5) Durch etwas =Vergraben= unter die Thürschwelle.

=Vom Wind- und Wettermachen.=

Man eignet den Hexen zu, daß sie Blitz, Donner und Hagel machen

könnten. Sie nehmen nämlich große Kieselsteine und werfen sie gegen

Sonnenuntergang; Sand aus einem Bach stäuben sie gen Himmel, tauchen

einen Besen ins Wasser und spritzen damit gen Himmel, machen eine Grube

in die Erde, gießen Wasser hinein und rühren es mit dem Finger herum;

sie sieden Schweinsborsten in einem Topfe, legen Balken oder Hölzer

kreuzweise am Ufer eines Wassers u. s. w. (_Wierus de Lamiis_ erzählt

mehr davon.)

=Wind= haben die Hexen immer gemacht. (S. Abth. III. Windmachen.)

=Hexen-Salbe.=

Die Hexen machten auch ihre Salbe selbst, und nahmen dazu gewisses

Fleisch, kochten es in einem Kessel mit Wasser und nahmen das oben

schwimmende Fett ab, das andere ließen sie stark einsieden. Hernach

vermischten sie es mit Eppich, Wolfs-Wurzel, Pappelzweigen und

Weihrauch. Oder sie nahmen Wasser-Mark, Acker-Wurz, Fünffinger-Kraut,

Fledermausblut, Nachtschatten und Oel, und machten daraus eine Salbe.

Damit schmierten sie sich und rieben die Glieder ein, worauf sie

dieselben wieder mit Oel und Fett bestrichen.

Nun ist leicht zu erklären, da diese Salbe eine =betäubende= Kraft

hat, daß sie die Hexen nicht allein in einen tiefen Schlaf versetzte,

sondern davon auch mancherlei Gesichter im Traume hatten, von denen sie

vorher eingenommen waren, und Selbstbetrogene wurden. (S. Abth. III.

Hexenfahrt.)

=Von Entzauberung und Amuletten.=

In der Hexengeschichte, wo man den Menschen Qualen schuf, war man auch

in Mitteln erfinderisch, solche zu heilen.

Nimm: Gottes Gnad, Herrgotts-Aepfel, Christwurzel, Cardobenedikten,

Liebstöckelwurz, Mannstreu, Hilfswurz, bind dies mit Siebengezeit

zusammen in Herzkraut, und trag es immer im Busen.

Ein Anderes:

Abbiß, Drachenwurz, Teufelskirschen, Haidekorn, Säwbrod, Tollkraut,

Hundszung, Herzgesperr, Stolzheinrich, Bengelkraut, Kalbsaug, Bärenklau

und Wolfsmilch. Binde dies alles in Lappenblätter mit Bettlerseil

und Faulbaumrinden fein hart zusammen, und wirfs hinterwärts von dir

an einen Ort, dahin du nicht mehr kommst. So weichen zur Stund alle

Zauberer und Hexen von dir, und bist du wohl purgieret von ihrem Gifte.

Man hing auch Kräuter, Wurzeln, Steine und andere natürliche Dinge an

den Hals, vorzüglich erhielten =Amulette= die Kinder, sie vor Hexerei

zu bewahren. Man machte auch Kreuze über verschiedene Dinge. (S. Abth.

III. der gläubige Prediger.) Man blieb aber nicht bei den natürlichen

Dingen, sondern machte Buchstaben, Wörter, Zeichen oder Bilder auf

Pergament, Papier oder andere Dinge, oder man grub es in Steine,

Metalle. Diese Anhängsel wurden auch dem Vieh und leblosen Dingen

angehängt. – Unter die künstlichen Amulette gehört zuerst das bekannte

_Abracadabra_, welches zu den Zeiten des römischen Kaisers _Severus_

und _Caracalla_ von einem Arzt _Sammonicus_ gekommen sein soll. Man

schreibt es auf Papier, wie folgt:

A b r a c a d a b r a

a b r a c a d a b r

a b r a c a d a b

a b r a c a d a

a b r a c a d

a b r a c a

a b r a c

a b r a

a b r

a b

a

Dieses wird in Leinwand gewickelt und einem, der eine Krankheit hat, an

den Hals gehängt.

Ein anderes Anhängsel beschreibt Agrippa im 4. Buche seiner

_Philosophia occulta_: Es gleicht einem erwürgten Lamme, welches

sieben Hörner und Augen, und unter den Füßen ein mit sieben Siegeln

verschlossenes Buch hat, aus Offenb. Joh. 5. Darum wird der Vers

geschrieben: Siehe, es hat überwunden der Löwe, der da ist vom

Geschlecht Juda, die Wurzel David, aufzuthun das Buch, und zu brechen

seine sieben Siegel. Alsdann der Vers: Ich sehe den Satan vom Himmel

fallen, wie einen Blitz. Und diese Worte: Siehe, ich habe euch die

Gewalt gegeben, zu treten auf Schlangen und Scorpionen, und über alle

Gewalt der Feinde, und euch soll nichts schaden. Zuletzt schreibt man

darauf die 10 Haupt-Namen Gottes: _El_, _Elohim_, _Elohe_, _Zebaoth_,

_Elion_, _Escerchie_, _Adonay_, _Jah_, _Tetragrammaton_, _Saday_.

Dieses soll eine große Kraft besitzen, und zur Beschwörung der Geister

höchst nützlich und nöthig sein.

* * * * *

Paracelsus und Trittheim lehren uns auch die =Siegel der Planeten= zu

machen, welche große Kraft und Tugend haben sollen, wenn man sie nach

himmlischem Lauf und zu rechter Stunde und Zeit mache und bereite, und

– bei sich trage.

Dieses sind die Amulette oder Talismane, von denen die Alten und Neuen

so viel gehalten haben:

=Das Siegel des Saturns.=

Es wird vom feinem Blei gegossen, auf die eine Seite wird ein

Quadrat, worin neun kleine Quadrate, gegraben, in jeder horizontalen

und perpendikulären Linie, so wie über das Kreuz, muß die Zahl 15

addirt werden können. – Diese Zahlen, in allen folgenden Siegeln,

sind in jedem Siegel heimlich verborgene Zahlen der andern Sterne,

welche demselben Planeten unterworfen sind; denn ein Planet heißt ein

vornehmer Stern, darum muß er auch andere Sterne unter sich haben und

dieselben regieren. – Auf der andern Seite des Siegels soll das Bild

des Planeten, ein alter Mann mit einem Barte, und mit einer Schaufel

die Erde grabend, stehen; auf seinem Haupt soll er einen Stern und

den Namen Saturn haben, nebst dem Planeten-Zeichen oder Charakter[8].

