=

Wenn man dem Todten etwas von einem Lebendigen in das Grab legt,

soll Letzterer nicht lange leben. Dieser Aberglaube ist noch nicht

erloschen, und sonderbare Beispiele werden davon erzählt. Aber es geht

wohl natürlich zu. Derjenige, dem die Sache gehört, welche in das Grab

gelegt worden, und an die =Fabel= glaubt, wird durch seine Einbildung

sich selbst bald in das Grab bringen, ohne daß der faulende Todte daran

schuld ist.

=Wer auf dem Acker etwas säen will, der soll den Saamen nicht auf den

Tisch legen, er geht sonst nicht auf.=

Wenn man Korn oder Waizen, das man zum Saamen bestimmt hat, aus Noth

mahlen und backen läßt, so kommt er freilich auf den Tisch, und die

Aussaat ist gehindert. Dies mag ein Spaßvogel gedacht haben, und andere

nahmen es ernsthaft auf.

=Wenn die Kinder schwer reden lernen, soll man ihnen Bettelbrod zu

essen geben.=

Dies ist wahrscheinlich dadurch entstanden, daß die meisten

Bettelkinder große Fertigkeit im Sprechen haben, um ihr Brod zu

erbetteln, und dies Brod soll nun die Eigenschaft erhalten, andere

wieder bald reden zu machen!

=Ein Fremder soll, ohne sich gesetzt zu haben, nicht aus der Stube

gehn.=

Man glaubt, es nehme den Kindern die Ruhe. Der Ursprung dieses

Aberglaubens ist schwer zu suchen. Vielleicht mag es daher kommen:

Jemand, welcher im Zimmer steht, ist oft der Hausfrau hinderlich, und

macht mehr Geräusch, als der Sitzende, wodurch das schlafende Kind

gestört wird.

=Aus dem Korn der zuerst ausgedroschenen Garbe kann man sehen, wie das

Korn das folgende Jahr alle Quartale steigen und fallen werde.=

Die Landleute machen folgendes Experiment: Wenn sie anfangen zu

dreschen, nehmen sie die erste Garbe aus der Scheuer (Andere nehmen

auch die erste Garbe, die auf dem Felde gebunden worden ist), dreschen

das Korn aus, und nehmen dann ein Gefäß, machen solches voll Korn,

streichen es ab und schütten es auf den Tisch, welches das erste

Vierteljahr bedeutet. Dieses Gefäß messen sie vier Mal. Wenn dieses

geschehen, nehmen sie den ersten Haufen und schütten es wieder in das

Gefäß und streichen es abermals ab. Wenn nun etliche Körner abfallen,

so bedeutet es ein wohlfeiles Vierteljahr; streichen sie aber nichts

ab, so wird das Korn aufschlagen. Auf diese Weise machen sie es mit

den übrigen drei Haufen. – Kann sich aber bei Messung des Korns nicht

zutragen, daß man nicht immer =gleich= abstreicht? daß man an den Tisch

stößt, und bald etwas mehr oder weniger hat? Man mache nur den Versuch

zur Ueberzeugung und lasse noch Einige dies Experiment machen, – wie

verschieden wird die Weissagung ausfallen!

=Wenn das Jüdel die kleinen Kinder nicht ruhen läßt, soll man dem Jüdel

etwas zu spielen geben.=

Viele Weiber werden nicht einmal das =Jüdel= kennen, und doch treiben

sie damit Aberglauben. Kleine Kinder von wenig Wochen thun oft während

des Schlafes die Augen halb auf, und die Augenäpfel wenden sie in

die Höhe, fangen an zu lächeln und schlafen dann wieder fort, oder

schreien. Wenn dieses geschieht, sagen die Abergläubischen: »das

Jüdel spielt mit dem Kinde.« Um dem Kinde Ruhe zu geben, machen sie

Folgendes: Sie kaufen, ohne zu handeln, einen kleinen, neuen, irdenen

Topf mit einem Quirl, darein wird etwas von des Kindes Badewasser

gegossen und auf den warmen Ofen gesetzt, damit soll das Jüdel spielen

und das Wasser herausspritzen. Nach einigen Tagen finden sie kein

Wasser mehr im Töpfchen und glauben, das Jüdel habe es herausgespielt,

ohne zu untersuchen, daß es durch den warmen Ofen eingetrocknet ist.

