Vergebens versuchte sie mehrere Tage hintereinander auf ebendiese

Weise, von ihm bemerkt zu werden. Immer ging er seinen gewöhnlichen

Schritt, ohne die Augen aufzuschlagen oder da--und dorthin zu wenden.

Je mehr sie ihn aber ansah, desto mehr schien er ihr derjenige zu sein,

dessen sie so sehr bedurfte. Ihre Neigung ward täglich lebhafter und,

da sie ihr nicht widerstand, endlich ganz und gar gewaltsam. "Wie!"

sagte sie zu sich selbst, "nachdem dein edler, verständiger Mann den

Zustand vorausgesehen, in dem du dich in seiner Abwesenheit befinden

würdest, da seine Weissagung eintrifft, daß du ohne Freund und

Günstling nicht leben kannst, sollst du dich nun verzehren und

abhärmen zu der Zeit, da dir das Glück einen Jüngling zeigt, völlig

nach deinem Sinne, nach dem Sinne deines Gatten, einen Jüngling, mit

dem du die Freuden der Liebe in einem undurchdringlichen Geheimnis

genießen kannst? Töricht, wer die Gelegenheit versäumt, töricht, wer

der gewaltsamen Liebe widerstehen will!" Mit solchen und vielen

andern Gedanken suchte sich die schöne Frau in ihrem Vorsatze zu

stärken, und nur kurze Zeit ward sie noch von Ungewißheit hin und her

getrieben. Endlich aber, wie es begegnet, daß eine Leidenschaft,

welcher wir lange widerstehen, uns zuletzt auf einmal dahinreißt und

unser Gemüt dergestalt erhöht, daß wir auf Besorgnis und Furcht,

Zurückhaltung und Scham, Verhältnisse und Pflichten mit Verachtung als

auf kleinliche Hindernisse zurücksehen, so faßte sie auf einmal den

raschen Entschluß, ein junges Mädchen, das ihr diente, zu dem

geliebten Manne zu schicken und, es koste nun, was es wolle, zu seinem

Besitze zu gelangen.

Das Mädchen eilte und fand ihn, als er eben mit vielen Freunden zu

Tische saß, und richtete ihren Gruß, den ihre Frau sie gelehrt hatte,

pünktlich aus. Der junge Prokurator wunderte sich nicht über diese

Botschaft; er hatte den Handelsmann in seiner Jugend gekannt, er wußte,

daß er gegenwärtig abwesend war, und ob er gleich von seiner Heirat

nur von weitem gehört hatte, vermutete er doch, daß die

zurückgelassene Frau in der Abwesenheit ihres Mannes wahrscheinlich in

einer wichtigen Sache seines rechtlichen Beistandes bedürfe. Er

antwortete deswegen dem Mädchen auf das verbindlichste und versicherte,

daß er, sobald man von der Tafel aufgestanden, nicht säumen würde,

ihrer Gebieterin aufzuwarten. Mit unaussprechlicher Freude vernahm

die schöne Frau, daß sie den Geliebten nun bald sehen und sprechen

sollte. Sie eilte, sich aufs beste anzuziehen, und ließ geschwind ihr

Haus und ihre Zimmer auf das reinlichste ausputzen. Orangenblätter

und Blumen wurden gestreut, der Sofa mit den köstlichsten Teppichen

bedeckt. So ging die kurze Zeit, die er ausblieb, beschäftigt hin,

die ihr sonst unerträglich lang geworden wäre.

Mit welcher Bewegung ging sie ihm entgegen, als er endlich ankam, mit

welcher Verwirrung hieß sie ihn, indem sie sich auf das Ruhebett

niederließ, auf ein Taburett sitzen, das zunächst dabeistand! Sie

verstummte in seiner so erwünschten Nähe, sie hatte nicht bedacht, was

sie ihm sagen wollte; auch er war still und saß bescheiden vor ihr.