Wenn der Mond an einem Sonnabend im Stier oder Steinbock eintritt, und

Saturn eines rechten Ganges und guten Wesens ist, so wird das Siegel in

Schnelligkeit gestochen, und dasselbe in einem schwarzseidenen Tuche

getragen. – Dieses Siegel ist gut für schwangere Weiber, dann mehrt

sich alles bei dem Träger; und wenn der Reiter es im linken Stiefel

trägt, wird sein Pferd keinen Schaden leiden.

[8] S. Fig. 1.

Wird aber dieses Siegel gemacht, wenn Saturn in seinem Rückgang ist, an

einem Samstag, und in seiner Stunde, so verhindert er alles Vornehmen,

und wer es trägt, dem gelingt nichts, und nimmt alles ab.

=Das Siegel des Jupiters.=

Es wird von feinem englischen Zinn gegossen; auf der einen Seite das

Quadrat mit 16 kleinen Quadraten gegraben, in den oben angeführten

Linien muß die Zahl 34 addirt werden können. Auf der andern Seite soll

ein Mann in ehrwürdiger Kleidung, in einem Buche lesend, stehen, auf

dem Haupte einen Stern mit dem Namen _Jupiter_, dabei sein Zeichen oder

Charakter[9]. Am Donnerstag, wenn der Mond in die Wage tritt, im ersten

Grad, wird das Zinn in Schnelligkeit geprägt, und dasselbe in einem

blauseidenen Tuche getragen. – Dieses Siegel giebt Liebe, Huld und

Gunst von allen Menschen, und wer es bei sich trägt, bei dem mehrt es

sich, und nimmt zu von Tag zu Tage, und macht seinen Träger glücklich

in allen Handlungen.

[9] S. Fig. 2.

=Siegel des Mars.=

Dieses Siegel muß vom besten Eisen geschmiedet werden. Die eine Seite

ist wieder quadrirt, und das Quadrat mit 5 multiplizirt, muß in den

Linien die Summe 65 stehen. Auf der andern Seite steht das Bild des

Planeten: ein gepanzerter Kriegsmann, in der Linken eine Tartsche, in

der Rechten ein blankes Schwert haltend; auf seinem Haupt ein Stern,

der Name des _Mars_ und das Zeichen[10]. Dieses Siegel giebt Stärke und

Sieg in jedem Kampf, überwindet die Feinde und giebt keinen Schaden.

Wenn man dies Siegel in eine Festung eingräbt, so müssen die Feinde

verlieren. Wenn man aber das Siegel, wie überhaupt alle andern, macht,

wenn Mars zurückkehrt, und in einem unglücklichen Aspekt steht, so wird

das Gegentheil: Krieg, Haß, Neid und alles Unglück.

[10] S. Fig. 3.

=Siegel der Sonne.=

Dieses wird vom feinsten Golde gemacht, das Quadrat wird mit 6

multiplizirt und in den Linien muß man die Zahl 111 addiren können.

Auf der andern Seite muß das Bild des Planeten stehen: ein gekrönter

König, auf einem Thron sitzend, ein Scepter in seiner Rechten, auf

dem Haupte eine Sonne, und den Namen _Sol_ und das Zeichen[11]; zu

den Füßen liegt ein Löwe. Wenn am Sonntag der Mond im Löwen tritt, im

ersten Grad etc., muß das Siegel gemacht werden, und dieses trägt man

in einem gelbseidenen Tuche bei sich. Es giebt Gunst und Gnade vor

allen Fürsten, und erhöht den Menschen täglich, daß er an Ehre und Gut

zunimmt.

[11] S. Fig. 4.

=Siegel der Venus.=

Dies wird von reinem Kupfer gemacht, auf der einen Seite quadrirt, das

Quadrat mit 7 multiplizirt, daß in den Linien 175 gezählt werden kann.

Auf der andern Seite steht das Bild des Planeten: ein Weib, in ihrer

Linken eine Lyra haltend, auf dem Haupte hat sie einen Stern mit dem

Namen _Venus_ und dann das Zeichen[12]. Neben ihr steht ein Kind mit

Bogen und Köcher. Dies Siegel wird an einem Freitag gemacht, wenn der

Mond im Stier oder in die Jungfrau tritt, im ersten Grad, bei guten

Aspekten, und trägt dasselbe in einem grünseidenen Tuche. – Es giebt

Gunst und Liebe zwischen Mann und Frau, vertreibt alle Feindschaft und

giebt Geschicklichkeit in der Musik.

[12] S. Fig. 5.

=Siegel des Merkur.=

Dieses muß von coagulirtem Quecksilber (oder auch vom Blei) gegossen

werden. Die Form muß aus zwei Stücken bestehen; in das eine kommt die

Zahl oder das Quadrat, in das Andere das Bild. Das Quadrat wird mit 8

multiplizirt, und muß in jeder Reihe 260 stehen. Das Bild des Planeten

ist ein Mann mit Flügel auf dem Rücken und an den Füßen, einen Stab in

der rechten Hand, woran zwei Schlangen sich winden, auf seinem Haupte

ein Stern, dann der Name _Mercurius_ und sein Zeichen[13]. Das Siegel

wird gegossen, wenn der Merkur in Aspekt ist, an einem Mittwoch, wenn

der Mond in den Zwilling oder Scorpion tritt. Man trägt es in einem

purpurfarbenseidenem Tuche. Es giebt Gunst, Verstand zur Philosophie

und allen natürlichen Künsten. Wer dieses Siegel beim Schlafengehen

unter das Haupt legt, wird alles erfahren, was man wünscht.

[13] S. Fig. 6.

=Siegel des Mondes.=

Es wird von feinem Silber gegossen, auf der einen Seite das Quadrat,

welches mit 9 multiplizirt wird und in jeder Linie 369 Zahlen stehen.

Auf der andern Seite ist das Bild des Planeten: ein Weib mit einem

umschwebenden Kleide, auf einem halben Mond stehend und einen halben

Mond in der Rechten haltend; auf ihrem Haupte ein Stern und der Name

_Luna_, mit dem Zeichen[14]. Wenn der Mond in gutem Aspekt an einem

Montag, wenn er in den Steinbock oder in die Jungfrau eintritt, im

ersten Grad, wird das Siegel gestempelt und dann in einem weißen Tuche

bei sich getragen. Dieser Talisman schützt vor vielen Krankheiten,

ist auch den Auswandernden gut, und denen, die viel Land bauen; es

beschützt sie vor Mörder und Räuber und macht alle Dinge beständig.

[14] S. Fig. 7.

