Aber dies war ihm nicht genug. Er nahm sich sogleich vor, d

Ver.04.29.93*END*

Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

Johann Wolfgang von Goethe

Inhalt:

Bassompierres Geschichte von der schönen Krämerin

Ferdinands Schuld und Wandlung

Der Prokurator

Bassompierres Geschichte von der schönen Krämerin

Erzählung aus Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

(1795)

"Der Marschall von Bassompierre", sagte er, "erzählt sie in seinen

Memoiren; es sei mir erlaubt, in seinem Namen zu reden:

Seit fünf oder sechs Monaten hatte ich bemerkt, so oft ich über die

kleine Brücke ging--denn zu der Zeit war der Pont neuf noch nicht

erbauet--, daß eine schöne Krämerin, deren Laden an einem Schilde mit

zwei Engeln kenntlich war, sich tief und wiederholt vor mir neigte und

mir so weit nachsah, als sie nur konnte. Ihr Betragen fiel mir auf,

ich sah sie gleichfalls an und dankte ihr sorgfältig. Einst ritt ich

von Fontainebleau nach Paris, und als ich wieder die kleine Brücke

heraufkam, trat sie an ihre Ladentüre und sagte zu mir, indem ich

vorbeiritt: "Mein Herr, Ihre Dienerin!" Ich erwiderte ihren Gruß, und

indem ich mich von Zeit zu Zeit umsah, hatte sie sich weiter

vorgelehnt, um mir so weit als möglich nachzusehen.

Ein Bedienter nebst einem Postillon folgten mir, die ich noch diesen

Abend mit Briefen an einige Damen nach Fontainebleau zurückschicken

wollte. Auf meinen Befehl stieg der Bediente ab und ging zu der

jungen Frau, ihr in meinem Namen zu sagen, daß ich ihre Neigung, mich

zu sehen und zu grüßen, bemerkt hätte; ich wollte, wenn sie wünschte,

mich näher kennenzulernen, sie aufsuchen, wo sie verlangte.

Sie antwortete dem Bedienten, er hätte ihr keine bessere Neuigkeit

bringen können, sie wollte kommen, wohin ich sie bestellte, nur mit

der Bedingung, daß sie eine Nacht mit mir unter einer Decke zubringen

dürfte.

Ich nahm den Vorschlag an und fragte den Bedienten, ob er nicht etwa

einen Ort kenne, wo wir zusammenkommen könnten. Er antwortete, daß er

sie zu einer gewissen Kupplerin führen wollte, rate mir aber, weil die

Pest sich hier und da zeige, Matratzen, Decken und Leintücher aus

meinem Hause hinbringen zu lassen. Ich nahm den Vorschlag an, und er

versprach, mir ein gutes Bett zu bereiten.

Des Abends ging ich hin und fand eine sehr schöne Frau von ungefähr

zwanzig Jahren mit einer zierlichen Nachtmütze, einem sehr feinen

Hemde, einem kurzen Unterrocke von grünwollenem Zeuge. Sie hatte

Pantoffeln an den Füßen und eine Art von Pudermantel übergeworfen.

Sie gefiel mir außerordentlich, und da ich mir einige Freiheiten

herausnehmen wollte, lehnte sie meine Liebkosungen mit sehr guter Art

ab und verlangte, mit mir zwischen zwei Leintüchern zu sein. Ich

erfüllte ihr Begehren und kann sagen, daß ich niemals ein zierlicheres

Weib gekannt habe noch von irgendeiner mehr Vergnügen genossen hätte.

Den andern Morgen fragte ich sie, ob ich sie nicht noch einmal sehen

könnte, ich verreise erst Sonntag; und wir hatten die Nacht vom

Donnerstag auf den Freitag miteinander zugebracht.

Sie antwortete mir, daß sie es gewiß lebhafter wünsche als ich; wenn

ich aber nicht den ganzen Sonntag bliebe, sei es ihr unmöglich, denn

nur in der Nacht vom Sonntag auf den Montag könne sie mich wiedersehen.

Als ich einige Schwierigkeiten machte, sagte sie: "Ihr seid wohl

meiner in diesem Augenblicke schon überdrüssig und wollt nun Sonntags

verreisen; aber Ihr werdet bald wieder an mich denken und gewiß noch

einen Tag zugeben, um eine Nacht mit mir zuzubringen."

Ich war leicht zu überreden, versprach ihr, den Sonntag zu bleiben und

die Nacht auf den Montag mich wieder an dem nämlichen Orte einzufinden.

Darauf antwortete sie mir: "Ich weiß recht gut, mein Herr, daß ich

in ein schändliches Haus um Ihrentwillen gekommen bin; aber ich habe

es freiwillig getan, und ich hatte ein so unüberwindliches Verlangen,

mit Ihnen zu sein, daß ich jede Bedingung eingegangen wäre. Aus

Leidenschaft bin ich an diesen abscheulichen Ort gekommen, aber ich

würde mich für eine feile Dirne halten, wenn ich zum zweitenmal dahin

zurückkehren könnte. Möge ich eines elenden Todes sterben, wenn ich

außer meinem Mann und Euch irgend jemand zu Willen gewesen bin und

nach irgendeinem andern verlange! Aber was täte man nicht für eine

Person, die man liebt, und für einen Bassompierre? Um seinetwillen

bin ich in das Haus gekommen, um eines Mannes willen, der durch seine

Gegenwart diesen Ort ehrbar gemacht hat. Wollt Ihr mich noch einmal

sehen, so will ich Euch bei meiner Tante einlassen."

Sie beschrieb mir das Haus aufs genaueste und fuhr fort: "Ich will

Euch von zehn Uhr bis Mitternacht erwarten, ja noch später, die Türe

soll offen sein. Erst findet Ihr einen kleinen Gang, in dem haltet

Euch nicht auf, denn die Türe meiner Tante geht da heraus. Dann stößt

Euch eine Treppe sogleich entgegen, die Euch ins erste Geschoß führt,

wo ich Euch mit offnen Armen empfangen werde."

Ich machte meine Einrichtung, ließ meine Leute und meine Sachen

vorausgehen und erwartete mit Ungeduld die Sonntagsnacht, in der ich

das schöne Weibchen wiedersehen sollte. Um zehn Uhr war ich schon am

bestimmten Orte. Ich fand die Türe, die sie mir bezeichnet hatte,

sogleich, aber verschlossen und im ganzen Hause Licht, das sogar von

Zeit zu Zeit wie eine Flamme aufzulodern schien. Ungeduldig fing ich

an zu klopfen, um meine Ankunft zu melden; aber ich hörte eine

Mannsstimme, die mich fragte, wer draußen sei.

Ich ging zurück und einige Straßen auf und ab. Endlich zog mich das

Verlangen wieder nach der Türe. Ich fand sie offen und eilte durch

den Gang die Treppe hinauf. Aber wie erstaunt war ich, als ich in dem

Zimmer ein paar Leute fand, welche Bettstroh verbrannten, und bei der

Flamme, die das ganze Zimmer erleuchtete, zwei nackte Körper auf dem

Tische ausgestreckt sah. Ich zog mich eilig zurück und stieß im

Hinausgehen auf ein paar Totengräber, die mich fragten, was ich suchte.

