Kantischen Ethik und stellt man ihm die dichterische Anschauungs- und
Stimmungswelt des »Prinzen von Homburg« gegenüber, so treten die
feinen und tiefen Beziehungen, die zwischen beiden obwalten, sogleich
zutage. Es bedarf hier keiner ins einzelne gehenden Parallelisierung:
ja gerade eine solche würde das wahre geistige Verhältnis nur
unzureichend und oberflächlich bezeichnen. Denn der »Prinz von
Homburg« ist ebensowenig als irgend ein anderes Kleistisches Werk,
ein Thesenstück. Die Dialektik, die in ihm wirksam ist, ist durch und
durch dramatische Dialektik, die nicht von Tendenzen und Ideen,
sondern von Gestalten und Charakteren ausgeht. Aber eben in der Art,
wie Kleist jetzt seine Menschen und ihre inneren Gegensätze sieht,
prägt sich ein neuer Zug, eine veränderte Stellung zu der Gesamtheit
der Lebensprobleme und der großen Lebensentscheidungen aus. Wir
glauben zu erkennen, wie die Kantische Lehre bei dieser inneren
Wandlung mitgewirkt hat; -- aber freilich hat hierbei ihre eigene
Grundform eine bezeichnende Umgestaltung erfahren. Auf der Grundlage
des Kantischen Pflichtbegriffs erwächst bei Kleist, im Zusammenhang
mit den Antrieben der Zeit und mit seinen eigenen politischen
Wünschen und Forderungen, eine neue konkrete Form des Allgemeinen:
die Allgemeinheit eines neuen nationalen und eines neuen Staatsgefühls.
So glauben wir zu sehen, wie das, was Kleist mit Kant verbindet und
was ihn von Kant trennt, nicht auf einen einzelnen Moment seines
Lebens beschränkt bleibt, sondern wie dieses Verhältnis der Anziehung
und Abstoßung in allen Lebensphasen, wenngleich in verschiedener
Stärke und Deutlichkeit, wiederkehrt. Noch einmal tritt hier deutlich
hervor, was Kants Philosophie, nicht als schulmäßiges System, sondern
als unmittelbar lebendige geistige Macht für ihre Zeit bedeutet hat.
Man hat von Kleist gesagt, daß er sich von den »Klassikern« der
deutschen Literatur, von Goethe, Schiller, Herder dadurch unterscheide,
daß diese nicht nur als Künstler, sondern auch als vorbildliche Typen
gewirkt hätten, die uns auf ein gemeinsames ideales Ziel der Bildung
hinweisen. »Kleist gehört gar nicht zu den Förderern dieser dauernden
Renaissance als ein Mann, der nie den Göttern der Vergangenheit oder
der Gegenwart gedient, der nie eine Erziehungstendenz oder eine
Humanitätsidee vertreten hat.«[10] In der Tat wird man den eigentlichen
Maßstab für Kleist, für sein Wesen und seine Dichtung immer nur seiner
Individualität selbst, nicht der allgemeinen Entwicklung der deutschen
Geistes- und Bildungsgeschichte entnehmen können. Das Gesetz und die
innere Norm seiner Künstlerschaft steht dieser großen Entwicklungslinie
als ein Eigenes und Selbständiges gegenüber. Auch wenn man versucht hat,
das Ganze von Kleists Dichtung aus dem »metaphysischen« Lebensgefühl,
das in ihm wirksam war, zu begreifen und abzuleiten, so ist doch das
Gefühl, auf das man hier hinzielt, so eigener Art und gehört so rein
und völlig der Sphäre des Künstlers an, daß es sich sofort zu verdunkeln
und zu verwirren scheint, wenn man versucht, es in die abstrakte
Begriffssprache, in die Kategorien und Termini der systematischen
Philosophie zu übersetzen. Aber gerade weil Kleist in dieser Weise
abseits steht, empfindet man um so stärker die Beziehungen, die
nichtsdestoweniger zwischen ihm und der großen intellektuellen Bewegung
der Zeit bestehen. Für die tiefe Wirkung, die insbesondere die Kantische
Lehre in allen geistigen Lebenskreisen geübt hat, ist gerade die Kraft,
mit der sie auch in das Leben und Schaffen dieses Einsamen eingegriffen
hat, der ihr eher zu widerstreben, als sie zu suchen schien, ein
überzeugender Beweis.
[10] ~Eloesser~, Kleists Leben, Werke und Briefe
(Tempel-Verlag) S. 272.
VERLAG VON REUTHER & REICHARD IN BERLIN W. 35.
Von den
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veröffentlicht von der #Kantgesellschaft#,
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Heft 1/2. #Das Realitätsproblem# von Dr. #Max Frischeisen-Köhler#,
Prof. a. d. Univ. Halle a. S. Mk. 2.--.
Heft 3. #Denkmittel der Mathematik im Dienste der exakten
Darstellung erkenntniskritischer Probleme# von Dr. #Fr.
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Heft 4. #Einleitung in die Grundfragen der Ästhetik# von
Ober-Generalarzt Prof. Dr. #Berth. von Kern#. Mk. 1.--.
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Sternberg#. Mk. 1.20.
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Berlin. Mk. --.80.
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Vierkandt#, Prof. a. d. Univ. Berlin. Mk. 1.60.
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Professor an der Universität Berlin. 2. Auflage.
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Heft 19. #Neubegründung der Ethik aus ihrem Verhältnis zu den
besonderen Gemeinschaftswissenschaften# von Professor
Dr. #Albert Görland#. Mk. 2.--.
Heft 20. #Grundgedanken der personalistischen Philosophie# von
Dr. #William Stern#, Professor am Allgemeinen
Vorlesungswesen in Hamburg. Mk. 2.--.