Endlich ermannte sie sich und sagte nicht ohne Sorge und Beklommenheit:

"Sie sind noch nicht lange in Ihrer Vaterstadt wiederangekommen, mein

Herr, und schon sind Sie allenthalben für einen talentreichen und

zuverlässigen Mann bekannt. Auch ich setze mein Vertrauen auf Sie in

einer wichtigen und sonderbaren Angelegenheit, die, wenn ich es recht

bedenke, eher für den Beichtvater als für den Sachwalter gehört. Seit

einem Jahre bin ich an einen würdigen und reichen Mann verheiratet,

der, solange wir zusammenlebten, die größte Aufmerksamkeit für mich

hatte und über den ich mich nicht beklagen würde, wenn nicht ein

unruhiges Verlangen zu reisen und zu handeln ihn seit einiger Zeit aus

meinen Armen gerissen hätte.

Als ein verständiger und gerechter Mann fühlte er wohl das Unrecht,

das er mir durch seine Entfernung antat. Er begriff, daß ein junges

Weib nicht wie Juwelen und Perlen verwahrt werden könne; er wußte, daß

sie vielmehr einem Garten voll schöner Früchte gleicht, die für

jedermann so wie für den Herrn verloren wären, wenn er eigensinnig die

Türe auf einige Jahre verschließen wollte. Er sprach mir daher vor

seiner Abreise sehr ernstlich zu, er versicherte mir, daß ich ohne

Freund nicht würde leben können, er gab mir dazu nicht allein die

Erlaubnis, sondern er drang in mich und nötigte mir gleichsam das

Versprechen ab, daß ich der Neigung, die sich in meinem Herzen finden

würde, frei und ohne Anstand folgen wollte."

Sie hielt einen Augenblick inne, aber bald gab ihr ein

vielversprechender Blick des jungen Mannes Mut genug, in ihrem

Bekenntnis fortzufahren.

"Eine einzige Bedingung fügte mein Gemahl zu seiner übrigens so

nachsichtigen Erlaubnis. Er empfahl mir die äußerste Vorsicht und

verlangte ausdrücklich, daß ich mir einen gesetzten, zuverlässigen,

klugen und verschwiegenen Freund wählen sollte. Ersparen Sie mir, das

übrige zu sagen, mein Herr, ersparen Sie mir die Verwirrung, mit der

ich Ihnen bekennen würde, wie sehr ich für Sie eingenommen bin, und

erraten Sie aus diesem Zutrauen meine Hoffnungen und meine Wünsche."

Nach einer kurzen Pause versetzte der junge, liebenswürdige Mann mit

gutem Bedachte: "Wie sehr bin ich Ihnen für das Vertrauen verbunden,

durch welches Sie mich in einem so hohen Grade ehren und glücklich

machen! Ich wünsche nur lebhaft, Sie zu überzeugen, daß Sie sich an

keinen Unwürdigen gewendet haben. Lassen Sie mich Ihnen zuerst als

Rechtsgelehrter antworten; und als ein solcher gesteh ich Ihnen, daß

ich Ihren Gemahl bewundere, der sein Unrecht so deutlich gefühlt und

eingesehen hat, denn es ist gewiß, daß einer, der ein junges Weib

zurückläßt, um ferne Weltgegenden zu besuchen, als ein solcher

anzusehen ist, der irgendein anderes Besitztum völlig derelinquiert

und durch die deutlichste Handlung auf alles Recht daran Verzicht tut.

Wie es nun dem ersten besten erlaubt ist, eine solche völlig ins

Freie gefallene Sache wieder zu ergreifen, so muß ich es um so mehr

für natürlich und billig halten, daß eine junge Frau, die sich in

diesem Zustande befindet, ihre Neigung abermals verschenke und sich

einem Freunde, der ihr angenehm und zuverlässig scheint, ohne Bedenken

überlasse.

Tritt nun aber gar wie hier der Fall ein, daß der Ehemann selbst,

seines Unrechts sich bewußt, mit ausdrücklichen Worten seiner

hinterlassenen Frau dasjenige erlaubt, was er ihr nicht verbieten kann,

so bleibt gar kein Zweifel übrig, um so mehr, da demjenigen kein

Unrecht geschieht, der es willig zu ertragen erklärt hat.

