Eine viertel Meile hinter dem Oertchen Thingvalla trennen sich die Wege;
links reitet man nach Reikholt, rechts nach dem Geiser. -- Wir hatten
noch lange den See zur Seite, und fanden am Ende des Thales eine ähnliche
schauerliche Felsenkluft, wie jene von Almannagiau, die wir auf einem
gräßlichen Wege passiren mußten.
Das daran stoßende Thal glich viel jenem von Thingvalla; dagegen sah das
dritte wieder schrecklich aus. Da war die Lava niedrig, und ganz mit jenem
weißlichen Moose überwuchert, das sich wunderschön ausnimmt, wenn es nur
die untern Theile der Lava bedeckt, und wenn schwarze Massen und Figuren
darüber hinaus ragen, so aber einen höchst einförmigen und öden Anblick
gewährt.
Wir kamen auch an zwei Grotten vorüber, die sich zu unsern Füßen öffneten.
Am Eingange der einen stand ein Felsenpfeiler, als Stütze einer ungeheuern
Lavaplatte, welche ein schauerliches Portale bildete. Leider hatte ich von
diesen beiden Höhlen nichts gewußt, und daher auch keine Vorbereitungen
getroffen, sie besuchen zu können. -- Wenigstens hätte ich Fackeln dazu
benöthiget. So viel ich aber später erfuhr, sollen sie gar nicht tief
reichen, und nichts Interessantes bieten.
Im Verlaufe dieses Tages kamen wir durch Thäler, wie ich deren in ganz
Island noch keine gesehen hatte. Schöne Wiesenteppiche, und zwar ohne
jene zahllosen Erhöhungen, bedeckten oft mehrere meilenlange Strecken.
-- Natürlich waren diese futterreichen Thäler auch ziemlich bewohnt; wir
ritten häufig an 3-4 beisammen stehenden Kothen vorüber, und sahen Pferde,
Kühe und Schafe in ziemlicher Anzahl auf den Wiesen weiden.
Die Berge, die diese Thäler auf der linken Seite begränzten, erschienen
mir sehr merkwürdig; -- sie waren zwar auch braun, schwarz oder dunkelblau,
allein die Massen, aus welchen sie bestanden, hielt ich, meinen geringen
mineralogischen Kenntnissen zu Folge, für feine Lehmschichten. Einige
dieser Berge hatten auch Aufsätze von großen, einzeln stehenden Lavafelsen,
wirklichen Kolossen, von denen es mir unbegreiflich war, wie sie sich auf
diesen weichen Schichten halten konnten.
In einem dieser Thäler lag auch ein ziemlich bedeutender See, an und um
welchen einige Dampfwolken empor wirbelten, die von unbedeutenden heißen
Quellen aufstiegen.
Nun aber, nachdem wir schon bei 5-6 Meilen zurückgelegt hatten, kam das
Merkwürdigste das mir noch je vorgekommen ist; -- es war dieß ein Strom mit
einem ganz eigenthümlichen Flußbette.
Dieses Flußbett ist breit und etwas abschüssig; es besteht aus
Lavaschichten und ist in der _Mitte_ der _Länge_ nach durch eine 18-20 Fuß
tiefe, und 15-18 Fuß breite Schlucht getheilt, der sich das Wasser brausend
und schäumend zudrängt, so daß man schon von weitem das Rauschen desselben
hört. -- Ueber diese Kluft führt ein hölzernes Brückchen, das in der Mitte
des Flusses steht, und stets von den hochaufspringenden Wogen bespühlt
wird. -- Wer nun nicht näher unterrichtet ist, kann sich schwerlich diesen
Anblick, so wie das Tosen und Brausen des Stromes enträthseln. -- Das
Stückchen Brücke mitten im Flusse würde man für den Rest einer eben
zerstörten Brücke halten, und die Kluft sieht man vom Ufer aus nicht,
weil sie von den aufschäumenden Wellen überragt ist. -- Gewiß, von einer
unbeschreiblichen Bangigkeit wird man erfaßt, sieht man den verwegenen
Führer in den ungestümen Fluß hineinreiten, und muß ihm dann ohne Gnade und
Barmherzigkeit folgen.