Ich zog den Degen, um sie mir vom Leibe zu halten, und kam nicht

unbewegt von diesem seltsamen Anblick nach Hause. Ich trank sogleich

drei bis vier Gläser Wein, ein Mittel gegen die pestilenzialischen

Einflüsse, das man in Deutschland sehr bewährt hält, und trat, nachdem

ich ausgeruhet, den andern Tag meine Reise nach Lothringen an.

Alle Mühe, die ich mir nach meiner Rückkunft gegeben, irgend etwas von

dieser Frau zu erfahren, war vergeblich. Ich ging sogar nach dem

Laden der zwei Engel; allein die Mietleute wußten nicht, wer vor ihnen

darin gesessen hatte.

Dieses Abenteuer begegnete mir mit einer Person vom geringen Stande,

aber ich versichere, daß ohne den unangenehmen Ausgang es eins der

reizendsten gewesen wäre, deren ich mich erinnere, und daß ich niemals

ohne Sehnsucht an das schöne Weibchen habe denken können."

Ferdinands Schuld und Wandlung

Erzählung aus Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten

(1795)

Man kann in Familien oft die Bemerkung machen, daß Kinder sowohl der

Gestalt als dem Geiste nach bald vom Vater, bald von der Mutter

Eigenschaften an sich tragen, und so kommt auch manchmal der Fall vor,

daß ein Kind die Naturen beider Eltern auf eine besondere und

verwundernswürdige Weise verbindet.

Hievon war ein junger Mensch, den ich Ferdinand nennen will, ein

auffallender Beweis. Seine Bildung erinnerte an beide Eltern, und

ihre Gemütsart konnte man in der seinigen genau unterscheiden. Er

hatte den leichten und frohen Sinn des Vaters, so auch den Trieb, den

Augenblick zu genießen, und eine gewisse leidenschaftliche Art, bei

manchen Gelegenheiten nur sich selbst in Anschlag zu bringen. Von der

Mutter aber hatte er, so schien es, ruhige überlegung, ein Gefühl von

Recht und Billigkeit und eine Anlage zur Kraft, sich für andere

aufzuopfern. Man sieht hieraus leicht, daß diejenigen, die mit ihm

umgingen, oft, um seine Handlungen zu erklären, zu der Hypothese ihre

Zuflucht nehmen mußten, daß der junge Mann wohl zwei Seelen haben

möchte.

Ich übergehe mancherlei Szenen, die in seiner Jugend vorfielen, und

erzähle nur eine Begebenheit, die seinen ganzen Charakter ins Licht

setzt und in seinem Leben eine entschiedene Epoche machte.

Er hatte von Jugend auf eine reichliche Lebensart genossen, denn seine

Eltern waren wohlhabend, lebten und erzogen ihre Kinder, wie es

solchen Leuten geziemt, und wenn der Vater in Gesellschaften, beim

Spiel und durch zierliche Kleidung mehr, als billig war, ausgab, so

wußte die Mutter als eine gute Haushälterin dem gewöhnlichen Aufwande

solche Grenzen zu setzen, daß im Ganzen ein Gleichgewicht blieb und

niemals ein Mangel zum Vorschein kommen konnte. Dabei war der Vater

als Handelsmann glücklich; es gerieten ihm manche Spekulationen, die

er sehr kühn unternommen hatte, und weil er gern mit Menschen lebte,

hatte er sich in Geschäften auch vieler Verbindungen und mancher

Beihülfe zu erfreuen.

Die Kinder, als strebende Naturen, wählen sich gewöhnlich im Hause das

Beispiel dessen, der am meisten zu leben und zu genießen scheint. Sie

sehen in einem Vater, der sichs wohl sein läßt, die entschiedene Regel,

wornach sie ihre Lebensart einzurichten haben, und weil sie schon

früh zu dieser Einsicht gelangen, so schreiten meistenteils ihre

Begierden und Wünsche in großer Disproportion der Kräfte ihres Hauses

fort. Sie finden sich bald überall gehindert, um so mehr, als jede

neue Generation neue und frühere Anforderungen macht und die Eltern

den Kindern dagegen meistenteils nur gewähren möchten, was sie selbst

in früherer Zeit genossen, da noch jedermann mäßiger und einfacher zu

leben sich bequemte.

Ferdinand wuchs mit der unangenehmen Empfindung heran, daß ihm oft

dasjenige fehle, was er an seinen Gespielen sah. Er wollte in

Kleidung, in einer gewissen Liberalität des Lebens und Betragens

hinter niemanden zurückbleiben, er wollte seinem Vater ähnlich werden,

dessen Beispiel er täglich vor Augen sah und der ihm doppelt als

Musterbild erschien: einmal als Vater, für den der Sohn gewöhnlich ein

günstiges Vorurteil hegt, und dann wieder, weil der Knabe sah, daß der

Mann auf diesem Wege ein vergnügliches und genußreiches Leben führte

und dabei von jedermann geschätzt und geliebt wurde. Ferdinand hatte

hierüber, wie man sich leicht denken kann, manchen Streit mit der

Mutter, da er dem Vater die abgelegten Röcke nicht nachtragen, sondern

selbst immer in der Mode sein wollte. So wuchs er heran, und seine

Forderungen wuchsen immer vor ihm her, so daß er zuletzt, da er

achtzehn Jahre alt war, ganz außer Verhältnis mit seinem Zustande sich

fühlen mußte.

Schulden hatte er bisher nicht gemacht, denn seine Mutter hatte ihm

davor den größten Abscheu eingeflößt, sein Vertrauen zu erhalten

gesucht und in mehreren Fällen das äußerste getan, um seine Wünsche zu

erfüllen oder ihn aus kleinen Verlegenheiten zu reißen.

Unglücklicherweise mußte sie in eben dem Zeitpunkte, wo er nun als

Jüngling noch mehr aufs äußere sah, wo er durch die Neigung zu einem

sehr schönen Mädchen, verflochten in größere Gesellschaft, sich andern

nicht allein gleichzustellen, sondern vor andern sich hervorzutun und

zu gefallen wünschte, in ihrer Haushaltung gedrängter sein als jemals;

anstatt also seine Forderungen wie sonst zu befriedigen, fing sie an,

seine Vernunft, sein gutes Herz, seine Liebe zu ihr in Anspruch zu

nehmen, und setzte ihn, indem sie ihn zwar überzeugte, aber nicht

veränderte, wirklich in Verzweiflung.

Er konnte, ohne alles zu verlieren, was ihm so lieb als sein Leben war,

die Verhältnisse nicht verändern, in denen er sich befand. Von der

ersten Jugend an war er diesem Zustande entgegen; er war mit allem,

was ihn umgab, zusammengewachsen; er konnte keine Faser seiner

Verbindungen, Gesellschaften, Spaziergänge und Lustpartien zerreißen,

ohne zugleich einen alten Schulfreund, einen Gespielen, eine neue,

ehrenvolle Bekanntschaft und, was das Schlimmste war, seine Liebe zu

verletzen.

