Ein Mehreres hiervon lese man: =Vom Bannen der Geister.=

=Die Berggeister.=

Sie werden oft für einerlei Geister mit den Kobolden gehalten. Sie

sollen in den Schachten und Gängen auf- und abfahren, und sich in

allen Arten der Bergwerks-Arbeiten zu üben scheinen, Gänge erschroten,

Kübel füllen, haspeln, ob sie gleich nichts thun. Selten sollen sie

den Arbeitern schaden, wofern sie nicht durch Lachen und Schimpfen

dazu gereizt werden. Sie sollen drei Fuß hoch sein, haben ein altes

ernsthaftes Gesicht mit einem Bart, ihr Kopf ist mit einem Schachthute

bedeckt, worüber oft ein Schleier hängt; auch sollen sie ein

Hinterleder tragen.

Die Ausdünstungen in Bergwerken schaffen den Bergleuten, wozu ihre

Einbildungskraft eine menschliche Bergmannsgestalt hervorbringt, diese

Phantome. Selbst ihr Licht kann durch Brechung der Lichtstrahlen in den

Dünsten verschiedene Abbildungen geben.

Wir übergehen die Erzählungen von diesen Geistern.

=Der Kobold.=

Einige leiten das Wort von dem griechischen Worte _Kobalos_, Betrüger,

Schmeichler – Andere von dem in dem Bergerz gefundenen Kobalt her; auch

von einer Bergart, woraus blaue Farbe bereitet wird. Unter der ersten

Bedeutung bezeichnet das Wort aber, was man auch ein =Bergmännchen=

nennt. Sonst wird unter =Kobold= ein Hausgeist verstanden, der

sich gern bei den Menschen aufhält, ihnen zur Hand geht, Arbeiten

verrichtet, Possen treibt und den Menschen, wenn sie nicht erzürnt

werden, nicht leicht Schaden zufügen.

Unter vielen Erzählungen ist der =Hildesheimische Kobold=, Hödekin oder

=Hütgen=, bekannt, einige Spannen lang, mit einem großen, runden Hute.

Dieser und andere sind von Knechten und Mägden gespielt worden, daß,

wenn etwas zerbrochen oder Schaden geschehen war, dieses der Kobold

gethan haben mußte. Der Aufenthalt eines solchen Hausgeistes ist

auch nicht von langer Dauer gewesen, wahrscheinlich aus Furcht der

Entdeckung. (S. Abth. III. der Kobold.)

=Wassergeister.=

Auch in den Gewässern gab es gewisse Geister, die sich als Gespenster

auf dem Wasser, bei den Seen und Flüssen geschäftig und sichtbar

bewiesen. Sie erscheinen mehrentheils in weiblicher Gestalt, und Viele

nennen sie =Wassernixen=, welche die Menschen zu sich in das Wasser

ziehen. Wahrscheinlich ist die Fabel daher entstanden, um Kinder zu

warnen, sich nicht in der Nähe des Wassers aufzuhalten. Der eigentliche

Ursprung ist aus dem Alterthume, wo man diese Geister Nymphen, Najaden

und Nereiden nannte.

=Das wüthende Heer.=

Es soll so viel heißen als Wodans Heer, und ist, der Sage nach, wohl

allen Lesern bekannt. Bei Eisenach, am Hörselberge, ist diese Sage

allgemein gewesen.

Heftige Sturmwinde, die sich besonders zur Winterszeit stark hören

lassen, machen vielerlei Getöse in Wäldern und auf Fluren; man hört

Pfeifen in der Tiefe und Höhe, ein Knickern und Prasseln der dürren

Baumäste u. s. w. Die Einbildungskraft, da man nichts sieht, wird nun

die betrügerische Leiterin; diese hört Jagdhörner, Rosse schnauben,

Rufen und Schreien (das Eulengeschrei kann mitwirken), und ohne genau

zu untersuchen, entflieht der Furchtsame.

Vom Bannen der Geister.

Es ist eine wahre Verwegenheit oder Thorheit der Menschen, daß sie

sich eine Gewalt über unsterbliche Geister, die, ihrer Natur nach,

weit höher stehen müssen, anmaßen und dieselben zu ihrem Dienste

zwingen wollen. Daß ein Sprung vom Menschen bis zum ewigen Wesen sein

sollte, läßt uns weder die weise Ordnung hier, noch unsere Vernunft

glauben. Allein die Meinung, daß höhere Wesen auf den Menschen wirken

und mit ihm in Verbindung treten können, streitet schon gegen die

Erfahrung, und dann gegen unsere vernunftmäßigen Vorstellungen von dem

Weltall und der Beschaffenheit des Zustandes, in dem sich höhere Wesen

wahrscheinlich befinden, so wie mit der menschlichen Bestimmung auf

Erden und der künftigen Erreichung derselben! –

Die Magier der Chaldäer und Perser, so wie die alten ägyptischen

Priester geben schon einen geheimen Umgang mit den Geistern vor.