Wenn Sie mich nun", fuhr der junge Mann mit ganz andern Blicken und

dem lebhaftesten Ausdrucke fort, indem er die schöne Freundin bei der

Hand nahm, "wenn Sie mich zu Ihrem Diener erwählen, so machen Sie mich

mit einer Glückseligkeit bekannt, von der ich bisher keinen Begriff

hatte. Sein Sie versichert", rief er aus, indem er die Hand küßte,

"daß Sie keinen ergebnern, zärtlichern, treuern und verschwiegenern

Diener hätten finden können!"

Wie beruhigt fühlte sich nach dieser Erklärung die schöne Frau. Sie

scheute sich nicht, ihm ihre Zärtlichkeit aufs lebhafteste zu zeigen;

sie drückte seine Hände, drängte sich näher an ihn und legte ihr Haupt

auf seine Schulter. Nicht lange blieben sie in dieser Lage, als er

sich auf eine sanfte Weise von ihr zu entfernen suchte und nicht ohne

Betrübnis zu reden begann: "Kann sich wohl ein Mensch in einem

seltsamern Verhältnisse befinden? Ich bin gezwungen, mich von Ihnen

zu entfernen und mir die größte Gewalt anzutun in einem Augenblicke,

da ich mich den süßesten Gefühlen überlassen sollte. Ich darf mir das

Glück, das mich in Ihren Armen erwartet, gegenwärtig nicht zueignen.

Ach! wenn nur der Aufschub mich nicht um meine schönsten Hoffnungen

betriegt!"

Die Schöne fragte ängstlich nach der Ursache dieser sonderbaren

äußerung.

"Eben als ich in Bologna", versetzte er, "am Ende meiner Studien war

und mich aufs äußerste angriff, mich zu meiner künftigen Bestimmung

geschickt zu machen, verfiel ich in eine schwere Krankheit, die, wo

nicht mein Leben zu zerstören, doch meine körperlichen und

Geisteskräfte zu zerrütten drohte. In der größten Not und unter den

heftigsten Schmerzen tat ich der Mutter Gottes ein Gelübde, daß ich,

wenn sie mich genesen ließe, ein Jahr lang in strengem Fasten

zubringen und mich alles Genusses, von welcher Art er auch sei,

enthalten wolle. Schon zehn Monate habe ich mein Gelübde auf das

treulichste erfüllt, und sie sind mir in Betrachtung der großen

Wohltat, die ich erhalten, keinesweges lang geworden, da es mir nicht

beschwerlich ward, manches gewohnte und bekannte Gute zu entbehren.

Aber zu welcher Ewigkeit werden mir nun zwei Monate, die noch übrig

sind, da mir erst nach Verlauf derselben ein Glück zuteil werden kann,

welches alle Begriffe übersteigt! Lassen Sie sich die Zeit nicht lang

werden und entziehen Sie mir Ihre Gunst nicht, die Sie mir so

freiwillig zugedacht haben!"

Die Schöne, mit dieser Erklärung nicht sonderlich zufrieden, faßte

doch wieder bessern Mut, als der Freund nach einigem Nachdenken zu

reden fortfuhr: "Ich wagte kaum, Ihnen einen Vorschlag zu tun und das

Mittel anzuzeigen, wodurch ich früher von meinem Gelübde entbunden

werden kann. Wenn ich jemand fände, der so streng und sicher wie ich

das Gelübde zu halten übernähme und die Hälfte der noch übrigen Zeit

mit mir teilte, so würde ich um so geschwinder frei sein, und nichts

würde sich unsern Wünschen entgegenstellen. Sollten Sie nicht, meine

süße Freundin, um unser Glück zu beschleunigen, willig sein, einen

Teil des Hindernisses, das uns entgegensieht, hinwegzuräumen? Nur der

zuverlässigsten Person kann ich einen Anteil an meinem Gelübde

übertragen; es ist streng, denn ich darf des Tages nur zweimal Brot

und Wasser genießen, darf des Nachts nur wenige Stunden auf einem

harten Lager zubringen und muß ungeachtet meiner vielen Geschäfte eine

große Anzahl Gebete verrichten. Kann ich, wie es mir heute geschehen

ist, nicht vermeiden, bei einem Gastmahl zu erscheinen, so darf ich

deswegen doch nicht meine Pflicht hintansetzen, vielmehr muß ich den

Reizungen aller Leckerbissen, die an mir vorübergehen, zu widerstehen

suchen. Können Sie sich entschließen, einen Monat lang gleichfalls

alle diese Gesetze zu befolgen, so werden Sie alsdann sich selbst in

dem Besitz eines Freundes desto mehr erfreuen, als Sie ihn durch ein

so lobenswürdiges Unternehmen gewissermaßen selbst erworben haben."