Wie hoch und wert er seine Neigung hielt, begreift man leicht, wenn

man erfährt, daß sie zugleich seiner Sinnlichkeit, seinem Geiste,

seiner Eitelkeit und seinen lebhaften Hoffnungen schmeichelte. Eins

der schönsten, angenehmsten und reichsten Mädchen der Stadt gab ihm,

wenigstens für den Augenblick, den Vorzug vor seinen vielen Mitwerbern.

Sie erlaubte ihm, mit dem Dienst, den er ihr widmete, gleichsam zu

prahlen, und sie schienen wechselsweise auf die Ketten stolz zu sein,

die sie einander angelegt hatten. Nun war es ihm Pflicht, ihr überall

zu folgen, Zeit und Geld in ihrem Dienste zu verwenden und auf jede

Weise zu zeigen, wie wert ihm ihre Neigung und wie unentbehrlich ihm

ihr Besitz sei.

Dieser Umgang und dieses Bestreben machte Ferdinanden mehr Aufwand,

als es unter andern Umständen natürlich gewesen wäre. Sie war

eigentlich von ihren abwesenden Eltern einer sehr wunderlichen Tante

anvertraut worden, und es erforderte mancherlei Künste und seltsame

Anstalten, um Ottilien, diese Zierde der Gesellschaft, in Gesellschaft

zu bringen. Ferdinand erschöpfte sich in Erfindungen, um ihr die

Vergnügungen zu verschaffen, die sie so gern genoß und die sie jedem,

der um sie war, zu erhöhen wußte.

Und in eben diesem Augenblicke von einer geliebten und verehrten

Mutter zu ganz andern Pflichten aufgefordert zu werden, von dieser

Seite keine Hülfe zu sehen, einen so lebhaften Abscheu vor Schulden zu

fühlen, die auch seinen Zustand nicht lange würden gefristet haben,

dabei von jedermann für wohlhabend und freigebig angesehen zu werden

und das tägliche und dringende Bedürfnis des Geldes zu empfinden, war

gewiß eine der peinlichsten Lagen, in der sich ein junges, durch

Leidenschaften bewegtes Gemüt befinden kann.

Gewisse Vorstellungen, die ihm früher nur leicht vor der Seele

vorübergingen, hielt er nun fester; gewisse Gedanken, die ihn sonst

nur Augenblicke beunruhigten, schwebten länger vor seinem Geiste, und

gewisse verdrießliche Empfindungen wurden dauernder und bitterer.

Hatte er sonst seinen Vater als sein Muster angesehen, so beneidete er

ihn nun als seinen Nebenbuhler. Von allem, was der Sohn wünschte, war

jener im Besitz; alles, worüber dieser sich ängstigte, ward jenem

leicht. Und es war nicht etwa von dem Notwendigen die Rede, sondern

von dem, was jeder hätte entbehren können. Da glaubte denn der Sohn,

daß der Vater wohl auch manchmal entbehren sollte, um ihn genießen zu

lassen. Der Vater dagegen war ganz anderer Gesinnung; er war von

denen Menschen, die sich viel erlauben und die deswegen in den Fall

kommen, denen, die von ihnen abhängen, viel zu versagen. Er hatte dem

Sohne etwas Gewisses ausgesetzt und verlangte genaue Rechenschaft, ja

eine regelmäßige Rechnung von ihm darüber.

Nichts schärft das Auge des Menschen mehr, als wenn man ihn

einschränkt. Darum sind die Frauen durchaus klüger als die Männer,

und auf niemand sind Untergebene aufmerksamer als auf den, der

befiehlt, ohne zugleich durch sein Beispiel vorauszugehen. So ward

der Sohn auf alle Handlungen seines Vaters aufmerksam, besonders auf

solche, die Geldausgaben betrafen. Er horchte genauer auf, wenn er

hörte, der Vater habe im Spiel verloren oder gewonnen, er beurteilte

ihn strenger, wenn jener sich willkürlich etwas Kostspieliges erlaubte.

"Ist es nicht sonderbar", sagte er zu sich selbst, "daß Eltern,

während sie sich mit Genuß aller Art überfüllen, indem sie bloß nach

Willkür ein Vermögen, das ihnen der Zufall gegeben hat, benutzen, ihre

Kinder gerade zu der Zeit von jedem billigen Genusse ausschließen, da

die Jugend am empfänglichsten dafür ist! Und mit welchem Rechte tun

sie es? Und wie sind sie zu diesem Rechte gelangt? Soll der Zufall

allein entscheiden, und kann das ein Recht werden, wo der Zufall

wirkt? Lebte der Großvater noch, der seine Enkel wie seine Kinder

hielt, es würde mir viel besser ergehen; er würde es mir nicht am

Notwendigen fehlen lassen; denn ist uns das nicht notwendig, was wir

in Verhältnissen brauchen, zu denen wir erzogen und geboren sind? Der

Großvater würde mich nicht darben lassen, so wenig er des Vaters

Verschwendung zugeben würde. Hätte er länger gelebt, hätte er klar

eingesehen, daß sein Enkel auch wert ist zu genießen, so hätte er

vielleicht in dem Testament mein früheres Glück entschieden. Sogar

habe ich gehört, daß der Großvater eben vom Tode übereilt worden, da

er seinen letzten Willen aufzusetzen gedachte, und so hat vielleicht

bloß der Zufall mir meinen frühern Anteil an einem Vermögen entzogen,

den ich, wenn mein Vater so zu wirtschaften fortfährt, wohl gar auf

immer verlieren kann."

Mit diesen und anderen Sophistereien über Besitz und Recht, über die

Frage, ob man ein Gesetz oder eine Einrichtung, zu denen man seine

Stimme nicht gegeben, zu befolgen brauche, und inwiefern es dem

Menschen erlaubt sei, im stillen von den bürgerlichen Gesetzen

abzuweichen, beschäftigte er sich oft in seinen einsamen,

verdrießlichsten Stunden, wenn er irgend aus Mangel des baren Geldes

eine Lustpartie oder eine andere angenehme Gesellschaft ausschlagen

mußte. Denn schon hatte er kleine Sachen von Wert, die er besaß,

vertrödelt, und sein gewöhnliches Taschengeld wollte keinesweges

hinreichen.

Sein Gemüt verschloß sich, und man kann sagen, daß er in diesen

Augenblicken seine Mutter nicht achtete, die ihm nicht helfen konnte,

und seinen Vater haßte, der ihm nach seiner Meinung überall im Wege

stand.

Zu eben der Zeit machte er eine Entdeckung, die seinen Unwillen noch

mehr erregte. Er bemerkte, daß sein Vater nicht allein kein guter,

sondern auch ein unordentlicher Haushälter war. Denn er nahm oft aus

seinem Schreibtische in der Geschwindigkeit Geld, ohne es

aufzuzeichnen, und fing nachher manchmal wieder an zu zählen und zu

rechnen und schien verdrießlich, daß die Summen mit der Kasse nicht

übereinstimmen wollten. Der Sohn machte diese Bemerkung mehrmals, und

um so empfindlicher ward es ihm, wenn er zu eben der Zeit, da der

Vater nur geradezu in das Geld hineingriff, einen entschiedenen Mangel

spürte.