Die Pythagorisch-Platonische Schule zu Alexandria erfand aber recht

ordentliche Mittel und Ceremonien, wodurch man zur Bekanntschaft der

Geister gelangen sollte. Die Cabbalisten insbesondere zeigten uns den

allgemeinen Weg, gute und böse Geister dienstbar zu machen. Sie nahmen

gewisse Wörter und Sprüche aus der heiligen Schrift, besonders die

darin befindlichen Namen Gottes, die sie in einer gewissen Ordnung

aussprechen, aufschreiben und anhängen, wodurch sie alle Geister

beschwören wollen.

Gewöhnlich werden die =Geister der Planeten= beschworen, welche gewisse

Namen erhalten haben, und ihnen die Regierung der Welt beigelegt

werden. So heißt der Geist der Sonne =Michael= – Der Geist des Mondes

=Gabriel= – Der Geist des Mars =Samael= – Der Geist des Merkur

=Raphael= – Der Geist des Jupiters =Sachiel= – Der Geist der Venus

=Anael= und der Geist des Saturn =Cassiel=.

Ein jeder Planetengeist hat sein gewisses Zeichen, welches man wohl

verstehen muß, weil viel darauf ankommen soll.

Will man nun einen Geist rufen, so wird von dem Beschwörer gefodert,

daß er keinen Fehler am Körper habe, z. B. bucklich, einäugig, lahm

u. s. w., oder ihm ein Glied mangele, kurz, er muß ohne Makel sein.

Ferner wird gefodert, daß er fromm, ehrbar, redlich, fest im Glauben,

vorsichtig, Wahrheit liebend und nicht geizig sei. Hat er sich einen

Geist zu seinem Vorhaben erwählt, so soll er sich baden, neue Kleider

anziehen, seine Sünden beichten, sich drei Tage allen Leidenschaften

enthalten, den Armen Almosen spenden, am Abend nichts als Brod und

Wasser genießen, und endlich an einem einsamen Ort, am Tage, welchem

der Geist vorstehet, in der ersten Stunde, wo die Sonne aufgehet, im

angehenden Monde, oder auch zu einer andern Stunde sein Werk beginnen.

Der =Zauberkreis=[15] wird nicht immer auf einerlei Art gemacht, wie

vielleicht die Neugierigen glauben, sondern nach den Geistern, die man

rufen will, nach dem Ort, der Zeit, dem Tage und der Stunde wird sich

gerichtet. So muß man auch wissen, welchem Stern der Geist vorstehet,

in welcher Himmelsgegend er ist, und was für Verrichtungen er hat.

[15] S. Fig. 10.

Es werden drei Kreise von neun Fuß breit, jeder eine Hand breit von

einander gemacht: 1) wird im mittelsten Kreise die =Stunde=, welche

alle ihre besondern Namen haben, in welcher das Werk beginnen soll,

geschrieben[16]; 2) der =Name= und 3) das =Siegel= oder =Zeichen= des

Geistes der Stunde[17]; 4) der Name des Geistes, welcher dem Tage,

wo man beginnt, vorsteht, nebst seinen Dienern[18]; 5) der Name der

gegenwärtigen Zeit[19]; 6) der Name der Geister, die in derselben Zeit

regieren[20]; 7) der Name des Hauptzeichens derselben Zeit, wo man

den Kreis macht[21]; 8) der Name der Erde nach dem Theile der Zeit,

wo man den Kreis macht[22]; 9) die Namen der Sonne und des Mondes,

nach der Zeit, wo man den Kreis macht[23]; 10) in dem obersten Kreis

werden in den vier Dreiecken der Name des Geistes, welcher zur selbigen

Zeit der Luft vorsteht, und drei seiner Diener geschrieben[24]; 11)