Ferner blasen sie Eier in des Kindes Brei und in die Suppe der Mutter

aus, und hängen dann die hohlen Eierschalen mit einigen Kartenblättern

mit Zwirn an des Kindes Wiege, daß alles frei schwebet. Wenn nun die

Stubenthür aufgeht, oder es bewegt sich Jemand rasch in der Stube, daß

die leichten Sachen sich bewegen müssen, da rufen die alten Weiber:

Seht, wie das Jüdel mit den Sachen an der Wiege spielt! – Welche

Albernheiten! und doch geschehen sie! Das Kind aber wird fort die Augen

verdrehen und lachen und weinen, ohne das Spiel des Jüdels. Man gebe

dem Kinde, welches Krämpfe hat, eine dienliche Arznei, und das alberne

Jüdel verschwindet gewiß.

=Eisenkraut öffnet verschlossene Thüren.=

Man soll es, wenn der Sirius sich sehen lasse, so daß Mond und Sonne

einen nicht bescheinen, und zwar mit der linken Hand aus der Erde mit

einem eisernen Instrumente graben. Die Griechen nennen dies Kraut

_Peristecon_, die Römer _Verbena_, und wurde für ein heiliges Kraut bei

den Opfern gehalten; doch unser Eisenkraut ist es nicht, daher wir auch

das Experiment nicht machen können.

=Das Osterwasser=

wird geholt am heiligen Abend zwischen 11 und 12 Uhr, aber

stillschweigend. Es soll sich lange aufbewahren lassen und, damit

gewaschen, eine feine Haut machen. – =Jedes Wasser=, das im Frühlinge,

und wenn die Sonne nicht scheint, geschöpft wird, hält sich länger und

ist weicher, als das zur andern Zeit und im Sommer geschöpfte.

=Der Scharfrichter weiß vorher, ob ein Delinquent gerichtet werden

soll.=

Das Richtschwert, welches gewöhnlich in einem Schranke an einem Nagel

hängt, fängt an sich hin und her zu bewegen. – Der Scharfrichter

erfährt schon eine zeitlang vorher, wenn auch nicht direct durch

das Gericht, sondern durch Hörensagen, daß ein Gefangener zum Tode

verurtheilt werde, und er und die Seinigen, welche von den Urältern

her jene Sage glauben, werden auch, in ihrer Einbildung, das Schwert

sich bewegen sehen oder hören. – So soll auch der Todtengräber und der

Tischler, der Särge macht, zuvor wissen, wenn Jemand stirbt.

=Es soll gefrorne und eingeschlossene Worte geben.=

Welcher Unsinn! Kann man wohl glauben, daß Worte durch Kälte erhalten,

oder in ein gewisses Behältniß eingeschlossen und zu seiner Zeit

wieder gehört werden können! Was für eine Kälte müßte das sein, und

sollte der Mensch nicht =zuerst= erfrieren? Wie sollte aber auch die

Luft gefrieren können? – Man hat dieses Märchen vielleicht vom _Ovid.

Metamorph. L._ II, 4. genommen, wo der Schilf die Worte hören ließ:

Midas hat Eselsohren.

=Ein Hahnenei muß über das Dach geworfen werden, denn es bringt

Unglück.=

Aus einem Ei, welches ein zehnjähriger Hahn legen und von einer Kröte

im Miste ausgebrütet werden soll, soll ein monströses Geschöpf, der

=Basilisk=, entstehen, welcher sich in alten Höhlen, Brunnen und

Gemäuern aufhält. Es soll existiren, weil es die Bibel selbst sagt,

Esaiä 59, 5. und Jeremias 8, 17. – Viele Gelehrte haben in den ältern

Zeiten über dieses fabelhafte Thier geschrieben, nur Einige haben es

verworfen.

Dieser Basilisk soll mit seinen Augen die Menschen tödten und alles um

sich her mit seinem Hauche vernichten können; so bald er sich aber

selbst sieht, stirbt er. – Er wird auf verschiedene Weise beschrieben,

da ihn wohl Niemand lebendig oder todt gesehen haben wird, außer in

einem Bilde, von Betrügern gemalt. Er soll die Größe eines Huhns haben,

Kopf und Hals gleiche einem indianischen Hahne, Kamm und Hals sei

gelbblau, der Leib und die Flügel gelb, blau, roth und grün gesprengt,

habe lange gelbe Füße wie ein Hahn, und einen aufrecht stehenden,

gekrümmten, gespitzten und gesprenkelten Schwanz.

So zeichneten auch die Alten ihre fabelhaften Thiere.

Im Jahre 1671 zeigte ein Herumstreicher einen Basilisken, der in Afrika

mit Feuer getödtet worden sein sollte, und Gelehrte, wie Happelius

und _Dr._ Wedel in Jena, beschrieben das Thier; aber nachher erfuhr

Letzterer in Hamburg von dem Besitzer selbst, daß der Basilisk ein

=gekünstelter= gewesen sei.