Der Priester zu Thingvalla hatte mich auf diese Scene schon vorbereitet,
und mir gerathen, über diese Brücke zu _gehen_. Da aber der Wasserstand
in dieser Jahreszeit so groß war, daß die Wogen von allen Seiten bei 2
Fuß hoch über die Brücke schlugen, konnte ich nicht absteigen, und mußte
hinüber reiten.
Die ganze Passage durch den Strom war so eigen, daß man sie sehen muß, aber
schwer beschreiben kann. Mit furchtbarer Gewalt tobt und ras't das Wasser
von allen Seiten; es stürzt mit heftigem Ungestüm in die Kluft, bildet von
beiden Seiten Fälle, und zerschellt beinah an den emporragenden Klippen.
-- Unweit der Brücke endet die Kluft, und der Strom stürzt dann in seiner
ganzen Breite über 30 bis 40 Fuß hohe Felsen. Je mehr wir der Mitte
zukamen, desto wüthender, tiefer und reißender wurde der Strom, desto
betäubender das Getöse. Die Pferde wurden ängstlich und scheu, und als wir
über die Brücke reiten wollten, fingen sie an zu zittern, sträubten sich,
wandten sich nach allen Seiten, nur nicht nach der rechten, und versagten
uns durchaus den Gehorsam. Mit unendlich vieler Mühe gelang es uns endlich,
sie über diese gefahrdrohende Stelle zu bringen.
Das Thal, welches von diesem originellen Flußbette durchschnitten wird, ist
enge, und ganz von Lava-Bergen und Hügeln umfaßt; die erstorbene, lautlose
Natur vollkommen geschaffen, dem Wanderer diese grausige Scene für immer
in's Gedächtniß zu prägen.
Dieser merkwürdige Strom war das letzte Hinderniß gewesen, und nun ging
es ruhig und gefahrlos in einem schönen Thale fort, bis zu dem Geiser, den
jedoch ein vorliegender Hügel meinem spähenden Auge noch lange verbarg. --
Endlich war auch dieser Hügel umritten, und ich sah den Geiser mit seinen
Umgebungen, mit den mächtigen Dampfsäulen, mit den zahllosen Wolken und
Wölkchen. -- Von diesem Hügel hatten wir noch eine kleine halbe Meile
an den Geiser, und die ihn umgebenden heißen Quellen. Da kochten und
sprudelten sie rings um ihn herum, und mitten durch führte der Weg zu
seinem Becken. -- Achtzig Schritte vor diesem wurde Halt gemacht.
Und nun stand ich da -- vor einem Hauptziele meiner Reise; ich sah es, --
es lag so nahe vor mir, und doch wagte ich keinen Schritt weiter. -- Ich
wußte nicht, ob und wie weit man sich dem Becken nähern dürfe. -- Da
kam ein Bauer, der uns aus einer der nahen Kothen gefolgt war, und meine
Begierde und Furcht errathen haben mochte; der nahm mich bei der Hand und
machte meinen Cicerone. Leider hatte er aber, da es gerade Sonntag war, der
Brandweinflasche etwas zu tapfer zugesprochen, so daß er mehr taumelte
als ging, -- und diesem Menschen nun, von dem ich nicht wußte, ob er noch
Verstand genug besäße, unterscheiden zu können, wie weit man sich überall
wagen dürfe, sollte ich mich anvertrauen? -- Zwar versicherte mich mein
Führer, der mich von Reikjavik hierher begleitet hatte, daß ich ihm dessen
ungeachtet trauen dürfe, und daß er selbst mitgehen werde, um mir sein
isländisches Kauderwelsch in das Dänische zu übersetzen, aber dennoch
folgte ich ihm nicht ohne einige Furcht.
Er führte mich also bis an den Rand des Beckens des Geisers, der auf einer
sanften Erhöhung von höchstens 10 Fuß liegt und in sich das Becken und
den Kessel faßt. Der Durchmesser des Beckens mag 30 Fuß betragen, der des
Kessels 6-7 Fuß. Beide waren bis an den Rand gefüllt, das Wasser war rein
wie Crystall, kochte und brauste aber nur sehr wenig. Bald verließen wir
diese Stelle; denn, ist Becken und Kessel mit Wasser ganz angefüllt, so ist
es höchst gefährlich sich ihm zu nähern, da er sich alle Augenblick durch
einen Ausbruch entleeren kann. Wir gingen also die andern Quellen zu
besichtigen.