=Der Heckethaler.=

Darunter versteht man ein Stück Geld, welches, wenn es ausgegeben

wird, jedesmal wieder in die Tasche zurückkehrt, oder sich immer

vermehrt. Dieses Hexengeld zu erlangen, haben wir zwei Anweisungen;

wenn also die eine nicht hilft, soll die andere helfen, woher schon

das ganze Hexenstückchen verdächtig wird. Derjenige also, welcher das

Heckegeld zu haben wünscht, soll sich in der Christnacht auf einen

Kreuzweg setzen und einen Kreis von dem Gelde, welches man haben will,

Groschen, Gulden, Thaler, Dukaten etc., um sich herum machen und sich

nicht umsehen. Hierauf muß er das Geld vor- und rückwärts zählen, so

oft es ihm beliebt, sich aber ja nicht irre machen lassen, denn unterm

Zählen würden Gespenster und Larven ihn stören wollen. Endlich werde

der Teufel erscheinen und auch ein Stück Geld von der Sorte, die man

zählte, dazu legen. Dies sei das gewünschte Heckegeld.

Die zweite Anweisung lautet also: Derjenige, welcher solches Heckegeld

wünschte, solle in der Christnacht eine schwarze Katze in einen

Sack stecken und damit drei Mal um eine Kirche laufen. Wenn solches

geschehen, müsse er die Katze dem Teufel, der sich in der Kirchthür

sehen ließ, übergeben, wofür er alsbald ein Stück Geld empfing. Der

Teufel riß sogleich die Katze in tausend Stücken, indeß müßte aber der

Mensch eilen, daß er wieder unter einem Dache käme, ehe der Teufel mit

der Katze fertig würde, sonst bräche er ihm den Hals.

Wie abgeschmackt, daß der Teufel sogar in die Kirchthür tritt, um eine

Katze zu kaufen!

=Vom Wehrwolf.=

Schon in den ältesten Zeiten glaubte man, daß man durch Zauberei sich

und andere in Thiere verwandeln und also in Wehrwölfe umschaffen könne.

– Ein Wehrwolf ist dem Wesen nach ein Mensch, der von dem Teufel

das Vermögen empfangen haben soll, thierische und andere Gestalten,

bald einer Katze, bald eines Hundes, Pferdes, besonders aber eines

Wolfes, nach Belieben anzunehmen oder andern zu geben. Zur Zeit der

Hexenprozesse wurden auch vermeinte Wehrwölfe verbrannt. _Bodinus_, der

Hexenrichter war, erzählt in seiner _Dæmonomanie des forciers_: daß ein

gewisser _Aegidius Garnier_, welcher am Michaelistage, in der Gestalt

eines Wehrwolfes, ein Mädchen von zwölf Jahren, ohnfern =Dole=, in

einem Weinberg zerrissen, gefressen, und seiner Frau davon mit nach

Hause gebracht, und noch mehrere solche Mordthaten verübt hatte, zu

=Dole= den 18. Januar 1583 lebendig verbrannt wurde.

Eine schwarze Katze oder einen schwarzen Hund hält noch Mancher aus

dem Pöbel für eine Hexe. Die Entstehung dieser Fabel aber ist daher

gekommen, daß die alten Weisen ihre Lehren bildlich vortrugen, und ihre

Lehren und Nachrichten in sinnliche Erzählungen einkleideten, die von

dem größern Haufen buchstäblich verstanden wurden. Sie sagten z. B. ein

Schwelger verwandle sich in ein Schwein; ein Unzüchtiger in einen Hund

u. s. w. Da dieses nun durch menschliche Kräfte nicht möglich zu machen

war, erdichtete man Zauberer, wie z. B. jene _Circe_, die die Menschen

in Thiere verwandeln sollte, wie die Gefährden des Ulysses in Schweine.

Vom Bannen und Festmachen.

Die Zauberkunst, welche Etwas festmacht, daß es sich nicht von der

Stelle bewegen kann, heißt =bannen=, z. B. Diebe, welche das Gestohlene

nicht fortbringen können – daß das Feuer nicht weiter brenne u. s. w.

Von diesen wollen wir einige Beispiele angeben.

=Einen stehend zu machen.=

Die christliche Magie hat dieses Kunststück erfunden. Folgendes ist die

=Formel=; wer sie aber versuchen will, muß den Gegenstand festhalten,

damit er nicht davon läuft.

Ich thu’ dich anblicken, drei Blutstropfen sollen dich erschricken

in deinem Leibe, der erste mit einer Leber, der zweite mit einer

Zung’, der dritte mit einer Manneskraft, ihr reitet oder gehet zu Fuß,

gebunden sollt ihr seyn, vest gebunden,

So gewiß und vest,

So vest, so vest, so vest,

Als der Baum hält seine Aest,

Und der Ast hält seine Aest,

Und der Hirsch hält seine Zungen,

Und der Herr Christus uns das Himmelreich errungen.

So gewiß und wahr sollt ihr stehen,

Als der heilige Johannes stand am Jordan,

Da er den lieben Herrn Jesum getaufet,

Und also so gewiß und wahrhaftig sollt ihr stehen,

Bis die liebe göttliche Mutter

Einen andern Sohn gebähret.

So gewiß sollt ihr sein gebunden

Zu dieser Tag und Stunden

Im Namen Gottes † † † u. s. w.

=Lossprechung des Gebundenen.=

So mit und wahr ich euch hier im Namen der heil. Dreifaltigkeit

gebunden, so mit und wahr thu’ ich euch mit diesen Worten wieder

auflösen. Im Namen des Vaters † † † Amen.

=Wider die Feuersbrunst.=

Schon die Alten legten viel auf die =Kraft der Worte=, und die

christliche Magie hat sie beibehalten.

Wer also das Feuer bannen will, soll an die Häuser die Worte: _Arse

Vorse_ schreiben, dann brennt es nicht weiter. Andere schreiben auf

einen hölzernen Teller des Freitags bei abnehmendem Monde, zwischen

11 und 12 Uhr, mit frischer Tinte und einer neuen Feder die Figur 8.

Bei einer Feuersbrunst werfen sie diesen Teller in das Feuer. Dies

wird noch zwei Mal wiederholt, wenn es das erste Mal nicht hilft. Oder

man schreibt auf die Unterrinde eines Brodes _Aghela_, oder auf einen

Zettel, welchen man in das Brod bäckt und solches aufhebt, um es bei

einem entstehenden Feuer mit einem Segenspruch zum Löschen ins Feuer zu

werfen.

=Der Feuersegen.=

Feuer stehe still, um Gottes Will,

Um des Herrn Jesu Christi Willen,

Feuer stehe still in deiner Gluth,

Wie Christus der Herr ist gestanden in seinem rosinfarbnen Blut.

Feuer und Gluth, ich gebeut dir bei Gottes Namen,

Daß du nicht weiter kannst von dannen,

Sondern behältst alle deine Funken und Flammen,

Amen! Amen! Amen!