Die schöne Dame vernahm ungern die Hindernisse, die sich ihrer Neigung

entgegensetzten; doch war ihre Liebe zu dem jungen Manne durch seine

Gegenwart dergestalt vermehrt worden, daß ihr keine Prüfung zu streng

schien, wenn ihr nur dadurch der Besitz eines so werten Gutes

versichert werden konnte. Sie sagte ihm daher mit den gefälligsten

Ausdrücken: "Mein süßer Freund! das Wunder, wodurch Sie Ihre

Gesundheit wiedererlangt haben, ist mir selbst so wert und

verehrungswürdig, daß ich es mir zur Freude und Pflicht mache, an dem

Gelübde teilzunehmen, das Sie dagegen zu erfüllen schuldig sind. Ich

freue mich, Ihnen einen so sichern Beweis meiner Neigung zu geben; ich

will mich auf das genaueste nach Ihrer Vorschrift richten, und ehe Sie

mich lossprechen, soll mich nichts von dem Wege entfernen, auf den Sie

mich einleiten."

Nachdem der junge Mann mit ihr aufs genaueste diejenigen Bedingungen

abgeredet, unter welchen sie ihm die Hälfte seines Gelübdes ersparen

konnte, entfernte er sich mit der Versicherung, daß er sie bald wieder

besuchen und nach der glücklichen Beharrlichkeit in ihrem Vorsatze

fragen würde, und so mußte sie ihn gehen lassen, als er ohne

Händedruck, ohne Kuß, mit einem kaum bedeutenden Blicke von ihr schied.

Ein Glück für sie war die Beschäftigung, die ihr der seltsame

Vorsatz gab, denn sie hatte manches zu tun, um ihre Lebensart völlig

zu verändern. Zuerst wurden die schönen Blätter und Blumen

hinausgekehrt, die sie zu seinem Empfang hatte streuen lassen; dann

kam an die Stelle des wohlgepolsterten Ruhebettes ein hartes Lager,

auf das sie sich, zum erstenmal in ihrem Leben nur von Wasser und Brot

kaum gesättigt, des Abends niederlegte. Des andern Tages war sie

beschäftigt, Hemden zuzuschneiden und zu nähen, deren sie eine

bestimmte Zahl für ein Armen--und Krankenhaus fertig zu machen

versprochen hatte. Bei dieser neuen und unbequemen Beschäftigung

unterhielt sie ihre Einbildungskraft immer mit dem Bilde ihres süßen

Freundes und mit der Hoffnung künftiger Glückseligkeit, und bei

ebendiesen Vorstellungen schien ihre schmale Kost ihr eine

herzstärkende Nahrung zu gewähren.

So verging eine Woche, und schon am Ende derselben fingen die Rosen

ihrer Wangen an, einigermaßen zu verbleichen. Kleider, die ihr sonst

wohl paßten, waren zu weit und ihre sonst so raschen und muntern

Glieder matt und schwach geworden, als der Freund wieder erschien und

ihr durch seinen Besuch neue Stärke und Leben gab. Er ermahnte sie,

in ihrem Vorsatze zu beharren, munterte sie durch sein Beispiel auf

und ließ von weitem die Hoffnung eines ungestörten Genusses

durchblicken. Nur kurze Zeit hielt er sich auf und versprach, bald

wiederzukommen.

Die wohltätige Arbeit ging aufs neue muntrer fort, und von der

strengen Diät ließ man keineswegs nach. Aber auch, leider! hätte sie

durch eine große Krankheit nicht mehr erschöpft werden können. Ihr

Freund, der sie am Ende der Woche abermals besuchte, sah sie mit dem

größten Mitleiden an und stärkte sie durch den Gedanken, daß die

Hälfte der Prüfung nun schon vorüber sei.