im untersten Kreis werden die vier göttlichen Namen mit dazwischen

gesetzten Kreuzen geschrieben[25]; 12) in der Mitte des Kreises nach

Osten kommt das _Alpha_, nach Abend das _Omega_ mit einem durch den

mittlern Kreis gezogenen Kreuz; 13) außerhalb des Kreises werden an den

vier Dreiecken vier _Pentagoni_ geschrieben. – So ist der Zauberkreis

für diesen Tag fertig. Ist dieses geschehen, so wird der Kreis mit

Weihwasser besprengt und eingesegnet, so wie auch das Rauchfaß und

das Kohlenfeuer[26]. Hierauf zieht man ein Priesterkleid oder ein

weißleinwandenes Oberkleid an, welches aber auch zuvor mit einigen

Worten eingesegnet werden muß, und nimmt das eingesegnete _Pentaculum

Salomonis_[27] in die Hand, welches an dem Tage und der Stunde des

Mars, bei zunehmendem Monde, auf Pergament geschrieben sein muß;

zuletzt ein Schwert oder einen Zauberstab, tritt in den Kreis mit noch

zwei Personen, und ruft nach den vier Weltgegenden die Geister, welche

den sieben Planeten, den sieben Tagen der Woche, den Farben und den

Metallen vorstehen. – Erscheint nichts, so kommt alsdann die wahre

Beschwörungsformel, welche wir der Curiosität wegen hersetzen wollen:

[16] z. B. die =erste Stunde= am Sonntag im =Frühjahr= heißt _Yayn_.

[17] Der =Name= des Geistes der Sonne ist =Michael=. Das =Zeichen= s.

Fig. 11, wo die Siegel der sieben Geister stehen:

_a_) Siegel des Geistes =Michael=.

_b_) " " " =Gabriel=.

_c_) " " " =Samael=.

_d_) " " " =Raphael=.

_e_) " " " =Sachiel=.

_f_) " " " =Anael=.

_g_) " " " =Cassiel=.

[18] =Michael=, =Dardiel=, =Huratapel=.

[19] =Talui= (Frühling).

[20] Die Geister des Frühlings: =Caracassa=, =Core=, =Amatiel=,

=Commissoros=.

[21] Das Hauptzeichen des Frühlings ist: _Spugliguel_.

[22] _Amadai_.

[23] _Abraym_, _Agusita_.

[24] _Varcan rex_, _Tus_, _Andas_ und _Cynabal_.

[25] _Adonai_, _Eloy_, _Agla_, _Tetragrammaton_.

[26] Für jeden Geist muß man auch ein eignes Räucherpulver haben; für

=Michael= Sandelholz.

[27] S. Fig. 12.

Wir nach Gottes Ebenbild geschaffen, begabt mit göttlicher Macht und

Willen, durch den mächtigsten Namen Gottes, _El_, beschwören wir

euch kraft- und wundervoll (hier werden die Namen der Geister, die

man wünscht, genannt), und befehlen euch durch Ihn, welcher spricht

und es geschieht, und durch alle Namen Gottes und durch den Namen

_Adonay_, _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_, _Elion_, _Escerchie_,

_Jah_, _Tetragrammaton_, _Sadai_: Herr Gott, beschwören wir euch,

und befehlen mit Macht euch, daß ihr sogleich erscheinet hier neben

diesem Kreis in angenehmer Gestalt, in menschlicher vielleicht ohne

Mißgestalt. Kommt alle als solche, weil wir euch befehlen durch den

Namen _Y_ und _V_, was Adam gehört und gesprochen hat; und durch den

Namen Gottes _Agla_, was Loth gehört hat und Glück mit seiner Familie

gehabt hat; und durch den Namen Loth, welchen Jakob vom Engel, der

mit ihm stritt, gehört hat, und befreit wurde von der Hand seines

Bruders Esau; und durch den Namen _Anephexeton_, welchen Aaron

gehört, und die Rednergabe erhielt und weise wurde; und durch den

Namen _Zebaoth_, welchen Moses nannte und alle Flüsse und Sümpfe des

Landes Aegypten in Blut verwandelte; und durch den Namen _Escerchie

Oriston_, welchen er nannte, und alle Flüsse voll Frösche wimmelten,

daß sie in die Häuser der Aegypter kamen und Alles vernichteten;