=Ein Segenspruch, womit man das Blut stillen kann.=

_Sanguis mane in venis,

Sicut Christus pro te in poenis:

Sanguis mane fixus,

Sicut Christus crucifixus._

=Ein Segenspruch gegen den Wurm am Finger.=

Gott Vater fährt gen Acker,

Er ackert fein wacker,

Er ackert drei Würmer heraus,

Einer war weiß, der andere schwarz, der dritte roth,

Hier liegen alle Würmer todt.

So soll man auch das Feuergewehr versagen können, daß es nicht losgehe,

– Hunde besprechen, daß sie nicht bellen u. s. w.

Diese Kunststücke sind theils sehr alt. – Bei dem =Bannen des Wildes=

verfährt man also:

Man mache aus Silber, Kupfer oder Zinn das Bild eines Mannes, der in

der rechten Hand einen gespannten Bogen hält, worauf ein Pfeil liegt,

– im Gießen und Stechen spricht man: durch dieses Bild binde ich

alles Wild im Walde, Hirsche, Rehe, Hasen, Füchse u. s. w. – Wenn nun

der dritte Grad des Löwen aufsteigt, so steche man auf ein gleiches

Metall alle Arten Wild, und bei der Arbeit spreche man: durch dieses

Bild binde ich alles Wild u. s. w. Hierauf werden beide Bilder so

zusammengelegt, daß die Seiten, worauf gestochen, zusammenstoßen, und

dann fest gebunden, und in ein grünseidenes Tuch gewickelt und bei

sich getragen. Man darf aber zu keiner andern Zeit auf die Jagd gehen,

als wenn der Mond im Widder, Löwen oder Schützen ist.

Ob wohl jemand, der nicht schießen kann, auch treffen wird!

Das eigentliche =Festmachen=, die =Frei-Schützenkunst=, ist eine

Kunst, daß der Mensch mit keinem Gewehr verletzt werden kann. (S.

Abth. III. Frei-Schützenkunst, der Freischütz.) Insgemein wird sie die

=Passauische Kunst= genannt, weil sie im Jahr 1611, als um Passau ein

Heer sich versammelte, bekannt wurde, indem der Scharfrichter zu Passau

den größten Theil der teutschen Soldaten diese Kunst mitgetheilt haben

soll, von wo sie weiter bekannt wurde. Er gab ihnen papierne Zettel mit

Charakteren und Wörtern: _Arios_, _Beji_, _Glaji_, _Alpke_, _nalat_,

_nasala_, _eri lupie_, bezeichnet, zu verschlucken.

Wenn damals diese Soldaten des Erzherzogs Matthias gut davon kamen, so

war die Ursache, daß die schlecht bezahlten und mißvergnügten Gruppen

Rudolphs II. gar keinen Widerstand leisteten. – Das beste Zettelchen

wird wohl heißen: Hundsvott, wehre Dich!

Andere Abergläubige tragen auch die =Länge Jesu= bei sich, um gegen

den Schuß sicher zu seyn. Es ist ein Riemen Papier, eine Hand breit

und fünf Fuß lang; denn so groß soll Jesus gewesen seyn. Dies steht

auf dem Riemen gedruckt. Man will diese Länge 1655 zu Jerusalem bei

dem heiligen Grabe gefunden haben, und Papst Clemens VIII. soll nicht

nur diese Nachricht, sondern auch die Gebete, die auf diesem Papier

gedruckt stehen, und die für deren Anbetung verliehenen Gnaden gut

geheißen und bestätigt haben.

=Das Noth-Hemd.=

Ein Mädchen von sieben Jahren muß das Garn spinnen, und aus demselben

Leinwand würken, daraus ein Hemd gemacht, welches mit Kreuznähten

zusammengesetzt wird, worauf heimlich drei Messer darüber gelegt und

gestrichen werden. Dieses Hemd wird über das gewöhnliche angezogen. –

Wenn es nun nicht gegen Schuß, Stich und Hieb hält, so ist die Ausrede,

daß es nicht von dem Kinde allein gemacht worden sei u. s. w.

=Von der Waffen-Salbe.=

Das Lächerlichste ist schon, daß man sehr =viele= und =verschiedene=

Rezepte von dieser wundervollen Salbe hat, um daran glauben zu können.

Wir wollen eine anführen, und zwar nach Paracelsus:

_Rz._ Moos von einer Menschenhirnschale, 2 Unzen, dessen Mumie 1

Unze, ½ Unze Leinöl, 2 Quart Rosenöl, armenisch _bolus ana_ 1 Unze,

untereinander gemischt, und eine Salbe daraus gemacht, wozu Andere

noch 1 Unze Terpentin nehmen.

Die Behandlung dieser Salbe ist noch lächerlicher. Wenn einer

gestochen, gehauen oder geschlagen worden, so nimm diese Salbe, und

salbe die Wehr oder Waffe, damit er verwundet, aufwärts, den Schaden

darfst du nicht damit binden. Nimm ein reines Tüchlein, binde den

Schaden damit zu, und halte ihn rein, hebe die Waffe auf, thue sie

nicht in Wind, sondern an einen heimlichen Ort, nicht zu warm, noch

zu kalt, so heilt der Schade von sich selbst. Willst du wissen, wie

sich der Patient hält, so schaue die Wehr an, hat sie rothe Flecklein,

so hält er sich nicht. Willst du ihm wehe thun, so thue die Wehr in

ein Kehrigt; willst du ihm wohl machen, so ziehe die Wehr durch ein

frisches Feuer, mache sie aber nicht zu heiß. Also heilt einer, wenn er

über 20 Meilen Weges über Land ist u. s. w.

Von der Wünschelruthe.

Diese Zauberruthe, bei Schatzgräber und Bergleuten bekannt, wird auch

nach ihrer mannichfaltigen Anwendung =Wendes-, Windes-, Wünschel-,

Schlag-, Spring-, Gold-, Glücks-= und =Erlenruthe= genannt, zuweilen

auch die =göttliche Ruthe= – mit welcher, in vorigen Zeiten besonders,

mancherlei Betrügereien wegen Aufsuchung edler Metalle getrieben worden

sind. Sie wird von einer Haselstaude, auf Anhöhen, nicht an sumpfigen

Orten, und zwar im Sommer, Mittags bei hellem Wetter, =unterwärts=

gebrochen; sie muß zwei Zweige haben, wie eine Gabel, welche mit beiden

fest zusammen gemachten Fäusten, daß die Finger in die Höhe zu stehen

kommen, gefaßt werden, damit der Kopf, wo die beiden Zweige zusammen

sitzen, oben kömmt. Hierauf muß der Sucher Schritt vor Schritt gehen

und sich bisweilen bücken, damit die magnetische Kraft desto eher die

Ruthe ergreife und bewege. Wenn nun der Fuß eine Metallader berührt,

so dreht sich der Kopf von oben hernieder, gleichsam, als wenn das

verborgene Metall die Ruthe an sich zöge, und – man findet das Silber –

wenn welches verborgen liegt!