Zu dieser Gemütsstimmung traf ein sonderbarer Zufall, der ihm eine

reizende Gelegenheit gab, dasjenige zu tun, wozu er nur einen dunkeln

und unentschiedenen Trieb gefühlt hatte.

Sein Vater gab ihm den Auftrag, einen Kasten alter Briefe durchzusehen

und zu ordnen. Eines Sonntags, da er allein war, trug er ihn durch

das Zimmer, wo der Schreibtisch stand, der des Vaters Kasse enthielt.

Der Kasten war schwer; er hatte ihn unrecht gefaßt und wollte ihn

einen Augenblick absetzen oder vielmehr nur anlehnen. Unvermögend,

ihn zu halten, stieß er gewaltsam an die Ecke des Schreibtisches, und

der Deckel desselben flog auf. Er sah nun alle die Rollen vor sich

liegen, zu denen er manchmal nur hineingeschielt hatte, setzte seinen

Kasten nieder und nahm, ohne zu denken und zu überlegen, eine Rolle

von der Seite weg, wo der Vater gewöhnlich sein Geld zu willkürlichen

Ausgaben herzunehmen schien. Er drückte den Schreibtisch wieder zu

und versuchte den Seitenstoß: der Deckel flog jedesmal auf, und es war

so gut, als wenn er den Schlüssel zum Pulte gehabt hätte.

Mit Heftigkeit suchte er nunmehr jede Vergnügung wieder, die er bisher

hatte entbehren müssen. Er war fleißiger um seine Schöne; alles, was

er tat und vornahm, war leidenschaftlicher; seine Lebhaftigkeit und

Anmut hatten sich in ein heftiges, ja beinahe wildes Wesen verwandelt,

das ihm zwar nicht übel ließ, doch niemanden wohltätig war.

Was der Feuerfunke auf ein geladnes Gewehr, das ist die Gelegenheit

zur Neigung, und jede Neigung, die wir gegen unser Gewissen

befriedigen, zwingt uns, ein übermaß von physischer Stärke anzuwenden;

wir handeln wieder als wilde Menschen, und es wird schwer, äußerlich

diese Anstrengung zu verbergen.

Je mehr ihm seine innere Empfindung widersprach, desto mehr häufte

Ferdinand künstliche Argumente aufeinander, und desto mutiger und

freier schien er zu handeln, je mehr er sich selbst von einer Seite

gebunden fühlte.

Zu derselbigen Zeit waren allerlei Kostbarkeiten ohne Wert Mode

geworden. Ottilie liebte sich zu schmücken; er suchte einen Weg, sie

ihr zu verschaffen, ohne daß Ottilie selbst eigentlich wußte, woher

die Geschenke kamen. Die Vermutung ward auf einen alten Oheim

geworfen, und Ferdinand war doppelt vergnügt, indem ihm seine Schöne

ihre Zufriedenheit über die Geschenke und ihren Verdacht auf den Oheim

zugleich zu erkennen gab.

Aber um sich und ihr dieses Vergnügen zu machen, mußte er noch

einigemal den Schreibtisch seines Vaters eröffnen, und er tat es mit

desto weniger Sorge, als der Vater zu verschiedenen Zeiten Geld

hineingelegt und herausgenommen hatte, ohne es aufzuschreiben.

Bald darauf sollte Ottilie zu ihren Eltern auf einige Monate verreisen.

Die jungen Leute betrübten sich äußerst, da sie scheiden sollten,

und ein Umstand machte ihre Trennung noch bedeutender. Ottilie erfuhr

durch einen Zufall, daß die Geschenke von Ferdinanden kamen; sie

setzte ihn darüber zu Rede, und als er es gestand, schien sie sehr

verdrießlich zu werden. Sie bestand darauf, daß er sie zurücknehmen

sollte, und diese Zumutung machte ihm die bittersten Schmerzen. Er

erklärte ihr, daß er ohne sie nicht leben könne noch wolle; er bat sie,

ihm ihre Neigung zu erhalten, und beschwor sie, ihm ihre Hand nicht

zu versagen, sobald er versorgt und häuslich eingerichtet sein würde.

Sie liebte ihn, sie war gerührt, sie sagte ihm zu, was er wünschte,

und in diesem glücklichen Augenblicke versiegelten sie ihr Versprechen

mit den lebhaftesten Umarmungen und mit tausend herzlichen Küssen.

Nach ihrer Abreise schien Ferdinand sich sehr allein. Die

Gesellschaften, in welchen er sie zu sehen pflegte, reizten ihn nicht

mehr, indem sie fehlte. Er besuchte nur noch aus Gewohnheit sowohl

Freunde als Lustörter, und nur mit Widerwillen griff er noch einigemal

in die Kasse des Vaters, um Ausgaben zu bestreiten, zu denen ihn keine

Leidenschaft nötigte. Er war oft allein, und die gute Seele schien

die Oberhand zu gewinnen. Er erstaunte über sich selbst bei ruhigem

Nachdenken, wie er jene Sophistereien über Recht und Besitz, über

Ansprüche an fremdes Gut, und wie die Rubriken alle heißen mochten,

bei sich auf eine so kalte und schiefe Weise habe durchführen und

dadurch eine unerlaubte Handlung beschönigen können. Es ward ihm nach

und nach deutlich, daß nur Treue und Glauben die Menschen

schätzenswert mache, daß der Gute eigentlich leben müsse, um alle

Gesetze zu beschämen, indem ein anderer sie entweder umgehen oder zu

seinem Vorteil gebrauchen mag.

Inzwischen, ehe diese wahren und guten Begriffe bei ihm ganz klar

wurden und zu herrschenden Entschlüssen führten, unterlag er doch noch

einigemal der Versuchung, aus der verbotenen Quelle in dringenden

Fällen zu schöpfen. Niemals tat er es aber ohne Widerwillen, und nur

wie von einem bösen Geiste an den Haaren hingezogen.

Endlich ermannte er sich und faßte den Entschluß, vor allen Dingen die

Handlung sich unmöglich zu machen und seinen Vater von dem Zustande

des Schlosses zu unterrichten. Er fing es klug an und trug den Kasten

mit den nunmehr geordneten Briefen in Gegenwart seines Vaters durch

das Zimmer, beging mit Vorsatz die Ungeschicklichkeit, mit dem Kasten

wider den Schreibtisch zu stoßen, und wie erstaunte der Vater, als er

den Deckel auffahren sah! Sie untersuchten beide das Schloß und

fanden, daß die Schließhaken durch die Zeit abgenutzt und die Bänder

wandelbar waren. Sogleich ward alles repariert, und Ferdinand hatte

seit langer Zeit keinen vergnügtern Augenblick, als da er das Geld in

so guter Verwahrung sah.

Aber dies war ihm nicht genug. Er nahm sich sogleich vor, die Summe,

die er seinem Vater entwendet hatte und die er noch wohl wußte, wieder

zu sammeln und sie ihm auf eine oder die andere Weise zuzustellen. Er

fing nun an, aufs genaueste zu leben und von seinem Taschengelde, was

nur möglich war, zu sparen. Freilich war das nur wenig, was er hier

zurückhalten konnte, gegen das, was er sonst verschwendet hatte;

indessen schien die Summe schon groß, da sie ein Anfang war, sein

Unrecht wiedergutzumachen. Und gewiß ist ein ungeheurer Unterschied

zwischen dem letzten Taler, den man borgt, und zwischen dem ersten,

den man abbezahlt.