und durch den Namen _Elion_, welchen Moses nannte und solchen Hagel

hervorbrachte, wie vom Anfang der Welt nicht gewesen war; und durch

den Namen _Adonay_, welchen Moses nannte und Finsterniß über das Land

Aegypten kam; und durch den Namen _Alpha & Omega_, welchen Daniel

nannte und Beel zerstörte und den Drachen tödtete; und im Namen

_Emmanuel_, welchen drei Männer, _Sidrach_, _Misach_ und _Abdenago_

im feurigen Ofen sangen und befreiet wurden; und durch _Hagios_ und

den Sitz _Adonay_; und durch _ô Theos iscyros athanatos_; und durch

die drei geheimnißvollen Namen, _Agla_, _on_, _Tetragrammaton_,

beschwöre ich, und durch diese Namen und alle andere Namen unseres

allmächtigen Gottes, des lebenden und wahren, welcher euch durch

eure eigene Schuld aus dem Himmel gestoßen bis zu dem entferntesten

Orte – wir beschwören euch und befehlen euch männiglich durch Ihn,

welcher spricht und es geschieht, dem alle Kreaturen gehorchen, und

durch jenes Urtheil Gottes und durch die vier göttlichen Thiere, vor

dem Sitz der göttlichen Majestät, vorn und hinten Augen habend, und

durch das Feuer, welches vor dem Throne flammt, und durch die heiligen

Engel im Himmel, und durch sie, welche die Kirche Gottes genannt wird,

und durch die höchste Weisheit des allmächtigen Gottes beschwören wir

männiglich, daß ihr hier vor dem Kreis erscheint, um unsern Willen

zu vollziehen in allem, was uns gefällt: durch den Sitz _Baldachiæ_,

und durch den Namen _Primeumaton_, welchen Moses nannte, und die Erde

verschlang _Datam_, _Corah_ und _Abiron_; und in der Kraft jenes

Namens _Primeumaton_, und in dem ganzen himmlischen Heer, fluchen wir

euch, berauben wir euch aller Pflicht, eueres Ortes, euerer Freude,

bis ihr in den Abgrund gestürzt, und stellen euch bis zum letzten Tage

des Gerichts und verstoßen euch ins ewige Feuer in den Höllenpfuhl,

wenn ihr nicht sogleich bei uns erscheint, an dem Kreis, um unsern

Willen zu vollziehen. Kurz, erscheinet durch die Namen _Adonay_,

_Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_. Erscheinet, erscheinet! es befiehlt

euch _Adonay_, _Saday_, der mächtige und schreckliche König, dessen

Gewalt keine Kreatur entfliehen kann; ihr sollt künftig gebunden sein,

wenn ihr nicht gehorcht und vor diesem Kreis sogleich erscheint;

es öffnet sich die Unterwelt, wo Heulen und Elend und ein ewiges,

nie vertilgbares Feuer euch bleibt. Erscheint im Namen _Adonay_,

_Zebaoth_, _Adonay_, _Amioran_, erscheinet, erscheinet! Was zaudert

ihr? Eilet! Es befiehlt euch _Adonay, Saday, Rex regum, El, Aly,

Titeip, Azia, Hyn, Jen, Minosel, Achadan, Vay, Vaa, Ey, Haa, Eye, Exe,

a El, El, El, a Hy, Hau, Hau, Hau, Va, Va, Va, Va_!

Wenn nun diese Beschwörungsformel richtig gesprochen worden, lassen

sich viele und mancherlei Erscheinungen sehen, um Schrecken zu erregen,

welche man aber wegbetet, bis die wahren Geister erscheinen.

Werden nun meine freundlichen Leser wohl glauben, daß durch obige Worte

Geister erscheinen werden, wenn der Beschwörer nicht eine versteckte

Zauberlaterne, oder einen Spiegel bei sich hat?

Die Geisterbeschwörer berufen sich auf eine Stelle in der Bibel, Marc.

11, 24., welche sie auf sich deuten: Alles, was ihr bittet in euerem

Gebet, gläubet nur, daß ihr es empfahen werdet, so wirds euch werden.

– Aber keine =Geister=, davon steht nichts in der Bibel!

Damit aber auch die Profanen diese und andere Zaubereien nicht lesen

können, hat man ein eigenes Alphabet erfunden, welches aus besondern

Figuren bestehet.

Verschiedene Manuscripte von =Teufels-Beschwörungen=, welche von

Criminal-Gerichten den Betrügern und den Betrogenen abgenommen worden

und uns zur Hand gekommen sind, beweisen die schrecklichste verwirrte

Einbildungskraft. Man könnte Bände mit Unsinn anfüllen, jedoch werden

wir nur einige kurze Auszüge geben, wovon man das Ganze beurtheilen

mag. Zuvor sollen die neugierigen Leser und Leserinnen einige

wunderbare Titel von Manuscripten lesen, woraus wir auch schon früher

Auszüge genommen haben:

Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens · 第 6 / 21 题