=Von der Todtenuhr.=

Wenn dieses Insekt hinter alten Tapeten oder Getäfel, gleich einer Uhr

in abgemessenen Schlägen, pickt, dann denkt der Abergläubische an

Unglück und Tod. _Linnæus_ nennt diesen Wurm _Termitem fatalem_, und

ist die bekannte =Papierlaus= oder =Bücherstaublaus=.

=Von Vampyren und schmatzenden Todten.=

Unter den schmatzenden Todten versteht man gewisse todte Körper,

weiblichen Geschlechts, welche, wenn Seuchen grassiren, ihre

Grabtücher, Todtenhemde und andere Leichengeräthe belecken und dabei

schmatzen und, so weit sie mit dem Munde reichen können, alles

verzehren. Und dies soll geschehen, wenn man dem Verstorbenen den

Daumen nicht aus der Hand gethan, oder den Mund nicht unbedeckt

gelassen.

Das Schmatzen (vielleicht Pochen) im Grabe kann nur von einem lebendig

Begrabenen oder von andern natürlichen Dingen, wie nachstehende

Erzählung beweiset, herrühren.

In Angerburg ließ sich ein Schmatzen auf dem Gottesacker hören. Es

kamen viele Menschen, um ihre Neugierde zu befriedigen, dahin. Sie

hielten ihre Ohren nahe an ein Grab, aus dem das Schmatzen seinen

Ursprung haben sollte, bis sich endlich zeigte, daß es eine Wirkung

=junger Eulen= sei, die in einem Mauerloche der Kirche, welche nahe

dabei war, befindlich waren.

=Die Vampyren oder Blutsauger.=

Sie haben mit den obigen Verwandtschaft. Man versteht darunter todte

menschliche Körper, welche aus den Gräbern steigen, den Lebendigen

das Blut zur Nacht aussaugen und sie dadurch tödten sollen. Unter den

Raizen, Serviern ist dieser Aberglaube stark. Einem solchen Vampyr

durchstößt man das Herz mit einem spitzigen Pfahl und verbrennt den

Körper.

=Die ominöse Zahl =13.

Vernünftige Personen haben noch jetzt den Aberglauben, mit 13 Personen

nicht an Einem Tische zu essen, aus Furcht, einer unter ihnen möchte

in wenigen Monaten eine Beute des Todes werden. – Dies kann immer

geschehen, ohne daß die arme Zahl daran schuld ist.

=Exorcismus.=

Ist es wohl glaubhaft, daß die sogenannten Exorcisten, namentlich die

Jesuiten, Kapuziner u. a. m. ihre Worte, welche sie zu Beschwörungen

herplauderten, verstanden, und daß dieselben eine Kraft haben sollen?

– Man höre nur die barbarischen Worte: _Theos Patir Heminas per

Archangelos Tuos Eliphamasi Gelonucoa, Gebeche Banai Grabiai Elomnit_

u. s. w.

=Mittel, wenn das Vieh beschrieen worden ist.=

Um die Hexe, welche das Vieh beschrieen hat, kennen zu lernen, macht

der Abergläubische mit dem Pfahleisen ein Loch in den Kuhstall, melkt

die Kuh, indeß er das Eisen glühend macht, gießt dann die Milch in das

Loch, und buttert mit dem glühenden Eisen so lange, bis die Hexe kommt,

welche, wie er glaubt, während diesem Buttern so sehr gepeinigt wird,

daß sie nicht weiß, wohin. Dann soll sie in der Angst kommen, und etwas

verlangen, um dadurch das Buttern zu verhindern. Man macht daher den

Hof und die Thüren fest zu, damit sie nicht herein kann. Mancher ist

dadurch in den Hexenverdacht gekommen, daß er zufällig gerade zu der

Zeit an ein Haus kam, da dergleichen Alfanzerei getrieben wurde.

=Das Mutisheer.=

Es soll eine Menge Kinder sein, welche in den Wochen gestorben, ehe

sie zur heiligen Taufe gelangen konnten, und daher unwürdig seien, im

Himmel aufgenommen zu werden, und hielten sie sich bald da, bald dort

unter vielem Winseln und Seufzen in der Luft auf. Sehr oft will es

der Pöbel gehört haben. – Im Virgil _Aen._ VI. _v._ 435. steht etwas

ähnliches.

=Wenn man einer wichtigen Sache Ausgang erfahren will, muß man die

Bibel von ungefähr aufschlagen; was man zuerst erblickt, daraus

entdeckt man das Gesuchte.=

Diesen Aberglauben mag nachfolgende Erzählung widerlegen.