Heft 21. #Hermann Cohens philosophische Leistung unter dem
Gesichtspunkte des Systems# von #Paul Natorp#, Professor
an der Universität Marburg. Mk. 1.40.
Heft 22. #Heinrich von Kleist und die Kantische Philosophie# von
#Ernst Cassirer#, Prof. a. d. Universität Berlin.
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Buchdruckerei von Max Dietrich, Berlin W. 50.
[Liste der vorgenommenen Änderungen:
erbracht worden wäre. Denn das tradionelle Schlagwort von dem
erbracht worden wäre. Denn das traditionelle Schlagwort von dem
war die fragwürdige Relativität aller Dinge, war die eisige Skepsis,
»war die fragwürdige Relativität aller Dinge, war die eisige Skepsis,
gelehrt? Man mag allerfalls, obwohl äußerst ungenau und irreführend,
gelehrt? Man mag allenfalls, obwohl äußerst ungenau und irreführend,
Schriften, mit der gleichen unerschütterlichen Sicherheit behaupet
Schriften, mit der gleichen unerschütterlichen Sicherheit behauptet
Kritik der reinen Vernunft: die Frage, wie synthetische Urteile
»Kritik der reinen Vernunft«: die Frage, wie synthetische Urteile
als die Kritik der reinen Vernunft namhaft machen ließe, aus welchem
als die »Kritik der reinen Vernunft« namhaft machen ließe, aus welchem
das »Ich«, mit dem er seine Zwiesprache hält -- nimmst du zunächst
das »Ich«, mit dem er seine Zwiesprache hält -- »nimmst du zunächst
-- nun wird dir vollkommen klar sein, wie etwas, das doch aus dir
-- »nun wird dir vollkommen klar sein, wie etwas, das doch aus dir
zur Arbeit« -- so schreibt er an die Schwester -- -- aber mich ekelt
zur Arbeit« -- so schreibt er an die Schwester -- -- »aber mich ekelt
von Kleist hingestellt hat, so ließe sich begreifen, daß sie
vor Kleist hingestellt hat, so ließe sich begreifen, daß sie
die Schwester -- bist du unterworfen, als allein der Herrschaft der
die Schwester -- »bist du unterworfen, als allein der Herrschaft der
ist das nicht etwas Vortreffliches? Und dann, ~mich selbst~ auf
»ist das nicht etwas Vortreffliches? Und dann, ~mich selbst~ auf
nur fragmentarisch und unvollkomemn darstellt, der sich aber der
nur fragmentarisch und unvollkommen darstellt, der sich aber der
Die traditionelle Optimismus seiner Jugendphilosophie wandelt sich
Der traditionelle Optimismus seiner Jugendphilosophie wandelt sich
Krise, im Mai 1801 -- wo ich mich meiner selbst bewußt ward, meine
Krise, im Mai 1801 -- »wo ich mich meiner selbst bewußt ward, meine
göttlichen Weisheit -- so sagt Friedrich im >Zweikampf< zu Littegarde
göttlichen Weisheit« -- so sagt Friedrich im >Zweikampf< zu Littegarde
-- die Wahrheit, im Augenblick der glaubensvollen Anrufung selbst,
-- »die Wahrheit, im Augenblick der glaubensvollen Anrufung selbst,
in diesem Zusammenhang begründet. »Suchet in euch -- so ruft Goethe
in diesem Zusammenhang begründet. »Suchet in euch« -- so ruft Goethe
jetzt, was die Erschütterung, die Kleist durch die kantische
jetzt, was die Erschütterung, die Kleist durch die Kantische
der völlige Zusammenbruch seiner intellektuellen Welt zu bedeuten:
den völligen Zusammenbruch seiner intellektuellen Welt zu bedeuten:
[4] Kants AnthropologIe, Akad.-Ausg., VII, 323 vgl. R.
[4] Kants Anthropologie, Akad.-Ausg., VII, 323 vgl. R.
bekannten »Brief eines Malers an seinen Sohn« -- daß du eine
bekannten »Brief eines Malers an seinen Sohn« -- »daß du eine
ihn beschäftigt, eine neue Bedeuutng und eine überraschende Konsequenz
ihn beschäftigt, eine neue Bedeutung und eine überraschende Konsequenz
[7] ~Fichte~, Sämtl. Werke hg. von J, H. Fichte, IV, 353.
[7] ~Fichte~, Sämtl. Werke hg. von J. H. Fichte, IV, 353.
Naivität, beruht also auf den Ausschluß der Reflexion. Wir müssen
Naivität, beruht also auf dem Ausschluß der Reflexion. Wir müssen
oder in dem Gott. Hier liegt der Punkt, wo die beiden Enden der
oder in dem Gott.« Hier liegt der Punkt, wo die beiden Enden der
Witz und Urteilskraft -- so heißt es in der »Grundlegung zur Metaphysik
Witz und Urteilskraft« -- so heißt es in der »Grundlegung zur Metaphysik
der Sitten« -- und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder
der Sitten« -- »und wie die Talente des Geistes sonst heißen mögen, oder
besonderen Gemeinschaftswlssenschaften# von Professor
besonderen Gemeinschaftswissenschaften# von Professor
Dr. #Albert Görland#. M. 2.--.
Dr. #Albert Görland#. Mk. 2.--.
Vorlesungswesen in Hamburg. M. 2.--.
Vorlesungswesen in Hamburg. Mk. 2.--.
an der Universität Marburg. M. 1.40.
an der Universität Marburg. Mk. 1.40.
M. 2.--.
Mk. 2.--.
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