Nicht lange war er auf diesem guten Wege, als der Vater sich entschloß,

ihn in Handelsgeschäften zu verschicken. Er sollte sich mit einer

entfernten Fabrikanstalt bekannt machen. Man hatte die Absicht, in

einer Gegend, wo die ersten Bedürfnisse und die Handarbeit sehr

wohlfeil waren, selbst ein Comptoir zu errichten, einen Kompagnon

dorthin zu setzen, den Vorteil, den man gegenwärtig andern gönnen

mußte, selbst zu gewinnen und durch Geld und Kredit die Anstalt ins

Große zu treiben. Ferdinand sollte die Sache in der Nähe untersuchen

und davon einen umständlichen Bericht abstatten. Der Vater hatte ihm

ein Reisegeld ausgesetzt und ihm vorgeschrieben, damit auszukommen; es

war reichlich, und er hatte sich nicht darüber zu beklagen.

Auch auf seiner Reise lebte Ferdinand sehr sparsam, rechnete und

überrechnete und fand, daß er den dritten Teil seines Reisegeldes

ersparen könnte, wenn er auf jede Weise sich einzuschränken fortfahre.

Er hoffte nun auch auf Gelegenheit, zu dem übrigen nach und nach zu

gelangen, und er fand sie. Denn die Gelegenheit ist eine

gleichgültige Göttin, sie begünstigt das Gute wie das Böse.

In der Gegend, die er besuchen sollte, fand er alles weit

vorteilhafter, als man geglaubt hatte. Jedermann ging in dem alten

Schlendrian handwerksmäßig fort. Von neuentdeckten Vorteilen hatte

man keine Kenntnis, oder man hatte keinen Gebrauch davon gemacht. Man

wendete nur mäßige Summen Geldes auf und war mit einem mäßigen Profit

zufrieden, und er sah bald ein, daß man mit einem gewissen Kapital,

mit Vorschüssen, Einkauf des ersten Materials im großen, mit Anlegung

von Maschinen durch die Hülfe tüchtiger Werkmeister eine große und

solide Einrichtung würde machen können.

Er fühlte sich durch die Idee dieser möglichen Tätigkeit sehr erhoben.

Die herrliche Gegend, in der ihm jeden Augenblick seine geliebte

Ottilie vorschwebte, ließ ihn wünschen, daß sein Vater ihn an diesen

Platz setzen, ihm das neue Etablissement anvertrauen und ihn so auf

eine reichliche und unerwartete Weise ausstatten möchte.

Er sah alles mit größerer Aufmerksamkeit, weil er alles schon als das

Seinige ansah. Er hatte zum erstenmal Gelegenheit, seine Kenntnisse,

seine Geisteskräfte, sein Urteil anzuwenden. Die Gegend sowohl als

die Gegenstände interessierten ihn aufs höchste, sie waren Labsal und

Heilung für sein verwundetes Herz; denn nicht ohne Schmerzen konnte er

sich des väterlichen Hauses erinnern, in welchem er wie in einer Art

von Wahnsinn eine Handlung begehen konnte, die ihm nun das größte

Verbrechen zu sein schien.

Ein Freund seines Hauses, ein wackerer, aber kränklicher Mann, der

selbst den Gedanken eines solchen Etablissements zuerst in Briefen

gegeben hatte, war ihm stets zur Seite, zeigte ihm alles, machte ihn

mit seinen Ideen bekannt und freute sich, wenn ihm der junge Mensch

entgegen-, ja zuvorkam. Dieser Mann führte ein sehr einfaches Leben

teils aus Neigung, teils weil seine Gesundheit es so forderte. Er

hatte keine Kinder, eine Nichte pflegte ihn, der er sein Vermögen

zugedacht hatte, der er einen wackern und tätigen Mann wünschte, um

mit Unterstützung eines fremden Kapitals und frischer Kräfte dasjenige

ausgeführt zu sehen, wovon er zwar einen Begriff hatte, wovon ihn aber

seine physischen und ökonomischen Umstände zurückhielten.

Kaum hatte er Ferdinanden gesehen, als ihm dieser sein Mann zu sein

schien, und seine Hoffnung wuchs, als er soviel Neigung des jungen

Menschen zum Geschäft und zu der Gegend bemerkte. Er ließ seiner

Nichte seine Gedanken merken, und diese schien nicht abgeneigt. Sie

war ein junges, wohlgebildetes, gesundes und auf jede Weise

gutgeartetes Mädchen. Die Sorgfalt für ihres Oheims Haushaltung

erhielt sie immer rasch und tätig und die Sorge für seine Gesundheit

immer weich und gefällig. Man konnte sich zur Gattin keine

vollkommnere Person wünschen.

Ferdinand, der nur die Liebenswürdigkeit und die Liebe Ottiliens vor

Augen hatte, sah über das gute Landmädchen hinweg oder wünschte, wenn

Ottilie einst als seine Gattin in diesen Gegenden wohnen würde, ihr

eine solche Haushälterin und Beschließerin beigeben zu können. Er

erwiderte die Freundlichkeit und Gefälligkeit des Mädchens auf eine

sehr ungezwungene Weise, er lernte sie näher kennen und sie schätzen;

er begegnete ihr bald mit mehrerer Achtung, und sowohl sie als ihr

Oheim legten sein Betragen nach ihren Wünschen aus.

Ferdinand hatte sich nunmehr genau umgesehen und von allem

unterrichtet. Er hatte mit Hülfe des Oheims einen Plan gemacht und

nach seiner gewöhnlichen Leichtigkeit nicht verborgen, daß er darauf

rechne, selbst den Plan auszuführen. Zugleich hatte er der Nichte

viele Artigkeiten gesagt und jede Haushaltung glücklich gepriesen, die

einer so sorgfältigen Wirtin überlassen werden könnte. Sie und ihr

Onkel glaubten daher, daß er wirklich Absichten habe, und waren in

allem um desto gefälliger gegen ihn.

Nicht ohne Zufriedenheit hatte Ferdinand bei seinen Untersuchungen

gefunden, daß er nicht allein auf die Zukunft vieles von diesem Platze

zu hoffen habe, sondern daß er auch gleich jetzt einen vorteilhaften

Handel schließen, seinem Vater die entwendete Summe wiedererstatten

und sich also von dieser drückenden Last auf einmal befreien könne.

Er eröffnete seinem Freunde die Absicht seiner Spekulation, der eine

außerordentliche Freude darüber hatte und ihm alle mögliche Beihülfe

leistete; ja er wollte seinem jungen Freunde alles auf Kredit

verschaffen, das dieser jedoch nicht annahm, sondern einen Teil davon

sogleich von dem überschusse des Reisegeldes bezahlte und den andern

in gehöriger Frist abzutragen versprach.