Zum Beweis der Kräfte dieser Ruthen sagt der Jesuit _Athanasius

Kircher_ in seinem dritten Buche _de Art. Magnet._: Wenn eine Pflanze

eine natürliche Neigung zu metallischen Oertern habe, so nehme sie

die Natur und Eigenschaft desselben Metalls, über welchem sie wachse,

an sich, indem sie die Nahrung, so aus dem metallischen Dunst oder

Ausdämpfung der Atome per _inspirationem insensibilem_ kommt, durch die

Kraft eines natürlichen Appetits, als etwas, das mit ihr übereinkomme,

an sich ziehe. Diese Sympathie sei gleich wie beim Magnet und Eisen.

Viele nehmen auch, nach Paracelsus, zu einem jeden Metall eine

besondere Ruthe, da jedes Metall mit gewissen Bäumen in Verwandtschaft

stehe: die Haselstaude gebrauchen sie auf Silber, die von Eschenholz

auf Kupfer, die von Tannen auf Blei, auf Gold aber machen sie Ruthen

von Eisen oder Kupfer.

Die Erlenruthe soll allein die Kraft haben, =Quellen= aufzusuchen.

Die ganze Hexerei oder Zauberei der Ruthengänger aber läuft auf Betrug

oder Selbstbetrug hinaus. (S. Abth. III. Wünschelruthe.)

=Die Springwurzel.=

Sie soll die Kraft haben, nicht allein die Schlösser aufzusprengen,

sondern auch große Ketten zu zerreißen, um Schätze damit

aufzuschließen. Man soll sie auf folgende Weise finden. Wenn man das

Nest eines Grünspechts, einer Elster oder eines Wiedehopfs mit einem

Keil zumache, so holten sie ein gewisses Kraut oder eine Wurzel,

welches den Keil heraussprenge. Wer nun ein rothes oder weißes Tuch

unter dem Baum läge, darauf ließen die Vögel die Wurzel fallen.

Wer wohl die Probe gemacht haben mag?

=Die Alraunwurzel.=

Diese Pflanze (_Atropa Mandragora_) soll den Besitzer reich und

glücklich machen; auch war sie schon unter dem Namen _Circea_, von der

Zauberin Circe, bekannt, weil sie in der Zauberkunst von großem Nutzen

sein sollte.

Da man diese Pflanze im Umkreis des Galgens finden soll, so wird sie

auch =Galgenmännlein= genannt.

Sie wird auf folgende Weise gegraben. An einem Freitag vor

Sonnenaufgang (Andere sagen in der Nacht von 11 bis 12 Uhr) soll man

sich mit einem schwarzen Hunde an den Ort begeben, aber vorher seine

Ohren mit Baumwolle oder Wachs verstopfen, weil die Wurzel, wenn sie

aus der Erde gezogen wird, ein Geschrei macht, das dem Sucher Schaden

bringen würde. Darauf werden an dem Orte, wo die Pflanze steht, drei

Kreuze darüber gemacht, die Erde rings umher abgegraben, daß die

Wurzel nur noch an wenig Fasern hängt. Endlich umfaßt man sie mit

einem Stricke, bindet solchen den Hund an den Schwanz, hält demselben

ein Stück Brod oder Fleisch vor, und läuft davon. Wenn nun der Hund

nachfolgen will, reißt er die Wurzel aus der Erde und fällt todt

nieder; dem Menschen aber geschieht kein Schaden. Nachdem man nun die

Wurzel, welche eine menschenähnliche Gestalt haben soll, in seine

Gewalt bekommen, muß man sie rein waschen, sie auch bekleiden, auf ein

weiches Lager in ein Kästchen legen, zu gewissen Zeiten mit Wein baden,

neu anziehen und fleißig warten. So hat man denn einen Schatz, der

Glück bringt, das steinerne Herz bewegt, und legt man ein Stück Geld

dabei, so hat man am Morgen zwei Stücke dafür.

Das Ganze, wie man merkt, läuft ebenfalls auf Betrügerei hinaus. Die

Gefahr und Mühe des Grabens dieser Wurzel mußten sie als ein theures

Ding erkaufen. – Die ganze Pflanze, die gar nichts menschenähnliches

hat, wird zu den =betäubenden= gerechnet und in der Medizin nicht

gebraucht.

=Das Sieblaufen= (_Oscinomantia_).

Ein alter Aberglaube, wodurch man erforschen will, wer etwas gestohlen,

oder sonst eine böse That begangen hat. Man macht es also: Man nimmt

eine Zange oder Erbscheere, die so lang ist, daß man das Sieb zu beiden

Seiten des Randes fassen kann, und hält dasselbe in die Höhe, daß

es vertikal hängt. Darauf müssen zwei Personen die Zange mit ihrem

Mittelfinger von beiden Seiten zusammen halten, und der Hexenmeister

spricht folgende barbarische Worte:

_Dies, mies, Jeschet, benedæfet,

dowima, Enitemans._

Dann nennt er die Namen der verdächtigen Personen. So bald nun der

Schuldige genannt wird, soll sich das Sieb drehen und ihn dadurch

verrathen. – Wenn nun den Siebhaltern die Hände zittern, oder bei

Nennung eines Namens, den man =besonders= in Verdacht hat, eine

Bewegung geschieht – die natürlich geschehen wird – so wird und muß

sich das Sieb drehen!

Denselben Aberglauben treibt man auch mit einer Erb-Bibel und einem

Erb-Schlüssel.

_Speculum Salomonis_, oder =der Spiegel Salomons=.

In einem Manuscripte, welches obigen Titel führt, werden drei Spiegel

beschrieben und jeder zu einem besondern Gebrauche bestimmt. Diese

Spiegel sollen aus den sieben Metallen, das Quecksilber mit darunter

gerechnet, gefertigt werden. Diese Metalle werden nach Vorschrift

gereinigt; dann fängt man (in Gottes Namen) an, in der Stunde,

wenn der Mond neu wird, und thut Gold und Eisen in einen neuen

Tiegel, schmelzt es bei starkem Feuer; dann schreibt man die Worte

mit Taubenblut auf Papier: _Teonemanuel Iskiroh_, und den Taufnamen

desjenigen, für den der Spiegel bestimmt ist, wirft es hinein und läßt

es mit verbrennen. Der Tiegel wird hierauf an einen sichern Ort gethan.

Wenn der Mond voll wird, setzt man den Tiegel wieder aufs Feuer und

wirft zu den vorigen zwei Metallen Kupfer hinein mit demselben Papiere.