Einst wollte ein Edelmann wissen, ob er eine mit Dornen und Stechbeeren

bewachsene Haide urbar machen solle. Er ließ also die heilige Schrift

den Anspruch bestimmen und traf auf die Stelle Jeremiä 10, 19: =Ich

denke aber, es ist meine Plage, ich muß sie leiden.= So unterblieb das

nützliche Vorhaben.

=Das Nasenbluten zu stillen.=

Eine Kornblume mit der Wurzel ausgezogen und diese in der Hand

gehalten, bis sie erwarmt, stillt das Nasenbluten. – Dieses wird von

selbst geschehen, wenn man so lange Zeit wartet.

=Der Haselstock thut Wunder.=

Wenn man einen kleinen Vogel, den Zaunkönig, oder ein kleines Stück

Fleisch an einen Haselstock steckt und diesen als Bratspieß gebraucht,

dreht sich der Stock von selbst über den Kohlen. – Dabei ist aber weder

der Vogel, noch das Fleisch schuld, sondern das Holz zieht sich von der

Hitze natürlich zusammen und – dreht sich.

=Vom Alpdrücken.=

Der Alp soll eine Hexe, wohl gar der Teufel selbst, oder irgend ein

Gespenst sein. Er kommt durch das Schlüsselloch in das Schlafzimmer,

wirft sich auf die Bettdecke, zieht sie auch wohl gar herab und peinigt

den Schlafenden. – Lebhafte und schreckhafte Träume erzeugen im Körper

ein Zusammenziehen der äußern Theile, krampfhafte Zufälle, Erstarrung

u. s. w. Vollblütigkeit, das Liegen auf dem Rücken, das niedrige

Kopfliegen, Ueberladung des Magens erwecken jene ängstlichen Träume und

– das Alpdrücken. (S. Nicolai Pathologie, VI. Bd. S. 180 ff.)

=Heilung einer Fistel.=

_Dr. Joh. Dolæus_ erzählt in den

Medizinisch-chirurgisch-anatomisch-chymisch- und botanischen

Abhandlungen _Tom._ V. Wahrnehm. LXI.:

Da ich mich an dem Hofe der Durchlauchtigsten Fürstin von Nassau-Diez

aufhielt, so erzählte mir der berühmte _Dr._ Geilfuß, es seie ihm

jemand bekannt, der lange Zeit an dem Schenkel mit einer Fistel

beschwert gewesen, woraus verschiedene Dinge, als Leinwand, Stückchen

Papier, Haare u. s. w. hervorkamen. Man habe vielerlei Arzneien, aber

vergeblich, gebrauchet; endlich habe sich ein Mensch, den der Pöbel für

einen Zauberer hielt, angegeben, und das Geschwür in Kurzem zu heilen

versprochen. Als man ihm nun die Cur anzufangen erlaubt, so habe er

ein aschfarbiges Pulver in die Wunde gestreuet, und blos dadurch den

Kranken in wenig Tagen geheilet. _Dr._ Geilfuß versicherte mir, es sei

dieses Pulver nichts anderes, als =Asche von einer verbrannten Hexe=

gewesen.

Solche Dinge glaubten damals auch =gelehrte Männer=!

=Dritte Abtheilung.=

Erzählungen

von

=Geister=- und =Gespenster-Erscheinungen=,

mit hier und da

eingestreuten natürlichen Erklärungen.

_Verba movent, Exempla trahunt._

Das Gespenst im Hause.

_Plinius Secundus Epistol. lib. 7. p. 252._ erzählt seinem Freunde

=Sura= eine Geschichte von einem Hause in Athen, welches von einem

Geiste auf eine erschreckliche Art wäre bewohnt worden, und hätte leer

gestanden, bis endlich der Philosoph =Arthenodorus= hineingezogen,

den Poltergeist erwartet habe, und ihm bis in den Hof gefolgt, wo

er verschwunden sei. Den Ort habe er gemerkt, diesen der Obrigkeit

angezeigt und aufgraben lassen, wo man denn die Gebeine einer Person

gefunden hätte, welche in Ketten gelegen, und die er habe begraben

lassen; worauf das Haus nicht mehr beunruhigt worden wäre.

Mehrere Schriftsteller haben Plinius nachgeschrieben, obgleich er

selbst sagt, _ex ponam ut accepi_ (daß er das Erzählte =gehört= habe),

und folglich bleibt die Geschichte ein Märchen!

=Anzeigen des Todes.=

Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens · 第 8 / 21 题