Nun ward ihr das ungewohnte Fasten, Beten und Arbeiten mit jedem Tage

lästiger, und die übertriebene Enthaltsamkeit schien den gesunden

Zustand eines an Ruhe und reichliche Nahrung gewöhnten Körpers

gänzlich zu zerrütten. Die Schöne konnte sich zuletzt nicht mehr auf

den Füßen halten und war genötigt, ungeachtet der warmen Jahrszeit

sich in doppelte und dreifache Kleider zu hüllen, um die beinah völlig

verschwindende innerliche Wärme einigermaßen zusammenzuhalten. Ja sie

war nicht länger imstande, aufrecht zu bleiben, und sogar gezwungen,

in der letzten Zeit das Bett zu hüten.

Welche Betrachtungen mußte sie da über ihren Zustand machen! Wie oft

ging diese seltsame Begebenheit vor ihrer Seele vorbei, und wie

schmerzlich fiel es ihr, als zehn Tage vergingen, ohne daß der Freund

erschienen wäre, der sie diese äußersten Aufopferungen kostete!

Dagegen aber bereitete sich in diesen trüben Stunden ihre völlige

Genesung vor, ja sie ward entschieden. Denn als bald darauf ihr

Freund erschien und sich an ihr Bette auf eben dasselbe Taburett

setzte, auf dem er ihre erste Erklärung vernommen hatte, und ihr

freundlich, ja gewissermaßen zärtlich zusprach, die kurze Zeit noch

standhaft auszudauern, unterbrach sie ihn mit Lächeln und sagte: "Es

bedarf weiter keines Zuredens, mein werter Freund, und ich werde mein

Gelübde diese wenigen Tage mit Geduld und mit der überzeugung

ausdauern, daß Sie es mir zu meinem Besten auferlegt haben. Ich bin

jetzt zu schwach, als daß ich Ihnen meinen Dank ausdrücken könnte, wie

ich ihn empfinde. Sie haben mich mir selbst erhalten; Sie haben mich

mir selbst gegeben, und ich erkenne, daß ich mein ganzes Dasein von

nun an Ihnen schuldig bin.

Wahrlich! mein Mann war verständig und klug und kannte das Herz einer

Frau; er war billig genug, sie über eine Neigung nicht zu schelten,

die durch seine Schuld in ihrem Busen entstehen konnte, ja er war

großmütig genug, seine Rechte der Forderung der Natur hintanzusetzen.

Aber Sie, mein Herr, Sie sind vernünftig und gut; Sie haben mich

fühlen lassen, daß außer der Neigung noch etwas in uns ist, das ihr

das Gleichgewicht halten kann, daß wir fähig sind, jedem gewohnten Gut

zu entsagen und selbst unsere heißesten Wünsche von uns zu entfernen.

Sie haben mich in diese Schule durch Irrtum und Hoffnung geführt; aber

beide sind nicht mehr nötig, wenn wir uns erst mit dem guten und

mächtigen Ich bekannt gemacht haben, das so still und ruhig in uns

wohnt und so lange, bis es die Herrschaft im Hause gewinnt, wenigstens

durch zarte Erinnerungen seine Gegenwart unaufhörlich merken läßt.

Leben Sie wohl! Ihre Freundin wird Sie künftig mit Vergnügen sehen;

wirken Sie auf Ihre Mitbürger wie auf mich; entwickeln Sie nicht

allein die Verwirrungen, die nur zu leicht über Besitztümer entstehen,

sondern zeigen Sie ihnen auch durch sanfte Anleitung und durch

Beispiel, daß in jedem Menschen die Kraft der Tugend im Verborgenen

keimt; die allgemeine Achtung wird Ihr Lohn sein, und Sie werden mehr

als der erste Staatsmann und der größte Held den Namen Vater des

Vaterlandes verdienen."

Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes "Unterhaltungen deutscher

Ausgewanderten" von Johann Wolfgang von Goethe.

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Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten · 第 3 / 3 段