Auf gleiche Weise wartet man, bis der Mond wieder neu wird, setzt den

Tiegel aufs Feuer und wirft Blei mit dem Zettel hinein. So wird es

auch mit dem Silber und zuletzt mit dem Zinn und Quecksilber gemacht,

wobei aber das Zettelchen mit den Charakteren und den Taufnamen nicht

fehlen dürfen. Sind nun die sieben Metalle auf diese Weise zusammen

geschmolzen, läßt man sie im Tiegel drei Tage nach dem neuen Mond

stehen, dann in der Stunde, da vorher der Mond neu worden ist, schmelzt

man die Materie und gießt die Spiegel in die Form. Bei Gießung des

ersten Spiegels spricht man:

Aus Gott kömmt }

In Gott ist } alle Weisheit.

Bei Gott bestehet }

Gott der Vater liebet }

Bei Gießung des andern Spiegels spricht man:

Gott der Sohn erhält }

Gott der Sohn erlöset } alle Welt.

Gott der Sohn speiset }

Und bei Gießung des dritten Spiegels spricht man:

Der heilige Geist erleuchtet }

Der heilige Geist tröstet } alle, die Wahrheit lieben.

Der heilige Geist stärket }

Sind die Spiegel fertig, so werden auf die Rückseite wunderliche

Figuren und barbarische Wörter eingegraben; dann wird der Spiegel

polirt.

Nachdem man die Spiegel, wenn der Mond neu wird, in einem Rahmen oder

Kasten, ebenfalls mit Figuren umschrieben, gelegt hat, schreibt man

eine Frage auf Papier, legt es unter dem Spiegel, und erfährt, was

man will. Aber nur derjenige darf in den Spiegel schauen, für den er

gemacht worden ist.

Im ersten Spiegel sieht man, was an allen Orten geredet und gehandelt

wird, als: was macht der Kaiser von China? Die Antwort wird im Spiegel

erscheinen. Auch erfährt man durch ihn, was in versiegelten Briefen

steht.

Im zweiten Spiegel sieht man, was einem im Körper fehlt und wie ihm zu

helfen sei. – Die Fragen werden aber mit des Fragers Urin geschrieben,

und die Schrift mit Pulver von Vitriol und Galläpfeln bestreut, damit

sie sichtbar werde. Man kann auch durch diesen Spiegel Andern die

Nativität stellen.

Im dritten Spiegel sieht man alle Heimlichkeiten: Verbrechen,

Diebstahl, Betrügerei etc.

Der geneigte Leser sieht nun, was er von dem berüchtigten =Spiegel

Salomons= zu halten habe, und daß Alles auf Aberglauben, Mißbrauch des

Namen Gottes und verwirrte Einbildungskraft ausgeht.

=Vom Unsichtbarmachen.=

Diese vermeinte Wunderkunst hat schon im grauen Alterthum Anhänger

gehabt, z. B. der Ring des Giges soll unsichtbar gemacht haben, und

Apollonius von Thyana machte sich schnell unsichtbar, um dem Zorn des

Kaiser Domitian zu entfliehen.

Viele suchen die Kraft in einem Steinchen, das sich in einem

Zeisig-Neste befände, und man es durch den Schatten im Wasser, oder

einen Spiegel entdecken solle. Andere suchen das Steinchen bei den

Raben, wenn man nämlich einen jungen Raben aus dem Neste nimmt, ihn

erwürgt, und bei dem Neste an einen Faden aufhängt; dann soll der alte

Rabe wegfliegen, und das Steinchen der Unsichtbarkeit bringen, welches,

wenn er es dem todten Raben in den Schnabel gesteckt hat, denselben

unsichtbar mache. Deswegen soll man an den todten Raben einen langen

rothen Faden binden, um ihn zu finden.

Dies ist eine unschuldige Zauberei; nicht so die folgende, auf andere

Weise durch Beschwörungsformeln. – Man spricht:

Grüß euch Gott! Seyd ihr wohlgemuth?

Habt ihr getrunken des Herrn Christi Blut?

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,

Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.

Christus ist mein Mantel, Rock, Stock und Fuß. Seine heiligen fünf

Wunden mich verbergen thun. Amen.

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth,

Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut.

Christus, der Herr, der die Blinden sehend gemacht und die Sehenden

blind machen kann, wolle euch eure Augen ganz verdunkeln und

verblenden, daß ihr mich gar nicht sehet noch merket, sondern eure

Augen stets von mir abwenden müßt. Amen.

Gesegne mich Gott! Ich bin wohlgemuth!

Ich habe getrunken des Herrn Christi Blut!

Nun in Gottes Namen! ich bin in Christo reich,

Und was ich bet’ und will und greif’,

Dem bin ich in Christo gleich,

Als der Heilige im Himmelreich.

Im Namen Gottes † † †. Amen.

Hierauf bete fünf Vater Unser und den Glauben, so wirst du unsichtbar

erfunden werden.

Hier ist jedoch von keinem Bösen die Rede, sondern =christliche= Magie,

welche sich mit der kirchlichen Orthodoxie entwickelte, und zwar im 17.

Jahrhunderte neben der entsetzlichsten Teufelszauberei.

Von der Chiromantie.

Sie ist eine Wissenschaft aus den Linien und Bergen der flachen Hand,

ingleichen aus den Adern auf den Händen und den Nägeln an den Fingern,

von des Menschen Leibes- und Gemüthsbeschaffenheit, Gesundheit und

Krankheit zu urtheilen, und sein Glück oder Unglück, das ihm entweder

schon begegnet oder begegnen wird, zu errathen und anzuzeigen. Sie

wird eingetheilt in die =physische= und =astrologische=. Die erste hat

allein mit der Beschaffenheit des Körpers und den damit verknüpften

Gemüthsneigungen zu thun, die andere urtheilt von Glücks- und

Unglücksfällen, Heirathen, Kindern, Freunden, Feinden u. s. w. – In

der physischen Chiromantie betrachtet man die Linien in der Hand, ihre

Länge, Züge, Lage, Gestalt, Abschnitte und Vermischungen mit einander.

Auf gleiche Weise werden die Adern auf den Händen in Betrachtung

gezogen. Bei den Nägeln bemerkt man ihre Länge, Breite, Farbe, Flecken

u. s. w.

Der Wahrsager begründet seine Thorheit darauf, daß Gott und die

Natur nichts umsonst gemacht habe, folglich müßten die Zeichen auch

ihre gewisse Absicht und Bedeutung haben. – Da aber die Hände auf

verschiedene Weise gebraucht werden, so erhalten sie auch verschiedene

Linien. Aus der Lebenslinie urtheilt man unter andern, ob der Mensch

kurz oder lange leben werde. Nun sterben aber viele Kinder bald nach

der Geburt, in deren Händen sich dennoch die Lebenslinie befindet –

also wozu diese Linie, wenn sie nichts andeutet?