Mein begeisterter Führer bezeichnete mir jene, denen ich ungescheut nahen
dürfe, und warnte mich vor den andern. Dann kehrten wir wieder in die Nähe
des Geisers, wo er mir noch einige Verhaltungsregeln für den Fall eines
statthabenden Ausbruches gab, und mich dann verließ, um Anstalt zu meinem
Aufenthalte zu treffen. -- Ich will hier in Kurzem die Regeln meinen Lesern
mittheilen.
»Die Wassersäule steigt immer senkrecht in die Höhe, und das überströmende
Wasser hat seine Hauptabzüge stets auf einer und derselben Seite; von
dieser muß man sich daher entfernt halten. An den andern Seiten läuft
zwar auch Wasser ab, aber nur in sehr geringer Menge, und in unförmlichen
Rinnen, denen man leicht ausweichen kann. -- Man kann sich daher von diesen
Seiten selbst bei den stärksten Ausbrüchen bis auf vierzig Schritte nahen.
Der Ausbruch selbst kündigt sich durch ein dumpfes Gebrüll an. Wie man nun
dieß vernimmt, muß man sich gleich auf die bezeichnete Stelle begeben,
da der Ausbruch sehr schnell darauf folgt. Das Wasser steigt jedoch nicht
jedesmal in die Höhe, oder oft auch nur unbedeutend, so daß man, um eine
schöne Explosion zu sehen, manchmal mehrere Tage verweilen muß.«
Für das Unterkommen der Reisenden sorgte wahrhaft edelmüthig der
französische Gelehrte, Herr _P. Geimard_, der vor einigen Jahren ganz
Island bereiste. Er ließ nämlich zwei große Zelte zurück, und zwar das
eine hier, und das andere in Thingvalla. Das hiesige ist besonders
zweckdienlich, da man, wie gesagt, oft mehrere Tage auf einen schönen
Ausbruch warten muß. -- Gewiß wird jeder Reisende, wenigstens in Gedanken,
ihm Dank für diese Annehmlichkeit zollen. -- Ein Bauer, derselbe, der die
Reisenden an den Quellen herum führt, hat es zu bewahren, und muß es gegen
ein Trinkgeld von 1 bis 2 fl. Jedermann aufschlagen.
Als ich mit meinem Zelte in Ordnung kam, war es bereits 11 Uhr Nachts. Da
empfahlen sich Alle, und ich blieb _allein_ zurück.
Man pflegt immer die Nacht zu durchwachen, um keinen Ausbruch zu versäumen.
Für _mehrere_ Reisende ist nun zwar ein abwechselndes Wachen keine sehr
schwere Sache, für mich allein war es aber doch eine arge Last; -- und
einem isländischen Bauer ist nicht zu trauen; den könnte oft kaum ein
Ausbruch des Hekla erwecken.
Ich saß bald vor, bald in dem Zelte und horchte mit gespannter Erwartung
der Dinge, die da kommen sollten; endlich -- nach Mitternacht -- der
Geisterstunde -- vernahm ich einige dumpfe Töne, als würde in weiter
Ferne eine Kanone gelöst, und deren echoähnlicher Schall durch den Luftzug
herüber getragen. -- Ich stürzte aus dem Zelte, und erwartete nun in
Folge der Beschreibungen, welche ich gelesen hatte, unterirdisches Getöse,
heftiges Krachen und Erzittern der Erde, als Vorläufer des eigentlichen
Ausbruches. -- Kaum konnte ich mich einer Anwandlung von Furcht erwehren.
Um Mitternacht bei einer solchen Scene sich allein zu wissen, ist denn doch
keine kleine Sache.
Manche meiner Freunde und Freundinen werden sich vielleicht erinnern, wie
ich ihnen schon bei meiner Abreise sagte, daß ich mir vorstelle, auf
den Reisen in Island vorzüglich in den Nächten am Geiser der meisten
Herzhaftigkeit zu benöthigen.