Mit welcher Freude er die Waren packen und laden ließ, war nicht

auszusprechen; mit welcher Zufriedenheit er seinen Rückweg antrat,

läßt sich denken. Denn die höchste Empfindung, die der Mensch haben

kann, ist die, wenn er sich von einem Hauptfehler, ja von einem

Verbrechen durch eigne Kraft erhebt und losmacht. Der gute Mensch,

der ohne auffallende Abweichung vom rechten Pfade vor sich hinwandelt,

gleicht einem ruhigen, lobenswürdigen Bürger, da hingegen jener als

ein Held und überwinder Bewunderung und Preis verdient, und in diesem

Sinne scheint das paradoxe Wort gesagt zu sein, daß die Gottheit

selbst an einem zurückkehrenden Sünder mehr Freude habe als an

neunundneunzig Gerechten.

Aber leider konnte Ferdinand durch seine guten Entschlüsse, durch

seine Besserung und Wiedererstattung die traurigen Folgen der Tat

nicht aufheben, die ihn erwarteten und die sein schon wieder

beruhigtes Gemüt aufs neue schmerzlich kränken sollten. Während

seiner Abwesenheit hatte sich das Gewitter zusammengezogen, das gerade

bei seinem Eintritte in das väterliche Haus losbrechen sollte.

Ferdinands Vater war, wie wir wissen, was seine Privatkasse betraf,

nicht der Ordentlichste, die Handlungssachen hingegen wurden von einem

geschickten und genauen Associé sehr richtig besorgt. Der Alte hatte

das Geld, das ihm der Sohn entwendete, nicht eben gemerkt, außer daß

unglücklicherweise darunter ein Paket einer in diesen Gegenden

ungewöhnlichen Münzsorte gewesen war, die er einem Fremden im Spiel

abgewonnen hatte. Diese vermißte er, und der Umstand schien ihm

bedenklich. Allein was ihn äußerst beunruhigte, war, daß ihm einige

Rollen, jede mit hundert Dukaten, fehlten, die er vor einiger Zeit

verborgt, aber gewiß wiedererhalten hatte. Er wußte, daß der

Schreibtisch sonst durch einen Stoß aufgegangen war, er sah als gewiß

an, daß er beraubt sei, und geriet darüber in die äußerste Heftigkeit.

Sein Argwohn schweifte auf allen Seiten herum. Unter den

fürchterlichsten Drohungen und Verwünschungen erzählte er den Vorfall

seiner Frau; er wollte das Haus um und um kehren, alle Bedienten,

Mägde und Kinder verhören lassen, niemand blieb von seinem Argwohn

frei. Die gute Frau tat ihr möglichstes, ihren Gatten zu beruhigen;

sie stellte ihm vor, in welche Verlegenheit und Diskredit diese

Geschichte ihn und sein Haus bringen könnte, wenn sie ruchbar würde,

daß niemand an dem Unglück, das uns betreffe, Anteil nehme als nur, um

uns durch sein Mitleiden zu demütigen, daß bei einer solchen

Gelegenheit weder er noch sie verschont werden würden, daß man noch

wunderlichere Anmerkungen machen könnte, wenn nichts herauskäme, daß

man vielleicht den Täter entdecken und, ohne ihn auf zeitlebens

unglücklich zu machen, das Geld wiedererhalten könne. Durch diese und

andere Vorstellungen bewog sie ihn endlich, ruhig zu bleiben und durch

stille Nachforschung der Sache näher zu kommen.

Und leider war die Entdeckung schon nahe genug. Ottiliens Tante war

von dem wechselseitigen Versprechen der jungen Leute unterrichtet.

Sie wußte von den Geschenken, die ihre Nichte angenommen hatte. Das

ganze Verhältnis war ihr nicht angenehm, und sie hatte nur geschwiegen,

weil ihre Nichte abwesend war. Eine sichere Verbindung mit Ferdinand

schien ihr vorteilhaft, ein ungewisses Abenteuer war ihr unerträglich.

Da sie also vernahm, daß der junge Mensch bald zurückkommen sollte,

da sie auch ihre Nichte täglich wieder erwartete, eilte sie, von dem,

was geschehen war, den Eltern Nachricht zu geben und ihre Meinung

darüber zu hören, zu fragen, ob eine baldige Versorgung für Ferdinand

zu hoffen sei und ob man in eine Heirat mit ihrer Nichte willige.

Die Mutter verwunderte sich nicht wenig, als sie von diesen

Verhältnissen hörte. Sie erschrak, als sie vernahm, welche Geschenke

Ferdinand an Ottilien gegeben hatte. Sie verbarg ihr Erstaunen, bat

die Tante, ihr einige Zeit zu lassen, um gelegentlich mit ihrem Manne

über die Sache zu sprechen, versicherte, daß sie Ottilien für eine

vorteilhafte Partie halte und daß es nicht unmöglich sei, ihren Sohn

nächstens auf eine schickliche Weise auszustatten.

Als die Tante sich entfernt hatte, hielt sie es nicht für rätlich,

ihrem Manne die Entdeckung zu vertrauen. Ihr lag nur daran, das

unglückliche Geheimnis aufzuklären, ob Ferdinand, wie sie fürchtete,

die Geschenke von dem entwendeten Geld gemacht habe. Sie eilte zu dem

Kaufmann, der diese Art Geschmeide vorzüglich verkaufte, feilschte um

ähnliche Dinge und sagte zuletzt, er müsse sie nicht überteuern, denn

ihrem Sohn, der eine solche Kommission gehabt, habe er die Sachen

wohlfeiler gegeben. Der Handelsmann beteuerte: nein! zeigte die

Preise genau an und sagte dabei, man müsse noch das Agio der Geldsorte

hinzurechnen, in der Ferdinand zum Teil bezahlt habe. Er nannte ihr

zu ihrer größten Betrübnis die Sorte; es war die, die dem Vater fehlte.

Sie ging nun, nachdem sie sich zum Scheine die nächsten Preise

aufsetzen lassen, mit sehr bedrängtem Herzen hinweg. Ferdinands

Verirrung war zu deutlich, die Rechnung der Summe, die dem Vater

fehlte, war groß, und sie sah nach ihrer sorglichen Gemütsart die

schlimmste Tat und die fürchterlichsten Folgen. Sie hatte die

Klugheit, die Entdeckung vor ihrem Manne zu verbergen; sie erwartete

die Zurückkunft ihres Sohnes mit geteilter Furcht und Verlangen. Sie

wünschte sich aufzuklären und fürchtete, das Schlimmste zu erfahren.

Endlich kam er mit großer Heiterkeit zurück. Er konnte Lob für seine

Geschäfte erwarten und brachte zugleich in seinen Waren heimlich das

Lösegeld mit, wodurch er sich von dem geheimen Verbrechen zu befreien

gedachte.

Der Vater nahm seine Relation gut, doch nicht mit solchem Beifall auf,

wie er hoffte, denn der Vorgang mit dem Gelde machte den Mann

zerstreut und verdrießlich, um so mehr, als er einige ansehnliche

Posten in diesem Augenblicke zu bezahlen hatte. Diese Laune des

Vaters drückte ihn sehr, noch mehr die Gegenwart der Wände, der

Mobilien, des Schreibtisches, die Zeugen seines Verbrechens gewesen

waren. Seine ganze Freude war hin, seine Hoffnungen und Ansprüche; er

fühlte sich als einen gemeinen, ja als einen schlechten Menschen.