Die astrologische Chiromantie wird daher so genannt, weil sie entweder

verschiedene Dinge aus der Astrologie borgt, oder, wie diese, mit

Vorhersagung zukünftiger Dinge sich beschäftiget. So giebt es nun,

wie in der physischen, verschiedene Linien in der Hand, als: die

Lebenslinie, Hauptlinie, Glückslinie, Tischlinie, der Liebesgürtel, die

Ehrenlinie, Heirathslinie, Querlinie. – Dann giebt man Acht auf die

in der Hand befindlichen Berge, deren man, nach den sieben Planeten,

auch sieben zählt und einem jeden seinen eignen Planeten zueignet,

wovon er auch den Namen führt. Dann hat man auch noch einige Flächen,

die zwischen gewissen Linien eingeschlossen liegen und ihre besondern

Namen haben. In der physischen Chiromantie urtheilt man hierdurch nur

vom gegenwärtigen Zustande des Menschen; die astrologische allein von

zukünftigen Dingen.

Was sollen nun, noch Einmal wiederholt, alle diese Linien u. s. w.

gelten, wenn es Menschen giebt, welche die Heirathslinie besitzen und

doch nicht geheiratet haben, Kinder, welche den Liebesgürtel haben,

frühzeitig sterben, mit der Ehrenlinie der Verbrecher stirbt? – Des

Spaßes wegen lasse man sich von zwei Chiromantisten aus der Hand

wahrsagen, und man wird den Widerspruch und die Charlatanerie erfahren.

(S. Abth. III. die Wahrsagerin.)

Wer nun noch Lust hat, ein Chiromantist zu werden, der siehe Fig. 9.

und lese weiter.

Die Finger an der Hand haben ihre bestimmten Namen: der Daumen

(_Pulex_), der Zeigefinger (_Index seu demonstrativus_), der

Mittelfinger (_Medius_), der Goldfinger (_Annularis_) und der Ohrfinger

(_Auricularis_).

Den Hügel oder Berg am Daumen nennt man _Mons Veneris_ (♀), den Berg am

Zeigefinger _Mons Jovis_ (♃), den am Mittelfinger _Mons Saturni_ (♄),

am Goldfinger _Mons Solis_ (☉) und am Ohrfinger _Mons Mercurii_ (☿).

Die Linie, welche am Gelenke der Hand sich befindet, heißt _Restricta_;

man hat bisweilen 4 Restrikten.

Die =Lebenslinie= (_Linea Vitae_) fängt bei der Mittellinie an,

zwischen dem Daum und Zeigefinger, umgeht den Berg des Daumes, und

läuft bis an das Ende der flachen Hand.

Die =Hauptlinie= (_Linea Capitis, Media naturalis_) fängt bei der

Lebenslinie an und geht durch die Mitte der Hand bis an das Ende.

Die =Tischlinie= (_Linea Mensalis_) fängt am Berge des Ohrfingers an

und geht bis zum Zeigefinger; sie hat oft viele Aeste.

Die =Glückslinie= (_Linea Saturni_) geht von der _Restricta_ aus und

bildet durch die andern Linien, indem sie dieselben durchschneidet,

gewisse Flächen. Oft findet man diese Linie gar nicht, oder sie geht

bis zur Mittellinie, an den Berg Saturn, oder sie fügt sich an die

Mitte der Lebenslinie mit einigen Aesten.

Wenn diese fünf Linien in einer gewissen Proportion stehen, so

erzeugen sie gewisse Flächen zwischen denselben: den =Tisch der Hand=

(_Quadrangulus_ oder _Mensa manus_), welcher zum Ohrfinger gehört;

daneben sieht man den =Triangel=, und unter demselben den =Mondberg=

(_Mons Lunae_), links vom Triangel liegt der =Marsberg= (_Mons Martis_).

Es giebt eigentlich nur 3 Prinzipal-Linien: die Lebenslinie, welche mit

dem Herz, die Glückslinie mit der Leber und die Hauptlinie mit dem Hirn

in Verbindung steht.

Ist nun die =Lebenslinie= lang und ganz, nicht zerschnitten, so

bedeutet sie ein gesundes langes Leben.

Wenn die =Linie des Hauptes= krumm und zertheilt ist, bedeutet es

Mangel an körperlicher Kraft, der Mensch ist unstät, zu guten und bösen

Handlungen geneigt.

Wenn die =Glückslinie= lang und breit ist, bedeutet es ein glückliches

Leben; ist sie zertheilt, Krankheit.

Der =Triangel=, wenn er drei gleiche spitzige Winkel hat, bedeutet

einen frommen friedsamen Menschen.

Wenn der =Tisch= lang ist und viele kleine Linien hat, die gegen den

Berg Jovis steigen, so bedeutet es Gesundheit, gutes Gemüth. Wenn

aber diese Linie sich zwischen dem Zeige- und Mittelfinger endet,

so bedeutet es, daß der Mensch am Haupt beschädigt werde, überhaupt

Blutfluß.

Wenn die =Tischlinie= die rechte Hand durchgehet, bedeutet es einen

bösen Menschen; ist aber diese Linie der Hauptlinie zugefügt, so hat

der Mensch ein sehr unruhiges Gemüth.

Der =Tisch der Hand=, wenn er eng in der Mitte ist, bedeutet einen

geizigen Menschen; ist aber der Tisch in der Mitte breit, so ist er ein

Verschwender. Ein kleiner Tisch bedeutet einen gewöhnlichen Menschen.

Hiermit werden die neugierigen Leser und Leserinnen zufrieden sein, –

denn es giebt noch eine große Zahl von Nebenlinien, besondere kleine

Figuren, die alle ihre Bedeutungen haben, womit wir einen eigenen Band

füllen könnten.

Des Spaßes wegen wollen wir zuletzt noch die ganzen Hände mit ihren

Eigenschaften vornehmen:

Eine =lange Hand= mit =langen Fingern= bedeutet einen langsam trägen

Menschen, einen Phlegmatikus.

Wenn die =Mitte der Hand lang= und =hart= ist, dabei die =Finger lang=

sind, bedeutet es einen diebischen Menschen.

Ist die Mitte der Hand =hart=, doch =wohl proportionirt=, so bedeutet

es ein langes anmuthvolles Leben; ist die Hand aber =nicht gut=

proportionirt, ein kurzes Leben mit Kargheit.

Sind die Hände =dünn= und =lang=, doch nach dem Körper proportionirt,

so ist der Mensch gottesfürchtig und ehrbar.

Ist die Hand =kürzer=, als sie sein sollte, so ist der Mensch stark und

empfindlich.