Diese dumpfen Laute ließen sich nur in sehr kurzen Zwischenräumen 13 Mal
vernehmen; nach einem jedesmaligen Laute überlief das Becken, und entleerte
sich immer bedeutender Portionen Wassers. Die Töne selbst schienen
nicht von einem unterirdischen Tosen, sondern von den starken, heftigen
Aufwallungen des Wassers herzurühren. -- Nach anderthalb Minuten war
Alles vorüber; das Wasser floß nicht mehr über, Kessel und Becken blieben
ziemlich gefüllt, und -- in jeder Hinsicht getäuscht kehrte ich wieder
in mein Zelt zurück. -- Diese Erscheinungen wiederholten sich alle 2½,
spätestens alle 3½ Stunden. Ich sah und hörte die ganze Nacht nichts
anderes, so wie auch am folgenden Tage und in der zweiten Nacht. Vergebens
sah ich einem Ausbruche entgegen.
Nachdem ich mit dieser periodischen Beschaffenheit meines Nachbars vertraut
geworden war, überließ ich mich in den Zwischenräumen entweder einem leisen
Schlummer, oder ich besuchte die andern Quellen und ging auf Entdeckungen
aus -- nach den kochenden Brodem, und nach den verschiedenen farbigen
Quellen, welche hier gesehen zu haben manche Reisebeschreiber behaupten.
Alle heißen Quellen sind in einem Umkreise von 800 bis 900 Schritte
vereint; mehrere derselben sind merkwürdig, die meisten aber unbedeutend.
Sie liegen in einem Winkel eines ungeheueren Thales am Fuße eines Hügels,
hinter welchem sich eine Gebirgskette erhebt. Das Thal ist ganz mit Gras
bewachsen, und die Vegetation ist nur unmittelbar in der Nähe der Quellen
etwas geringer. -- Auch liegen überall Kothen, ja die nächsten an den
Quellen mögen kaum 7-800 Schritte davon entfernt sein.
Größere Becken und Kessel mit kochenden und springenden Quellen zählte ich
zwölf; -- kleinere noch mehr.
Unter den Springquellen zeichnet sich besonders der _Strokker_ aus. Er
kocht und wallt mit ganz außerordentlicher Heftigkeit in einer Tiefe von
ungefähr 20 Fuß, schießt dann plötzlich auf, und wirft seine Strahlen in
die Höhe. Ein solcher Ausbruch soll oft über eine halbe Stunde währen,
und die Strahlen sollen oft bei 40 Fuß hoch gehen. Ich sah mehrere seiner
Ausbrüche, aber leider nie einen in dieser vollen Herrlichkeit. Der
stärkste Strahl, den ich sah, mochte höchstens 30 Fuß hoch gehen, und das
Aufsteigen währte nie über eine Viertelstunde. -- Der Strokker ist außer
dem Gaiser die einzige Quelle, der man sich vorsichtig nahen muß. Die
Ausbrüche folgen oft auf einander, setzen aber oft auch viele Stunden aus,
und kündigen sich nicht an. -- Eine andere Quelle springt beständig, aber
nie über 3-4 Fuß. -- Wieder eine andere liegt ungefähr 4-5 Fuß tief in
einem ziemlich weiten Kessel, und wirft kaum einige zarte Bläschen auf.
Diese Ruhe ist aber nur scheinbar; sie dauert oft nicht ½ Minute, höchst
selten 2 bis 3 Minuten. Dann fängt die Quelle an zu brausen, zu wallen und
zu kochen, und wirft 2 bis 3 Fuß hohe Strahlen, die jedoch nie die Höhe des
Kessels erreichen. -- In einigen Kesseln hörte ich wieder ein Kochen und
Brausen, wie ein leises Brüllen, sah aber kein Wasser, oft nicht einmal
viel Dampf aufsteigen.
Zwei der allermerkwürdigsten Quellen aber, wie man sie vielleicht in der
ganzen Welt nicht sehen kann, liegen gleich oberhalb des Geisers, in zwei
Oeffnungen, die durch eine kaum fußbreite Felswand geschieden sind. Diese
Scheidewand erhebt sich aber nicht über die Oberfläche des Erdbodens,
sondern geht nur in die Tiefe hinab; das Wasser kocht sehr schwach, und hat
einen gleichmäßig langsamen Abfluß. Die außerordentliche Schönheit dieser
Quellen besteht in ihrer merkwürdigen Durchsichtigkeit und Klarheit. All
die manigfaltigen Formen und Höhlen, die vorspringenden Zacken und Ecken
der Felsen sieht man weit hinab, bis sich der Blick in den Tiefen der
Finsterniß verliert. -- Noch schöner aber und wie dem Feenreiche entnommen
wird diese Quelle durch eine herrliche Beleuchtung, die sich an den Felsen
bildet. Es ist das zarteste, durchsichtigste, blaßgrün und blau spielende
Licht, und gleicht dem Wiederscheine eines griechischen Feuers. -- Das
Merkwürdigste aber ist, daß dieses Farbenspiel von den Felsen auszugehen
scheint, indem es sich nur 8 bis 10 Zoll weit davon erstreckt, und das
übrige Wasser wieder farblos, wie das gewöhnliche, nur durchsichtiger und
reiner ist.