Er wollte sich eben nach einem stillen Vertriebe der Waren, die nun

bald ankommen sollten, umsehen und sich durch die Tätigkeit aus seinem

Elende herausreißen, als die Mutter ihn beiseite nahm und ihm mit

Liebe und Ernst sein Vergehen vorhielt und ihm auch nicht den

mindesten Ausweg zum Leugnen offen ließ. Sein weiches Herz war

zerrissen; er warf sich unter tausend Tränen zu ihren Füßen, bekannte,

bat um Verzeihung, beteuerte, daß nur die Neigung zu Ottilien ihn

verleiten können und daß sich keine anderen Laster zu diesem jemals

gesellt hätten. Er erzählte darauf die Geschichte seiner Reue, daß er

vorsätzlich dem Vater die Möglichkeit, den Schreibtisch zu eröffnen,

entdeckt und daß er durch Ersparnis auf der Reise und durch eine

glückliche Spekulation sich imstande sehe, alles wieder zu ersetzen.

Die Mutter, die nicht gleich nachgeben konnte, bestand darauf, zu

wissen, wo er mit den großen Summen hingekommen sei, denn die

Geschenke betrügen den geringsten Teil. Sie zeigte ihm zu seinem

Entsetzen eine Berechnung dessen, was dem Vater fehlte; er konnte sich

nicht einmal ganz zu dem Silber bekennen, und hoch und teuer schwur er,

von dem Golde nichts angerührt zu haben. Hierüber war die Mutter

äußerst zornig. Sie verwies ihm, daß er in dem Augenblicke, da er

durch aufrichtige Reue seine Besserung und Bekehrung wahrscheinlich

machen sollte, seine liebevolle Mutter noch mit Leugnen, Lügen und

Märchen aufzuhalten gedenke, daß sie gar wohl wisse: wer des einen

fähig sei, sei auch alles übrigen fähig. Wahrscheinlich habe er unter

seinen liederlichen Kameraden Mitschuldige, wahrscheinlich sei der

Handel, den er geschlossen, mit dem entwendeten Gelde gemacht, und

schwerlich würde er davon etwas erwähnt haben, wenn die übeltat nicht

zufällig wäre entdeckt worden. Sie drohte ihm mit dem Zorne des

Vaters, mit bürgerlichen Strafen, mit völliger Verstoßung; doch nichts

kränkte ihn mehr, als daß sie ihn merken ließ, eine Verbindung

zwischen ihm und Ottilien sei eben zur Sprache gekommen. Mit

gerührtem Herzen verließ sie ihn in dem traurigsten Zustande. Er sah

seinen Fehler entdeckt, er sah sich in dem Verdachte, der sein

Verbrechen vergrößerte. Wie wollte er seine Eltern überreden, daß er

das Gold nicht angegriffen? Bei der heftigen Gemütsart seines Vaters

mußte er einen öffentlichen Ausbruch befürchten; er sah sich im

Gegensatze von allem dem, was er sein konnte. Die Aussicht auf ein

tätiges Leben, auf eine Verbindung mit Ottilien verschwand. Er sah

sich verstoßen, flüchtig und in fremden Weltgegenden allem Ungemach

ausgesetzt.

Aber selbst alles dieses, was seine Einbildungskraft verwirrte, seinen

Stolz verletzte, seine Liebe kränkte, war ihm nicht das Schmerzlichste.

Am tiefsten verwundete ihn der Gedanke, daß sein redlicher Vorsatz,

sein männlicher Entschluß, sein befolgter Plan, das Geschehene

wiedergutzumachen, ganz verkannt, ganz geleugnet, gerade zum Gegenteil

ausgelegt werden sollte. Wenn ihn jene Vorstellungen zu einer dunkeln

Verzweiflung brachten, indem er bekennen mußte, daß er sein Schicksal

verdient habe, so ward er durch diese aufs innigste gerührt, indem er

die traurige Wahrheit erfuhr, daß eine übeltat selbst gute Bemühungen

zugrunde zu richten imstande ist. Diese Rückkehr auf sich selbst,

diese Betrachtung, daß das edelste Streben vergebens sein sollte,

machte ihn weich; er wünschte nicht mehr zu leben.

In diesen Augenblicken dürstete seine Seele nach einem höhern Beistand.

Er fiel an seinem Stuhle nieder, den er mit seinen Tränen benetzte,

und forderte Hülfe vom göttlichen Wesen. Sein Gebet war eines

erhörenswerten Inhalts: der Mensch, der sich selbst vom Laster wieder

erhebt, habe Anspruch auf eine unmittelbare Hülfe; derjenige, der

keine seiner Kräfte ungebraucht lasse, könne sich da, wo sie eben

ausgehen, wo sie nicht hinreichen, auf den Beistand des Vaters im

Himmel berufen.

In dieser überzeugung, in dieser dringenden Bitte verharrte er eine

Zeitlang und bemerkte kaum, daß seine Türe sich öffnete und jemand

hereintrat. Es war die Mutter, die mit heiterm Gesichte auf ihn zukam,

seine Verwirrung sah und ihn mit tröstlichen Worten anredete. "Wie

glücklich bin ich", sagte sie, "daß ich dich wenigstens als keinen

Lügner finde und daß ich deine Reue für wahr halten kann. Das Gold

hat sich gefunden; der Vater, als er es von einem Freunde

wiedererhielt, gab es dem Kassier aufzuheben, und durch die vielen

Beschäftigungen des Tages zerstreut, hat er es vergessen. Mit dem

Silber stimmt deine Angabe ziemlich zusammen, die Summe ist nun viel

geringer. Ich konnte die Freude meines Herzens nicht verbergen und

versprach dem Vater, die fehlende Summe wieder zu verschaffen, wenn er

sich zu beruhigen und weiter nach der Sache nicht zu fragen verspreche."

Ferdinand ging sogleich zur größten Freude über. Er eilte, sein

Handelsgeschäft zu vollbringen, stellte bald der Mutter das Geld zu,

ersetzte selbst das, was er nicht genommen hatte, wovon er wußte, daß

es bloß durch die Unordnung des Vaters in seinen Ausgaben vermißt

wurde. Er war fröhlich und heiter, doch hatte dieser ganze Vorfall

eine sehr ernste Wirkung bei ihm zurückgelassen. Er hatte sich

überzeugt, daß der Mensch Kraft habe, das Gute zu wollen und zu

vollbringen; er glaubte nun auch, daß dadurch der Mensch das göttliche

Wesen für sich interessieren und sich dessen Beistand versprechen

könne, den er soeben unmittelbar erfahren hatte. Mit großer

Freudigkeit entdeckte er nun dem Vater seinen Plan, sich in jenen

Gegenden niederzulassen. Er stellte die Anstalt in ihrem ganzen Werte

und Umfange vor; der Vater war nicht abgeneigt, und die Mutter

entdeckte heimlich ihrem Gatten das Verhältnis Ferdinands zu Ottilien.

Diesem gefiel eine so glänzende Schwiegertochter, und die Aussicht,

seinen Sohn ohne Kosten ausstatten zu können, war ihm sehr angenehm.