Ist die Hand =kurz= und =stark=, so bedeutet es einen sündhaften

Menschen, und je mehr die =Finger hart= sind, desto boshafter.

Wenn eine Hand =lang= und =groß= ist, doch proportionirt, so bedeutet

es einen sehr vernünftigen Menschen – einen Gelehrten!

Wer =lange Hände= und =lange kleine Finger= hat, ist ein harter Mensch.

Die Natur gab auch den =Tyrannen= lange Hände!

=Von der Geomantie.=

Dies ist die sogenannte =Punktirkunst=. – Ehemals zeichnete man die

Punkte in Sand oder Erde, jetzt auf Papier. Man schreibt sich nämlich

die Frage oben auf das Blatt, damit man sie stets vor Augen hat, dann

fängt man an zu punktiren, und zwar 16 Reihen ungezählt, von der

rechten zur linken Hand, wie die Orientalen, und zwar so, daß zwischen

den vier Reihen ein Raum bleibt. Aus jeden vier Reihen wird eine

Figur gemacht. Doch solche =Punktirbücher=, die für sechs Pfennige

verkauft werden, kennt jedermann; sie sind aber nichts weiter als ein

Unterhaltungsspiel für – Spinnstuben.

=Von der Onomantie= oder =Weissagung aus dem Namen.=

Schon die Pythagoräer lehrten, daß die Buchstaben eine gewisse Zahl

bedeuteten, und derjenige, in wessen Namen mehr Buchstaben oder Zahlen

in der Summe wären, einen Vorzug hätte. Diese Art der Wahrsagerei hieß

_Sors Pythagorica_. In der Folge brachten es die Christen in eine

rechte Form. – Hier zur Unterhaltung etwas.

Man eignet den Buchstaben gewisse Zahlen zu, als:

_A B C D E F G H I K L M_

1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 20 2

_N O P Q R S T V X Z_

12 22 4 10 24 7 16 4 20 1

Statt des _W_ nimmt man zwei Mal _V_, und statt des _Y_ das _I_.

Hierauf schreibt man die Taufnamen einer oder mehrerer Personen in

ihrer Muttersprache auf, und nimmt statt der Buchstaben die Zahlen,

welche man addirt. Die herausgekommene Summe wird mit 28 dividirt; was

übrig bleibt, muß man nach den folgenden zwölf himmlischen Zeichen

beurtheilen:

=Rest:=

1. 2. ist Beherrscher des Widders (♈).

3. 4. " des Stiers (♉).

5. 6. 7. " der Zwillinge (♊).

8. 9. " des Krebses (♋).

10. 11. 12. " des Löwen (♌).

13. 14. " der Jungfrau (♍).

15. 16. " der Wage (♎).

17. 18. 19. " des Scorpions (♏).

20. 21. " des Schützen (♐).

22. 23. " des Steinbocks (♑).

24. 25. 26. " des Wassermanns (♒).

27. 28. " der Fische (♓).

Der Widder, Löwe und Schütze sind =feurig=;

Die Zwillinge, Wage und der Wassermann =luftig=;

Der Krebs, Skorpion und die Fische sind =wäßrig=;

Der Stier, die Jungfrau und der Steinbock =irdisch=.

Kommen nun nach geschehener Rechnung zwei Namen in Ein Zeichen, so ist

es gut und bedeutet =Zufriedenheit=, und sind es Eheleute, so überlebt

eins das andere nicht lange; sind sie uneinig, wird es bald Friede.

Fällt ein Name in ein feuriges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so

bedeutet es =Zank= und =Unglück=. Der das feurige Zeichen hat, lebt

länger, als der andere.

Fällt ein Name in ein luftiges, der andere in ein wäßriges Zeichen, so

ist die Bedeutung =mittelmäßig=. Der im luftigen Zeichen behält die

Oberhand.

Steht einer im luftigen, der andere im irdischen Zeichen, so ist es

eine =ganz unglückliche= Vorbedeutung, und der luftige behält die

Oberhand.

Fällt ein Name in ein wäßriges, der andere in ein irdisches Zeichen, so

bedeutet es =Glück=, und der im wäßrigen spielt den Meister.

Ein feuriges und luftiges Zeichen =vertragen sich mit einander=, jedoch

überlebt das luftige das feurige.

Feuer und Erde =vertragen sich nicht=; das feurige überlebt das

irdische.

Die luftigen und irdischen Zeichen sind =böse=; das luftige hat die

Oberhand.

Wir wollen jetzt für die Liebhaber ein Beispiel angehen. Gesetzt, zwei

Personen wollten sich aus den Namen weissagen lassen. Die erste hieß

=Otto=; die Buchstaben ihres Namens geben 76, diese mit 28 dividirt,

bleibt 20 und fällt in das Zeichen des =Schützen=, der =feurig= ist.

Der zweite Name hieß =Amalia=, welcher 34 giebt und, durch 28 dividirt,

6 übrig läßt, welche Zahl in das Zeichen der =Zwillinge= fällt und

=luftig= ist. – Also werden =Beide sich mit einander vertragen; das

luftige aber überlebt das feurige=.

Kann man die addirte Summe durch 28 nicht dividiren, so behält man

dieselbe.

Man hat noch einige andere Arten dieser Wahrsagung, aber alle laufen

ebenfalls auf Spielerei hinaus.

=Von den Geistern.=

Man theilt sie allgemein in sechs Klassen:

1) =Feuergeister=, welche ihre Wohnungen in der obersten Luftgegend

haben sollen. Sie erregen Blitz und Donner.

2) =Luftgeister=, welche man auch =Poltergeister=, =Sylvane=,

=Windleute= genannt hat, sollen ihren Sitz in der Luft haben, auch

Ungewitter erregen, den Menschen oft erscheinen und Schaden thun.

3) =Erdgeister=, die auf der Erde herumschweben, und wiederum in Wald-,

Feld-, Berg- und Hausgeister eingeteilt werden.

4) =Unterirdische Geister=, welche in Höhlen und Bergen, besonders in

Bergwerken wohnen, die in der Erde verborgene Schätze bewahren, auch

Erdbeben und Winde erregen.

5) =Wassergeister.= Diese wohnen an wasserreichen Orten, in Brunnen,

Flüssen, Seen, erregen Ungewitter auf dem Meere, richten die Schiffe zu

Grunde, und bringen die Menschen im Wasser um.

6) =Lichtscheue Geister.= Sie lassen sich niemals bei Tage sehen,

sondern schwärmen des Nachts herum, machen allerhand Gepolter und

fallen auch die Menschen an.

Diese Geister hält man für Geschöpfe zwischen Geister und Menschen mit

einem subtilen Leib, der durch Mauern und Wände dringt, und eine lange,

lange Zeit leben. –

Bilder der Wunderkunst und des Aberglaubens · 第 5 / 21 题