Ich konnte das nicht glauben, und dachte, die Sonne müße doch auch mit im
Spiele sein; ich ging daher zu den verschiedensten Zeiten an diese Quellen,
theils wenn die Sonne hell leuchtete, theils wenn sie von Wolken ganz
umhüllt war, ja selbst nach ihrem Untergange: -- die Beleuchtung blieb
immer dieselbe, immer das gleiche, überirdisch schöne Farbenspiel.
Man kann sich dem Rande dieser Quellen ungescheut nahen. Die Decke, welche
sich unmittelbar an die Quellen schließt, und unter die man nach allen
Seiten sehen kann, ist zwar nur eine dünne Felsplatte, aber doch stark
genug, um jeden Einbruch zu verhüten. -- Das Schöne und Ergreifende
liegt, wie bereits gesagt, in der magischen Beleuchtung und in der
Durchsichtigkeit, vermöge welcher alle Höhlen und Grotten bis zur größten
Tiefe dem Auge sichtbar sind.
Unwillkührlich fiel mir Schillers Taucher ein. Ich meinte den Becher an
den Spitzen und Zacken der Felsen hangen, -- die Ungeheuer aus den Tiefen
auftauchen zu sehen. -- -- An dieser Stelle das herrliche Gedicht zu lesen,
müßte von ganz eigener Wirkung sein.
Kessel, in welchen Brodem oder farbige Wasser kochten, fand ich beinahe gar
keine. Das Einzige, was ich der Art sah, war ein kleines Becken, in welchem
eine braunrothe Substanz kochte, die etwas dichter war als Wasser. Ein noch
kleineres Quellchen mit schmutzig braunem Wasser würde ich ganz übersehen
haben, hätte ich nicht so emsig nach derlei Merkwürdigkeiten gesucht.
Endlich nach langem Harren und Warten, am zweiten Tage meines Aufenthalts
am Geiser, am 27-ten Juni um halb 9 Uhr Morgens, war es mir vergönnt, einen
Ausbruch des Geisers in seiner vollsten Pracht zu sehen. -- Der Bauer,
der täglich Früh und Abends kam, sich zu erkundigen, ob ich schon einen
Ausbruch gesehen habe, war gerade bei mir, als sich die dumpfen Töne,
welche denselben ankündigen, wieder hören ließen. -- Wir eilten hinaus, und
ich verlor abermals die Hoffnung etwas zu sehen; das Wasser überwallte
nur, wie gewöhnlich, und das Getöse ließ schon nach. -- Da aber begann auf
einmal, als kaum die letzten Töne verstummt waren, die Explosion. --
Diese zu schildern, weiß ich wirklich keine Worte zu finden. So etwas
Großartigem, so ergreifend Schönem kann man nur einmal im Leben begegnen.
Alle meine Erwartungen und Vorstellungen wurden weit übertroffen. -- Die
Strahlen schoßen mit unbeschreiblicher Kraft, Heftigkeit und Wasserfülle
empor; eine Säule stieg höher als die andere, eine schien die andere
überbieten zu wollen. -- Als ich nur einigermaßen mich von der
Ueberraschung erholt hatte, und meiner Besinnung wieder mächtig war,
sah ich auf das neben an stehende Zelt. -- Wie klein, wie winzig klein,
erschien es gegen die Höhen dieser Wassersäulen! Und doch hatte es bei 20
Fuß Höhe. Freilich lag es ungefähr 10 Fuß niedriger, als das Becken des
Geisers; -- hätte man aber Zelt auf Zelt gestellt, so konnten diese 10
Fuß doch nur das erstemal abgezogen werden, und ich berechnete nach meiner
Ansicht, die wohl nicht die richtigste sein mag, daß man fünf und sechs
Zelte auf einander hätte stellen können, um die gleiche Höhe zu erreichen.