"Diese Geschichte gefällt mir", sagte Luise, als der Alte geendigt

hatte, "und ob sie gleich aus dem gemeinen Leben genommen ist, so

kommt sie mir doch nicht alltäglich vor. Denn wenn wir uns selbst

fragen und andere beobachten, so finden wir, daß wir selten durch uns

selbst bewogen werden, diesem oder jenem Wunsche zu entsagen; meist

sind es die äußern Umstände, die uns dazu nötigen."

"Ich wünschte", sagte Karl, "daß wir gar nicht nötig hätten, uns etwas

zu versagen, sondern daß wir dasjenige gar nicht kennten, was wir

nicht besitzen sollen. Leider ist in unsern Zuständen alles

zusammengedrängt, alles ist bepflanzt, alle Bäume hängen voller

Früchte, und wir sollen nur immer drunter weggehen, uns an dem

Schatten begnügen und auf die schönsten Genüsse Verzicht tun."

"Lassen Sie uns", sagte Luise zum Alten, "nun Ihre Geschichte

weiterhören!"

Der Alte. "Sie ist wirklich schon aus."

Luise. "Die Entwicklung haben wir freilich gehört; nun möchten wir

aber auch gerne das Ende vernehmen."

Der Alte. "Sie unterscheiden richtig, und da Sie sich für das

Schicksal meines Freundes interessieren, so will ich Ihnen, wie es ihm

ergangen, noch kürzlich erzählen.

Befreit von der drückenden Last eines so häßlichen Vergehens, nicht

ohne bescheidne Zufriedenheit mit sich selbst dachte er nun an sein

künftiges Glück und erwartete sehnsuchtsvoll die Rückkunft Ottiliens,

um sich zu erklären und sein gegebenes Wort im ganzen Umfange zu

erfüllen. Sie kam in Gesellschaft ihrer Eltern; er eilte zu ihr, er

fand sie schöner und heiterer als jemals. Mit Ungeduld erwartete er

den Augenblick, in welchem er sie allein sprechen und ihr seine

Aussichten vorlegen könnte. Die Stunde kam, und mit aller Freude und

Zärtlichkeit der Liebe erzählte er ihr seine Hoffnungen, die Nähe

seines Glücks und den Wunsch, es mit ihr zu teilen. Allein wie

verwundert war er, ja wie bestürzt, als sie die ganze Sache sehr

leichtsinnig, ja, man dürfte beinahe sagen, höhnisch aufnahm. Sie

scherzte nicht ganz fein über die Einsiedelei, die er sich ausgesucht

habe, über die Figur, die sie beide spielen würden, wenn sie sich als

Schäfer und Schäferin unter ein Strohdach flüchteten, und was

dergleichen mehr war.

Betroffen und erbittert kehrte er in sich zurück; ihr Betragen hatte

ihn verdrossen, und er ward einen Augenblick kalt. Sie war ungerecht

gegen ihn gewesen, und nun bemerkte er Fehler an ihr, die ihm sonst

verborgen geblieben waren. Auch brauchte es kein sehr helles Auge, um

zu sehen, daß ein sogenannter Vetter, der mitangekommen war, ihre

Aufmerksamkeit auf sich zog und einen großen Teil ihrer Neigung

gewonnen hatte.

Bei dem unleidlichen Schmerz, den Ferdinand empfand, nahm er sich doch

bald zusammen, und die überwindung, die ihm schon einmal gelungen war,

schien ihm zum zweitenmale möglich. Er sah Ottilien oft und gewann

über sich, sie zu beobachten; er tat freundlich, ja zärtlich gegen sie

und sie nicht weniger gegen ihn; allein ihre Reize hatten ihre größte

Macht verloren, und er fühlte bald, daß selten bei ihr etwas aus dem

Herzen kam, daß sie vielmehr nach Belieben zärtlich und kalt, reizend

und abstoßend, angenehm und launisch sein konnte. Sein Gemüt machte

sich nach und nach von ihr los, und er entschloß sich, auch noch die

letzten Fäden entzweizureißen.

Diese Operation war schmerzhafter, als er sich vorgestellt hatte. Er

fand sie eines Tages allein und nahm sich ein Herz, sie an ihr

gegebenes Wort zu erinnern und jene Augenblicke ihr ins Gedächtnis

zurückzurufen, in denen sie beide, durch das zarteste Gefühl gedrungen,

eine Abrede auf ihr künftiges Leben genommen hatten. Sie war

freundlich, ja man kann fast sagen, zärtlich; er ward weicher und

wünschte in diesem Augenblicke, daß alles anders sein möchte, als er

es sich vorgestellt hatte. Doch nahm er sich zusammen und trug ihr

die Geschichte seines bevorstehenden Etablissements mit Ruhe und Liebe

vor. Sie schien sich darüber zu freuen und gewissermaßen nur zu

bedauern, daß dadurch ihre Verbindung weiter hinausgeschoben werde.

Sie gab zu erkennen, daß sie nicht die mindeste Lust habe, die Stadt

zu verlassen; sie ließ ihre Hoffnung sehen, daß er sich durch einige

Jahre Arbeit in jenen Gegenden in den Stand setzen könnte, auch unter

seinen jetzigen Mitbürgern eine große Figur zu spielen. Sie ließ ihn

nicht undeutlich merken, daß sie von ihm erwarte, daß er künftig noch

weiter als sein Vater gehen und sich in allem noch ansehnlicher und

rechtlicher zeigen werde.

Nur zu sehr fühlte Ferdinand, daß er von einer solchen Verbindung kein

Glück zu erwarten habe, und doch war es schwer, so vielen Reizen zu

entsagen. Ja vielleicht wäre er ganz unschlüssig von ihr weggegangen,

hätte ihn nicht der Vetter abgelöst und in seinem Betragen allzuviel

Vertraulichkeit gegen Ottilien gezeigt. Ferdinand schrieb ihr darauf

einen Brief, worin er ihr nochmals versicherte, daß sie ihn glücklich

machen würde, wenn sie ihm zu seiner neuen Bestimmung folgen wollte,

daß er aber für beide nicht rätlich hielte, eine entfernte Hoffnung

auf künftige Zeiten zu nähren und sich auf eine ungewisse Zukunft

durch ein Versprechen zu binden.

Noch auf diesen Brief wünschte er eine günstige Antwort; allein sie

kam nicht wie sein Herz, sondern wie sie seine Vernunft billigen mußte.

Ottilie gab ihm auf eine sehr zierliche Art sein Wort zurück, ohne

sein Herz ganz loszulassen, und eben so sprach das Billet auch von

ihren Empfindungen; dem Sinne nach war sie gebunden und ihren Worten

nach frei.

Was soll ich nun weiter umständlich sein? Ferdinand eilte in jene

friedlichen Gegenden zurück, seine Einrichtung war bald gemacht; er

war ordentlich und fleißig und ward es nur um so mehr, als das gute,

natürliche Mädchen, die wir schon kennen, ihn als Gattin beglückte und

der alte Oheim alles tat, seine häusliche Lage zu sichern und bequem

zu machen.

Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten · 第 1 / 3 段