-- Ohne Uebertreibung glaube ich behaupten zu können, daß der stärkste
Strahl gewiß über 100 Fuß hoch stieg, und 3 bis 4 Fuß im Durchmesser hatte.
Glücklicher Weise hatte ich schon beim Beginn der dumpfen Töne, der
Vorläufer des Ausbruches, auf die Uhr gesehen; während des Ausbruches
selbst würde ich wohl darauf vergessen haben. -- Das Ganze währte bei
vier Minuten, von denen die größere Hälfte auf die eigentliche Eruption zu
rechnen ist.
Als diese wunderbare Scene geendet hatte, geleitete mich der Bauer an
das Becken. Wir konnten uns nun sowohl diesem, als dem Kessel ohne Gefahr
nähern, und beide nach Gefallen betrachten und umgehen. -- Zu besorgen
war nichts mehr. Das Wasser war spurlos aus dem Becken verschwunden; wir
stiegen hinein und naheten uns unmittelbar dem Kessel, in welchem das
Wasser ebenfalls 7 bis 8 Fuß tief gesunken war, wo es heftig kochte und
wallte.
Ich löste mittelst eines Hammers einige Krusten sowohl von dem Innern des
Beckens, als auch des Kessels; die ersteren waren weiß, letztere braun.
Auch das Wasser kostete ich; es hatte keinen unangenehmen Geschmack, und
kann nur wenig Schwefeltheile enthalten, da auch der Dampf nicht darnach
riecht.
Ich ging nun jede halbe Stunde zu dem Becken des Geisers, um zu beobachten,
wie viel Zeit zur Füllung des Kessels und Beckens nöthig sei. -- Nach der
ersten Stunde konnte ich noch in das Becken steigen; als ich aber nach
einer halben Stunde später kam, war der Kessel bereits gefüllt, und fing
gerade an überzulaufen. So lange das Wasser nur den Kessel füllte, kochte
es heftig auf, je mehr es aber in das Becken überfloß, desto weniger kochte
es, und hörte beinahe ganz auf, nachdem das Becken angefüllt war; es warf
nur hie und da kleine Bläschen.
Nach dem Verlaufe von ferneren zwei Stunden -- es war gerade 12 Uhr Mittags
-- war das Becken beinah bis an den Rand gefüllt, und während ich noch an
selbem stand, fing das Wasser wieder an, sich heftig aufzuwerfen, und die
dumpfen Töne von sich zu geben. Ich hatte kaum Zeit zurück zu springen,
denn allsogleich erhoben sich die Strahlen. Sie stiegen dießmal während
des Brüllens empor, und waren noch wasserreicher, als jene der ersten
Explosion, was wohl daher kommen mochte, weil sie nicht so hoch sprangen,
und daher dichter beisammen blieben. -- Ihre Höhe mochte bei 40 und 50 Fuß
betragen. Kessel und Becken blieben dießmal nach dem Ausbruche beinahe eben
so gefüllt, wie vorher.
Somit hatte ich nun zwei Explosionen des Geisers gesehen, und fühlte mich
bereits reichlich entschädigt für meine unermüdete Geduld und Wachsamkeit.
Aber ich sollte noch glücklicher sein, und seine Ausbrüche in allen Formen
und Gestalten kennen lernen; -- er sprang abermals um 7 Uhr Abends, stieg
höher als Mittags, und führte dießmal einige Steine mit, die in der weiß
schäumenden Wassersäule gerade wie schwarze Flecken und Punkte aussahen. --
Und wieder ein anderes Schauspiel gewährte er in der dritten Nacht. --
Da erhob sich das Wasser in furchtbaren, schnell auf einander folgenden
Wallungen, ohne Strahlen zu werfen; das Becken floß stark über, und es
erzeugte sich eine solche Masse von Dampf, wie ich noch nie gesehen.
Zufällig trieb ihn der Wind gerade der Gegend zu, wo ich stand, und da
hüllte er mich so dicht ein, daß ich kaum einige Fuß weit sehen konnte. Ich
fühlte jedoch weder einen Geruch, noch eine Beängstigung, sondern nur einen
geringen Grad von Wärme.